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Full text of "Österreichischer Erbfolge-Krieg, 1740-1748. Nach den Feld-Acten und anderen authentischen Quellen bearb. in der Kriegsgeschichtlichen Abtheilung des K. und K. Kriegs-Archivs"

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OESTERREICHISCHER 



ERBFOLGE-KRIEG 



1740-1748. 



Nach den Feld -Acten und anderen authentischen Quellen 

bearbeitet in der 

kriegsgeschichtlichen Abtheilung 
des 

K. und k. Kriegs-Archivs. 



II. BAND 

(Mit sieben Beilagen). 



Wien 1896. 

Verlag von L. W. Seidel & Sohn 

K. und k. Hofbuchhändler. 



&urBespreei 



(Geschichte der Kämpfe Oesterreichs.) 



KRIEGE 



unter der Regierung der KLaiserin -Königin 



Maria Theresia. 



Im Auftrage des 



K. und k. Chefs des Generalstabes 



herausgegeben von der 



Direetion des k. und k. Kriegs-Arehivs. 



Wien 1S96. 

Verlag von L. W. Seidel & Sohn 



K. und k. Hofbuckhiindler. 



OESTERREICHISCHER 



ERBFOLGE-KRIEG 



1740 4748. 



ii. B.A.:vr> 

(MIT SIEBEN BEILAGEN). 



Nach den Feld -Acten und anderen authentischen Quellen 

bearbeitet in der 
kriegsgeschichtlichen Abtheilung 

des 

k. und k, Kri eg s- Are hi vs 

von 

Carl von Duncker 

k. und k. Oberst. 



Wien 1896. 

Verlag von L. W. Seidel & Sohn 

K. und k. Hofliuchhiindler. 



I\ 



BJt-2. 




Druck von Josef üoller & Comp. Wien, 



Der erste schlesische Krieg. 



Inhalt. 



IL Band. 

Seite 

Der erste schlesische Krieg. Feldzug 1740—1741 1 

Vorbereitungen König Friedrich IL von Preussen zum Ein- 
märsche in Schlesien 

Die militärischen Verhältnisse in Schlesien von Mitte 

October bis Mitte December 1740 

Der Einmarsch der preussischen Truppen in Schlesien. . 26 

Die Capitulation von Breslau ^ 

Bildung einer Operations-Armee in Oesterreich o4 

Die Ereignisse in Schlesien im Monate Januar 1741 ... 67 t 

Die Unternehmung auf Ohlau 

Die Kämpfe um Ottmachau 

Angriff auf die Festung Neisse • • 88 

Rückmarsch des FML. Grafen Browne und die Vertheidigungs-Mass- 

nahmen in Mähren 

Die preussischen Winter-Quartiere 106 

Vorgänge am rechten Oder-Ufer. Einnahme von Namslau .... 

Einnahme von Jablunkau 

FML. Graf Browne in Mähren 119 

Der kleine Krieg an den mährisch-schlesischen Grenzen im Monate 

Februar 

Ereignisse im Monate Februar 13 

In der Grafschaft Glatz 131 

Der Ueberfall bei Baumgarten " ' ' , 

Die Ereignisse bis zum Beginn der grösseren Operationen 152 

Die Einnahme von Glogau lbb 

Ereignisse vom 9. bis 18. März 1741 178 

Aufmarsch der österreichischen Armee 

Eintreffen des FZM. Grafen Neipperg. Beginn der Operationen . . 185 
Operationen der beiderseitigen Armeen zu Anfang April. 201 

Die Schlacht bei Mollwitz 22 ° 

Rückzug der österreichischen Armee an die Neisse . . . 251 

Die Gruppierung der Mächte ätW 

Die österreichische Armee im Lager bei Neisse 29! 



Die Belagerung und Einnahme von Brieg 



sus 



XII 



Seite 

Der kleine Krieg in Schlesien 325 

Der Mediations-Versuch Englands 337 

Die Allianzen der Gegner Maria Theresia's 3-1(5 

Veränderungen des preussischen Lagers 364 

Thätigkeit der Streif-Corps der österreichischen Armee 3G4 

Vereinbarungen zwischen den pragmatischen Mächten . . 377 

Die Sendung des FML. Grafen Browne nach Dresden . . 390 

Ereignisse im Monat Juli 394 

Die Wiederaufnahme der Operationen durch die öster- 
reichische Armee 401 

Die Besetzung von Breslau 420 

Die Lagerstellungen bei Frankenstein . . . . : 431 

Rückmarsch an die Neisse 443 

Diplomatische Verhandlungen im Lager 447 

Die Convention von Klei n-Schnellendorf 508 

Der Abmarsch der österreichischen Armee aus Schlesien 519 

Die Belagerung und Einnahme von Neisse 528 



Anhang. 

I/i. Preussische Declaration, die Einrückung in die schlesischen 

Lande betreffend (13. December 1740) 541 

I/2. Patent wegen des Einmarsches Seiner königl. Majestät in 
Preussen Truppen in das Herzogthum Schlesien. Berlin, den 

1. December 1740 541 

IL General-Tabelle über den dermaligen Stand der Infanterie- 

und Cavallerie-Regimenter (Wien, 5. November 1740) . . . 544 
III. Verzeichniss der in Ungarn und in den deutschen Ländern 
liegenden Regimenter, welchen der Befehl ertheilt worden, 
nämlich die Infanterie, dass sie auf 2000 Mann und die Cavallerie, 
dass sie auf S00 Mann und Pferd sich ergänzen sollten . . 549 

IVA. Offene Ordre für den FML. Graf Browne . . • 551 

IV/2. Gehorsams-Patent für FML. Graf Browne 551 

V/1.2. Eincpiartierungsfreiheit der Stadt Breslau 553 

VI. Patent betreffend die Einrückung preussischer königlicher 

Truppen in Schlesien. Breslau, den 18. December 1740 . . 554 
VII. Ordre de bataille der im December 1740 nach Schlesien 

rückenden preussischen Armee 557 

VIII/i. Pro Memoria was die beyden Abgeordneten von Ihro königl. 
Majestät in Preussen der k.HerrObrister vonPosadowsky und 
der Herr Obrister von Borcke dem Herrn Raths Praesidi und 
einigen dazu ex gremio Magistratus gezogenen vorgetragen 5(50 



XIII 



VIII/2.3, 

\ 

IX. 

X. 

XI. 
XII. 

XIII/i. 

XIII/2. 

XIV/i. 

XIV/2. 

XV/i. 
XV/i. 

XV/3. 



XVI/l.2.3 

XVII. 

XVIII/i. 

XVIII/2. 
xvin/s. 



XIX. 
XX. 



Seite 
Vollmacht für die beiden Oberste den von Posadowsky 
und den von Borcke im Namen und von wegen Ihro königl. 
Majestät in Preussen der Stadt Breslau einige Propositiones zu 
thun, darüber zu tractieren und zu handeln, auch zu schliessen 561 
Weisung König Friedrich IL an Graf Schafigotsch, Schlesien 

zu verlassen. Schweidnitz, den 23. Februar 1711 563 

Ernennung des FZM. Reinhard Grafen Neipperg zum Ober- 

Commandanten der Armee - ,(> ^ 

Capitulation der Besatzung von Ohlau 9. Januar 1711 . . 5G5 
Capitulacion der Besatzung des Schlosses zu Ottmachau, 

12. Januar 1711 567 

Offene Ordre für GPWM. Baron Lentulus.Wien, den 4. Jan. 1711 569 
Schreiben des (böhm.) Oberst-Hofkanzlers Grafen Ivinsky 
an den Kreishauptmann von Mähren Baron Schubirz. Wien, 

den 4. Januar 174L 57<l 

Consignation der in den Kreisen Mährens zur Errichtung 

kommenden Haupt- und Filial-Magazine 571 

Getreide-Preise auf dem Markte zu Olmütz vom 31. Januar 

1741. Preise zu Prossnitz am 16. März 1741 572 

Copia einer Ordre des preussischen FM. Grafen Schwerin an 
den Herrn Kreishauptmann in Mähren, Grafen von Salm in 
simili den Herrn Baron Schubirz . Troppau, den 29. Januar 1771 573 
Copia der Ausschreibungen des preussischen GL. Grafen 
von Schullenberg an ein und andere Fürstenthümer in 

Schlesien. Troppau, den 29. Januar 1741 573 

Placat, dass ein jeder der schlesischen Einwohner unge- 
hindert von einem Ort zum andern im Lande reisen und 
Waaren auch Vivres zu den Städten bringen könne, wie 
auch dass alles vorräthige Getreide zu den königlichen 
Magazinen gegen bare Bezahlung geliefert werden solle. 

m I— I 

Troppau, den 4. Februar 1741 °'± 

4. (Jebergabe der Schanze Jablunka an die Preussen durch 

den Commandanten Oberst-Lieutenant O'Reilly 576 

Effektiver Stand der nach Böhmen, Mähren und Schlesien 
beorderten königlichen Infanterie- und Cavallerie-Eegimenter 582 
Offene Ordre an die Commandanten der aus Ungarn nach 
Skalitz im Marsche begriffenen königl. Regimenter. Wien, 

den 14. Januar 1741 533 

Offene Ordre an die Commandanten der aus Ungarn über 
Welka in Mähren einzutreffen habenden Regimenter und 
respectiven Colonnen. Wien, den 21. Februar 1741 .... 583 
Offene Ordre an die Commandierenden Officiere der über 
Skalitz in Mähren zu passieren habenden königlichen Truppen. 

Wien, den 28. Januar 1741 584 

Werb-Patents-Formular. Wien, den 18. Januar 1741 . . . . 585 
Offene Ordre an die zur Uebernehmung der landständischeii 
Recruten im Markgrafthum Mähren beorderten Ofliciere. 
Wien, den 11. Februar 1741 586 



XIV 



Seite 
XXI/i. Designation, was zur bevorstehenden Ausrüstung der 16 Feld- 
Stücke bei dem Feld- Artillerie-Haupt-Corpo an verschiedenen 
Eequisiten aus dem Haupt-Zeughaus Wien abzugeben kommt 587 
XXI/2. Specification, was von dem königlichen Feld-Artillerie-Corpo 

sich im marschfertigem Stand haltet. Prag, den 2 1 . Januar 1741 5S8 
XXII. Aufruf des FM. und Judex Curiae Graf Johann Palffy zur 

Truppenstellung. Pressburg, den 26. Januar 1741 590 

XXIII. Befehl des Hof-Kriegsrathes an Oberstlieutenant von 
Fontaneila zur Uebernahme des Commandos von Glatz. 
Wien, den 11. December 1740 591 

XXIV. Der Prälat von Grüsau an den Landeshauptmann Grafen 
von Waldstein am 26. Februar 1741 -.-... 593 

XXV. Schreiben des Königs von Preussen an den Churfürsten 
Philipp Carl und die dortselbst accreditierten fremden 
Ministers über ein von österreichischer Seite gegen ihn 

geplantes Attentat. Berlin, den 11. März 1741 595 

XXVI. Der König von Preussen an seinen bevollmächtigten Minister 

von Pollmann zu Regensburg. 11. März 1741 597 

XXVII. Entdeckung eines von österreichischer Seite gegen den König 

von Preussen geplanten Attentates £98 

XXVIII/i. 2. Gegenerklärung Maria Theresias an die Höfe, enthaltend die 
Entrüstung über die Verdächtigung eines von österreichischer 
Seite gegen den König von Preussen geplanten Attentates . 539 
XXIX/i. Königlich -Preussisches Placat, dass alle und jede Ein- 
gesessene und Untherthanen in Schlesien, sie seien geist- 
oder weltlichen Standes, die Steuern, Accisen und andere 
Landes- Abgaben bis auf nähere Verordnung etc. zu den 
Landes-Cassen liefern sollen. Hauptquartier Ottmachau, 

den 18. Januar 1741 602 

XXIX/2. Königlich-Preussisches an Fürsten und Stände auch sämmt- 
liche Landes-Inwohner im Herzogthum Ober- und Xieder- 
Schlesien erlassenes Patent die Eintreibung einespostulierten 
Steuer-Geldes und Herstellung der bisherigen Accise-Collecteii 
zu Abtragung eines monatlichen Geld-Quanti zur Feld- 
Kriegs-Cassa betreffend. Berlin, den 12. Februar 1741 . . . 603 
XXIX/3. Pro Memoria des königlich preussischen Feld-Kriegs-Com- 
missariats über Steuer und Lieferungsverhältnisse in Breslau 
nach der preussischen Besitzergreifung. Breslau, den 

25. Februar 1741 606 

XXX. Stand- und Dienst-Tabelle der in der Festung Glatz garni- 
sonierenden löbl. Regimenter wie sich selbe zu Diensten 

befinien. 2. März 1741 608 

XXXI. Befehl des königl. preussischen commandierendenGFM. Grafen 
von Schwerin an einige Stände und Dorfschaften in Schlesien 
bezüglich Natural-Lieferungen an die preussische Armee. 

Jägerndorf, den 4. März 1741 610 

XXXII. Wach-undPosten-Zettel, wie solchem währender Blockade in 

demPosto Gross-Glogau täglich aufgestellt u. gehalten worden 61 1 



XV 



XXXIII/i.2 

xxxiv. 

XXXV. 

XXXVI/1.2. 
XXXVII. 

XXXVIII. 

XXXIX. 

XL. 

XLI/i. 

XLI/2. 
XLII/1.2. 

XLIII. 

XLIV. 

XLV. 



XLVI. 

XLVII/i. 

XLVII/2. 
XLVIII. 

XLIX. 

L. 

LI. 



Seite 
Beantwortung der auf die Capitulation von Gross-Glogau 
bezüglich vom Hof-Kriegsrath gestellten Fragepuncte durch 
FML. Grafen von Wallis. Wien, den 28. August 1711 . G13, 618 
Marsch-Route, wonach das von Prag über Landskron in das 
Markgrafthum Mähren beorderte Feld-Artillerie-Commando 

abzugehen hat. Prag, den 2. März 1741 62 L 

Liste des in das Feld beorderten grossen und kleinen General- 

622 
Stabes . . • 

Bagage-Ordnung. Wien, den 24. Februar 1741 624 

Schreiben an die Herrn General-Landes-Kriegs-Cominissäre 

in Mähren. Wien, am 22. Februar 1741 63 ° 

Schreiben des Grafen Kaunitz an FZM. Graf Neipperg. 

Brunn, den 9. März 1741 ■ 637 

Der böhmische Hofkanzler Graf Kinsky an FZM. Graf 

Neipperg. Wien, 11. März 1741 6i4 

FZM. Graf Neipperg an die Administratoren, Kanzler 
und Regierungsräthe des Bisthums Breslau zu Neisse. 

Olinütz, den 13. März 1741 646 

Schreiben des Hof-Kriegsrathes an den FML. Ascanio 

Marchese Guadagni. Wien, den 27. Februar 1741 647 

Werbpatent für den russischen Herrn OWM. von der Trenkh 
zu Aufbringung 1000 Mann Raizischer Miliz in Slavonien. 

Wien, am 27. Februar 1741 6oü 

Schreiben des FM. Graf Neipperg an die Regierung zu Neisse. 
Olmütz, den 21. März 1741 und vom 23. März 1741 . . 652, 653 
Marschbefehl für das Dessewffy'sche Husaren-Regiment. 

Olmütz, den 25. März 1741 • 656 

Schreiben des FM. Graf Khevenhüller an FM. Graf 

Neipperg. Wien, am 19. April 1741 _ • • • 6o ' 

Puncta, welche praeliminariter unter Russlands Vermittlung 
zum Grunde einer vollständigen Einverständniss und 
Zusammensetzung zwischen Ihro Königl. Majestät von 
Polen, als Churfürsten zu Sachsen und Ihro Majestät der 
Königin von Ungarn und Böhmen gelegt werden. 21. Januar 

1741 • 659 

Punctationen Ihro königlichen Majestät zu Ungarn und 

Böhmen an den König von Grossbritannien 661 

Offenes Patent für Wilhelm Reinhard. Neisse, den 21. April 

1711 l Q l 

Patent für Wilhelm Reinhard. Neisse, den 26. April 1741 . 663 
Patent für den Grafen Ludwig Lambert Celari zur Er- 
richtung einer Frei-Compagnie. Neisse, den 20. April 1741 665 
Bericht über die Massnahmen zur Instandsetzung der vom 

Feinde beschädigten Festung Brieg 6l>b 

Capitulation der Besatzung der Festung Brieg. Brieg, den 

4. Mai 1741 ,i,,S 

Loco-Stand-Tabelle der in Brieg in Garnison gestandenen 

Regimenter. 9. Mai 1741 l "° 



XVI 



Seito 
LH. Ordre de bataille der königl.-ung. böhm. Armee in Schlesien 

den 25. Mai 1741 672 

LIII. Observatioris-Puncfce bei der Infanterie. Neisse. den 10. 

Juli 1711 073 

LIV. Dienstbarer Stand des Neipperg'schen Corps mit Ende 

Juli 1711 679 

LV. Marschordnung. Neisse, den 31. Juli 1711 680 

LVI. Ordre de bataille der königl. ung.-böhin. Armee bei Tarnau, 

den 28. August 1741 686 

LVII. Patent über die Einlieferung von Deserteuren und aus- 
geworfene Belohnung hiefür. Neisse, den 5. Juli 1711 . . 687 
LVIII. Erinnerungen des FM. Grafen Neipperg an den GEW. 
Baron Lentulus über die in Klein-Schnellendorf am 
9. October 1711 mit dem König von Preussen stattgehabte 
Unterredung. Greisau unweit Neisse, den 13. October 1711 088 
L1X. Vertrags-Project, entworfen von FM. Grafen Neipperg . . 691 
LX. Memoire vom 21. October 1741 für den englischen Ge- 
sandten Eobinson 696 

LXI. Capitulation von Neisse, 31. October 1741 699 

EXIL Bewegs-Ursachen wegen Uebergebung der Stadt und 
Festung Neisse an die königlich-preussischen Truppen. 
Neisse. den 31. October 1711 703 



f * rapliisclie Beilagen. 



Tafel I. Allgemeine Situation in der zweiten Hälfte December 1740. Plan 
der Festung Glogau. Umgebungskarte von Glogau. 

Tafel IL Plan von Breslau. Dislocation, wie die Truppen zwischen der 
Oblau. Neisse und Oder verlegt worden. Dislocation der öster- 
reichischen Truppen am 6. und 7. Januar 1711. 

Tafel III. Plan von Oblau. Umgebungskarte von Ottmachau. Plan der Stadt 
und Festung Neisse. Situation am 24. Januar 1741. 

Tafel IV. Umgebungskarte von Grätz. Situation am 7. Februar 1741. Winter- 
Quartiere der Preussen und Stellung der Truppen am 20. Februar 
1741. Umgebungskarte von Namslau. 

Tafel V. Situation der Festung Jablunka. Plan der Stadt und Festung Glatz. 
Karte zum Ueberfall von Baumgarten 1711. Dislocation März 1711. 

Tafel VI. Stellung der Oesterreicher und Preussen am 2. April 1741. Marsch 
der österreichischen Armee und der Preussen vor der Schlacht 
Lei Mollwitz. Truppenstellung am 3. April 1741. Truppenstellung 
am 4. April 1711. Truppenstellung am 7. April 1741. Plan der 
Schlacht bei Mollwitz am 10. April 1748. Angriff auf die Festung 
Brieg, am 23. April 1741. 

Tafel VII. Uebersichtskarte zu den Operationen im 1. schlesischen Krieg. 



Der erste sclüesisclie Krieg. 

Feldzug 1740-1741. 



Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 



Vorbereitungen König* Friedrich IL von Preussen zum 

Einmärsche in Schlesien. 



Für den Einmarsch nach Schlesien bestimmte König 
Friedrich IL ein Corps von 20 Bataillonen, 32 Escadronen und 
31 Geschützen, zusammen 20.414 Mann Infanterie, 6619 Mann Caval- 
lerie und 126 Mann Artillerie, mithin 27.159 Mann mit etwa 
12.900 Pferden und 34 Geschützen. Hiezu kamen noch 2396 Nicht- 
streitbare und etwa 1000 Fuhrwerke 1 ). 

Das später als I. bezeichnete C o r p s wurde zusammen- 
gesetzt aus: 

Infanterie - Regimenter: Schwerin aus Frankfurt , 
Fürstenwalde, Züllichau, Crossen, Müncheberg, Bredow aus 
Stettin, Alt-Borcke aus Stargard, Pyritz, Kleist aus Berlin, 
Sydow und Derschau aus Berlin, Spandau, Markgraf Heinrich 
aus Prenzlau, Graevenitz aus Magdeburg, La Motte aus Cöln, 
Rügenwalde, Jeetze aus Anclam, Demnrin; zu je zwei Batail- 
lonen. 

Cayallerie-Regimenter: Prinz Friedrich (5 Escadronen) 
aus Schwedt, "Wrietzen, Angermünde und Bahn, Grenadier-Regiment 
Schulenburg (10 Escadronen) aus Landsberg a. W. etc., Dragoner- 
Regiment Bayreuth (10 Escadronen aus Pasewalk, Garz etc., Gens- 
clarmen (1 Escadron) aus Berlin, Preussische Husaren (3 Esca- 
dronen) aus Goldap, Ragnit, Stallupöhnen etc., Berliner (Leibcorps-) 
Husaren (3 Escadronen) aus Berlin. 



J ) Die Kriege Friedrich d. Gr. I. 219. 

1* 



4 

An Artillerie waren bestimmt aus Berlin: 

20 3-Pfünder mit 2050 Schuss, x ) 

6 50-pfündige Mörser mit 418 ,, 

4 12- ,, Kanonen mit 396 ,, und 

4 18- ,, Haubitzen mit 251 ,, 

Den Befehl über diese Truppen, welche in den letzten Tagen 
des Monats November zum Abmarsch aus ihren Standorten bereit 
sein sollten, ward von König Friedrich IL, der sich die oberste 
Leitung der Unternehmung vorbehalten, dem Feldmarschall Grafen 
Scliweri n übertragen. -) 

Mit Rücksicht auf die Cernierung und Belagerung der Festung 
Glogau, welche unvermeidlich schien und längere Zeit in Anspruch 
nehmen konnte, erhielten am 25. November, um nicht das operierende 
Corps vorzeitig zu schwächen , noch die Infanterie-Regimenter 
Anhalt (Halle), Anhalt-Zerbst (Stettin), Prinz Leopold (Stendal), 
Marwitz (Halberstadt, Quedlinburg) und Wedell (Magdeburg) Befehl, 
ihre Grenadier-Compagnien in marschfertigen Stand zu setzen und 
Anfang December nach Berlin rücken zu lassen. Hiezu sollten 
dann noch die Grenadiere der in Berlin und Potsdam befindlichen 
Regimenter Glasenapp, Kalckstein, Münchow, Truchsess, sowie das 
ganze Regiment Markgraf Carl (Berlin) treten. 3 ) 

Für dieses, später als H. bezeichnete Corps wurde noch das 
Leib-Carabinier-Regiment mit fünf Escadronen (Rathenow) und fünf 
Escadronen des Dragoner-Regiments Platen (Beigard), an Artillerie 
vier 12-Pfünder mit 1236 Schuss und vier 50-pfündige Mörser mit 
457 Schuss bestimmt. Der Aufbruch von Berlin sollte Mitte De- 
cember erfolgen. Zu Commandanten wurden der General der In- 
fanterie Herzog von Holstein und General-Lieutenant Erbprinz 
Leopold von Anhalt-Dessau bestimmt und ihnen bereits 
am 8. December eine »Instruction wegen Maskierung der Festung 
Glogau« übermittelt. 4 ) 



J ) Als Reghnents-Geschütze für die Infanterie. 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I. 217 u. ff. 

8 ) Je vier Grenadier-Compagnien hatten ein Bataillon zu bilden und 
zwar die Compagnien Anhalt und Prinz Leopold das Bataillon Bolstern; 
Glasenapp und Kalckstein das Bataillon Kleist ; Anhalt-Zerbst und Münchow 
das Bataillon Saldern ; "Wedell und Marwitz das Bataillon Götze und die 
Compagnien Markgraf Carl und Truchsess das Bataillon Beibnitz. 

4 ) Kriege Friedrich d. Gr. I. 219. ■ 



Officiere wurden .schon Anfang November nach Schlesien 
gesendet, um sich über die Verhältnisse im Lande zu unterrichten, 
hauptsächlich aber um Stimmung für das Unternehmen bei der 
Bevölkerung, besonders bei jener lutherischen Bekenntnisses zu 
machen. So gieng Oberst Lestwitz vom Infanterie-Regimente 
Jeetze, ein Schlesier von Geburt, unter dein Vorwande, Getreide- 
käufe zumachen, dahinab. Subalternofficiere, deren Regimenter an 
den Grenzen lagen, wurden abgesendet, um Kundschaften einzuholen 
und die Bevölkerung zur Parteiergreifung für Preussen anzueifern. r ) 
Auch schlesische Edelleute wurden an den Berliner Hof und in den 
preussischen Dienst gezogen, so die Grafen Henckel, Ho chberg, 
Baron Reisewitz 2 ) u. A. Das beim Einmärsche in Schlesien zu 
vertheilende Manifest wurde vorbereitet. 3 ) 

Die an der Hauptverbindungslinie nach Schlesien, an der 
Oder gelegenen Städte Frankfurt und Crossen wurden zur An- 
legung grosser Yerpflegs-Magazine bestimmt. InZehdenick, das durch 
die Spree und den Friedrich Wilhelms-Canal AVasserverbindung mit 
der Oder hatte, wurde ebenfalls ein Magazin etabliert, hauptsächlich 
um das im Mecklenburg'schen aufgekaufte Getreide aufzunehmen. 

Ende November und in den ersten Decembertagen verliessen 
die Truppen die Garnisonen. Jene des I. Corps traten sofort den 
Marsch gegen die schlesische Grenze an, während das IL Corps 
vorerst in Berlin gesammelt wurde. Am Nachmittage des 2. De- 
cember traf König Friedrich n. in seiner Hauptstadt ein und 
besichtigte einige der zum Abmarsch bestimmten Truppenkörper. 



J ) K. und k. Haus-Hof- und Staats-Archiv. Berichte des Residenten von 
Demeradt aus Berlin. 

2 ) Ebendort. Bericht des Marchese Botta vorn 6. December 1740. 
Denieradt's Bericht vom 10. December (abgedruckt in ,. Hie Invasion Schlesiens" 
Mittheilungen des K.A. 1885,3(3). Die,, Schlesische Kriegs-Fama" bemerkt darüber: 
„Eines von den ersten Merkmalen" (des vorhabenden Einmarsches) war, dass 
Se. königliche Majestät in Preussen zu Berlin verschiedenen Schlesiern Dienste 
anbieten Hess, oder ihnen expresse Aemter, wozu sie sich am geschicktesten 
erachteten, zu begehren erlaubte. Worauf auch einige unterschiedene Chargen 
bekommen haben ; weil aber solches nachher vom "Wienerischen Hofe übel 
aufgenommen wurde, so ist ein Vertheidigungs-Schreiben für dieselben publique 
gemacht worden". (V. 10.) Dies letztere, ohne Unterschrift und ebenso leer, 
als haltlos, ist ebenfalls in der „Schles. Kriegs-Fama" V, Beilage C 5 und (i in 
französischer und deutscher Sprache abgedruckt; es trägt die Ueberschrift: ..Ver- 
theidigungs-Schreiben vor einige Schlesier, welche königl. preuss. Dienste ange- 
nommen haben", ist mit K gezeichnet und aus Berlin vom 29. Dec. 1740 datiert. 

3 ) Demeradt's Bericht vom 2G. November 1740. — Preussische Staats- 
Schriften, I, 67. 



Am 5. Decernber begab sicli Feldmarschall Schwerin zur Armee ; 
arn folgenden Tage rückte die Feld-Equipage des Königs ab. Am 
13. Decernber verliess Friedrich II. selbst Berlin, traf am selben 
Abend in Frankfurt a. 0. und am folgenden Tage in Crossen ein. 
Sofort nach der Abreise des Königs aus der Hauptstadt wurde 
eine die Motivierung des Einmarsches in Schlesien enthaltende 
,,Declaration" allen anwesenden fremden Gesandten, den öster- 
reichischen ausgenommen, in das Haus geschickt. ] ) 



l ) Anhang I., die Declaration vom 13. Decernber, dann die an die 
deutschen Mitstände gerichtete Erklärung : ,, Rundschreiben an die deutschen 
Reichs-Stände und die General-Staaten der Niederlande" findet sich abgedruckt 
in „Preussische Staats-Schriften", 62 und 65. Copien davon erliegen Kriegs- 
Archiv, Oesterreichischer Erbfolgekrieg 1740, XII ad 6 a und b; auch im 
Archive des k. k. Ministeriums des Innern, II. B 6 vom Jahre 1741, Schlesien 
und im k. undk. Haus-Hof- und Staats-Archive angeschlossen demBerichte vom 
'24. Decernber 1740. 



Die militärischen Verhältnisse in Schlesien von Mitte 
October bis Mitte December 1740. 



Schlesien, dessen Landesregierung, das Oberamt in Breslau, 
der böhmischen Hofkanzlei unterstand, war beim Tode Kaiser 
Carl VI. das militärisch wohl am wenigsten gesicherte Land de s 
habsburgischen Besitzes. 

Breslau, Glogau, Neisse, Glatz und Brieg, die festen Plätze 
des Landes, befanden sich in arg vernachlässigtem Zustande. Die 
zur Disposition stehenden Ingenieure waren in Folge Geb rechlichkeit 
und hohen Alters zum Dienste untauglich, die Zeughäuser enthielten 
keine genügende Ausrüstung, das vorhandene Material war unzureichend 
oder in einem der Reparatur dringend bedürftigen Zustande. 

Vor Allem fehlten aber zur besseren Instandsetzung der festen 
Plätze die nöthigen Geldmittel, welche von den Ständen stets nur 
widerwillig oder gar nicht bewilligt wurden. 

Im Monate October 1740 befand sich ein einziges Regiment 
in Schlesien in Garnison, Wenzel Wallis-Infanterie x ), das einen 
completen Stand von 2300 Mann haben sollte, nach den Standes- 
listen pro December jedoch nur 1719 Mann zählte. 

Dieses Regiment, drei Bataillone und zweiGrenadier-Compagnien 
formierend, stand unter dem Befehl des Obersten Don Jose 
Marques Copons y Boxadores und garnisonierte mit vier 
Compagnien zu Gross-Glogau, einer zu Namslau, einer zu Jablunka 
und den übrigen eilf sehr schwachen Compagnien in Neisse. 



') Am 10. October 1739 hatte Feldmarschall-Lieutenant Graf Wenzel 
Wallis das Infanterie-Regiment, vormals Hasslingen (Nr. 11), verliehen er- 
halten. Das Regiment stand seit Anfang des Jahres in Schlesien. 



8 

In Brieg stand ausserdem eine Frei-Compagnie unter Obersl 
de Fin. 

Zeugämter befanden sich zu Gross-Glogau, Brieg, Namslau, 
Neisse, Liegnitz, Jablunka und Glatz. 

Das General-Militär- Commando in Schlesien führte seit Ende 
Mai dieses Jahres Feldmarschall-Lieutenant Graf Franz Wenzel 
Wallis 1 ) in Gross-Glogau. Das Glatzer Gebiet und die Festung 
gleichen Namens unterstand jedoch dem böhmischen General- 
Commando, mit welchem zu jener Zeit Feldzeugmeister Carl 
Hermann Graf O'Gilvy 2 ) betraut war. 

FML. Graf Wallis hatte bereits, bald nach Uebernahme 
des General - Commando s, über den schlechten Zustand der 
schlesischen Festungen berichtet und war vom Hof-Kriegsrathe 
am 28. September dahin beschieden worden, dass im Sommer 
des Jahres 1741 mit den notwendigsten B,eparaturen in Gross- 
Glogau und Jablunka begonnen und dieselben nach und nach in 
den übrigen festen Plätzen ausgeführt werden sollten. 

Auf die Nachricht vom Tode des Kaisers begab sich Wallis 
sogleich nach Breslau, um mit dem Oberamt zu verabreden, dass 
an den Landeshauptmann in Teschen der Befehl erlassen werde, 
die auf dem Marsche aus Ungarn nach Schlesien bestimmten und 
an dessen Grenze anlangenden Regimenter Harrach (Nr. 47), Botta 
(Nr. 12) und Browne (Nr. 36) ohne den mindesten Aufenthalt ihren 
Marsch fortsetzen zu lassen. 3 ) 

Auf Wallis' Betreiben fand nun auch zu Breslau eine Con- 
ferenz von Delegierten des Oberamts und landständischen Deputierten 



!) Oberst 15. Januar 1731, General-Feldwachtnieister 3. Januar 1731, Feld- 
marschall-Lieutenant 31. März 1735, Feldzeugmeister 27. Juni 1715, Feld- 
marschall 30. Juni 1754; gestorben 1771. 

2 j Oberst 23. Mai 1714, General-Feldwachtmeister 31. October 1723, Feld- 
marschall-Lieutenant 16. November 1733, Feldzeugmeister 1. Mai 1735, Feld- 
marschall 7. October 1745; gestorben 1751. 

3 ) Die Eegimenter marschierten echelonweise, die Colonnen ein bis zwei 
Bataillone stark; die Instradierung gierig über Sillein auf Jablunka. Uebrigens 
ergaben sich trotz aller Vorsicht.smassregem,welcbebeidenTruppen ausBesorgi:i-- 
vor Einschleppung der Pest bereits auf dem Marsche selbst getroffen worden 
waren, beim Ue bertritte auf schlesisches Gebiet noch genug Schwierigkeiten. 
Diesen machte die böbmische Hofkanzlei ein Ende, indem der Landesregierung 
bedeutet wurde, dass die einmarschierenden Eegimenter an der Grenze 
keiner Contumaz mehr zu unterziehen und obne langen Aufenthalt, „jedoch 
nach genügsamer Visitier- und Reinigung unter Obsicht derer dazu eigens an- 
gestellten Generale r ' einzulassen seien. 



statt, bei welcher der commandierende General beantragte, dass 
an die Herbeischaffung von Vorräthen in den befestigten Orten 
und Errichtung von Magazinen Hand gelegt werde, damit bei 
etwa ausbrechendem Krieg oder Unruhen im Lande selbst, der 
Unterhalt der bereits nach Schlesien bestimmten oder noch weiter 
einrückenden Truppen sichergestellt sei. Auf diese Anträge des 
Generals wurde jedoch von den Beisitzern der Conferenz keine 
andere Resolution gefasst als, „man würde von Seiten der Land- 
stände ferner darüber deliberieren". 

Und der Oberamts-Director, der alte Graf Schaff gots ch, 
o-ab sich damit zufrieden ! 

FML. Graf Wallis begab sich nach diesen Misserfolgen seiner 
Breslauer Reise wieder in seinen Amtssitz Gross-Glogau zurück. 

Gegen Mitte November, als die preussischen Rüstungen nicht 
mehr verborgen bleiben konnten und manche Anzeichen schon die be- 
vorstehende Invasion Schlesiens befürchten Hessen 1 ), ersuchte Wallis 
den Landeshauptmann von Glogau, Grafen K o 1 1 ulin s ky, den Landes- 
ältesten und Beamten, die an den brandenburgischen Grenzen be- 
gütert oder angestellt waren, Befehl zu ertheilen, sich nach den 
dortigen Truppenbewegungen zu erkundigen und darüber zu be- 
richten; er wendete sich auch an den Oberamts-Director und erbat 
Mittheilung jener Nachrichten, welche bei demselben vom Residenten 
von D einer a dt aus Berlin einliefen. 

Graf Schaff gots ch antwortete, „dass freilich oberwähnter 
Resident ihm geschrieben habe wegen Zusammenziehung eines 
starken preussischen Corps und dass es schiene, ob solches gegen 
Schlesien zu marschieren clestiniert wäre, jedoch muthmasse er 
(S c h a f f g o t s c h), dass solches aus keiner anderen Intention etwa 
geschehen dürfte, als dieweil dieses Jahr das Getreide in dem 
Brandenburgischen gar nicht gerathen, durch Verlegung sothaner 
Truppen gegen unsere schlesischen Grenzen desto leichter die Sub- 
sistenz herausziehen und finden zu können". 2 ) 

Doch hatte das Andrängen des commandierenden Generals in 
Schlesien bei den politischen Behörden wenigstens soviel bewirkt, 
dass von der böhmischen Hofkanzlei, nach einem Berichte des 



l ) „Im November sprach man schon in Schlesien unter der Hand, dass 
der König von Preussen mit einer grossen Anzahl Truppen in das Land ein- 
rücken wolle." (Schles. Kriegs-Fama 1741, V, 9.) 

-) W a 1 1 i s' Kesumierender Bericht an den Hof-Kriegsrath aus dem 
Jahre 1711. Gräflich Wallis'sches Archiv zu Koleschowitz. 



10 

Oberamts vom 12. November, der von Seite Preussens verlangte 
Getreide-Einkauf in Schlesien nicht gestattet wurde. 1 ) 

Wallis sendete ausserdem einen seiner Officiere, dessen Frau 
ihren Wohnort in Züllichau hatte, dorthin, um Nachrichten über 
die preussischen Truppenbewegungen zu erhalten. 

Er selbst begab sich zu wiederholten Malen nach Breslau und 
betrieb beim Oberamt unausgesetzt die so oft schon angeregte Ein- 
richtung von Magazinen. 

Am 20. November trafennuii die drei ersten Infanterie-Regimenter, 
welche im October schon ihren Marsch angetreten hatten, wirklich 
in Schlesien ein und zwar Botta (Commandant Oberst Pöttinge r) 
zuerst, dann folgte Browne (Commandant Oberst Baron R o th), zuletzt 
Harrach (Commandant Oberst Baron F ormen'ti.ni) ; sie hatten 
einen ziemlich schwachen Stand. 

Nach der Tabelle des Kriegs-Commissariats-Amts zählten die 
Regimenter nach den Monats- Ausweisen vom August: 

Effectiv Abgang 

Botta . 1160 Mann, 1110 Mann, 

Browne 1535 ,, 765 ,, 

Harrach . . . .... 2075 225 

In Summa . . 4770 Mann, 2130 Mann, 

dürften seit jener Zeit aber noch einen weiteren Abgang erlitten 
haben, in der angeführten Stärke daher kaum nach Schlesien ein- 
gerückt «ein. Unter der Mannschaft befanden sich sehr viele 
Recruten 2 ), da die Regimenter den Befehl hatten, sich durch 
Werbung während des Marsches möglichst zu completieren. 

Die schlesische Landesregierung verordnete, dass die im Laude 
befindlichen invaliden Soldaten zusammengezogen und nach Gross- 
G-logau, Namslau, Brieg und Neisse unter Aufsicht des regulären 
Militärs verlegt würden. 3 ) 

Anfangs December befand sich FML. Graf Wallis eben wieder 
inBreslau, als der Oberstlieutenant vomlnfauterie-RegimenteAValdeck, 
von Schmertzing, welcher in Familien- Angelegenheiten in Berlin 



l ) Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. Protocolle der böhmischen 
Hofkanzlei 1710. Fol. 333. 

s ) K. A. Meldung des FML. Grafen Wallis. Hof-Kriegsraths-Protoco!l. 

Fol. 3115. 

3 ) 2000 invalide Soldaten, die jedoch noch zu Kriegsdiensten tauglich 
waren, befanden sich zu jener Zeit in Schlesien. In Folge der preussischen. 
einige Wochen später erfolgten Invasion scheint übrigens die Verfügung der 
Landesregierung ohne besondere Wirkung geblieben zu sein. 



1 1 

gewesen war, auf der Durchreise nach "Wien in der schlesischen 
Landes-Haupt stadt eintraf und dem Commandier enden ein Schreiben 
des ausserordentlichen Gesandten der Königin, FML. Marchese 
B o 1 1 a vom 2. December überbrachte, worin der Gesandte mittheilte, 
dass der Einmarsch der preussischen Truppen in Schlesien gewiss sei. 

Wallis, welcher eben zu einer Conferenz beim Oberamts- 
Directorium sich begeben wollte, nahm den Stabsofhcier, der, ausser 
einen Bericht Botta's vom 1. December nach Wien zu über- 
bringen, dort noch mündlichen Bericht erstatten sollte, mit in die 
Conferenz, um auch über das dort Verhandelte hohen Orts referieren 
zu können. 

Als das Einrücken preussischer Truppen zweifellos erschien, 
erliess Wallis unverzüglich den Befehl und sendete denselben 
mittelst Estaffe tten an die Commandanten der drei in Schlesien 
eingerückten Regimenter, welche sich in Ober-Schlesien vorläufig 
noch zerstreut dislociert befanden, sofort nach Brieg zu mar- 
schieren, wo er dieselben zu concentrieren beabsichtigte. Denselben 
Befehl erhielten die in Schlesien einrückenden acht Liechtenstein'- 
schen Dragoner-Compagnien. Der die eilf Compagnien des Regi- 
ments Wallis in Neisse commandier ende Oberstlieutenant von 
Bouchard dagegen sollte, sobald die dorthin bestimmten sechs 
Compagnien des Regiments Botta eingerückt seien, sofort aul- 
brechen und nach Glogau marschieren. 

Das Oberamt raffte sich nun, Angesichts der nicht mehr an- 
zuzweifelnden Thatsache eines drohenden Einfalls preussischerseits. 
wenigstens zu der Verfügung auf, den schlesischen Fürstentümern 
aufzutragen, allen Proviant und sonstige Bedürfnisse nach Brieg 
zu schaffen. 

Wallis verlegte, da sich nur vier Compagnien seines Regi- 
ments in Glogau befanden, mit Rücksicht auf eine Avohl bald be- 
vorstehende Berennung, die nicht weit von der Festung unlängsl 
in Quartier - Stationen eingerückten sechs Harrach'schen Com- 
pagnien x ) in dieselbe. 

Die beiden Bataillone Wallis in Neisse hatten Befehl, nach 
Glogau zu rücken, nach deren Eintreffen dann die Compagnien 
von Harrach wieder nach Brieg abmarschiert wären, erhielten 
aber in Folge eingetroffener Nachrichten des Marchese B o 1 1 a, 
mit welchen der Anmarsch preussischer Truppen schon für den 
9. December avisiert wurde, durch einen eigens gegen Neisse 



l ) Fünf Füsilier- und eine Grenadier- Compagnie. 



12 

abgesendeten Officier Contre - Ordre und wurden nach Brieg 
dirigiert. 

Wallis selbst erhielt aus Wien den Befehl, das Commando 
in Gross-Glogau zu übernehmen und begab sich am 7. December 
von Breslau aus dorthin. 

Am 15. December ward ihm dann vom Hof-Kriegsrathe noch 
mitgetheilt, ..was, falls die preussischen Truppen mit allerhand 
Freunds chaftsversicherungen in Schlesien einzurücken unternähmen, 
diesfalls an den König oder an den commandierenden preussischen 
General schriftlich zu erlassen, dann durch öffentlichen Druck 
publiciert werden solle". J ) 

Die numerische Veitheilung der österreichischen Streitkräfte auf 
den weiten Gebieten, welche die Königin beherrschte, war der durch 
die eingetretene politische Situation bedingten Kräftegruppierung 
gegen die westlichen und nordwestlichen Grenzen der Monarchie 
durchaus nicht günstig. Es mussten Massenverschiebungen noth- 
wendig werden, welche nur aus Ungarn, Siebenbürgen und Sla- 
vonien bewirkt werden konnten, da man den italienischen Besitz 
nicht von Truppen entblössen durfte. 2 ) 

Eine militärische Organisation, die ein Ineinandergreifen der 
verschiedenen Glieder des Heereskörpers gewährleistet, lag nicht 
im Geiste der damaligen Zeit. Der Hof-Kriegsrath dependierte in 
Geldangelegenheiten ganz von der Hofkammer. Die Truppen- 
bewegung und Unterbringung hieng von den Landesregierungen ab, 
die darüber endlose Correspondenzen mit den in Wien befindlichen 
Hofkanzleien führten. 

Eine Ordre de bataille im heutigen Sinne gab es nicht, die 
commandierenden Generale wurden zwar von Truppenbewegungen, 
welche der Hof-Kriegsrath anordnete, verständigt, letzterer verkehrte 
aber direct mit jedem Regimente. Hatte nun ein solches Marsch- 
befehl, so war damit noch nicht gesagt, dass es sich wirklich in 
Marsch setzte; denn erstens war die bedeutendste Frage, ob es 
Geld hatte, um überhaupt marschieren zu können, dann ob der 
Militär-Stations-Commandant in der Lage war, das Regiment auch 
abmarschieren zu lassen, bevor er Ersatz dafür bekommen. Li 
manchen Fällen ward der Abmarsch von dem Local-Commando 
verzögert. 



*) K. A., H. K. E., Registr.-Prot. 15. December Fol. 3602. 
-) Anhang- II. 



13 

Ein weiteres Hinderniss bildeten die sanitären Verhältnisse. 
Man schützte sich nach den Türkenkriegen mit allen Mitteln gegen 
die fürchtbare Pestseuche und sehr oft übertrieb man im ego- 
istischen Interesse die Vorsicht hierin zum Schaden des Ganzen. 
Von der Drau bis an die Donau hatte ein Pestcordon existiert, 
Inner-Oesterreich, Meder-0 esterreich, Mähren schlössen sich gegen 
Ungarn durch Grenzbesetzung ab. Die Truppen mussten bei Dislo- 
cationen von einem Orte zum andern wochenlange Contumaz halten 
und kam vor dem Ausmarsche eines Regiments irgend eine bedenk- 
liche Erkrankung vor, so wurde die ganze Abtheilung in eine 
„gesunde Gegend" verlegt und dort streng abgeschlossen in Con- 
tumaz gehalten. 

Ueber all' dies wurde sonst viel und oft correspondiert, angefragt 
— und so verstrich die kostbarste Zeit zum Handeln. 

Trotz der Bestürzung, welche die Nachrichten über den beab- 
sichtigten Einfall des Königs vonPreussen am Hofe zu Wien hervorrufen 
mussten, verlor man jetzt indessen doch keine Zeit mehr, um soviel 
als möglich der bedrohten und fast schutzlosen Provinz Hilfe zu 

bringen. 

Die beinahe täglich unter dem Vorsitze der Königin oder 
ihres zum Mitregenten ernannten Gemahles r ) stattfindenden Con- 
ferenzen beschäftigten sich eingehend mit der Lage in Schlesien 
und den zu treffenden Vertheidigungs-Massregeln. Vornehmlich 
wurde Werth darauf gelegt, dass die festen Plätze des Landes 
geschützt und erhalten würden und Breslau sich zur Aufnahme 
königlicher Truppen als Besatzung bereit erkläre. 2 ) 

Während FML. Graf Wallis die Bestimmung nach Gross- 
Glogau erhielt, wurde FML. Max Ulysses Graf Browne de Camus 
angewiesen, das Interims-Commando über alle ausserhalb dieser 
Festung in Schlesien befindlichen oder dort noch anlangenden 
Truppen zu übernehmen. 

Zur Verstärkung des schlesischen Corps wurden zunächst zwei 
vorläufig nach Mähren disponierte Infanterie-Regimenter und die 
noch in dieser Provinz befindlichen fünf Compagnien Liechtenstein- 
Dragoner bestimmt. Weiter erhielten die Regimenter Lanthieri 3 ), 

!) Franz Stephan, Herzog von Lothringen, Grossherzog von Toscana, 
war am 21 November 1740 von der Königin zum Mitregenten ernannt worden. 

2 ) H. H. u. St. A. Conferenz-Noten. Eeferate de anno 1740. 

3 ) 1775 aufgelöst (reduciert). 



14 

Hohenembs- (heute Dragoner-Regiment Nr. 8), Hohenzollern- 1 ) 
Cürassiere und das Dragoner-Regiment Batthyäni (Nr. 10), särnmtlieh 
aus dem ungarischen Generalate, Marschbereitschaftsordre. Das 
Husaren - Regiment Dessewffy (Nr. 3j im Zempliner Comitate, 
das schon am 28. November Befehl erhalten, unverzüglich 100 
Pferde nach Schlesien abzusenden, hatte diesem Detachement bald 
zu folgen und sich unterwegs zu completieren. Gleichzeitig bekam 
das ebenfalls in Ungarn liegende Husaren-Regiment Splenyi 2 ) Auf- 
bruchsordre. Das Infanterie-Regiment Baden-Baden 3 j sollte eben- 
falls nach Schlesien instradiert werden. Thüngen (Nr. 57) und 
Schmettau 4 ) erhielten Marschbereitschaft. Alt-Daun (Nr. 56), nebst 
zwei Bataillonen von Max Starhemberg (Nr. 24) wurden ebenfalls 
für Schlesien, das Husaren-Regiment Csäky (Nr. 9) dagegen vor- 
läufig in den Königgrätzer Kreis bestimmt. Die Nachrückung für 
die aus Ungarn abmarschierenden Regimenter durch andere aus 
entfernten Garnisonen wurde angeordnet. 

Im Allgemeinen hielt man jedoch in der ersten Hälfte des 
December noch an der Meinung fest, allerdings ein operationsfähiges 
Corps in Schlesien aufzustellen, die zu demselben bestimmten 
Truppen aber bis zum Frühjahr in ihren dermaligen Stationen zu 
belassen. Die Regimenter erhielten auf dem Marsche die etapen- 
mässige Verpflegung. Von den aus Ungarn in das Feld rückenden Ca- 
vallerie-Regimentern mussten die überflüssigen Monturen, die Kranken 
oder Maroden, nebst den Invaliden und unberittenen Leuten, dann 
die schwere Bagage in den Quartier-Stationen zurückgelassen 
werden. Die aus Ungarn nach Schlesien bestimmten Regimenter 
sollten insgesammt über Skalitz nach Mähren und zwar vorläufig 
gegen Olmtitz sich in Marsch setzen. 

Allmählich jedoch brachen sich andere Anschauungen Bahn und 
die bedrohte Lage, in welcher die Erblande sich befanden, wurde 
in ihrem ganzen Umfange den Rathgebern der Monarchin klar. 

In der unter Vorsitz des Grossherzogs, an demselben Tage 
noch, an welchem der preussische Gesandte Borcke ihm die 
ersten bedrohlichen Erklärungen gemacht hatte, am 13. December ab- 
gehaltenen Conferenz-Sitzung, kamen die mittels Courier eingesen- 
i leten Berichte der Generale W a 1 1 i s und Brow n e zur Verlesung, 



J ) 1801 aufgelöst. 

2 ) 1768 aufgelöst. 

3 ) 1809 als Nr. 23 aufgelöst. 

4 ) 1741 aufgelöst, 



15 

die - - keinen Zweifel mehr über die eminente Gefahr Hessen, in der 
G-logau und ganz Schlesien schwebe. Von Seiten der Conferenz- 
Minister ward dabei die Meinung abgegeben, dass es unnöthig sei, 
„von der Entkräftung des Aerarii und deren Länder vieles zu er- 
wähnen, als welches nicht minder als der zerfallende Zustand der 
Armee bekannt sei, leicht sei zu ermessen, wie beschwerlich den 
Truppen und Ländern so viele Märsche bei dermaliger Jahreszeit 
fallen müssen, wenn es aber um das Universum gleich anjetzo zu 
thun sei, so müssen alle anderen Betrachtungen, wie selbe auch 
wären, weichen. Seit dem 30jährigen Kriege sei etwa das Durch- 
lauchtigste Erzhaus in einem so gefährlichen Casu, wie anjetzo, 
nicht gewesen und selber so beschaffen, dass wenn nicht auf das 
Schleunigste und mit allem Nachdrucke dazugethan würde, disso- 
lutio totius zu befürchten wäre. Ohnedem wäre schon bei mehr 
als einem Hof der Argwohn, dass der Preussen Einrückung eine 
zwischen beiden Höfen verabredete Sache sei a ), der König selbst 
sage, er komme als Freund und würde daher der Argwohn eines 
heimlichen Verständnisses zwischen hier und dem König unterdessen 
umso mehr derorten um sich greifen, woferne man sehete, dass 
man den König, ohne sich diesseits zu rühren, ganz Schlesien 
wegnehmen lasse; andurch würde auch den Alliierten, die man um 
Hilfe angesprochen, sonderlich dem König von Polen, den man 
tanquam vicarmm Imperii und tanquam confoederatum darum an- 
gegangen, der Muth benommen und bei diesseits nicht versprechender 
ernsthafter Veranstaltung ein und anders etwa die Lust an- 
kommen, die betrübte Situation, worin Ihre Majestät die Königin 
durch den unvermutheten preussischen Einfall verfallen, sich zu 
Nutzen zu machen, anstatt dass, wo man diesseits ohne Verzug 
und mit Ernst zur Sache schreite, aller Muthmassung nach die 
chursächsische und churbraunschweigische Hilfe nicht fehlen, nicht 
minder auch die associierten Kreise zur Sache mit beitragen und 
endlich auch Polen wegen der gegen Preussen obseienden Ver- 
bitterung dieses unherhörte Verfahren mit gleichgültigen Augen 
nicht ansehen würde. Die sächsische Hilfe sei die nächste, selbe 
bestünde vermöge der Allianz sowohl, als des Lausitzer Tractats 
anfangs in 6000 Mann und durch' erstere sei der König schuldig, 
Seiner Majestät mit allen Kräften allenfalls beizustehen 2 ), die 



J ) Vergleiche: Broglie, Frederic II. et Marie Therese. Paris 1883. I. 113. 

2 ) Leider sollten sich diese Hoffmingen nicht erfüllen. Nach dem 
Scheitern der von König Georg von England in das Leben gerufenen und 
durch dessen Bücktritt wieder zu Grabe getragenen, gegen Preussen geplanten 



16 

Conjunction der dasigen Truppen sei als ein Hauptobject, diese aber 
weit schwerer zu erreichen, woferne Preussen Meister von ganz 
Schlesien einmal wäre, nachdem nicht nur auf das nunmehr ein- 
rückende Corps gesehen, sondern auch die im Hinterhalt stehenden 
preussischen Truppen in Betracht zu ziehen seien, die der König 
nachrücken zu lassen alle Facilität hätte." ] ). 

In Folge dieser Anschauungen wurden die Verfügungen 
und Vorkehrungen beschleunigt. GFWM. Graf P i c c o 1 o m i n i 
erhielt am Tage nach der Conferenz Befehl, mit den ge- 
sammten in Mähren bereits eingerückten Truppen, nämlich dem 
Franz Lothringen' sehen Regiment (Nr. 1), dann den 15 Grünne'schen 
(Nr. 20) und fünf Liechtenstein'schen Compagnien nach Schlesien 
zu den Browne'schen Compagnien unverweilt abzumarschieren. Es 
muss bei den Verfügungen, die getroffen wurden, der Zustand in 
Berücksichtigung gezogen werden, in welchem sich die Truppen 
im Winter 1740 durchgehends befanden und der den obersten 
Behörden nur zu gut bekannt war. Ohne Casse, ohne Feldrequisiten, 
ohne Credit zur Beschaffung der unentbehrlichsten kleinen Montur, 
standen die Regimenter nichts weniger als schlagfertig da. Die 
durch die Türkenfeldzüge verarmten Oinciere hatten den ganzen 
Sommer hindurch fast gar keine Besoldung erhalten, konnten sich 
ohne Geld also nicht feldmässig equipieren und ohne Equipierung 
kaum im Felde dienen. In Ungarn lagen die Verhältnisse etwas 
besser, die dort garnisonierenden Truppen bezogen wenigstens die 
Natural-Verpflegung, die aber mit dem Austritt aus dem König- 
reich Ungarn aufhörte. In der böhmischen Ländergruppe wurde 
jedoch ausser Brod und Fourage nichts verabreicht, mithin mussten 
von dem Tage der Einrückung die Bedürfnisse dort baar bezahlt 
werden. Falls nun die Löhnungen nicht nüssig gemacht werden 
konnten, lag die Gefahr von Excessen und die Bedrückung der 
Landbevölkerung nahe. Die Hauptsache war und blieb die Be- 
schaffung der nothwendigen Mittel. Man befürchtete sogar, dass 
von manchen Regimentern bei Erhalt der Auf bruchsordre die Antwort 
einlaufen werde, ,,sie könnten sich nicht movieren, bevor sie eine 
ergiebige Abschlagszahlung empfangen" 2 ). 



grossen Coalition Oesterreichs, Eusslands und Sachsens, über welche in den 
ersten Monaten des Jahres 1711 in Dresden verhandelt wurde, wendete sich 
später Churfurst A u g u s t von Sachsen, König von Polen, Frankreich zu. 

1 ) K. A., Oesterreichischer Erbfolgekrieg, 1710 ; Fase. XII, IVa. 

s ) Conf.-Prot. v. 13. Dec. 1710. K. A. Oest. Erbfolgekrieg, 1710. XII, 4V 2 . 



17 

Die in Ungarn und den deutschen Erblanden gamisonierenden 
Infanterie-Regimenter hatten Befehl erhalten, durch öffentliche 
Werbung auf 2000 Mann, die Oavallerie auf 800 Mann sieh zu er- 
gänzen l ) und ein Handgeld von 25 Gulden zu zahlen, das später 
auf 27 Gulden erhöht wurde. Trotzdem nahmen die "Werbungen 
einen sehr ungünstigen Fortgang. 

Am 10. December war ausserdem ein ,, General-Pardon" für 
rückkehrende Deserteure publiciert worden. 



FML. Maximilian Ulysses Graf Browne, welcher in Italien 
in Dienstesverwendung stand und im Spätherbste des Jahres 1740 
ursprünglich für ein Commando in Böhmen ausersehen gewes 
war, traf nun, zur Führung des Literims-General-Commandos be- 
stimmt, in Schlesien am 7. December ein. 2 ) 

Browne galt als energischer, thatkräftiger General, er stand 
in noch jungen Jahren, hatte aber bereits Gelegenheit gefunden, 
auf den Schlachtfeldern Italiens und in den Türkenkriegen seine 
Fähigkeiten zu erproben. 3 ) 

Dem neuen Befehlshaber in Schlesien waren ziemlich weit- 
gehende Vollmachten ertheilt worden. Während FML. Graf W alli s 
sich speciell auf die Instandsetzung und Verteidigung Gross- 
Glogau's zu beschränken hatte, ward dem Grafen Browne 
Oberaufsicht über die sämmtlichen „haltbaren" Plätze Übertrag.]], 
Ebenso war es ihm überlassen, die im Lande eintreffenden 



') Anhang III. 

-) Anhang IV, die „Offene Ordre" und das „Gehorsams-Patent". 

3 ) Maximilian Ulysses Graf von Browne, Baron de Camus und Moun- 
tany, ein Sohn des kaiserlichen Eeiter- Ob ersten Ulysses Grafen Browne, war 
am 23. October 1705 zu Basel geboren. In jungen Jahren in die Armee ge- 
treten und durch Familienverbindungen mächtig gefördert, hatte derselbe 
bereits am 2. April 1729 die Oberstencharge erreicht. Im Feldzuge in Italien 
1784 kämpfte B r o w n e mit Auszeichnung bei Parma (29. Juni) und Quistello 
(15. September) und ward am 18. März 1735 zum General-Feldwachtmeister 
ernannt. In den Feldzügen gegen die Türken 1737—1739 war Browne und 
zwar in jenem von 1737 beim Corps des FZM. Prinzen zu Sachse n- 
H ild bürg haus en. 1738 bei der Haupt-Armee, 1739 bei dem Corps des 
Generals der Cavallerie Fürsten Lobkowitz in Siebenbürgen in Verwendung. 
Am 26. März 1739 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, erhielt derselbe 
nach dem Belgrader Frieden ein Commando in Como in Italien. Den weiteren 
Lebenslauf des Feldmarschalls siehe in dessen von Arneth verfasster Bio- 
graphie in „Allgemeine Deutsche Biographic", III., Leipzig 1876 und „Bio- 
graphien der Heerführer und Generale", Wien 1888. 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. '-' 



18 



Regimenter „nach Gutbefinden" zu verlegen, sowie die zu deren 
Erhaltung notwendigen Magazine einzurichten. r ) 

Der erste Bericht, welchen der in der Hauptstadt des Landes 
eingetroffene General am 8. December dem Hof-Kriegsrathe ein- 
sendete, ist leider nicht mehr vorhanden. 

Jedoch scheinen die Eindrücke, welche Browne nach seiner 
Ankunft in der Provinz empfangen, nicht gerade ungünstig ge- 
wesen zu sein. Denn am 11. desselben Monats meldet er dem 
Grossherzog, dass er hoffe, „es werde noch Alles besser, als man 
sich's zu Lande einbildet", wenn er nur in kurzer Zeit mehr 
Truppen und besonders Cavallerie bekäme: „von dem Landmann 
könne man allem äusserlichen Ansehen nach sich alles Gute ver- 
sprechen, ich wünschte, dass ein dessgleichen bei der sämmtlichen 
Noblesse in dem Land also sich zu versichern wäre, allein bei 
diesem hat es einen Anstand, inmassen sich schon eine ziemliche 
Anzahl bei den Preussen befindet, so zwar lauter Akatholici sind". 

In den Instructionen des Grafen Browne spielte die Er- 
haltung der festen Plätze, vor Allem aber der Landeshauptstadt, 
eine hervorragende Rolle. 

Die Aufgabe, hierüber die Verhandlungen zu führen, eine 
Aufgabe wesentlich politischer Natur, fiel ihm daher im Vereine 
mit dem königlichen Oberamt in Breslau zu. 

Dem natürlichsten Vertheidigungsplane für Schlesien, die 
befestigte Hauptstadt zum Mittelpuncte der Verteidigung zu 
machen, stand das von den Einwohnern Breslau's eifersüchtig ge- 
hütete, allerdings nicht verbriefte, sondern nur auf Usus und 
Connivenz beruhende Recht der Selbstverteidigung entgegen, 
welches den Truppen desFML. Browne die Thore der Stadt verschl« iss. 

Dieses Gewohnheitsrecht fusste eigentlich nur auf der im 
KYJI. Jahrhundert zu öfteren Malen der Stadt zugesicherten Be- 
freiung von Einquartierungen. 2 ) 

Die Verhandlungen, welche nun, als die Gefahr eines 
preussischen Einbruches immer drohender wurde, mit dem Magistrate 
eingeleitet wurden, waren äusserst schleppend und wurden von 
Seite der Stadt durchaus nicht im patriotischen Sinne geführt. 

Am 10. December wurde dem auf das königliche Oberamt 
beschiedenen ersten Syndicus der Stadt, von Gut z mar, bedeutet, 



!) K. A., H. K. R., Eeg. Prot. 11. December. Fol. 357<i. 

2 ) Ueber die Einquartierungsfreibeit der Stadt Breslau siebe Anbang V. 



19 

dass die Königin die Einnahme einer Besatzung begehre, schon 
damit nach Breslau, als dem haltbarsten Ort, das Hauptmagazin für 
die operierenden Truppen verlegt werden könne. Im Weigerungs- 
fälle drohe der Stadt die Verlegung der Landes-Regierung sammt 
allen Dikasterien. Das Oberamt erklärte dabei, dass die Garnison 
„sogleich nach gestillten Troublen wieder herausgezogen werden 
solle"; dagegen müsse für den altersschwachen Stadt-Commandanteii 
Oberst von ßampusc h, ein jüngerer Officier das Commando 
übernehmen, wozu der Oberst Baron Roth des Infanterie-Regi- 
ments Browne, ein gebürtiger Schlesier und Lutheraner, aus- 
ersehen sei. 1 ) 

Man war am 13. December endlich nach peinlichen Verhand- 
lungen so weit, dass die Bürgerschaft zur Aufnahme königlich 
ungarisch-böhmischer Truppen die Einwilligung gab. 

FML. Graf Browne hatte in seinem Berichte vom 11. De- 
cember, als die Verhandlungen noch nicht beendet waren, bemerkt, 
dass die Breslauer, selbst wenn es Ernst würde, sich noch bedenken 
würden, einige Bataillone in die Stadt zunehmen und hinzugefügt: 
., Behaupten wir Breslau, so ist ohnehin nichts zu befürchten und 
haben wir noch die Oberhand im Land." 2 ) 

Am Morgen des 14. December konnte er in Folge der Ab- 
machungen vom 13. melden, dass der Magistrat sich entschlossen 
habe, „die königliche Besatzung herein zu lassen, also ich drei 
Bataillons und ebensoviel Grenadiers-Compagnien hereinbeordere, 
dermalen noch, bis mehrere Truppen anlangen, kann nicht mehr 
entbehren, um nicht Brieg bloss zu lassen, allwo der Ruf geht, sie 
gerade ihren Marsch zu nehmen wollen." a ) 

Er fügte noch die in Breslau verbreitete Nachricht bei, dass 
schon am 12. einige preussische Compagnien die schlesische Grenze 
überschritten hätten. 4 ) 



>) Grünhage n, Schlesien unter Friedrich d. Gr. I, 15 u. ff. — K. A.. 
Berichte Browne's. 

'-) K. A., Oesterr. Erbfolgekrieg 17-10, XII, 4. 

3 ) Bericht Browne's an den Grossherzog. K. A., Oesterr. Erbfolgekrieg 
1740, XII, 5. 

4 ) In Beantwortung dieser Meldung billigte die Königin m einem an 
das Oberamt am 17. December gerichteten Erlasse die im Einvernehmen 
mit FML. Grafen Browne gegen den preussischcn Einfall gemachten Ver- 
anstaltungen, ertheilte Weisung bezüglich der Anlage der Magazine in Brieg, 
Glogau, Breslau, Neisse. ferner wegen der Zufuhr von Getreide aus Mähren 
für das Magazin in Troppau. 

2* 



•20 

Für den nächsten Tag waren die Vertreter der Bürgerschaft 
noch einmal auf das Rathhaus beschieden, um die vom könig- 
lichen Oberamte auszustellenden Reverse entgegenzunehmen, dass 
die bewilligte Garnison sofort nach ,, gestillten Troublen" die Stadt 
wieder räume. Nachdem schon am 13. December die Angelegenheit 
nicht die Billigung der Zünfte insgesammt gefunden hatte, erhob 
sich am 14. ein gewaltiger Tumult. Die Jüngsten von allen 
Zünften erschienen in der Eathsstube „und protestierten auf das 
Schärfste wider die Bewilligung ihrer Aeltesten, wegen Einnehmung 
kaiserlicher Soldaten in die Stadt, Hessen gar harte Reden fliegen 
wider die Herren Bürger-Capitains, Kaufmanns- und Zunft-Aeltesten 
und Ober-Syndicum Gutzmar, dass sie Alles so leichtsinnig be- 
willigten und der Stadt Freiheit und Bestes nicht ernstlicher be- 
herzigten, da denn Letzterer hoch betheuerte, dass er's mit der 
Stadt von Herzen treu meine." J ) 

Der Anführer und Sprecher der in das Rathhaus gedrungenen 
aufgeregten und protestierenden Menge war ein Schuster Namens 
Johann Christian D ö b 1 i n. Dieser, kein Schlesier, sondern ein 
gebürtiger Brandenburger, stammte aus Crossen. 2 ) Etwa vierzig- 
jährig, damals mittellos, übte er das Handwerk eines kleinen 
Schusters aus. Er stand daher inmitten der meist besitzlosen Be- 
völkernngsschichten Breslau's. 

In diesenKreisen fand Dublin Gelegenheit genug, sich durch s ''ine 
wühlerische Thätigkeit gekannt und wohl auch populär zu machen. 3 ) 

Demagog im wahren Sinne des Wortes, scheint er die Gäbe 
der Rede besessen und es verstanden zu haben, den Pöbel gegen 



r ) Kahle r t, Breslau vor hundert Jahren, 15. 

-) Grün ha gen. Zwei Demagogen im Dienste Friedrich d. Gr. 
Das preussische Generalstahswerk bezeichnet denselben als .. katholischer*' 
Confession ; es ist nicht ersichtlich, auf welche Nachricht hin. Jedenfalls war 
er im Dienste Friedrich IL thätig. Dass Stenzel, V, 17, erzählt, der Syndicus 
Gut z mar nenne Döblin den „katholischen" Schuster, beweist wenig, es 
kann ebensowohl eine in der Stadt geläufig gewordene ironische Bezeichnung sein. 

3 ) „Man sollte nun zwar auch eine genaue Beschreibung und Historie 
eines Mannes in Breslau machen, welcher vieles Aufsehen und Geschrei von 
sich verursacht hat und Döblin heisst, so das Schuster-Handwerk bisher 
getrieben, man steht aber billig an, sich in dieses Werk einzumischen ; und 
weilen anjetz wieder Alles stille von ihm geworden, so will man erwarten, 
bis sich ein Gönner, der etwas mehrere Kenntniss von ihm und seinen Thaten 
als wir, hat, finden und uns ein Werk von seinen Begebenheiten zuschicken 
wird, das wir als eine Beilage einzurücken nicht ermangeln wollen." (Schles. 
Kriegs-Fama, VIT, 55.) 



21 

die Regierung und die österreichische Partei aufzuhetzen. Dies 
geschah unter dem Schlagworte, dass der Eath durch seine Nach- 
giebigkeit der Landes-Eegierung gegenüber die Freiheiten und 
Privilegien der Stadt preisgebe. 

Döblin ist ohne Zweifel preussischer Agent gewesen. 1 ; 
Thatsache jedoch ist, dass er in diesem kritischen Momente der 
Breslauer Geschichte eine bedeutende Eolle gespielt und viel zur 
Entscheidung beigetragen hat. 

Der turbulente und von Döblin bearbeitete Haufe junger 
Zunftgenossen protestierte also an jenem Vormittage des 14. De- 
cember gegen die Einnahme der Truppen auf das Heftigste, während 
eine dichte Volksmenge das Eathhaus umlagerte. 

Mit Mühe gelang es dem Stadtsyndicus Gutzmar, die Ein- 
gedrungenen zu bewegen, durch einige Deputierte ihre Wünsche 
vortragen zu lassen, worauf D ö b 1 i n, nebst einigen anderen Hand- 
werkern vortraten und Namens der Bürgerschaft die Ausschliessung- 
fremder Besatzung und die Selbstverteidigung der Stadt ver- 
langten. 

Vergeblich stellte man seitens des Eathes vor, welche Be- 
schwerden, Geldopfer und welche Verantwortlichkeit eine Selbst- 
verteidigung notwendigerweise im Gefolge haben würde ; die 
Menge verlangte dieselbe in der ungestümsten Weise. 2 ) 

Endlich bat Gutzmar um Räumung des Saales, damit das 
Eaths-Coilegium zu einer Berathung zusammentreten könne. Die- 
selbe gelang jedoch nur unvollkommen, da eine Anzahl der Eindring- 
linge in der ausgesprochenen Absicht zurückblieb, die Entfernung 
der Eathsbeisitzer zu verhindern, bevor die Angelegenheit er- 
ledigt sei. 

Die Eathsherren führten in Folge dieses Zwanges ihre Be- 
rathung weiter, wo denn, wie es scheint, Gutzmar's Vorschlag 
durchgegangen ist, die Frage nur vom Standpuncte der militärischen 
Ausführbarkeit in Betracht zu ziehen. Man wolle, eröffnete man 
der Versammlung, die Ofnciere der Stadtmiliz, den Commandanten 
und den Stadtmajor über die Möglichkeit einer selbstständigen 
Verteidigung befragen. 



1 ) Darauf deutet auch eine spätere Aeusserung König Frie d r i c h II. 
an Schwerin (Ende Juli 1741) : „Ihr wisset von Selbsten, was es vor Mühe 
gekostet, um zu verhindern, dass anfänglich diese Stadt (Breslau) keine öster- 
reichische Garnison eingenommen." (Polit. Correspondenz, I. 444.) 

2 ) Grünhagen, Schlesien unter Friedrich d. Gr., I, ,">() u. ff. 



■2-2 

In Folge dieser Entscheidung verlangten die Tumultuanten 
die sofortige Vernehmung des Commandanten und dessen Stell- 
vertreters, was durch deren Anwesenheit auf dem Rathhause er- 
möglicht wurde. 

Anden Commandanten, dengreisen Obersten v. Kamp lisch, ' i 
richtete nun der Syndicus vor der Versammlung die Frage, „ob er 
glaube, dass die Stadtgarnison mit der Bürgerschaft sich defendieren 
könne und mit dem nöthigen Material ausgerüstet sei. Welche 
Antwort auf diese Frage gewünscht wurde, konnte kaum zweifelhaft 
sein, doch der alte Herr, der gleich bei seinem Erscheinen von 
der Menge mit lebhaftem Zuruf begrüsst worden war, verspürte 
wenig Neigung, unter Preisgebung seiner ganzen Popularität in 
die Bresche zu treten ; er erwiderte höchst diplomatisch, die Be- 
schaffenheit der Stadt werde einem hohen Rathe selbst am besten 
bekannt sein, er sei bereit, Blut und Leben für die Stadt daran 
zu setzen." 2 ) 

Die Versammlung legte sich diese Antwort in ihrem Sinne 
zurecht und Dublin rief mit Begeisterung : „Das ist unser Vater, 
dem wollen wir folgen." Vor dem Jubel, den diese Worte hervor- 
riefen, sank die letzte Spur von AViderstandskraft bei den Herren 
vom Ratke ; auch sie bekannten sich jetzt zu dem von der Bürger- 
schaft geforderten Gedanken der Selbstvertheidignng und durften 
endlich nach Hause gehen „mit der gemischten Empfindung, eine 
unliebsame Sache losgeworden zu sein und doch der Regierung 
gegenüber betheuern zu können, dass ihr eigener guter Wille nur 
einer drohenden revolutionären Bewegung gewichen sei." 3 ) 

Die Autorität der Behörden war durch diese Vorfälle lahm- 
gelegt und die Wortführer der erregten Menge wurden zu leitenden 
Persönlichkeiten; der „Schuster" Döblin war, wie ein zeit- 
genössisches Spottgedicht sagt, „der Held, der diese Stadt regiert". 
Man sah ihn viel in den Strassen, Haufen von Menschen mit 
weithin tönender, durch lebhafte Gesten unterstützter Beredsamkeit 
haranguierend. 



r ) Maxiinüian v. E a m pusc h war in Folge der in der Schlacht bei 
Peterwardein (5 August 1716) erhaltenen schweren Verwundung genöthigt 
gewesen, den kaiserlichen Dienst als Hauptmann bei Alt-Daun-Infanterie 
(Nr. 56) zu quittieren. Er erhielt am IG. August 1719 den Oberstlieutenants- 
Charakter, jedoch mit dem Bemerken, sich dessen in der kaiserlichen Armee 
nicht zu ..praevalieren". 

2 ) Grünhagen, Schlesien unter Friedrich d. Gr. 

3 ) Ebenda. 



23 

Die bewaffneten Bürger Hessen es übrigens an Versicherungen 
ihrer Loyalität der Königin gegenüber und ihres Eifers für die 
Vertheidigung nicht fehlen. Die Stadt füllte sich mit lärmendem 
militärischem Treiben; die jungen Burschen wurden täglich ein- 
exercierb, die Befestigungen mit Pallisaden versehen und aus dem 
I tischen Zeughause die Wälle mit zahlreichen Geschützen bew< 1 1 rt . ' 
Indem die königlichen Behörden sich diese Farce der Ver- 
theidiguugs-Instandsetzung eines strategisch so wichtigen Pun< 
wie Breslau gegen ein schlagfertiges und gut ausgerüstetes Kriegs - 
beer bieten Hessen, begaben sie sich jeden Einflusses auf die 
ferneren Geschicke dieser Stadt. Man wird kaum in Abrede stellen 
können, dass, wenn die Landes-Regierung in Erwägung dessen, was 
mit der Hauptstadt auf dem Spiele stand. Alles hätte daran setzen 
wollen, Truppen in dieselbe hineinzubringen, dies hätte gelingen 
müssen. Dann hätte die schleunige Besetzung der Dom- und Sand- 
Insel, zu der man ja vollkommen befugt war, da sich diese Stadt- 
gebiete nicht auf die früher geübte Observanz berufen konnten, 
das erste sein müssen und wenn nun der bereits in Breslau 
weilende Oberst Baron Roth sich hätte geneigt finden lassen, die 
zweite Stelle im Commando der Stadt, welche ihm die Bürgerschaft 
thatsächlich antrug, anzunehmen, dann hätte es ihm auch nicht allzu 
schwer werden können, ein paar Compagnien Soldaten durch das 
Sand-Thor oder über die Oder zubringen. Zu einem Strassenkampfe 
und dem Bau von Barrikaden wäre es schwerlich gekommen, um- 
so weniger, als doch erst später nach und nach die tumultuierende 
Bürgerschaft in den Besitz von Waffen gekommen ist. -) 

Bei den Beherrschten zeigte sich keine Regung von Patriotismus, 
weder beim Rathe, noch bei der Bürgerschaft, ebensowenig bei den 
Staatsbeamten. 3 ) Anstatt hingebenden Pflichteifers nur jene schlaffe 
Passivität, welche bei der Ausführung der erhaltenen Befehle vor 
allem darauf denkt, den eigenen Rücken zu decken. So hatte der 
Oberamts-Präsident Graf S c h a f f g o t s c h, als ihm G u t z m a r die 



y ) Grünhag en, Schlesien unter Friedrich d. Gr., I, 53. 

2 ) Ebenda. 

3 ) „Zwei einander scheinbar widersprechende Gebrechen stellten sich in 
der Geschäftsthätigkeit der königlichen, wie der städtischen Beamten bis zum 
Jahre 17-40 in aller Stärke heraus : V i elr e g i er e r e i und Saumseligkeit. 
Mit letzterer trat denn das rasche, durchgreifende Regiment Friedrich II. in 
den schroffsten Gegensatz." (W u 1 1 k e, König Friedrich d. Gr. Besitzergreifung 
von Schlesien und die Entwicklung der öffentl. Verhältnisse in diesem Lande 
bis zum Jahre 1740, II. 149.) 



24 

Nachricht brachte, dass der Rath an seiner früheren Zusage wegen 
der Einnahme königlicher Truppen nicht festhalten könne, zwar 
einigen Unwillen gezeigt, aber doch ohne weiteren Widerstand die 
Sache hingenommen und sich begnügt, eine schriftliche Darlegung 
des Vorgegangenen von dem Rathe zu begehren, da er eine solche, 
wie er sagte, zur eigenen Legitimation brauche. 

„Dem Grafen bangte fort und fort um die eigene Sicherheit ; x ) 
das kriegerische Treiben der bewaffneten Bürgerschaft auf den 
Strassen erschien ihm äusserst unheimlich und als nun gar General 
B r o w n e seinem Unwillen über das ganze Treiben unumwunden 
Worte gab, man solle einige der Hauptschreier, vor allem Döblin, 
beim Kopfe nehmen und an ihnen ein Exempel statuieren, dann 
würde alle Unruhe aufhören und diese Aeusserungen schnell weiter 
verbreitet und natürlich übel aufgenommen wurden, da fuhr der 
Oberamts-Präsident selbst bei dem General vor, der auf dem Ringe 
im „Goldenen Baum" logierte und beschwer ihn, vorsichtiger zu 
sein, es könne sonst leicht dazu kommen, dass der Pöbel in seiner 
Wuth den General, das Oberamt und den ganzen Eath umbringe ; 
das Beste wäre vielleicht, wenn er die Stadt verliesse." J i 

FML. Graf B r o w n e, als energischer Soldat gewohnt, stets 
direct auf das Ziel loszugehen, hatte während der letzten Tage 
seines Breslauer Aufenthaltes wohl wahrnehmen können, welche 
Elemente bei der vollkommenen Energielosigkeit und Schwäche der 
königlichen Behörden bereits tonangebend in der Landeshauptstadt 
geworden waren. Es konnte dem erfahrenen Militär auch nicht entgehen, 
dass die sogenannte Selbstverteidigung dieses Platzes der Anfang 
vom Ende sei; aber, er besass zu einer Forcierung der Stadt 
durch königliche Truppen keine Instruction und durfte dieselbe, 
nachdem ihm die Anschauungen der Wiener Regierung darüber 
bekannt sein mussten, auch nicht auf eigene Hand wagen. Um 
weitere kostbare Zeit nicht zu verlieren, verliess er am 18. December 
die von subversiven Agitationen durchwühlte Stadt. 

Vor seiner Abreise von Breslau hatte FML. Browne dem 
Hofe mitgetheilt, was der preussische FM. Graf Schwerin wegen 



r ) Ein zeitgenössisches Urtheil spricht sich über den Grafen folgendermassen 
aus: „Der geweste capo Graf Schaffgotsch ist ein guter, frommer und ehrlicher 
Herr, fürchtet sich aber vor einem jeden böhmischen Etats-Eath, wer soll also für 
das arme Land reden und sprechen.?" (Wohlmeinende Reflexion eines auswärtigen 
Ministri. H. H. u. St. A. Miscellanea politica et publica. Handschriften 1091.) 

2 ) G r ü n luge n : „Schlesien unter Friedrich d. Gr." I. 55. 



25 

Beistellung des Un.terlialt.es für die in Schlesien vorrückend» ra 
königlich preussischen Truppen an den Landesältesten des Sagan'schen 
Fürstentimms erlassen habe. Ebensolche Aufforderungen waren an 
den Freistädter und Grünberger Kreis ergangen und die Landes- 
ältesten' überhaupt wegen Verabredung über die Marscherfordernisse 
nach Crossen citiert worden. Browne sandte auch, gleichzeitig mit 
der Meldung, dass die Bürgerschaft zu Breslau keine Garnison ein- 
nehmen, sondern selbst diese Festung „defendieren" wolle, die von 
der Breslauer Bürgerschaft an den Magistrat „in Defensions-Weseu 
überreichte Deklaration" ein und begab sich nach Brieg, um von 
dort aus die Operationen seines kleinen Truppen-Corps einzuleiten 
und von Schlesien zu erhalten, was eben zu erhalten noch 
möglich war. 

FML. Browne's Plan gieng dahin, vorläufig Ober-Schlesien 
wenigstens, das ein wohlhabendes Land war und für den Unterhalt 
der Truppen hinreichende Vorräthe besass, nicht zu evacuieren, da 
ein Aufgeben des Landes und ein Zurückweichen bis an die Grenze 
von Mähren und Böhmen, auch geeignet gewesen wäre, die gut 
österreichisch gesinnte Landbevölkerung zu entmuthigen. Er 
beabsichtigte desshalb in Anhoffimng baldig eintreffender Ver- 
stärkungen Brieg zum Stütz- und Magazinspuncte seiner Operationen, 
die ja nur auf Gewinnung der Zeit berechnet sein konnten, zu 
machen und verlegte, um den wichtigen Uebergangspunct, Ohlau 
an der Oder, zu erhalten, einige Compagnien dorthin. 



Der Einmarsch der preussisclien Truppen in Schlesien. 

Ochon bevor FML. Graf Browne, der aussichtslosen Ver- 
handlungen mit den Breslauer Behörden müde, sich nach Brieg 
begab, hatten sich an der Grenze Schlesiens für die Geschicke des 
Landes bedeutsame Ereignisse abgespielt. 

König F r i e d r i c h II. war am Nachmittage des 14. December 
in Crossen eingetroffen und hatte am 15. die höhern Officiere dort 
zu einem Kriegsrathe versammelt. Zur Tafel zog der König an diesem 
Tage auch die von FM. Schwerin in das preussische Hauptquartier 
citierten Landes-Deputierten des Grünberg'schen Kreises. Während 
der Tafel „haben Seine Majestät unterschiedene Discurse von den Um- 
ständen Schlesiens geführt, auch mit dem gnädigsten Bezeugen und 
huldreichsten Worten versichert, dass die Zusammenziehung und Ein- 
führung Dero Armee in Schlesien nichts Anders zum Absehen habe, als 
des Landes Bestes". Der König, der anfänglich etwas ungnädig ge- 
wesen., „dass man schlesischer Seiten nicht eher gekommen", nahm dann 
mit Befriedigung die Versicherung der zwei schlesischen Edelleute ent- 
gegen, dass sie die von FM. Schwerin „geschehene Anmeldung" 
sogleich mittelst Courier an ihre vorgesetzte Behörde gesendet hätten, 
aber bis jetzt vergebens auf Antwort und Vollmacht gewartet hätten. 1 ) 

Das schon seit längerer Zeit für den Einmarsch in Schlesien 
vorbereitete Patent, 2 ) war am 15. December Abends in ver- 
schiedenen Orten Schlesiens angeschlagen worden und ward dann 
im Vormarsch vorbereitet. 3 ) 



1 ) K. A, Oesterr. Erbfolgekrieg 1740; XII, 6 f. 

2 ) Siehe Anhang 1/2. 

z j Preussische Staats-Schriften I. 67. Minister Podewils hatte bereits 
am 10. November an seinen Souverain berichtet, dass es, um die Bewohner 



27 

Am 10. December überschritt das Gros des preussischen ersten 
Corps die Grenze Schlesiens. ] ) Die Truppen betraten zuerst bei 
dem Dorfe Läsgen in der Kordwestecke des Grünberger Kreises 
schlesischen Boden und rückten in dem Dreieck zwischen dem 
unteren Bober und der Oder vor, das bis zur Linie Glogau-Sprottau 
reicht und über 28 Kilometer breit ist, Erst jenseits der erwähnten 
Linie erweitert sich das von den genannten Flüssen eingeschloss» 

Gebiet, 

König Friedrich II. nahm sein Quartier in Schweinitz, 
zehn Kilometer südwestlich Grünberg, im Hause der verwittweten 
Frau v. Schien seh. Die Truppen zahlten vorläufig alle ihnen 
gelieferten Lebensmittel und Fourage baar. Die Vorhuten gelangten 
am 17. December in die Linie Sagan-Neusalz. Die Tiefe des Corps 
betrug beiläufig sechs Meilen. Friedrich II. stieg im Schlosse 
des Grafen Köder zu Weichäu ab, wo er auch am 18. blieb,, an 
welchem der grösste Theil des Corps Rasttag hielt. Am 19. standen 
die Vortruppen in der Linie Bockwitz-Milkau, die Tiefe des Corps 
betrug nur noch vier Meilen. König Friedrich begab sich nach 
Milkau, wo er bis 21. blieb. An diesem Tage wurde dem Könige 
durch zwei Deputierte das folgende Schreiben des Oberamtes in 
Breslau vom 18. December übergeben: 

„Durchlauchtigster Grossmächtigster König ! 

Gnädigster König und Herr ! 
„Die Nachricht von erfolgter Einrückung Euer Königlichen 
Majestät Kriegs-Macht in dieses Erb-Herzogthum Schlesien ist um- 
so unvermutheter eingelaufen, als dazu weder von Ihro König- 
lichen Majestät unserer Allerhöchsten Frau und Allerhöchsten 



Schlesiens zu beruhigen, nothwendig wäre, ein gedrucktes Patent zu verbreiten, 
worin gesagt würde, der König rücke nicht als Feind, sondern vielmehr als 
Freund, guter Nachbar und Beschützer in ihr Land. Das Patent, dessen 
Entwurf von P o d e w i 1 s herrührte, wurde schon am 18. November zum 
Druck nach Frankfurt a. O. gesendet, da man in Berlin das Geheimniss darüber 
weniger wahren zu können glaubte und auf Weisung König Friedrich's 
auf den 1. December datiert. 

J ) FML. B o 1 1 a hatte bereits bei seiner Hinreise nach Berlin sich von 
der Intensität der preussischen Kriegsvorbereitungen überzeugen können, 
gleichzeitig aber auch die Ansicht geäussert, dass ein concentriertes preussische 
Corps an den Grenzen Schlesiens nicht existieren könne, da die dort etablierten 
Magazine höchstens für die Marsch-Erfordernisse genügten, aber keinesfalls für 
längeren Aufenthalt. (Botta an Fürst Liechtenstein in Paris. Berlin. 3. De- 
cember 17-10, H. H. u. St, A., Franz. Correspondenz, Fase. 88.) 



28 

Landesfürstin, weder von Seiten des Landes, der allermindeste auch 
nur scheinbare Anlass gegeben worden. Es ist zwar seit einiger 
Zeit Vieles von starken Kriegsrüstungen zu hören gewesen, worüber 
auch von uns, der tragenden Obliegenheit gemäss, bei der Behörde 
angefragt worden ; allein wir haben zur Antwort erhalten, dass 
Euer Königliche Majestät solche Freundschafts -Versicherungen er- 
theilen lassen, dass man unmöglich die Betretung diesseitigen 
Territorii sich beigehen lassen könnte, besonders, da bekannt wäre : 
was das natürliche und Völker-Recht, die so hoch verpönten Reiehs- 
Sa tzungen und zumalen in derlei Umständen, als nunmehr für- 
walten, die goldene Bulle Kaiser Carl IV. mit sich brächten. Man 
hätte über das, durch alle billige und thunliche Mittel Euer König- 
lichen Majestät Freundschaft zu bewerben, sich beflissen. Freund- 
schaft gegen Freundschaft und in Allem, was die gute Nachbarschaft 
erheischte, zum Uebermass des reciproci sich erboten; auch mit 
einem AVort, den Marchese Botta als schon bei dessen Absendung 
mit solchen Befehlen versehen, dass er Gewalt und Vollmacht hätte, 
zu Befestigung des beiderseitigen besten Vernehmens, alle Beding- 
nisse einzugehen, welche ohne Schmälerung Ihrer Königlichen 
Majestät, unserer Allergnädigsten Frauen Erbländer und ohne 
Verletzung der Gerechtsame eines Dritten eingegangen werden 
könnten". 

..Einigen Anspruch könnte von Euer Königlichen Majestät 
möglicher Dingen nicht angezogen werden, so durch die feier- 
lichsten Tractate nicht vorlängst abgethan und aus dem Grund 
gehoben wäre. Und Endlichen wäre sich an Seiten Ihro König- 
lichen Majestät unserer Allergnädigsten Frau so gar entfernt 
nicht gezeigt worden, auf den Fall, da man Euer Königlichen 
Majestät Hilfe vonnöthen haben sollte, der Billigkeit nach, darüber 
sich einzuverstehen. Und sei dem Marchese Botta aufgetragen 
worden, zu Berlin erkennen zu geben, dass nicht zu begreifen 
stünde, wie eine nicht benöthigte Hilfe mit gewaftneter Betretung 
eines fremden Territorii könnte aufgedrungen werden wollen. Bei 
solchen Umständen nun hatte Ihrer Königlichen Majestät unserer 
Allergnädigsten Frau nicht wohl möglich geschienen, dass, zuwider 
der, auch mitten unter den Kriegs-Anstalten öfters wiederholten 
Freundschaftsversicherungen und patriotischen Bezeigungen, zu- 
wider des geheiligten Bandes der menschlichen Gemeinschaft, zu- 
wider des hochverpönten Landfriedens und absonderlich zuwider 
dessen, was in gegenwärtigen Umständen die goldene Bulle Kaiser 
Carl IV. klar vermeint, ein benachbartes Land, ohne Begrüssen 



29 

der Landesfürstin und ohne sieh einmal vorläufig' gegen Allerhöchst- 
dieselbe und die Ihrigen im Mindesten zu äussern, mit Kriegsmacht 
sollte überzogen, andurch aber die allgemeine Ruhe, eines Jeden 
Sicherheit und die ganze Reichsverfassung auf einmal unterbrochen 
oder vielmehr vernichtet werden. Gleichwie man sich nun eine 
solche Begebenheit nicht beigehen lassen könne, also wäre m 
durch alle diese Betrachtungen in dem Anfangs geschöpften Ver- 
trauen umso mehr bestärket worden. Nachdem aber das Gerücht 
von einer baldigen Einrückung in Schlesien sich am meisten zu 
Berlin ausgebreitet hat, so hatten Ihre- Königlichen Majestäl 
hängenden Hochachtung, forthin demselben keinen Glauben bei- 
messen wollen, bald darauf aber vernehmen müssen, dass diese 
Dero Zuversicht sogar dahin ausgelegt werden wollen, als ob 
Allerhöchstdieselbe mit Euer Königlichen Majestät Vorhaben ein- 
verstanden wäre. Da nun aber ein solcher Wahn Ihrer Königlichen 
Majestät, unserer Allergnädigsten Frau, Ehre und Glorie, auch 
der Wohlfahrt Dero getreuesten Erb -Königreiche und Länder 
allzunahe gehe und dadurch sowohl Einheimische, als Auswärtige 
leicht irre gemacht werden könnten r ) — 

So haben Allerhöchstdieselbe auf allen, obschon ganz un- 
vermutheten und unglaublich geschienenen Fall Allergnädigst an- 
befohlen, dass nach wirklich erfolgter Einrückung Euer Königlichen 
Majestät Kriegsvölker in das Erb-Herzogthum Schlesien (dieselbe 
möge nun gleich, wodurch sie immer wolle, beschönigt werden) 
alles Obige mittelst einer schriftlichen Verwahrung zu erkennen 
gegeben und dann, dass Euer Königliche Majestät durch ungleiche 
Vorstellungen hintergangen worden sein müssen mit dem Ersuchen, 
wegen ungesäumter Zurückziehung der Kriegsvölker von fremdem 
Grund und Boden, beigefüget werden solle, mit dem ferneren 
Anhang: dass man sich ein solches von Euer Königlichen Maj estät 
Gerecht- und Billigkeits-Liebe ganz zuversichtlich verspreche; all 
unverhofften widrigen Falls aber wegen Iliro Königlichen Majestät 
unserer Allergnädigsten Frau, als rechtmässigen Königin, Dero 
getreueste Unterthanen, dann fremden Mächten (deren Unterthanen 



') „Die gute Königin von Ungarn und Böhmen beginnt ihre Regierung in 
einem sehr schwerwiegenden Augenblicke. Die Freunde, zum mindesten Jene, 
welche als solche zu gelten sich bemühen, sind die ersten, welche ihr i 
Provinz wegnehmen oder zum mindesten sich dortselbst mit bewaffneter Ha n<l 
festsetzen und als Herren auftreten." Braunschweig, 19. Januar 1741. Herzogin 
Christine an FM. Grafen Seckendorff. H. H. u St. A. Gr. Correspondenz' 
Fase. 183 F. 



30 

auf das Erb-Herzogthum Schlesien gesicherte Hypotheken haben) 
zuwachsenden Schäden, wie nicht minder der daher entspringen 
müssenden unzähligen üblen Folgen halber vor Gott, dem ge- 
sammten Reich und der ganzen Christenheit verwahrt haben wollte. 
Wie nun sothaner Königlichen Allerhöchsten Anordnung aller- 
unterthänigst nachzukommen, unsere getreueste Pflichten erfordern, 
also sollen auch dieses alles an Euer Königlichen Majestät (nach- 
dem dem ganz sicheren Vernehmen nach, Dero Königliche Truppen 
in dieses Erb-Herzogthum Schlesien schon wirklich eingetreten) wir 
hierdurch gelangen lassen." *) 

Die Abgeordneten erhielten über die vorgelegte Verwahrung 
nur eine Empfangsbestätigung und wurden der königlichen Tafel 
zup-ezoo-eu. 2 ) Ferner wurde seitens des Oberamts in Breslau ein 
mit dieser vom 18. December datierten Verwahrung nahezu gleich- 
lautendes- Patent im Lande verbreitet. 3 ) 

Der Text dieser Schriftstücke war nach dem Beschlüsse der 
Conferenz in Wien am 13. December um 1 Uhr Nachmittag aus- 
gefertigt und dem böhmischen Hofkanzler zur Expedition an die 
schlesische Landesregierung übergeben worden. 

Nachdem die Spitzen des preussischen Corps am 20. December 
die Linie Meschkau-Tsckirnau erreicht hatten und nur noch zwei 
Meilen von Glogau entfernt waren, rasteten sämmtliche Truppen 
am 21. December. 

In der von der Invasion unmittelbar und zuerst bedrohten 
Festung Glogau hatte FML. Graf Wallis unausgesetzt die Ver- 
stärkungsarbeiten fortsetzen lassen. 

Die Ingenieure Rauschen d o r f und S u 1 1 y hatten die Be- 
stimmung zur Dienstleistung in dein Platze ; der Erstere war 
75 Jahre alt und bereits von FML. Graf Wallis im September 
dem Hof-Kriegsrathe als nicht mehr zum Dienste geeignet, geschildert 
worden. Der Festungs-Commandant liess die Palissaclen ausbessern, 
den verfallenen Hauptwall so viel als möglich reparieren und die 
Plattformen der Batterien, von welchen keine einzige vorhanden 
war, herstellen. Zu diesem Zwecke wurden die Einwohner der 



■■> 



: ) Copie im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. Ad VII, 1 vom 
Jahre 1711, Schlesien. 

2 j Kriege Friedrich d. Gr. I, 233. Preuss. Staats-Schriften I, (58. 
3 ) Anhang VI. 



31 

Stadt und aufgebotene Bauern Tag und Nacht zur Arbeit heran- 
gezogen. Der Erdwall konnte jedoch nicht revetiert werden, da 
weder Kalk, noch Steine vorhanden waren, die Jahreszeit derartige 
Herstellungen auch nicht gestattete. 

Als Besatzung standen in der Festung ein Bataillon Wallis 
(vier Füsilier-Compagnien stark) und ein Bataillon Harrach (fünf 
Füsilier-Cornpagnien), nebst einer Grenadier-Compagnie. 

Die Gesammtstärke der Garnison betrug effectiv, einschliesslich 
der Ober- und Unteroffiziere, 1178 Mann und 90 Invaliden. Die 
Compagnien von AVallis-Infanterie bestanden theils aus alter, aber 
für Fatiguen nicht mehr geeigneter Mannschaft, theils aus sehr 
jungen Leuten. Von den 17 in der Festung vorhandenen Artilleristen 
hatte nicht einer im Felde gedient. *) 

An Geschützen befanden sich in der Festung 58 Bronce- 
Kanonen, 3 Bronce-Mörser, 11 eiserne Kanonen, 2 eiserne Mörser. 
Diese Geschütze, grösstenteils aus dem XVI. und XVH. Jahr- 
hunderte, waren zum scharfen Gebrauche untüchtig und sämmtlich 
repar aturbe dürftig. 2 ) An Pulver fanden sich in den Depots 1200 
Centner vor. 

Der städtischen Behörde wurde der strengste Befehl ertheih. 
ohne Ausnahme diejenigen Bürger, welche nicht wenigstens auf 
einige Monate mit Lebensmitteln sich versorgten, aus der Stadt zu 
entfernen. 

Aus den in der Stadt gebliebenen Mitgliedern der Bürger- 
schaft Hess der Festungs-Commandant vier Compagnien bilden, 
die sich, viele schon bejahrte Personen inbegriffen, auf 300 Mann 
bezifferten, von denen übrigens wenig Nutzen zu erwarten war. 

Der Landeshauptmann Graf K o 1 1 u 1 i n s k y hatte vor der 
Annäherung der preussischen Truppen den Befehl gegeben und 
FML. Wallis ihn durch militärische Assistenz unterstützt, soviel e 
Lebensmittel als irgend möglich, in die Festung zu bringen, doch 
versagten viele lutherische Orte bereits den Gehorsam, so dass 
nur einige hundert Scheffel Getreide eingeliefert wurden. Dagegen 
erhielt der Magistrat von Glogau Auftrag, aus den der Stadt 
gehörenden Meierhöfen das gesammte Hornvieh, ebenso wie Eeu 
und Stroh in die Festung schaffen zu lassen. 



J ) Nach dem Berichte des GFWM. Barön Reisky. K. A. Mähren und 
Schlesien 1741 ; III, 25. 

2 ) Archiv für die Officiere des königl. preussischen Artillerie- und In- 
genieur-Corps. III. Jahrg. 5. Band 1837, 187 u. ff. 



32 

Im Cameral-Magazin fanden sich Vorräthe an Mehl ; auch von 
Salz, Branntwein und Tabak war etwas vorhanden. Der Pulver- 
vorrath befand sich in vier an die Stadtmauer angebauten Thürmen, 
da aber die erstere dünn und diese nicht bombenfrei waren, wurde 
derselbe zum Theil in das Schloss, zum Theil in ein Gewölbe unter 
der Pfarrkirche gebracht, welche Aufbewahrungsorte zu besserer Ver- 
sicherung noch mit Erde eingedeckt wurden. 

Am 13. December versammelte der Festungs-Commandant die 
hervorragendsten Officiere des Platzes zu einer Berathung, um über 
die empfehlenswertheste Verteidigung desselben die Meinungen 
abzugeben. Man einigte sich dahin, dass der bedeckte Weg als 
,, beste und einzige Defension des Orts" mit 3 — 400 Mann besetzt 
werden solle, w T as auch bei Annäherung der preussischen Truppen 
geschah. Zwei Tage später erhielt ein Detachernent von 100 Mann 
unter einem Hauptmann Befehl, die Gartenhäuser, sowie eine Mühle 
und die bürgerliche Schiess statte, die unter dem Feuer der Festung 
lagen, dann auch die auf dem Glacis, 200 Schritte von dem 
Brostauer-Thore gelegene und aus Holz erbaute lutherische Kirche 
abzubrennen. Doch schon sehr früh kamen an gedachtem Tage 
etwa vierzig lutherische Bürger zum Commandierenden und baten 
flehentlich, ihre Kirche, welche durch den Altranstädter Frieden 
erlaubt sei und bereits über 70 Jahre stehe, zu schonen. Graf 
Wallis gab ihnen den Bescheid, dass diese Massregel nur durch 
unumgängliche Nothwendigkeit und im Interesse des Allerhöchsten 
Dienstes erfolgen müsse. Der Festungs-Commandant begab sich 
mit GFWM. Baron P^eisky auf den Wall, um die Fertigstellung 
der Geschütz-Bettungen und deren Aufstellung zu betreiben, als 
mehrere Edelleute, begleitet von einigen Bürgern auf ihn zukamen, 
um ihm als Deputierte des lutherischen Adels aus dem Fürstenhum 
erneuert vorzustellen, die Kirche nicht abbrennen zu lassen. Gleich- 
zeitig kam die Meldung, dass in der erwähnten Kirche und auf 
deren Friedhof über 8000 bewaffnete lutherische Bauern sich 
befänden. Die Bebellion gegen die Anordnungen des Festungs- 
Commandanten war zum Ausbruche reif. Klugheit und Vorsicht 
waren erforderlich, um nicht zu dem anrückenden Feinde von 
Aussen, im Innern die aufständische, meist lutherische Bevölkerung 
zu gesellen. 

FML. Graf Wallis ersuchte in Folge dessen die Vertreter 
des lutherischen Adels, sich zum Landeshauptmann Grafen Kottu- 
linsky zubegeben, wo sich auch GFWM. Eeisky, nebst einigen 
Officieren einfand. Der katholische Dompropst Baron Langen, 



33 

dem die Lutheraner angedroht hatten, dass, wenn man ihre Kirche 
auf dem Grlacis verbrenne, sie ein Gleiches mit dem Dom thuii 
würden, erschien gleichfalls bei dieser Besprechung. Hier einigte 
man sich dahin, dass, falls die Deputierten innerhalb 30 Stunden 
einen Revers vom König von Preussen vorlegten, dass er beim 
Angriffe auf die Festung die Lage der Kirche nicht für seinen 
Zweck benützen würde, man dieselbe intact lassen wolle. Diese 
Bestätigung langte von König Friedrich IL ein und die Kirche 
blieb stehen. *) 

Am Iß. December begab sich der Landeshauptmann mit den 
Regierungsbeamten nach Breslau. Die Festungsarbeiten wurden 
mit 350 Bauern fortgesetzt, der bedeckte Weg unter Commando 
zweier Hauptleute mit vier Officieren und 300 Mann und das vor 
dem Brostauer Thore Hegende Ravelin mit einem Lieutenant und 
30 Grenadieren besetzt, die AVachen auf den Bastionen und Cour- 
tinen bestimmt, in der Stadt aber nur die Hauptwache und jene 
beim Provianthause bezogen. Auf dem bedeckten "Wege wurden 
für die AVachen Hütten gebaut, um Feuer machen zu können und 
gegen die Kälte einigermassen geschützt zu sein. 2 ) 

Die Brücke über die grosse Oder und jene zwischen der Stadt 
und dem Dom wurden am 17. December abgebrochen. Am fol- 
genden Tage erschienen bereits in dem drei Kilometer von der 
Festung entfernten Dorfe Brostau, Avie auch in anderen Ortschaft 
der Umgebung, preussische Husaren und man begann preussischer- 
seits bereits Niemand mehr gegen Glogau passieren zu lassen. 

Am 21. December gelangte unter vielen Fährlichkeiten ein 
nur durch die Findigkeit des von den j)reussischen Husaren nach 
Herrendorf eingebrachten Boten gerettetes königliches Schreiben 
vom 15. December an FML. Grafen AVallis, worin ihm anbe- 
fohlen wurde, bei erfolgter Einrückung der preussischen Truppen 
an den König oder den commandierenden General ein Protest- 
schreiben gegen diese Einrückung zu senden und gleichzeitig um 
die Zurückziehung der Truppen zu ersuchen. 3 ) 



v ) FML. Graf Wallis' Bericht, Gräfl. Archiv in Koleschowitz. 

2 ) Plan von Glogau, siehe Tafel I. 

s ) Bericht des Grafen Wallis an den Hof-Kriegsrath. Der Wortlau! 
des Erlasses der Königin ist nicht mehr vorhanden, ein Protocolls-Extract 
desselben lautet: „An Wenzel AVallis communicatuv, was falls die preussischen 
Truppen mit allerhand Freundschafts-A 7 'ersicherungen in Schlesien einzurücken 
unternehmeten, diesfalls an den König oder an (hm commandierenden preussi- 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 



34 

Für die Einschliessung von Glogau bestimmte König 
Friedrich II. zunächst die Regimenter des linken Flügels, die 
sich mit ihren Spitzen, wie erwähnt, am 20. schon der Festung 
genähert hatten, während der rechte Flügel des Corps noch zurück- 
geblieben war. J ) 

Der König wollte diese Truppen selbst vor die Festung 
führen, während Schwerin den Befehl über jene des zurück- 
gebliebenen rechten Flügels erhielt, der in der Linie Bunzlau- 
Polkwitz Halt zu machen hatte, da Friedrich IL beabsichtigte } 
in der Gegend von Schönau-Langenau sich mit dem Feldmarschall 
wieder zu vereinigen. 

Die Truppen des linken Flügels unter dem königlichen Befehle 
kamen am 22. December vor Glogau an und die Cernierung der 
Festungbegann auf dem linken Oder-Ufer sofort. KönigFriedrichll. 
nahm sein Hauptquartier in Herrendorf, sieben Kilometer westlich 
von Grlogau. 

FML. Graf AVallis hatte schon am 21. December, da er erfahren, 
dass das königliche Hauptquartier nach Herrendorf verlegt werden 
solle, den Oberstwachtmeister des Harrach'schen Regiments, Baron 
Reichlin mit dem anbefohlenen Protestschreiben dorthin ab- 
g< -sendet, welches der genannte Stabsofficier am nächstfolgenden 
Tage dem Könige von Preussen übergab. 

Als am Vormittage des 23. December GFWM. Baron Reisky die 
Posten auf dem Wall und dem bedeckten Weg inspicierte, prellte 
eine preussische Husaren-Abtheilung auf das Glacis gegen die 
Palissaden vor; etliche Mann, welche ohne Bewilligung aus dem 
bedeckten Woge hinausgetreten waren, um Holz, das draussen lag, 
hereinzubringen, liefen schnell zurück, ein Mann von Wallis-In- 
fanterie jedoch wurde von den Husaren gefangen und mitgeführt. 
Die Wachen im bedeckten Wege wollten daraufhin Feuer geben, 
General Reiskj^ verbot dies aber auf das Strengste, „um hiedurch 
dem König in Preussen keinen Praetext an die Hand zu geben, 
dass unsererseits die thätlichen Hostilitäten wären angefangen 
worden." 2 ) 



sehen General schriftlich überlassen, dann durch öffentlichen Druck publiciert 
werden solle." K. A., H. K. E. Prot. Eeg. 1740; Fol. 3602, 15. December. 

*) Siehe die preussische Ordre de bataille. Anhang VII. 

2 ) „Wenzel Wallis, qui en etait gouverneur, avait des ordres precis de 
ne point cormnettre les prernieres hostilites, il ne erüt pas qu'un blocus en tut 
une, et ü se laissa paisiblement enfermer dans ses remparts." Frederic IL, 
Histoire de mon temps, ed. Posner, 218. 



35 



FML. Wallis, dem eine Kriegserklärung oder Notification 
der Feindseligkeiten preussischerseits nicht bekannt gemacht 
worden war, beklagte sich über diesen Vorfall brieflich bei 
König Friedrich II. und sendete sogar einen Hauptmann mit 
diesem Schreiben nach Herrendorf in dessen Hauptquartier. Dieser 
kehrte Abends mit dem Bescheide zurück, dass der König von 
Preussen die Angelegenheit untersuchen werde. Am Morgen des 
folgenden Tages erschien der preussische Flügel- Adjutant Major 
v. Buddenbrook, nebst dem am Vortage gefangenen In- 
fanteristen auf dem Glacis und überbrachte ein Schreiben König 
F r i e d r i c h's an den Festungs-Commandanten, in dem versichert 
wurde, class er den Befehl „zur Verübung dieser Feindseligkeit" 
nicht gegeben habe. 

Dieser an sich so geringfügige Vorfall wurde erwähnt, weil 
er eben ein Streiflicht auf die Lage zu werfen geeignet ist. Die 
österreichischen Truppen-Commanclanten hatten Befehl, die Feind- 
seligkeiten nicht zu beginnen und Friedrich IL, der den Krieg 
nicht erklärt und eine Art Freundschafts -Manifest bei Ueber- 
schreitung der Landesgrenze hatte vorbereiten lassen, wollte vor- 
zeitig die Maske nicht abwerfen, umso weniger, als die diplomatischen 
Verhandlungen in Wien noch neben der Vorrückung in Schlesien 
einherliefen. 

Am folgenden Tage bemerkte man aus der Festung die Vor- 
bereitungen zu der von den Preussen in das Werk gesetzten 
Blokade, indem Cavallerie-Posten ausser Geschützertrag, auf etwa 
'200 Schritte von einander entfernt, aufgestellt wurden, während 
die Infanterie-Pikets Hütten und Baracken aus Holz erbauten. 

König Friedrich H. hatte am 24. December mit einem In- 
fanterie-Regiment (Alt-Borcke) in der Nähe von Glogau bei Beichau 
die Oder auf Kähnen übersetzen und die Dörfer Gräditz und 
Zerbau besetzen lassen. Um den Verkehr der Stadt durch den 
nördlichen Flussarm oderaufwärts zu unterbrechen, wurde dort eine 
Brustwehr errichtet und mit zwei Geschützen versehen. 

Die Ufer des Oder-Stromes aufwärts wurden übrigens durch 
AVachschiffe beobachtet und die Passage gesperrt ; auch die zwischen 
der grossen und alten Oder hinter dem Dom liegende Ziegelscheune 
ward mit einem Commando Grenadiere besetzt. 

In der Festung selbst benützte man die Zeit, dasjenige, was 
in aller Eile an der „verfallenen Fortification" gearbeitet worden. 
solider ausbessern zu lassen; Faschinen und Schau/körbe, sowie die 



36 

Bettungen zu den Geschützen wurden hergestellt, der Weg inner- 
halb des Walles zur Communication brauchbar gemacht und das 
Pulver aus den schlecht verwahrten Thürnien in die bombensicher 
hergestellten Gewölbe gebracht, im Hauptgraben zwei Abschnitte 
angelegt, auch sonst alles Erdenkliche vorgekehrt, um den hart- 
näckigsten Widerstand leisten zu können. 

Nachdem der Festungs-Commandant aus den Vorbereitungen 
der preussischen Truppen gesehen, dass es sich vorläufig nur um 
eine Blokade des Platzes handle, liess er die Besatzung des be- 
deckten Weges, besonders aus Ursache der bereits stark ein- 
gerissenen Desertion und zur Schonung der Garnison auf 175 Mann 
vermindern, bestimmte aber eine Reserve von 200 Mann, die unter 
Dach gelegt wurde. Das Ravelin am Brostauer Thor blieb mit 
einem Lieutenant und BO Grenadieren besetzt; das Alarmzeichen 
sollte von der Hauptwache aus gegeben werden. 

Die preussische Heeresleitung hatte sich beeilt, die Hilfsquellen 
des occupierten Landes in Beschlag zu nehmen und in den Dienst 
des preussischen General-Feld-Kriegs-Commissariates zu stellen. 1 ) 

xAm 23. December schon wurde an die Steuerämter, welche in 
der bisher durch den Einmarsch erreichten Machtsphäre lagen, 
von diesem Commissariate aus Herrendorf der folgende Erlass 
gerichtet : 

,, Demnach S. kgl. Maj. in Preussen nöthig gefunden, einige 
Dero Truppen in Schlesien marschieren zu lassen, auch damit ziem- 
lich avancieret, zu Dero Unterhalt aber und den sonst vorfallen- 
den Ausgaben erfordert werden, also wird Namens Ihro Maj. dem 
Ober-Steuer-Einnehmer Schweinit.z- und Jauerischen Fürstentums 
aufgegeben und befohlen, von allen denjenigen publiquen Geldern, 
welche zu dieses Kreises Einnahmen gehören oder sonst berechnet 
werden sollen, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, vom 
1. Jan. 1741 an Niemanden ohne alle Ausnahme, es sei unter was 
Vorwand es wolle, das Allergeringste auszuzahlen, sondern bis auf 
Sr.kgl.Maj.oderDeroFeld-CommissariatweitereDisjtosition und ihnen 
zukommende fernere Ordre Alles gehörig in Einnahme zu ver- 
schreiben, getreulich zu verwahren und an sich zu behalten, über 



r ) „Alle Widersetz ung (gegen die preussischen Anforderungen) hall 
dagegen nichts, denn da Niemand einen Hinterhalt und Succurs sah, so war 
nun alle Devotion vor die Königin von Hungarn und Böheimb vergebens." 
(Schles. Kriegs-Fama, V, 24.) 



37 

dieses Alles aber den 27. d. Mts. um 9 Uhr sich allhier bei Sr. 
kgl. Maj. Feld-Commissariat zu stellen und eine exacte Designation 
aller im Sehweinitz'schen und Jauerischen Kreise belegenen Städte, 
Dörfer und Flecken mitzubringen." Im Weigerungsfalle wären die 
Steuerg-elder doppelt zu ersetzen, hiezu würde der Einnehmer nicht 
nur mit Militär-Execution angehalten, „sondern auch überdem noch 
an seiner Person, allen den Seinigen und deren Hab und Gut auf das 
Aeusserste geahndet werden solle, dahingegen wenn erwähnter Ob( j r- 
Steuer-Einnehmer Sr. kgl. Maj. Willen und Befehl überall nachleben 
wird, derselbe für sich, die Seinigen und sein Vermögen Sr. kgl. 
Maj. Hulden und Protection sich zu vergewissern hat." 

Die Verpflegung der Armee wurde insofern geregelt, dass am 
27. December im Hauptquartier zu Herrendorf, in Gegenwart des 
preussischen General-Feld-Kriegs-Commissariats und zwar der ge- 
heimen Räthe Münchow und Reinhardt und eines grossen 
Theiles der Stände aus den Fürstentümern Glogau, Jauer, 
Liegnitz, Wohlan, Sagan ein Protocoll aufgenommen wurde über 
die Art der Verpflegung der bei Grlogau bleibenden Truppen, dann 
über die Regelung der gesammten Verpflegung der Armee, des 
Hauptquartiers und des Generalstabs, der Bequartierung und Ver- 
pflegung während des Marsches, welche durch begleitende Marsch- 
Oommissäre geordnet werden sollte. 

Ebenso hatte der das II. Corps commandierende G. d. J. Her- 
zog von Holstein, von Crossen aus angeordnet, dass zur Ver- 
pflegung der nachrückenden Truppen von den vier Kreisen Sclrwiebus, 
Grünberg, Freistadt und Sprottau und dem Fürstenthum Sagan 
,,an harter und rauher Fourage 93 Malter Korn, 389 Malter Hafer, 
779 Malter Häcksel und 2716 Centner Heu in drei Terminen, nämlich 
den 1., 4. und 7. Januarii 1741 in das Hauptquartier Herrendorf vor 
Glogau bei schwerer Verantwortung geliefert werden sollten." *) 

Inzwischen hatte der rechte Flügel des I. Corps unter FM. 
Grafen Schwerin mit seinen Spitzen am 27. December die Linie 



J ) K. A., Oesterreichisclier Erbfolgekrieg 17-40, XII, 6 g. Der mit diesen 
Nachrichten im österreichischen Hauptquartier eingegangene Brief fügt hinzu: 
,,Ob es nun gleich an unserer Grenze, wo die preussische Miliz durchpassiert, 
recht erbärmlich aussieht und der Landmann mit einmal ruiniert worden, mit- 
hin diese anverlangte Fourage unmöglich aufbringen kann; so werden >li.' 
Landesältesten, wenn sie sich nicht in das grösste Unglück stürzen wollen, 
dennoch einer dem anderen secimdieren und hiezu Eath schatten müssen." 



68 

Luben - Hainau— Bunzlau erreicht und ein Husaren-D etaclieinent 
unter Oberst v. Wurmb, nebst vier Grenadier-Compagnien nach 
Liegnitz vorgeschoben. 

König Friedrich II., in der Besorgniss, das ihm vor Allem 
wichtige Breslau werde den Truppen der Königin Maria Theresia 
doch endlich die Thore öffnen, da sich eine mächtige, dynastisch 
gesinnte Partei in der Stadt befand, — brach nur von wenigen 
Truppen begleitet, am 28. December nach Breslau auf. r j Die vor- 
läufig vor Glogau bleibenden Truppen sollten durch das im An- 
märsche befindliche II. Corps abgelöst werden und dann ebenso 
wie die unter Schwerin's Befehlen stehenden Abtheilungen des 
I. Corps dem Könige nach Breslau folgen. 

DieColonne des Königs bestand aus zehn Grenadier-Compagnien, 
fünf'Escadronen des Dragoner-Regiments Bayreuth, je einer Escadron 
Gensdarmes und Husaren; von Schwerin's Truppen hatten unter 
GM. v. Kleist's Befehlen die Grenadier-Compagnien der Infanterie- 
Regimenter, sowie das Regiment Schulenburg-Grenadiere zu Pferd in 
Neumarkt zur Colonne des Königs zu stossen. Der Feldmarschall 
selbst sollte in schwachen Märschen folgen und jeden dritten Tag 
Rasttag halten. 

Am Tage vor König Friedrich 's Abmarsch waren G. d. J. 
Herzog von Holstein und GL. Erbprinz Leopold von Anhalt- 
Dessau im Hauptquartier zu Herrendorf eingetroffen, während 
GM. Markgraf Carl von B r a n d e nburg-Sc h w e d t sich mit 
dem IL Corps im Anmärsche auf Glogau befand. 2 ) König Fried- 
rich IL übertrug dem Erbprinzen die Einschliessung Glogaus. 

Am 29. December trafen die Truppen des H. Corps vor Glogau 
ein 3 ) und lösten die dort zurückgebliebenen Abtheilungen des 
I. Corps ab, mit welch' letzteren der Herzog von Holstein nach 
Breslau dem Könige folgen sollte. 

Die Route König Friedrich'« gieng am 28. bis Gläsers- 
dorf, am 29. bis Parchwitz, wo sich FM. Seh w er in im königlichen 

] ) ..Si votis etes curieux de savoir la raison de cette marche forcee, iL 
laut vous dire que les generalis de la Beine de Boheme avaient fortement 
sollicite la ville de Breslau de recevoir garnison, ce qui est contre ses Privi- 
leges. Quelques magistrats etaient sur le point d'y donner les mains. mais la 
Bourgeoisie s'y opposa. II fallait donc se presser d'y arriver avant que le parti 
de la cour püt prendre le dessus." „Lettres d'un officier prussien". S. 310. Bei- 
heft zum „Militär-Wochenblatt 1876". 

-) Die Infanterie und Artillerie dieses Corps hatte am 11. December den 
Marsch von Berlin angetreten. 

3 ) Siehe die Ordre de bataille. Anhang VII. 



Hauptquartier einfand und die Disposition für denselben, in schwachen 
Märschen dem Könige zu folgen, dahin geändert wurde, so schnell 
als möglich nach Neisse zu rücken. 

Am 30. traf König Friedric h in Neumarkt ein (30 Kilometer 
von Breslau), wo die zehn Grenadier-Compagnien des Schwerin 'sehen 
Flügels sich mit ihm vereinigten. Aus den gesammten 20 Com- 
pagnien wurden nun fünf Bataillone formiert. v ) 

Das scheidende Jahr fand den König schon Angesichts der 
Thürme der schlesischen Hauptstadt, 2 ) in Pilsnitz, wo er bei dem 
Breslauer Patricier v. Riemberg das Quartier genommen hatte. 3 ) 

Seiner Verbindungen in Breslau sicher, hatte er unmittelbar 
vor dem Abmärsche von Neumarkt an den Minister P o d e w i 1 s 
nach Berlin geschrieben: „Ich rücke hier vor und rechne darauf, 
morgen, am 1. Januar, in Breslau einzurücken." 4 ) 

Die Capitulatiou von Breslau. 

Am Nachmittage des 31. December war der Ober-Syndicus 
v. Gut z mar beim Oberamts - Director und dann auch beim 
Kanzler des Oberamtes, Freiherrn v. Schwanenber g, erschienen 
und hatte diesen Functionären mitgetheilt, dass der königlich 
preussische Oberst v. Posadowsky mit einer Abtheilung Husaren 
bei dem Nicolai-Thore 5 ) vorbeigeritten sei und den Wachtposten 
zugerufen habe, sie mögen dem Magistrate melden und in der 
Stadt ansagen, dass König Friedrich IL am folgenden Tage mit 
geringer Begleitung in die Stadt kommen wolle und, da er als 
Freund erscheine, auch eingelassen zu werden hoffe. 

Für die so standhaft in die AVeit gerufene Selbstverteidigung 
der tapferen Bürgerschaft von Breslau und ihrer Stadtsoldaten liess 
sich nun schon nach diesem ersten, höchst sonderbaren Vorgang, 
der sich zwischen dem preussischen Stabsofficier und den Posten 
auf den Wällen abgespielt hatte, nichts Sonderliches erwarten. 



1 ) Buddenbrook, Düring, Wedeil, Puttkammer, Wylich. 

2 ) Siehe die Truppenstellungen in der zweiten Hälfte December 1740. 
Tafel I. 

3 ) Das Landes-Collegium des Fürstenthums Breslau hatte schon am 
28. December zwei Deputierte in das preussische Hauptquartier gesendet, um 
sich mit dem Feld-Kriegs-Comntissariat bezüglich der Marsch- Unterkunft und 
Verpflegung der Suite und der im Fürstenthum einquartierten Regimenter 
in das Einvernehmen zu setzen. (Schles. Kriegs-Fama V. 39, Big. Nr. L2.) 

4 ) Polit. Corresp. I, 236. 

5 ) Plan von Breslau, Tafel IL 



40 

Am 1. Januar 1741 rückte König -Friedric li II. von Pilsnitz 
mit seinen Truppen, zu welchen noch das Eegiment Schulenburg- 
G-renacliere zu Pferd gestossen war, thatsächlich vor die Stadt, 
schloss dieselbe auf dem linken Oder-Ufer vollständig ein und 
schob die Aussenposten bis an die Wälle vor. Sein Quartier nahm 
er vor dem Schweidnitzer Thore im Sculteti'schen Garten. *) 

Trotzdem in der Stadt Breslau einige Zurüstungen für eine 
Vertheidigung gemacht worden waren, so wäre, abgesehen von 
allen anderen Einflüssen, die dagegen wirkten, an eine solche doch 
nur zu denken gewesen, wenn die vorn Oberamt beantragte 
Massregel: das Abbrennen der Vorstädte, ausgeführt worden wäre. 
Ohne diese konnten die Zurüstungen höchstens gegen einen Coup 
de main Sicherheit gewähren und dass dieser nicht abgewendet 
wurde, dafür sorgte schon die schmachvolle Haltung der städtischen 
Behörden. In letzter Stunde, am 30. December, mussten die 
städtischen Officiere, auf Befehl des Rathes, die den Wachen er- 
theilten Feldvorschriften widerrufen, 2 ; wodurch eben Vorfälle, wie 
der oben geschilderte, erklärlich werden. 

Der Handelsverkehr aus Breslau mit der preussischen Armee 
hatte übrigens unerhörter Weise schon am 31. December begonnen 
und sobald man den Interessen der Geschäftswelt nachgab, war 
überhaupt an eine Vertheidigung nicht mehr zu denken. 

Ein Zeitgenosse 3 ) erzählt in seinem Tagebuche darüber: „Am 
31. December, Sonnabends Früh, blieben alle Thore geschlossen, 
nur die Pforten daran waren offen, dass man aus- und eingehen, 
auch mit Radbahren fahren konnte, da war besonders beim Nicolai- 
Thore ein schreckliches Gedränge, weil die Kretschmerknechte 4 ) 
entsetzlich viel Bier auf kleinen Schlitten hinaus führten und auf 
den Achseln trugen, class einer den anderen jagte, dessgleichen 
wurde AVein, Brod, Wildpret, Fische, Fleisch und allerlei Victualien 
hinausgeschafft auf die Dörfer für die brandenburgischen Völker. 
Seine Majestät der König speiste diesen Mittag zu Pilsnitz, dem 
Herrn v. Riemberg gehörig und ward bestmöglichst bewirthet. 



J ) Dein gewöhnlichen Absteigequartier des Königs von Polen, jetzt 
Gartenstrasse Nr. 21. (Kriege Friedrich d. Gr. I, 242.) 

2 ) „Den 30. December Nachmittags erhielt die Bürgerschaft auf den 
Wachtposten Contra-Ordre, nicht zu schiessen, noch Lärm zu schlagen, wenn 
sie gleich brandenburgische Truppen observierten." (Steinberger's Tagebuch 
in „Breslau vor 100 Jahren" ed. Kahlert, 41.) 

3 ) Steinberger a. a. O. 

4 ) Kretschma, Wirthshaus. 



41 

indessen sind heute Früh doch noch drei Hürdelwagen voll Pulver 
in Fässern, nebst vielen Stück-Kugeln auf die Wälle geführt worden, 
so dass sich Niemand in diesen wunderlichen Krieg finden konnte, 
denn hier schien es, als wollte man die Brandenburger todtschiessen 
und dort that man ihnen alles Gutes, ja hätte sie schier zu Tode ge- 
soffen. Doch wurden hernach die Breslauer von Jedermann gelobt, 
dass sie sich scnriftmässig aufgeführt: "Wenn deinen Feind hungert, 
so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn. Dies wurde redlich erfüllt." 
In der Geschichte der Kriege ist aber wohl kein Fall zu ver- 
zeichnen, dass eine Stadt, die sich vertheidigen will, für die Ver- 
proviantierung des Feindes so auskömmlich sorgt! 

Die königliche Behörde in Breslau beschränkte sich nun darauf, 
am Abende des Tages, an welchem Gutzmar ihr die befremd- 
liche Kunde über die Botschaft des preussischen Stabsofnciers, wie 
überhaupt die Art seiner Annäherung an die Festung gebracht, 
das Collegium zusammenzurufen, den Syndicus vorzufordern und — 
dessen Anzeige zu Protocoll zu geben. 

Am folgenden Tage, dem 1. Januar, erschien Gutzmar 
schon in der Früh wieder bei dem Oberamts-Director und theilte 
demselben mit, dass zwei preussische höhere Officiere, die Obersten 
v. Posadowsk y und v. Borcke, sich schriftlich an den 
Stadt-Präsidenten v. Eot h gewendet und verlangt hätten, mit 
einer Botschaft des Königs von Preussen an den Magistrat ein- 
gelassen zu werden. Es folgte nun eine Berathung beim Oberamt, der 
Gutzmar und zwei Raths-Deputierte anwohnten und als deren Resultat 
den Deputierten des Magistrats bedeutet wurde, dass die Pflichten 
des Magistrates und der Bürgerschaft erforderten, sich in nichts 
Verfängliches einzulassen , ohne zuvor dem königlichen 
Oberamt die Anzeige gemacht zu haben u n d d a s W e i- 
t e r e d aranf abzuwarte n. 

Die preussischen Truppen, die sich ja ungefährdet der Festung 
Breslau nähern konnten, hatten sich an diesem Tage in die Vor- 
städte und nächstgelegenen Dörfer einquartiert, stellten sehr nahe 
den Stadtthoren ihre Aussenposten auf und benützten die Zollhäuser 
zu Wachstuben. „Sie wussten sich so schön und hurtig in Alles zu 
schicken, als wenn sie hier zu Hause wären." Vor dem Ohlau'sehen, 
Schweidnitz'schen und Nicolai-Thor lag nun Alles voll preussischer 
Soldaten. \) Inzwischen hatten die beiden preussischen Officiere 



') Steinberger's Tagebuch, 45. 



42 

Einlass in die Stadt erhalten und mit dem Magistrate conferiert ; 
sie waren darauf auch beim Grafen S chaf fg o ts ch erschienen, 
Tim diesem Letzteren im Namen ihres Königs mitzutheilen, dass 
derselbe weder einen Director, noch ein Landes-Gubernium an- 
erkenne, jedoch ihn als Graf Selia f f g o t s c h erinnern lasse, ,,sich 
den zwischen dem Könige und dem Magistrat, nebst gemeiner 
Stadt abzuhandelnden Tractaten umso weniger entgegenzustellen, 
als im Widrigen dessen Güter auf das Aeusserste ruiniert, auch die 
Sache an seiner eigenen Person und Familie auf das Aller schärfste 
geahndet werden würde ; worauf der Oberamts-Director erwidert, 
er müsse leider Alles über sich ergehen lassen, jedoch würde dieses 
von dem König nie zu vermuthende Unternehmen seiner obhabenden 
Treue und Pflicht nicht den mindesten Abbruch thun, auch das ihm 
an die Seite gesetzte Collegium anbei provocierend, davon aber 
die zwei Obersten nichts hören wollen, sondern im Hinweggehen 
in grossem Ungestüm dahin ausgebrochen: „Ew. Excellenz sub- 
mittieren sich, das Uebrige dependieret von uns." v ) 

Gegen Mittag desselben Tages erschien Gut z mar wieder 
beim Oberamt und theilte dem Director und dem Kanzler die 
auf Grund eines mitgebrachten Promemoria von den preussischen 
Ofneieren mündlich gestellten Anträge mit. Diese Anträge bestanden 
darin, dass die Abgeordneten bevollmächtigt seien, „das köiiig- 
liche Wort dem Magistrat und der Stadt Breslau abzugeben", es 
komme der König als Freund und werde die Stadt bei allen 
ihren Privilegien und Rechten lassen und schützen, daher niemals 
Garnison oder Truppen hinein verlegen. Gleichzeitig verlangte der 
König für seine Person mit 30 bis 40 seiner Gensdarmen Einlass 
in die Hauptstadt, dann die Zusicherung des Lebensmittel-Einkaufs 
für seine Truppen und die Anlegung eines Magazins in der Vorstadt.' 2 ) 

Am 2. Januar versammelte sich das Oberamts-Collegium schon 
zeitig am Morgen, um die Beschlüsse des Magistrats in Betreff der 
Verhandlungen mit den preussischen Abgesandten zu vernehmen. 
Gegen Mittag erschienen dann auch die Magistrats-Deputierten und 
zahlreiche Ausschuss-Mitglieder der städtischen Gemeinden im Raths- 
saale. Ober-Syndicus Gutzmar producierte die Vollmacht der 
preussischen Unterhändler, las den Entwurf eines mit dem König 



*) Berichtetes Oberamtsraths Friedrich Wühelm Grafen Haugwitz chlto 
Klitschdorf. 8. Januar 1741 an den böhmischen Obrist-Kanzler Grafen Kinsky. 
(Mitthlg. d. K. A. 1885, 179 u. ff.) 

2 ) DenWortlaut des Promemoria, sowie die Vollmacht enthält Anhang VIII. 



43 

von Preussen abzuschliessenden Neutralitäts- Vertrages vor 1 - und 
fügte hinzu, dass der Magistrat mit der Bürgerschaft, den Zünften 
und Zechen über diese Angelegenheit reiflich berathschlagt habe 
und dafürhalte, dass die Interessen der Königin und die Wohl- 
fahrt dieser ,, treudevotesten" Stadt noch am besten gewahrt und 
befördert würden, wenn mau von Seiten des Königs von Preussen 
eine stricte Neutralität erhalten könne. Das Oberamts-Collegiurn 
bemerkte nach reiflicher Ueberlegung zu diesem Vorschlage: 

,,1. dass gleich bei dem Anfang dieser betrübten Conjuncturen 
sich schon sattsam geäussert habe, dass weder der Magistrat, noch 
die Bürgerschaft es auf eine werkthätige Defension der Stadt an- 
kommen lassen, sondern vielmehr nach allen Kräften dahin bemüht 
sein werde, gleichwie in vorigen Zeiten ebenfalls geschehen, vorer- 
sagte Neutralität zu bewirken," 

„2. sich solches auch leider! alsobald ab effectu veroffenbart 
hat, da sie nicht nur allein die nächst angelegenen Vorstädte dem 
Feind zum Vortheil in statu quo erhalten, sondern auch die Königl. 
preussische Miliz ohne die mindeste Gegenbewegung bis unter die 
Stücke anrücken, ja sogar von selbiger die Vorposten bei den 
Stadtthoren wirklich wegnehmen und besetzen lassen, über dieses 

,,3. von obgedachtem bürgerlichem Ausschusse selbst deutlich 
zu erkennen gegeben worden ist, dass sich die Bürgerschaft bei 
gegenwärtigen Umständen noch am glücklichsten schätze, vorer- 
wähnte Neutralität erhalten zu können, folglieh von diesem ihrem 
gefassten und mit dem Magistrat vereinigten Schluss auf keine 
Weise mehr abzubringen sei ; so ist dem königl. Oberamt ein anderes 
nicht übrig geblieben, als dem auf solche Weise mit einigem 
Effect nicht entgegenstehen könnenden schweren Verhängniss 
nachzusehen und die Sache auf des Magistrats und der Communi- 
tät Treu und Pflicht (deren sie so oft und nachdrucksamst von 
dem königl. Oberamt erinnert worden) ankommen zu lassen." 

Zu dem Neutralitäts-Tractat selbst wurde seitens des Ober- 
amts bemerkt, dass darin nur von der Stadt Breslau, deren Bürgern 
und Einwohnern, mit keinem Worte aber der königlichen Landes- 
regierung, noch der übrigen königlichen Aemter Erwähnung 
geschehe, worauf Gut z m ar entgegnete, dass man mit Vorbedacht 
bezüglich der Bewohner der Stadt nur die allgemeine Bezeichnung 
„wes Standes und Würden und welcher Religion" vereinbart habe. 
damit nicht neue Schwierigkeiten entstünden und die Neutralität 



») Siehe Anhang VIII/2, 3. 



44 

zu erlangen, dadurch erschwert werde, ..indem bei gegenwärtiger 
Situation es sich nicht thun Hesse, noch etwas bei dem Aufsatz 
zu erinnern, indessen seien sie bereit, das königliche Oberamt und 
die übrigen königlichen Instanzen ihren Pflichten gemäss in alle 
Wege zu schützen". ! ) 

Hieraus gieng klar hervor, dass der sogenannte Entwurf zum 
Neutralitäts-Tractat bereits abgemacht und weiter nicht mehr discu- 
tierbar war — worauf das ganze bisherige Vorgehen des Magistrats 
und der Bürgerschaft deutlich wies und dem Oberamt blieb daher 
nichts übrig, als den Verhandlungen des Magistrats mit den preus- 
sischen Abgesandten ihren Lauf zu lassen. Nach kaum einer Stunde 
erschien übrigens Gutzma r wieder und meldete, die preussischen 
Unterhändler verlangten durchaus, dass dem Tractate noch bei- 
gefügt werde, dass keine Truppen der Königin, noch ein General 
derselben in die Stadt aufgenommen werden dürfen, indem er 
vorschlug, dass man die Clause! am Schlüsse des ersten Punctes 
dem Tractate noch einfügen könne. Seitens des Oberamtes wurde 
dem Syndicus hierauf nachdrücklichst bedeutet: ,,dass die Stadt 
hierbei ihrer Pflicht nach allen Kräften nachzuleben wissen und einer 
fremden Potenz sogar contra naturamNeutralitatis ja ein Mehrers nicht, 
als Dero eigener Königin und Landesfürstin einräumen werde". 

Am 3. Januar trat das Oberamts-Collegium erneuert zusammen. 
Es lief vom Magistrat keine weitere Anzeige ein, jedoch wurde 
eine ungewöhnliche Aufregung in der Stadt bemerkt und in 
Erfahrung gebracht, dass preussische Bagagewagen bereits die 
Thore passiert hätten, während man aus dem Berathungszimmer 
schon Trupps preussischer Grenadiere, einige darunter mit Ober- 
Gewehr wahrnehmen konnte. 

Ober-Syndicus Gutzmar, vor das Collegium berufen und 
über die ungewöhnlichen Vorgänge in der. Stadt befragt, erklärte. 
es würden niemals mehr als neun Mann unter einem Unteröfficier 
auf einmal in die Stadt gelassen, welch' Letzterer die Mannschaft 
nach Besorgung ihrer Einkäufe wieder hinauszuführen hätte. 

Die beobachteten Gewehre bestünden übrigens nur in neun 
Stücken und wären nur zur Eeparatur mit hereingebracht worden. 2 ; 



*) Haugwitz, Bericht a. a. 0. 

2 ) „Ansonsten kamen zwar auch freilich einzelne viele Grenadiers und Mus- 
ketiers herein, alle ohne Ober-Gewehr, es wäre denn, dass einige solches, um in 
der Stadt reparieren zu lassen, bei sich gehabt hätten." (Kriegs-Fama, VII, 11.) 



45 

Bei- dieser Gelegenheit zeigte Gutzmar den von den preussisohen 
Delegierten unterzeichneten Neutralitäts-Tractat vor und betoni*-. 
welche Mühe die Vereinbarung gekostet habe. 

Als er noch hinzufügte, dass nach dem Eintritte des Königs 
von Preussen in die Stadt sogleich alle preussisohen Vorposten 
eingezogen und die Truppen abmarschieren würden, ward die Voraus- 
setzung ausgesprochen, dass ein Gleiches dann jedenfalls auch mit den 
auf der Dom-Insel v ) einquartierten preussisohen Truppen geschehen 
werde, indem in Punct 1 des Vertrages bemerkt wäre, dass die 
Neutralität „nicht minder den Klöstern und geistlichen Stiftungen 
in und vor der Stadt" zu Gute kommen solle. Gutzmar bemerkte 
indessen, „dies stünde dahin, denn der Dom gehöre nicht zu den 
Vorstädten und wäre auch zu Schwedens Zeiten nicht mit ein- 
geschlossen worden." 2 ) 

Am 3. Januar Früh fuhr eine Deputation des Raths vor das 
Schweidnitz'sche Thor zum König von Preussen. Nachdem die 
Deputierten sich mit den beiden preussisohen Obersten nochmals 
unterredet hatten, wurden die Neutralitäts-Tractate unters einleben 
und gesiegelt." 3 ) 

Darnach hatte die Baths-Deputation bei Friedrich IL „eine 
ganz kurze, doch sehr gnädige Audienz". Die preussisohen "Wacht- 
posten vor den Thoren wurden sofort eingezogen und gegen 11 Uhr 
hatten sich die Thore Breslau's den Preussen geöffnet. 

Nach 11 Uhr ritten auch schon 30 Gensdarm en zum 
Schweidnitzer Thore ein und marschierten vor dem gräflich 
S c h 1 e g e n b e r g'schen Haus in der Albrechtsgasse auf, wo die 
preussisohen Officiere, trotzdem der erste Stock dieses Hauses von 
dem Fürstbischof von Breslau, dem Cardinal Sinz encl orf f, 
gemiethet war, für den König Friedrich IL Quartier gemacht 
hatten. Letzterer ritt, ehe er in die Stadt kam, noch zum Ohlauer- 
und Ziegel-Thor, um seine Posten zu besichtigen. Um 12 Uhr kam 
er dann in die Stadt; Stadtmajor Oberst v. Wutgin au ritt mit 



*) Siehe den Plan von Breslau, Tafel II. 

-) Während der Unterhandlungen hatte König Friedrich II. in aller 
Stille dicht unterhalb der Stadt 400 Mann auf einer Schiff-Brücke über die 
Oder gehen lassen, welche sich des nur von wenigen bischöflichen Soldaten 
besetzten, in den Neutralitäts -Vertrag nicht eingeschlossenen Doms ohne Blut- 
vergiessen bemächtigten. (Stenzel, Geschichte des preussisohen Staates, 

IV, 91.) 

J ) Diese Angaben nach Steinberger's Tagebuch. 



40 

gezogenem Degen voraus ; *) dann folgten die Läufer, den König 
begleiteten die beiden Unterhändler und eine Anzahl anderer 
Generale und Officiere. Am Schweidnitzer Thore war eine Bürger- 
Compagnie aufgestellt gewesen und innerhalb der Stadt para- 
dierten die Stadt-Soldaten. Die Menge grüsste demüthig und als 
er kaum in das Haus getreten, erschien er auch wieder auf dem 
Balcon und zeigte sich dem dicht gedrängten Volke. 

Auch eines wesentlichen Acteurs der letzten Wochen wurde 
nicht vergessen. König Friedrich liess Doblin vor sich 
kommen, unterhielt sich eine Zeit lang mit ihm und belohnte ihn 
für die am 14. December ,, bewiesene Courage" durch ein Geld- 
geschenk von 2000 Thalern in Gold. 2 ) 



*) Die Gnade Kaiser Carl VI. hatte diesem Officier, der schon durch 
eine lange Reihe von Jahren den Posten eines Platzmajors in Breslau versah, 
im Jahre 1729 axü' seine Bitte den Oberstlieutenants-Titel und im Jahre 1734 
in Ansehung seiner in früherer Zeit im Felde bei den hessischen Auxiliar- 
Truppen geleisteten guten Dienste, hauptsächlich aber in Anbetracht der Ver- 
dienste seines Vetters, des FZM. Wutginau, den Oberst-Titel verliehen. 
(K. A., Bestallungen, 1729, 5618 und 1734, G286.) 

2 ) Was Döblin's fernere politische Wirksamkeit anlangt, so unterliegt 
es wohl keinem Zweifel, dass der König denselben bei seiner Anwesenheit in 
Breslau bestimmt hat oder hat bestimmen lassen, ihm ferner Nachricht über 
die Stimmung in der Hauptstadt zu geben und ihn wohl auch beauftragt hat, 
in seinen Kreisen im preussischen Sinne weiter zu wirken. Döblin ist jenen 
Weisungen auf das Eifrigste nachgekommen und als sich im Februar 1741 
Symptome einer preussenfeindlichen Stimmung in Breslau zeigten, reiste er 
in Begleitung eines gleichgesinnten Genossen, des Perückenmachers Nehr- 
korn, am 9. Februar mit Extrapost nach Berlin zu König Friedrich IL, 
offenbar, um hier Bericht abzustatten. Am 4. März kehrte er von dort wieder 
zurück und Friedrich IL sandte durch ihn sein und seiner Gemahlin Portrait 
an den Breslauer Commandanten v. Rampusch, der schon einige Tage vorher 
mit dem Orden pour le merite decoriert worden war. Des Königs von Preussen 
Gnade blieb ihm und oft hat Döblin an dieselbe sich gewendet. So bat er 
Friedrich zum Pathen für einen ihm am 1. Januar 1742 geborenen Sohn und 
reiste dazu eigens nach Berlin; im März desselben Jahres erhielt er die Be- 
rechtigung, den Titel „Königlich preussischer privilegierter Hof-Schuster" zu 
führen. Im Jahre 1743 bat er um die Bewilligung, in Breslau eine Leder- 
Niederlage und Fabrik zu errichten und gleichzeitig um einen Vorschuss. 
Dieses Gesuch wurde aber wegen des ..Vorschusses" abweislich beschieden. 
Der Volkstribun und Agitator starb übrigens, trotz der mannigfachen Zu- 
wendungen, die er erhalten hatte, im Jahre 1752 ganz verarmt in Breslau. 
(Grünhagen, Zwei Demagogen im Dienste Friedrich des Grossen und Zeit- 
schrift des Vereines für Geschichte und Alterthum Schlesiens, XXII. Bd. : Aus 
dem Jahrbuche der Breslauer Schuster.) 



47 

Hinter Döblin soll übrigens in den Decembertagen, einer 
allerdings unverbürgten Quelle zufolge, ein geschickterer Emissär 
gestanden sein, dessen später noch öfter Erwähnung geschehen 
wird, Salomon Jacob Morgenst e r n. 

Noch befand sich König Friedrich II. kaum eine Stund»- in 
der Hauptstadt Schlesiens, als die beiden ofterwähnten preussischen 
Oberste beim Grafen Schaffgotsch abermals erschienen und er- 
suchten, da sie einen Auftrag ihres Königs auszuführen hätten, er möge 
noch einige Räthe des Oberamts berufen lassen. Es wurden in 
Folge dessen der Oberamts-Kanzler Freiherr v. Schwanenberg 
und die Räthe Graf Hangwitz und v. Dorsch berufen und 
in Gegenwart derselben erklärten die preussischen Abgeordneten 
nun: „Seine Majestät der König in Preussen erkenne kein Ober- 
amt mehr, befehle daher, dass von nun an keine Session oder 
andere Zusammenkunft mehr gehalten werden solle, es würde wohl 
geschehen, dass sich ein Jeder auf seine Güter retiriere und sich 
allda ruhig halte, die Renitenz würde der König an ihren Personen, 
Familie, Hab und Gütern scharf zu ahnden wissen." *) 

Nachdem der Oberamts-Director entgegnete, dass dies eine 
Sache wäre, welche dem gesammten Oberamts-Collegio von ihm 
vorgetragen werden müsse, so gestanden nach verschiedenen Hin- 
und Herreden die preussischen Abgeordneten dies zu und erklärten, 
am Abend die Entscheidung selbst abholen zu wollen. 

Das Oberamts-Collegium trat unmittelbar hierauf zusammen, 
um über diesen „so unvermutheten, als höchst präjudicierlichen 
Vortrag" zu berathen. Dabei wurde erwogen: „Dieweil: 

1. der Magistrat und die Bürgerschaft mit dem König bereits 
einverstanden sei und der Erstere die Sache so weit habe kommen 
lassen, dass 

2. nicht nur allein der König mit seinen Gensdarmen, dann 
eine Menge seiner Ofnciere sich in der Stadt wirklich befinde, 
sondern auch die Stadt voll Grenadiere, wiewohl dermal ohne 
Obergewehr gesehen werde, folglich 

3. das königliche Oberamt von Seiten des Magistrats und drv 
etwa noch gut gesinnten Bürgerschaft sich nicht des mindesten 
Schutzes, ohne das Uebel noch ärger zu machen, zu versieh« tu 
habe, kein anderes Mittel mehr übrig sei, als der Gewalt zu 
weichen und am Ende nur wenigstens noch vorzustellen, dass, ob 

') Haugwitz, Bericht a. a. O 



48 

man zwar bei so bewandten Umständen dem Willen des Königs 
nicht widerstreben könne, dennoch aber auch Seine Majestät dem 
königlichen Oberamt nicht verargen würde, dass dieses gegen seine 
Allergnädigste Königin und Frau die obhabende schwere Pflicht 
und Treue, soviel an demselben sei, beständig vor Augen habe 
und beobachte ; man hoffe daher, mit dem angesonnenen Abzug 
von Breslau nicht so sehr beschränkt zu werden, dass man nicht 
zuvor seines Allerhöchsten Ortes Alles anzeigen, von da die Alier- 
gnädigste Resolution erwarten und nach Beschaffenheit jener so- 
dann über das Seinige werde frei und sicher disponieren können." 

Diese Entscheidung wurde den Abends gegen 7 Uhr wieder 
erschienenen preussischen Abgeordneten von dem Oberamts-Direetor 
mitgetheilt. Es erfolgte von diesen jedoch die Antwort, „es sei 
des Königs unabänderlicher Wille, dass das königliche Ober- 
amt innerhalb 24 Stunden sich von Breslau hinwegbegebe und ein 
Jeder desselben sich auf seine Güter retirieren oder an seiner 
Person, Hab und Gut des Königs Ungnade und schärfste Ahndung- 
unfehlbar empfinden solle." 

Darnach sah man ein, „dass dies der letzte Schritt gewesen, 
den das königliche Oberamt ohne offenbare Besorgniss einer noch 
grösseren Prostitution und Affront sich zu exponieren, zu machen 
vermögend wäre, also hat dasselbe sich endlich auch in dieses 
Verhängniss finden und nachdem sowohl die Registratur und 
Kanzlei, als das oberamtliche Sessionszimmer mit dem diesseitigen 
königlichen Signet annoch versiegelt worden, Mittwoch den 4. Januar 
zerstreuter den Locum officii quittieren müssen". l ) 

Als nun Graf Schaffgotsch am Abend dieses Tages im 
Begriff war, in den Wagen zu steigen, liess König Fried- 
rich IL ihm durch Oberst v. Posadowsky sagen, dass er 
auf „inständiges Ansuchen" der Bürgerschaft die Bewilligung er- 
hielte, noch 24 Stunden in Breslau bleiben zu dürfen, worauf der 
Oberamts-Direetor bemerkte, er habe zu seiner Abreise schon Alles 
vorgekehrt, auch der Bürgerschaft, für ihn zu intervenieren, keinen 
Auftrag ertheilt und die Reise nach AVarmbrunn antrat. 2 ) 

Da das Oberamts-Collegium vor seinem Auseinandergehen 
keine Sitzung mehr abhalten durfte, so hatte dasselbe nur die 



1 ) Haugwitz, Bericht a. a. 0. 

2 ) Später zwang ihn eine Weisung König Friedrich II. vom 
23. Februar 1741 (siehe Anhang IX), Schlesien zu verlassen, in Folge clereu 
er sich zuerst auf die Güter eines Verwandten nach Böhmen und dann nach 
Prag begab. (Kriegs-Fama, VII, IG.) 



49 

Möglichkeit, einige Zeilen an die Königin Maria Theresia auf- 
zusetzen, um der Monarchin die schuldige Meldung zu erstatten ; 
,, allein obschon nichts Umständliches, noch Verfängliches darin 
enthalten, so ist sothaner Bericht dennoch dem Herrn Director er- 
öffnet zurückgestellt, von diesem aber offen auf die Post abermals 
gegeben worden." l ) 

„Breslau gehört mir," schrieb König Friedric h am 4. Januar 
1741, voll Freude über den leicht errungenen Erfolg, an den Minister 
P o d e wils. 2 ) 

Seine Zuversicht, dass ihm Breslau die Thore öffnen werde, 
musste übrigens auf ganz positiver Kenntniss der dortigen Ver- 
hältnisse beruhen; denn einen Zweifel, dass die Unternehmung 
scheitern könnte, zieht er gar nicht in sein Calcul. 

Am 23. December schreibt er schon von Herrndorf aus an 
die Bayreuther Lieblingsschwester: ,,Nous avancerons bientöt vers 
Breslau. Je compte d'y etre vers le 10 de janvier. Les portes m'y 
seront ouvertes" ; 3 ) am 29. December aus Parchwitz an den Fürsten 
Leopold von Anhalt-D essau: „übermorgen rücke in Breslau 



ein". 4 ) 



Die Rücksicht, welche man in Wien den sogenannten Privi- 
legien Breslaus gewährte, hatte zweifelsohne den Verlust der 
Landeshauptstadt zur Folge und beeinflusste dadurch den Verlauf 
der weiteren Ereignisse in Schlesien entscheidend. Die Stadt hätte 
mit Erfolg vertheidigt und der Königin erhalten werden können. 
Dieses Empfinden äussert sich auch in den uns aufbehaltenen 

') Haugwitz, Bericht a. a. 0. 

2 ) Polit. Corresp., I, 242. 

s ) „Oeuvres de Frederic le Grand." XXVII. Corresp., XII, 97. Das 
Motiv, wesshalb der König schon früher, als er nach obigem Briefe be- 
absichtigt, gegen Breslau aufbrach, lag in den Nachrichten, die er aus 
dieser Stadt erhalten hatte. Die Verbindungen mit Breslau scheinen nach einer 
Angabe in Graf Haugwitz' Bericht auch durch einen Beisitzer des Eathes 
vermittelt worden zu sein. Haugwitz erwähnt nämlich, dass der JEtathmann 
Hub rieh einen Tag vor König Friedrich's Ankunft in Breslau von Berlin 
eingetroffen sei und vorgegeben habe, dass er seine Bückreise von dort über 
Dresden genommen habe, doch habe der Neumarkter Postmeister ihm (Haugwitz) 
mitgetheilt, dass er einen falschen Curszettel genommen und zweifelsohne 
unterwegs bei dem König gewesen wäre". Ein Brief an die Königin Elisabeth, 
seine Gemahlin, aus dem Marschquartier Gläsersdorf vom 28. December setzt 
schon den Einmarsch auf den I.Januar an. Oeuvres XXVI. „Correspondance", 

XI. 18. 

4 ) Bei Orlich: „Geschichte der schlesischen Kriege", Urkunden, 1. 299. 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. * 



50 

Berichten zuverlässiger, gut unterrichteter und scharf beobachtender 



-j & 



Zeitgenossen. 

So sagt der österreichische Resident in Berlin, v. Demeradt, 
in seinem Berichte an die Königin vom 3. Januar 1741 darüber: 
„wann aber diese Stadt nur von selbst, wie allhier durchgehends 
ausgestreut und gehofft wird, sich nicht ergeben will, so möchte 
selbe keine so grosse Gefahr auszustehen haben und die Inesige 
dawidergehende Unternehmung eben nicht so leicht, wie man sich 
allhier vorstellig macht und schmeichelt, gelingen können; massen 
die dermalen bei sich habende Artillerie zu derselben Uebergewal- 
tigung und Ergebungszwang beiweitem nicht hinlänglich sein 
kann und das jüngsthin gemeldete, in 24 Stück Halb-Carthaunen 
bestehende Geschütz dermalen noch allhier eingeschifft liegt, ohne 
dass selbes wegen des Frosts und nach und nach mit Eis sich zu- 
legenden Stroms, sonderheitlich des zu passieren habenden neuen 
Grabens fortgebracht werden kann". l ) 

In. seinem Berichte vom 21. Januar an den Obrist-Hofkanzler 
Grafen Sinzendorff spricht sich Demeradt folgendermassen 
aus : „Das Uebelste bei der ganzen hiesigen Unternehmung ist 
unter anderem auch jenes, dass der Magistrat und die Bürgerschaft 
der Stadt Breslau sich so leichter Dingen zu der errichteten Neu- 
tralitäts-Capitulation, welche sie mit der Zeit ganz anders und bei- 
weitem nicht vermöge ihrer von Allerhöchsten Orten so heilig ge- 
haltenen Privilegien erfahren werden, haben binden lassen ; massen 
nunmehr die hiesige Armee ihre vollkommene Subsistenz aus dem 
alldorten versammelten Vorrath zieht und ohne denselben zugrund 
gegangen, mithin die hiesige Unternehmung meistentheils von sich 
selbst zerfallen sein würde''. - 

Nach Wien gelangte die Nachricht am 6. Januar und erregte 
begreiflicherweise Bestürzung. 

Man hatte dort, in später Stunde, wie es scheint, sich endlich 
zu Massregeln bezüglich der Erhaltung der Hauptstadt Schlesiens 
entschlossen und dem arbiträren Ermessen des commandierenden 
Generals die Angelegenheit theilweise anheimgestellt. 



J ) Es trat zwei Tage darauf Thauwetter ein und die schwere Artillerie 
mit einem ungemein grossen Munitions-Vorrathe, darunter 7000 Bomben, konnte 
von Berlin abgehen, fror aber sechs Meilen von dort wieder ein. (Berichte aus 
Berlin vom 3., 7. und 24. Januar 1741. Staatskanzlei 14 b .). 

2 ) Ebenda. 



Unter dem Datum des 5. Januar ergieng ein Erlass an 
FML. Grafen Browne, worin demselben mitgetheilt wurde, „was 
dem Breslauer Magistrat auf die gemachte Anfrage, wie sich, falls 
die preussischen Truppen dasige Stadt berennen sollten, zu verhalten 
sei, geantwortet worden. Oberst Baron Roth sei sogleich dahin ab- 
zusenden und selbem ermeldetem Magistrat zur Hineinnehmung könig- 
licher Truppen zu disponieren, aufzutragen" ; — beigefügt war, 
dass von Wien „nicht determiniert werden könne, wie die Hinein- 
sendung einiger Mannschaft allenfalls vorzunehmen". r ) 

Diese Verfügungen kamen, wenn sie überhaupt je an ihre 
Adresse gelangt sind, viel zu spät ! 2 ) 

König Friedrich II. aber war durch die Capitulation 
Breslau's eine bedeutende Etape dem Ziele seiner Unternehmung 
nähergerückt. 

Ohne Kampf hatte sich die Landes-Hauptstadt ihm über- 
antwortet und dadurch war der wesentlichste Programmpunct seines 
Almen, des Churfürsten Friedrich Wilhelm: bei einer Unter- 
nehmung gegen Schlesien vor Allem den Besitz Breslau's in das Auge 
zu fassen, schon erfüllt. 

Günstige Umstände waren dabei zustatten gekommen: die 
Schwäche der politischen Local-Behörden, die religiösen Verhält- 
nisse der Bevölkerung , die subversiven Machenschaften eines 
D ö b 1 i n und seines Anhanges, vor Allem aber die Energielosigkeit 
der Räthe der Krone. 

Die junge Königin hatte im Drange der furchtbaren Ereig- 
nisse, welche zu Beginn ihrer Regierung auf sie einstürmten, den 



i) K. A., H. K. E. 1741 Prot. Reg. fol. 22. 

2 ) Nicht uninteressant ist ein Urtlieil der schlesischen historischen Publi- 
cationen neuerer Zeit über diese, in der Geschichte fast beispiellose Capitulation. 
Dr. Eduard Cauer sagt am Schlüsse seines Aufsatzes: „Zur Geschichte von 
Breslau im Jahre 1741" : „Von der Umsicht und Festigkeit, mit der wir den 
Breslauer Eath im XV. und XVI. Jahrhunderte die Geschäfte führen und 
seine Autorität fürstlichen Zumuthungen, wie dem Ungestüm des Volkes 
gegenüber wahren sehen, ist in diesen Zeiten wenig mehr zu spüren.- Schwäche 
und Nachgiebigkeit bezeichnen sem Verhalten ebenso in den tumultuarisc 
Scenen, die dem Abschlüsse der Neutralitäts-Convention vorhergiengen, wie 
nachher in den Conflicten mit der preussischen Macht. Selbsl was im II 
burgischen Interesse versucht wird, ist nicht von treuer Anhänglichkeit an 
das Kaiserhaus, sondern von Furcht vor späterer Verantwortlichkeit eingegeben." 
Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertlrum Schlesiens. III. 1. 
Breslau 1860. 

4* 



52 

Blick auf das Staatsganze gerichtet, jenes Verständniss für mili- 
tärische und politische Notwendigkeiten noch nicht, das ihr später 
in so hohem Masse eigen ward, um in einer solchen Frage 
selbstständig entscheiden zu können. 

Ihre Berather mussten aber wissen, dass die Hauptstadt mit 
ihren reichen Hilfsquellen aufgeben, beinahe einem Verzicht auf 
Schlesien gleichkomme und eine moralische Niederlage sonder- 
gleichen bedeute. 

Auf Browne'« Berichte, dass die Stadt keine Besatzung auf- 
nehmen wolle, hätte ihm der stricte Befehl gegeben werden müssen, 
mit allen disponiblen Truppen sich nach Breslau zu werfen und 
eher unter dessen Trümmern sich zu begraben, als zu capitulieren. 
König Friedrich hatte einen solchen Befehl vennuthet, wesshalb 
er seinen Marsch dorthin auf das Aeusserste beschleunigte. Aber eine 
derartige Energie lag nicht im Charkter Sinz en d orff's, noch 
der übrigen Räthe der jungen Monarchin und General Browne, 
der diese Energie gehabt hätte, bekam stets nur die Instruction, 
mit dem Rathe über die Aufnahme von Truppen zu unterhandeln, 
durfte also gar nicht selbstständig vorgehen. 

Mit Breslau' s Fall mit den reichen Hilfsmitteln, die es bot, 
mit dem moralischen Eindrucke, den dessen Besitznahme im In- 
und Auslande hervorrief, war die Partie zwischen Maria T h e- 
r e s i a und König F r i e d r i c h eigentlich schon verloren, noch 
ehe sie begonnen. 

Sofort nach Auflösung des Oberamtes trat in Breslau an 
dessen Stelle das königlich preussische Feld-Kriegs-Commissariat, 
dem die Geheimräthe v. Münchow und v. Reinhardt vorstanden. 
Es bildete die Landesregierung und concentrierte in sich die Verwaltung 
der von preussischen Truppen occupierten schlesischen Gebietsteile. 

Es begannen nun auch heimliche Werbungen zu Breslau und 
in dessen Vorstädten; bald jedoch ward vor dem Oder-Thore ein 
öffentlicher AV erbeplatz errichtet, wo in dem Zeiträume von zwei 
Wochen GOO Leute angeworben wurden, die nach dem Branden- 
burgischen abgiengen, um in den Festungen einexerciert zu werden. l ) 

Ebenso wurden in jenen Städten, in welche preussische 
Truppen einrückten, die früheren Verwaltungen aufgehoben und 
grösstenteils andere Beamte an deren Stelle gesetzt. 2 ) Von dem 



') Seines. Kriegs-Fama, VII, 45. 

' 2 ) Kraffert, Chronik von Liegnitz, III, 184. 



53 

Lager des Prinzen Leopold von Anhalt vor Glogau wurden die 
ans Berlin mitgebrachten zwölf evangelischen Prediger in ver- 
schiedene Orte entsendet, denen im Februar noch weitere nenn 

folgten, 

Sie sollten auf dem Lande in grossen Sälen oder Gemächern 
den Gottesdienst halten, auch alle actus ministeriales verrichten, 
übrigens aber den Katholiken keinen Eingriff thun. a ) 

Charakteristisch ist der Text, welchen sämmtliche Prediger für 
den ersten Gottesdienst zu benützen hatten. Er war vom Könige 
selbst bestimmt und dem fünfzehnten Capitel des ersten Makkabäer- 
briefes entnommen, wo es heisst : „Das Land, das wir erobert haben, 
ist unser väterliches Erbe und gehört sonst Niemand ; unsere Feinde 
aber haben es eine Zeit lang mit Gewalt und Unrecht inne gehabt : 
darum haben wir jetzt das Unsere wieder zu uns gebracht und 
Niemandem das Seine genommen". 2 ) 



J ) Nach einer aus Rauschwitz vom 22. Januar 1741 datierten Verordnung 
bei Weigelt. Die evangelische Kirche in Schlesien zur Zeit der preussischen 
Besitzergreifung, 77 (Zeitschr. d. V. f. Gesch. u. Altertimm Sclüesiens. XXIII.) 

2 ) W e i g e 1 1 a. a O. Die schlesische Kriegs-Fama (VII, 18, Big. 12) 
führt das Formular der Fürbitte, welche die neuen preussischen Prediger in 
das allgemeine Kirchengebet für den König von Preussen eingeschaltet, 
folgendermassen auf: „Und da unser Allergnädigster König und Herr bei 
deren jetzigen weitaussehenden Zeit-Läuften, aus gerechten Ursachen bewogen 
und genöthiget worden, mit einem Theil der Truppen einen Marsch nach 
Schlesien anzutreten, also rufen wir den Allmächtigen Gott und Vater im 
Himmel inbrünstig und demüthig an, er wolle unseres allertheuersten Monarchen 
und Landesherrn geheiligten Person und Armee beständig zur Seite stehen, 
dieselben insgesammt bei dem unternommenen Feldzuge, welcher lediglich 
auf die Erhaltung der Wohlfahrt des deutschen Reiches und auf das Beste 
der bedrängten evangelischen Kirche abzielet, mit unerschrockenem Helden- 
muthe und Tapferkeit unablässig unterstützen, Ihro Königl. Majestät hierbei 
so weislich, als heilsamhch hegende Absichten und Anschläge überall vom 
Himmel herab benedeien und segnen, Dero gerechten Waffen den erwünschten 
Sieg verleihen und endlich dadurch einen zur allgemeinen Freude und Glück- 
seligkeit, sowohl des deutschen Ruhms, als vornehmlich der evangelischen 
Kirche festen Frieden und sichere Gewissens-Ruhe verschaffen!" 



Bildung einer Operations-Armee in Oesterreich. 

Am 15. und 19. October 1740 ergiengen vom Hof-Kriegsrathe 
die Befehle, welche die Friedens-Garnisonen der unmittelbar kaiser- 
lichen Regimenter endgiltig in einer der thunlichst gleiehmässigen 
Belastung der einzelnen Länder und ebenso der Sicherheit des 
habsburgischen Besitzes entsprechenden AVeise regeln sollten. Es 
ist bekannt, dass man in "Wien zur Zeit des Todes Carl VI. 
viel mehr von bayerischer, als von preussischer Seite Gefahren 
für das Erbe des Kaisers befürchtete ; daraus erklärt es sich auch, 
dass, obwohl die Wiener Kreise eingehend genug von den 
preussischen Kriegsvorbereitungen unterrichtet wurden, dennoch 
nicht so viele Truppen nach dem ausser Gefahr geglaubten Schlesien 
verlegt wurden, als dies der gänzlich unvermuthet erfolgte 
preussische Angriff allerdings erfordert hätte. 

Gegenüber der bisherigen Dislocation der Regimenter l ) er- 
gaben die Befehle vom 15. und li>. October folgende Veränderungen: 
nach Böhmen wurden bestimmt die Infanterie-Regimenter Carl 
Lothringen, Hessen-Cassel, Kolowrat und Grünne, dort befanden 
sich schon das Regiment O'Gilvy und das Feld-Artillerie-Haupt- 
Corpo ; nach Mähren wurden bestimmt Franz Lothringen-Infanterie 
und Liechtenstein-Dragoner, nach Schlesien, wo sich schon Wallis- 
Infanterie befand, waren die Regimenter Harrach-, Botta- und 
Browne-Infanterie schon auf dem Wege. Ebenso marschierte bereits 
Alt-Königsegg-Infanterie nach Tyrol und wurde in Steyermark 
durch das Regiment Alt-Daun ersetzt. Diese Bewegungen waren 
erst Ende December gänzlich durchgeführt". 

l ) Siehe I, 365 ff. und Anhang X des I. Bandes: Dislocation der kaiserlichen 
Armee beim Tode Carl VI., sowie Tafel III (Dislocationskarte) sammt Legende. 



.).) 



Nieder-Oesterreich, Vorder-Oesterreich, Italien und die Nieder- 
lande sollten ihre bisherigen Truppen behalten (zusammen 24 In- 
fanterie-, 4 Dragoner- und 2 Husaren-Regimenter), Siebenbürgen sollte 
für das, dahin beorderte Dragoner-Regiment Philippi das Regiment 
Römer-Dragoner nach Ungarn (in die Comitate Grömör, Torna, Borsod | 
abgeben, dessen Besatzungtruppen mit Ende des Jahres demnach 

5 Infanterie-Regimenter und 5 Infanterie-Bataillone, dann 1 1 Cürassier- , 

6 Dragoner- und 2 Husaren-Regimenter, den geänderten Verhält- 
nissen entsprechend neu dislociert, zu bilden hatten, x ) während der 
Rest der österreichischen Hausmacht (4 Infanterie-Regimenter und 
4 Infanterie-Bataillone, 2 Cürassier-, 2 Dragoner- und 3 Husaren- 
Regimenter) an die türkische Grenze in Croatien, Slavonien und 
im Banate zu stehen kam. 2 ) 

Mittlerweile hatte sich aber die Regierung Maria T h e r e s i a's 
der lange abgewiesenen Erkenntniss nicht weiter verschliessen 
können, dass die Rüstungen Preussens wirklich gegen Oesterreich 
gerichtet seien. 

Desshalb ergiengen vom 7. December an Befehle zum 
Marsche nach Schlesien und zwar bis zum 15. December für die 
Infanterie-Regimenter Baden-Baden (im Pester Comitat), Schmettau 
(im Banat), Thüngen (auf dem Marsche nach Slavonien in Süd- 
Ungarn), Starhemberg (die zwei in den Comitaten Gran und 
Komorn liegenden Bataillone), Alt-Daun (in Steyermark und Carl- 
stadt), Franz Lothringen und Grünne (beide grösstenteils in Mähren 
eingetroffen), ferner an die Cürassier-Regimenter Hohenems (im 
Zempliner Comitat), Hohenzoilern (imTrentschiner Comitat), Lanthieri 
iim Comitate Pressburg), das Dragoner-Regiment Liechtenstein 
(bereits in Mähren eingetroffen), endlich die Husaren-Regimenter 
Splenyi (an der unteren Theiss und Maros) und Dessewffy (im 
Comitat Zemplin). Csäky-Husaren wurden zugleich aus der Umgebung 
von "Warasdin in den Königgrätzer Kreis beordert, Batthyäny- 
Dragoner (im Pressburger Comitat) aber zuerst in die Gegend vor 
Budweis, später, gleichwie das Regiment Csaky, zu dem aus 
Schlesien zurückweichenden FML. Graf B r o w n e nach Olmütz be- 
stimmt. 3 ) Starhemberg-Infanterie erhielt aber einschliesslich seines 

*) K. A., H. K. R. 1740, October, 611 Reg. (Beüagen.) 

2 ) Ausserdem befanden sich in den deutsch-ungarischen Erblanden noch 

das „Land-Batailloir', die verschiedenen Garnisons- und Besatzungs-Truppen , 

dann die National-Mihzen zu Fuss und zu Pferde. (Vergl. L. 379, 393 und 410. 

s ) K. A., H. K. R. 1710, Prot. Reg. Fol. 3550, 355 L, 3505, 3507, 3568, 

3575, 3570, 3587, 3588. 3592, 3593, 3595—3598, 3002, 3636, 3641, 3703. 



56 

in Simand bei Arad stehenden 3. Bataillons am 17. December die 
Widmung nach Oesterreich ob der Enns, doch wurde schon am 
13. Januar das von Simand kommende Bataillon zum Jablunka- 
Passe dirigiert. ] ) 

Browne wurde indessen durch einen königlichen Erlass vom 
15. December, der ihm einige besondere Verhaltungsmassregeln 
brachte, auch in Kenntniss gesetzt, dass er, besonders bei der In- 
fanterie, auf den completen Stand der nach Schlesien bestimmten Regi- 
menter nicht rechnen dürfe und dass er wegen der Entfernung der Regi- 
menter ausser den schon im Lande stehenden zunächst nur Franz 
Lothringen- und Grünne-Infanterie, dann fünf Compagnien Liechten- 
stein-Dragoner zur Verfügung haben werde, dass aber die drei 
Cürassier-Regimenter nicht vor drei bis vier Wochen, Baden- 
Infanterie, zurückgebliebene Theile von Franz Lothringen und 
Grünne, sowie die zwei Husaren-Regimenter nicht vor fünf bis 
sechs Wochen, Schmettau- und Thüngen-Infanterie nicht vor drei 
Monaten und Alt Daun-Infanterie sogar nicht viel vor sechs Monaten 
in Schlesien würden eintreffen können. 2 ) 

Ausserdem waren die zum Ausmarsch bestimmten Regimenter 
sämmtlich bedeutend unter dem Stand; sie hatten ferner keine 
Proviantwagen, noch Bespannungen, überhaupt keine Feldausrüstung, 
was Alles vor dem Abmarsch erst zu beschaffen war. 

Es konnte also von Operationen im offenen Felde vorläufig 
keine Rede sein und die ganze Thätigkeit Browne's sich 
nur darauf beschränken, die Festungen des Landes zu halten und 
die kleineren befestigten Orte möglichst lange zu vertheidigen, das 
Vordringen der Preussen dadurch zu verzögern und die Verbindung 
mit Mähren und Böhmen offen zu halten. 



») K. A., H. K. E. 1740, Prot -Reg, Fol. 3616, 3623, 3631 und Prot. Reg. 
1741, Fol. 67 

2 ) Duncker, a. a. O., S. 39. Die nach Schlesien bestimmten Regimenter 
erhielten erst Mitte Januar Befehl zur Anschaffung der Proviantwagen, Mitte 
Februar zur Anschauung der Zeltwagen. Wie wenig die um diese Zeit bei 
Browne stehenden Regimenter auch sonst kriegsmässig ausgestattet waren, 
erhellt daraus, dass der General sich von Brunn 6000 scharfe Flinten-Patronen 
verschreiben musste, welche aber dort erst fertig zu machen waren. (K. A., H. K., 
R. 1741, Prot. Reg. Fol. 70, 14. Januar, Fol. 168, 27. Januar, Fol. 311, 316. 
15. Februar; Prot.-Exp. Fol. 173.) Am 21. Februar wurde dem Kriegs-Com- 
missariat ausdrücklich aufgetragen, aus dem Erforderniss-Aufsatz für die 
Infanterie-Regimenter die bei allen angesetzten Balken-Karren zu streiche n 
(Ebenda, Prot.-Reg. Fol. 340, 21. Februar.) Damit verschwanden die ,.Schweins- 
dern" aus der österreichischen Armee. (Vergl. Band I, 383.) 



.) I 



In Glogau commandierte, wie erwähnt, FML. Graf Wallis, 
dem der am 9. December dort eingetroffene GFWM. Baron Reisky 
zugetheilt wurde; für Glatz war am 4. December, da dessen eigent- 
licher Commandant Oberst v. Linkh sich krank in Wien befand. 
Oberstlieutenant v. Fontanella zumCommandantenbestimmtund der 
Ingenieur-Oberstwachtweister Tello ebenfalls dahin beordert worden, 
der den Auftrag hatte, zur Versicherung des Platzes, wenn die 
Winterzeit Mauerherstellung nicht zuliesse, das Nöthige mit Erd- 
werken, Faschinen und Verpalli.sadierungen zu veranstalten, den 
Platz vor Allem aber so herzustellen, dass er bei einem unver- 
mutheten Angriff genügsame Gegenwehr zu leisten vermöge. Tello 
sollte auch die Fortificationen von Neisse. untersuchen, um das Noth- 
wendige dort anzuordnen. Zum Commandanten der letzteren Festung- 
bestimmte Browne den Obersten seines Regiments, Baron Roth. 

Es wurden alle Anstrengungen gemacht, das bisher bezüglich 
der Kriegsvorbereitungen Versäumte nachzuholen. Ein Haupt- 
Magazin ward in Neisse angelegt; ebenso mussten die Glatz'- 
schen Cameral-Magazine genügenden Proviant für die Festungen 
liefern. Für Olmütz ordnete die böhmische Hofkanzlei die Errichtung 
eines grossen Magazins an und gestattete die Ausfuhr von Getreide 
aus Mähren nur noch nach Schlesien. l ) Auch ergieng an das Ober- 
amt in Breslau am 20. December die Weisung, diejenigen gebärtigen 
Schlesier, welche bereits in brandenburgischen Diensten stünden 
oder „in den dortigen Landen sich ohne Dienst" aufhielten, zu 
verzeichnen und nach Wien namhaft zu machen. 2 ) 

Der General-Feld-Artillerie-Director Fischer in Prae; erhielt 
den Befehl, für das „königliche Felcl-Artillerie-Haupt-Corpo eine An- 
zahl Büchsenmeister, Zeugs-Bediente und Stück-Knechte in Böhmen, 
sobald als möglich, anzuwerben, wozu ihm ein eigenes Patent aus- 
gestellt wurde. 3 ) 

Von Namslau, als einem nicht haltbaren Platz, Hess FML. 
Graf Browne die dort vorhandenen Geschütze nach Brieg trans- 
portieren. Vor Allem Hess aber der commandierende General die 
Fortificierung von Brieg verstärken, wozu von den Ständen 6000 Bauern 
aufgeboten werden mussten, auch freiwillig zur Schanzarbeit sich 
meldende Soldaten gegen Bezahlung verwendet wurden. 



*) Protocoll der böhmischen Hofkanzlei 1740. Erlass an das königliche 
Tribunal in Brunn vom 17. December. 
2 ) Ebenda. 
8 ) K. A., Bestallungen 1740; 7150. 



58 

Auf Befehl der böhmischen Hofkanzlei sollten dem FML. Grafen 
Browne zwei Deputierte und zwar einer aus dem Oberamts- 
Collegium und einer aus dem Convento publico behufs leichteren 
Verkehrs mit den Civil-Behörden beigegeben werden ; ein Beschluss, 
der am 31. December erflossen, wohl kaum noch zur Durchführung 
gelangt sein dürfte. 

Die Gesammtstärke der königlich ungarisch-böhmischen Truppen 
in Schlesien bestand zur Zeit des Einmarsches der preussischen 
Truppen in : 

dem Infanterie-Regiment Wallis 1719 Mann, — Pferde 

den » Regm. Botta, Browne, Harrach 4770 » » 

dem Dragoner-Regiment Liechtenstein (acht 

Compagnien) circa 570 »ca. 560 » 

der Frei-Compagnie in Brieg circa .... 300 » » 

7359Mann,560Pferde 
Hievon die Garnisonen von Glogau 1178 und 

Jablunkau 120 Mann 1298 » — 

606 lMann,560Pf erde 
welche Truppenstärke, eingerechnet die Garnisonen Neisse und Brieg, 
den Befehlen des FML. Grafen Browne untergeordnet war. 

In Glatz bestand zu dieser Zeit die Besatzung aus 150 Mann 
des Infanterie-Regiments O'Gilvy, 250 von Prag dahin gesendeten 
Invaliden und 90 Glatzer Invaliden. 

In Neisse war am 24. December Oberstlieutenant St. Andre 
mit sechs Compagnien des Regiments Botta eingerückt 1 ). 

In Brieg, wo Oberst de F i n das Commando führte, standen 
eilf Compagnien von Wallis-Infanterie unter einem Oberstlieutenant 
und ein Bataillon (fünf Füsilier-Compagnien) von Browne-Infanterie, 
ausserdem die Frei-Compagnie in der Stärke von circa 400 Marn. 

Für die letztgenannten beiden Plätze sollte GFAVM. Fische r 
24 Büchsenmeister, nebst den nothwendigen Feuerwerkern absenden. 
Brieg hatte von dem Haupt-Zeugamte zu Gross-Glogau Anfang 
December 200 Centner Pulver erhalten. 

Ein Proviant- Amt, bestehend aus einem Verwalter und einem 
Adjuncten, wurde dort aufgestellt, eine Feldbäckerei mit einem Ober- 
bäckermeister und 20 Bäckerknechten errichtet. 



*) Hof-Kriegsraths-Expedits-Protocoll, Fol. 3552. Anfang Januar 1741 
wurdedie Besatzung dieser Festung verstärkt. 



59 

In Jablunkau befand sich eine Oompagnie von AVallis-In- 
fanterie (120 Mann stark) miter Comrnando des Oberstlh-utenants 
O'Reilly. 

Inr Anmärsche aus Mähren befand sich GFAYM. ( Jraf P i c c o 1 o- 
in i n i mit drei Bataillonen Franz Lothringen, sechs Compagnien 
Grünne-Infanterie und fünf Compagnien vom Dragoner-Regimen i 
Liechtenstein. l ) Die noch auf dem Marsche aus Ungarn befindlichen 
zwei Bataillone von Grünne wurden direct nach Schlesien dirigiert. 

FML. Graf Browne ertheilte den aus Mähren vorrückenden 
Verstärkungen Befehl, in dem Münsterberg'schen und Franken- 
stein'schen Kreise Quartier zu beziehen, um die Verbindung mit 
Glatz offen zu halten. Die Futtervorräthe vom Lande wurden nach 
Brieg und Neisse und weiter zurück nach Troppau und Jägern- 
dorf geschafft. 

Das aus Ungarn über Skalitz Anfang November nach Böhmen 
instradierte und in zwei Echelons marschierende Infanterie-Begirnent 
Carl Lothringen traf Ende December dort ein. 2 ) 

Hundert Pferde, welche dem Husaren - Regimente Dessewffv 
vorausgehen sollten, damit der Commandierende in Schlesien sobald 
als möglich über einige leichte Cavallerie verfügen könne, trafen 
trotz der vom Hof-Kriegsrathe angeordneten Beschleunigung, erst 
am 21. Januar 1741 in Jablunkau ein. 

Mit der Operations-Casse des commandierenden Generals 
scheint es schlecht bestellt gewesen zu sein. Von AVien aus konnte 
derselben vorläufig gar nicht beigesprungen werden, sie musste von 
der Landes-Regierung Zuflüsse erhalten, die aber auch spärlich genug 
flössen, nachdem die Landes-Regierung selbst um Aushilfe von Wien 
bitten musste, wo man in der ungemeinen Geldbedrängniss, in 
welcher sich der Staat befand, zu dem verzweifelten Auskunftsmitte! 
griff', das Oberamt zu ermächtigen, aus Mangel anderer Geldmittel 
die Depositen-Gelder „gegen Einlage bündiger Versicherungen' 
anzugreifen. An Feld-Artillerie war vorläufig nicht ein Stück vor- 
handen. 

In der am 28. December zu AVien abgehaltenen Conferenx 
ward erst der Beschluss gefasst, die schlesische Landes-Regierung an 
den commandierenden General anzuweisen; die Erhaltung Breslau's 



') AVaren am 21. December aus Brunn abmarschiert. 
2 ) Dasselbe hatte eine vierwöchentliche Contumaz zu Dorosma zu be 
stehen gehallt. 



60 

wurde auch in dieser Coirferenz wieder als die wichtigste Angelegen- 
heit erklärt. ] ) Leider kamen diese beiden Entschliessungen in Folge 
der sich nun überstürzenden Ereignisse viel zu spät. 

Die böhmische Hofkanzlei trug der mährischeiiLandes-Regierung 
auf, die aus der Provinz nach Schlesien fahrenden Strassen sofort 
ausbessern zu lassen. 2 ; 

Nach der Coirferenz vom 13. December, der am selben Tage 
schon eine Audienz des preussischen bevollmächtigten Ministers in 
Wien, v. Borck e, vorausgegangen war, zeigt sich ohne Zweifel an 
entscheidender Stelle eine energischere Auffassung der Sachlage. 

Das Oberamt in Breslau erhielt am 14. December von der 
K ö n ig in "Weisung, „was für eine Verwahrung selbes bei wirklicher 
Einrückung preussischer Truppen sowohl bei dem Könige oder dem 
die Truppen commandierenden General thun und was diesfalls 
durch öffentlichen Druck publiciert werden solle." 3 ) 

Die Rüstungen begannen in etwas grösserem Massstabe. Es 
ist aber bereits Mitte des December, die preussischen Colonnen 
stehen schlagfertig jenseits der Grenze, stündlich den Befehl zum 
Einrücken in Schlesien erwartend, das von 4000 kaiserlichen Sol- 
daten vertheidigt und geschützt werden soll. 4 ) 

Der Wiener Hof, in der von allen Seiten sich aufthürmendeii 
Bedrängniss, entschloss sich nun in der dritten Dekade des December 
zur Bildung und Aufstellung einer Feld-Armee. Die Wahl zum Ober- 
Commandanten derselben schwankte zwischen dem FM. Ludwig- 
Andreas Grafen K h e v enhüll e r, welcher viele Truppen und 
deren gesicherte Bezahlung verlangte und dem FZM. AVilhelm 
Reinhard Grafen TsTeipperg, dessen Candidatur vom böhmischen 
Obristen Kanzler, dem Grafen K in s k y, unterstützt wurde. Da sich, 
Neipperg mit wenigen und schwachen Regimentern begnügte 



') H. H. u. St. A. Conferenz-Notaten v. 28. December 1710. 

2 ) 15. December, Protocoll der böbm. Hofkanzlei. 

3 ) Protocoll der böbm. Hofkanzlei. 

4 ) Mit Ausschluss der Besatzung von Glogau (6 Compagnien Harrach. 
4 Compagnien Wallis) nach dem Conferenz-Protocoll : „Graf Browne mit 
denselben beiden übrigen Harrach'schen Bataillons, dem Botta- und seinem 
eigenen Eegimente mit Beirechnung der 8 Liechtenstein'schen Compagnien 
nicht viel über 4000 Mann und nicht einmal diese wegen deren hin und wieder 
auszustellenden Posten, in dem Stand, wie die Regimenter dermalen wären, 
zusammen zu bringen, vermögend sein würde." (K. A. Oesterreichischer Erbfolge- 
krieg, 1740 ; XII. 4Vs.) 



Ol 

ausserdem K i n s k y die Armee versorgen musste und mit Kheven- 
hüller nichts zu thun haben wollte, so wurde schliesslich Neipperg 
für das Commando der Armee bestimmt. v ) Der Erlass, mit dem die 
Königin die Ernennung demselben kundgibt, ist vom 23. De- 
cember datiert. 2 j 

Zugleich mit der Ernennung des Ober-Commandanten wurde 
auch der ihm beizugebende ,, grosse Generalstab" nominiert. 3 ) Der 
23. und 24. December, an welchen Tagen die in den böhmischen 
Ländern bereits befindlichen und bisher dahin beorderten Regimenter 
zur möglichst raschen Annahme des Sollstandes und zur Anschaffung 
der Feld-Requisiten befehligt wurden 1 ; und der Hof-Kriegsrath 
auch die Anzahl der von der Feld- Artillerie zu Neipperg' s Armee 
abzugebenden Geschütze (16) fixierte, 5 ) müssen daher als die eigent- 
lichen Mobilisierungstage gegen Preussen bezeichnet werden. Da 
nun die zur schlesischen Armee gewidmeten Regimenter selbst in 
dem Falle, als sie complet gewesen wären und auch rascher in 
Schlesien hätten eintreffen können, kaum der sich fortgesetzt ver- 
stärkenden Invasions-Armee gewachsen waren, so wurden schon 
am 31. December 1740, sich sofort nach Schlesien in Marsch zu 
setzen wieder angewiesen: die Cürassier-Regimenter Seherr (aus 
dem Eisenburger Comitat), Birkenfeld und Cordova (beide aus dem 
Banat), die Dragoner-Regimenter Württemberg (aus den Comitaten 
Somogy und Zala), Römer (aus den Comitaten Gömör, Torna und 



x ) Als Sohn Eberhard Friedrichs Freiherrn von Neipp erg am 27. Mai 1684 
geboren, trat Wilhelm Reinhard 1702 in das kaiserliche Herr. Am 24. Februar 1717 
bereits zum Obersten eines Infanterie- Regiments ernannt, zeichnete er sich im 
Türkenkriege vor Belgrad aus. Zum General-Feld -Wachtmeister am 4. No- 
vember 1723 befördert, ward Neipperg Erzieher des Herzogs Franz Stephan 
von Lothringen, welchem er auch in späteren Jahren noch persönlich sehr 
nahe stand. Im Jahre 1730 kam er als Commandant nach Luxemburg, wurde 
am 20. November 1733 Feldmarschall-Lieutenant und machte als solcher den 
Krieg in Italien mit. Am 2. Mai 1735 zum Feldzeugmeister ernannt, ward 
Neipperg Commandierender in Temesvar. In Folge des, entgegen den er- 
haltenen Instructionen, mit dem Grossvezier abgeschlossenen Belgrader Präli- 
minar -Friedens wurde Neipperg in Untersuchung gezogen und in Glatz 
interniert, von wo er am 10. Nov. 1740 auf Befehl der Königin Maria 
Theresia entlassen wurde. 

(Vergleiche über den Friedensschluss von Belgrad etc. ,.Der Feldzug 
173 ( .> und der Friede von Belgrad", Mittheilungen des k. k. K. A. 1881.) 

2 ) Der Wortlaut desselben Anhang X. 

3 ) Duncker, a. a. O. 58 f. 

4 ) K. A., H. K. R. 1710, Prot. Reg. Fol. 3647, 3649, 3654, 3661, 3666 etc. 

5 ) Ebenda, Fol. 3657. 



62 



Borsod) und das Husaren-Regiment Grhilänyi (aus Syrmien). 1 ) Auch 
an Pestvärmegyey-Husaren (in Siebenbürgen) ergieng an diesem 
Tage die Marschbereitschafts-Ordre. 2 ) 

Von Generalen waren die folgenden zu dieser Armee bestimmt 
und demgemäss ebenfalls am 23. December verständigt worden: 
die Feldmarschall-Lieutenante Göldy, Browne, Römer, Ber- 
lichingen, die General-Feld- Wachtmeister Philibert, Lentulus, 
Holly, Reisky, Kheul, Piccolomini, Grünne, Baranyay, 
Birkenfeld, Kolowrat. Preising, Franz St. Ignon, Königs- 
egg. Pallant und Festetics. 

Vorläufig wurden 14 Infanterie-, 3 Cürassier-, 2 Dragoner- und 
3 Husaren-Regimenter und eine Gesainmtstärke von 25.000 Mann 
für diese Armee in Aussicht genommen. 

Für die Feld-Artillerie wurden 16 Geschütze und zwar 
10 Regimentsstücke, 4 Falkaunen und 2 Haubitzen zu 100 Schuss 



1 ) Ebenda, fol. 3694, 3699, 3704. Von der am 13. December beschlossenen 
Reduction des letztgenannten Regiments, mit dessen Mannschaft und Pferden 
man zuerst die anderen Husaren-Regimenter ergänzen wollte, wurde am 
4. Januar definitiv Abstand genommen. (Ebenda, fol. 3583 imd Jahr 1741, Fol. 9.) 

2 ) Ebenda, 1740, Fol. 3693. Statt Cordova-Cürassieren kamen Kohäry- 
: »ragoner in das Banat, gleichfalls aus Siebenbürgen Wahleck-Infanterie (statt 
Thüngen) nach Slavonien, von wo mit Ende des Jahres die Infanterie-Regi- 
menter Bayreuth (statt Baden-Baden) nach Ofen und Grosswardein, Wurm- 
brand (an die Stelle von Alt-Daun) nach Steyerinark abgiengen. 

In Folge des Abmarsches mehrerer Cavallerie-Regimenter aus Ungarn 
wurden am 21. Januar 1741 (Ebenda. Prot, Reg. Fol. 130) näher gegen die 
Westgrenze dieses Landes verlegt: die Cürassier-Regimenter Bernes (in das 
Comitat Pressburg), Podstatzky (Trentschin. Thuröez. Arva), Carl Palffy 
iLiptau, Zips, (lömör. Saros), Lubomirski (Zemplin, Aba-Ujvär, Borsod), Carl 
St. Ignon aus Syrmien (Somogy, Zala), Caraffa (Oedenburg), dann Khevenhüller- 
üragoner (Eisenburg) und aus Siebenbürgen Pestvarmegyey-Husaren (Neutra . 
In jedem einzelnen Falle zu untersuchen, wie lange die angeordneten 
Marschbewegungen zu ihrer Durchführuni;' wirklich brauchten, würde zu weit 
führen. Ausser dem Hinweis auf die oben citierten Angaben des königlichen 
IN Scripts vom 15. December 1740 an Browne mag daher hier nur beispiels- 
weise erwähnt sein, dass das Regiment AYaldeck den Marschbefehl am 18. De- 
cember erhielt und erst gegen Ende März bei Esseg eintraf, dass Bayreuth- 
Infanterie von der oberen Save nach Ofen fast zwei Monate brauchte und 
dass die Regimenter Csaky-Husaren. dann Lanthieri- und Hohenzollern- 
Cürassiere erst um den 1. Februar unweit Fulnek zu Browne stiessen, welcher 
diesen Tagen auch Hohenems- und Seherr-Cürassiere erwartete und der 
ügen Ankunft der vordersten Bataillone von Baden-Baden und Alt-Daun- 
Infanterie entgegensah. (Ebenda, Fol. 241.) 

Im Allgemeinen wird man sich bei Beantwortung dieser Frage gegen- 
wärtig halten müssen, dass der Winter den an und für sich trostlosen Zustand 



63 

per Stück, rar die Haubitzen 40 Haubitzgranaten und 10 Schrot- 
büchsen angetragen, für 20 Bataillone zu je 700 Mann, nebst 
10 Grenadier-Compagnien zu je 100 Mann, pro Mann wurden 
40 Schuss berechnet. r j 

Die Hofkammer erhielt Auftrag, wegen Beistellung von 
400 Pferden zur Bespannung der, für das schlesische Corps be- 
stimmten Artillerie Veranstaltung zu treffen. 2 ) 

Das Schiff- Amt hatte am 21. December Auftrag erhalten, für 
eine im kommenden Frühjahre in Schlesien erforderliche Laufbrücke 
von 30 bis 36 Pontons das Erforderliche einzuleiten oder in deren 
Ermangelung so viele hölzerne Schiffe und das unter dem Bruck- 
Hauptmanne Fromb stehende Personal sammt Bespannung von 
dem ohnedies zur Reduction bestimmten ungarischen Brückenstand 
in Rechnung zu ziehen. 3 ) 



der Wege noch verschlimmerte, dass die Seltenheit der Brücken üher die 
zahlreichen grösseren Flüsse die Marschrouten sehr beschränkte und über- 
dies die Existenz der meisten Brücken sehr von den Wasser- und Eis- 
verhältnissen abhieng, dass ferner die Passierung der mehrfachen Pestcordons- 
linien, deren normale Contumaz je sechs Wochen dauerte, vielfache Schwierig- 
keiten im Gefolge hatte und dass endlich der Abmarsch einer Truppe aus 
festen Plätzen oder Grenzgegenden ohne specielle gegentheilige Weisung von 
oben, durch die betreffenden Commandanten erst dann gestattet wurde, wenn 
der Ersatz eingetroffen war. Es kamen aber "auch Fälle vor, dass Regimenter 
aus Mangel an Geld und Credit nicht abmarschieren konnten oder durch die 
zurückbleibenden Gläubiger am Abmärsche gehindert wurden. Auch der Fall, 
dass das Cürassier-Regiment Hohenems am 31. December 17-10 wegen Mangel 
an Stiefeln noch nicht ausmarschiert war, steht nicht ganz vereinzelt. 

Die gewöhnlichste Massregel, um den Marsch einer Truppe zu be- 
schleunigen, war die Anordnung einer grösseren Anzahl von Marschtagen 
zwischen den Rasttagen. (Vergl. I, 4S5 ff.) In besonders dringenden Fällen 
wurde die Infanterie mittelst Vorspannwagen ohne Rasttage weiterbeförderr. 

M K. A., Sect. II, H. K. R. Reg. Prot., Fol. 3579 und Reg. Prot. 30. De- 
cember, Fol. 3689. Die Hälfte der für die Infanterie bestimmten Munition 
sollte zu scharfen Patronen verfertigt und in Verschlage eingetheilt. das 
übrige Piüver und Blei aber zur Austheilung mitgeführt werden. 

2 ) Die Pferde sollten Ende Januar 1711 zu Brandeis bei Prag an das 
Feld-Artillerie-Haupt-Corpo abgeliefert werden. Der mit dem Lieferantin 
accordierte Preis betrug 70 fl. (K. und k. H. K. A. Gruppe Böhmen 171". 
23. December 1710.). 

3 ) Im Februar 1711 wurde die in Esseg depositierte blecherne Lauf brücke 
von 32 Pontons über Skalitz nach Schlesien instradiert. Dieselbe stand unter 
Commando des Feldschiffbruck-Hauptmannes Fromb. Das Personal hatte bis 
letzten October 1710 an Verpflegs-Gebühren 9188 fl. rückständig und die Leute 
konnten der „vielen Schulden wegen" nicht ausmarschieren. (K. und k. H. K. A. 
Gruppe Böhmen 1711. XVIIf, Februar 1711,). 



64 

Die für die Operations-Armee bestimmten Infanterie-Regi- 
menter erhielten Befehl, auf 2000 Mann sich zu ergänzen, mit 
Ausnahme des Infanterie-Regiments AVenzel Wallis, dem ein Stand 
von 2420 Mann vorgeschrieben wurde. Es wurde ihnen hiebei 
gestattet, auch Leute auf Capitulation anzunehmen. Die Cavallerie- 
Regimenter sollten einen Stand von 800 Mann zu erreichen trachten 
und die abgängigen Pferde einkaufen. 

Gleichzeitig wurde ein Pferdeausfuhrverbot aus Böhmen und 
Mähren erlassen. 

Die nach Schlesien beorderten Regimenter erhielten vor dem 
Aufbruche eine dreimonatliche Wintergebühr auf den dermaligen 
Stand, weitere drei Monate sollten ihnen an der schlesischen Grenze 
aus einer besonderen Casse gezahlt werden. 

Zu den in den Königgrätzer Kreis verlegten zwei Bataillonen 
von Kolowrat-Infanterie sollte auch das dritte, in Mähren einge- 
rückte Bataillon dieses Regiments gezogen werden. GFWM. Graf 
Kolowrat selbst erhielt Befehl, sich zu seinem Regiment zu 
verfügen, auf die preussischen Bewegungen genauestens Acht zu 
haben und erforderlichen Falls in die Festung Glatz sich zurück- 
zuziehen. 

Die Märsche giengen jedoch sehr langsam von Statten; die 
Truppen waren in keiner Hinsicht schlagfertig, als sie der Befehl 
in das Feld rief oder ihnen Bereitschaft anbefahl und konnten 
die Schlagfertigkeit auch in kurzer Zeit nicht erlangen. Vor Allem 
fehlte es an Geld ; die Cassen in Wien waren leer, so mussten denn 
gewöhnlich die Stände des Landes, in welchem das Regiment be- 
quartiert war, die Gebühren zahlen und diese zahlten, wenn sie 
überhaupt zahlten, langsam. Sodann fehlte es an Ausrüstungs- 
gegenständen, häufig sogar an den unentbehrlichsten. Feldrequi- 
siten waren gar nicht vorhanden und nicht am letzten mag einer 
apathischen Stimmung im Officiers-Corps Erwähnung geschehen, 
die wohl eine Folge der ausserordentlich unregelmässigeii Be- 
zahlung derselben war. Freudige Hingebung für die Monarchin 
und den Dienst mussten im Felde erst wieder gedeihen, vorläufig 
fehlten sie. 

Unter derartigen Uebelständen litten fast alle Truppenkörper 
und hiedurch wird auch die enorme Langsamkeit erklärlich, mit 
der, wenige Ausnahmen abgerechnet, dieselben die ihnen ange- 
wiesenen Marschziele erreichten. 

Am 31. December hob die Königin bei den zum xlus- 
marsche bestimmten Regimentern das bestehende Verbot wegen 



65 

Ersetzung der Regiments-Chargen auf, wodurch den Inhabern 
wieder erlaubt wurde, die vacanten Stabs-, Ober- und Unter- 
officiers-Chargen zu ersetzen, bemerkte aber in dem diesfaüigen 
Erlasse >„in der gnädigsten Zuversicht, dass sie, Regiments-Inhaber, 
die Billigkeit, Ordnung und Verdienste jedesmalen gegenwärtig 
halten und keine andere als genugsam tüchtig und erfahrene Subjecta 
befördern werden", *) 

Die alle energischen Massregeln beeinflussende Geld- und 
Creditnoth hatte die Königin bewogen, schon bei Eröffnung des 
Landtages des Erzherzogthums Oesterreich am 1. December sich 
an die Opferwilligkeit der Stände zu wenden, 2 ) auch an den 
Patriotismus der reichen Grundbesitzer und geistlichen Stifte zu 
appellieren. 3 ) 

Die königliche Familie selbst aber säumte ebenfalls nicht, 
Opfer für das allgemeine Wohl zu bringen. Nach Florenz ergieng 
die Ordre, von dem dortigen Schatz dasjenige zu veräussern, was 
verkauft werden könne, den Rest aber zu verpfänden und baares 
Geld darauf zu erheben. 

Kleinere Darlehen von Privaten wurden in den Bancal-Cassen 
angenommen und mit sechs Procent verzinst. Das fürstlich Li echt en- 
stein'sche Haus hatte dem Aerar 500.000 Gulden vorgestreckt. Aus 
dieser Anticipation sollte die Hofkammer die zur Recrutierung. 
Remontierung und Beschaffung der Feldausrüstung für die theils 



') K. A. S. II, H. K. E. Reg. 1710, December, 821. 

2 ) Die Eröffnung des Landtages fand in der Ritterstube in der Hofburg, 
in Gegenwart der Königin, durch den Obersten Hof kanzler Grafen Sinz en- 
do rff statt. Die Königin fügte selbst der von Sinzendorff verlesenen An- 
rede einige Worte hinzu. Der die Bewilligung von Geldmitteln betreffende 
Passus lautet: 

„Da Sie aber von Selbsten ermessen werden, wie nöthig es sei, das 
Kriegs-Heer zu erhalten; die entblössten Grenzen zu besorgen; dem durch die 
langwierigen kostbaren Kriege geschwächten Aerario beizuspringen, so werden 
Sie nach der angestammten und in allen Gelegenheiten so ruhmwürdig er- 
wiesenen Treue und Eifer von Selbsten eirkennen, dass Ihre königliche Majestät 
bemüssiget sind, die treugehorsamsten Stände dermalen anzugehen." 

„Zu welchem Ende dann Allerhöchstdieselbe beikommende postulata 
verfassen und solche den treugehorsamsten Ständen hiemit haben beibringen 
wollen." Wienerisches Diarium, 3. December, Nr. 97. 

3 ) So hatte das Domcapitel zu Breslau 50.000 fl. angeboten (Protocoll 
der böhmischen Hofkanzlei 1710.) Das Stift Braunau gab zuerst 6000 ti. und 
400 Scheffel Mehl, später noch 21.000 fl. (Mittheilungen des Benedictin er- um! 
-Cistercienser-Ordens, X. Jahrg., X, 22.) 

Oesterreichischer Erbfolge krieg. II. Bd. O 



66 

bereits in Böhmen und Schlesien befindlichen, theils dahin im An- 
märsche befindlichen Eegimenter nöthigen Beträge, wenn nicht 
sogleich, wenigstens bis Mitte Januar 1741 auszahlen; dann die 
für die Generalstab s-Parteien und die zu den unentbehrlichen Aus- 
lagen erforderlichen Summen längstens bis Ende Januar sicher- 
stellen. 

Die G-esammtkosten der Winter- und Sommer -Verpflegung 
und Mobilmachung der zur schlesischen Armee beorderten Truppen 
bezifferten sich ohne Proviantwesen auf 3,685.924 fl. 10 kr. x ) 

Dem Oberamts-Directorium in Breslau wurde am 29. December 
aufgetragen, dass die Hälfte des Collegiums in Breslau bleiben, die 
andere Hälfte sich jedoch nach Neisse verfügen solle. 2 ) 

1 ) H. K. A. C4ruppe Böhmen 1741. 

2 ) Protocoll der böhmischen Hofkanzlei 1740. Diese Verfügung kam 
nicht mehr zur A\isführung. 



Die Ereignisse in Schlesien im Monate Januar 1741. 



Jb ML. Graf Browne verfügte, nachdem er die Stadt Breslau, 
trotz ihrer angeblichen Selbstvertheidigung, nach den Eindrücken, 
die er dort empfangen hatte, so gut wie verloren halten musste, 
die Concentriermig der disponiblen Streitkräfte zwischen der Ohlau. 
der Neisse und der Oder. 

Thatsächlich befanden sich Ende December in ganz Schlesien 
einschliesslich der Besatzungen in den festen Plätzen, mit Ausnahme 
von Glatz, nicht mehr als 7359 Mann disponibler Truppen einem 
Invasionsheere gegenüber, das in den letzten Tagen des December 
mindestens schon 26.000 bis 27.000 Mann auf schlesischem Boden 
zählte. 

Von Feld-Artillerie war nicht ein Stück vorhanden. Die 
Operations-Cassa des commandierenden Generals soll in 10.000 
Gulden bestanden haben, wovon auch noch die Reparaturen an 
d( n "Werken von Brieg bestritten werden mussten. 

Es standen von dem Brown e'schen Corps : Jenseits der Oder 
am weitesten vorgeschoben in Laskowitz 1 Ofhcier mit 20 Pferden, 
am linken Oder-Ufer in Kattern 79 Pferde. Namslau war mit 
1 Compagnie von Wallis besetzt. In Zedlitz am linken Oder-Ufer 
stand eine halbe Compagnie von Liechtenstein-Dragonern, in März - 
dorf an der Strasse von Breslau ebenfalls eine halbe Compagnie. 
der Best der 8 Compagnien des Dragoner-Regiments am linken 
Ufer des Ohlau-Musses, halbcompagnieweise in den Ortschaften 
vertheilt, bis "Weigwitz hinauf, der Stab in AVürben. Baumgarten, 
an der Strasse nach Breslau, war von 2 Compagnien Harrach, 
Ohlau von 2 Füsilier- und 1 Grenaclier-Compagnie desselben Regi- 
ments besetzt, in Linden, Rosenhain , Hennersdorf, Grüningen. 



68 

Hünem, Frauenhain, stand je 1 Compagnie des nämlichen Regiments. 
In Brieg, wie bereits erwähnt, 11 Compagnien Wallis, 5 Compag- 
nien Browne, je 1 Compagnie dieses Regiments in Briesen, Rathau, 
Briegschdorf, Hermsdorf, Molwitz, Schüsseldorf, Laugwitz, Günters- 
dorf, Bärzdorf, Kreisewitz, 2 Compagnien in Tempelfeld. Von Botta- 
Infanterie standen 6 Compagnien in Neisse, je 1 Compagnie in 
Wansen, Pambitz, Paulau, Giersdorf, Conradswaldau, Schönfeld, 
Alzenau, Bömischdorf, Michelau, 2 Compagnien in Löwen an der 
Oder. v ) Die Dislocatiön war eine dichte, die Truppen konnten 
binnen wenigen Stunden vereinigt sein. 

Die Futtervorräthe vom Lande wurden nach Brieg und Neisse 
und weiter zurück nach Troppau und Jägerndorf geschafft. 

FML. Graf Browne selbst hatte am 18. December Breslau 
verlassen, war am 19. und 20. in der Festung Brieg gewesen und 
dann nach Ohlau abgegangen, wo er vorläufig sein Hauptquartier 
etablierte. Am 30. December kehrte er mit dem inzwischen aus 
Mähren eingetroffenen GF WM. Grafen Piccolomini, dem die 
Königin das Commando in Brieg übertragen hatte, nochmals 
dorthin zurück und begab sich dann wieder nach Ohlau. 

Das rasche Vorrücken der preussischen Armee gegen Breslau 
einer-, gegen Schweidnitz anderseits, nöthigte jedoch den öster- 
reichischen Truppen-Commandanten, die Stellung zwischen der Ohlau, 
Neisse und Oder zu verlassen, Nieder-Schlesien, mit Ausnahme von 
Brieg und Ohlau, aufzugeben und sich mit seinem kleinen Corps 
vorläufig hinter die Neisse zurückzuziehen. 2 ) 



x ) Dislocations-Uebersicht, Tafel IL 

2 ) Der die Instruction für FML. Grafen Browne enthaltende Erlass 
der Königin vom 15. December 1710 Hess dem Commandierenden voll- 
kommen freie Hand über die "Wahl seiner Stellungen : „wiederholen Dir hier- 
nächst nochmals, Unsere Meinung nicht zu sein, wegen des Ortes, wo Du Dich 
zu setzen habest, was Verlässliches Dir vorzuschreiben, als welches Wir auch von 
hier aus in der Unwissenheit, wohin die Preussen bei allenfalls geschehender 
Einrückung sich wenden, auch wie weit sie in dem Land vorrücken werden, 
nicht thun könnten, sondern dass Du nach Deiner bekannten Einsicht und 
Geschicklichkeit deren Preussen Stärke und die Deinige. nebst der Zeit, wie 
Unsere dahin gewidmeten Truppen successive zu Dir stossen können, von der 
einen Seiten gegenwärtig habest, von der anderen aber den District Landes, 
den Du bedecken zu können ermessest, in Erwägung ziehest und hiernach 
Deine Kesolution fassest, ob Du das Land bis Brieg und Ohlau gegen den 
wider Dich allenfalls anrückenden Feind zu versichern, ohne allzu grosser 
Gefahr im Stand seiest ; dann wärest Du stark genug dazu und es fehlete den 
Truppen an Fourage und an Brod nicht, so ist ausser Anstand besser, dass Du 
allda oder wo Du es sonsten ermessest, verbleibest, die Preussen einigermassen 



69 

In dem Platze Ohlau Hess der commandierende General den 
Obersten vom Infanterie-Regimente Harrach (Nr. 47j, Baron F o r- 
mentini, mit 3 Compagnien zurück. 1 ) Nach Namslau war zu der 
dort befindlichen Compagnie vom Infanterie-Regimente Wenzel 
Wallis (Nr. 11), die einen Stand von 130 Mann hatte, noch ein 
Harrach'sches Detachement von 60 Mann gestossen und diese Gar- 
nison von den in Brieg stehenden Truppen, durch ein von Mann- 
schaften verschiedener Regimenter zusammengesetztes Cömmando, 
auf ungefähr 300 Mann, nebst 15 Dragonern vom Regimente Liechten- 
stein (unter einem Wachtmeister) 2 ) gebracht worden. Major Kr am er, 
vom Infanterie-Regimente Botta, befehligte in diesem Platze. 

Die Besatzung von Brieg wurde, ausser der Frei-Compagnie 
(300 Mann), auf 4 Bataillone, 4 Grenadier- Compagnien gebracht 
und bestand aus 11 Compagnien Wenzel Wallis, 7 von Botta 
(Nr. 12), 6 von Browne (Nr. 36), dann 17 Dragonern vom Regimente 
Liechtenstein. Der Gesammtstand bezifferte sich auf 1900 bis 2000 
Mann. 3 ) 

Das in Namslau befindliche Geschütz (4 Falkaunen, 8 Feld- 
schlangen, 4 Regimentsstücke) war am 31. December nach Brieg 



in Zaum haltest und von den Unsrigen die Fourage, die sonst die Anderen 
sich zu Nutzen machen würden, consumieret, das Land annebst in Unserer 
Devotion und der Inwohner bei dem Seinigen bewahret werde. Dagegen 
wo Du Dich ä proportion des anrückenden Feindes nicht stark genug 
findest, oder von Mähren und Böhmen abgeschnitten zu werden aus dessen 
Mouvement zu besorgen hättest, so hast Du solchenfalls nicht weiter, als wozu 
Deine Kräfte und der aus der Landes- Situation sich allenfalls zu Nutzen zu 
machen seiende Vortheil Dir zulasset, Dich auszubreiten, sondern bevor ein 
Unglück geschiehet oder Du die Leut' einzelweise zu verlieren in Gefahr Dich 
setzest, nach Neisse oder Glatz, oder in einem vortheilhaften Posto zwischen 
beiden Orten, wie und wo Du es am rathsamsten glaubest, zu setzen, nachdem 
die Versicherung dieser Communication das Hauptobjectum und hierauf vor 
allem andern zu sorgen nöthig ist ; kann aber dieses Hauptobjectum mit der 
von Dir vorhabenden Soutenierung von Ohlau und Brieg combiniert werden 
so ist es Unserm Dienst so verträglicher und wird Uns umso angenehmer 
und lieber zu vernehmen sein." Den vollständigen Wortlaut des Erlasses 
siehe Duncker, „Die Invasion Schlesiens" in Mittheilungen d. K. A. 1885, 37. 

*) Je 1 Compagnie Harrach (Nr. 47), Botta (Nr. 12), Browne (Nr. 36). 

*) Ein Wachtmeister und acht Mann dieses Detachements, am 31. December 
1740 auf Becognoscierung nach Oels entsendet, wurden dort in den ersten 
Tagen des Januar von preussischen Husaren aufgehoben. 

3 ) Ein Standes-Ausweis über die unter FML. Graf B r o w n e's Cöm- 
mando stehenden Truppen (undatiert, vermuthlich von Mitte Februar) beziffert 
die Garnison Briegs auf 1926 Mann. K. und k. Haus-, Hof- und Staats-Archiv. 
Manuscripte, 1091. 



70 



abgeliefert ; die General-Steueramtscasse von Breslau in 
Festung geborgen worden. ! ) 



diese 



Die Vertheilung der, mit Ausnahme von Glatz, überhaupt 
in Schlesien vorhandenen österreichischen Truppen war die fol- 



gende : 





3 

tu 



3 


• -* 

n 


Ohlau 


Namslau 


'3 


Jablunkan 


Beim Cps. 
des FML. 
Browne 


Cornpagnien 


"Wenzel Wallis-Inf.-Reg. . 

Harrach-Inf.-Reg. . . . > 

Botta-Inf.-Re°- 

Browne-Inf.-Reg 

Liechtenstein-Drag. -Reg. . 


4Füs. 
5Füs. 
IGren. 


ii 

7 1 
6 1 


1 


7 


1 


10 

2 

10 


Infanterie-Compagnien 
Dragoner- ,, 


10 


2-1 


3 


1 


7 


1 


22 

8 



Die erste Biickzugsbewegung, welche FML. Graf Browne 
ausführte, brachte die ihm noch gebliebenen Truppen (4 Bataillone, 
2 Grenadier- und 8 Dragoner-Compagnien ) in die Linie Wansen- 
Löwen zwischen Ohlau und Neisse. In Michelau erhielt er am 

4. Januar die definitive Nachricht von der Capitulation Breslau' s 
und expedierte noch am selben Abend den Grafen Hof mann 
nach Wien ,,mit der schönen Zeitung von Breslau, so ein grosses 
Contratempo von uns." 2 ) 

Die Brücke in Michelau liess der Truppen -Commandant ab- 
werfen, die Brücke zu Löwen aber durch einen Lieutenant mit 
24 Pferden besetzen, der an GFWM. Piccolomini gewiesen ward. 

FML. Graf B r o w n e selbst traf mit dem Hauptquartier am 

5. Januar Morgens in Neisse ein, seine Arrieregarde stand a cheval 



x j Meldung des Obersten de Fin. H. K. R. Exped. Prot,, Fol. 194 und 
195. Die Archive der schlesischen Landes-Regierung waren ebenfalls in Sicher- 
heit gebracht worden. Ain 21. December 174Ü wux-de das Breslauer Oberamts- 
Archiv, nebst den zu den Fürstenthümern Glogau, Wohlau und Liegnitz ge- 
hörenden Registraturen, in 37 Kisten verpackt, in Begleitung zweier Officianten 
nach Mähren abgesendet. Von Brieg ward das Archiv der Regierung, 17 Kisten 
gegen Ende des Jahres 1740 ebendabin expediert. 

2 ) FML. Graf Browne an GFWM. Piccolomini. Michelau, 4. Jan. 
1741, 8 Uhr Abends. Fürst!. Schaumburg-Lippe'sches Archiv in Xachod. 



71 

des Neisse-Flusses in der Linie Grottkau-Merzdorff-Graase. Das 
Gros war in Bewegung auf Neisse. Alle Fourage und sonstigen 
Vorrätlie wurden auf Vorspannswagen mitgeführt, die Neisse-Brücke 
bei Koppitz abgetragen. 

GFWM. Piocolomini erhielt Befehl, auf jede "Weise zu 
trachten, die Communication mit der Festung Neisse offen zu 
erhalten und den Neisse-Uebergang bei Löwen so lange als möglich 
zu behaupten, wozu noch ein Officier mit einein genügend starken 
Commando dorthin zu senden sei, welches nur im Falle Anrückens 
stärkerer preussischer Kräfte sich nach Brieg zurückziehen, zuvor 
aber die Brücke zerstören sollte. 

Ferner theilte Graf Browne dem Festungs-Commandanten 
mit, ,,dass er endlich eine Resolution habe, wie sich der Hostili- 
täten halber zu verhalten, welches also deroselben sowohl zur Nachricht 
dient, als dero unterstehenden Posto das Essentiale communi- 
cieren zu können und sofern die Preussen unter die Stücke oder 
das Feuergewehr kommeten ,,in Gottes Namen brav darauf clempfen 
zu lassen". 2 ) 

Die Resolution der Königin behufs der Abwehr des preussi- 
schen Angriffes lautete: 

,,Der General Browne hat vor Allem möglichste Vor- 
sichtigkeit nach der ihm ohnedies beiwohnenden Erfahrung zu 
tragen, damit die von ihm ausschickenden Partheien nicht über- 
mannt werden mögen. Sonsten aber hat man keinen Anstand, 
dass, wann hiesige Partheien einige preussische Mannschaft antreffen 
sollten, diese, wann sie nicht von Selbsten weichen, chargieren 
könnten, auch ein- und andere preussische Mannschaft aufheben, 
wofern die Gelegenheit dazu sich fügete." 

Am 6. Januar stand das Browne'sche Corps bereits an der 
Neisse in folgenden Stellungen : 6 Compagnien Harrach am rechten 
Flügel in Gross-Neunclorf und Weitzenberg an der Strasse nach 
Hennersdorf, das Gros in und um Neisse am rechten Ufer des 
Neisse-Flusses, 3 Compagnien Browne in Heidersdorf an der Strasse 
nach Strehlen, 2 Escadronen Liechtenstein-Dragoner in Sengwitz, 
4- in Stephansdorf, 2 in Perschkenstein ; am linken Neisse-Ufer in 
Glumpingiau 4 Compagnien Browne, in Woitz 3 Escadronen, in 
Ottmachau 2 Escadronen Dragoner; endlich an der Strasse Ottmachau- 



l ) FML. Graf Browne an GFWM. Graten Piocolomini. Neisse, 
."). Januar 1741, Abends 8Va Uhr. Fürstl. Lippe'sches Archiv. 



72 

Weidenau in Mösen, Brünschwitz, Würben die eingerückten Ab- 
theilungen von Grimne-Infanterie (Nr. 26). 

Vorgefunden hatte der Truppen-Commandant bei seiner An- 
kunft in Neisse die 3 Bataillone Franz Lothringen (Nr. 1), 

1 Bataillon Grünne und 5 Compagnien Liechtenstein-Dragoner, 
welche unter GFWM. Piccolomini's Commando aus Mähren an- 
gerückt waren und welchen dieser General zur Uebernahme des 
Festungs-Commandos in Brieg bereits vorausgeeilt war. 

Die Truppen des Corps hielten am 7. Januar die Neisse-Linie 
und zwar in den folgenden Stellungen besetzt : 

2 Bataillone Botta, 1 Bataillon Franz Lotbringen in der 
Festung Neisse. 

Am linken Neisse-Ufer: 3 Escadronen Dragoner in Gross- 
Neundorf, 2 Escadronen in Heidersdorf, 3 Escadronen in Glump- 
inglau, in Ottmachau 2 Grenadier-Compagnien von Franz Lothringen 
und je 1 Grenadier-Compagnie von Harrach, Browne und Grünne, 

2 Escadronen Dragoner in Sarlowitz, 3 in Ellguth. 

Am rechten Neisse-Ufer : Je 1 Bataillon Lothringen in Neunz 
^an der Strasse nach Neustadt) und in Deutsch-Kamitz, je 1 Bataillon 
Browne in Preyland (an der Strasse nach Ziegenhals) und in Morau, 

3 Compagnien Grünne in Bauke, je 1 Compagnie von Harrach in 
Würben und Brünschwitz, 4 Compagnien Harrach in Mösen, je 
2 Compagnien dieses Regiments in Stübendorf und Schwamelwitz. 
Hauptquartier oder nach dem damaligen Ausdrucke „Generalstabs- 
Quartier" in Bielau. v ) 

Die Garnison von Neisse wurde in den folgenden Tagen noch 
durch 1 Bataillon Browne, 3 Compagnien von Grünne und 16 Dra- 
goner verstärkt, wodurch dieselbe einen Stand von 1600 Dienstbaren 
erreichte. 

Zum Festungs-Commandanten war in der Person des Obersten 
Freiherrn v. Roth, bisherigen Commanclanten des Infanterie- 
Regiments Browne, eine glückliche Wahl getroffen worden. 
Oberst Freiherr v. Roth war ein erfahrener, energischer Of- 
ficier und seinerzeit für das Commando in Breslau ausersehen 
gewesen. 

Die Neisse-Brücken zu Wartha und Patschkau hatte Browne 
abtragen lassen. Für Operationen blieben nach der Besetzung der 



l ) Tafel IL 



7 3 

festen Plätze dem Truppen-Commandanten kaum 3000 Mann und 
er verständigte desshalb schon am 7. Januar den General 
P i c c o 1 o m i n i, dass, falls er an der Neisse forciert würde, er 
den Rückzug antreten müsse, da von einer wirksamen Verteidigung 
unter solchen Verhältnissen keine Rede sein könne. 

Am 8. Januar dürften die Stellungen des Corps im grossen 
Ganzen die gleichen geblieben sein. Die Hauptmacht der Browne'- 
schen Truppen steht am rechten Ufer der Neisse, während am 
linken nur kleine Abtheilungen zur Beobachtung vorgeschoben sind 
und Ottmachau von den bereits erwähnten fünf Grenadier-Com- 
pagnien besetzt bleibt. 

Am 3. Januar war G. d. J. Herzog von Holstein mit den 
vor Glogau zurückgelassenen Musketier-Bataillonen des ersten 
preussischen Corps auf dem linken Oder-Ufer vor Breslau einge- 
troffen. Von der schweren Artillerie waren zwei zwölfpfiinclige 
Kanonen und zwei fünfzigpfündige Mörser mitgeführt worden. 
Diese Truppen erhielten auf dem linken Oder-Ufer bei Breslau 
Quartiere. 

König Friedrich II. hatte am 4. Januar bereits von Breslau 
aus den GM. v. J e e t z e mit den Infanterie-Regimentern Bredow 
und La Motte, nebst 3 Escadronen Bayreuth-Dragonern auf das 
rechte Oder-Ufer setzen lassen. Bei dem Durchmarsch dieser 
Truppen durch die Stadt kam es zu Auseinandersetzungen mit 
den Behörden, weil der Durchmarsch nur compagnieweise statt- 
finden sollte. Auf Befehl des Königs wurden daher zwischen der 
Nicolai- und Oder- Vorstadt zwei Schiff-Brücken geschlagen, um 
weitere Störungen zu vermeiden. 

Der König selbst verliess am 6. Januar mit den Infanterie- 
Regimentern Graevenitz und Jeetze, fünf Grenadier-Bataillonen. 
dem Schulenburg'schen Grenadier-Regiment zu Pferde, zwei Esca- 
dronen Bayreuth-Dragonern und der Escaclron Gensdarmes, zwei 
zwölfpfündigen Geschützen und zwei fünfzigpfündigen Mörsern 
die schlesische Hauptstadt und nahm die Marschrichtung südöstlich. 

In Breslau blieb das Infanterie-Regiment Alt-Borcke zum 
Schutze der dort zu errichtenden Magazine und des Spitals in der 
Schweidnitzer Vorstadt zurück. 

Während König Friedrich II. in den letzten December- 
tagen nach Breslau geeilt war, hatte FM. Graf Schwerin, mit 
dem rechten Flügel des ersten Corps gegen Neisse vorrückend, am 



74 

3. Januar die Linie Schweidnitz-Zobten erreicht. Ein Bataillon und 
eine Escadron waren bereits bis Beichenbach vorgeschoben worden, 
um einen Handstreich auf die Festung Glatz zu versuchen, womit 
der König am 30. December schon den in seinem Gefolge befind- 
lichen Obersten v. Camas beauftragt hatte. Letzterer rückte am 

4, Januar mit diesem kleinen Detachement nach Frankenstein und 
Hess von dort Recognosciermigs-Abtheilmigen gegen die Festung 
vorrücken. Der am G. Januar zu diesem Behufe vorgehende 
Capitain v. L e p e 1 gelangte, nachdem die abgebrochene Brücke 
bei "Wartha wieder hergestellt war, auf der am rechten Neisse-Ufer 
nach Glatz führenden Strasse bis zu einein starken Verhau, welcher 
eine halbe Meile von der Stadt angelegt war und vertheidigt wurde. 
Oberst v. C a m a s führte keine Artillerie mit, er sah die Un- 
möglichkeit ein, mit seinen schwachen Kräften gegen die Stadt. 
geschweige gegen die Festung auf dem Schlossberge irgend etwas 
auszulichten und berichtete in diesem Sinne an den Feldmarschall. 
Am folgenden Tage (T.Januar) unternahm Camas, nachdem noch 
ein Bataillon des Infanterie-Regiments Syclow zu ihm gestossen 
war, eine ßecognoscierung, die auch keine günstigere Anschauung 
über die Sachlage bei ihm hervorgerufen zu haben scheint. *) 

Hiemit hören die preussischen Berichte auf, die österreichischen 
erwähnen dieser Glatzer Unternehmung kaum. Sie scheint aber 
doch noch ein Nachspiel gehabt zu haben. Locale Quellen geben 
an, 2 ) Camas habe am 8. Januar noch einen weiteren Versuch 
gegen die Festung gemacht. 

Nach am Nachmittage des genannten Tages von Hassitz aus 
vorgenommener ßecognoscierung sei er in der darauffolgenden 
Nacht, mit aus der Gegend zusammengebrachten Leitern versehen, 
gegen Glatz vorgerückt : doch seien die Truppen in der Dunkelheit 
im Wartlia-Passe in Verwirrung geratheil, hätten sich gegenseitig 
beschossen, wodurch die Festungs-Besatzung alarmiert und Oberst 
Camas genöthigt worden, da die Ueberraschung nicht gelungen, 
von einem weiteren Vorgehen abzustehen und nach Wartha zurück- 
zumarschieren . 

Einige Verwundete hätten die Preussen bei diesem Rückzuge 
mitgeführt. 



J ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 263. 

2 ) Kögler, Chronik der Grafschaft Glatz, angeführt bei "Wiese. Die 
militärischen Ereignisse in der Grafschaft Glatz während des ersten schlesischen 
Krieges. (Zeitschrift des Vereines für Geschichte und Alterthum Schlesiens, 
XIX. Bd.) 



7". 

Thatsächlicli schrieb übrigens Friedrich II. die Schuld des 
Misslingens der Unternehmung dem Obersten v. Camas zu. Er 
äusserte darüber : ,,Eben kommt Oberst Camas von Glatz zurück, 
wo er sein Unternehmen verfehlte, weil er keine guten Massregeln 
getroffen hatte." l ) 

C am a s rückte mit seinen Truppen am 13. Januar in Ottmachau 
wieder zum Schwerin 'sehen Corps ein. 

FM. Graf S ch wer in, selbst seit, dem 2. Januar in Schweidnitz, 
gewährte am 4. seinen Truppen Rast. 

Schon am 1. Januar hatte er mit Rücksicht auf die Nähe des 
Gegners besondere Vorsichtsmassregeln angeordnet und diese in 
den folgenden Tagen wiederholt den Truppen zur Pflicht gemacht.' 2 ) 
Am 5. rückte er in die Liirie Reich enbach-Nimptsch und am 6. bis 
nach Frankenstein, wo sein Corps enge Cantonnierungen bezog. 
Gegen Münsterberg und Ottmachau giengen Husaren-D etachements 
zur Recognoscierung, auch um den Verkehr mit Glatz zu unter- 
binden, vor. 

Nachdem Schwerin in Erfahrung gebracht hatte, dass die 
österreichischen Truppen bereits an und hinter der Neisse stünden, 
beschloss er, gegen Ottmachau vorzugehen, hier den Fluss zu über- 
schreiten, die Truppen der Königin anzugreifen und so die Unter- 
nehmungen des Königs gegen die Plätze an der Oder zu unter- 
stützen. 

Die Unternehmung- auf Ohlau. 

König Friedrich IL war am 6. Januar von Breslau über 
Kattern nach Rothsyrben gerückt, hatte die Nacht zum 7. im 
dortigen Schlosse zugebracht, sich an diesem Tage nach Marschwitz 



J ) Histoire de mon temps, ed. Posner, 220. 

2 ) Der Befehl vom 1. Januar lautete : „Die Regimenter werden hiermit 
avertiert, dass wir uns dem Feinde immer mehr nähern und ihre Truppen 
nicht über vier Lis fünf Meilen vor uns stehen. Sie haben also wohl auf ihrer 
Hut zu sein, die Barsche müssen sich nicht mehr alle ausziehen, wohl in- 
formiert werden, wo und wie sie auf den geringsten Alarm sich zu versammeln 
haben. Ein Stabsofficier muss des Nachts die Wachen und Pikets visitieren^ 
die Infanterie kann auch zu unserer precaution einige Ober- und Unterofficiere 
auf Bauernpferden voraus patrouillieren lassen. Auf den geringsten Alarm 
müssen die Wachen sofort im Gewehr sein und ihren Posten bis auf den 
letzten Mann defendieren : das Piket eilet der Wache gleich zu Hilfe und 
muss sich staudhaft maintenieien, bis die Bataillons ihnen zu Hilfe kommen." 
Kriege Friedrich d. Gr., I, 131, Anhang Nr. 20. 



76 

begeben und hier die Meldung des am 6. Januar gegen Ohlau 
in Begleitung einer Escadron entsendeten Obersten Dumoulin 
erhalten. Auf diese hin wurde eine Unternehmung gegen Ohlau 
beschlossen. x ) 

Die Bewegungen des Königs in diesen Tagen erscheinen als 
ein langsames Vorwärtstasten gegen Osten und Süden, da man 
über die Stärke und die Stellungen der österreichischen Truppen 
zu jener Zeit im preussischen Hauptquartier nicht genau unter- 
richtet gewesen sein mag, es auch immerhin möglich schien, 
dass die ersten anrückenden Verstärkungen das Corps des FML. 
Grafen Browne schon erreicht hatten und dieser selbst gegen die 
nicht allzu starke Heeres-Abtheilung des Königs einen Offensiv- 
Stoss versuchen konnte. In dieser Absicht dürfte die Vorrückung 
ä cheval der Strasse Breslau-Strehlen ausgeführt worden sein und 
es deutet Manches darauf hin, dass die Hauptmacht dieses kleinen 
preussischen Corps an der Hauptstrasse nach Strehlen Stellung 
nahm, 2 ) dort weiter gegen Süden und Osten aufklärte und, als 
durch die Recognoscierung am G. Januar die Gegend bis Ohlau 
schon von den esterreichern verlassen gefunden ward, erst dann 
die Expedition gegen diesen Platz unternommen wurde. 

Du m o u 1 i n's Recognoscierungs - Bericht veranlasste Fried- 
rich H. noch zu anderen Verfügungen. Nachdem Browne's Rückzug 
an die Neisse dadurch constatiert worden, war es wichtig, Schwerin, 
welcher mit den Truppen Browne's zuerst in Contact treten konnte, 
zu verstärken. Es gierigen desshalb 6 Escadronen der Schulenburg- 
Grenadiere zu Pferde zu ihm ab, wobei er gleichzeitig in Kenntniss 
gesetzt wurde, dass nach der Einnahme von Ohlau noch einige 
Infanterie-Bataillone ihm zugesendet werden würden. Der König- 
betonte in dem Schreiben vom 7. Januar an den Feldmarschall, 
dass es wichtig sei, sich der Festung Neisse schnell zu bemächtigen. 
da man Neipperg zuvorkommen müsse, der nach aus Wien ein- 
getroffenen Nachrichten seine Truppen hinter der Neisse aufmar- 
schieren lassen wolle. 3 ) 

Sodann erhielt Erbprinz Leopold von A n h a 1 1 vor Glogau 
den Befehl, die gesanimte Artillerie, die sich dort befinde, nach 
Neisse zu senden und Bavreuth-Dragoner folgen zu lassen, sobald 



: ) „Lettres d'un officier prussien." 

2 ) Eine Skizze der Bewegungen, in diese Zeit fallend, verzeichnet die 
Yorrückung auf der directen Strasse Breslau-Strehlen. Krieg gegen Preussen. 

Xr. 2. Kart.-Abth. des K. A.) 

3 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 25^. 



77 

Platen-Dragoner eingetroffen seien. Drei Escaclronen rjreussischer 
Husaren und eine Escadron Leib-Husaren sollten von dort zum 
Corps des Königs stossen. *) 

Die Befestigung der an dem gleichnamigen Flüssehen gelegenen 
Stadt Ohlau, deren Vorstädte sich bis an die Oder ausdehnten, 
bestanden in einem trockenen Graben und einem an mehreren 
Stellen zerstörten Wall. Das Schloss scheint ziemlich fest gewesen 
zu sein. 2 ) Die Zahl der Einwohner dürfte in jener Zeit 17 — 1800 
erreicht haben. 3 ) Oberst Baron Formentini mit drei Com- 
pagnien, wovon eine Compagnie seines Regiments und je eine 
Compagnie von Botta und Browne, zusammen 350 Mann stark, 
bildeten die Besatzung. 

An den Fortincationen waren wohl durch den Ingenieur- 
Lieutenant Schubart einige Reparaturen vorgenommen worden; 
aber zu spät begonnen, konnten dieselben keinen wesentlichen 
Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit des Platzes mehr üben. 

Seit Anfang des Jahres wurden die Bürger und Bauern der 
Umgegend zur Schanzarbeit herangezogen ; am 6. Januar hatte der 
Festungs-Commandant die bewaffnete Bürgerschaft gemustert und 
am 7. Januar dieselbe zur Besetzung des Walles verwendet. 4 ) 

Am ebengenannten Tage nahmen 8 preussische Grenadier - 
Compagnien in dem jenseits der Ohlau liegenden Dorfe Baumgarten 
Stellung ; am 8. Januar kam der König selbst von Marschwitz in 
die Vorstädte von Ohlau und Hess unter Cornmando des General- 
Majors v. Kleist weitere 12 Compagnien dort postieren. 



J ) Ebendort. 

2 ) ,,Son cbäteau est passable et ne peut se prendre qu'avec du canon." 
Histoire de mon temps (Redaction von 1746) ed. Posner, 219. 

Oblau wurde im Jabre 1638 befestigt und rnuss nach einem vom Jahre 
1675 vorliegenden Plane (Tafel III) um die Mitte des XVII. Jahrhunderts 
ein ziemlich fester Ort gewesen sein. Es besass nach diesem Plane sogar am 
rechten Oder-Ufer eine kleine Sternschanze als Brückensperre. Von der Ohlau, 
beziehungsweise von der Kehle der Stadt, liefen zur Sicherung der Vorstädte 
Circumvallations-Linien bis an die Oder. Die massiven Baulichkeiten des 
Schlosses waren von einem in Erde ausgeführten Hornwerke umgeben. Im 
Jahre 17-11, aus welcher Zeit kein Plan von Ohlau auffindbar war, dürfte die 
Verteidigungsfähigkeit des Platzes nach Analogie der anderen schlesischen 
Festungen eine sehr verminderte gewesen sein. 

3 ) Zimmermann, Beiträge zur Beschreibung von Schlesien, I. 31. 
Brieg 1783. 

4 ) Schlesische Kriegs-Fama, VII, 27. 



78 

Gleichzeitig wurde der Commandant aufgefordert, den Platz 
zu räumen. 

Oberst Baron F o r m e n t i n i schickte die Ant wort zurück, 
<lass er den Posten zu behaupten Willens sei. 

Der König liess in Folge dessen zwei 12-Pftmder und zwei 
50-pfündige Mörser in Stellung bringen und traf die Dispositionen 
für den am folgenden Tage zu unternehmenden Angriff. 

Um 4 Uhr Nachmittags sandte jedoch der Festungs-Comman- 
dant, ganz im Widerspruche mit seiner ersten Erklärung und von 
Beweggründen geleitet, über welche die vorhandenen Acten keinen 
Aufschluss geben, zwei Ofnciere zu den preussischen Vorposten, 
um Uebergabs-Verhandlungen anzuknüpfen. König Friedrich EL. 
schickte diese Ofnciere mit seinem General-Adjutanten Oberst 
Borcke nach Ohlau zurück. Im Laufe der Nacht wurde sodann 
zwischen Oberst Baron Formentini und Oberst v. Bor c k e die 
Capitulations-Uebereinkunft geregelt. *) 

Welche Befehle FML. Graf Browne bezüglich der Ver- 
theicligung Ohlau's gegeben, ist heute ebenfalls nicht mehr auf- 
zuhellen. Unter allen Umständen hatte aber Oberst Baron F o r- 
mentini sicher nicht die Weisung, den Platz zu übergeben, ohne 
dass ein Schuss von dessen Umfassung gefallen. 

Es ist vielmehr mit ziemlicher Sicherheit, anzunehmen, dass 
Browne diese Stadt gehalten wissen wollte. Denn er hätte sie 
sonst wahrlich nicht mit Garnison versehen und in Vertheidigungs- 
zustand setzen lassen. Uebrigens äusserte FML. Browne dem 
General Picc olomini gegenüber am 7. Januar den Wunsch, 
wenn es noch Zeit sei, was er kaum glaube, den Obersten Baron 
Formen tini aus der Festung zu ziehen und deren Commando 
dem Hauptmann Lagelberg zu übergeben. Eine Verfügung, die 
eben nicht mehr durchführbar war. 

Politische, wie militärische Gründe sprachen ausserdem für 
lue Erhaltung Ohlau" s. 

So lange die befestigten Orte in österreichischer Gewalt 
blieben, konnte von einer vollkommenen Besitzergreifung Nieder- 
Schlesiens durch preussische Truppen nicht die Eede sein. 

Militärisch war Ohlau wichtig in Rücksicht auf seine nahe 
Lage zur Oder. Die Brücke, welche es mit dem rechten Fluss-Ufer 



!) Anhang XI deren Wortlaut. Die Urkunde ist ausser den Leiden Con- 
trahierenden noch von je vier Officieren der beiderseitigen Armeen gezeichnet. 



7!» 

verband, machte es zur Anlegung von Magazinen und Aut- 
stapelung von Vorräthen besonders geeignet. Es ermöglichte den 
Uferwechsel und konnte als Debouche-Punct eines aus Ungarn am 
rechten Oder-Ufer vorrückenden Corps nützlich werden, niusste 
ausserdem aber auch in Rücksicht gezogen werden für den even- 
tuellen Anmarsch polnischer Hilfsvölker, wenn, wie man damals 
hoffte, der Churfurst von Sachsen, König von Polen, sich zu Gunsten 
Oesterreichs erklären und activ am Kriege sich betheiligen würde. 

Unter allen Umständen war der Verlust Ohlau's schwerwiegend 
und die Wichtigkeit des Platzes wurde von den Preussen sofort 
durch Anlage bedeutender Magazine und Depots ausgenützt. 

Oberst Baron Formentini muss aber selbst gefühlt haben, 
dass diese Uebergabe, bei welcher zwar die Truppe, nicht aber das 
Object gerettet worden, doch wohl nicht zu rechtfertigen sei, denn 
er suchte um Urlaub nach, den ihm FML. Browne auch ertheilte 
und resignierte im Monate Februar ,,gebrechlichkeitshalber' ; auf 
seine Charge. Oberst Baron Hagenbach vom Regimente Wurm- 
brand, luterims-Commandant in Kufstein, erhielt in Folge dessen 
das Commando des Harrach'schen Infanterie-Regiments. 1 ) 

Am Vormittage des 9. Januar kam der König in die Vorstadt, 
wo ihn ein von Wien kommender Courier traf 2 ) und nahm gegen 



*) Die Sache wird erklärlicher, wenn man annimmt, dass FML. B r o w n e 
diesen Stabsofficier, den er ursprünglich zum Commandanten von Ohlau be- 
stimmte, nicht genügend gekannt habe. Darauf deutet auch ein Erlass des 
Hof-Kriegsrathes vom 4. Januar an Brown e, worin demselben aufgetragen 
wird : „In Ohlau nicht mehr Besatzung als unumgänglich nothwendig zu be- 
lassen, dann statt des allda befindlichen Obersten, einem Oberstwachtmeister 
oder tüchtigem Subalternen das Commando aufzutragen." (H. K. B. Begist.- 
Prot. 1741, Folio 20.) In Folge dieses Erlasses erfolgte dann der Auftrag an 
Piccolomini, die Commandanten zu wechseln, was aber nicht mehr 
gelang. 

2 ) Wie verworren zu dieser Zeit die Verhältnisse noch lagen, bewe 
unter anderem auch die fortdauernde Berichterstattung an den König von 
Preussen seitens seiner Gesandten in Wien, während in Schlesien schon der 
Kriegszustand herrschte. Der oben erwähnte Courier, vermuthlich der 
preussische Kriegsrath Kirch eisen, für dessen Absendung am 6. Januar 
der preussische Gesandte Graf Gotter einen Pass angesucht hatte, kam von 
Wien und zwar musste er, um zum Könige zu gelangen, die österreichischen 
Linien passieren. Zu dieser Zeit weilten in Wien noch die beiden Gesandten 
des Königs, Gotter und Borcke. Als sie nun Mitte Januar diese Haupt- 
stadt verlassen mussten, schlugen sie nicht die Boute über Dresden iiu. 
sondern reisten direct [zum Könige nach Schlesien über Olmütz, wobei 
die österreichischen Stellungen und Trupp eir-Versammlungsorte berührten, 



80 

11 Uhr mit etwa 2000 Grenadieren bei dem Brieg'schen Thore 
Aufstellung. 

Der Commandant des Platzes, Oberst Baron Formentini, 
marschierte mit seiner Garnison von 350 Mann ans diesem Thore 
ab, der Truppen-Colonne folgten die Bagagen. Von den Abziehenden 
desertierten 80 bis 100 Mann theils sogleich, theils während des 
Marsches und traten in preussische Dienste. 1 ) 

König Friedrich IL führte sodann die Truppen in die 
Stadt, ritt auf das Schloss und rückte mit dem Infanterie-Kegi- 
ment Jeetze, drei Grenadier-Bataillonen, zwei Escadronen Schulen- 
burg-Grenadieren, 1 Escadron Gensdarmen und vier schweren Ge- 
schützen nach dem 14 Kilometer entfernten Klein-Oels, wo das 
königliche Hauptquartier vom 9. bis zum 10. Januar blieb. 

Den GM. v. Kleist detachierte er mit dem Infanterie- 
Eegimente Graevenitz, zwei Grenadier-Bataillonen Wylich 2 ) und 
Düring, zwei Escadronen Schulenburg-Grenadieren und 2 Esca- 
dronen Bayreuth-Dragonern zur Einschliessung von Brieg. König 
Friedrich selbst traf am 10. Januar in Grottkau ein. 

Ein Hauptmann mit einer Grenadier-Compagnie wurde als Be- 
satzungstruppe für Ohlau bestimmt. 

Die Kämpfe um Ottmachan. 3 ) 

FM. Graf Schwerin hatte am 6. Januar die Gegend von 
Frankenstein erreicht, E-ecognoscierungen über die Stellung des 
B r o w n e'schen Corps vornehmen und am 7. die Truppen rasten 
lassen. Am 8. gelangte er bis in die Linie Liebenau-Lindenau- 
Münsterberg. Beim weiteren Vorrücken an die Neisse, das am 9. 
von Lobedau, Lindenau und Kamnig in der Eichtung auf Ottmachau 
erfolgen sollte, musste es nun zum Zusammenstosse mit den öster- 
reichischen Truppen kommen. 

Die Positionen, welche die Brown e'schen Truppen am 9. Januar 
einnahmen, hatten sich seit 7. nicht wesentlich geändert. 1 ) 

Nach Abgabe von 1 Bataillon Browne und 3 Compagnien 
Grünne zur Verstärkung der Besatzung der Festung Neisse, ver- 
fügte der commandierende General noch über die 5 Grenadier- 



') König Friedrich IL soll den abziehenden Mannschaften Geld geboten 
haben für den Uebertritt. Beweise für diese Erzählung finden sich nicht vor. 

2 ) Eine Compagnie des Bataillons war, wie erwähnt, in Ohlau zurück- 
geblieben. 

3 ) Siehe Tafel III. 

4 ) Siehe S. 72 und Tafel II. 



81 

Compagnien der Regimenter Franz Lothringen, Harrach, Browne 
und Grünne, welche zu Ottmachau standen, dann über 2 Bataillone 
Franz Lothringen, 2 von Harrach, 1 von Browne und das Liechten- 
steinische Dragoner-Regiment ; ausser den Grenadier-Compagnien 
zusammen etwa 2500 Mann zählend. x ) 

Fünf Escadronen Liechtenstein-Dragoner standen auf der 
Strasse von Ottmachau nach Frankenstein in Ellguth und Sarlowitz, 
die erwähnten fünf Grenadier-Compagnien in oder bei Ottmachau. 
Mit der Position von Ottmachau wurde der Zweck verfolgt, die 
Neisse-Brücke zu vertheidigen ; zur Hand standen am rechten Ufer 
dieses Flusses in Stübendorf, Mösen, Brünschwitz und Würben 
2 Bataillone von Harrach; ob die übrigen Truppen, über die Brown e 
noch verfügte, am 9. Januar aus ihren Stellungen vom 7. Januar 
näher an die Strasse Ottmachau-Weidenau, um ä portee zu sein, 
gezogen worden waren, ist nicht vollständig constatiert, aus einer 
Aufzeichnung lässt es sich jedoch annehmen. 2 ) 

Am 9. Januar gegen acht Uhr Morgens setzten sich die Truppen 
des FM. Grafen Schwerin in Marsch. Sie bestanden unter den 
Generalen Bredow und La Motte aus den Infanterie-Regi- 
mentern Kleist, zwei Bataillonen Markgraf Heinrich, den ersten 



>) Vom 1. November 1740 (zu welchem Termin das „Militärjahr" begann), 
war der Stand der Infanterie-Eegimenter von 2300 Mann auf 2000 Mann 
herabgesetzt worden und zwar durch Verminderug des Standes der Füsilier- 
Compagnien von 140 auf 120 Mann. Die Grenadier-Compagnien hatten den 
Stand von 100 Mann beibehalten (K. A.; Hofkriegsräthliche Acten, 1711; II, 3.) 
Aber auch diesen Stand erreichten die Eegimenter im Laufe des Winters und 
auch im Frühjahre trotz der fortgesetzten Werbungen nicht. Die Standesziffern, 
welche die im Felde stehenden Infanterie-Regimenter später aufwiesen, variierten 
zwischen 1300 bis 1900 Mann. Die Bataillone des schlesischen Corps, die 
damals an der Neisse standen, müssen aber bedeutend unter dem SoUstande 
gewesen sein und können mit dem Dragoner-Regimente, von dem ja auch 
schon detachiert war, nicht mehr als höchstens 2500 Mann betragen haben. - 
Am 20. Januarhabe Browne, nach einem Briefe Lentulus' an Secken- 
dorff, in Jägerndorf 2000 Mann Infanterie und das Liechtenstein'sche Dragoner- 
Regiment gehabt, damals waren aber schon weitere Abtheüungen von Grünne 
beim Corps eingetroffen. Ein anderer zeitgenössischer Bericht vom 25. Januar 
sagt ebenfaUs: „Browne sei höchstens 2000 Mann stark." (H. H. u. St. A. . 
Geschriebene Zeitungen, Fase. 17.) 

2 ) Fähnrich Lutsch vernimmt im Bro\vne : schen Hauptquartier in 
Neustadt, dass die Bataillone und das Cavallerie-Regiment zwischen der 
Festung Neisse und dem Schlosse von Ottmachau vertheilt gelegen und hat 
dies in seinem Tagebuche aufgezeichnet. (Entfernung beider Orte 11 Kilo- 
meter; K A., Böhmen 1711; XIII, 2.) 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 6 



82 

Bataillonen der Regimenter Sydow und Schwerin und dem Regiment 
zu Pferde Prinz Friedrich. 

Die Avantgarde war gebildet aus einer Abtheilung Husaren, 
50 Pferden vom Reginiente Prinz Friedrich und einem aus Mann- 
schaften sämmtlicher Bataillone zusammengesetzten Detachement 
von 200 Mann. 

Die Husaren giengen gegen Ellguth vor ; mit den übrigen 
Truppen der Avantgarde trat Schwerin den Marsch in gleicher 
Direction über Matzwitz an, während die Infanterie des Gros von 
ihren Rendezvous-Plätzen aus folgte. 

Die in Ellguth und Sarlowitz gestandenen fünf Escadronen 
Liechtenstein-Dragoner hatten sich bei Annäherung der preussischen 
Avantgarde zurückgezogen. Hinter letzterem Orte wurden sie von 
dem Husaren-D etachement angegriffen, in der Absicht, sie bis zum 
Herankommen des Gros der preussischen Cavallerie festzuhalten. 
Bei dieser Melee blieben der preussische Husaren-Lieutenant 
Milowitz und ein Husar, ein Unterofncier wurde verwundet. 
Die Dragoner verloren in diesem Rencontre zwei Mann und zogen 
sich langsam und in steter Gefechtsbereitschaft auf das rechte Ufer 
des Neisse-Flusses zurück, wo sie von Abtheilungen des Regiments 
aufgenommen wurden, welch' letztere sodann auch durch preussische 
Infanterie Feuer erhielten. 

Zur Deckung dieses Rückzuges griffen nun, da inzwischen die 
preussische Infanterie auf dem Gefechtsfelde angelangt war, die in 
Ottmachau stehenden fünf Grenaclier-Compagnien in das Gefecht 
ein. Hauptmann Friedrich Carl Baron Müffling von Grünne 
commandierte dieselben. 

Welche Instruction derselbe bezüglich dsr Stellung bei Ott- 
machau von FML. Grafen Brö w n e erhalten hatte, ist nicht bekannt; 
zu vermuthen steht, dass er den Neisse-Ueb ergang vertheidigen, 
die Cavallerie aufnehmen und sich dann selbst zurückziehen sollte. 
Das Gefecht dürfte von Sarlowitz aus sich rechts von der Strasse 
nach Ottmachau über die Wiesen direet gegen die Neisse-Brücke 
gezogen haben. Dadurch scheint die österreichische Infanterie 
tourniert, in der Stadt festgehalten und von der Neisse-Brücke 
abgedrängt worden zu sein. *■) 



*) ,,Le regirnent de Kleist füt commande pour faire Je tour de la ville 
et se saisir an plus vite du grand pont." Lettre* d'un officier prussien. 

„Hierauf wurden fünf Grenadier-Compagnien in das Schloss geworfen und 
der Rest der Cavallerie und Infanterie zurück gegen die Festung Neisse ge- 
zogen." Lutsch' Tagebuch. K. A. Böhmen 1741, XIII. 2. 



83 

Auch die an der Brücke jenseits der Neisse stehende öster- 
reichische Infanterie betheiligte sich am Feuergefechte, wobei drei 
Mann blessiert wurden. l ) 

Das Regiment Kleist, das bei seinem Vorrücken gegen die 
Neisse-Brücke Gewehrfeuer aus dem Schloss erhalten, hatte bereits 
einige Verluste erlitten. Es wendete sich nun gegen die Stadt, 
gegen die von Norden her auch das Regiment Markgraf Heinrich 
rückte. Nach einigen Kanonenschüssen gelang es, die Thore zu 
sprengen und Abtheilungen des Regiments Kleist drangen zuerst, 
nach heftiger Gegenwehr seitens der Oesterreicher in das Städtchen 
Ottmachau, während sich die Vertheidiger in das Schloss zurück- 
zogen. 2 ) 

Die nun nach und nach anlangenden drei preussischen 
Bataillone (Regiment Kleist und zwei Bataillone Markgraf Heinrich) 
nisteten sich in jene Häuser und Strassen ein, welche am wenigsten 
dem Feuer seitens der Vertheidiger des Schlosses ausgesetzt waren. 

FM. Graf Schwerin liess acht Feldgeschütze gegen das 
Thor des Schlosses richten, um dasselbe einzuschiessen, was mit 
den dreipfündigen Geschützen jedoch nicht gelang. 

Mehrere Verwundungen kamen preussischerseits hiebet vor. 
Ingenieur-Major de Rege ward tödtlich getroffen. 3 ) 

FM. Schwerin befahl nun einem Lieutenant des zweiten 
Bataillons Markgraf Heinrich, mit den Zimmerleuten gegen das 
Schlossthor vorzugehen und dasselbe zu sprengen. Auch dieser 
Versuch, bei welchem fast alle Zimmerleute verwundet wurden, miss- 
lang und der Officier musste auf S c h w e r i n's Befehl zurückgehen. 

Auf beiden Seiten wurde das Feuer nun eingestellt und am 
Nachmittage sendete Schwerin seinen Adjutanten, Major 



: ) Nacli Lutsch' Tagebuch. 

-) Dieses Schloss war übrigens nur ein mit Graben umgebenes Gebäude 
festerer Bauart. Zeitgenössische Berichte schildern es wie folgt: „Qual pero 
non e che ima semplice casa die campagna circondata di fosso de cardinale 
Zinz endorff." Nach Capello's Bericht vom 21. Januar 1741. — „Die 
Garnison von diesem Ort, so eigentlich nur ein Lustschloss des Bischofs von 
Breslau sein soll, ist zu Kriegsgefangenen gemacht worden." Geuder, 
Berichte an den Prinzen von Oranien, herausgegeben von Christian Heye r, 27. 
— Die Sclüesische Kriegs-Fama, Beilage Nr. 4, 21 und 22, sagt, dass das 
Schloss „mit einer dicken Mauer und sogenanntem Zwinger umgeben ist", 

3 ) Lettres. — Zehn Mann, nach dem „Tagebuche eines Officiers der 
Armee Friedrich d. Gr." in „Materialien zur Geschichte des ersten sclilesisclu'n 
Krieges". Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges. 
XIX. Major de Rege erlag am 10. Januar seinen Wunden. 

6* 



84 



v. B u g g e n li a g e n, mit seinem Tambour an das Schlossthor, um 
die Garnison zur Uebergabe aufzufordern. 

Dieser Stabsofficier wartete dort lange vergeblich auf Antwort 
und kehrte endlich unverrichteter Dinge zurück, worauf der Feld- 
marschall denselben noch ein zweites Mal zum Schlosse schickte. 
Bei dieser Gelegenheit soll auf Major v. Buggenhagen Feuer 
gegeben, dessen Pferd verwundet und dem Tambour die Trommel 
durchgeschossen worden sein. r ) 

Diese allerdings dem Kriegsgebrauche nicht entsprechende 
Handlungsweise wurde von den Officieren der Garnison bedauert 
und als der Fehler eines neuen und unwissenden Unterofnciers 
entschuldigt. 2 ) 

Während der Nacht liess FM. Schwerin den grössten Theil 
der Truppen in der Stadt in Gefechtsbereitschaft, während die 
übrigen in den nächsten Dörfern cantonnierten. 

Am 10. Januar wurde die Beschiessung des Schlosses aus 
Feldgeschützen fortgesetzt. Die Besatzung ohne Artillerie unter- 
hielt lebhaftes Gewehrfeuer auf die Angreifer. 

Da indessen das Artilleriefeuer doch bereits zahlreiche Be- 
schädigungen an den Mauern des Schlosses verursacht hatte, sendete 
Hauptmann Baron Müffling zwei Offi eiere mit Capitulations- 
Anträgen zum Feldmarschall. Der Commandant gedachte gegen 
Uebergabe des Schlosses für die Garnison den freien Abzug zu 
erwirken und sie so der Armee der Königin zu erhalten. 

FM. Graf Schwerin behielt diese Officiere zurück und sandte 
dagegen bis zur Erledigung der Verhandlungen seinerseits einen 
Hauptmann in das Schloss, da er in der Angelegenheit keine selbst- 
ständige Entscheidung treffen, sondern diese dem Könige, dessen 
Hauptquartier sich an jenem Tage in Grottkau befand, überlassen 
wollte. 

Auch der 11. Januar vergieng, ohne dass die Unterhandlungen 
weitere Fortschritte gemacht hätten. Friedrich II. kam an 



2 ) Die Erzählung in der „Schlesischen Kriegs-Fama", VII, 39 (ein ab- 
gedruckter Brief vom 10. Januar 1711 eines Herrn v. Sebottendorf, welcher 
wahrscheinlich als Marsch-Commissär im preussischen Hauptquartier anwesend 
war), weicht von jener in „Kriege Friedrich d. Gr." und in den „Lettres" in- 
sofern ab, als nach letzteren Major v. Buggenhagen nur einmal beim 
Schlossthor gewesen wäre. Die „Schlesische Kriegs-Fama" sagt, dass beim 
zweiten Male, als der preussische Stabsofficier erschien, „auf ihn zu drei- 
malen Feuer gegeben worden". 

2 ) Lettres. 



85 

diesem Tage mit seinen Truppen in die G-egend von Neisse und 
nahm Quartier in Nowag, acht Kilometer von Ottmachau. Er 
schrieb am Nachmittage dieses Tages an S c h w e r i n, dass er ihm 
die Kanonen und Mörser sende, über deren Gebrauch gegen das 
Schloss er genaue Weisungen erth eilte ; eine Uebergabe solle Hin- 
auf Gnade und Ungnade stattfinden. Auch werde er Jäger schicken, 
welche mit ihren gezogenen Carabinem die Fenster des Schlosses 
unter Feuer nehmen könnten. An die Soldaten solle Fleisch, 
Wein und Branntwein vertheilt werden, um sie bei guter Laune 
zu erhalten. 1 ) 

In der Nacht langten die in Aussicht gestellten Geschütze: 
zwei Zwölfpfünder und zwei fünfzigp fündige Mörser an und 
Schwerin traf noch in der Nacht alle Anordnungen, um bei 
Tagesanbruch die Beschiessung zu beginnen. 

Am frühen Morgen des 12. Januar kam jedoch König 
Friedrich II. selbst nach Ottmachau und liess dem Comman- 
danten des Schlosses eröffnen, class er nur auf Basis der Uebergabe 
als Kriegsgefangene verhandeln werde. 

Nachdem dies in Anbetracht der Aussichtslosigkeit fernerei 
Vertheidigung in Folge des Mangels an Lebensmitteln und Munition 
und da auch das nach dem Schlosse führende Böhrennetz der 
Wasserleitung durch die Preussen abgeschnitten war, von Seite 
der Garnison zugestanden worden, kam die Capitulation in der 
AVeise zu Stande, dass der Besatzung der Ausmarsch aus dem 
Schlosse unter klingendem Spiel und mit geschultertem Gewehr 
bis zu dem Platze, wo sie die Waffen abzulegen hatte, zugestanden 
wurde. Die Oberofficiere sollten ihre Waffen behalten. 2 ) 

Die fünf Grenadier- Compagnien zogen in Folge dessen am 
Nachmittage des 12. Januar mit klingendem Spiele aus dem Schlosse 
auf den Marktplatz, wo drei preussische Bataillone standen, welche 
bei ihrer Ankunft präsentierten. Sodann legte die Mannschaft die 
Waffen nieder. 

Die capitulierenden Compagnien hatten den folgenden Stand : 
2 Comp, von Franz Lothringen . 1 Capitain, 3 Lieut., 100 Mann 

1 „ Harrach 1 „ 2 „ 92 .. 

1 „ Browne 1 „ 2 .. 62 „ 

1 „ Grünne 1 2 „ IG 



Summe . . 4 Capitains, Lieut.. 330 Mann. 



J ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 261. 

2 ) Wortlaut der Capitulation, Anhang XII. 



86 

Blessiert waren von Lothringen ein Mann, von Harrach ein 
Mann, von Grünne ein Mann todt, einer blessiert. Der preussische 
Verlust betrug einen Ofncier und acht Mann todt und mehrere 
verwundet. 

Die Gefangenen wurden über Striegau, Jauer, Liegnitz auf 
Berlin dirigiert. x ) 

Der preussische Hauptmann v. Grumbkow reiste ohne Es- 
corte mit den kriegsgefangenen Ofncieren nach Cüstrin ab. 2 ) 

Dass die Königin Maria Theresia mit der Haltung des 
Commandanten dieser Compagnien, dem Hauptmann Baron 
Müffling, zufrieden war, geht aus dem noch im nämlichen 
Jahre demselben ,,in Anbetracht früherer und auch laut der hierüber 
in dem Herzogthume Schlesien eingelangten Zeugnisse zur voll- 
ständigen Zufriedenheit geleisteten Dienste" bei seinem Regimente 
verliehenen Oberstwachtmeister-Charakter hervor, dem im Jahre 
1746 die Ernennung zum wirklichen Major folgte. 3 ) 

Bei dem gänzlichen Mangel an Berichten der bei der Affaire 
von Ottmachau direct Betheiligten ist es sehr schwer, sich ein 
richtiges Bild über die Beweggründe zu machen, welche die Be- 
setzung dieses Punctes veranlassten. 

Wohl mit Grund ist anzunehmen, dass FML. Graf Browne, 
welcher nach einer Nachricht bis zur Annäherung des preussischen 
Corps selbst in Ottmachau sich aufgehalten haben soll, 4 ) die 
Grenadier-Compagnien im Vereine mit den Dragonern beauftragt 
habe, die hinter der Stadt Ottmachau liegende Brücke über die 
Neisse zu behaupten und ein Vordringen der Preussen über den 
Fluss so lange als möglich zu verhindern, umso mehr, da er, ohne 
Artillerie und kaum 2500 Mann stark, mit einem bedeutenden zu 
bergenden Train belastet gewesen sein dürfte. Er hoffte dabei wohl. 



J ) K. A., Schlesien und Mähren 1741, I, ad -4, und H. H. u. St, A.. Staats- 
kanzlei 14-b. Bericht Denieradt's vom 21. Januar 1741. 

2 ) „Lettres." 

s ) K. A., Schlesien 1741, X, 47. — Das Ernennungs-Decret vom 13. Mai 
1746 enthält den Passus: „bei allen Vorfallenheiten erwiesenen Vernunft, 
Tapfer- und Geschicklichkeit". Ebendaselbst, Bestallungen 1746. Der Hof- 
Kriegsrath hatte mit Erlass vom 25. Januar zur Kenntniss genommen, dass 
die Grenadier-Compagnien sich „der einberichteten Umstände 
halber" zu Kriegsgefangenen ergeben. K. A., H. K. R. 1741. Prot, Reg. 
Fol. 164. Der Bericht selbst fehlt. 

4 ) „Sohlesische Kriegs-Fama", VII, 37 u, 38. 



87 

dass nur die preussischen Spitzen an jenem Tage in das Gefecht 
eingreifen und er sich nicht so bedeutenden Kräften gegenüber- 
gestellt sehen würde. 

Immerhin war die Verteidigung des Schlosses von Ottmachau, 
wenn die beiderseitigen Stärkeverhältnisse in Betracht gezogen 
werden, für die österreichischen Truppen und ihren Commandanten 
nicht ohne Ruhm, was der Gegner durch die Bemerkung in der 
Capitulation selbst mit den Worten anerkannte : 

„Ihro Königliche Maj estät wüssten gar wohl, auf was Art man 
ehrliche brave Leute tractieren müsse." J ) 

Auch die politische Situation war noch zu wenig geklärt und 
in gewisser Beziehung nicht ohne Einnuss auf die militärischen 
Massregeln. 

Auf das bei der Einrückung in Schlesien verbreitete preussische 
Patent, 2 ) von welchem der österreichische Hof erst am 20. December 
1740 ein einziges Exemplar durch den in Glogau commanclierenden 
FML. Grafen "Wallis erhalten hatte, war am 30. December ein 
Circular an die auswärtigen Missionen ergangen, worin das Wiener 
Cabinet die entschiedene Erklärung gab, dass der preussische Ein- 
marsch nicht mit seinem Einverständnisse geschehe, wie es von 
preussischer Seite ausgesprengt und hie und da geglaubt werde. 3 j 

Unter dem Drucke der Verhandlungen, die aber trotzdem in 
Wien bis zum 5. Januar 1741 fortgeführt wurden, litten jedenfalls 
auch die Weisungen an die Generale. 

Die schwierige Lage, in welcher sich das österreichische ,,In- 
terims-General-Militär-Commando" in Schlesien zu jener Zeit befand, 



J ) Der Commandant Hauptmann Baron Müffling scheint übrigens 
vorn FML. Browne Auftrag erhalten zu haben (vermuthlich durch einen 
arn 11. Januar mit Befehlen an ihn abgesendeten Postillon), auf eine Capi- 
tulation (wahrscheinlich gegen freien Abzug) einzugehen. (K. A., H. K. R. 
Prot. Reg. 15. Januar 1741. Fol. 93 und Lutsch' Tagebuch. K. A., Böhmen 
1741 ; Fase. XIII, 2.) 

'-') Siehe Anhang 1/2. 

*) „Just von darum also ist in der doppelten Absicht, wie obvermeldet. 
und um zugleich die schlesischen Inwohner ganz irr zu machen, nebst obigen 
Freundschafts-Versicherungen der bekannte G o 1 1 e r anher gesendet worden 
und zugleich ein in höchster Geheim zu Berlin gedrucktes, allschon den ersten 
hujus datiertes Patent zum Vorschein gekommen : worin unter anderem ver- 
sichert wird, dass der Einmarsch mit Unserer Einwilligung und Einverständnis s 
geschehe und mit Uns in wirklicher Handlung und Correspondenz man ab 
Seiten Preussen darüber begriffen sei." (H. H. u. St. A., Circulare an die Gesandten 
ddto.Wien 30. December 1740. Fase. 36. Circularien an die Missionen.) 



88 

darf bei Beurtheilung der Verhältnisse nicht ausser Acht gelassen 
werden, denn FML. Graf Browne war der lebhaften Offensive 
des preussischen Heeres gegenüber, in Anbetracht seiner kärglichen 
Mittel, wahrlich nicht auf Rosen gebettet. 

Die Kämpfe um Ottmachau bieten in tactischer Hinsicht 
wenig Interesse; einen geschichtlichen Merkstein bilden sie jedoch, 
da hier zum ersten Male im Beginne einer langen Reihe von Kriegs- 
jahren die Gegner die Klinge kreuzten und politisch, wie militärisch 
sind sie wichtig, weil, nach dem Verluste von Ottmachau, durch 
die mit Glück ausgeführten combinierten Bewegungen, Nieder- 
Schlesien bis an den Neisse-Fluss, mit Ausnahme von Glogau und 
Brieg, sowie jenseits der Oder Namslau, nunmehr von dem preussischen 
Heere oceupiert war und vorläufig diesseits der Neisse im freien 
Felde kein eigentlicher Widerstand mehr der Invasions-Armee ent- 
gegengestellt werden konnte. 

König Friedrich H. vermochte daher zu der Blokierung 
und Belagerung der festen, noch im österreichischen Besitze befind- 
lichen Plätze zu schreiten und den Versuch zu machen, dieselben 
vor dem Abmärsche einer Entsatz-Armee in seine Gewalt zu bringen. 

FML. Graf Browne hingegen hatte nach dem Gefechte bei 
Ottmachau sein kleines Corps bei der Festung Neisse versammelt 
und trat den Rückzug nach Jägerndorf an. Am 11. Januar befand 
sich das österreichische Hauptquartier bereits in Neustadt. 

Die Truppen des FM. Schwerin blieben in und bei Ott- 
machau, ausser den Regimentern Kleist und Markgraf Heinrich. 
welche am 13. Januar auf das rechte Neisse-Ufer giengen, wohin 
auch das Regiment zu Pferde Prinz Friedrich marschiert und nach 
Brünschwitz vorgeschoben worden war. Die Truppen, welche unter 
König Friedrich selbst herangerückt waren, nahmen auf dem 
linken Neisse-Ufer gegenüber der Festung Stellung, nachdem schon 
am Tage vorher einzelne Abtheilungen derselben den Kaninchen- 
berg, eine nordwestlich der Festung gelegene Höhe besetzt hatten. 

Angriff auf die Festung Neisse. 

Der Commandant von Neisse, Oberst Baron Roth, hatte, 
nachdem sich am «».Januar preussische Cavallerie am linken Neisse- 
Ufer zeigte, die Bürgerschaft auf's Neue den Eid der Treue für die 
Königin Maria Theresia ablegen lassen, am 11. die Festung- 
gesperrt und am 1-2. Januar, als preussische Truppen, wie erwähnt, 
den Kaninchenberg besetzt hatten, auch die auf dem rechten 



89 

Fluss-Ufer befindlichen Vorstädte abbrennen lassen, während die am 
linken Ufer befindliche Vorstadt „die Mührengasse" noch erhalten 
blieb. 1 ) Die Festungs-Wälle liess Roth mit "Wasser übergiessen. 
das siclr bei dem starken Froste alsbald in eine Eisdecke ver- 
wandelte, die Gräben wurden durch Aufeisen offen gehalten. 

Nachdem am 13. Januar einzelne preussische Abtheilungen 
bei Ottmachau die Neisse überschritten und am rechten Ufer gegen 
die Festung vorgegangen waren, wurde die Recognoscierung am 
14. fortgesetzt. 

Am andern Ufer von der Stellung des Kaninchenberges zur 
Jerusalemer-Kirche vorgeschobene preussische Abtheilungen mussten 
diese Position in Folge des Feuers aus der Festung aufgeben. 

König F r ie d r i c h, der sein Hauptquartier in Ottmachau ge- 
nommen hatte, liess am 15. Januar noch das Infanterie-Regiment 
Schwerin auf das rechte Neisse-Ufer übergehen, um den Platz zu 
cernieren. Ein Bataillon des Regiments kam nach Bielau, das 
andere nach Wischke. Am linken Ufer standen vier Bataillone und 
drei Escadronen. 

Die Recognoscierungen hatten die Unmöglichkeit einer Er- 
stürmung der Festung klargelegt. Nachdem aber eine Belagerung 
in Folge des strengen Winters unthunlich war und man eine lang- 
Avierige Cernierung vermeiden wollte, so blieb nur der Versuch, 
die Festung durch Beschiessung zur Uebergabe zu bewegen. 2 ) 

Dem König von Preussen lag ja in jener Zeit vor Allem 
daran, Nieder-Schlesien mit allen seinen festen Plätzen in Besitz zu 
nehmen, um dann auf Grund des uti possidetis verhandeln zu 
können. Dieser Grund und die bisherigen raschen und glücklichen 
Erfolge erklären auch die etwas übereilte und nicht genügend vor- 
bereitete Unternehmung gegen die Festung. 

Ein Artillerie-Commando von 3 Officieren, 518 Mann und 844 
Pferden, dann 18 schweren Geschützen mit 154 Fuhrwerken unter 
Führung des Majors von Merkatz war am S.Januar von Glogau 
aufgebrochen und am 15. oder 16. Januar vor Neisse eingetroffen. 
Sieben dieser Geschütze wurden an FM. S c h w e r i n und 4 an 
GM. v. Jeetze nach Namslau abgegeben. 

Die Batteriebauten auf den Anhöhen am linken Neisse-Ufer 
konnten in dem hart gefrorenen Boden erst am 19. Januar voll- 
endet werden. Die Beschiessung begann in Folge dessen am 

') Siehe den Plan von Neisse, Tafel III. 
2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 268. 



90 

Vormittage dieses Tages und dauerte bis zum Morgen des 20. Die 
Festung antwortete mit kräftigem Feuer. In der Stadt durch die 
Bescliiessung entstandene Brände wurden bald wieder gelöscht. 

Nach einer vergeblichen Aufforderung zur Uebergabe setzten 
die Preussen am Nachmittage des 20. die Beschiessung wieder fort. 

Während der Nacht und im Laufe des folgenden Tages liess 
König Friedrich IL vier 18pfünclige Haubitzen und vier 
50-pfündige Mörser näher an die Festung placieren, um Brandkugeln 
in die Stadt zu werfen, wozu um Mitternacht das Feuer wieder 
eröffnet und durch neun Stunden fortgesetzt wurde. Allein auch 
diese Beschiessung führte zu keinem Ziele, da der im nördlichen 
und nordwestlichen Theile der Stadt verursachte Schaden nicht gar 
bedeutend war. Der Verlust der Besatzung betrug einige Mann, 
jener der Preussen 1 Unterofncier und 4 Mann vom Eegimente 
Derschau und 1 Husar. Aus Neisse waren etwa 800 Kanonenschüsse 
gefallen, die Preussen hatten 1772 Geschosse in die Stadt geworfen. l ) 

Die Beschiessung wurde am 21. Januar ganz aufgehoben und 
König Friedric h beschloss, die um Neisse versammelten Truppen 
grösstentheils in Winter-Quartiere zu verlegen, die Festung aber 
eingeschlossen zu halten. Am Nachmittage des 22. wurden die 
Geschütze aus den Batterien entfernt und die Batterie-Bauten 
zerstört ; am 23. begann der Abmarsch der Truppen. 2 ) 

Rückmarsch des FML. Grafen Browne und die Yertheidigungs- 

Massnahmen in Mähren. 

Während die preussischen Truppen Nieder-Schlesien bis an 
die Neisse invadiert hatten, wurden in Mähren die Vertheidigungs- 
Anstalten mit Eifer in das Werk gesetzt, um dem Gegner den Eintritt 
in diese Provinz zu wehren und den Aufmarsch der in der Formierung 
begriffenen Operations-xArmee, sowie die Anlage der nothwendigen 
Magazine zu sichern. 

Für die mährische Grenze war ein ausgedehntes Cordon-System 
geplant. Erlässe der Königin ergiengen am 14. und 15. Januar 
an die Landes-ßegierung in Brunn, welche den Befehl enthielten, 
die Grenze gegen Friedek bis Goldenstein (15 Meilen Luftlinie) 
mit Landbevölkerung in der Stärke von 2000 Mann zu besetzen, 



*) „Neisse hat viel gelitten, seine Haltung war über alles Lob eivhaben," 
sehrieb FML. Graf Browne am 29. Januar aus Weisskirchen an .GrFWM 
Grafen Piccolomini. (JFürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv). 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I. 368 u. ff. 



91 

um Mähren gegen die feindlichen Streifungen zu schützen 
und die im Lande in der Errichtung begriffenen Magazine zu 
sichern. Zu diesem Zwecke sollte in der genannten Strecke 
ein Cordon gezogen und beherztes Landvolk zu dessen Be- 
setzung unverzüglich aufgeboten werden. Mit Waffen und Muni- 
tion würde dasselbe betheilt werden. Sobald einige hundert 
Mann beisammen, sollten diese sofort abgesendet und das regste 
Einvernehmen mit FML. Graf Browne gepflogen werden. Die 
Hauptgruppen seien in vier Orten aufzustellen, jedoch Alles in 
fortlaufender Linie so zu besetzen, dass ein Theil den andern bald 
unterstützen könne. Gleichzeitig hatten Oberstwachtmeister Schmidt 
und Hauptmann Laugen vom Ingenieur-Corps Befehl erhalten, 
sich nach Mähren zu begeben und die Einrichtung dieses Cordons 
zu besorgen. Zu Commandanten sollten womöglich gediente Offi- 
ciere, die im Lande ansässig, bestimmt werden. 

Der Landeshauptmann GrafKaunitz conferierte in Folge 
dieser Befehle am 16. Januar mit den Mitgliedern der Landesregie- 
rung, sowie dem Landes-Ausschusse und lud zu dieser Conferenz von 
Militärs auch den commandierenden General in Mähren, FML. Grafen 
Zinzendorf, den sich zur Zeit in Brunn befindlichen GFWM. 
Johann Franz St. Ignon und den Ober-Landes-Ingenieur Oberst 
de Peroni ein. Die Olmützer und Prerauer Kreishauptleute er- 
hielten am 17. Januar bereits die erforderlichen Weisungen und 
die Befehle, in den Waldungen Verhaue sogleich anlegen zu lassen ; 
und wo dieselben anzulegen unthunlich, Posten von Landvolk auf- 
zustellen. 

Zu commandierenden Officieren wurden zwei Edelleute aus 
dem Prerauer Kreise, der Freiherr Christoph v. Minkwitzburg 
und Johann v. B arth o dey sky, bestimmt und nach Brunn 
berufen. 

Die obrigkeitlichen Jäger und Heger sollten aufgeboten und 
um Weisskirchen und Leipnik postiert werden. x ) 

Der Commandant der in der Versammlung begriffenen 
Operations-Armee, FZM. Graf Neipperg, weilte in Wien, um 
hier an Ort und Stelle das Anrücken der Regimenter, sowie die 
Bereitstellung der mannigfachen Bedürfnisse persönlich zu betreiben. 
Ueber die aus Schlesien im Rückmarsche befindlichen Truppen, 
sowie über jene, welche in Mähren successive einrücken sollten. 



') Acten der k. k. Stattlialterei in Brunn. 



92 

behielt FML. Graf Bro w n e die Befehlsführung unter der offi- 
ciellen Bezeichnung „Interims-General-Militär-Commando''. 

Als Mittelsperson zwischen sich und der letztgenannten Armee- 
behörde verwendete der Ober-Commandant den GFAVM. Baron 
Lentulus, *) welcher seines besonderen Vertrauens sich erfreute 
und am 7. Januar 1741, nachdem er in Wien den fast täglich statt- 
findenden Conferenzen beigewohnt hatte, mit Vollmachten und In- 
structionen ausgerüstet, zum Corps des FML. GrafenBrowne abreiste.'- 1 

Am 8. in Olmütz angekommen, besprach er dort am fol- 
genden Tage mit dem Kreishauptmann Baron S c h u b i r z die 
Errichtung des Haupt - Magazins, Ankauf von Getreide, Bei- 
stellung des Brodes, hauptsächlich aber die Besetzung der Haupt- 
Grenzpässe mit der Landbevölkerung und die Bildung des Cordons. 
Zu dieser Verhandlung wurden auch der Prerauer Kreishauptmann 
und die Deputierten des Olmützer Magistrats berufen. 

Mit königlichem Rescript vom 17. December 1740 war die 
Errichtung von Magazinen in Mähren bereits anbefohlen und den 
Ständen die Bewilligung ertheilt worden, zur Beschaffung des Ge- 
treides und der Fourage ein Darlehen von 100.000 Gulden auf- 
zunehmen und dieses Capital dem Aerar gegenüber im Contributions- 
fond aufzurechnen; auch gestattete die Königin, dass die Landes- 
einwohner das Getreide und die Fourage um den marktgängigen 
Preis anstatt ihrer Abgaben gegen Bestätigung durch die Kreis- 
Cassen abliefern könnten und die Kreis-Einnehmer wurden beauftragt, 
die eingelieferten Producte statt baaren Geldes anzunehmen. 

Diese Cassen mussten auch das Geld zum Einkauf für die 
Bedürfnisse der Magazine liefern. 3 ) 



1 ) Cäsar Joseph Baron Lentulus war General-Feldwachtmeister seit 
dem 28. April 1738 und stand im December des Jahres 1710 in Oedenburg in 
Garnison. Dort erhielt er den Befehl des Hof-Kriegsrathes, seine Equipage 
zur Armee nach Schlesien abzusenden, selbst aber obne Verzug nach Wien 
sich zu verfügen, wo er auch am 21. December Abends bereits eintraf. Dass 
Lentulus, abgesehen von der ihm anhaftenden Methodik, ein fähiger 
General war, darauf deutet unter Anderem auch König F r i e d r i c h's 
Bestreben, ihn in seinen Dienst zu ziehen. Neipperg schrieb darüber 
an den Grossherzog am 8. August 1741 : „Le roi de Prusse cherche ä 
attirer le general Lentulus dans son Service, je le sais de lui-meme et par 
d'autres voies." (K. A., Mähren und Schlesien 1741, VIII, 36.) 

2 ) Ausser einer offenen Ordre mit der Königin eigenhändiger Unter- 
schrift überbrachte der General noch einen Brief des böhmischen Obrist-Hof- 
kanzlers an den Kreishauptmann. Siehe Anhang XIII. 

3 ) Acten der k. k. Statthalterei in Brunn. 



93 

Der Landes-Ausschuss verbot bei Verlust des Gekauften, den 
Getreide-Ankauf und -Verkauf durcli Händler und verständigte die 
Städte, dass sie sich auf ein Jahr mit sämmtlichen Lebenserforder- 
nissen vzu versehen hätten. 

General Lentulus hatte dem Olmützer Kreishauptmann 
weiter mitgetheilt, dass, nachdem der in Schlesien commandierende 
General beschlossen, die successive ankommende Cavallerie in 
Mähren gegen die schlesische Grenze zu verlegen, in der Gegend 
von "Weisskirchen ein Magazin von rauher Fourage, mit wenigstens 
40.000 Centnern Heu, in Mährisch-Neustadt 30.000 Centner Heu, in 
Olmütz mit 100.000 Centnern Heu und dem nothwendigen Stroh zu 
etablieren nothwendig sei, da sonst die Cavallerie auf dem Lande 
fouragieren müsse. Heu und Stroh sollten an den gewählten Orten 
in Schober gestellt werden. ') 

Aus dem Magazin in Olmütz sollten täglich 36.000 Mund- und 
wenigstens 8000 Pferde-Portionen beigestellt werden, da in sechs, 
längstens acht "Wochen die Operations-Armee in der Olmützer 
Gegend versammelt sein werde. 

Eine Getreidetaxe zur Einlieferung des Getreides wurde mit 
1 fl. 30 ki\ auf den Metzen Korn und 45 kr. auf den Metzen Hafer 
festgesetzt. 

Die Civil-Bäcker erklärten dann nach einer Probebackung, 
täglich 25.000 Portionen gewöhnliches Commissbrod und halb so viel 
Zwieback backen zu können. Zum Zwiebackbacken sollten indessen 
auch eine Anzahl königlicher Proviant-Bäcker verwendet werden. 2 ) 

Der mährische Landesausschuss bestimmte zur Leitung der Be- 
schaffung der Vorräthe für das zu Olmütz zu errichtende Haupt-Maga- 
zin, dann für die Filial-Magazine drei Ober-Proviant-Land-Commissäre 
und zwar für den Brünner und Hradischer Kreis Carl Augustus 
v. G r i e n t h a 1, für den Znaymer und Iglauer Kreis Johann 
Rzikowsky v. Dobrzitz und für beide Olmützer Kreise Max 
Lockner v. Locken au. 

Von Seite der Hofkammer wurden für das Haupt-Magazin und 
dessen Filialen, bis der vollständige Proviant-Stab von Seite der 
Königin ernannt werden würde, der Proviant - Commissär 
Haberle, der Proviant-Verwalter M e i n d 1 und die vier Ofticiere 



x ) Die Orte Mährens, in denen endgütig Magazine aufgestellt wurden, 
sowie die Getreidepreise zu jener Zeit gibt Anhang XIV an. 

2 ) Olmützer Kreishauptmann ddo. Olmütz 11. Januar 1741 an den Landes- 
hauptmann. Acten der k. k. Statthalterei in Brunn. 



94 

W i 1 1 e z, H ü 1 b e r t. Fürst und L e p p delegiert ; zur Anwerbung 
der Bäcker aber der Proviant- Amts-Ofneier Berg und bei dem Fuhr- 
wesen der Fuhrwesens-Ofncier Rudi Assistenz zu leisten bestimmt. 1 » 

Durch eigens bestellte Deputierte (meistens frühere Ofnciere) 
wurde für die Magazine auch der Getreide-Ankauf in den Mähren 
zunächst gelegenen ungarischen Comitaten Neutra, Pressburg und 
Trencsin in das Werk gesetzt. 2 ) 

Die Ablieferungs-Termine für die vom Lande beizustellenden 
Fourage-Lieferungen wurden auf den 15. und letzten Februar, Ende 
März und Ende April festgesetzt. 3 ) 

Am 10. Januar reiste General Lentulus über Sternberg 
wieder ab und langte Abends in Braunseifen an, gieng am 11. nach 
Engelsberg, wo er durch seinen vorausgesandten Adjutanten, 
Fähnrich. Stephan Lutsc h, die Meldung erhielt, dass FML. Graf 
Browne, den derselbe auf seinem Rückmärsche von Neisse in 
Neustadt angetroffen, mit dem Corps am 13. in Jägerndorf ein- 
rücken werde. 

GFWM. Baron Lentul u s begab sich daher über Freudenthal 
dorthin, wo am 13. Vormittags FML. Graf Browne und der 
inzwischen zur Dienstleistung eingerückte GFAVM. H o 1 1 y mit den 
Truppen ankamen. Das Gros derselben blieb concentriert in Jägern- 
dorf, die Escadronen von Liechtenstein-Dragonern standen je 1 in 
Peterwitz, Löwitz, Weisskirch, Grottendorf, Bransdorf, Taubnitz, je 
•2 in Lobenstein, Branitz und Bleischwitz. Eine Escadron wird als 
Train-Escorte vermuthlich schon nach Mähren vorausgesendet 
worden sein. 4 ) 

Am 14. Januar conferierten die Generale mit den politischen 
Beamten über die Bergung der Magazine von Troppau, Jägerndorf 
und Ratibor 5 ), sowie wegen der Anlage von Verhauen. 



1 ) Erlass der Königin an den Landeshauptmann vom 10. Januar. 
Acten der k. k. Statthalterei in Brunn. 

2 ) Die Verfrachtung des Getreides für das Olmützer Magazin wurde den 
Brünner Lohnkutschern übertragen, hiefür sollten sie 10 fl. 30 kr. per Fuhre 
zu vier Pferden mit 30 Centner Ladung erhalten und sechs Tage zur Hin- und 
Rückfahrt verwenden. Dieselben weigerten sich jedoch, um diesen Preis zu 
fahren und erhielten in Folge ihrer Vorstellungen die Bewilligung nur bis 
Wisch.au das Getreide zu führen. 

3 ) Acten der k. k. Statthalterei in Brunn. 

4 j Siehe Tafel II (Dislocation am 13. Januar 17-41). 

f j Königin Maria Theresia hatte dem Amte der Fürstenthümer 
' Ippeln und Ratibor, dann den fürstlichen Regierungen und Aemtern zu Neisse, 



95 

Da zuverlässige Nachrichten einliefen, class die Vorhut des 
S ch we rin'schen Corps bereits in Ziegenhals eingetroffen sei, begab 
sich FML. Graf Browne in Begleitung des GFWM. Baron Len- 
tulus, 'des Landeshauptmannes Baron Trach und des Ingenieur- 
Lieutenants Schub art am 16. Januar nach Freudenthal , um die in 
der dortigen Gegend in Angriff genommenen Schanzarbeiten in Augen- 
schein zu nehmen und persönlich Anordnungen für die Verteidigung 
zu treffen. Ein Detachement vom Regimente Franz Lothringen 
unter Hauptmann v. M eh ring hielt vorläufig Freudenthal besetzt. 1 ) 

Der Vorrath in Jägerndorf und was dahin bestimmt war, bis 
auf eine 14tägige Verpflegung für die Truppen, kam nach den 
oben erwähnten Besprechungen der Generale nach Freudenthal ; 
jener von E-atibor und Troppau nach Grätz, "Wagstadt und Bautsch. 

GFWM. Baron Lentulus hatte sich bei dem Interims- 
Commandierenden seiner in "Wien erhaltenen Aufträge entledigt 
und ihm die Gesichtspuncte entwickelt, welche in den Conferenzen 
zu Wien festgestellt worden waren und welche FZM. Graf Neipperg 
bezüglich der Fortführung der Operationen bis zu seiner Ankunft 
bei der Armee eingehalten wissen wollte. Leider sind diese Fest- 
setzungen nicht in ihrem ganzen Umfange erhalten geblieben. 



Troppau und Jägerndorf anbefohlen, ,,den über die unumgängliche Nothdurtf 
des Landwirthes vorhandenen Vorrath an Getreide, Heu und Stroh durch 
eigene Commissäre zusammenbringen und in das Neisse'sche Gebirge, nach 
Zuckmantel und Freudenthal oder wohin der Commandant Graf Browne es 
für nöthig erachte, überführen zu lassen". Auch von den „untermischten" 
mährischen Dominus hatte dies zu geschehen. Die Landeseinwohner sollten für 
das abgeführte Getreide Quittungen erhalten. (Erlass vom 10. Januar 1741. 
Acten der k. k. Statthalterei in Brunn). 

Am 12. Januar folgte ein erneuerter Befehl, diese Bergung rasch in das 
Werk zu setzen ; die Orte wohin? könne man in AVien nicht angeben, sie seien 
wohl zu überlegen und, falls in Schlesien keine genügende Sicherheit mehr: 
Alles in das mährische Gebirge zu salvieren und sich mit der mährischen 
Landes-Regierung und dem commandierenden General einzuvernehmen. (Erlass 
vom 12. Januar. Ebenda.) 

J ) „Freudenthal ist gegen Zuckmantel mit starken Verhauen, von Seiten 
Jägerndorfs aber bei Spillendorf mit einer Schanzlinie und ebenmässigen Ver- 
hauungen verwahrt und gesperrt; die Verhaue werden von dort bis an die 
ungarische Grenze continuiert. in Ermanglung der Wälder aber die Zugänge 
durch Schanzlinien und Tschardaken gesichert, diese auch bis zur Anrückung 
unserer Regimenter mit Schützen, Hannaken und Walachen besetzt." (Len- 
tulus an Feldmarschall Grafen Seckendorff ddto. Olmütz, 20. Januar 1741 • 
K. A., Mähren und Schlesien 1741 ; XIII, 12 a.) 



96 

Die Femhaltung der preussischen Armee von den mährischen 
Grenzen und die möglichst intacte Zurückführung der vor dem 
Feinde befindlichen österreichischen Truppen in diese Provinz. 
dabei die äusserste Conservierung, waren jedoch Puncte dieses Pro- 
grammes, welche der FZM. Graf Neipperg vorläufig vor Allem 
durchgeführt wissen wollte. Die Sorge um dieselben zieht sich 
durch dessen umfangreiche dienstliche Corresponclenz mit GF"WM. 
B aron Lentulus. 

Am 1 7. Januar reiste Lentulus von Jägerndorf wieder nach 
Olmütz zurück, weil er des vielen im Gebirge gefallenen Schnees 
wegen von dort nicht direct nach Glatz, dem weiteren Ziele seiner 
Inspections- und Informations-Tour, reisen konnte, auch die Anlage 
von Filial-Magazinen in Mährisch-Neustadt und im Prerauer Kreise 
veranstalten wollte. Auf dieser Rückreise begegnete er ausserhalb 
Sternberg dem von "Wien kommenden, zum König Friedrich 
nach Schlesien reisenden, ausserordentlichen preussischen Gesandten 
Grafen Gott er, welcher sich auch mit Lentulus unterhielt. *) 

Nach Olmütz zurückgekehrt, verabredete der General mit dem 
Kreishauptmanne die Anlegung von Verhauen in dem Olmützer 
Territorio bis an den Mora-Fluss ; diese sollten dann vom Prerauer 
Kreishauptmanne Mora-abwärts bis Grätz und von dort bis Mistek 
weitergeführt werden. Zu diesem Zwecke wurde auch ein Landes- 
ingenieur abgeordnet. 

Nach General Lentulus' etwas umständlichem Plan sollten 
die Verhaue unterhalb Zuckmantel anfangen, von Pentsch (Bennisch) 
über Heidenpiltsch, Maywald und Herzogswald auf Bautsch, Grätz, 
Wagstadt und Paschkau führen. 

Wo die "Waldungen unterbrochen und die Verhaue nicht 
weitergeführt werden könnten, sollten Gräben mit Brustwehren 
aufgeworfen und hin und wieder, wo nöthig, einige „Tschardaken" 
(Wach- und Blockhäuser) erbaut werden. 

Um die Vertheidigungs- Anstalten einheitlicher und energischer 
in die Hand zu nehmen, ordnete Maria Theresia die Aufstellung 
einer besonderen Militär-Commission an und nominierte hiezu ausser 
dem Landeshauptmann auch Heinrich Freiherrn v. B 1 u m g e n und 
Georg Friedrich Zialkowsky v. Zi alk o witz, an welche nun 
die Kreishauptleute in Landes-Defensions-Sachen sich ausschliesslich 

J ) Derselbe übernachtete vom 18. zum 19. Januar in Jägerndorf, das 
noch von den Oesterrt ichern occupiert war, reiste dann über Neustadt, wo 
damals FM. Schwerin sein Hauptquartier hatte und traf am 21. bei König 
Priedric h vor Xeisse ein. 



97 

wenden sollten. 1 ) Diesen Delegierten wurden sogar während ihrer 
Amtswirksamkeit die einem Feldmarschall-Lieutenant gebührenden 
Ehrenbezeigungen zuerkannt. 2 ) 

Der Kreishauptmann von Olmütz, Baron S c h u b i r z, hatte in 
Folge der erhaltenen königlichen Befehle und der Besprechungen 
mit General Lentulus die Landbevölkerung von den Eulenberger, 
Carlsberger und Kloster-Herrschaften mit Hacken und Schanzzeug, 
wie auch die herrschaftlichen Jäger und Heger aufgeboten und 
war selbst am 21. Januar nach Hof abgegangen, um den Fortgang 
der Arbeiten und die Organisierung der Landesvertheidigung an 
Ort und Stelle zu betreiben. Nach Lentulus' Plan waren zur 
Formierung des Cordons in dem jedenfalls am meisten durch die 
preussische Unternehmung bedrohten Olmützer Kreise 800 Mann 
zu Fuss und drei Compagnien Cavallerie (222 Reiter) nothwendig. 
Die Fussgänger waren nicht so schwer aufzubringen, dagegen 
war die Idee, aus den Städten und grösseren Märkten durch Stellung 
von 2. 4, 6, 10 und 20 Mann die berittene Mannschaft zusammen zu 
bringen, eine von Hause aus verfehlte. 

Mit der Bewaffnung für die aufgebotene Landbevölkerung 
stand es auch nicht besonders. Der mährische Lande s-Ausschuss 
gab zwar aus seinen Beständen eine Anzahl Flinten, Pulver, Blei 
und Flintensteine her; ebenso lieferte der Brünner Magistrat aus dem 
städtischen Zeughause 230 Flinten, doch konnte der Commandant 
des Spielbergs für die Landes-Defension nur 300 Gewehre und ein 
Quantum Cameral-Pulver geben, jedoch kein Blei, da FML. Browne 
dorthin bereits angezeigt hatte, dass seine Truppen nur mit wenig 
Munition versehen seien. FML. Zinzendorff musste ihm daher 
aus dem Zeughause auf dem Spielberge bei Brunn 6000 scharfe 
Patronen und einige Fässer Pulver senden. 

Zur Ueberwachung der Schanzarbeiten delegierte der Kreis- 
hauptmann, da der in Olmütz befindliche Ingenieur-Hauptmann 
v. Z i n c k e n d o r f wegen der in Olmütz an den Festungswerken 
vorzunehmenden Reparaturen nicht abkommen konnte, einen Lancl- 
Geometer nach Bennisch. 

Um mit dem auf dem Rückzuge aus Schlesien begriffenen 
Truppen-Commandanten in Verbindung zu treten, hatte die mährische 
Landes-Regierung den königlichen Rath und Amts-Assessor Carl 



*) Landeshauptmann an den Olmützer Kreisliauptmann v. 27. Januar 1741 . 
Acten der k. k. Statthalterei in Brunn. 

2 ) K. A., H. K. R. 1741, Prot, Eeg. fol. 274. 

Oesterreickischer Erbfolgekrieg. II. Bd. ' 



98 

Adolph Hertodt v. Todtenfeld, der sich dazu angeboten, nur 
mit mündlichen Instructionen versehen, an den commandierenden 
General abgesandt. Er hatte den FML. Grafen Browne in 
Jägemdorf angetroffen, welcher ihm mittheilte, dass, nachdem die 
preussischen Trappen noch bei Zuckmantel und in der Gegend um 
Neisse stünden, er noch in Jägerndorf bleiben werde, um die 
weiteren Bewegungen des Feindes abzuwarten. Wegen der Bergung 
der Vorräthe aus den Magazinen in Neisse, den Fürstentümern 
Oppeln und Eatibor, Troppau und Jägerndorf wurde vereinbart, 
dass, nachdem jenes von Neisse — ausser einem in der Festung 
zurückgebliebenen Vorrath auf vier Monate — nach Jägerndorf und 
Freudenthal bereits weggeführt, mit der Abtransportierung der 
Magazine aus dem Oppeln'schen und Troppau'schen nach "Wagstadt, 
Bautsch und Grätz bereits begonnen worden sei und damit eifrig 
fortgefahren werden solle. Der commandierende General äusserte bei 
dieser Gelegenheit, wie ausserordentlich wünschenswerth es scheine, 
dass das Olmützer Magazin, sobald nur möglich, mit Proviant und 
Fourage, besonders mit Rauhfutter dotiert werden möge, da bei 
seinen Trappen demnächst Mangel an Fourage und Mehl eintreten 
werde. 

Hertodt kehrte am 19. Januar bereits wieder nach Olmütz 
zurück und die mährische Landes-Regierung fragte am 21. in 
Wien an, ob die Archive im Falle der feindlichen Einrückung in 
Mähren zu salvieren und ob die Behörden auch bei drohender 
Blokierung in Brunn verbleiben oder nach Nikolsburg übersiedeln 
sollten. 

Diese Sorge war verfrüht, MariaTlieresia erliess im Gegen- 
theil am 27. Januar ein sehr scharfes Schreiben wegen der Grenz- 
besetzung an den Landeshauptmann, worin die Erwartung aus- 
gesprochen wurde, ,,dass die Obrigkeiten und ihre Beamten in 
wahrer patriotischer Betrachtung der diesfälligen unumgänglichen 
Notwendigkeit die Abschickung der zur Besetzung der Grenze 
tauglichen Leute zu beschleunigen beflissen sein würden 1 )." 

Die Annäherung des FM. Seh w e r i n, welcher mit den Li- 
fanterie-Regimentern Sydow, Kleist und Markgraf Heinrich, dem 
Grenadier-Bataillon Puttkamer, sechs Escadronen Schulenburg-Gre- 
nadieren und zwei Escadronen Leib-Husaren unter Oberst v. Wurmb 
und Major v. Zieten anrückte und am 17. Januar die Gegend 



1 ) Erlass der Königin vom 27. Januar 1741 an den Landeshauptmann. 
Acten der k. k. Stattkaiterei in Brunn. 



99 



zwischen Polnisch-Wette und Ziegenhals, am 18. die Linie Langen- 
brück-Neristadt-Leuber erreicht hatte, bestimmte den FML. Browne, 
am 19. die Einleitung zum Verlassen von Jägerndorf zu treffen 

Vorher hatte er den beim Corps angelangten Ingenieur- 
Oberstwaohtmeister Schmidt, welcher die Arbeiten der Grenz- 
verschanzung leiten sollte, in der Deutsch-Ordens-Herrschaft Freuden- 
thal exponiert und ihm die nothige Mannschaft überwiesen, um 
jene Passagen und den als Strassen-Knotenpunct immerhin wich- 
tigen Ort Freudenthal zu sichern. 1 ) Der dortige Dominial- Verwalter 
,, Statthalter ' r Graf Sazenhofen unterstützte mit umsichtiger 
Thätigkeit die Vertheidigungs-Veranstaltungen. 

In Jägerndorf hatte der österreichische General durch einen 
vom Cürassier-Eegimente Lanthieri abgesendeten Reiter die Nachricht 
erhalten, dass die aus Ungarn (Pressburg) im Anmarsch befind- 
liche Regiment bereits gegen Troppau rücke und bald andere, 
besonders ein mit Ungeduld erwartetes Husaren -Regiment nach- 
kommen würden. 

Vor dem Abmärsche aus Jägerndorf verständigte General 
Browne noch dem Prerauer Kreishauptmann Carl Otto Grafen 
zu S a Im, dass er sich in Folge Anrückens eines preussischen Corps 
von ungefähr 8000 bis 10.000 Mann gezwungen sehe, mit seinen 
wenigen Truppen noch weiter sich zurückzuziehen, um die 
preussischen Bewegungen sowohl besser beobachten zu können, 
als auch den ankommenden Truppen entgegen zu marschieren, um 
solche an sich zu ziehen. Der Kreishauptmann möge daher den 
Marsch derselben, sobald sie in seinen Bezirk einrückten, soviel als 
irgend thunlich, beschleunigen. Browne erachtete es weiter für 
sehr erspriesslich und nothwendig, dass schleunigst Vorkehrungen 
getroffen würden, durch gute Verhaue und Aufbietung von Jägern 
und Land-Miliz dem Feinde die Möglichkeit, gegen die mährischen 
Grenzen einzubrechen, thunlichst zu benehmen; die Passagen von 
Bennisch und Hof werde er selbst bedecken, wozu bereits alle noth- 
wendigen Vorkehrungen getroffen worden seien. 2 ) 



!) Oberstwachtmeister S c h m i d t meinte sehr richtig, dass fast alle 
Posten des Cordons ohne Mühe umgangen werden könnten. FML. Graf 
Browne stimmte theilweise bei, erklärte aber, dass dieses Hilfsmittel, so 
lange keine Verstärkung des Corps da sei, nicht entbehrt werden könnte; 
„haben wir einmal Succurs, so brauche man dies Alles nicht". (K. A., Mähren 
und Schlesien 1741 ; I, ad 11 b.) 

2 ) Der Prerauer Kreishauptmann hatte ausserdem mit GFWM. Lentulus 
am 19. Januar eine Grenzbesetzung vereinbart, welche Ersterer in Ausführung 



7* 



100 

Am 20. Januar besetzte das Gros des B r o w n e'schen Corps 
Troppau, neun Compagnien Liechtenstein-Dragoner standen in 
Jaktar. 

FM. Schwerin hatte mit den Vortruppen seines Corps an 
diesem Tage die Linie Pilgersdorf-Dobersdorf erreicht und sich 
selbst nach Eosswald begeben, wo er in der Nacht von seinen 
Vortruppen die Nachricht erhielt, class Jägerndorf von den königlich 
ungarisch-böhmischen Truppen geräumt worden sei. In Folge 
dessen Hess er am 21. Januar diese Stadt besetzen; drei Escadronen 
Husaren, welche bei seinem Corps am nämlichen Tage eintrafen, 
wurden zur Sicherung der linken Flanke verwendet und als Ver- 
bindungsposten auf der Strasse nach Schlesien ward eine Abtheilung 
von etwa 200 Mann nach Neustadt detachiert. 

FML. Graf Browne, der die Magazine in Sicherheit wusste, 
verliess, unter Mitnahme der der Stadt Troppau gehörigen Geschütze 
(14 Kanonen und 2 Mörser) diese Stadt am 22. Januar und rückte 
auf Grätz. Hier wurde die verfügbare Vorspann zusammengebracht, 
um die noch vorhandenen Vorräthe nach Wagstadt und Wigstadtl 
zurückzuschaffen, zu deren Bedeckung am 23. Januar Abtheilungen 
vom Regimente Browne nach Wagstadt und am 24. solche von 
Franz Lothringen nach Wigstadtl und Bautsch detachiert wurden. 
Das Gros des Liechtenstein'schen Dragoner-Regiments musste aus 
Mangel an Unterkunft und Fourage in die rückwärtigen Dörfer 
verlegt werden. FML. Graf Browne blieb mit dem Reste seiner 
Infanterie (3 Bataillone) und einem Detachement des Dragoner- 
Regiments in Grätz. 

An diesem Tage waren die ersten Abtheilungen des Cürassier- 
Regiments Lanthieri in Wagstadt, jene vonHohenzollern-Cürassieren 
in Mistek eingetroffen. 1 ) 

Auf die Meldung, dass auch Troppau von den Truppen der 
Königin Maria Theresia verlassen sei, liess Schwerin noch 
am 22. Januar das Grenadier-Bataillon Puttkamer und das Infanterie- 
Regiment Sydow dorthin abrücken, welche diese Stadt am 23. Januar 
besetzten. Am 24. Früh erhielt er durch einen Deserteur die, in 



zu bringen hatte: zu Bautsch gegen die Anhöhe Meltsch 200, Alt-Zechsdorf 25, 
Neu-Zechsdorf 25, Olbersdorf 25, Grätz 200, Kailowitz 20, Jakubschowitz 20, 
Skripp 20, Schlatten 100, "Wagstadt 150, Studinka (Stauding) 50, Altendorf 50, 
Paskau 50 und Mistek 100 Mann, zusammen 1035 Mann. (Bericht des Prerauer 
Kreishauptmanns vom 22. Januar 1741 an die Landeshauptmannschaft in Brunn. 
Acten der k. k. Statthalterei.) 

l ) Siehe die Truppenvertheilung am 24. Januar, Tafel III. 



101 

dieser Form unrichtige Nachricht, dass Truppenverstärkungen beim 
B r o w n e'schen Corps eingetroffen seien und Grätz zu behaupten 
beabsichtigt werde. Sofort wurde ein Husaren-D etachement zur 
Recognoscierung gegen Grätz gesendet, das einige Kilometer von 
Troppau auf eine Abtheilung des Liechtenstein'schen Dragoner- 
Regiments stiess, welche sich über die Mohra-B rücke bei Podoly 
unter Verlust von zwei Mann zurückzog. Seh w e r i n Hess nun 
das drei Kilometer südlich von Troppau gelegene Dorf Gilschwitz 
durch das Bataillon Puttkamer und eine Abtheilung Leib-Husaren 
besetzen. Den bei Jägerndorf stehenden Truppen wurde der Befehl 
zugeschickt, das Regiment Heinrich, ein Bataillon Kleist, Schulen- 
burg-Grenadiere zu Pferde, die Leib ►Husaren und das schwere 
Geschütz sofort auf Troppau vorgehen zu lassen. In Jägerndorf 
blieb in Folge dessen nur ein Bataillon Kleist und die preussischen 
Husaren. 1 ) 

Nachdem in der Nacht vom 24. zum 25. Januar das Regiment 
Heinrich und der Rest der Leib-Husaren in Troppau eingetroffen, 
giengen die Husaren mit dem Regimente Sydow in der Früh des 
25. zur Verstärkung der Grenadiere nach Gilschwitz vor. Das 
Regiment dort belassend, rückte FM. S c h w e r i n mit den Husaren, 
dem Grenadier-Bataillon Puttkamer und zwei Regiments-Geschützen -< 
auf der Strasse gegen Grätz vor. 

Im Schlosse zu Grätz standen zu dieser Zeit viele mit Vor- 
räthen beladene Wagen zur Abfahrt bereit. FML. Graf Browne 
Hess sie sogleich abrücken und gedachte den Ort nur so lange zu 
halten, bis der Train einen hinreichenden Vorsprung gewonnen 
haben würde. In diesem Sinne waren auch die Dispositionen zur 
Vertheidigung getroffen. Von Liechtenstein-Dragonern waren Abthei- 
lungen auf der Troppauer Strasse bis in die Höhe von Branka 
vorgeschoben, die Brücke über die Mohra bei Podoly durch eine 
Compagnie besetzt, während eine Reserve in Podoly selbst und das 
Gros des kleinen Corps im Schlosse zu Grätz stand. Die Spitze 
der preussischen Colonne, 30 Husaren, griff die Liechtenstein'schen 
Dragoner beim Niederhof erfolglos an s ) und musste zurückgehen. 



*) Kriege Friedlich d. Gr. I, 275. 

-) Die österreichischen, allerdings in Bezug auf dieses Gefecht sehr 
spärlichen Quellen verzeichnen auf einer graphischen Darstellung desselben 
eine ,. Artillerie von 8 Kanonen, woraus aber meistens mit Kartätschen gefeuert 
worden". (K. A., Karten-Abtheilung LXI, 1741b. 5.) 

3 ) Tafel 1Y. 



102 

Schwerin liess jedoch seine Avantgarde neuerdings vorrücken, 
worauf die Lieehtenstein'schen Dragoner über die Mohra-Brücke bei 
Podoly, von der dort stehenden Grenadier-Compagnie aufgenommen, 
in den Ort Podoly zurückgiengen. 

FM. Schwerin Hess seine Husaren sammeln, dann in auf- 
gelöster Ordnung vorgehen und das Grenadier-Bataillon mit den 
Geschützen denselben folgen. Diese nahmen auf Gewehrschuss- 
weite von der Brücke Stellung. Nach einigen Kanonenschüssen *) 
zog sieh die bei derselben postierte Compagnie in die nächsten 
Häuser und Gärten des Ortes. Im selben Augenblicke traf das 
Infanterie -Regiment Sydow ein. Puttkamer-Grenadiere drangen 
gegen die Brücke vor und die Browne'sche Abtheilung zog sich 
zurück, nachdem sie die Brücke in Brand gesteckt hatte. Doch 
gelang es den preussischen Grenadieren, den Brand zu löschen und 
das jenseitige Mohra-Ufer zu erreichen, wo sie den sich zurück- 
ziehenden esterreichern durch Grätz eine Strecke weit folgten. 
FML. Graf B r o w n e zog sich gegen Fulnek zurück, nachdem 
dasjenige, was durch die Stellung bei Grätz hatte ereicht werden 
sollen : die Bergung der mitgeführten Vorräthe und des nach Grätz 
transportierten Magazins, auch thatsächlich erreicht worden war. 

Der Verlust betrug bei Grätz beim Browne'schen Corps : 
8 Todte, 1 Ofncier und 22 Soldaten verwundet; 2 ) preussischerseits 
gieng ein Husarenpferd verloren. 3 ) Das Grenadier-Bataillon Putt- 
kamer besetzte das Schloss in Grätz, das Regiment Sydow gieng 
nach Troppau zurück, wo auch FM. Schwerin im Laufe des 
Nachmittags wieder eintraf. 4 ) 

Eine Folge dieses Gefechtes war auch, dass der Kreishaupt- 
mann von Prerau, Graf Salm, welcher seit 22. Januar persönlich 
die Vertheidigungs- und Besetzungs-Arbeiten bei der Postierungs- 
Station zu Bautsch leitete, seine Mannschaft und Arbeiter nach 
Sponau zurückgehen liess. 

Aach der Statthalter von Freudenthal, Graf Sazenhofen, 
begab sich nach Eulenberg und Oberstwachtmeister Schmidt zog 



1 ) Ein österreichischer Bericht spricht von einer drei Stuuden währenden 
Beschiessung, wonach erst die Browne'sche Arrieregarde Podoly verlassen; 
nämlich der Bericht des Prerauer Kreishauptmanns an die Landeshaupt- 
mannschaft, ddto. General-Stabsquartier Fulnek, 26. Januar 1741. (Acten der 
k. k. Statthalterei in Brunn.) 

2 ) FML. Graf Browne, GFWM. Graf Piccolomini, Weisskirchen, 
29. Januar 1751. (Fürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv.) 

8 ) u. 4 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 276. 



103 

die vorgeschobenen Abtheilungen ein und bereitete sich vor, im Falle 
des Anrückens stärkererer preusischer Abtheilungen ebenfalls den 
Rückzug anzutreten. Die Getreide-Vorräthe waren glücklich nach 
Sternberg transportiert worden. 

Die Lage war in diesen Tagen nicht ohne Gefahr ; die 
Preussen recognoscierten einerseits gegen Freudenthal und hatten 
die Verhaue zwischen Milkendorf, Beimisch und Easse und 
dadurch die Strasse auf Hof geöffnet. In Folge dessen zog sich 
der in Hof die Vertheidigungs- An stalten leitende Kreishauptmann 
von Olmütz, Franz Anton Schurbirz Freiherr von Chobinie, 
mit seinen Leuten (er hatte nicht mehr als 226 Mann beisammen), 
zuerst nach Bäm und in weiterer Folge bis Sternberg zurück, liess 
die Verhackung der Hauptstrassen bei Zechan, Deutsch-Hause und 
Lippein, wo früher schon einige Schanzen gewesen, ausführen und 
nahm deren Besetzung ausschliesslich mit Jägern selbst vor ; da 
übrige Landvolk sollte durch einige von den commandierenden 
General zu erhaltende Regulierte in Corporalschaften abgetheilt 
und so viel als möglich einexerciert werden, um es sodann nach 
Bedarf verwenden zu können. Damit Olmütz in Vertheidigungsstand 
gesetzt werde, wurden alle auf zwei Meilen im Umkreise liegenden 
Herrschaften zur Beistellung von Schanzarbeitern aufgeboten. 1 ) 

FML. Graf Browne 's erste Sorge war nun, die von Troppau 
unter Bedeckung nach Wigstadtl gesendete Train-Colonne mit 
den aus Schlesien salvierten Vorräthen in Sicherheit zu bringen ; 
er liess daher nach jener Seite recognoscieren. Die Situation 
wurde kritisch, da der Gegner bereits mit kleineren Abtheilungen 
auf der inneren Linie stand. Artillerie, Kranke, Bagage wurden nach 
Olmütz dirigiert. 

In und um Fulnek campierte nun die kleine österreichische 
Truppenmacht, bei welcher ausser dem Commandierenden noch 
GFWM. Holly und der neuerdings eingetroffene GFWM. Kheul 
sich befanden, gefechtsbereit; die Vorpannswagen mussten an- 
gespannt bleiben. 

Es waren hier versammelt: Theile von vier schwachen In- 
fanterie-Regimentern, ein Cürassier-Regiment (Lanthieri) unter 

J ) Bericht des Kreishauptmanns Freiher v. Schurbirz an die Landes- 
hauptmannschaft ddto. Sternberg, 26. Januar 1741. (Acten der k. k. Statthaftere 
in Brunn.) 



104 

GFWM. Baron Philibert 1 ) aus Pressburg dort eingerückt; das 
Liecliteiistein'sclie Dragoner-Regiment, 100 Husaren vom Regi- 
mente Dessewffy (ans dem Zempliner Comitat) über Jablnnkan ein- 
getroffen. 

Die ausgesendeten Recognoscierungs-Abtheilnngen stiessen 
nirgends auf feindliche Kräfte, doch lief am frühen Morgen des 
•27. Januar die Nachricht ein, dass die Preussen, von welchen 
zwischen Wigstadtl und Wagstadt Abtheilungen standen, einen 
Ueberfall beabsichtigten. 

Diese Nachricht war insofern richtig, als in der Nacht vorher 
zwei Compagnien des Grenadier-Bataillons Puttkamer und eine 
Escadron Husaren aus Grätz nach Wigstadtl gerückt waren, wohin 
im Laufe des Tages selbst noch das Regiment Sydow und eine 
Escadron Husaren folgten, während ein Bataillon Kleist nach 
Niklowitz marschierte. 

FML. Graf Browne Hess das Corps daher am 27. Januar 
aufbrechen und zog mit den Truppen und dem Train von Fulnek, 
das in einem Kessel gelegen ist und der Cavallerie keine Actions- 
freiheit bietet, auf die Höhen, marschierte nach Odrau, wo er an 
diesem Tage blieb, am 28. Januar über AVeisskircheii — woselbst 
das Hohenzollern'sche Cürassier-Regirnent (aus Trencsin) eintraf — 
Drahotusch nach Leipnik. 2 ) 

Am 30. Januar traf auch das dritte Bataillon des Infanterie- 
Regiments Grünne (aus Erlau) in Stemberg ein. 

Bezüglich der Dislocation der nun nach und nach anrückenden 
Verstärkungs-Truppen, besonders der Cavallerie, hatte GFWM. Baron 
Lentulus dem FML. Grafen Browne seine Gesichtsp miete in 
einem Schreiben vom 21. Januar dargelegt, welches die Ingerenz 
erkennen lässt, welche der Armee-Commandant von Wien aus durch 
seinen Vertrauensmann auf den vor dem Feinde stehenden Befehls- 
haber zu nehmen bemüht war. Darnach sollte ursprünglich ausser 



v ) GFWM. Baron Philibert hatte berichtet, „dass, weil die Regi- 
menter alle über Skalitz instradiert werden, nicht nur die erforderliche Sub- 
sistenz nicht aufzubringen, sondern es auch in Ansehung des Marsche* ohne 
Confusion nicht abgehen werde, gleichwie schon das Hohenzollerische 
Regiment neun Tage lang stehen zu bleiben gezwungen worden; daher uu- 
uiassgebhch drei Strassen über die March eingerichtet werden könnten." 
Lentulus an Neipperg, ddo. Ohnütz, 18. Januar 1741. (K. A.. Mähren 
und Schlesien 1741, I, 8.) 

2 ) Bericht des Prerauer Kreishauptmanns an den Landeshauptmann, 
ddo. Odrau vom 27. Januar 1741. (Acten der k. k. Statthalterei in Brunn. 



105 

dem Liechtemstein'schen Dragoner-Regiment nur noch das Lanthieri'- 
sche Regiment nach Schlesien gezogen werden. Die successive an- 
kommenden Regimenter sollten von Mistek an und zwar das 
Hohenzpllern'sche am rechten Flügel und die übrigen anschliessend 
„ hinter dem durch das Landvolk formierten Cordon bis nach Stern- 
berg unter dem Gebirg an der Plaine postiert werden". Da aber 
FML. Graf Browne mit der wenigen Mannschaft nicht lange in 
Troppau stehen bleiben, „viel weniger mit dem Feind sich einzu- 
lassen vermögend sein werde, so bitte aufs inständigste, Sie be- 
lieben meinen wenigen Rath hierinfalls unschwer sich beigehen und 
dahin disponieren zu lassen, damit nach der Intention unseres Hofes 
und des Herrn Grafen v. Neipperg unsere Mannschaft nicht 
hazardiert, sondern zurück in die Pässe und vornehmlich die In- 
fanterie bei Hampelkratschen, Grätz und dortige gebirgige Ort- 
schaften oder wo dieselbe für nöthig erachtet werde, die Cavallerie 
aber in die Plaine bis gegen Mistek verlegt und hauptsächlich 
darauf gesehen werde, dass die Zugänge nach Mähren verwahrt und 
dieses Land möglichst bedeckt werde ; zu welchem Ende nicht nur 
alle Schützen, Jäger und Heger an diesen Cordon zu rücken be- 
fehligt, sondern auch ein Generalaufbot im ganzen Lande aus- 
geschrieben worden, um die schon wirklich angestellte Mannschaft 
soutenieren und auf alle Art und "Weise den feindlichen Einfall in 
dieses Land verhindern zu helfen." r ) 



') K. A., Mähren und Schlesien 1741, I ad IIa. 



Die preussischen Winter-Quartiere. 

.König Friedrich II. hatte am 25. Januar von Ottinachan 
die Rückreise über Schweidnitz und Liegnitz nach Berlin an- 
getreten, wo er arn 29. eintraf. 

Der Oberbefehl über die Truppen wurde dem FM. Grafen 
Schwerin in einer vom 24. datierten Ordre übertragen und 
darin dessen Aufmerksamkeit speeiell noch auf Jablunkau gelenkt, 
welcher Posten zu besetzen sei, „um dem Feinde alle Löcher, 
durch welche er zu uns kommen kann, zu verstopfen". x ) Eine 
Verfügung über die Anlage der Winter-Quartiere war diesem Be- 
fehle beigefügt. 

Die Verlegung der preussischen Truppen in Quartiere war wohl 
eine kaum mehr zu umgehende Massregel. 

Seit 14. Januar war es ausserordentlich kalt geworden und 
viel Schnee gefallen. Die Wege in den schlesisch-mährischen 
Grenz-Distrieten wurden fast unpassierbar. 2 ) 

Die preussischen Truppen hatten noch kein eingerichtetes 
Proviantwesen und mussten sich auf Requisitionen beschränken 
Was an Vorräthen zu bergen möglich war, hatten die Oester- 
reicher aber aus Nieder- nach Ober-Schlesien und von dort nach 
Mähren mitgenommen. Die Mannschaft erhielt an täglicher Ver- 
pflegung sechs Kreuzer, nur die Husaren bekamen neun Kreuzer. 
Fleisch und Brod musste von der Landbevölkerung beige schärft 



») Kriege Friedrich d. Gr., I, 283. 

2 ) Einen drastischen Beweis für die schlechte Beschaffenheit der Wege 
liefert General Lentulus' Fahrt von Sternberg nach Engelsberg, der mit 
sechs Postpferden 14 Stunden znr Zurücklegung einer etwa 10 Kilometer be- 
tragenden Strecke gebraucht hatte. 



107 

werden. Die Bekleidung war nicht für die Unbill des Winters 
berechnet, die Camisole waren ohne Rücken und Aermel, so dass 
sich die Leute häufig die Brustflecke selbst kauften; ')' die Folgen 
dieser zu leichten Bekleidung äusserten sich bald in dem Gesundheits- 
zustand der Truppen. 2 ) Dazu kamen die vielen Desertionen, das 
Erbübel der damaligen Armeen. 3 ) Auch war in dem überwiegen. I 
katholischen Ober-Schlesien die Stimmung gegen Preussen be- 
deutend ungünstiger, als in dem vorherrschend protestantischen 
Nieder-Schlesien. 

Es wurden daher preussischerseits die Einleitungen für das 
Beziehen der Winter-Quartiere getroffen. Die Armee stand ausser 



r ) K. A., Mähren und Schlesien 1741, I, 8. Die Bekleidung war jedenfalls 
bei den Regimentern verschieden. Für den Marsch der für das II. Corps 
bestimmten Grenadier-Compagnien ordnete König Friedrich II. selbst an 
„Wofern die Grenadiers nicht jeder mit guten tuchenen Brusttüchern ver- 
sehen sein, müssen ihnen solche gegeben werden, dessgleichen die Aermel von 
den Camisölern, nebst wollenen Strümpfen, auch die Röcke so gemacht werden, 
dass solche wohl und leicht zugemacht werden können." Kriege Friedrich 
d. Gr., I, 81*. 

2 ) „Le marchie, le tanto fatiche nell'invadere e devastare la Silesia hanno 
talmente indebolito la salute delle truppe che non potevano piü resistere al 
vigore della stagione." (H H. u. St. A. Dispacci di Germania, 211. C app eil o's 
Bericht vom 1. Februar 1711.) 

3 ) „Allhier kommen viele preussische Deserteurs an, welche einhellig 
melden, dass, wenn nur eine hiesige Armee würde in die Nähe kommen, die 
Leute zu Hunderten desertieren würden, der Dienst wäre so rüde und hart, 
dass man ihn nicht ausstehen könnte; in der grössten Kälte und tiefem Schnee 
müssen sie zwei Stunden Schildwach stehen, wodurch dann viele Hände und 
Füsse erfrörten. Der König Hesse sich von keinem seiner Generale etwas 
einwenden, wenn es ihm einfiele zu marschieren, so müsse es gehen, wenn 
auch der ganzen Armee Ruin daraufstünde. Man hätte ihnen, als sie in 
Schlesien eingerückt wären, weisgemacht, dass sie als Freunde der Königin 
ihr zu Hilfe kämen, jetzt, da man das Gegen theil verspüre, sei ein gut Theil 
des gemeinen Mannes darüber schwierig und überlaufe zu [den] Feinden." 
(Berichte des Freiherrn v. Seckendorff an den Herzog von Sachsen-Gotha- 
Bericht vom 1. Februar 1741. H. u. H. St. A., Geschriebene Zeitungen.) 

„Moltiplici e continue intanto sono le disertioni del loro esercito, mal 
pagate le truppe, e condotte a forza alla guerra, composti molti reggimenti di 
miscuglio de forastieri di nazione e religione ditferente, fuggono dal cimento, 
e cercano miglior destino." (Capello's Bericht vom 28. Januar 1711.) 

Am 1. December 1710 hatte übrigens König Friedrich IL schon ein 

eigenes, von Berlin datiertes Patent wegen Verhütung der Desertionen publi- 

cieren lassen, welches von den Kanzeln zu verlesen und zu affichieren war. 

Originaldruck. Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. Fremde Gegenstände. 1. 

vom Jahre 1710.) 



108 

den am rechten Oder-Ufer befindlichen Truppen in vier Gruppen 
vertheilt und zwar vor Glogau *), Brieg, Neisse und in der Gegend 
von Troppau und Jägerndorf. 

Das Blokade-Corps vor Glogau unter dem GL. Erbprinzen 
Leopoldvon Anhalt-Dessau bestand aus sieben Bataillonen ; 
Brieo- wurde von GM. v. Kleist mit vier Bataillonen und sechs 
Escadronen eingeschlossen; Neisse, dessen Beschiessung am 
22. Januar nur noch in eine weite Blokade umgewandelt worden, 
wurde vom G. d. J. Herzog von Holstein mit acht Bataillonen 
und vier Escadronen beobachtet. 2 ) 

Bei Troppau und Jägerndorf stand FM. Graf Schwerin mit 
sieben Bataillonen und eilf Escadronen. 

Der preussische Befehlshaber verlangte von beiden Fürsten- 
thümern gewissenhafte Angabe aller Vorräthe an Getreide, Heu 
und Hafer und schleunige Ablieferung derselben an das anzulegende 
Haupt-Magazin in Troppau gegen Geldvergütung. 3 ) Ausserdem 
mussten unentgeltlich 4000 Mund-Portionen und 1000 Pferde-Bationen 
für jeden Tag abgegeben werden. 4 ) 

Ferner erliess FM. Graf Schwerin am 30. Januar 1741 aus 
Troppau ein Patent, worin er die freie Salz-Einfuhr gestattete. 

Dagegen hatte er auf Befehl des Königs sämmtlichen Unter- 
thanen kundzuthun, dass wenn Einer sich gelüsten lasse, die 

J ) Dort waren Anfang Januar noch fünf Escadronen Platen-Dragoner 
eingetroffen, hatten am 9. die Oder überschritten und fünf Escadronen Bayreuth- 
Dragoner abgelöst, welche am 10. Januar nach Neisse marschierten, wo sie 
am 21. eintrafen. Auch eine Escadron Leib-Husaren war von Glogau auf 
Neisse nachgerückt, wo sie in der dritten Dekade des Januar ankam. 

2 ) „Pendant trois jours consecutifs on y jeta douze cent bombes et trois 
mille bötüets rouges; mais la fermete de Roth m'obligea ä mettre mes 
troupes en quartiere d'hiver." (Histoire de mon temps. ed. P o s n e r. Chap. II.) 
— „Die Bürgerschaft ist noch resolvieret, sich bis auf den letzten Blutstropfen 
zu wehren; dieser kleine Ort hat angezeigt, welches von denen, die die 
Kriegsbaukunst verstehen, kaum vor eine gute Schanz passieren kann, was 
die Zuversicht zu Gott, die Treue zu dem rechtmässigen Oberhaupt und die 
Conduite eines verständigen Commandanten in das Werk zu richten fähig ist." 
(Scblesische Kriegs-Fama, VII, 23, Beilage 4.) — „II n'y a que la levee du 
siege de Neisse, quiles embarasse un peu, et qu'ils ne savent de quel manteau 
couvrir. En effet Neisse se defend bien." (Graf M anteu f f e 1, 24. Januar 1711 
an FM. Graf Seckendorff, H. H. u. St, A., Gr. Corresponzenz, Fase. 192, A.) 

3 ) Siehe auch die Ordres Seh w e r i n's und Schulenb u r g's aus 
Troppau, 29. Januar 1741, Anhang XV. 

4 ) Die Mund-Portion zu 2 Pfund Fleisch und ebensoviel Brod. Die Pferde- 
Ration zu 3 Metzen Hafer. 16 Metzen Häckerling, 8 Pfund Heu und 2 Bund 
Stroh auf je drei Pferde. 



109 

Waffen gegen die preussischen Truppen zu ergreifen, solcher 
nach Kriegsgebrauch mit Feuer und Schwert verfolgt, „die 
Schuldigen sowohl, als die Unschuldigen verheert und Diejenigen, 
so man mit. Gewehr findet, ohne Ansehen der Person aufgehenkt 
werden" sollten. Das Patent wurde überall angeschlagen. r ) 

Urn Troppau und Jägerndorf wurden Schanzen angelegt, wozu 
die ohnehin gedrückten Dörfer Arbeiter mit Schanzwerkzeugen 
stellen mussten. Nicht überall zeigte sich die Bevölkerung zu 
allen Leistungen bereit, wesshalb nicht selten Zwangsmittel ge- 
braucht wurden. Selbst die Aussaat der Felder, welche die Be- 
wohner für den Feind zu bestellen sich nicht geneigt fanden, 
musste an mehreren Orten erzwungen werden. 2 ) 

Auch die Landesbeamten kamen in Conflict mit ihrer Pflicht, 
da ihnen, wie z. B. dem Jägerndorfer Landeshauptmann aufgetragen 
wurde, bei erfolgter Einrückung der preussischen Truppen den Amtsort 
zu verlassen, jedoch in der Nähe zu bleiben, um, sobald es die Um- 
stände gestatteten, wieder in denselben zurückkehren zu können. 3 ) 

König Friedrich II. hatte dem FM. Schwerin vor seiner 
Abreise nach Berlin genaue Instruction bezüglich der Winter-Quar- 
tiere ertheilt. Diese Instruction enthält erschöpfende Weisungen und 
wirft manches interessante Schlaglicht auf die im Felde stehende 
preussische Armee. 4 ) 



J ) Schlesische Kriegs-Fama, VIII, Beüagen, 83. 

2 ) Ens, Das Oppaland, I, 150. 

s ) Protocoll der böhmischen Hofkanzlei, 28. Januar, 108. 

4 ) Die Instruction ist abgedruckt in „Kriege Friedrich d. Gr. I", Anlage 
Nr. 14, S. 93. Punct 8 enthält z. B. folgende Weisung: „Wofern auch öster- 
reichische Husaren sollten gefangen werden, so muss man solche unseren Leuten 
weisen, auf dass diese sich keine grössere Idee von ihnen machen, als wie sie 
es in der That verdienen und unsere Leute sehen, dass es schlecht Zeug 
sei." — Punct 9 : „Bei allen Gelegenheiten muss den Burschen von den 
Officieren wohl imprimiert werden, dass sie einen gewissen Hass wider die 
österreichischen Truppen bekommen, auf dass jene mit mehrerer Erbitterung 
und weniger Kaltsinnigkeit auf diese losgehen." — Punct 20: „Weil auch die 
Infanterie in ihren Winter-Quartieren nicht viel zu thun hat, so soll selbige 
sich befleissigen, so viel Leute vom Lande in Güte zur Augmentation zu werben, 
als es nöthig ist. Ich werde einem jeden Regiment eintausend Reichsthaler 
zur AVerbung zahlen lassen. Sobald nun die Regimenter 4 ä 500 Mann zusammen- 
haben, so sollt Ihr (Schwerin) solche escortieren und nach Potsdam trans- 
portieren lassen." — Punct 21: „Ihr sollet Euch auch Mühe geben, ob Ihr nicht 
imTeschen'schen eine Frei-Compagnie von den sogenannten Teschinen errichten 
könnet, dessgleichen, ob Ihr nicht durch die Jablunka, wofern sonsten dieser 
Pass offen ist, eine Anzahl Leute aus Ungarn zu Husaren engagieren könnet." 



1 10 



Die locale Verfcheilung der Truppen in die Winter-Quartiere 

entsprach im Allgemeinen den oben bereits angeführten Gruppen. 
Es wurden jedoch nur den in der Gegend von Neisse, sowie den 
im Troppau- und Jägerndorf sehen stehenden, ausgedehntere Quar- 
tiere längs der mährischen und böhmischen Grenze angewiesen, 
die sich in nordwestlicher Richtung bis Liegnitz, in südöstlicher 
bis zum Jablunka-Pass erstreckten. Die übrigen Truppen von Glogau 
und Brieg konnten der Blokade der Festung wegen nicht in einen 
ausgedehnten Rayon verlegt werden. 

Zwei Tage nach Erhalt der Instructionen König F r i e d r i c h * s 
erliess der preusische Interims-Armee-Commandant die Anordnungen 
zum Beziehen der Wint er- Quartiere. Das Commando über die in der 
Gegend Jägernclorf-Troppau stehenden Truppen übernahm an Stelle 
Schwerin' s, welcher eine Inspicierung der AVinter-Quartiere be- 
absichtigte, GL. Graf S c h u 1 e n b u r g, dem GM. v.Bredo w unter- 
geordnet war. Drei Esc adronen preussischer Husaren, zwei Escadronen 
Schulenburg und das Infanterie-Regiment Markgraf Heinrich erhielten 
Befehl, in die Gegend von Teschen abzurücken, wo sie nebst dem 
bereits im Ratiborschen befindlichen Regimente La Motte unter 
den Befehl des General-Majors gleichen Kamens traten, welcher 
Olier-Schlesien gegen Unternehmungen vom Jablunka-Passe aus zu 
l'edecken hatte. Für die abmarschierten Truppen erhielt GM. 
Schulenburg das Infanterie-Regiment Schwerin und das 
Cavallerie -Regiment Prinz Friedrich, die bisher bei den Cernierungs- 
Truppen vor Neisse gestanden hatten und nun in den Rayon Neustadt- 
Ziegenhals kamen. Die Quartiere der Schule n b u r g'schen Gruppe 
erstreckten sich daher über den Raum zwischen Troppau und Ziegen- 
hals. Mit den übrigen vor der genannten Festung gestandenen 
Trappen Derschau-Lifanterie, zwei Grenadier-Bataillonen, 1 Escadron 
Berliner Husaren, 2 Ecadronen Schulenburg-Grenadieren blieb GM. 
v. D erschau am linken Neisse-Ufer und dehnte seine Quartiere 
bis zur Linie Grottkau-Frankenstein aus. 

Die schwere Artillerie wurde nach Ohlau transportiert. 
Das Iirfanterie-Regiment Jeetze, 5 von Glogau eingetroffene 
Escadronen Bayreuth-Dragoner und 1 Escadron Gendarmen unter 
dem Befehle des G. d. J. Herzog von Holstein bezog Quartiere 
in der Linie Liegnitz-Jauer-Schweidnitz. Das in Breslau befindliche 
Regiment Alt-Borcke gehörte ebenfalls zu dieser Gruppe des preussi- 
schen Heeres. Tor Glogau und Brieg änderte sich vorläufig nichts. 
Auch Friedek und Oderberg wurde in den ersten Februartagen 
mit je 2 Compagnien. ersterer Ort ausserdem mit 30 Husaren, Mährisch- 



1 11 



Ostrau mit 1 Compagnie besetzt. Die Linie der preussischen Quartiere 
erstreckte sich somit vom Jablmika-Pass bis Liegnitz in einer Länge 
von 38 und einer Tiefe von 5 bis 8 Meilen. 1 ) 

Vorgänge am rechten Oder-Ufer. Einnahme von Namslau. 

Die am 4. Januar bei Breslau auf das rechte Oder-Ufer 
übergegangene Armee-Abtheilung unter GM. v. Jeetze: die Regi- 
menter Bredow, La Motte, und 3 Escadronen Bayreuth-Dragoner war 
zuerst gegen Namslau gerückt, das eine aus Mannschaften verschiedener 
Regimenter bestehende Besatzung von etwa 300 Mann und 50 In- 
validen unter Major Kram er des Infanterie-Eegimentes Botta hatte. 

Der Ort war mit Mauer, Wall und Graben umgeben. Am 
Westende der Stadt lag das dem Deutschen Ritter-Orden gehörende 
Schloss. Die vorhandenen Geschütze waren am 31. December nach 
Brieg transportiert und nur zwei ^pfundige und zwei ölöthige 
Falkonets, nebst 20 Doppelhaken zurückgelassen worden. 

Der Commandant hatte alle nur möglichen Vorkehrungen zur 
Verteidigung getroffen und auch die Einwohnerschaft bewaffnet, 
sprach aber schon am 4. Januar die Besorgniss aus, dass der 
Bürgerschaft nicht recht zu trauen sei. 2 ) 

Am 9. Januar Vormittags zeigten sich die ersten preussischen 
Reiter vor Namslau. Der Commandant des Platzes hatte, als er 
Nachricht vom Anrücken der preussischen Heeres -Abtheilungen 
erhielt, dem im Schlosse befindlichen Wirthschafts -Hauptmann 
anbefohlen, dasselbe zu räumen, damit er nach Einnahme der kaum 
haltbaren Stadt, mit seinen 314 Infanteristen und den Invaliden 
sich zur Verteidigung dahin zurückziehen könne. 

Desselben Tages Nachmittags langte GM. v. J e e tz e mit dem 
Gros (etwa 3000 Mann) vor Namslau an und Hess den Platz ein- 
schlössen. Das Hauptquartier des preussischen Generals wurde nach 
Altstadt, die Truppen nach Giesdorf, Deuts ch-Marchwitz, Wilkau, 
Reichen, Buchelsdorf, Poln.-Marchwitz, Simmelwitz, Obischau und 
Michelsdorf verlegt. 

Am Morgen des 10. Januar erschien ein Officier mit 16 Dra- 
gonern vor dem Krakau'schen (Polnischen) Thore. Der verlangte 
Emlass in die Stadt wurde von dem Posten beim Thore abgewiesen, 
worauf die Patrouille nach Giersdorf zurückritt. 

') Uebersicht Tafel VII. 

2 ) Bericht an GFWM. Grafen Piccolomini. (Fürstl. Schaumburg-Lippe'- 
sches Archiv.) 



112 

Im Laufe des Tages stellte der preussische General die An- 
forderung, die Stadt zu übergeben. Major Krämer solle sieb in 
das Schloss zurückziehen, beide Parteien würden ,, friedlich neben- 
einander leben". Der österreichische Commandant erwiderte, dass 
er Befehl habe, Stadt und Schloss auf das Aeusserste zu ver- 
theidigen. 

Am 11. Januar rückte ein Trupp preussischer Dragoner von 
Deuts ch-Marchwitz gegen das Breslauer Thor, sass bei dem „Galgen- 
busch" ab und begann sich daselbst einzugraben. Vom Schlosse 
aus wurde mit Doppelhaken auf diese Abtheilung Feuer ge- 
geben, worauf sich dieselbe nach Deutsch - Marchwitz wieder 
zurückzog. 

Der Hauptangriff sollte jedoch von der Ostseite aus 
stattfinden, GM. v. Jeetze hatte in der Nacht Infanterie 
gegen das Polnische Thor rücken lassen, welche sich dort, 
100 Schritte von der Contreescarpe, verschanzt und vier Regi- 
ments-Geschütze in Batterie gebracht hatte und liess am Morgen 
des 12. Januar den Commandanten nochmals zur Uebergabe auf- 
fordern. 

Major Kr am er hatte mit der Hälfte seiner Truppe die durch 
den preussischen Angriff bedrohte Bastion bei dem Polnischen 
Thore besetzt, die Munition und sämmtliche Vorräthe auf das 
Schloss schaffen lassen, vereinbarte aber bei der vollkommenen 
Aussichtslosigkeit einer Vertheidigung der Stadt und der Schwierig- 
keit der Einwohner, die schon zu revoltieren begannen, ver- 
rätherischerweise die angewiesenen Posten verliessen und die Thore 
den Preussen öffnen wollten, „dass er die Stadt räumen, jedoch 
sich bis auf weiter einlangende Befehle mit seiner Truppe auf die 
Festung und Commando-Schloss, welches bevor ringsherum verpalli- 
sadiert worden, retirieren werde". Nachdem dies zugestanden, rückten 
die Preussen mit Infanterie, vier Regiments-Stücken und einer 
Cavallerie-Abtheilung gegen 10 Uhr Vormittags in die Stadt und 
besetzten sogleich die Hauptwache und beide Thore. „Nun soll 
zwar bei der Capitulation auch aecordiert worden sein, class den 
österreichischen Officieren und Mann aus dem Schloss in die Stadt 
frei und ungehindert zu gehen, etliche Tage erlaubt sein sollte. 
Es hat sich aber gleich Nachmittags geändert, indem der von dem 
Harrach'schen Commando herunter in die Stadt zur Unterschreibung 
der Capitulation gekommene Hauptmann Hufnagel, Lieutenant 
Ponsa und ein Wachtmeister-Lieutenant, ein Constabler und von 
der Wenzel Wallis- Compagnie ein Feldscher von den Preussen 



IIb 

gefangen und in Arrest gebracht, daher sodann die Schlossbrücke 
aufgezogen und geschlossen worden". J ) 

Am andern Tage wurde Kramer von General J e e t z e 
ersucht, zu ihm in die Stadt zu kommen. Der österreichische 
Commandant entschuldigte sich, schickte aber, da zwei preussische 
Ofriciere, welche nicht in das Schloss eingelassen worden, diese Auf- 
forderung überbracht hatten und mit ihm zu sprechen wünschten, 
ebenfalls zwei Ofriciere hinaus, um zu erfahren, um was es sich 
handle. Hierauf wurden noch zwei Ofriciere verlangt, doch Hess 
Kr am er sagen: ,,es seien schon zwei draussen und es würden 
List und Betrug nicht reüssieren." Darauf erfolgte die Aufforderung, 
sich kriegsgefangen zu ergeben, „oder es würde nicht einmal das 
Kind im Mutterleibe beim Sturm geschont werden". Der Comman- 
dant antwortete, sie möchten thun, wie sie wollten, zog die äussersten 
Posten ein und Hess auf die eine Batterie aufwerfenden Arbeiter 
Feuer geben. „Inzwischen wurden die hinausgesandten Ofriciere 
und Mannschaft wider alles Völkerrecht als Kriegsgefangene zurück- 
behalten." 2 ) 

Nachdem der Wortlaut der abgeschlossenen Vereinbarung 
nicht vorliegt, kann auch nicht beurtheilt werden, welche der 
beiden Parteien einen Bruch verschuldet hat. 3 ) 



'i Deutsch-Ordens-Central- Archiv. Bericht v. 22. März 1741 über die 
Ereignisse in Namslau von dem Wirthschafts-Hauptmanne zu Namslau an Grafen 
Sazenhofen und Bericht des Oberstwachtmeisters Kramer an GFWM. 
Piccolomini vom 29. Januar 1741. (Fürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv.) 

2 ) Oberstwachtmeister Krame r's Bericht an GFWM. Piccolomini. 
Schloss Namslau, 29. Januar 1741. Fürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv. 
Ob dies eine andere Darstellung des Vorfalls vom 12. Januar ist oder sich auf 
neuerliche Vorgänge am 13. Januar bezieht, ist nicht mit Sicherheit zu erkennen. 

3 ) Die Zeitschrift des Vereines für Geschichte und Alterthum Schlesien.- 
enthält im XVIII. Bande von Dr. Franz Wachler mitgetheilte Aufzeich- 
nungen eines Zeitgenossen aus den Jahren 1740 bis 1741, der über den 
kritischen 11. Januar Folgendes berichtet : „Um eilf Uhr hielten die Preussen 
ihren Einzug in die Stadt mit 400 Mann und nachdem sie auf dem Ringe 
paradiert, besetzten sie die Hauptwache und beide Thore, jedes mit 30 Mann, 
vor das Schloss zwei Mann, wobei zwei Kaiserliche zugleich stunden. Die 
preussischen Officiers giengen auf das Schloss zu jenen und jene kamen selbigen 
Tag auch wieder zu diesen in die Stadt. Den 12. Januar wollte der preussische 
General auf dem Schlosse Platz machen lassen und eines und das andere an- 
ordnen, weil er nunmehr mochte erfahren haben, wie der Commandant das 
Schloss mit Allem wohl versehen und sich ohnfehlbar in der Güte nicht 
wieder würde herunterweisen lassen (man sagte, es hätten es die Herren Preussrn 
versehen, dass sie nicht zuvor das Schloss visitieret, die Kaiserlichen mit völligem 
Gewehr hinauf marschieren lassen oder doch nicht einige Mannschaft mit hinauf 

Oesterreichischer Erbl'olgekrieg. IT. Bd. 8 



114 

Am 13. Januar Hess Oberstwachtmeister Kr am er dasWachthaus 
unter dem Deutschen Thore, nebst den darin befindlichen Vorräthen an 
rauliem Futter durch einen Musketier von Harrach in Brand stecken. 1 ) 

Um den Angriff auf das Schloss wirksam unternehmen zu 
können, setzten die Preussen in den nächsten Tagen sich hinter 
den Mauern einer verfallenen Kirche fest, legten dort Bretter- 
bettungen zur Aufstellung einer Batterie und benutzten ausserdem 
das daneben liegende Kloster zur Aufstellung von Geschützen. Da 
die leichten Regiments-Geschütze gegen das Schloss ohne "Wirkung 
waren, so erhielt der preussische Befehlshaber auf seinen Antrag 
von jenen Geschützen, die Major v. Merk atz von Glogau nach 
Neisse gebracht hatte, zwei 12-Pfünder und zwei 50pfündige Mörser 
zugewiesen, die über Ohlau am 24. Januar in Namslau eintrafen. 

Vom Schloss wurde inzwischen das Feuer auf die preussischen 
Angriffs arbeiten fortgesetzt, nicht ohne den dabei beschäftigten 
Mannschaften Verluste zuzufügen. 2 ) 

Am 25. wurden die beiden 12-Pfünder, nebst vier Regiments- 
Geschützen in der , .wüsten" Kirche, die Mörser im Klosterhof placiert. 

Am 27. begann um 5V2 Uhr Früh die Besehiessung des 
Schlosses, welche bis 80. Januar fortgesetzt wurde. 3 ) 

Das Feuer wurde von den Belagerten im Schloss in den 
ersten Tagen der Besehiessung, soweit es die geringen Ver- 
theidigungsmittel erlaubten, kräftig erwidert. 



geschickt hatten). Der Commandant auf dem Schlosse aber wollte nichts ge- 
statten, sagte, es sei wider den Accord und nachdem die Preussen dadurch 
was anders im Sinne haben möchten, wäre es besser, ihre Freundschaft nehme 
ein Ende, sie hätten die Stadt, er wolle das Schloss behaupten, zog auch 
gleich seine Schildwache hinein, zog die Brücke auf imd liess Alles auf das Beste 
verwahren." 

1 ) Schlesische Kriegs-Fama und Wachler. Namslau im ersten schlesischen 
Kriege. 

2 ) Am 1-1. Januar disponierte der Commandant einen Ausfall, um sechs 
Ochsen, die noch in nicht allzu entfernten Ställen ausserhalb des Schlosses 
standen, in dasselbe zu bringen, was auch gelang. Trotz der Energie des 
Commandanten Hessen sich einige Desertionsfälle der Besatzung nicht hindern. 
Ein Deserteur, der sich aus dem Schlosse herabliess, wurde von Major Kram er 
sogar selbst erschossen und blieb einige Tage im Schlossgraben unbeeidigt 
Hegen . (Scldesische Kriegs-Farna.) 

3 ) Es erfolgten an diesem Tage Vormittag 95, Nachmittag 6, am 28. 93, 
am 29. 3-1. am 30. Vormittag 63, Nachmittag 30, zusammen 321 Kanonen- 
schüsse. Bomben wurden nach dem Schloss geworfen am 27. Januar 5. 
am 28. 20, am 29. 10, am 30. Vormittag 4.8, Nachmittag 17, zusammen Kid. 
sammt Feuerkugeln. 



115 

Am 27. Januar hatte Oberstwachtmeister Kr am er, nachdem 
die Beschiessung die Bedachung des Schlosses arg geschädigt hatte, 
einen Tambour in die Stadt mit dem Anerbieten einer Capitulation 
gesendet, falls ihm mit seiner unterstehenden Trappe freier Abzug 
mit Wehr und Waffen, klingendem Spiel und zwei geschlossenen 
Rüst wagen bewilligt werde. Die Preussen verlangten jedoch Er- 
gebung auf Discretion, worauf das Bombardement wieder begann. 1 > 

Die Preussen warfen auf die Nachricht eines Ueberläufers, 
dass es im Schlosse nicht am besten stehe und die Soldaten 
Neigung zur Ergebung zeigten, zahlreiche glühende Kugeln und 
Pechkränze in den Hof des Schlosses und setzten das Bombardement 
ausserordentlich heftig fort, so dass die Garnison, da die Bedachung 
durchgeschlagen, in die Keller retirieren musste, es aber dort des 
eingedrungenen Rauches halber nicht lange aushalten konnte. 

So dauerte der preussische Angriff am 29. und 30. Januar 
mit Heftigkeit an. 

Auf den zusammengeschossenen Gängen und Böden konnte 
sich die Garnison des Schlosses nicht mehr halten, um die Ver- 
theidigung fortzusetzen. Oberstwachtmeister Kram er liess daher 
am 31. Januar um 8 Uhr Morgens auf dringendes Bitten seiner 
Untergebenen Chamade schlagen und es wurde am Nachmittage ein 
Accord dahin geschlossen, ,,dass sich die ganze Garnison, so nach 
Abzug der Deserteurs von 314 Mann aufgezogen, nur in 275 Mann 
bestand, mit Ablegung des Ober- und Untergewehres und Bei- 
behaltung der Ranzen, sammt allen Oberofncieren, welchen Degen 
und Stock belassen wurden, zu Kriegsgefangenen ergebe". 2 ) 

Am Nachmittage des 31. Januar, nach unterschriebener Capi- 
tulation, wurden die kriegsgefangenen Soldaten von einem preussi- 
schen Commando in die Stadt geholt und bis zur Abführung in 
vier Häusern bequartiert, den Ofncieren aber auf dem Schloss 
zu bleiben erlaubt, Fähnrich Schlich ting jedoch als früherer 
preussischer Deserteur gefangen genommen. Das Schloss wurde 
sofort von den Preussen besetzt. 

Die Verluste waren auf beiden Seiten unbedeutend gewesen. 

Am 3. Februar wurde die kriegsgefangene Mannschaft nach 
Breslau unter einer Escorte von 90 Mann abgeschickt und am 7. 
folgten die zurückgebliebenen Officiere. 



J ) Sclilesische Kriegs-Fama. 

2 ) Sclilesische Kriegs-Fama, Bericht des Wirthschafts-Hauptmanns von 
Namslaa. 



116 

Von der Armee-Abtheilung des GM. v. Jeetze waren in 
der dritten Dekade des Januar zwei Escadronen Bayreuth-Dragoner 
mit 100 Mann Infanterie entsendet worden, um Brieg, welches 
GM. v. Kleist am linken Oder-Ufer cernierte, auch auf dem rechten 
einzuschliessen. Sie trafen am 25. Januar dort ein. 

Ferner wurden von Namslau zwei Bataillone und eine Escadron 
als Besatzung nach Oppeln, das GM. v. Kleist am 15. Januar 
schon durch ein Detachement seiner Truppen von Brieg aus hatte 
besetzen lassen, gesendet, wo sie Ende Januar eintrafen. 

GM. v. Jeetze blieb vorläufig mit dem Regiment Bredow 
und drei Escadronen Bayreuth-Dragonern in Namslau und Umgegend. 
wo Ende Januar noch fünf Escadronen Leib-Carabiniers, die ur- 
sprünglich zum IL Corps für die Cernierung von Glogau be- 
stimmt waren, bei ihm einrückten. 

Einnahme von Jablunkan. 

Der Posten Jablunkan war mit einer Compagnie des Infanterie- 
Regiments Wallis, 104 Mann stark (darunter 90 unausgebildete 
Re ernten), 8 Artilleristen und 120 Landleuten (Land-Vybranzen), 
besetzt. Die Armierung der in mangelhaftestem Stand befindlichen 
Befestigung, einer geschlossenen, damals total verfallenen Schanze, 
bestand in acht schlechten Geschützen, die man jedoch, da die 
Batterien nicht hergerichtet waren, gar nicht aufführen konnte. 

Kein Thor war zu sperren, keine Aufzug-Brücke vorhanden. 
Die zu jener Zeit aus dem Teschen'schen gesendeten wenigen 
Arbeiter konnten wegen der Ungunst der "Witterung bei der Aus- 
besserung des Objectes nur Geringes bewirken. 

Das Commando führte Oberstlieutenant Baron O'Reilly, 
welcher über den Nothstand des von ihm befehligten Postens an 
den Commandierenden in Ungarn berichtet, auch bemerkt hatte, 
dass der Teschen'sche Landeshauptmann Baron Skrbensky die 
beigestellten Schanzarbeiter, weil die Preussen im Anmärsche seien, 
zurückgerufen habe und er daher die Pallisaden um die Schanze 
nicht durchgehends habe setzen können, auch nicht mit genügenden 
Vorräthen für die Garnison versehen sei. Er verstärke den Posten 
indessen weiter und erwarte das zu dessen Besatzung bestimmte 
Max Starhemberg'sche Bataillon (heute Nr. 24). J ) 

Das aus Leopoldstadt vom commandierenden General über- 
sendete Mehl konnte nicht verwendet werden, da keine Backöfen 



!) K. A., H. K. E. 1741, Prot. Exp. Fol. 390. 



117 

vorhancl en waren, die Löhnung für die Mannschaft war bis Ende 
Februar vorhanden, doch hatten die Officiere etwa zehn Monate 
keine Gage erhalten, ebenso war auch kein Geld da, um die be- 
waffneten Landbewohner auszuzahlen. l ) 

Der comniandierende General in Ungarn, FM. Graf Johann 
Palffy erkannte ganz richtig und noch zeitgerecht die missliche 
Lage dieses wegen der Strasse über das Gebirge in das Waag-Thal 
wichtigen Punctes, ohne jedoch recht in der Lage zu sein, den- 
selben unterstützen zu können, da die Mähren und Schlesien zu- 
nächst liegenden Comitate durch den Abmarsch der Cavallerie- 
Regimenter Hohenzollerii, Lanthieri, Hohenems und Batthyanyi 
von Truppen vollkommen entblösst waren und die Nachrückung 
ihres Ersatzes noch eine ziemliche Zeit in Anspruch nehmen musste. 
Das Eintreffen des nach Jablunkau bestimmten Max Starhemberg'- 
schen Bataillons, das aus Szegedin im Marsche war, konnte noch 
geraume Zeit nicht zu gewärtigen sein. Palffy, der selbst nichts thun 
konnte, rieth jedoch in AVien an, von den nach Schlesien beorderten 
Regimentern, deren Colonnen ohnehin beiSkalitz sich stauten, sofort 
eines oder zwei dorthin zu entsenden, da keine Stunde zu ver- 
säumen sei. 

Er drang darauf, wenigstens Proviant nach Jablunkau zu 
schaffen, stellte auch anheim, von den bestehenden ungarischen 
National-Truppen zu Pferd, sei es aus Raab, Gran, Komorn oder 
Szolnok dorthin zu entsenden, die aber, sobald dies geschähe, aller- 
dings sofort die Bezahlung ihrer Soldrückstände verlangen würden. 2 ) 

Leider wurden P al ff y's Vorschläge nicht berücksichtigt und 
der Platz blieb nach wie vor vernachlässigt. 3 ) 

Schon in den letzten Januartagen streiften preussisehe Husaren 
bis in die Nähe des Passes und am 8. Februar erschien GM. L a 
Motte, welcher in den ersten Februartagen das Herzogtimm 
Teschen besetzt hatte, mit seinem Regiment vor der Schanze. Er 



1 ) Ebenda, Fol. 400. 

2 ) FM. Palffy an den Grossherzog. Pressburg, '27. Januar 174-1. 
K, A., Mähren und Schlesien 1711, I, 14. 

3 ) ,, Vous savez apparement, que les conquerants se sont empares par sur- 
prise du passage de Jablunkau, qui n'etait garde, gräce ä la negligence ordi- 
naire de la Cour de Vienne, que d'une centaine d'Autricbiens mal-armes et 
depourvus de tout ce qu'il faut pour se defendre." Graf M a n 1 eu t't'el an 
FM. Seckendorff. (H. H. u. St. A., Gr. Correspondenz. Fase. 192. Con- 
volut A.) 



118 

hatte kaum seine Regiments-Geschütze aufführen lassen, als viele 
Landleute davonliefen, ihre Gewehre den Preussen übergaben und 
ihren Heimathsorten zueilten. 

Von dem kläglichen Zustande des Objeets unterrichtet, forderte 
der preussische General die Besatzung zur Uebergabe auf. Noch 
am selben Tage kam eine Vereinbarung zum Abschluss. wonach 
O'Reilly das Werk übergab und mit seinen Truppen die Be- 
willigung zum freien Abzug mit allen Kriegsehren nach Ungarn 
erhielt. r ) Die in Jablunkau befindlichen bedeutenden Salzvorräthe 
fielen dem Feinde in die Hände. 

Die Preussen verlegten als Besatzung nach Jablunkau 300 Mann 
Infanterie, 15 Husaren und zwei Regiments-Geschütze, die übrigen 
Truppen kehrten nach Teschen zurück. 

Im Laufe des Februar traten dann noch einige Veränderungen 
in der Vertheilung der Truppen ein. 2 ) Die Armee-Abtheilung des 
GM. v. Jeetze als seibstständiges Commando wurde aufgelöst 
und der General mit dem Infanterie-ßegirnente Bredow dem GL. 
Grafen Schulenburg unterstellt. Die am rechten Oder-Ufer 
stehenden zwei Escadronen Bayreuth - Dragoner wurden dem 
GM. v. Kleist, die dritte Escadron dem <^M. v. D erschau 
zugewiesen. Das Leib - Carabinier - Regiment verblieb auf dem 
rechten Oder-Ufer zwischen Oppeln und Ratibor, ferner kamen zum 
Schulenbur g'schen Commando noch 2 unter GM. La Motte 
gestandene Escadronen Schulenburg und vom Commando des GM. 
v. D erschau die Grenadier-Bataillone "Wedeil und Buddenbrook, 
sowie die Escadron Leib-Husaren. Das Infanterie-Regiment Alt- 
Borcke. in Breslau wurde selbstständig gemacht. 

Die schwere Artillerie, welche nach Auf hebung der Beschiessung 
von Neisse nach Ohlau gebracht worden war, blieb am letzt- 
genännten Platze. 

In dem von GM. v. D e r s c h a u befehligten Rayon wurde 
Anfangs Februar ausser den Pässen von AVeidenau, Patschkau und 
Wartha auch jener von Silberberg mit 2 Compagnien besetzt, 
deren Unterstützung 2 weitere Compagnien und 2 Escadronen in 
Frankenstein bildeten. 3 ) 



*) Den Wortlaut der Capitulation. sowie die vollständige Kehabilitierung 
O'Eeilly's durch den Hof-Kriegsrath enthält Anhang XVI. 

2 ) Uebersicht, Tafel VII. 

3 ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 2S9 u. ff. 



FML. Graf Browne in Mähren. 

Der kleine Krieg an den mährisch-schlesischen Grenzen im Monate 

Februar. 

in den Verhältnissen der königlich ungarisch -böhmischen 
Truppen trat schon mit Anfang Februar ein günstiger Umschwung 
ein. Das Eintreffen der Regimenter und deren Aufmarsch in der 
Linie Mistek-Sternberg vollzog sich successive. 

Der Hof - Kriegsrath mässigte aber den zu jedem Wagniss 
bereiten Offensivsinn des FML. Grafen Browne nachdrücklich 
durch die ihm ertheilten Instructionen, welche ihm, vermuthlich 
auf Betreiben des bedächtigeren Neipperg die Hände völlig 
banden. 1 ) ,,Die Truppen sollten keineswegs ohne Noth abgemattet 
und selbe, soviel als nur thunlich, auch sonst menagiert werden. 
Man hielte auch einen Entsatz von N e i s s e dermalen nicht 
rathsam", woraus hervorgeht, dass Browne einen solchen geplant 
hatte. Auf die in der Armee bestehenden Unregelmässigkeiten be- 
züglich zu vieler Pferde und Bagageu wurde insoferne Einfluss 
genommen, dass ein Equipage-Reglement in Aussicht gestellt ward, 
inzwischen aber den Regiments-Commanclanten bedeutet wurde, 
dass den Ofhcieren nur für die, die Vorschrift nicht übersteigende 
Pferdezahl die Fourage werde verabreicht werden. 2 ) 



') „Browne habe gebeten, mau solle ihm freie Hand lassen, er habe 
schon günstige Gelegenheiten , weil er gebunden gewesen sei , vorüber- 
gehen lassen müssen. Neipperg sei dem entgegen, daher es ihm abgeschlagen 
worden, worüber Browne und seine hiesigen Freunde sehr missvergnügt 
sind." Bericht aus Wien v. 25. Februar 1741 des Freiherrn v. Seckendorft 
an den Herzog von S a c h s e n - G o t h a. (H. H. u. St. A., Geschriebene Zeitungen 
Fase. 17.) 

2 ) K. A., H. K. R. 1741. Prot. Reg. Fol. 164. 25. Januar. 



120 

Die Stellung Brow n e ! s war überhaupt keine glückliche. *) 
Er sollte sich nicht nur von Wien aus, sondern von jüngeren 
Generalen über die Art und Weise der Operationen belehren lassen. 
In dieser Richtung leistete Lentulus ganz Ausserordentliches. Die 
Projecte desselben zur Landesvertheidigung sollte Browne, nach- 
dem Ersterer inzwischen in das Glatz'sche abgereist war, ausführen 
lassen, trotzdem er mit dem grössten Theile derselben nicht ein- 
verstanden war. Das mährische Gebirge, berichtete Browne dem 
Hof-Kriegsrath, sei lange nicht so ungangbar, als man es schildere. 
Die bereits fertigen und in Aussicht genommenen Verhaue könnten 
insgesammt ohne besondere Schwierigkeiten umgangen und geöffnet 
werden. Die mährischen Landesvertheidiger seien so unbändig, dass 
er bereits die meisten derselben entlassen habe und den Rest bald 
zu entlassen gedenke. Wer Projecte mache, möge sie auch aus- 
führen. 2 ) 

Hier zeigte sich schon der Widerstreit der Meinungen zwischen 
B r o w n e und Lentul u s, respective N e i p p e r g. Dazu kam en 
noch Ungeschicklichkeiten, die den wahrlich nicht auf Rosen ge- 
betteten Interims-Commandanten zu verstimmen geeignet waren. 
So wurde GF WM. Baron Philibert, der mit dem Hohenzollern'- 
schen Cürassier-Regiment beim Br o wn e'schen Corps angekommen 
war, mit der Verlegung der ankommenden Regimenter von L e n- 
t u 1 u s beauftragt. 3 ) Auch beklagt sich B r o w n e über N e i p p e r g's 
Correspondenz und dessen ,, nicht ganz besonders höfliche Ausdrücke". 

Trotz aller dieser Hemmnisse und Unannehmlichkeiten und 
trotz des Befehles, ,, nichts zu riskieren, ohne Aussicht auf Erfolg", 
gedachte der unermüdlich thätige FML. Graf Browne, nunmehr 
genügend basiert und verstärkt, wenigstens den kleinen Krieg gegen 
die in den Winter-Quartieren befindlichen, der Ruhe bedürftigen 
preussischen Truppen zu beginnen. Er hatte sich schon am 3. Februar 
mit dem Olmützer Kreishauptmann Baron Sehn b i r z und einem 



J ) ,,Und zwar kommt mir sonderheitlich vor, dass der Herr GFWM. 
Graf v. B r o w n e numnehro Dieselben und mich etwas besser zu begreifen 
anfange, indem, wie er die Truppen dermalen verlegt, postiert und setzet, 
aueb wie er seine übrige Veranstaltung in ein so anderem jetzo machet 
und einleitet, mit unsern beiderseitigen Sentiments ungefähr und so viel es 
seine letzte Retraite zidasset, übereinstimmt und ja hoffen, dass er auch 
selbigen in all' übrigen nach Thun- und Möglichkeit sich fügen werde." 
Neipperg an Lentulus, 7. Febr. 1741. (K. A.. F. A. Schlesien 1741. II. 8. 

2 j Oesterr. Milit.-Zeitschrift 1827, I. 

s ) EL A.. Mähren und Schlesien 1741, I. 9, 



121 

Ingenieur-Lieutenant nach Carlsberg begeben und auch den Oberst- 
wachtmeister Schmidt von Freudenthal zu einer Conferenz dahin 
berufen, J ) worin beschlossen wurde, die Communicatioh des Corps 
mit dem Posten Freudenthal unter allen Umständen offen zu 
erhalten und ihn eventuell als Ausgangspunct für weitere Unter- 
nehmungen zu benützen. Da inzwischen auch das Husaren-Regiment 
Csaky 2 ) beim Corps des FML. Grafen Browne eingerückt war, 
wurde der Posten mit einem Husaren-Detachement verstärkt. Von 
Olmütz wurden 10 Centner Pulver und Blei dorthin gesendet. 

Am 4. Februar fiel bereits unweit Freudenthal bei Ebersdorf 
zwischen österreichischen und prenssischen Husaren ein für die 
ersteren glückliches Rencontre vor. 3 ) 

FML. Graf Browne entsendete auch ein Commando von 
40 Freiwilligen des Husaren-Regiments Csaky unter einem Lieu- 
tenant nach Neisse. Dieses Detachement gelangte nicht nur am 
<;. Februar glücklich in die Festung, sondern nahm unterwegs drei 
preussische Proviantwagen und eine Gasse mit Regimentsgeldern, 
machte 26 Husaren sammt ihren Pferden und 30 österreichische 
Deserteurs, die von Ohlau durchgegangen waren, zu Gefangenen. 4 ) 
Gegen Jägerndorf wurde sogar ein Versuch gemacht, den 
preussischen Ober-Commandanten FM. Schwerin aufzuheben. 
Als dieser am 18. Februar dort ankam, sprengten 40 österreichische 
Husaren bis in die Vorstadt, wurden aber durch eine preussische 
Husaren-Escadron mit einem Verluste von zwei Unterofficieren und 
5 Mann zum Rückzug genöthigt. 

Am 23. Februar stiess ein mit 1 Unterofficier und 7 Husaren 
von Grätz aus die österreichischen Quartiere und Aufstellungen 
recognoscierender preussischer Lieutenant auf 50 Husaren. Schwer 
verwundet fiel der Führer der Patrouille mit dreien seiner Leute in 
die Hand der österreichischen Abtheilung, während der Rest der 
Patrouille mit einem erbeuteten Pferde davonjagte. 



v ) Deutsch-Ordens-Central- Archiv; Fase. 724/727. 

2 ) Die eine Coloime des Kegiments hatte, von Ungarn kommend, Wien 
am 20. Januar passiert und war beim Durchmarsche vom Grossherzoge und 
Prinzen Carl v. Lothringen inspiciert worden. Die zweite Colonne rückte 
am 23. Januar durch Wien. („Wienerisches Diarium" Nr. 6 und 7 vom 21. und 
25. Januar 1741.) 

3 ) „Wienerisches Diarium" Nr. 12 vom 11. Februar 1711. 

4 ) Bericht des Grafen Sazenhofen vom 11. Februar 1711 an die 
Ordens-Eegierung. (Deutsch-Ordens-Central-Archiv, Fase. 721 727 und Schle- 
sische Kriegs-Fama, VIII, Beilage 38.) 



J -2 -2 

Auch im Teschen'scheii wurde es um die preussischen Quartiere 
lebendig. Ein preussischer Cornet, der Anfangs Februar mit 1 Unter - 
officier und 10 Husaren von Friedek über die Ostrawicza gegen 
Mistek vorgieng, das mit Husaren und Landesaufgebot besetzt war, 
wurde gefangen genommen. *) 

Um die Mitte des Monats (15. Februar) fand bei Friedek 
ein ernsterer Zusammenstoss statt. Im genannten Orte standen 
2 Compagnien i\t : ^ preussischen Regiments Markgraf Heinrich in 
der Stärke von -200 Mann, nebst 30 Husaren unter Major von 
Münchow. Mistek war, wie erwähnt, von ungarischen Husaren 
und mährischem Landvolk besetzt, 15 Kilometer westlieh vom 
genannten Orte, in Freiberg, stand ein aus Abtheilungen ver- 
schiedener Regimenter zusammengesetztes Detachement. Die Be- 
satzung des Postens von Mistek, vermuthlich verstärkt durch jene 
von Freiberg, erschienen nun vor Friedek und schlössen den 
Ort ein. Die Versuche, denselben einzunehmen, scheiterten jedoch 
an der tapfern Gegenwehr der Vertheidiger. Sobald GM. L a 
31 o 1 1 e hievon in Teschen Meldung erhielt, rückte er mit einer 
stärkeren Abtheilung gegen Friedek vor, wo er am 16. Februar 
eintraf und die Oesterreicher mit einem Verluste von zwanzig 
Todten und zahlreichen Verwundeten zurückdrängte, während die 
Preussen nur 4 Mann verloren. La Motte folgte den ab- 
ziehenden Oesterreichern bis Mistek, das, angeblich wegen an 
preussischen Soldaten dort verübten Grausamkeiten, in Brand 
gesteckt wurde. 2 ) 

Die aus Ungarn nach Mähren, beziehungsweise Schlesien 
marschierenden Regimenter hatten jeden dritten Tag Rasttag zu 
halten und nachdem die eine Route über Skalitz in Folge der An- 
häufung der auf derselben marschierenden Truppenkörper sich als 
unzureichend erwies, wurden am 24. Januar noch weitere drei 



J ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 293. 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 2 ( .)4 

Die Königin Maria Theresia belobte am 7. März in einem, an den 
Olmützer Kreishauptmann gerichteten Erlasse die Haltimg der aufgebotenen 
Landbevölkerung bei dieser Gelegenheit: ,,aus Deiner unterm 21. v. M. an 
Unser kgl. Tribunal erstatteten Relation zu vernehmen vergnüglich gewesen, 
dass sich Unsere getreuen "Wallachen bei Attaquier- und Uebersteigung der von 
dem Feinde besetzt gewesten Stadt Friedek mit einer besonders rühmlichen 
Tapferkeit und Herzhaftigkeit hervorgethan". (Acten der k. k. Statthaltern 
in Brunn). 



1 23 

Einbruchsrouten nach Mähren geöffnet und zwar über den Welka-, 
Hrozinkauer und Ularzer Pass. l ) 

Die Löhnungen für die Mannschaft musste das Land Mähren, 
so lange die Trappen in demselben bequartiert waren, beistellen. 2 ) 
Die in das Feld befehligten Cavallerie-Regimenter hatten in je 
zwei Gruppen getheilt zu marschieren. 

Allen Regimentern überhaupt, auch jenen, welche aus Ungarn 
durch Meder-Oesterreich marschierten, wurde als Marschziel Olmütz 
angegeben. 3 ) 

Die Königin Maria Theresia sah, in Anbetracht der 
bedeutenden Lasten, welche die Unterthanen der Markgrafschaft 
Mähren auf sich zu nehmen hatten, ihnen die zu den Weg-Repa- 
rierungen rückständigen Hand- und Zug-Robote nach. Das Land 
beeilte sich auch, freiwillig Recruten zu den einrückenden Regi- 
mentern zu liefern und das königliche Tribunal erhielt in Folge 
dessen Auftrag, der Königin Wohlgefallen den dortigen Ständen 
und einigen Zünften ..wegen gestellter Recruten zu erkennen zu 
geben". 4 ) 

Die zunächst zu erwartende Verstärkung bestand in den Caval- 
lerie-Regimentern Hohenems (aus Kaschau) und Seherr (aus dem 
Eisenburger Oomitat), den Infanterie-Regimentern Baden aus Szigeth, 
Thüngen (aus Ungarn) und Alt-Daun (aus Inner-Oesterreich). 

Am 7. Februar standen die königlich ungarisch -böhmischen 
Truppen mit den inzwischen eingerückten Verstärkungen, den Regi- 
mentern Hohenems- Cürassiere, Baden- und Thüngen -Infanterie, 
folgendermassen : 

Am rechten Flügel in Mistek Landbevölkerung und 1 Husaren- 
Detachement, in Freiberg ein gemischtes Commando verschiedener 
Regimenter, in Neutitschein 5 Escadronen Csaky-Husaren. Im 

1 ) Prot. d. böhm. Hofkanzlei. 

2 ) Ebenda. 

3 ) K. A., H. K. R. 1741. Prot. Reg. Fol. 71. Die Spionage scheint üppig 
in Blüthe gestanden zu sein, denn Bro w n e erhielt vom Hof-Kriegsrathe die 
Weisung, auf Reisende aus Schlesien, sowie auf Postillone und den Grenz- 
verkehr ein sehr wachsames Auge zu haben. Der Commandant von Olmütz, 
Oberst F a 1 a i z e hatte zu dieser Zeit an den Hof-Kriegsrath berichtet, „dass 
ein für einen Apotheker-Gesellen sich gebender allhier in der goldenen Hirsch- 
Apotheke in Diensten gestanden sein sollender Püchler von der preussischon 
Armee mit Pass von Graf Gott er angelangt sei". (K. A., H K. R. Prot. 
Exped. 1741. Fol. 320). 

4 ) Prot, d. böhm. Hofkanzlei. 27. Jan. 1741. 



J24 

Centrum der Best des Regiments in Pohl, Bölten und "Weiss- 
kirchen ; in Leipnik Harrach und 1 Bataillon Baden-Infanterie, in 
Osseg Thüngen; in Prerau 2 Bataillone Baden, in Bohorz und 
Ober-Moschtienitz Hohenems-Cürassiere. Am linken Flügel : Lan- 
thieri-Cürassiere in Trschitz und Wolzanowitz, Liechtenstein-Dragoner 
in Gross-Teinitz, Hohenzollern-Cürassiere in Gross- Wisternitz, Przas- 
lawitz, Bystrowan, Loschau und Bukowan ; in Olmütz selbst zwei 
Bataillone Franz Lothringen ; in Sternberg einige Compagnien von 
Grünne, in Babitz und Luschitz solche von Browne. Vorgeschoben 
war in Hof ein Detachement verschiedener Abtheilungen und in 
Freudenthal Abtheilungen von Harrach-, Franz Lothringen-, Grünne-, 
Botta-, Browne-Infanterie und von Csäky- und Dessewffy -Husaren. r ) 

Inzwischen nahmen auch die Rüstungen grössere Verhält- 
nisse an. 

Die böhmischen und niederösterreichischen Stände thaten, was 
in ihren Kräften stand, um der Königin Mannschaften und Geld 
zur Verfügung zu stellen. 

Die militärischen Angelegenheiten leitete nach dem Gross- 
herzoge in erster Linie der Vice-Präsident des Hof-Kriegsraths 
FM. Ludwig Andreas Graf Khe venh üll e r. Auch der böhmische 
Hofkanzler Graf Kinsky gewann bedeutend an Einfiuss. Eine Zeit 
lang soll schon jetzt die Absicht bestanden haben, dem Prinzen Carl 
von Lothringen, dem Bruder des Grossherzogs, den Oberbefehl 
gegen Preussen zu geben und ihm FZM. Grafen Neipperg als 
Adlatus zuzuweisen. 2 ) 

Im Ganzen waren zu dieser Zeit für das Corps nach Schlesien 
und für- die Besetzung der böhmischen Grenze gegen das Glatz'- 
sche und dieses selbst 15 Infanterie- und 18 Cavallerie-Regimenter 
bestimmt, theils schon an ihren Bestimmungsorten eingetroffen, 
theils noch im Marsche befindlich. 3 ) 

Im Allgemeinen waren die Marschbewegungen nicht allzu- 
fiüssig. Wenn auch der Fehler der ersten Instradierung, die An- 
häufung zu vieler Regimenter auf der einzigen Strasse über Skalitz 
nach Mähren, durch die Vereinbarung des FM. Grafen Pälffy mir 



J ) Tafel IV. 

2 ) Bericht d. Freih. v. Secke n d o r ff an den Herzog von Sachse n- 
G otha v. 8. Febr. 1741. 

s ) Uebersicht der Kegimenter und deren Stand Anhang XVII. 



L25 

dem Pressburger Comitat über die drei Nebenrouten einigermassen 
behoben wurde, so hinderten doch auch häufig Hochwässer den 
Marsch der Colonnen ; die Cürassier-Regimenter Cordua und Birken- 
feld konnten aus dem Temeser - Banat wegen grossen Ueber- 
schwemmmigen ihren Marsch nicht über die Theiss nehmen. 1 ) 

Die Visitierung des Gesundheitszustandes nahm an den 
mährischen Grenzen auch noch Zeit in Anspruch, denn gänzlich 
schien man ihrer doch nicht entrathen zu können. 2 ) 

Der Hof-Kriegsrath erliess AVerb-Patente zur Aufbringung von 
Artilleristen in Böhmen, 3 ) dann von Verpflegs-Personal und Fuhr- 
wesensknechten. Für die Ergänzung der Infanterie-Regimenter 
erhielt der im Römischen Reich das "Werbgeschäft leitende Comman- 
dant zu Rheinfelden, GFWM. Freiherr v. Tornaco, den Auftrag, 
soviel Recruten als nur möglich anzuwerben. 4 j 

Ausserdem warben alle Regimenter, wie erwähnt, in den 
Ländern, wo sie sich befanden, 5 ) so wie auch die Stände Mann- 
schaften beistellten. 6 ) 

Das Oberst-SchifFamt erhielt im Januar Auftrag, 42 der taug- 
lichsten, von den im Türkenkrieg in- Verwendung gestandenen und 
in Esseg deponierten Pontons, sammt den dazu gehörenden "Wagen 
und den übrigen Requisiten unter Aufsicht des Hauptmanns 
Klaninger und des Personals, 7 ) dann auch unter Mitnahme der 
ebenfalls in Esseg befindlichen „Feldspitals-Nothdurften", an die 
mährische Grenze nach Skalitz zu disponieren. 

Aus dem "Wiener Zeughause wurden 4000 Musketen nach Brunn 
abgesendet, von welchen die Regimenter den Abgang an Feuer- 
gewehren ersetzen sollten ; 2000 uncalibermässige Musketen wurden 
nach Olmütz, hauptsächlich zur Bewaffnung der Landesvertheidiger 
geschickt. Ausserdem waren noch 8000 Gewehre in Bestellung 



r ) K. A., H. K. R. 1711, Prot. Exp., Fol. 363. 

2 J Befehle vom 21. u. 28. Januar 1741, Anhang XVIII. 

s ) 10 Zeugs-Bediente, 50 Büchsennieister, 215 Stückknechte. 

4 ) Anhang XIX. 

s ) Die Werbung geschah auf Capitulation, doch nicht unter drei Jahren 
Das Werbgeld wurde von 27 auf 30 fl. erhöht. 

6 ) Anhang XX. 

') Dasselbe bestand aus dem Fuhrwesens- und dem Pontons-Stand- 
Ersterer zählte 1 Hauptmann, 1 Ober-Wagenmeister, 1 Fouriex-, 1 Geschirr- 
schreiber, 2 Schmied-, 2 Wagner-Gesellen ; letzterer : 1 Bruckschreiber, 1 Feld- 
webel, 2 Oorporale, 2 Klempner, 25 gemeine Pontonniere. (K. und k. H. K. A. 
Acten der Hoffinanz.) 



126 

gegeben und täglich gieng auch [Munition von Wien nach Mähren 
und Böhmen ab. 

Zur Besorgung des Proviantwesens für die Armee in Schlesien 
wurde der Ober - Proviant - Commissär Fritz bestimmt, dessen 
Personal aus 1 Proviant- Verwalter und 21 Proviant-Ofncieren bestand. 
Für die zur sehlesischen Armee, sowie für die nach Böhmen 
bestimmten Infanterie-Regimenter ergieng der Befehl, zu den Pro- 
viantwagen auch die Proviantmeister und zu jeder Oompagnie einen 
erfahrenen Feldscher anzunehmen. 1 ) 

Das Proviant-Fuhrwesen wurde mit 250 Wagen und 1000 Pferden 
festgesetzt. Bezüglich der Fourage und Proviant-Beisehaffung für die 
Armee winde von der Hofkammer mit den böhmischen und mähri- 
schen Ständen eine Vereinbarung getroffen. 2 ) 

Mit dem Pferdehändler Schindlberger wurden Contracte 
auf Lieferung von 1000 Zug- und 202 Cürassier-Pferden abge- 
schlossen. 3 ) 

GFWM. Fischer in Brandeis erhielt Befehl, die für die 
Operations- Armee in Ausrüstung begriffenen IG Geschütze mit 
Vorspann vom Lande nach Prag abzuschicken. 4 1 

Nach Olmütz und Brunn ergieng Auftrag, in ersterem Orte 
die Festungswerke und in dem andern jene der Stadt und auf dem 
Spielberge auszubessern. 

FML. Graf Zinzendor ff, commandierender General in 
Mähren, wurde angewiesen, an den FML. B r o w n e Arbeiter für die 
Verhaue, dann Jäger und Heger, soviel er zu deren Besetzung 
aufbringen könne, zu senden, auch sich mit demselben wegen der 
Delogierung der successive hi Mähren einrückenden Regimenter 
in das Einvernehmen zu setzen. 

Die Regimenter, welche sich auf dem Marsche befanden und 
in Folge schlechter Witterung und grundloser Wege häufig nur 
kurze Distanzen zurücklegen konnten, mussten über den Fortgang 
desselben jeden Posttag oder wenigstens wöchentlich dem Hof- 
Kriegsrathe Bericht einsenden. Ausserdem wurde bestimmt, dass 



h K. A., H. K. E. 1731, Prot, Reg. Fol. Tu. 

2 ) K. A., H. K. R. 1741, Prot, Reg. Fol. 235. 

3 ) Acten der Hoffinauz. 

-■ Dieselbe bestand aus: 6 3pfündigen Regiments-Stücken. 1 opfündigen 
Feldschlangen, 4 ßpfündigen Falkaunen, 2 12p fündigen Haubitzen. (K. A., Schlesien 
1741; II, VI.). Der Anbang XXI enthält Details über die Ausrüstung der 
Artillerie. 



clie deutschen Cavallerie-Regimenter die auf den nunmehr fest- 
gesetzten Stand von 800 Mann erübrigten Leute und Pferde bei- 
behalten und nach und nach einbringen sollten. r ) 

Die nach Erhalt des Marschbefehls zu spät abmarschierten 
Truppenkörper erhielten scharfe Verweise wegen der bezeigten 
Saumseligkeit, so der Commandant des Dessewffy'schen Husaren- 
Regiments, welcher aufgefordert wurde, sich wegen der Verzögerung 
beim Abmärsche zu verantworten. 2 J 

Am '2G. Januar 1741 erliess der commandierende General in 
Ungarn, der siebenundsiebzigj ährige Feldmarschall und Judex 
curiae Johann Graf Pälffy, einen Aufruf an 15 Comitate, dann 
an die Jaz3 r gier und Cumanier, ihre Aufgebote gegen einen etwaigen 
Einfall der Preussen auszurüsten, wobei Pälffy erklärte, sich selbst 
an deren Spitze stellen zu wollen. 3 ) 

Nachdem aber Jablunkau von den Preussen besetzt worden, eilte 
Pälffy nach Wien, sich mit der Regierung über die Massregeln 
zur Verteidigung des Landes zu einigen, im Fall die Preussen 
weiter vorzudringen versuchen wollten. 4 ) 



J ) Ebenda, Fol 49. 

s ) Ebenda, Fol. 52 u. 113. 

3 ) Siebe den Wortlaut des Aufrufes in Anhang XXII 

4 ) „Man hat in Ungarn an viele Comitate den Befehl ergeben lassen, 
eine Notam Derjenigen einzuschicken, die aufsitzen können und ist der FM. 
Pälffy vor wenig Tagen in Person allhier zugegen gewesen, um das Noth- 
wendige zu verabreden und behauptet dieser Feldmarschall, nicht ohne Grund, 
dass, solange man nicht den König von Preussen von den ungarischen 
Grenzen delogiert hätte, es schwer und gefährlich sein würde, die Diaetam 
und Krönung vorzunehmen, weil die akatholischen Ungarn sich leichterdings 
die Nachbarschaft und Annäherung des auch akatholischen Königs von Preussen 
zu Nutzen machen könnten. Es hat erstbesagter Feld-Marschall dem Vernehmen 
nach sich selber anerboten, mit diesen zum Aufsitzen parat seienden Ungarn 
und einigen wenigen Regimentern zu Pferd die Preussen von der Jablunka 
delogieren zu wollen ; allein es ist derselbe vollkommen disgustiert von hier 
auf Pressburg zurückgekehrt und hat in meinem Beisein öffentlich declariert : 
man hätte die Ungarn verlangt, nunmehr da sie bereit und willig wären, wäre 
kein Geld, kein Brod und keine Fourage da. In Summa Johann Pälffy ist 
disgustiert. Ich meinesorts glaube, dass man dem P älffy die entreprise auf die 
Jablunka aus der Ursache nicht zugestanden hat, weil man vermuthet, wann er 
glücklich wäre und weiter in Schlesien gegen die Preussen avancierte, möchte er 
per indirectem das Commando der Neipperg- Armee an sich ziehen, folglich 
Neipperg solches verlieren, mithin setzt man lieber Alles in Gefahr, als dies 
Favorit zu schaden." (Aus einem Briefe des FM. Prinzen Hildburghausen an 
FM. Grafen S eckendorff, Anfang 1741. H. H. u. St. A., Gr. Corresp. Fase. 217. B. 



128 

P alffy erbot sich, eine ausreichende Anzahl von Bewaffneten 
aufzubringen, betonte jedoch die Forderung der Ungarn, nur von 
ihren Landsleuten befehligt zu werden. Dies gestand man in 
Wien zu und Pälffy kehrte nach Pressburg zurück, um die Aus- 
hebung der Husaren zu bewirken. Dorthin folgte ihm unter dem 
Vorwande der Jagd Grossherzog Franz, um die von Ungarn aus 
gegen Schlesien vorzunehmenden Operationen einzuleiten und wohl 
auch, um zu dem Landtage Vorbereitungen zu treffen, welchen man 
sobald als möglich nach Pressburg zu berufen, sich entschlossen hatte. 1 ) 

Während seit dem Januar 1741 der Hof - Kriegsrath sich 
mit Bereitstellung der Kriegsbedürfnisse der Armee in Schlesien, 
dann mit endgiltiger Zusammenstellung des grossen und ldeinen 
Generalstabes für Neipperg, im Einvernehmen mit diesem, 
befasste, 2 ) fand er die Commandierung neuer Regimenter nach 
Schlesien erst Anfangs Februar für erforderlich; jetzt erhielten 
Diemar - Cürassiere (aus den Comitaten Biliar, Bekes, Arad) 
und Althann-Dragoner (aus Wien, Stockerau, Krems) Marschordre 
zur Feld-Armee. 3 ) Man darf aber doch nicht annehmen, dass diese 
auffallende Zögerung in den MobiHsierungs-Massnahmen etwa in 
Lässigkeit oder Unverstand der massgebenden Factoren ihren Grund 
gehabt habe, denn abgesehen davon, dass in der Kegel der Krieg 
damals im Winter nicht eben intensiv geführt zu werden pflegte, 
hielt auch die Heeresleitung im Februar die auf den Kriegs-Schau- 
platz befehligten Cavallerie-Regimenter Birkenfeld, Cordua, Diemar, 
Württemberg, Kömer und Althann geflissentlich zurück, damit im 
Bereiche der Armee nicht Futtermangel eintrete. 4 ) Dass FML. 
B r o w.n e den Muth der Husaren und ihre glücklichen Unter- 
nehmungen, besonders im kleinen Krieg besonders hervorgehoben, 
mag Anlass gewesen sein, dass bald auch die Husaren-Kegimenter 
Karolyi (aus dem Nordosten Ungarns) und Pestvärrnegyejr (ver- 
muthlich noch auf dem Marsche aus Siebenbürgen in das Neutraer 



*) Arnet h, Maria Theresia I, 262. 

2 ) K. A., H. K. E. 1711, Prot. Eeg. Fol. 92 (Feld-Kriegs-Kanzlei), 100 
(Generalstab), 352 (Feld-Post). 371 (Pater superior castrensis cum socioj etc. 

3 ) Ebenda, Fol. 211, 221, 236 (1. bis 4. Februar). An die Stelle der 
Diemar-Cürassiere wurden im Mai Portugal- Cürassiere aus Siebenbürgen nach 
Ungarn gezogen, an Stelle der Althann-Dragoner in Nieder- esterreich traten 
Caraffa-Oürassiere aus dem Oedenburger Comitat. 

4 j Ebenda, Fol. 317 (15. Februar). Vergl. unten die Aufstellung des 
Feld-Proviant-Fuhrwesens und des Proviant-Stabes. 



129 

Comitat) nach Schlesien Marschbefehl erhielten. ] ) Gleichzeitig 
wurden alle dahin bestimmten Regimenter zu Pferd beauftragt, ihre 
etwa in Ungarn zurückgelassene unberittene Mannschaft sogleich 
an sicli zu ziehen. 2 ) Die zu Neipperg's Corps befehligten Regi- 
menter waren alle schwach im Stande und der selbst noch in Wien 
befindliche Feldherr constatierte am 2. März 1741, 3 ) dass sieben 
der in Mähren stehenden Infanterie-Regimenter nach Abschlag der 
Posten nur 34(33 Dienstbare zählten. Im Ganzen standen damals 
längs der schlesischen Grenze in Mähren und Böhmen 10 Infanterie- 
und 7 Reiter-Regimenter im Felde, was bei completem Stande, ein- 
schliesslich derNichtcombattanten und ohne alle Abcommandierungen, 
eine Armee von 25.600 Mann ergäbe. Der am 20. März zum Feld- 
marschall 4 ) ernannte Graf N e i p p e r g hatte keine Aussicht, vor 
Ende des Monats seine noch im Anmärsche befindlichen Regimenter 
soweit beisammen zu haben, dass er gegen Schlesien vorrücken 
konnte ; die Hauptschuld an diesem Zeitverluste mass er dem 
Mangel an zureichenden Verpflegsvorsorgen zu ; überdies fehlte 
ihm jetzt noch die Artillerie und die Pontons, weder der Regiments- 
noch der Proviant-Fuhrwesens-Train waren fertig aufgestellt und 
die Regimenter waren mit der Feldausrüstung wegen Geldmangel 
noch nicht zu Ende. 

Der Ueberfall auf Schlesien hatte durch längere Zeit die von 
allem Anfange an vorhandene Sorge wegen eines Angriffs von Seite 
Bayerns in den Hintergrund gedrängt ; mit Eintritt des März aber 
rleng man an, sich auch in Ober-Oesterreich und bald darauf in 
Böhmen durch Vereinigung von Truppen gegen Ueberraschungen 
sicherzustellen, Hess aber auch die Verstärkung der Armee 
Neipperg's, welche nun naturgemäss schwieriger wurde und 
langsamer vor sich gieng, nicht aus dem Auge ; um dieselbe Zeit 
erhielten daher die schon in Steyermark befindlichen zwei Bataillone 
sammt den beiden Grenadier-Compagnien von Wurmbrand-Infanterie 
die Bereitschafts-Ordre, 5 ) während das Infanterie-Regiment Leopold 
Dann aus Slavonien in das Pressburger Comitat herangezogen wurde. 6 ) 



J ) Ebenda, Fol. 327 (18. Februar). 

2 ) Ebenda, Fol. 329. 

s ) K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 9 (Neipperg an den Grossherzog). 

4 ) K. A., H. K. E. 1741, Prot. Reg. Fol. 198. Die Bestaüungs-Urkunde 
tragt jedoch das Datum 12. April. 

5 ) K. A., H. K. E. 1711, Prot. Eeg. Fol. 3S1 (26. Februar). 

6 ) Ebenda, Fol. 111 (8. März). 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 



130 

Die Lücken, welche der unglückliche Tag von Mollwitz 
(10. April 1741) riss, mussten rasch ausgefüllt werden und schon 
am 16. April, nur wenige Stunden nach dem Einlangen der 
Botschaft von der verlorenen Schlacht, wurde das letztgenannte 
Regiment zum sofortigen "Weitermarsch nach Schlesien angewiesen, x ) 
wohin nachzufolgen mit Ende des Monats nun auch die zwei 
Bataillone und zwei Grenadier-Compagnien "Wurmbrand-Inlanterie 
(aus Steyerrnark) und ebensoviel vom Lifanterie-Regimente Starhem- 
berg (aus Oesterreich ob der Enns) Befehl erhielten, 2 ) während das 
beim Jablunka-Passe stehende dritte Bataillon Starhemberg schon 
einige Tage vorher definitiv zur Armee N e i p p e r g's eingetheilt 
worden war. 3 ) 

Zu gleicher Zeit wurden auch Pocistatzky-Cürassiere (aus 
Trencsin, Thuröcz und Arva) und d'Ollone-Dragoner (aus den 
Comitaten Bacs-Bodrog und Baranyay) ebendahin instradiert. 4 ) 

Mit der Durchführung dieser Anordnungen waren, abgesehen 
von den Verlusten im Felde und in den Festungen, die regulären 
Regimenter, welche der schlesischen Armee zugewiesen werden 
konnten, versammelt. Die Zahl derselben änderte sich nur durch 
die am 21. Juli angeordnete Auflösung des Infanterie-Regiments 
Schmettau, dessen Ofnciere und Mannschaft bei anderen Regimentern 
eingetheilt wurden. 5 ) 



i) Ebenda, Fol. 669. 

2 ) Ebenda, Fol. 739, 711, 745 (29. und 30. April). 

8 ) Ebenda, Fol. 722 (26. April). 

4 ) Ebenda, Fol. 717 (25. April) und 745 (30. April). 

s ) Ebenda, Fol. 2013 und Prot. Exp. 2039 (August). FZM. Samuel 
Schmettau entzog sich der ihm drohenden Untersuchung wegen seiner 
bedenklichen Geldgebahrung, bei dem seinen Namen führenden Regimente, 
im Frühjahre 1741 durch den Uebertritt in preussische Dienste. Die breitgetretene 
Erklärung, er sei als geborener Schlesier dem Rufe seines neuen Herrn gefolgt, 
sollte doch in Zukunft nicht mehr wiederholt werden, da über die Landes- 
herrlichkeit in Schlesien erst im Breslauer Frieden entschieden wurde und die 
m i 1 i t ä rische Beherrschung des Landes allein keineswegs das Unter- 
thanenverhältniss abzuändern im Stande sein kann. 



Ereignisse im Monat Februar. 

In der (Trafschaft Olatz. 

VJFWM. Baron Lentulus, der Vertrauensmann des FZM. 
Grafen N e i p p e r g, war am Nachmittage des 22. Januar mit seinem 
Adjutanten, Fähnrich Lutsch, von Olmütz nach Glatz abgereist 
und zu Mittag des 25. dort eingetroffen. Der General hatte sich 
gleich nach seiner Ankunft zu dem Landeshauptmann Grafen 
"Waldstein begeben, bei dem er erfuhr, dass wegen Sicherung 
der Uebergänge nach Schlesien noch gar nichts vorgekehrt worden. 
Da G-FWM. Graf Kolowrat, der eigentliche Truppen-Commandant 
im Königgrätzer Kreise und in der Grafschaft Glatz, abwesend 
war, traf Lentulus sofort selbst die erforderlichen Massregeln, 
um dieses Versäumniss gutzumachen und die Arbeiten sogleich 
zu beginnen. 

Am folgenden Tage schon wurden einige hundert Bauern bei 
Landeck versammelt und am 27. Januar, unter Bedeckung von 
hundert Jägern und Schützen, dann einem Lieutenant und zwanzig 
Mann Kolowrat-Infanterie (Nr. 17), Verhaue bei den Pässen Königs- 
wald, Hausdorf, "Wolpersdorf, Silberberg, "Wartha, Eeichenstein und 
Johannsberg begonnen, wozu die abgeordneten Land-Commissarien 
die erforderlichen Informationen und Pläne mit Profil zur Errichtung- 
einiger Blockhäuser auf je 25 Mann, zur Vertheicligung und Ver- 
stärkung der Verhaue bestimmt, erhielten. l ) 

Der Commandant der Festung, Oberstlieutenant v. Fontaneila, 
hatte mit seinem Chef-Ingenieur, dem Oberstwachtmeister Teil o, trotz- 
dem beide erst im December 1740 in diese Festung gesendet worden 



*) K. A., Schlesien 1741, I, 13. 

9* 



132 

waren, ! ) das Möglichste vorgekehrt, um den in sehr schlechtem 
Zustand vorgefundenen Platz nothdürftig zu verstärken. 2 ) 

Die Besatzungsverhältnisse waren, wie in allen schlesischen 
Festungen, ausserordentlich mangelhaft. Der Commandant verlangte 
wiederholt 1200 Mann, hatte aber im Anfange des Jahres, wie 
bereits erwähnt, erst einige hundert Mann beisammen. 3 ) Die 
Bürgerschaft von Glatz erklärte sich übrigens zur Verteidigung 
des Platzes bis zur Ankunft der preussischen Belagerungs-Artillerie 
bereit. 4 ) Doch fehlte es vorläufig auch der Besatzung noch an 
genügender Munition, da zudem Fontane IIa im Januar noch 
400 Handgranaten nach Neisse abgegeben hatte. Das Landes- 
Archiv und die Casse wurden aus der Stadt in die Bergfestung 
übertragen. 

Fontaneila, welcher bis zu des FZM. Grafen N e i p p e r g 
Ankunft in operativer Hinsicht an den Interims-Commandierenden 
der Truppen in Schlesien, FML. Grafen Browne, angewiesen war, 
hatte von Letzterem schon zu Ende des Jahres 1740 den Befehl 
erhalten, die Brücke von Wartha abzuwerfen und auf der AVartha- 
Glatzer Strasse einen Verhau anzulegen, eine Massregel, welche 
sich bei der bereits geschilderten Unternehmung des preussischen 
Obersten Camas gegen Glatz ausserordentlich bewährt hatte. 

GFAVM. Lentulus empfahl der Landesbehörde, ein Magazin 
mit Vorräthen an rauher Fourage für 2400 Portionen täglich auf 
den Bedarf von sechs Wochen anzulegen und noch weitere Vor- 
räthe an Mehl herbeizuschaffen, obschon sich in der Festung bereits 
ein fünfmonatlicher Vorrath für eine Garnison in der Stärke von 
1500 Mann befand. In den preussischen Postierungen hatte in 
der dritten Dekade des Januar, wie schon geschildert, das Beziehen 
der Winter- Quartiere stattgefunden, wodurch preussische Truppen 
ausser nach Ottmachau in Patschkau, AVeidenau, Silberberg, 



l ) Anhang XXIII. 

2 j Plan von Glatz, Tafel V. 

'■■j Am 31. Deceniber 1740 bestand die Garnison von Glatz in -100 Mann 
und zwar 150 Mann vom Eegimente O'Gilvy und 250 Invaliden. Hiezu kamen 
noch 1 Alt-Feuerwerker, 10 Büchsenmeister, 12 Mineurs, welche der Artillerie- 
Chef GFWM. Fischer sendete. 

4 ) „Der Commandant zu Glatz hat Befehl, sich auf das Aeusserste zu 
wehren ; ich will hoffen, dass gleichwie zu Neisse und Brieg ehrliche und brave 
Leute sind, also auch zu besagtem Glatz Ehre, Nutz und Zugewährung der 
Zeit willen nach aller Möglichkeit und nach Proportion des Orts, falls er 
attaquiert, ein Gleiches geschehen werde." Neipperg an Lentulus 
ddo. Wien. 21. Januar 1741. (K. A., Mähren und Schlesien 1741, I, 10.) 



133 

Fraiikenstein, endlich, am weitesten gegen Glatz vorgeschoben, nach 
Wärtha zu stehen kamen. 

Trotz einer gewissen Besorgniss, welche diese Verschiebungen 
in Glatz, wo man mit den Vorbereitungen für eine ernsthafte Ver- 
teidigung noch nicht fertig war, erregten, sprach General Lentulus 
doch seine Meinung dahin aus, die Preussen würden weder gegen- 
wärtig, noch überhaupt im Laufe des Winters irgend etwas gegen 
die Festung unternehmen. x ) 

Fleissig- liess Lentulus nun an dem Verschliessen der Pässe 
von Landeck und Reichenstein arbeiten. Bei Gersdorf wurden zur 
Sicherung des Passes Schanzen aufgeworfen. Am 3 1 . Januar rückten 
drei Compagnien von Max Hessen- (Hessen-Cassel-) Infanterie (Nr. 27) 
in Glatz ein, welche aber zusammen nur einen Stand von 85 Mann 
hatten, -) am 2. Februar ein Bataillon Kolowrat aus dem Banat, 
das eigentlich nach Böhmen bestimmt war und an den folgenden 
Tagen die drei Colonnen vom Batthyänyi' sehen Dragoner-Regiment 
(Nr. 10), dem bald Splenyi-Husaren folgten. 3 ) 

Man verlegte in den Königgrätzer Kreis nur wenig Truppen, 
um die Besatzung in der Grafschaft kräftiger gestalten zu können. 
In Königgrätz selbst stand der Oberst Welz des Regiments 
Kolowrat mit dem Regimentsstab und einigen Compagnien. Zwei 
Bataillone und einige Compagnien von Carl Lothringen wurden in 
Cantonnierungs- Quartiere in den Königgrätzer Kreis, drei Com- 
pagnien nach Glatz verlegt. 

GFWM. Graf Kolowrat selbst traf am 16. Februar in der 
Festung Glatz ein. 

Bezüglich der Verpflegung wurde zuAVien wegen der Lieferung 
des für die Truppen notwendigen Unterhalts mit den mährischen 
und böhmischen Ständen am 27. Januar ein Contract abgeschlossen. 4 ) 

Welchen Schwierigkeiten die Sicherstellung der Verpflegung 
übrigens bei dem Particularismus der Länder begegnete, illustriert 
unter Anderem ein Schreiben des Glatzer Landeshauptmanns an 
den böhmischen Obristkanzler, worin Ersterer bemerkt, „class die 
Herren Böhmen gern das dahier befindliche Dragoner-Regiment und 
einen Theil der Husaren in das Königreich hätten und wie sie gar 

J ) Lentulus an Neipperg. Glatz, 26. Januar 1711. (K. A., Mähren 
und Schlesien 1741, I, 13), 

2 ) K. A., Lutsc h' Tagebuch. 

3 ) 17G8 aufgelöst. 

4 ) K. A., Schlesien 1711, II, 7. 



134 

wohl wissen, dass die Grafschaft nicht im Stande, ein Regiment 
Cavallerie mit der erforderlichen Fourage auf lang zu versehen, so 
gedenken sie uns so weit zu treiben, damit die Cavallerie ihnen 
überlassen werden müsste ; wie aber bei diesem Erfolg nicht nur 
die Grafschaft dem Feinde offen stünde, sondern .auch des Hofs 
Intention nicht erreicht, viel weniger nach meinem geringen Er- 
messen dadurch das Allerhöchste Interesse schuldigst besorgt würde, 
also bitte Euer Excellenz gehorsamst, sich dermalen für die hiesge 
Grafschaft in Gnaden zu interponieren, damit diese Absichten 
welche mit dem Nutzen des Publici gar nicht übereinstimmen, 
nicht nur gänzlich hintertrieben, sondern auch dieses AVerk in 
solche AVege eingeleitet werden möge, dass das benachbarte Böhmen 
nicht allein das abgängige und für Geld nicht zu habende Proviant 
auf die Festung, sondern auch die Fourage für die Cavallerie, in- 
soweit die hiesigen Kräfte nicht zulangen, liefern müsste. Ich 
weiss in Wahrheit nicht, was Böhmen sich gedenkt, die hiesige 
Grafschaft ist als dessen Vormauer zu betrachten, ist solche ohne 
Bedeckung, so kostet es dem Feinde wenig Mühe, solches auf 
seinen weitläufigen Grenzen zu beunruhigen, ja wohl gar Alles 
nach AVohlgeiällen zu tentieren." *) 

Am 3. Februar begab sich GFWM. Lentulus zu einer 
Recognoscierung der böhmischen Grenze nach Braunau, traf am 
8. Februar in Trautenau ein, wo zu dieser Zeit der Oberstlieutenanr 
von Stein des Max Hessen'schen Regiments mit einer Compagnie 
stand, zu denen am "2-1. Februar zwei Compagnien Bätthyanyi- 
Dragoner unter dem Oberstlieutenaut Baron Besänge stiessen. 
Zwei Compagnien desselben Regiments wurden nach Braunau 
verlegt, Lentulus traf am 13. in Adersbach ein, von wo er 
die dort stehende Compagnie des Regiments Kolowrat nach Skalitz 
verlegte und gelangte am Abend desselben Tages auf der Rückrei-*' 
nach Glatz wieder nach Braunau. 2 ) 

Der Ueberfall bei Baumgarten. 3 ) 

Am 14. Februar kam GFAVM. Baron Lentulus wieder in Glatz 
an und traf nun sofort Einleitungen zu einem Versuche gegen die 



x ) Graf Waldstein an Graf Neipperg. Glatz, 16. Februar 1711 
(K. A., N e i p p e r g, 1741, 19 - 5). 

2 ) Lutsch' Tagebuch. 

3 ) Nach desselben Verfassers (von Duncker) „Der Ueberfall bei Baum- 
garten" in ..Mittheüungen des k. und k. Kriegs- Archivs". Neue Folge IV. 1889. 



135 

preussischen Postierungen, den FZM. Graf N e i p p e r g ihm dringend 
angerathen hatte. Der Armee-Commandant stellte dem General 
anheim, so viel von den in der Grafschaft befindlichen. Truppen zu 
dem Unternehmen zu verwenden, als er für nothwendig erachte. 
Glücke dasselbe, so könne Lentulus, den Umständen nach, seine 
Unternehmungen auch weiter ausdehnen; doch empfahl der Feldzeug- 
meister Vorsicht und Schonung der Bevölkerung. *) 

Die Situation an den Grenzen der Grafschaft fand Lentulus 
allerdings bei seiner Rückkunft wesentlich verändert. 

Die Preussen hatten alle Defileen in der Gegend um Wartha 
und Frankenstein bereits ihrerseits durch starke Verhaue gesichert 
und auch sonst für die Verstärkung ihrer Postierungen Vieles gethan. 
GFWM. Lentulus meldete hierüber dem Armee-Commandanten 
und fügte hinzu, dass nach den eingelaufenen Kundschaften und 
Berichten sich in der Postierung von Wartha 200 Mann, in Silber- 
berg 150, in Frankenstein 300 Mann Infanterie, im Dorfe Stoltz 
(Stolz) 150 Mann Cavallerie, in Patschkau 300, in Ottmachau 1000 
Mann Infanterie und 200 Mann Cavallerie befänden. GM. von 
Derscliau, mit dem Hauptquartiere zu Münsterberg, commandiere 
diese Postierung und inspiciere fast täglich den Posten von "Wartha. 2 ) 

Das in diesem Orte stehende Detachement hatte sich stark 
verschanzt und Verhaue bei Giersdorf angelegt. Die Eingänge von 
Wartha selbst waren mit Fuhrwerken und spanischen Reitern 
verwahrt. Ausserhalb des Ortes stand ein Piket mit zwei 3-Pfündern. 
Lentulus hielt den AngrhT auf diesen künstlich verstärkten Platz 
nicht für leicht thunlich und erwog noch zögernd den Gedanken 
zu einem derartigen Unternehmen. 3 ) 



') „Da Wartha nur eineinhalb bis zwei kleine Stunden von Glatz, auch, 
soviel mir bekannt, gleich eine halbe Stunde ausser Glatz gegen Wartha das 
Gebirge, welches jedoch von dem höchst- und unzugänglichsten nicht ist 
seinen Anfang nimmt, so hielte dafür, dass daselbst, dafern man die Sache 
behutsam einleitete, dem Feinde unvermutheter Dinge ein Streich beigebracht 
werden könnte." Lentulus solle sich an Ort und Steile von der Möglich- 
keit eines solchen überzeugen und, wenn er glaube, dass ein Vortheil zu 
hoffen, denselben nicht aus der Hand lassen. Graf Neipperg betonte aus- 
drücklich in seinem Schreiben, dass General Lentulus durch einen derlei 
glücklichen „Streich" Euhm, Ehre „und gewisse Belohnung sich zu Weg 
bringen", auch der Sache der Königin bedeutenden Vorschub leisten werde. 
(NeipperganLentulus, Wien, 7. Februar 1741. K. A., Schlesien 1711 ; II. 8. 1 

2 ) K. A., Schlesien 1811 ; II, 20 u. 25. 

8 ) Lentulus anNeipper g, Glatz, 20. Februar 1711. K. A., Schlesien 
1711 ; II, 25. 



136 

Inzwischen war jedoch bereits eine Unternehmung auf die 
preussischen Quartiere geglückt. Der in Gabersdorf stationierte Oberst- 
lieutenant des Splenischen Husaren-Regiments, Baron Barkocz y. 
meldete dem GF"\VM. Baron Lentulus am 16. Februar, dass 
fast täglich kleinere Abtheilungen des Schulenburg'scheii Begiments 
Grenadiers ä cheval von Silberberg her gegen Mklasdorf patrouil- 
lierten. Er wollte versuchen, deren Quartiere zu beunruhigen und 
sandte desshalb in der Nacht zum 18. Februar von Gabersdorf aus 
eine Streif patrouille von 30 Husaren unter Führung eines Lieutenants 
gegen Silberberg. Der Officier brachte unterwegs in Erfahrung, 
s im Dorfe Schönwalde, nahe Silberberg, 50 Mann von den 
Grenadiers ä cheval be quartiert seien und wandte sich sofort gegen 
dieses Dorf. Es gelang ihm, auszukundschaften, dass die preussischen 
Beiter in zwei Häusern vertheilt lägen und nun Hess er 20 Husaren 
absitzen, überfiel mit zehn Husaren das eine Haus, während die 
anderen zehn unter Führung eines Corporals in das zweite Haus 
eindrangen. Die Grenadiere griffen allerdings noch zu den AV äffen, 
wurden aber bald überwältigt und ein grosser Theil niedergehauen. 
Der entstandene Alarm rief jedoch Unterstützungen von Silber- 
berg heran : die Husaren vermochten nicht mehr, die Pferde der 
Ueberfallenen aus den Ställen zu ziehen, sie mussten, rasch im 
Sattel, nun ein Feuergefecht aufnehmen, das ihnen gestattete, sich 
mit Verlust eines Mannes zurückzuziehen. Der Verlust der preussi- 
schen Grenadiere soll 21 Todte und 13 Verwundete betragen 
haben. 2 ) 

Am 21. Februar ritt GFYvM. Baron Lentulus, begleitet 
von dem Obersten des Splenyi'schen Husaren-Begiments, Baron 
Trips und dem Oberstlieutenant desselben Begiments, Baron 
Barkoczy, von Gabersdorf aus zur Becognoscierung der Grenze 
gegen Silberberg. Die Officiere kehrten über Wiltsch zurück, 
durchritten die Neisse bei Miihldorf und trafen über Labitschau 
(Labitsch) und Hassitz Abends wieder in Glatz ein. 2 ) 

Eine zweite Becognoscierung wurde am 23. Februar gegen 
Wartha unternommen. Diesmal begleiteten den General der Oberst 
Baron B e c h i n i e des Batthyänyi'schen Dragoner-Begiments und 
der Oberstwachtmeister Szombo von Splenyi- Husaren. 



\) K. A.. Schlesien 1741 ; II, 25 u. 33. Das Werk „Kriege Friedrich d. Gr. 
gibt I, 295 nur einen Verlust von 13 Mann an. 
2 ) Lutsc h' Tagebuch. 



137 

Diese Recognoscierangen Hessen lmnmehr doch, in General 
Leu tu Ins den Entschluss zu einer Unternehmung gegen Wartha 
oder Silberberg reifen. Zur Ausführung einer solchen waren ihm 
vom FZM. Grafen Neipperg das Dragoner-Regiment Batthyänyi 

und das' Husaren-Regiment Splenyi zugewiesen, wie er auch, er- 
mächtigt war, eventuell Infanterie zu verwenden. GFWM. Graf 
Kolowrat und der Commandant von Glatz waren ebenfalls an 
seine Befehle gewiesen und der Landeshauptmann Graf Waldstein 
zur eifrigen Unterstützung aufgefordert worden. Am 22. Februar 
hatte Graf Neipperg Lentulus noch aufmerksam gemacht, 
dass es nützlich sein dürfte, mit dem Commandanten von Neisse, 
Oberst Baron Roth sich in das Einverständniss zu setzen, um wo- 
möglich gleichzeitig von beiden festen Plätzen aus gegen die 
preussischen Quartiere vorzugehen. l ) 

Das plötzliche Drängen des Armee-Commandanten zu Unter- 
nehmungen ist wohl zum grössten Theile auf die Wünsche der 
Königin und des Grossherzogs und auf die Initiative einiger 
hervorragender Generale, deren Hauptvertreter der interimistische 
Armee-Commandant FML. Graf Browne war, zurückzuführen. 
Diese wollten den kleinen Krieg bei der weiten Ausdehnung der 
preussischen Winter- Quartiere und Postierungen, bei der, trotz des 
Besitzes von Breslau noch so wenig gesicherten militärischen Po- 
sition der Preussen in Schlesien, endlich bei der dem angestammten 
Herrscherhause entschieden treuen Stimmung der Bevölkerung in 
den katholischen Districten, während der Wintermonate energisch 
betrieben wissen. 2 ) 

Von wesentlichem Belange aber für General Lentulus" 
Entschliessungen wurde auch ein in diesen Tagen von dem FM. 
Grafen Seckendorff, dem früheren langjährigen Gesandten am 
Berliner Hofe und späteren bayerischen Armee-Commandanten, aus 
Berneck in Bayern eingetroffenes Schreiben, worin der genau ver- 
sierte Diplomat und iahige Soldat von der bevorstehenden Abreise 
des Königs von Preussen aus Berlin nach Schlesien Mittheilmig 
machte und zu einer Aufhebung desselben durch ein ausgesuchtes 
Husaren-Commando den Rath ertheilte. 3 ) 



>) K. A., Schlesien 1741, II, 28. 

2 ) H. H. und St. A. Dispacci di Germania 211. Berichte des venetia- 
nischen Botschafters Pietro Andrea Capello, Fehruar und März. 

3 ) „Ich wiederhole nochmals, dass wenn man 1000 wohlberittene Husaren 
längs den Grenzen von der Lausitz in das Brandenburgische ravagieren Hesse, 
es sollte einen grossen Alarm im Lande machen und da den 12. dieses noch 



138 

Zu gleicher Zeit, als dies Schreiben anlangte, erhielt GFWM. 
Baron Lentuhis von anderer Seite Nachricht , dass König 
Friedrich II., welcher am 19. Februar thatsächlich von Berlin 
abgereist war, nach Schweidnitz kommen und dort sein Haupt- 
quartier nehmen werde. Der General schrieb desshalb an den Prä- 
laten des an der Strasse Schönberg-Landshut gelegenen Klosters 
Grüsau. welcher ihm als getreuer Patriot gerühmt ward und ersuchte 
denselben, ihm von des Königs Ankunft Nachricht zu geben, da 
er beabsichtige, ein Detachement von 100 Husaren in der Stille 
nach Trautenau abzuschicken. Falls der König weiter herunter in 
die Geo-end von Ottmachau komme, so habe er seinen Entschluss 
gefasst, ,, weichergestalten dahin von hieraus beizukommen, auch 
ein und anderer Streich auszuführen sein werde". 2 ) 

Der Prälat beantwortete diese Frage in einem Schreiben an 
den Landeshauptmann Grafen Waldsteinam 26. Februar, welches 
dieser auch dem GFWM. Baron Lentuhis zur Kenntniss brachte. 
Als getreuer Unterthan der Königin berichtete der Prälat, was 
er vom Feinde wusste, aber er lehnte es ab, eine directe Mit- 
theilung zu machen. :i ) Uebrigens blieb sein Schreiben auch ohne 
weiteren Einfluss auf die Anordnungen, welche Lentuhis für 
den 27. Februar traf, denn andere Nachrichten hatten die Mit- 
theilungen des Prälaten bereits überholt. 

Diese Nachrichten lauteten jedoch verschieden, theils hiess 
es, dass FM. Graf Schwerin, theils dass König Friedrich H. 
selbst in Frankenstein erwartet werde. 



vier Regimenter zu Pferd und zu Fuss aus Berlin marschieren und die Armee 
in Schlesien verstärken sollen, der König für seine Person auch selbst und zwar 
ohneEscorte bis Crossen gehen wird, so wäre ein Hauptstreich zu machen, wenn 
man ihn auflieben könnte, welches aber ein Detachemeut von 60 determinierten 
Husaren, dabei 20 verwegene Officiere, sein muss."(K.A., Schlesien 1741; II, ad 33c.) 

- K. A., Schlesien 1741, II, 33. 

l ) Anhang XXIV. Die patriotische Haltung des Prälaten scheint Ursache 
zu den harten Massregeln gewesen zu sein, welche das Kloster imHerbst desselben 
Jahres betrafen. Nach einer Mittheilung des Prager Sollicitators S tohl an den 
Wirthschafts-Hauptmann Hohenstöger vom 5. September 1741 wurde von 
den Preussen „das Kloster Grüsau in Schlesien (Cistercienser) in Grund ruiniert 
und 2 Geistliche mitweggeführt, 12 haben sich nach Braunau retiriert, die 
übrigen sich hin und wieder geflüchtet". (Fürstl. Schwarzenberg'sches 
Central- Archiv in Wien, derzeit in Krumau.) Auch erhielt Oberst Baron L a 
Motte-Fouque am 12. September 1741 ein dem Stifte Grüsau gehöriges 
Haus in Schweidnitz von König Friedrich IL als Geschenk. (Schweidnitz er 
Aufzeichnungen des Justitiars Klose a. d. J. 1711 ed. Pflug, pag. 122 in 
Zeitschr. d. Ver. f. Gesch. u. Alterthum Schlesiens. XIV. Bd.) 



139 

Für alle Fälle erhielt der Commandant des Splenischen 
Husaren-Regiments, Oberst Baron Trips, der zu Ober-Hans dort' 
und Königshain mit einem Tlieile des Regiments stand, so wil- 
der in Gabersdorf postierte Oberstlieutenant Baron Barkoczy am 
25. Februar Befehl, „damit jeder seine beihabende Mannschaft 
zusammenziehe und auf beiden Seiten jenseits unter dem Gebirge 
mit gehöriger Praecaution in Wäldern versteckt, den ankommenden 
König oder FM. Seh w e r i n abwarten, mithin auf alle mögliche 
Weise einen Streich beizubringen trachten mögen". 

Beide Commandanten rückten in der Nacht vom 25. zum 26. 
Februar aus, kehrten jedoch am 26., da sich nichts vom Feinde 
sehen Hess und sie in ihren Schlupfwinkeln verrathen zu werden 
fürchteten, auch nicht genügend mit Proviant und Fourage ver- 
sehen waren, wieder in ihre Postierungen zurück. 

Am 27. Februar Morgens erhielt GFAVM. L e n t u 1 u s bestimmte 
Nachricht, ,,dass der König an diesem Tage unfehlbar auf Wartha 
kommen und diesen Ort recognoscieren werde". *) L e n t u 1 u s sandte 
unverzüglich Befehl an Oberst Trips, ,,alsobald seine Mannschaft 
zusammenzuziehen und sich vortheilhaftig zu postieren, um dem 
König oder seiner Escorte eines anhängen zu können". 1 ) 

Dem König Friedrich H., welcher in der That am 23. 
Februar in Schweidnitz angekommen und dort auch am folgenden 
Tage geblieben war, hatte GM. von Derscliau den in der Nacht 
zum 19. Februar in Schönwalde stattgefundenen Ueberfall der 
Schulenburg'schen Grenadiere gemeldet. Auch Schweri n's Meldung 
vom 20. Februar hatte er am 22. in Liegnitz erhalten, wonach 
FZM. Graf N e i p p e r g zu Olmütz erwartet werde und die Absicht 
hegen solle, einen Handstreich auf die preussischen Quartiere aus- 
zuführen. Gleichzeitig hatte Schwerin dem Könige noch mit- 
getheilt, das er dem G. d. J. Herzog von Holstein befohlen 
habe , mit den fünf in der Gegend von Liegnitz stehenden 
Escadronen Bayreuth-Dragoner nach Münsterberg zu gehen und 
dass er das Leib-Carabinier-Regiment näher an die Grenze ziehe. 

An die ihm untergebenen Generale hatte er eine längere 
Weisung erlassen, worin er neissige Beobachtungen und gute 
Sicherungsmassregeln anempfahl, sowie im Falle eines Angriffes 
rasche Versammlung und sofortige Benachrichtigung der Nachbar- 
truppe, gegenseitige Unterstützung und Ergreifung der Offensive. 



l j und 2 ) Lutsc h' Tagebuch. 



140 

sobald genügende Kräfte zur Stelle, als Richtschnur des Verhaltens 
aufstellte. : ) 

Aus Lieo-nitz noch beantwortete König Friedrich II. die 
Meldungen S c h w e r i n's und bemerkte, dass ihn dessen Massregel, 
in die Nähe von Jägerndorf Verstärkungen zu verlegen, überrascht 
habe, da derselbe bisher dagegen gewesen sei. Er werde selbst 
mit 5 Escadronen und was er sonst mitbringen könne, nach 
Jägerndorf kommen, wolle aber vorher noch die Besetzung des 
ses Silberberg regeln. 

Von Schweidnitz aus Hess König Friedrich II. einen Haupt- 
mann mit 80 Mann zur Verstärkung der Garnison von Silberberg 
abrücken und brach dann am 25. nach Reichenbach auf, wohin ihn 
die Escadrön Gensdarmen begleitete, während sechs eben dorthin 
bestimmte Compagnien des Infanterie-Regiments Jeetze folgten. 
In Reichenbach empfieng er wieder einen Bericht Schwerins. 
worin dieser, wohl durch die Anwesenheit der Infanterie-Regimenter 
Carl Lothringen, Kolowrat und Max Hessen im Königgrätzer 
Kreise und in der Grafschaft Glatz beunruhigt, meldete, dass die 
Oesterreicher sich auch in Böhmen verstärkten und es nicht un- 
möglich sei, dass von dort eine Unternehmung gegen Nieder- 
Schlesien vorbereitet werde. Es empfehle sich daher, die nach- 
rückenden Verstärkungen nicht auf dem rechten, sondern auf dem 
linken Oder-Ufer heranzuziehen. König Friedrich H. erwiderte, 
dass er über Frankenstein und Ottmachau seine Reise fortsetzen 
und mündlich mit Schwerin über dessen Bericht sprechen werde. 
Nichtsdestoweniger verfügte er noch am 26. Februar von Franken- 
stein aus, dass GM. v. Kalkstein mit drei der nachrückenden 
Infanterie-Regimenter (Kalkstein, Prinz Dietrich, Truchsess) den 
Schutz von Nieder-Schlesien gegen einen Einfall von Böhmen über- 
nehmen solle. Das erste Bataillon Garde wurde nach Schweidnitz 
bestimmt. 2 ) 

Am 26. Februar traf König Friedrich über Reichenbach 
in Frankenstein ein. Hier scheint er bereits von den am 26. Februar 
ausgesendeten österreichischen Streif-Commanden Kunde erhalten 
zu haben ; er Hess in Folge dessen durch seine Husaren die Strasse 
gegen AVartha und das umliegende Terrain durchsuchen und recog- 
noscieren und ritt erst, als die Meldung einlangte, dass nirgends 
etwas vom Feinde zu entdecken sei, von Frankenstein ab, um die 



*) Kriege Friedrich d. Gr., I, 295. 
-) Kriege Friedrich d. Gr., I, 315. 



141 



Gfenzpostierungen und den Pass von Wartha, welcher nach Gl sitz 
führt, zu besichtigen. 

Als Escorte von Frankenstein bis Silberberg diente eine Es- 
cadron >des Grenadier-Regiments zu Pferd GL. Graf von der Schulen- 
burg, unter Commando des Oberstwachtmeisters von Normann, 
welche in Silberberg von der Escadron des Oberstlieutenants von 
Diersfordt abgelöst wurde. *) 

Die Diersfordt'sche Escadron geleitete König Friedrich II. 
bis zu dem etwa zwei Kilometer vom Orte Wartha gelegenen 
Dorfe Frankenberg. 2 ) Dort stand eine Escadron Gensdarmen unter 
Oberstlieutenant von der Asseburg, von welcher der König 
50 Pferde mitnahm, die anderen 50 Pferde aber in Frankenberg 
stehen liess. 3 ) Oberstlieutenant von Diersfordt erhielt den Befehl, 
von Frankenberg bis zum Dorfe Baumgarten zurückzumarschieren 
und dort die Rückkunft des Königs zu erwarten. 4 ; 

Die von Friedrich II. eingeschlagene Route ist in den 
vorhandenen Acten nicht ausdrücklich bezeichnet, nachdem aber 
das Dorf Frankenberg in denselben erwähnt ist, so kann nur die 
Strasse von Silberberg über Briesnitz, Riegersdorf und Franken- 
berg gewählt worden sein ; der kürzere und directe Weg von 
Briesnitz auf Wartha wurde wohl mit gutem Grunde vermieden. 5 ) 
Dieser Weg zog sich längs den und zum Theil durch die Wal- 
dungen des Eulen-Gebirges hin, kaum einige Kilometer von den 
österreichischen Husarenposten vorüber, deren einen man in Gabers- 
dorf wusste. Den Rückzug wollte der König von Wartha, dann 
über Frankenberg und Baumgarten auf Frankenstein nehmen. 

Ungefähr 11 Uhr Vormittags war er in Wartha eingetroffen, 
hatte selbst von den Gensdarmen Sicherheitsposten aufstellen lassen, 
die Postierungen bei Wartha besichtigt und befand sich eben beim 
Mittagmahl im Orte, als ihm Oberstlieutenant von der As s eb ur g 
melden liess, dass ein grosser Schwärm österreichischer Husaren 
über die Neisse gekommen sei und gegen die Dörfer Baumgarten 
und Frankenberg rücke. 



x ) Oberstwachtmeister von Normann an GL. Grafen von der Schulen- 
burg, Vorstadt Frankenstein, 28. Februar 1741. (K. A., Schlesien 1741, XII, ad 27.) 

2 ) Oberstlieutenant von Diersfordt an GL. Grafen von der Schulen- 
burg, Frankenstein, 2. März 1741. (K. Ä., Schlesien 1741, XII, 27.) 

a ) Orlich, Geschichte der schlesischen Kriege nach Original- Quellen. 
Berlin 1841, I, 62. 

4 J Diersfordt's Bericht, 

s ) Tafel V. 



142 

Als Oberst Baron Trips von Splenyi-Husaren den Befehl des 
GrFWM. Lentulus zur Ausführung eines „Streiches" gegen den 
König oder den FM. Schwerin erhalten, hatte er sofort zwei 
Commanden seiner Husaren, jedes 60 Reiter stark, aufsitzen und 
„voraus an verschiedene Gegenden zwischen Frankenstein und 
AVartha" aufbrechen lassen, denen er selbst mit 30 Husaren 
folgte. Von Gabersdorf fand keine Entsendung statt, es scheint, 
dass die Zeit nicht mehr hinreichte, um noch Befehle dorthin zu 
schicken. 

Von den beiden Streif-Commanden, welche Oberst Trips 
voraneilten, näherte sich das eine unter Oberstwachtmeister 
Szombo der Strasse Frankenberg - Briesnitz, welche König- 
Friedrich H. kaum eine Stunde vorher, von Silberberg 
kommend, passiert hatte; das zweite unter Rittmeister Komäromy. 
bestellend aus zwei Lieutenants, drei Cornets, dem Regiments- 
Adjutanten und 60 Husaren, gieng gegen das Dorf Baumgarten vor. 

Rittmeister Komäromy 1 ) dürfte kaum in der Umgebung des 
Dorfes Baumgarten angekommen sein, als die von Oberstlieutenant 
von Diersfordt geführte. 95 Mann starke Escadron des Schulen- 
burg'schen Regiments erschien, 2 ) welche, dem erwähnten Befehl 
des Königs entsprechend, von Frankenberg nach Baumgarten 
zurückritt. Komäromy liess Feuer geben und attaquierte dann 
die Preussen kräftig: die Grenadiere kamen ausser Fassung und 
gaben vorzeitig und unordentlich, ohne ein Commando abzuwarten, 
ihre Schüsse ab. Bevor der Commandant es hindern konnte, 
drängten sich die Grenadiere in einen Haufen zusammen und waren 
weder durch Zuruf, noch Zusprechen in Ordnung zu bringen, die 
österreichischen Husaren hieben von allen Seiten auf die preussischen 
Reiter ein, „worauf es nicht lange dauerte, dass die Escadron die 
Fuite nahm auf Frankenstein", 3 ) Verfolgt auf ihrer Flucht von 
den Husaren, wurden noch viele niedergehauen, gefangen und 
versprengt. 



*) Nach dem Tagebuche des Fähnrichs Lutsch war Komäromy 
.. voraus detachiert, welcher sich zwischen Frankenherg und Frankenstein 
postiert, der Oberstwachtmeister aber mit 60 Husaren etwas weiter zurück, 
der Oberst mit 30 Mann bei Johnsbach stehen gebheben". 

2 ) Nach „Kriege Friedrich d. Gr., I, 318", nur 6 Officiere und 73 Mann. 

3 ) Diersfordt's Bericht. — König Friedrich II. sagt in einem 
Schreiben aus Frankenstein, 28. Februar 1741, an den Eegiments-Inhaber GL. 
Grafen von der Schulenburg: „Diese (die Escadron) hat im Anfange gute 
Contenance gehalten, als aber zwei Mann davon gefallen, geräth Alles in 



143 

Das zweite österreichische Husaren-Commando soll nach dem 
Berichte des Oberstlieutenants von Diersfordt ,, abwärts gehalten 
haben, um den König zugleich zu attaquieren", nach dem Berichte 
des GFAv'M. Lentulus hätte Oberstwachtmeister Szombo, „weil 
das Land dort durch Gräben, Berge, Thäler und "Wälder sehr 
coupiert, von obiger Action nichts wissen, noch sich conjungieren 
können und Oberst Baron Trips ist nur mit seinen 30 Husaren 
bei Johnsbach gestanden". 1 ) 

Als König Friedrich II. die Meldung von der Anwesenheit 
feindlicher Husaren im Bereiche seiner Postiermigen, ja in seiner 
unmittelbaren Nähe erhalten hatte, war er zu Pferd gestiegen und 
mit der halben Escadron Gensdarmen seiner Escorte, 40 Husaren 
und einem Detachement von 50 Infanteristen gegen Frankenberg 
aufgebrochen. Der König sagt nun selbst in seinem schon er- 
wähnten Schreiben an den Fürsten Leopold von Anhalt: 
,, Sobald ich aus Wartha kam, wurde die feindlichen Husaren so- 
gleich ansichtig, welche sich über die Neisse gesetzt und zu uns 
gekommen waren, worauf der Lieutenant Ritter mit 40 Husaren 
die feindlichen sofort attaquieren musste ; es wurden diese letz- 
teren auch repoussiert und mit Verlust von zwei Pferden über die 
Neisse zurückgejagt." 2 ) 

Die Abtheilung österreichischer Husaren, von welcher hier die 
Rede ist, kann nur das Detachement des Oberstwachtmeisters 
Szombo gewesen sein, welcher, später als Komarom y, über die 
Neisse gegangen, sich gegen die Strasse Frankenberg-Briesnitz 
gewendet hatte und hier gerade auf die vom König herangeführte 
kleine Colonne stossen musste. 

Um den Rückzug dieser Abtheilung zu erleichtern, wurde 
vom rechten Neisse-Ufer ein lebhaftes Feuer unterhalten. Der 
König schreibt dies einer österreichischen Infanterie-Abtheilung zu 



Terreur und Desordre, die Dragoner machen unter sich ein Gemurmel, dis- 
persieren sich darauf und reissen in grösster Confusion aus nach dem Dori'e 
Baumgarten. Wie aher vor diesem Dorf ein morastiger Graben liegt, worüber 
sie mit den Pferden sprengen wollen, so stürzen die Vordersten hinein und 
die Hinterherkommenden fallen nach, so dass Alles in dem grössten Effroi 
und Desordre gewesen." Beiheft zum Militär-Wochenblatt 187G : Droysen. 
Die preussischen Kriegsberichte der beiden schlesischen Kriege, 320, Anmerk. 
Siehe auch Orlich, I, Urkunden, 305 ff. Brief König Friedrich IL an 
Fürsten Leopold von Anhalt aus Frankenstein vom 27. Februar 1711. 

J ) Len t u 1 u s an Neipperg. (ilatz. 28. Februar 1711. (K. A., Schlesien, 
1741, II, 44). 

2 J Orlich, I, Urkunden, 307. 



144 

und spricht von „gezogenen Gewehren". Es ist nicht abzusehen, 
woher hier ein österreichisches Infanterie-D etachenient hätte kommen 
sollen ; vermuthlich dürfte das Feuer von abgesessenen Husaren des 
Obersten Trips abgegeben worden sein. 

In Frankenberg vereinigte sich der König mit der dort auf- 
gestellten zweiten halben Escadron Gensclarmen und schickte den 
General -Adjutanten Grafen Wartensleben nach dem Dorfe 
Baumgarten, um die Diersfordt'sche Escadron zu holen, von deren 
Schicksal ihm noch nichts bekannt war, „um, wenn allenfalls die 
feindlichen Husaren uns den Bückweg coupieren wollen, uns die 
Passage zu machen". *) 

Der General-Adjutant kam jedoch bald zurück und brachte 
dem König die Meldung von dem Rencontre und der völligen 
Auflösung dieser Escadron. Auf Friedrich IL scheint dieser 
Vorfall, der sich in seiner unmittelbaren Nähe abgespielt, von 
tiefem Eindrucke gewesen zu sein, er schrieb darüber an den 
Regiments-Inhaber : ,,"Wie nahe mir diese Desordre der Escadron 
gegangen, welcher ich mich eine halbe Stunde vorher zur Es- 
corte anvertraut, werdet Ihr selbst ermessen." 2 ) 

Die österreichischen Husaren Komäromy's gaben die Ver- 
folgung der Versprengten der Diersfordt'schen Escadron indessen 
bald auf ihre Pferde waren stark fatiguiert und der Rittmeister 
trat daher mit den gemachten Gefangenen den Rückweg an 3 ), den 
er über Paulwitz und Grünau über die Xeisse genommen haben 
dürfte. 

Bei diesem Gefechte waren preussischerseits ein Corporal und 
zehn Grenadiere toclt gebheben, ein Officier und sieben Mann ver- 
wundet worden, ein Corporal, ein Tambour, ein Fahnenschmied 
und dreizehn Gemeine wurden von den österreichischen Husar; n 
^efanffen fortgeführt. Die Standarte der Escadron, zwei Trommeln, 
Grenadiermützen und 35 Pferde waren die Siegesbeute der 
Husaren, während deren eigener Verlust drei Todte, sechs Ver- 
wundete, von denen einer nachträglich starb und drei Pferde 
betrug. 4 ) 



*) Ebenda. 

2 ) Friedrich II. an GL. Grafen Schulenburg, Frankenstem, 
28. Februar 1741. Lettres, 320. 

3 ) Lentulus' Bericht vom 28. Februar 1741. 

4 ) Ebenda und Liste von des Oberstlieutenants von Diersfordt 
Escadron. 27. Februar 1741. (K. A., Schlesien 1741, XII, 25.) 



145 



Mit den wenigen Leuten, welche der preussische Escadrons- 
Commandant noch um sich zu sammeln vermochte, ] ) ritt er, selbst 
an beiden Händen verwundet, König Friedrich II. entgegen, 
„welcher um fünf Uhr Abends unter starker Bedeckung der Gens- 
darmen und Husaren und einiger hundert Mann Infanterie, welche 
alarmiert, aus den Postierungsorten ausgerückt Avaren, den Bückweg 
über Baumgarten nach Frankenstein antrat, wo er die Nacht zu- 
brachte und auch am nächsten Tage blieb." 

Am Nachmittage des 28. Februar wurden die Gefangenen nebst 
den erbeuteten Siegeszeichen durch die Husaren in die Festung 
Glatz eingebracht. Mit den im Gefechte bei Baumgarten eroberten 
Trophäen sandte GFWM. Baron Lentulus am 1. März den Lieutenant 
Zaun er nach Olmütz, um dieselben dem dort erwarteten Armee- 
Commandanten FZM. Grafen Neipperg zu überreichen, welcher 
dieselben durch den genannten Officier nach Wien überbringen liess. 2 ) 

Am Tage des Ueberfalles von Baumgarten berichtete auch 
FM. Graf Schwerin aus Jägemdorf, dass die Gegend bei 
Ottmachau und Neustadt stets unsicherer würde und dass er den 
Obersten v. Wurmb dahin gesendet habe, um die dort .auf- 
tauchenden österreichischen Husaren zu vertreiben. 3 ) 

Die Gefahr, in welcher König Friedrich H. geschwebt 
hatte, war sehr ernst gewesen und nur dem Zufalle, dass die öster- 
reichischen Husaren erst erschienen, nachdem der König an Briesnitz 
vorüber nach AVartha gelangt war, hatte er es zu danken, dass sie 
ihn verfehlt hatten. 

Die Unsicherheit, die sich durch die Thätigkeit der öster- 
reichischen Eeiter in der preussischen Aufstellung fühlbar zu machen 
begann und die jetzt bei Baumgarten so lebhaft zum Ausdruck ge- 
kommen war, verursachte eine gewisse Aufregung und vielfaches 

») Ausser den oben angegebenen Verlusten fehlten am folgenden Tage 
der Escadron noch 30 Mann, vermuthlich Versprengte, die später weder ein- 
rückten. Major v. Norm an n an GL. Grafen Schulenburg, Frankenstein, 
28. Februar 1741. K. A., Schlesien 1741, XII, ad 27. 

J ) K. A., Schlesien 1741, III, 33. 

3 ) »Möge E. M. im Namen Gottes Acht haben auf sich und sich gut 
escortieren lassen; es braucht nur einen Augenblick, um sich verloren zu 
sehen in Ländern, wie dieses, in denen wir angesehen werden wie Ex- 
communicierte und wo man ein frommes "Werk zu thun glaubt, indem man 
uns meuchelt. Die Berge sind voll Jäger und Schnapphähnen, es wäre wenig 
Ruhm dabei, durch eine so feige Hand unterzugehen". (Preussische Stai 
Schriften, I, 292). 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 10 



146 

Unbehagen im Heere und nicht am wenigsten beim König selbst. 
Er entschloss sich zu Schritten, die zwar seine gereizte Stimmung 
bekundeten, aber nicht vorwurfsfreier Art gewesen sind. 

Der Umstand, dass gerade in diesen Tagen Spione gefangen 
wurden, welche angeblich ausgesagt haben sollen, dass sie gedungen 
seien, den österreichischen Truppen den Aufenthaltsort König- 
Friedrich IL anzuzeigen, erhöhte die Verstimmung Friedrich LT. 
noch mehr. 1 ) 

Die ganze Lage Hess es ihm als nothwendig erscheinen, den 
Minister von P o d e w i 1 s mit Instructionen zu versehen, falls er 
gefangen oder getöcltet werden sollte. -) 

Es war dies ein Act der Vorsicht und weisen Fürsorge. Aber 
über diese hinaus Hess sich der König zu Verdächtigungen so 
unglaublicher Art hinreissen, dass sie gewiss besser unterblieben 
wären. 

Etwas später als jener Erlass, ergieng nämlich am 5. März 
ein zweiter an Podewils aus Mollwitz, worin behauptet wird, 
dass einer von den bereits erwähnten attrapierten Spionen freiwillig 
ausgesagt habe, „wie sie in Commission gehabt hätten, sich an den 
Orten, wo ich mich befände, aufzuhalten, alle meine Wege und 
Stege zu epiiren und mich sodann, wo es immer möglich, den 
österreichischen Truppen zu verrathen, ja, selbst einer von diesen 
Banditen hat freiwillig bekannt, dass er desshalb einen besonderen 
Eid bei dem Hof-Kriegsrathe und, welches jedoch kaum zu glauben 
stehet, in Gegenwart des Grossherzogs von Toscana habe 
ablegen müssen". 3 ) 



! ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 319 ff. Siehe über den scheinbaren Anla^ : 
JViittheüungen des k. und k. Kriegs-Archivs, IV, 223 u. ff. 

2 ) „Nebenbei gesagt, ich bin zweimal den österreichischen Husaren 
entwischt. Wenn mir das Unglück zustossen sollte, lebend gefangen zu 
werden, so befehle ich Ihnen strengstens und Sie haften mir mit Ihrem 
Kopfe dafür, dass Sie während meiner Abwesenheit meine Befehle nicht be- 
folgen, dass Sie meinem Bruder mit Ihrein Rathe dienen und dass der Staat 
keine unwürdige Handlung zur Erlangimg meiner Freiheit begehe. Im Gegen- 
theil, ich will und befehle es, dass man den Krieg lebhafter als je führe. Ich 
bin nur König, so lange ich frei bin. Wenn man mich tödtet, so will ich, 
dass mein Körper auf römische Art verbrannt werde und dass man mich in 
einer Urne zu Rheinsberg beisetze. Knobelsdorff soll mir in diesem 
Falle ein Denkmal, wie das des Horaz zu Tusculum, errichten." (Kriege 
Friedrich d. Gr., I, 320 und Politische Correspondenz, I. 299). 

3 ) Polit. Corresp. I, Nr. 300. 



147 

König Friedrich IL beauftragte den Minister, derartige 
„indigne Proceduren des Wienerischen Hofes", ungeachtet er 
sich gegen selben „so modere bezeigt", gelegentlich bekannt 
zu machen, wesshalb nicht nur den G-esandten an den grossen 
Höfen davon Kenntniss gegeben werden, sondern der Minister auch 
in „den publiquen Zeitungen das Nöthige davon mit behörigen 
Couleurs inserieren lassen" solle. 1 ) 

In der Berlin'schen Zeitung vom 11. März 1741 erschien 
denn auch sofort ein diesbezüglicher Artikel in den „behörigen 
Couleurs", m welchem zwar der Grossherzog von Toscana noch 
nicht genannt, aber gesagt ist, „in hoher Gegenwart eines grossen 
Prinzen, von dem es nicht wohl zu glauben steht". 2 ) 

In dem Circular-Erlass vom selben Tage an die preussischen 
Gesandtschaften wurde jedoch der Grossherzog von Toscana 
ausdrücklich benannt. 

Nun stellen zwar die „Preussischen Staats-Schriften" 3 ) die Be- 
hauptung auf, der Circular-Erlass habe nicht die Bestimmung gehabt, 
„in die Oeffentliclikeit zu gelangen oder an den fremden Höfen 
übergeben zu werden" und er sei nur durch die Pflichtverletzung eines 
subalternen Beamten (Liscow) bekannt geworden. Das ist keines- 
wegs zutreffend, da dem Wiener Cabinete, schon bevor derselbe 
durch die Zeitungen verbreitet wurde, Abschriften durch die Ver- 
treter an den deutschen Höfen zugegangen sind. 

Der gewaltige Eindruck, den eine derartige furchtbare An- 
klage hervorrufen musste, trotzdem man versuchte, sie durch ein 



1 ) Preuss. Staats- Schriften, L, 293. 

2 ) Abgedruckt in „Preuss. Staats-Schriften", L, 295. Der betreffende, auch 
in der in Berlin erscheinenden französischen Zeitung, dem „Journal de Berlin" 
(welches als Motto die Devise: „Verite et liberte" trägt), enthaltene Artikel 
lautet : „Die letzten Briefe aus Schlesien berichten, dass man in unserer Armee 
viele Spione und Banditen gefangen habe, welche ausgesagt und gestanden 
hätten, beauftragt zu sein, Sr. Majestät überallhin, wo sich derselbe befinde, 
zu folgen, auf jeden seiner Schritte aufmerksam zu sein und ihn den Feinden 
auszuliefern oder sogar die verruchtesten Absichten gegen seine geheiligte 
Person auszuführen. Was aber das Schrecklichste ist und alle Vorstellungen 
übersteigt, ist, dass einer dieser Unglücklichen bekannt hat, dass der Hof- 
Kriegsrath in Wien, abgehalten in Gegenwart eines gewissen hohen Prinzen, 
den man einer solchen That unbedingt unfähig gehalten hätte, ihn unter Eid 
zur Ausführung jener schwarzen Pläne gedungen habe." (Im Original ein- 
gesendet von Graf Ost ein in London, mit Bericht vom 28. März an die 
Königin. H. H. u. St. A.) 



3 ) I , 294. 



10 



* 



148 

neuerliches Circular vom 27. März abzuschwächen r ), ist wohl leicht 
zu ermessen. 

Am 18. März war der an die geistlichen Höfe von Maynz, 
Cöln und Trier gesandte Graf Rudolph Colloredo schon in der 
Lage, der Königin Maria Theresia in seinem aus Maynz 
datierten, in Wien mittelst Courier am 23. März eingelangten 
Berichte zu melden : 

„So ist mir ingleichen im Vertrauen mitgetheilt worden, wie 
sich vorgestern in einer gehabten Audienz bei hiesigem Churfürsten 
Philipp Carl Graf Eltz) der königlich preussische Gesandte (Freiherr 
Johann Christoph Daniel v. D an ck elm ann) geäussert 2 ); gestern 
alter hat derselbe gar das beiliegende und unerhörte pro nota nicht 
allein dem Churfürsten und dessen Ministerio übergeben, sondern auch 
allen hiesigen fremden Ministris auf seines Königs specialen 
Befehl mitgetheilet. Ich kann aber Eure Königliche Majestät aller- 
unterthänigst versichern, dass solches jedermännighch vor ein ganz 
seltsames und ungewöhnliches Verfahren ansiehet und werde ich auch 
dasselbe bei aller Gelegenheit zu widersprechen ohnermangehr'. 3 ) 

Am 21. März meldete auch die österreichische Reichstagsgesandt- 
schaft in Regensburg nach Wien, dass vor drei Tagen der dortige 
ehurbrandenburgische Gesandte, Justizrath von P o 1 1 m a n n, zwei 
Schreiben seines Königs den übrigen anwesenden Gesandten, mit 



J ) „Preuss. Staats-Schriften", I.. 295 : „dass ich trotz dieser Aussage 
jenen hohen Prinzen (den Grossherzog von Toscana) niemals für fähig 
gehalten hätte, auch nur zu dulden, dass man ein derartiges Project fasse 
oder dass man seine Gegenwart missbrauche, um einen solchen Plan im vollen 
ßathe vorzuschlagen." 

2 ) „Wir (Preussen) wären nach wie vor von einem equitablen Accomode- 
ment mit dem Wienerischen Hof gar nicht eloignieret und würden zu allen 
gütlichen Expedientien, welche mit unserer Gloire compatible wären und die 
Gerechtsame unseres königlichen Chui'hauses nicht gar zu stark lädierten, gerne 
die Hände bieten. Eine gerichtliche Erkenntniss aber über unsere mit dem 
Wienerischen Hof habenden Differentien könnten und würden wir w eder 
dem chur f ür s tli ch e n C o 11 e gi o, noch auch dem E, e i c h zu- 
gestehen, sondern beharreten ein vor allemal bei der festen EntSchliessung, 
darüber nicht anders als de Prince ä Prince zu tractieren, würden uns auch 
davon, es entstehe daraus, was da wolle, durch nichts in der Welt abwendig 
machen lassen. Baron v. Danckelma n n." (H. H. u. St. A. Beilage 12 zum 
Berichte des Grafen Colloredo, 18. März 1741. Staatskanzlei, Pasc. 18. 
Berichte aus dem Beich 174-1.) 

3 ) Das von Grafen Colloredo eingeschickte , vom preussischen 
Gesandten Baron Danckelman n in Maynz dem Churfürsten-Erzkanzler 
übergebene Schriftstück enthält Anhang XXV. 



149 

Ausnahme der österreichischen, communiciert und dieselben dringend 
angegangen habe, ,, selbe an ihre Höfe und hohe Principalen ein- 
zuschicken". 

Von diesen vom 11. März datierten Schreiben, deren Wortlaut 
die österreichische Reichstagsgesandtschaft gleichzeitig in Abschrift 
einsandte, wendet sich das eine gegen angeblich vom Wiener 
Hofe ausgegangene unwahre Beschuldigungen, während das andere 
der bereits erwähnte Circular-Erlass über die persönliche Gefährdung 
des Königs ist. x ) 

Es muss nun jedenfalls festgehalten werden, class die preussi- 
schen Vertreter an den beiden wichtigsten politischen Centren des 
Reiches, in Maynz und in Regensburg übereinstimmend mit der 
Ueberreichung jenes Circular-Erlasses vorgi engen. Wenn sie den 
,, Staats-Schriften" zu Folge hiezu nicht autorisiert gewesen wären, 
so müssten diese beiden Diplomaten mindestens geglaubt haben, 
im Sinne ihrer Regierung den Auftrag ,,pour que vous en fassiez 
part la oü vous etes" so lesen zu müssen, wie er geschrieben war 
und damit ganz correct zu handeln. Sie müssen der Meinung ge- 
wesen sein, class der Erlass etwa den Zweck verfolge, durch die 
Discreditierung des Gemahls der Königin Maria Theresia bei 
den deutschen Churfürsten seine Wahl zum Oberhaupt des Reiches 
zu erschweren oder zu vereiteln. Es ist nicht zu übersehen, dass 
gerade der Churfürst von Majmz, Philipp Carl, für die bevor- 
stehende Wahl als besonders einflussreiche Persönlichkeit zu be- 
trachten war, da ihm als Erzkanzler des Römischen Reiches das 
Direktorium der Wahlversammlung zustand und dass er sich der 
Wahl des Grossherzogs sehr geneigt zeigte. 2 ) 

Das Erzkanzler- Amt hatte auch bereits am 1. März die Eröffnung 
des Wahltages zu Frankfurt verkündigen lassen und die Besprechungen 
der Gesandten in dem alten Wahlorte hatten begonnen. 

An den Höfen von London und Paris gaben die preussischen 
Gesandten mündliche Erklärungen ab. 3 ) Graf Ostein, der öster- 
reichische Gesandte am Hofe zu St. James, berichtete am 28. März 



x ) Das erstere Schreiben Anhang XXVI 

2 ) Polit. Corresp., [., 288. § 5 der geheimen Instruction für die zur 
Kaiserwahl abgeordneten Gesandten. Heigel ; ,Der österr. Erbfolgestreit und 
die Kaiserwahl Carl VII.", pag. 62 u. 11'. 

3 ) Der österreichische Gesandte in Paris, Ignaz v. Wasner, berichtete 
am 30. März 1741 an die Königin, dass der preussisebe Gesandte am 
28. März in Versailles den Ministern gegenüber die Erklärung abgegeben habe: 
..Que parmi une bände d'espions et de bandits qui avaient ete pvis dans 



150 

hierüber an die Königin Maria T h e r e s i a, indem er die schon 
erwähnte Nummer des „Journal de Berlin" einschickte. ] ) 

Nach dem Gefechte bei Baumgarten und nach den Enunciationen 
der Berliner Zeitungen tauchten nun wirklich die abenteuerlichsten 
Gerüchte und Mittheilungen auf und die Nachrichten über Attentats- 
pläne gegen den König verbreiteten sich in allen erdenklichenFormen. 2 ) 



l'armee prussienne en Silesie, le clief de cette bände avait confesse, qu'il 
avait ete pris ä serment dans le conseil de guerre ä Vienne en presence d'un 
grand prince, d'enlever le roi de Prusse mort ou vif." (H. H. u. St. A., 
Frankreich, Correspondenz 93. Angeführt in „Mittheilgn. des k. und k. K. A.. 
N. F. II, 202, Anmerkung.) 

J ) „Als nun der Lord Ministre (Harringto n) mir dasselbe gelegentlich 
meiner Anwesenheit bei ilrni, aus seinen angelangten Postbriefen vorgelesen, 
so habe solches für ridicüle tractiert, mit dem Zusatz, wie ich nicht verhoffte, 
dass solches auf die Kühnheit der Husaren gelegt werden würde, dass sie den 
König bald gefangen hätten, denn in diesem Fall dergleichen Attentate mehr 
von ihnen wohl dürften vorgenommen werden. Der Graf v. Truchsess 
(preussischer Gesandter) hat vermöge eigenem Befehle davon in einer Audienz 
dem Könige die Mittheilung thun müssen, allein der König hat ihm solche 
den ersten Tag nicht ertheüt und demnach sein Anbringen lachend von ihm 
entgegengenommen, auch mit dieser Ausdrückung beantwortet : „Sein König 
und der Grossherzog sind beide und er Graf selbst ein free Mason, ein- 
folglich laufete gegen die principia dieses hohen Ordens, einen solchen Wahn 
von seinen Mitbrüdern fassen zu wollen." (H. H. u. St. A., Graf Ostein 
an die Königin, London 28. März 1741.) 

Die „Staats-Schriften" stellen diese Aeusserung König Georg II. nach 
dem Berichte Truchsess' vom 24. März 1741 in Abrede. Hiernach soll der 
König nur gesagt haben: „Qu'il connaissait trop le duc de Lorraine pour le 
croire capable de donner les mains ä de telles indignites." (I., 295, Anmerkung.) 

Uebrigens wurde Mitte April in London vom preussischen Gesandten 
bereits begonnen, in dieser Angelegenheit stark abzuwiegeln, wie aus einem 
ferneren Berichte O s t e i n's vom 14. April hervorgeht : „Der Graf v. Truc h- 
sess gibt sich allhier alle Mühe, um aller Orten jenes, so von wegen der 
unerlaubten Vorgebung eines Attentats gegen die Person und das Leben des 
Königs von Preussen bekanntermassen in die Welt getreten, zu detruieren 
und gleichsam zurückzunehmen. Wie er dann zu diesem Ende eigens sich zu 
den fremden Ministris begiebt und mir vor zwei Tagen auch bei Hof mich 
selbst anredend gesagt, es nehme der König das also ausgebreitete Gerücht 
sehr übel auf und sehe es auf eine solche Art an, dass in sich allenthalben 
unerlaubt wäre, dergleichen nur sich zu Sinnen kommen zu lassen. Er traget für 
die Person S. K. H. als einem Fürsten von so hoher Geburt und ganz beson- 
deren Eigenschaften eine wahre Freundschaft und Hochachtung und schiene 
das Ganze auf eine Ueb ereilung von ein oder dem anderen ihrer Ministrorum 
werfen zu wollen." (H. H. u. St. A., Graf Ostein an die Königin, London, 
14. April). In ähnlichem Sinne äussert sich auch der Bericht vom 18. April. 

-') Eine in dem Märzheft des damals noch dem preussischen Cabinete 
nicht abgeneigten, von Jean Rousset, der zu jener Zeit noch Mitglied der 



151 

Es wird wohl darauf hingewiesen werden können, dass. 
militärisch betrachtet, ein organisiertes Banditenwesen, wie jenes, 
von dem die amtlichen preussischen Schriftstücke wissen wollen, 
ein Unding und die Mittheilung daher wohl nur geeignet war, 
momentan eine gewisse aufregende Wirkung in Kreisen zu üben, 
denen hiefür jeder Massstab abgieng. So viel Ordnung und 
Ueberwachung muss denn doch auch das abfälligste Urtheil im 
Hauptquartiere eines Friedrich II. voraussetzen, dass ein ver- 
dächtiges Subject keinen Tag lang innerhalb desselben möglich ge- 
wesen wäre, geschweige mehrere solcher. 

Es deutet auch in den Acten nichts auf einen solchen Kund- 
schaftsdienst nahe oder gar in dem preussischen Hauptquartier Irin, 
im Gegentheil wird der Mangel an verlässlicher Kund- 
schaft häufig genug beklagt. 

Maria Theresia war über die in die AVeit geschleuderte 
Verdächtigung, es fänden sich im preussischen Lager Meuchel- 
mörder, die der Grossherzog gegen des Königs Leben gedungen, 
auf das Tiefste verletzt und empfand die ihr und ihrem Gemahl 
zugefügte Beleidigung in vollem Masse. Den österreichischen 
Gesandten wurde als Gegenerklärung eine Note an die Höfe 
übersendet, in der die Königin ohne Bückhalt ihrer Entrüstung 
Ausdruck gab. 1 ) 

königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Berlin war, redigierten „Mercure 
historique et politique" erschienene Correspondenz enthält Anhang XXVII. 

*) Anhang XXVIII. Siehe auch über die angebliche Ermordung eines 
Münsterbergischen Gesandten, in welchem man den König vermuthet habe, 
sowie über die ganze journalistische und politische Action des Königs in 
dieser Sache den Artikel „Der Ueberfall von Baumgarten am 27. Februar 1741" 
in „Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs, IV, 228—237. 



Die Ereignisse bis zum Beginn der grösseren 

Operationen. 

Die Zustände in der schlesischen Landeshauptstadt spitzten 
sieh immer mehr zu und die Unzufriedenheit mit den neuen Ver- 
hältnissen trat gerade in dieser alten Handelsstadt bald offen hervor. 
Es drang dort doch sehr bald die Meinung durch, dass die Ueber- 
antwortung der Stadt an den König von Preussen eine durchaus 
übereilte gewesen sei und gerade Das, was man hatte vermeiden 
wollen, der harte Druck des Krieges, sich nun in überreichem 
Masse eingestellt hatte. In jener Zeit schrieb ein Breslauer Kauf- 
mann an den Obrist-Kanzler des Königreichs Böhmen, er möge 
nicht glauben, dass es unter der vernünftigen Bevölkerung Breslau's 
Jemanden gebe, „der nicht den himmelweiten Unterschied zwischen 
einem bisher empfundenen glimpflichen Eegimine clementissimae 
Domus Austriacae togato und einem zu besorgenden Eegimine 
sagato handgreiflich einsehe." *) 

Am 25. Februar war in Folge des Unbehagens, das in Breslau 
herrschte, ein Abgeordneter des „Conventus publicus" von dort in 
G-latz angekommen, um sich bei der Generalität zu erkundigen, „ob 
das Land Schlesien nicht bald einer Hilfe von unserer All ergnädigsten 
Königin sich zu getrösten haben würde, indem der Conventus 
publicus durch eine unterm 11. Februar ergangene königlich 
preussische Verordnung befehligt worden, die Stände zu berufen 
und das Contributions-Quantum zu repartieren, im Widrigen man 
an des Conventus publici Gütern mit Execution den Anfang 
machen werde." 



*) Zeitschrift d. V. f. Gesell, u. Alterth. Schlesiens. 23. Bd. G r ü nh a g e n. 
Die Einrichtuno; cl. Militärwesens in Schlesien; 2. 



153 

„Als nun der Conventus publicus dieses depreciert und möglichst 
abzulehnen gesucht, so sei von dem königlichen Commissariat im 
Namen des Königs dem Lande 286.498 Gulden monatlich abzu- 
führen *auf erlegt worden, auch bezüglich der Früchte der Befehl 
ergangen, unter Strafe der Confiscation ausser der höchsten Noth- 
durft zum Futter und Aussaat alles in die königlichen Magazine 
zu liefern". 1 ) 

!) Lentulus anNeipperg,Glatz27.Febr. 1741. K.A., Schlesien 1741; IL 4a 

„Steuern aufzulegen und zu erheben, hatte der König von Böhmen als 
oberster Herzog von Schlesien nie das Recht gehabt. Sie wurden auf seinen 
Antrag von den versammelten Ständen auf den Fürstentagen jährlich, der 
Form nach ohne alle Verpflichtung, so weit es angemessen schien, bewilligt 
u. zw. nach einem alten Anschlag für jeden Landestheil von den Ständen aus- 
geschrieben, von den Steuerämtern der einzelnen Fürstenthümer erhoben und 
der gesammte Ertrag an das General- Steueramt in Breslau abgeliefert. Dieses 
stand unter einem Ausschusse der Stände, der General- Steuercassen-Deputation 
und in einigen Beziehungen unter dem Oberamte. Aus der General-Steuercasse 
erbielt der König von Böhmen die ihm von den Ständen bewilligten Summen, 
wesentlich ohne an der Art und Weise der Erhebung und dem Betrage der 
gesammten Einnahme Antheil zu haben, worüber die Steuercassen-Deputation 
oder der ständische Ausschuss, auch Conventus publicus genannt, nur den 
Ständen selbst Rechnung abzulegen schuldig war". 

,,Die Absicht Friedrich IL war nun, es solle im Wesentlichen so 
bleiben, allein die Einnahme nicht mehr an die Königin, sondern an ihn 
entrichtet werden. Das Kiiegs-Commissariat verlangte daher gleich nach der 
ersten Ankunft des Königs in Breslau von dem Steueramte dieses Fürsten- 
thums und bald darauf vom General-Steueramte, es solle ohne Genehmigung 
des Königs ferner kein Geld ausgeben, der Bestand der Gasse aber und der Betrag 
dessen, was im Durchschnitte jährlich der Kaiser vom Lande erhalte, angezeigt 
werden. Das erregte grosse Besorgniss vor etwaiger Beschlagnahme der in der 
Casse vorhandenen Gelder, wesshalb die Aceise-Commission die Amtsstube 
schloss. Ohnehin hatten gleich bei der Ankunft des Königs in Breslau sich schon 
viele Bürger geweigert, die verhasste Accise ferner zu entrichten ; sie hörte 
in Breslau und bald in allen Städten des Landes völlig auf. Als bald darauf 
der Versuch gemacht wurde, sie wieder zu erheben, wurden die Accisehäuser 
bei Breslau und Liegnitz von Landleuten und Bürgern zerstört. Friedrich 
befahl daher durch ein Patent, alle Steuern, Accise und andere Landesabgaben 
sollten bis auf weitere Verordnung, wie im Jahre 1740, an die Landescassen 
entrichtet und aus diesen, wie das Kriegs-Commissariat dem Ausschusse der 
Stände anzeigte, doch ohne Präjudiz für die Stände, die Marschkosten und 
Landesinteressen bezahlt werden ; desshalb sei eine Eidesleistung an den König 
liöthig, der Niemand überbürden und das Abgabenwesen in der alten Ver- 
fassung mit den bisherigen Beamten lassen wolle, daher nichts nach Kriegs- 
gebrauch vom Lande, ja nicht einmal die Huldigung verlangt habe". 

„Die Steuercassen-Deputation erwiderte auf dies Verlangen, das General- 
Steueramt sei nicht königlich böhmisch, sondern ständisch und könne ohne 



154 



General Lentulus informierte den Breslauer Delegierten 
über den dermaligen Stand der sich sammelnden Operations-Armee 



Vollmacht des Fürstentags nichts thun. Die Casse enthalte nur dem Lande 
gehörige Gelder und eine geringe haare Summe zur Bezahlung der den Landes- 
gläubigern schuldigen Capitalien und Interessen, sowie zur Besoldung der 
Beamten. Die Deputation hoffe Erhaltung ihrer Verfassung, wie sie der König 
in seinem Patente für eines Jeden Eechte versprochen. Den Eid verweigerte 
der Ausschuss, als der alten Landesverfassung geradezu entgegen und stattete 
zugleich der Königin M a r i a T heresi a Bericht davon ah, mit den lebhaf- 
testen Betheuerungen des Gehorsams und der Treue. Der Syndicus der Stadt 
Breslau, von G u t z m a r, meinte auch, das Haus des General- Steueramts stehe 
unter dem Schutze des Magistrats und ein Verfahren gegen die Casse sei 
gegen den mit dem Könige abgeschlossenen Neutralitäts-Vertrag. Das Commis- 
sariat verlangte nun, der Ausschuss solle entweder die Casse aufgeben oder 
monatlich 191.000 Thaler, als soviel auch der Kaiser ehemals bekommen, zur 
Erhaltung des Heeres zahlen. Der Ausschuss verweigerte das, liess die Casse 
versiegeln und beharrte dabei, dass er nur die von den Ständen auf einem Eürsten- 
tage ertheilten Vorschriften zu befolgen, aus sich aber keine Macht, endlich nicht 
das Becht habe, die Stände zu berufen, was nur der König von Böhmen als 
oberster Herzog von Schlesien könne, viel weniger aber Steuern zu bewilligen. 
Das Kriegs-Commissariat wendete anfänglich alle Mittel an, um den Ausschuss 
zu einem ausserordentlichen, allerdings verfassungswidrigen Schritte zu be- 
wegen, nämlich auf Anweisung des Kriegs-Commissariates Zahlungen zu leisten 
und die dazu nöthigen Summen [auf das Land zu vertheilen. Als das ver- 
geblich war, griff es zu Drohungen und endlich, weil man des Geldes durchaus 
bedurfte, zur Gewalt". 

„Auf Befehl des EM. Schwerin wurde der Deputierte Sala von Grossa, 
das Haupt des Widerstandes, festgenommen und unter Bedeckung nach Oels ge- 
bracht. Das schreckte dessen Collegen etwas. Der König erklärte, er wolle die 
Stände bei ihren Kechten und ihnen auch die Cassen lassen, wenn sie ihm, wie zu- 
letzt dem Kaiser, monatlich die verlangten 191.000 Thaler an die Feldkriegs-Casse 
entrichten würden, um die Natural-Verpfiegung der Truppen zu bezahlen. Die 
Deputierten sollten sich binnen 24 Stunden erklären und. wenn sie sich wei- 
gerten, mit Execution belegt werden, indem sie, es falle, wie es wolle, ihm 
oder der Königin Maria Theresia verantwortlich blieben. Unter wieder- 
holten Erklärungen, dass Schlesien gar nicht verpflichtet sei, dem Könige von 
Böhmen Steuern zu entrichten, was nur freiwillig geschehe, unter vielen 
Klagen, dass der Kaiser nur ein Drittheil dessen erhalten, was der König 
fordere, dass Landesarmuth, Wassernoth und dergleichen mehr das Aufbringen 
einer so unerschwinglichen Summe unmöglich machten, willigte der Ausschuss 
endlich in die Entsiegelung der Casse. Er suchte jedoch unter allen möglichen 
Vorwänden eine Herabsetzung der verlangten Summe nach, indem er bewies, 
dass der Kaiser nicht wirklich insgesammt 2,538.786 Thaler, wie in der Ein- 
nahme stehe, sondern noch nicht 1,118.660 Thaler jährlich erhalten habe, indem 
über 2 Millionen Gulden theils gar nicht wirklich einkommen, theils ander- 
weitig angewiesen worden wären. Das Kriegs-Commissariat weigerte sich, 
'bin Könige das auch nur vorzutragen. Es drohte, die von ihm verlangte 



155 



nnd versicherte ihn, dass die Vorrückung derselben nicht mehr 
lange anstehen werde. „Freilich würde von dem auferlegten 



Summe von 191.000 Thaler monatlich auf die Provinz zu vertheilen und mit 
Execution beizutreiben. Auf Befehl des Königs musste der Graf Pros kau, 
Präsident der kaiserlichen Kammer, Breslau verlassen''. 

„Die Deputierten wendeten sich nun an den unterdessen nach Schlesien 
zurückgekehrten König selbst. Dieser begegnete ihnen höchst artig, machte 
sie jedoch persönlich dafür verantwortlich, dass binnen acht Tagen der gefor- 
derte Betrag für die beiden ersten Monate des laufenden Jahres abgeführt 
werde. Nun stellten die Deputierten dem Kriegs-Commissariate anheim, die ver- 
langte Summe, wie es früher gedroht hatte, selbst auszuschreiben und bei- 
zutreiben. Das antwortete unwillig, der König werde nicht jede Woche ein 
paar Mal 100.000 Thaler aus Berlin kommen und in Schlesien austb eilen lassen ; 
das Geld müsse, wenn es das Land nicht aufbringen könne, durch Banquiers auf- 
gebracht werden. Wenn die Deputierten noch weiter zögerten, werde man die 
Güter der Widerspenstigen nach Kriegsmanier behandeln. Die Deputierten er- 
widerten, sie könnten, auch wenn es Schlesiens Rettung gälte, nicht einmal 
die früher von ihnen angetragenen 66.668 Thaler monatlich aufbringen und 
müssten Alles über sich ergehen lassen. Das Kriegs-Commissariat drohte 
Cassierung der Stände und Wegnahme der Steuercasse. Das verlangte Geld 
müsse geschafft werden". 

„Nun erst giengen die Deputierten ernstlich auf Unterhandlungen ein, wie 
die vom Könige verlangte Summe für die beiden ersten Monate aufzubringen, 
wozwiscben immer noch Drohungen eintraten, die Deputierten, welche aus 
Mangel an ständischer Vollmacht den Beitritt weigerten, sofort zu entlassen. 
Der König bedrohte die Cassen-Deputation mit Execution, wenn die von ihm 
verlangte Summe nicht und zwar öffentlich, als von Fürsten und Ständen be- 
willigt, ausgeschrieben würde. Alle Vorstellungen und Protestationen dagegen 
waren vergeblich. Die Execution sollte vollstreckt werden, wenn nicht binnen 
21 Stunden das Geld für die beiden ersten Jahresmonate bereit wäre. Endlich 
erklärte die Deputation, was von einzelnen Ständen eingegangen sei, unter der 
Bedingung zahlen zu wollen, dass in den Quittungen durchaus keiner Ein- 
oder Bewilligung gedacht werde. Nun wurden aber nur 30.000 Thaler dann, 
weil nicht mehr eingegangen, insgesammt 12.000 Thaler wirklich baar gezahlt, 
indem die Deputierten sich damit entschuldigten, dass die preussischen Regi- 
menter ausser den Natural-Lieferungen von den meisten Ständen schon mehr 
als den Betrag der ersten zwei Monate baar erhoben, sie auch keine Execution 
gegen die Säumigen verhängen könnten, was Sache des (vom König aufge- 
lösten) Oberamtes sei. Dazu wäre Ober-Schlesien ganz und auch ein Theil 
Nieder-Schlesiens durch den Krieg ruiniert. Der König bestand auf völliger 
Entrichtung der von ihm verlangten Summe für die ersten Monate, bis die 
Deputation ihm berechnete, dass Schlesien an Natural-Lieferungen und baarem 
Gelde und Lasten bereits 890.000 Thaler mehr gegeben und getragen, als er 
für das ganze Jahr gefordert. Der König sah das Billige dieser Vorstellung- 
ein und erklärte, nicht mehr von ihnen zu wollen, als sie dem Kaiser gegeben. 
Es wurde nun, was Ober - Schlesien zu zahlen gehabt hätte, abgezoijvn 
und von Nieder-Schlesien monatlich 121.000 Thaler verlangt, davon waren 



156 

itrihutions-Quanto etwas abgeführt werden müssen, jedoch aber 
sollen sie damit so viel als möglieb trainieren, bis unsere Armee 
anrücken würde." J ) 

Mit der Massregelung der Landesbeamten wurde preussischer- 
seits jetzt auch energischer vorgegangen und die höheren ge- 
zwungen, das Land ganz zu verlassen. Der Liegnitz'sche Landes- 
hauptmann Graf Neidhard und dessen Räthe hatten Liegnitz 
binnen 24 Stunden verlassen müssen. -) 

Ebenso musste der Landeshauptmann von Wohlau, Graf 
Berg, seinen Posten verlassen. Am 4. März wurde sodann in 
Breslau auf Befehl des preussischen Feld-Kriegs-Commissariats der 
kaiserliche Adler vom Oberamtshause entfernt und an dessen Stelle 
der preussische angebracht, am G. geschah bei dem Amtsgebäude 
der Kammer und den übrigen Dicasterialgebäuden das Xämlich . 
Dagegen ward der Stadt-Commandant von Breslau, von Rampusch, 
zum preussischen Generalmajor ernannt und ihm der Orden pour 
le merite verliehen. 

Der Affaire von Baumgarten folgten eine Reihe verschiedener 
ähnlicher Unternehmungen, welche das Selbstvertrauen und die Kühn- 
heit der österreichischen Streifpartheien mächtig hoben, während sie 
grosse Unsicherheit auf Seite der Preussen hervorgerufen zu haben 
scheinen. Eine der bedeutenderen Expeditionen dieser Art war der vom 
FML. Grafen Browne zur Abholung von Kriegsgefangenen und Ver- 
stärkung der Besatzung nach der Festung Keisse unternommene Zug. 
B r o w n e hatte nämlich an General L e n t u 1 u s eine Estaffette 
esendet, welche in der Nacht zum 2. März in Glatz eintraf und 
ein Schreiben überbrachte , in welchem der Literims - Militär- 
Commandant mittheilte, dass er in den Tagen des 3., 4. und 5. März 
ein starkes Cornmando von Infanterie, Cavallerie und Husaren über 
Ziegenhals gegen Neisse rücken und die dortigen Kriegsgefangenen 
abholen lassen wolle, mithin möge Lentulus in dieser Gegend 



edoch in den ersten 6 Monaten nur 103.000 Gulden bezahlt und über eine 
Million im Reste." 

(Nach S t e n z e 1, Geschichte des preuss. Staates, IV. Bd. Heeren und 
U k e r t, Geschichte der europäischen Staaten. XIV.) 

') Ueber die Steuer- und Lieferungsverhältnisse in Breslau nach der 
preussischen Besitzergreifung enthält Anhang XXIX einige preussische Patente. 

2 ) Lentulus an X e i p p e r g, Glatz. 2. März 17-11. K. A.. Schlesien 
17-11; III. 7. und Kraffert, Chronik von Liegnitz. III, 184. 

8 ) K. A, F. A. Schlesien 1711. III. ad 22a. 



15 7 

auch, falls es möglich, etwas unternehmen und den Feind alarmier« n 
oder irre machen. 

Hiezu hatte Oberst Baron Roth in Neisse den General 
L e n t u 1 u s ■ schon am 22. Februar aufgefordert. x ) 

Lentulns commandierte zu dieser Unternehmung einen 
Stabsofficier mit sechs Otn eieren und 210 Mann vorn Batthyänyi'schen 
Dragoiier-Regimente, welche mit 300 Husaren (von Splenyi) unter 
des Obersten Baron Trips Befehl am 4. März gegen Patschkau 
rächen und die preussischen Postierungen während der Unter- 
nehmung des FML. Grafen Browne beschäftigen sollten. 

Lidessen führte Browne 200 deutsche Pferde, 4 Grenadier- 
Compagnien und 150 Husaren am 3. März aus seinen Cantonnierungs- 
Quartieren in Mähren nach Zuckmantel. Am 5. März alarmierte er 
die preussischen Postierungen bei Weidenau, Ziegenhals und Neu- 
stadt. Während die Preussen zur Abwehr dieser Angriffe sich an- 
schickten, rückte Oberstwachtmeister H a d i k mit Dessewffy-Husaren 
und zwei Grenadier-Compagnien gegen Neisse. Oberst Baron Eo th 
sendete ihm die Gefangenen, darunter ein Oberstwachtmeister, einige 
Officiere ,,und die zu Neisse inhaftierten zwei schlesischenLandsassen 
Graf A r c o und Baron R e i s e w i t z", entgegen, welche glücklich 
nach Zuckmantel und von da nebst dem zu Endersdorf aufgehobenen 
Arrendator v. Götz weiter nach Sternberg gebracht wurden. 2 ) 

A^on Sternberg gieng der Gefangenen-Transport über Olniütz 
und von dort am 10. März nach der Festung Spielberg ab. Graf 
A i' c o und Baron Reisewitz wurden als Staatsgefangene be- 
handelt. Jedenfalls waren die beiden Inhaftierten bezüglich des 



J ) „Euer Hochwohlgeboren habe schon seit verschiedenen Tagen mit 
grössten Schmerzen erwartet, ausser, dass hier verschiedene Coups zu machen, 
habe auch etliche Staatsgefangene (woran Ihro Majestät der Königin Alles 
gelegen, dass selbe von hier in sichere Verwahrung kommen, nebst etlichen 
30 Kriegsgefangenen, worunter 1 Ingenieur-Major, 1 Fähnrich, 2 Sergeanten, 
Wagenmeister von der Artillerie), welche hier nicht sicher genug sind, jedoch 
muss ein starkes Detachement dazu von Nöthen sein. Euer Hochwohlgeboren 
können ganz wohl und ungehindert anhero kommen oder ein starkes Detache- 
ment von 300 Pferden hiezu abschicken, bei welcher Gelegenheit Herr Oberst- 
wachtmeister T e 1 1 o, welchen höchst nöthig allhier brauche, sicher mit anhero 
kommen könnte." K. A., F. A. Schlesien 1711, II, 40 a. 

2 ) Es kann der Abzug der Gefangenen aus Neisse erst am Abend oder 
in der Nacht vom 4. zum 5. März stattgefunden haben, da Lentulus am 
6. März an Neipperg berichtet, Oberst Roth habe in einem Bidet vom 
1. März „die Abführung seiner Kriegsgefangenen nochmals inständigst 
sofficitiert". K. A., F. A. Schlesien 1711, III, 13. 



158 



Landesverrates sehr suspect, FML. (Traf B r o w n e nennt sie dem 
Hof-Kriegsrath nach Briefen des Obersten Baron Roth, die er 
ebenfalls mit einsendet, als „zwei Hauptpersonen". v ) 



*) Der Comrnandant von Neisse, Oberst Baron ßotli. hatte Reise- 
witz „mit verschiedenen merkwürdigen Schriften" und den Grafen A r c o 
als des Einverständnisses mit dem Feinde dringend verdächtig am 21. oder 
22. Februar aufheben und nach Neisse bringen lassen. Graf Manteuffel schrieb 
hierüber an Graf Seckendorff: „En effet le Colonel E o t h pousse sa 
temerite jusqu'ä insulter ceux, qui le tiennent bloque de loin. 11 ne daigne pas, 
dit-on, tenir les portes de sa bicoque fermees. II fait ä tous les moments des 
sorties si audacieuses, que les bloquants sont obliges de rester presque toujours 
sous les armes. II a nieme eu l'insolence de faire enlever le Baron de Reise- 
witz, que Vous connaissez (C'est celui que nous avons vu ä Berlin avant 
l'invasion eu Silesie et S. M. Pr. avait fait Lieutenant-Colonel) et de le faire 
mener lui et toute sa famille prisonnier ä Neisse, oü on lui ferra apparement 
mal passer son temps, en le recompensant de" (fehlt). (H. H. u. St. A., Gr. 
Correspondenz, Fase. 192, Convolut A.). 

Der Hof-Kriegsrath verlangte von FML. Grafen B r o w n e Bericht über 
die Correspondenz der genannten Edelleute. FM. Graf N e i p p e r g sandte 
dann im Mai 1711 die vom Obersten Baron Roth „wider den in inquisitione 
sich befindenden Baron Eeisewitz einbekommenen Briefschaften zur Er- 
sehung" an diese Behörde ein. Dass eine Untersuchung stattgefunden, ist 
schon desshalb wahrscheinlich, weil die böhmische Hofkanzlei beim Hof- 
Kriegsrathe „requiriert, des "Weiteren zu verfügen, womit alle in Neisse bei 
dem Militari etwa noch vorhandenen und in die Inquisition der beiden 
Arrestanten auf dem Spielberg ob Brunn Baron Reise witz und Graf 
Arco einschlagende Briefschaften, judicia und examina abgefordert und ihr, 
böhmischen Hofkanzlei, communiciert werden möchten". (H. K. R. E. P. 1741, 

Fol. 2114). 

Als Repressalie (Schwerin an Neipperg, K. A. 1741, NIII ad."):), 
66) Hess der Erbprinz Leopold von Anhalt den österreichischen Oberst- 
wachtmeister Grafen D'H au s s o n vil 1 e, der auf seinem Gute in Schlesien 
lebte, daselbst auf heben und nach Breslau bringen. 

K u n d m a n n in den „Heimsuchungen Gottes über Schlesien" erzählt 
pag. 4SI auch, dass ebenso die Gemahlin des Commandanten in Neisse, Obersten 
Baron Roth, nebst ihren beiden Kindern als Repressalie für eine von öster- 
reichischer Seite wegen Landesverrat!! arretierte Gräfin Calenberg, auf 
ihren Gütern verhaftet und nach Gross-Glogau gebracht worden, wo sie in- 
dessen standesgemäss gehalten wurde. 

( i r ü n h a g e n führt in „Erster schlesischer Krieg", I, 164, noch einige 
katholische Edelleute an, die ihrer Anhänglichkeit an die habsburgische 
Dynastie wegen auf Befehl König Friedrich IL verhaftet wurden. 

Die Freilassung der Baronin Roth erfolgte indessen-, nach einer Corre- 
spondenz aus Neisse am MO. Mai 1741 (Wienerisches Diarium Nr. 44), schon 
in der zweiten Hälfte Mai. 

„Tags darauf (28. Mai) wurde ein von dem Feind anher geschickter 
Trompeter mit verbundenen Augen in hiesige Stadt zu dem commandierenden 



159 

Bei dieser Unternehmung wurde auch der Ingenieur-Oberst- 
lieutenant Meligny, nebst einem Lieutenant des Corps und zwei 
Grenadier-Compagnien in die Festung Neisse gebracht. Den in 
Weidenau, Ziegenhals und Neustadt liegenden preussischen Ab- 
theilungen war es nicht gelungen, diese Unternehmung B ro wn e's 
zu verhindern. Nur die in Weidenau liegende Escadron der Ber- 
liner Husaren hatte zwischen Ziegenhals und Zuckmantel einen 
Zusammenstoss mit den Husaren Browne's, wobei die Preussen 
sieben Mann verloren, während der österreichische Verlust sieben 
Todte und drei Gefangene betrug. J ) 

Den Oberstwachtmeister H a d i k Hess B r o w n e mit 300 
Husaren in Zuckmantel. 

Am 1. März hatte Lentulus auch Nachricht erhalten, dass 
die in Wartha liegenden Preussen den Haag (ein Dorf am rechten 
Neisse-Ufer gegenüber Wartha) abzubrennen beabsichtigten, die 
Einwohner übrigens davon benachrichtigt hätten, um ihre Habselig- 
keiten in Sicherheit bringen zu können. 

Lentulus sendete noch am Abend des nämlichen Tages 
einen Corporal mit 12 Infanteristen und 40 Jägern dahin ab, um 

Herrn General gebracht; derselbe berichtete, dass man von preussis eher 
Seiten des allhiesigen Herrn Commandanten Baron von Eoth bis- 
hero in Arrest gehaltene Frau Gemahlin und Kinder wieder auf 
freien Fuss gestellt und auf ihre Güter zurückkehren lassen und übrigens 
verlangte man die Auswechslung der feindlichen Kriegsgefangenen mit den 
unsrigen," 

König F r i e d r i c h interessierte sich besonders für die Freilassung des 
Baron Beisewitz und dieser wurde endlich auf Befehl der Königin seiner Haft 
auf dem Spielberg entlassen und in das Österreichische Hauptquartier gebracht, 
um von hier bei der nächsten Auswechslung zur preussischen Armee abgehen 
zu können. Später (12. November) verwendete sich Graf Schwerin auch 
für den noch in Haft befindlichen Grafen A r c o, welcher auf Befehl des 
Grossherzogs ebenfalls (am 20. November) auf freien Fuss gestellt winde. 
(Actenstücke zur Geschichte des ersten schlesischen Krieges in „Mittheilungen 
des k. und k. K. A., N. F. II, 229, V, 232, 272 und VI, 284.) 

*) Letztere Angabe nach „Kriege Friedrich d. Gr., I, 324." — Nach einem 
aus dem März herrührenden Protocolls-Extract zeigt B r o w n e an, „wieviel 
preussische Mannschaft und Bäckenknechte zwischen Weidenau und Ziegen ha ls 
von dem Oberstwachtmeister Hadik zu Kriegsgefangenen gemacht und dass 
sie nebst anderen von Neisse und Troppau abgeschickten Prisonniers nach dem 
Spielberg abgeführt worden. Die von den Preussen überkommenen Post- 
packete und Briefschaften werde er durchsehen und sodann anher einsenden 
Neisse und Zuckmantel habe er mit Husaren verstärkt und dadurch die 
Communication sichergestellt. (K. A., H. K. R. 1741. Prot. Exp. März. M 



160 

den Preussen das Uebersetzen der Xeisse zu wehren. Doch konnte 
dieses Detachenient nichts ausrichten, es erhielt von AVartha 
Geschützfeuer, nmsste am 3. März zurückgehen und das Dorf Haag 
gieng in Flammen auf. 1 ) 

Anfangs März war übrigens die Garnison von Glatz durch das 
süccessive Einrücken der einzelnen Compagnien der Regimenter 
Carl Lothringen; Max Hessen und Kolowrat auf die ganz ansehn- 
liche Ziffer von 1385 Mann gestiegen. 2 ) 

Das von Lentulus ausgesendete Commando von Bätthyanyi- 
Dragonern rückte am G. März wieder in Glatz ein. Es hatte weder 
von dem Browne'schen Commando, noch von den Preussen, die 
„sich still und eingesperrt in den occupierten Ortschaften" hielten und 
wachsam waren, etwas zu Gesicht bekommen, konnte auch des starken 
Schnees und der eingetretenen Kälte wegen nicht länger im Gebirge 
verweilen. 

Noch am Nachmittage des 27. Februar nach jenem ver- 
hängnissvollen Ueberfall bei Baumgarten, mit welchem sogar die 
legendäre Erzählung vom Aufenthalte des Königs im Camenzer Kloster 
und seine Rettung durch dessen Abt Tobias S tu sehe in Ver- 
bindung gebracht wird, hatte sich König Friedrich wieder nach 
Frankenstein begeben und war dort auch am nächsten Tage gebheben. 

In Folge der Unsicherheit der Routen entschloss er sich, 
seinen Weg nicht, wie er beabsichtigt hatte, über Ottmachau und 
Neustadt fortzusetzen, sondern sich über Brieg und Krappitz nach 
Jägerndorf zu begeben und theilte diese Absicht noch am selben 
Tage dem FM. Schwerin mit. Auch in dieser Gegend fand am 
28. ein Ueberfall eines preussischen Munitions-Transportes statt, der 
von Jägerndorf nach Troppau gieng. Oberstlieutenant Dessewffy 
überfiel denselben mit 80 Husaren in der Nähe des Dorfes Kreuzen- 
dorf. Die aus einem Officier, 3 Unterofficieren und 30 Mann be- 
stehende Bedeckung vom Infanterie-Regimente Kleist wurde völlig 
überrascht, umzingelt und gefangengenommen. Die Wagen wurden 
mitgeführt, die Munition in die Oppa geworfen. 3 ) 

Als eine weitere Folge des Ueberfalles von Baumgarten kann 
auch die am 1. März von König Fri e drich IL der Cavallerie über 



1 ) K. A., Schlesien 1711, III. 7 und Lutsch' Tagebuch. 

2 ) Anhang XXX: Die Stand- und Dienst-Tabelle vom 2. März 1711. 

3 ) Nach Oberstlieutenant Dessewffy's Bericht wurde ein Lieutenant 
und 50 Mann gefangen, vier feindliche beladene Munitionswagen in die Oppa 
versenkt. (K. A.. H. K. ß. 1741. Prot. Eeg. Fol. 453, 11. März). 



161 

ihr' Verhalten beim Angriff durch Husaren gegebene Instruction 
angesehen werden. ! ) 

Bevor König Friedrich II. am 1 . März Frankenstein verliess, 
ordnete er noch die Besetzung des Dorfes Langenbielau durch 100 
Mann der Besatzung von Eeichenbach an und begab sich dann nach 
Strehlen. Von hier ausrichtete er an den Erbprinzen von Anhalt 
die Weisung, den Marsch der nachrückenden Eegimenter, die in diesen 
Tagen in der Höhe von Glogau eintrafen, zu beschleunigen. 

Am 2. März blieb Friedrich in Strehlen. Die immer be- 
stimmter auftretenden, wohl absichtlich ausgesprengten Nachrichten 
über Verstärkungen der Oesterreicher in Böhmen und über deren 
Absichten, in das Schweidnitz'sche und Jauer'sche einzubrechen, 
veranlassten ausser den bereits im Marsch dorthin befindlichen 
Regimentern Kalckstein, Prinz Dietrich und Truchsess auch die 
auf dem rechten Oder-Ufer nachrückenden Eegimenter Glasenapp 
und Prinz Leopold dorthin zu ziehen. GL. von der Marwitz 
sollte bis zur Ankunft des Königs das Commando über diese Kräfte 
übernehmen und sich nach Schweidnitz begeben. Die Aufstellung 
der Postierung an der dortigen Grenze hatte der Oberst von P o s a- 
dowsky zu leiten. General von D erschau wurde beauftragt, 
falls die Oesterreicher Anstalt träfen, in der Gegend von Schweidnitz 
einzubrechen, seine Truppen bei Peterswaldau in der Nähe von 
Eeichenbach zu versammeln und in diesem Falle nur die Posten 
bei Wartha und Silberberg zu belassen. 

In der Nähe von Ottmachau fand am 2. März ein Scharmützel 
statt. Lieutenant von S tu 1 1 e r h e i m mit 30 Mann vom Infanterie- 
Eegiment Derschau hatte etwa 25 Wagen mit Getreide nach Ott- 
machau zu begleiten und wurde zwischen Nossen und Lindenau von 
einigen hundert Mann, bestehend aus österreichischen Husaren- und be- 
waffneten Bauern überfallen, wies dieselben aber mit Entschlossenheit 
ab und brachte seine Wagen, mit Ausnahme von dreien, glücklich an 
das Ziel. Der preussische Verlust betrug 1 Mann todt und 9 verwundet. 2 ) 

Am 3. März begab sich der König zum Blokade-Corps vor 
Brieg und blieb im Dorfe Mollwitz auch noch am folgenden Tage. 3 ) 

*) Veröffentlicht in „Kriege Friedrich d. Gr.", I, Anlagen 17 und 20. 

-) Kriege Friedrich d. Gr., I, 322. Die österreichischen Acten enthalten 
über dieses Scharmützel keine Aufzeichnung. 

3 ) Er schrieb von hier aus an J o r d a n, nachdem er ihm den Ueberfall 
von Baumgarten mitgetheilt : „Mein Alter, das Feuer der Leidenschaften, das 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 11 



162 

Zum FM. Grafen Schwerin nacli Jägerndorf zu gehen, gab 
Könio- F r i e d r i c h II. auf und beschloss, nach Schweidnitz zurück- 
zukehren, um die Versammlung der dorthin bestimmten Truppen zu 
überwachen. Er theilte diese Absicht noch am 4. März Schwerin 
mit und setzte hinzu, dass, wenn Lentulus ihm nur fünf Tage Zeit 
lasse, er dort Alles in gehörigen Stand zu setzen hoffe. x ) Das 
zweite Bataillon des Infanterie-ßegiments Alt-Borcke und das Leib- 
Carabinier-ßegiment sollten ebenfalls dorthin rücken. 2 ) An Stelle 
des Königs würde sich der General- Adjutant Oberst Graf von 
Hacke nach Jägerndorf begeben. Schliesslich sprach Friedrich II. 
dem FM. Schwerin sein besonderes Missfallen darüber aus, dass 
derselbe so wenig für die Sicherung der Grenzen gesorgt habe 
und sich nicht genug der Spione bediene. 3 ; 

Der ungemein thätige Commandant von Neisse, Oberst 
Baron Roth sah nur in einer energisch geführten Offensive und 
insolange die Operations-Armee nicht aufmarschiert sei, wenigstens 
in unausgesetzten Ueberf allen und Postengefechten die Chancen 
des Erfolgs. Er wurde nicht müde, GFWM. Lentulus in diesem 
Sinne zu schreiben. 4 ) 



Verlangen nach Ruhm, selbst die Neugier, um Dir nichts zu verheimlichen, 
endlich ein geheimer Instinct haben mich der süssen Ruhe, welche ich genoss, 
entrissen und die Genugthuung, meinen Namen in den Zeitungen und dann 
auch in der Geschichte zu sehen, mich verführt. Ich Hebe den Krieg um des 
Ruhmes willen, aber wenn ich nicht Fürst wäre, so würde ich nur Phüosoph 
sein. Schliesslich muss Jeder in dieser Welt sein Handwerk ausführen und 
ich bilde mir ein, nichts halb thun zu wollen." Kriege Friedrich d. Gr. I, 323. 
(Oeuvres.) 

x ) Für Lentulus konnte es sich bei der notorischen Schwäche seiner 
Truppen nur um kleinere Unternehmungen handeln und die Hauptursache, 
welche ihn sogar von diesen abhielt, war, „dass der mehrste Theü der hiesigen 
Infanterie aus Recruten besteht, worauf folglich nicht viel sichere Rechnung 
zu machen ist." (K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 7.) Er hatte bereits am 
7. Februar über die Qualität der Infanterie an N e i p p e r g folgendermassen 
berichtet : „Den Feind aus Wartha und Silberberg zu delogieren, wäre so schwer 
nicht, wann nur nicht ein so betrübter Zustand um unsere Infanterie wäre ; 
so aber ist solche dergestalten delabriert, dass unter den allhiesigen 900 
Mann kaum 1 h alte Mannschaft sich befindet und sind die Uebrigen ausser 
den Invaliden lauter Recruten." (K. A.. F. A. Schlesien 1741, II, 40.) 

2 ) Ersteres von Oppeln, letzteres von dem rechten Oder-Ufer, avo es 
zwischen Oppeln und Ratibor in Winter-Quartieren stand. 

3 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 324. 

4 ) „Monsieur, mon tres-cher general, je vois bien que toute chose va 
avec trop de lenteur chez nous, la trop grande nonchalance fera toujours 



L63 

Am 10. März um (i Uhr Abends erhielt L e ntulus abermals 
ein Schreiben Roth's, vom Abend zuvor, worin dieser mittheilte, 
dass am 11., jedenfalls unter starker Bedeckung, ein preussischer 
Artillerie-Transport von Münsterberg- nach Ottmachau gehen solle, 
der Angriff müsse aber mit einem ziemlichen Corps geschehen, 
Roth selbst werde zu gleicher Zeit die in Neisse befindlichen 
Husaren zu der Unternehmung verwenden. x ) 

Lentulus ertheilte dem Obersten Baron Trips sogleich 
Befehl, in der nämlichen Nacht, sobald der Mond aufgienge, 300 
Husaren abzuschicken, die sich auf der Strecke Ottmachau-Münster- 
berg postieren sollten, um den avisierten Artillerie-Transport auf- 
zuheben. Falls derselbe nicht fortgebracht werden könne, wären 
die Geschütze zu vernageln. Falls auch die Bedeckung stark, würde 
selbe doch wegen ihrer schweren Pferde den Husaren nichts zu- 
fügen können. 2 ) 

Dieser Ueberfall glückte nun allerdings nicht, da der G-eschütz- 
Transport, wie Roth darüberschreibt, „den Braten gemerkt" hatte 
und schon am 10. Nachts nach Ottmachau gelangt war. 

Ueberaus thätig und eifrig, beunruhigte der Commandant von 
Neisse von der Festung aus die preussischen Postierungen auf das 
Lebhafteste. 

Der preussische Commandant in Ottmachau, Major v. Wedell, 
meldet dem FM. Schwerin am 6. März: ,,Die Husaren werden 



notre perte, et l'on ne court pas ä ce qui est le plus necessaire. Les diver- 
sions ä mon sentinient doivent avancer le veritable dessein, afin que l'ou y 
peut reussir. Je suis las, de proposer de bonnes choses, voyant, qu'on n'y 
fait point de clifficulte. Pour le dernier point je ne me peux pas expliquer, 
qu'est ce que l'on veut pretendre d'un endroit, ä qui l'on n'a. pas pense il v 
a 100 ans, oü tout etait neglige, et tout ouvert, cela ne fait rien, qu'un 
honnete honmie täche de se defendre dans un cimetiere, principalenient quand 
on ne veut pas etre oisif jamais." Neisse, le 4 de Mars 1741. (K. A., F. A. 
Schlesien 1741, III, ad 26 b.) 

*) Der Eingang des Schreibens lautet, wahrscheinlich in Beantwortung 
und in Bezug auf einen von GF WM. Lentulus geschriebenen Brief: „Hoch- 
und Wohlgeborener Freiherr, Hochgebietender General, mir ist niemals in Sinn 
gekommen, Deroselben einiger Nachsicht zu beschuldigen, zu wohl kennend 
Deroselben Bravour und unermüdeten Eifer im Herrn-Dienste. Meine Klage 
ist nur, dass man von hohem Ort nicht eher zum Hauptwerk schreitet, unter- 
dessen mein Vaterland von Früchten, Geld und Leuten ganz tranquille ent- 
blössen lässt, auch Leute von meiner Eeligion (welche sonst treu gewesen) in 
Versuchung führen lässt. (K. A., F. A. Schlesien 1741, III, ad 26 a.) 

2 ) L e n t u 1 u s an N e i p p e r g. Glatz, 10. März 1741, (K. A., F. A. 
Schlesien 1741, III, 26). 

11* 






164 

dreist und kommen Partheien davon mir ganz nahe." In Folge 
dessen giengen auch die Arbeiten an dem Brückenkopf zu Ott- 
machau nur sehr langsam von Statten, indem wenig Leute zur 
Arbeit zu bekommen waren und die Bauern nicht mehr den 
preussischen Anforderungen Folge leisten wollten. 1 j 

Anfangs März wurde dann auch vom FM. Seh w e r i n ein 
Patent publiciert, um die Landbevölkerung, welche mehr und mehr 
eine drohende Haltung anzunehmen schien, zur Leistung der auf- 
erlegten Natiu^al-Lieferungen zu veranlassen. 2 ) 

Die Anstrengungen, unter welchen die preussischen Truppen 
in Folge der häufigen Alarmierungen durch die österreichischen 
Husaren litten, waren ganz ausserordentliche. 3 j 



*) K. A., Schlesien 1741, XII 31. — So schrieb ein gewisser von Stutter- 
h e i m (vermuthlich ein Ingenieur-Ofücier) an den FM. Grafen Schwerin am 
6. März aus Ottrnachau : 

„Ew. Excellenz habe meiner unterthänigen Schuldigkeit zufolge ge- 
horsamst melden sollen, dass anjetzo so viel als möglich an den Gabions 
und anderen zur Belagerung erfordernden Stück arbeiten lasse, es will aber 
diese Arbeit nunmehr täglich schwerer werden, indem bereits 13 Dorfschaften, 
auch sogar die nur vier halbe Stunden von hier hegen, nicht mehr wegen 
der scharfen Ordre des Neussischen Commandanten so wenig mit dem Vor- 
gespann als Handarbeiter anhero kommen dürfen, noch wollen; es hat zwar 
der Major von Wedeil aus einem Dorf die Gerichte arretieren und anhero 
holen lassen, nunmehro aber traget derselbe wegen der österreichischen 
hierumstreifenden Husaren Bedenken, viele Commandos nach den Dörfern 
zu schicken, mithin thun die Bauern, was sie wollen und wann deren 100 Mann 
ausgeschrieben werden, kommen selbige kaum 20. Wegen der Leinwand zu 
den Woll- und Sand-Säcken, da in Ottrnachau und hierum liegenden Städten 
keine Elle zu bekommen, habe vorlängst nach Breslau an das Feld-Kriegs- 
Commissariat geschrieben, von dannen sowohl, als von Major von Merk atz, 
bei welchen mich dazumal gemeldet, annoch die Antwort erwarte, der ich mit 
tiefstem Bespect verharre" etc. (K. A., F. A. Schlesien 1711, XII, 32.) 

-) Dessen Wortlaut siehe Anhang XXXI. 

3 ) So meldet Major Normann am 28. Februar an den GL. Grafen 
Schulenburg aus Frankenstein: ,,Die Leute und Pferde sind wie die 
Häringe eingepackt und kommen wegen der kaiserlichen Husaren weder Tag, 
noch Nacht aus der Montur und Gewehr, bin also nicht im Stande, das Aller- 
geringste reparieren zu lassen. 76 Pferde sind von der Escadron auf Postierung 
commandiert und mit dem Eest niuss fast alle Tage escortieren. Weil ich von 
Neisse weg bin, in der Meinung, die Winter-Quartiere zu beziehen, so versichere 
Ihro Excellenz, dass ich bis dato noch nicht besser als da gestanden, beständig 
in der Montur und Gewehr." Und weiter : „Die Husaren stehen nur eine Meile 
von uns und wegen der zusammenrottierten Spitzbuben sind die Strassen sehr 
unsicher, dass fast kein kleines Commando mehr ausgeschickt werden darf." 
(K. A., Schlesien 1741, XII. ad 27.) 



165 

Inzwischen war Jabiunkau von den prenssisclien Truppen 
wieder geräumt worden. Schwerin hatte auf einen Befehl König 
Friedrich's die diesbezüglichen Weisungen erlassen, wonach 
am 9. 'März die Schanze von der preussischen Besatzung ver- 
lassen wurde. Oberstlieutenant Aniswald mit 1 Bataillon Max 
Starhemberg besetzte gleich nach dem Abzüge der Preussen den 
Posten. 1 ) 

Beim Abmärsche entspann sich ein Arrieregarde-Gefecht mit 
der Infanterie Ärnswal d's und den Komorner National-Husaren, 
von denen übrigens nur 1 Lieutenant und 37 Mann sich bei ihm 
befanden. 2 ) Preussischerseits soll hiebei 1 Cornet und 2 Mann ge- 
getödtet und mehrere verwundet worden sein. Der Verlust der Arns- 
wald'schen Colonne soll 6 Todte und 2 Pferde betragen haben. 3 ) 
Die preussische Abtheilung gieng auf Teschen und am 13. nach 
Batibor zurück. Oderberg blieb vorläufig noch von den Preussen 
besetzt. 

Inzwischen gab ein für die preussischen "Waffen glückliches 
Ereigniss der an den Grenzen Nieder-, sowie Ober-Schlesiens augen- 
blicklich nicht allzu günstigen Kriegslage sofort eine andere 
Wendung. 



x ) Dieses Bataillon, zuerst nach Ober-Oesterreich bestimmt, hatte schon 
im Januar den Befehl erhalten, nach Jabiunkau zu marschieren, den Ort jedoch 
vor den Preussen nicht mehr erreicht und war, als es in Sülem die Nachricht 
von dem Verluste der Schanze bekam, zuerst dort geblieben und später nach 
Csacza gerückt. Die aus Jabiunkau abgezogene Compagnie Wallis war in das 
Schlösschen Budatin, gegenüber von Sillein verlegt und dem Oberstlieutenant 
Arnswald unterstellt worden. Orelly selbst war behufs Verantwortung 
wegen Ueb ergäbe des Passes Jablunka nach Wien berufen worden. (Anhang 
XVI.) Uebrigens hatte FM. Pälffy durch GFWM. Ghilanyi und 
Oberstlieutenant Arnswald die Concentrierung der im Trencsiner Comitat 
auf Execution gelegenen National-Husaren und zurückgebliebenen Mannschaft 
vom Eegimente Hohenzollern zur Abhaltung der etwa weiter in Ungarn ein- 
dringenden Preussen durchgeführt. Als Commandant der in der Gegend von 
Trencsin zusammenzuziehenden National-Miliz war GFWM. d'O Hone be- 
stimmt und auch das Podstatzky'sche Cürassier-Eegirnent dorthin zu rücken 
beordert worden. (K. A., H. K. E. Prot, Exped. Febr. Fol. 410 und Reg. Febr. 
Fol. 327 und 343.) 

2 ) K. A., H. K. E. Prot, Exp. März 676. 

s ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 343. In den Acten ist nur ein Protocolls- 
Extract verzeichnet, worin bemerkt ist, dass Palffy die Eelation des Oberst- 
lieutenants Arnswald bezüglich „der von den Unsrigen wider die preussi- 
schen Husaren gemachten glücklichen Parthie" einsendet. (K. A., H. K. E. 
Prot. Exp. März, Fol. 743.) " 



166 

Die Einnahme von Glogäu. 

König Friedrich II. hatte dem die Einschliessung von 
Glogau befehligenden GL. Erbprinzen Leopold von Anhalt am 
23. Februar dringend nahegelegt, die Festung bald in seine Gewalt 
zu bringen und diese Weisung am 2. März aus Strehlen wieder- 
holt, da die militärische Situation, welche durch die im Auf- 
marsche begriffene österreichische Operations - Armee geschaffen 
wurde, die anderweitige Verwendung der vor Glogau gebundenen 
preussischen Streitkräfte erheische. 

Die Festung konnte in Folge der eifrigen Thätigkeit des 
Commandanten FML. Grafen Wallis und des zugetheilten GFWM. 
Reisky als gegen einen Handstreich gesichert betrachtet werden, 
einer regelrechten Belagerung vermochte sie jedoch keinen längeren 
Widerstand entgegenzusetzen. 

Die Einschliessung war durch Truppen des LT. Corps Ende Decem- 
ber derart bewirkt worden, dass 6 Bataillone, die Bayreuth-Dragoner, 
der grössere Theil der Husaren-Escadron und die schwere Artillerie auf 
dem linken Oder-Ufer Stellung nahmen, während 1 Grenadier-Bataillon 
und 24 Husaren das bisher auf dem rechten Ufer stehende Regiment 
Alt-Borcke ablösten. Die Feldwachen wurden bis auf 200 Schritte 
an das Glacis vorgeschoben. Zur Verbindung beider Ufer wurde der 
Bau einer Schiff-Brücke bei Beichau am 13. Januar begonnen, des 
starken Eisganges wegen jedoch bald wieder eingestellt und erst bei 
günstigeren Witterungsverhältnissen Ende Februar vollendet. 

In der Festung war man inzwischen ebenfalls nicht müssig. 
Die Schmiede und Wagner in der Stadt mussten an der Aus- 
besserung der Lafetten und Anfertigung neuer Geschützräder 
unausgesetzt arbeiten. Da die Festung nur über 17 Büchsenmeister 
verfügte, unter denen sich nicht ein einziger befand, der vor dem 
Feinde gedient hatte, so theilte Wallis noch 15 von den bürger- 
lichen Scheiben-Schützen auf die Bastionen ein. 

Für die. brauchbaren Geschütze fänden sich im Zeughause sehr 
wenige calibermässige Kugeln vor, wodurch auch die Unthätigkeit 
der Festungs-Artillerie, den Aussenposten des Cernierungs-Corps 
gegenüber, ihre Erklärung findet. Drei Mörser wurden in Stellung 
gebracht und für die im gedeckten AVege Commandierten ausser 
ihren Gewehren, aus dem Zeughause Musketen verabfolgt, da sich 
bei feuchtem Wetter diese verlässlicher als jene erwiesen. ] ) Die 



] ) Die Vertheilung der Wachen und Posten und deren Anzahl ist in 
Anhang XXXII enthalten. 



167 

Schwäche der Garnison Hess den Commandanten auf Ausfälle 
verzichten, da er dieselben mit Cavallerie nicht unterstützen 
konnte. 1 ) Ob er hierin recht handelte, mag billig bezweifelt 
werdend Unwillkürlich drängt sich der Vergleich mit der ausser- 
ordentlich activen Verteidigung der Festung Neisse durch Oberst 
Freiherrn von Roth auf, wohingegen in Glogau vollständige 
Passivität herrschte. 

Vom 1. bis 15. Februar hatte FML. Wallis eine An- 
zahl starker spanischer Reiter machen lassen, welche sowohl 
bei der ungemauerten Kreuz-Bastion, wo ausserdem eine drei- 
fache Reihe von Pallisaden gesetzt wurde, wie auch unter der 
Dominicaner- und Schloss -Bastion, bei der Ferdinands -Bastion 
und der Wolfsgruben - Schanze neben dem Flusslauf postiert 
wurden. 2 ) 

Der Festungs-Commandant bemühte sich vergeblich, über die 
Lage in der Festung Nachrichten an den Hof-Kriegsrath gelangen 
zu lassen, die enge Blokade des Platzes verwehrte jeden Verkehr 
nach Aussen. Endlich Hess er einen Soldaten seines Regiments, der 
ein Fischer und tüchtiger Schiffmann war, als Fischer gekleidet, die 
Oder aufwärts in einem kleinen Fahrzeuge während der Nacht mit 
Depeschen abgehen, um ausserhalb des Blokade-Rayons an das Land 
zu steigen und mit den mitgegebenen Briefen dann weiter zu gehen. 
Zwei Stunden nach seiner Abfahrt kehrte derselbe jedoch wieder 
zurück und meldete, dass er von den Wachtschiffen der Preussen 
auf der Oder, so wie auch von den am Ufer aufgestellten Posten 
angerufen worden und, um nicht in deren Hände zu fallen, genöthigt 
gewesen sei, umzukehren. 

Die Festung war mit eingesalzenem Fleisch und anderen Lebens- 
mitteln noch auf vier, mit Brocl aber noch auf sechs Wochen versehen 
und der Commandant versammelte am 27. Februar die höheren 
Officiere des Platzes : den GFWM. R e i s k y, den Ligenieur-Obersten 
von R a u s c h e n d o r f, die Oberstwachtmeister Baron R e i c h 1 i n 
(von Harrach) und von Planting (von Wallis) zu einer Be- 
rathung, in welcher die Frage aufgeworfen wurde, ob es für rathsam 
erachtet werde, einen Officier nach Wien zu senden, bevor aber diese 
Absendung geschehe, einen Officier an den König Friedrich H. 
oder an den vor Glogau commandierenden Erbprinzen Leopold 
von Anhalt mit dem Ersuchen zu schicken, zur Absendung eines 



') FML. Wallis' Bericht. (Archiv zu Koleschowitx.) 
2 ) Plan von Glogau, Tafel I. 



168 

Officiers aus Glogau die Erlaubniss zu ertheilen und die nöthigen 
Passierscheine auszufertigen. 

Die Theilnehmer dieser Berathung sprachen sich in bejahendem 
Sinne aus und in Folge dessen sendete FML. Wallis am Morgen 
des 28. Februar den Oberstwachtmeister Baron Reichlin mit 
zwei Briefen und zwar einem an den König von Preussen und einem 
zweiten, falls der König nicht anwesend sein sollte, an den Erbprinzen 
von Anhalt in das preussische Lager ab. Reichlin wurde in 
das preussische Hauptquartier nach Rauschwitz geleitet und gegen 
Mittag desselben Tages langte ein preussischer Tambour vor der 
Esplanade an, der einem ihm entgegengeschickten Unterofficier einen 
Brief Anhal t's an "W a 1 1 i s übergab, worin Ersterer mittheilte, dass 
er den Oberstwachtmeister ßeichlin im Hauptquartier behalte, 
bis Antwort vom Könige, dem er des Grafen Wallis Brief über- 
schickt habe, einlangen werde. Reichlin wurde aber überhaupt nicht 
mehr in die Festung zurückgelassen und traf erst, nachdem dieselbe 
gefallen, am 10. März wieder dort ein. l ) 

Die Verhältnisse drängten übrigens jetzt einer Entscheidung zu. 
Auf die erwähnte Weisung König Friedrich LT. vom 23. Februar, 
mit Glogau ,, sobald als möglich ein Ende zu machen", fragte Prinz 
Leopold am 25. an, ob er die Festung erstürmen solle, doch 
müsse er zu einem solchen Unternehmen noch das Anlangen einer 
Anzahl Petarden, die er bereits erbeten habe, abwarten; eine Be- 
lagerung könne er erst nach dem Eintreffen des schweren Geschützes, 
dessen erster Staffel am 5. oder 6. März erwartet werde, beginnen. 
Diese Anfrage beantwortete König Friedrich am 26. aus Fran- 
kenstein dahin, class die Belagerung sofort nach dem Eintreffen der 
schweren Artillerie zu beginnen habe, gleichzeitig seien aber die 
Vorbereitungen zu treffen, „um in die Stadt auf der anderen Seite 
par surprise hinein zu kommen". Da die Trappen des H. Corps 
für eine Belagerung sehr schwach waren, bat der Prinz am 2. März 
um Verstärkung und König Friedrich erlaubte, class das am 
4. März von den nachrückenden Truppen vor Glogau eintreffende 
Infanterie-Regiment Erbprinz Leopold dort bleiben könne. 



x ) Wallis' Bericht im gräfl. Archive zu Koleschowitz. 

FM. Seckendorff schreibt an GFWM. Lentulus aus Obernzemi. 
26. März 17-11 : „Nach meinen mir zugekommenen Nachrichten hat man Glogau 
zu der Zeit bestürmt und eingenommen, da man in wirklicher Capi- 
tulation gestanden; wäre dieses, so streitet es wider allen Kriegsgebrauch 
und meritiert zu seiner Zeit Eevanche." (K. A.. F. A. Schlesien 1741, IV. ad 13.) 



169 

Als nun in den ersten Märztagen König Friedrich II. 
die Gefahr eines Entsatzes nähergerückt erschien, obwohl eine 
solche Absicht in den leitenden Kreisen der österreichischen 
Armee' leider noch gar nicht ernstlich ventiliert worden, sandte 
er am 6. März den Befehl, zum Sturme Glogau's zu schreiten, 
durch den Oberstlieutenant von der Goltz, welcher am 7. 
Abends im Hauptquartier des Prinzen Leopold zu Rauschwitz 
eintraf. 

Am Morgen des 8. März versammelte Prinz Leopold die 
Stabsofficiere und gab ihnen bekannt, dass die Festung am Abend 
mit Sturm genommen werden solle. Zugleich wurde die Disposition 
für den Sturm erörtert, von welcher die Bataillons-Commandanten 
und die ältesten Hauptleute Abschrift erhielten und die sämmt- 
lichen Ofncieren vorzulesen war. J ) 

„Der Sturm sollte, sobald die erste Glocke in der Stadt die 
Mitternachtsstunde verkündete, an drei verschiedenen Puncten zu 
gleicher Zeit stattfinden und zwar an denjenigen Stellen, die nach 
den früher angestellten Erkundungen als die schwächsten galten. 
Es waren dies die Wolfsgrubenschanze, die Schloss-Bastion und 
die zwischen Spittel- und Leopold-Bastion befindliche Poterne. Um 
10 Uhr Abends sollten die Truppen auf den hiefür angewiesenen 
Plätzen bereit stehen. Alles Gepäck war in den Quartieren zurück- 
zulassen, jeder Mann hatte 30 Patronen, davon eine im Lauf, mit- 
zufuhren." 

„Die erste Colonne, aus dem ersten Bataillon des Regiments 
Markgraf Carl und den Grenadier-Bataillonen Bolstern und Saldern 
bestehend, hatte sich an der abgebrochenen Brücke zu sammeln, 
auf welcher der Breslauer Weg über den Rauschwitzer-Bach führte 
und von dort längs der Oder, die Michael-Bastion links lassend, 
auf die Wolfsgrubenschanze vorzugehen, hier den AVall zu ersteigen 
und zwischen Wall und Mauer hinter der Michael-Bastion hinweg 
gegen das Alte Thor vorzudringen. Capitain von Beer hatte mit 
3 Officieren, 8 Unterofficieren, 12 Zimmerleuten und 83 Grenadieren 
dieser Colonne durch die Pallisaden und spanischen Reiter den Weg 
zu bahnen und das Alte Thor zu sprengen, wozu ihm ein Artillerie- 
officier mit Petarden beigegeben war. Zur Deckung der rechten 



J ) „Disposition, wie es den 8. u. 9. Martii gehalten werden soll, um 
Glogau zu surprenieren." Anlage Nr. 18 in ,, Kriege Friedrich d. Gr." I, III. 



170 

Flanke sollte Capitain von Bardeleb e n mit 2 Officieren und 
86 Mann von der "Wolfsgrubenschanze längs der am Wasser be- 
findlichen Befestigung bis zur Carl-Bastion vordringen, ebenso 
Capitain von Itzen plitz zur Sicherung der linken Flanke mit 
3 Officieren, 6 Zimmerleuten und 81 Mann durch den Garten des 
Commandanten gegen die Ferdinands-Bastion und von hier längs 
des gedeckten Weges bis zur Spitze der Kreuz-Bastion. Die am 
Alten Thor eingedrungenen Truppen hatten sich nach dem Markt- 
platz zu wenden." 

„Die zweite Colonne, bestehend aus dem Regiment Prinz 
Leopold, den Grenadier-Bataillonen Kleist und Winterfeldt, sowie 
zwei Compagnien des Grenadier-Bataillons Reibnitz *), hatte sich 
hinter dem Galgenberg und zwar das erste Bataillon des Regiments 
Prinz Leopold hinter dem abgebrannten Wirthshause an der Strasse 
nach Schloin, alles Uebrige nördlich davon an der Strasse nach 
Beichau zu versammeln." 

„Die drei ältesten Capitains der bei dieser Colonne befindlichen 
Grenadier-Bataillone hatten mit je 3 Officieren, 12 Zimmerleuten. 
91 Mann voraufzugehen und zwar Capitain von D amnitz am nörd- 
lichsten, Capitain von Taubenheim in der Mitte, Capitain 
von Münchow am südlichsten. Alle drei sollten gegen die linke 
Ecke des zwischen Schloss- und Dominicaner-Bastion liegenden 
Verbindungswalles vorrücken. Capitain von Münchow hatte als- 
dann nach Beseitigung der Pallisaden des gedeckten Weges zwischen 
diesem und dem Wall bis an die Spitze der Dominicaner-Bastion 
vorzudringen, liier bis auf Weiteres Halt zu machen und so die 
rechte Flanke der Colonne zu sichern. Capitain von Tau b e n h e i m 
sollte den Wall ersteigen, zwischen Wall und Mauer das Brostauer 
Thor erreichen und dieses sprengen, wozu ihm ein Artillerie-Officier 
mit Petarden beigegeben war. Dann war das Thor durch Capitain 
von Taubenheim und die drei anderen Compagnien des Grenadier- 
Bataillons Winterfeldt, die ihm zu folgen hatten, vorläufig besetzt zu 
halten. Eine dem genannten Bataillon ebenfalls folgende Compagnie 
des Grenadier-Bataillons Reibnitz unter Capitain von C o 1 1 r e p p 
hatte mit einem Officier und 20 Mann die Dominicaner-Bastion zu 
besetzen, mit dem Rest den im Ravelin zwischen dem Brostauer 



J ) Es waren dies die beiden Grenadier-Coinpagnien des Eegiments 
Truchsess. Die beiden anderen zum Grenadier-Bataillon Reibnitz gehörenden 
Compagnien des Eegiments Markgraf Carl waren auf dem rechten Oder-Ufer 
liei Zerbau verblieben. 



171 

Thor stehenden feindlichen Posten unschädlich zu machen und so 
den Weg nach Aussen zu öffnen. Wenn dies geschehen, sollte das 
erste Bataillon des Regiments Prinz Leopold, welches vom ab- 
gebrannten Wirthshause anrückte, benachrichtigt werden und seiner- 
seits das Brostauer Thor besetzen, während das Grenadier-Bataillon 
AVinterfeldt alsdann nach dem Markte vorrückte." 

„Dem am weitesten nördlich vorgehenden Capitain von Dam- 
n i t z sollten die drei übrigen Compagnien des Grenadier-Bataillons 
Kleist, sowie das zweite Bataillon des Regiments Prinz Leopold 
folgen. Mit dieser Abtheilung der zweiten Colonne beabsichtigte 
der Erbprinz selbst vorzugehen. Sie sollte längs des zur Schloss- 
Bastion führenden Verbindungswalles, den davor liegenden Teich 
links lassend, gegen die linke Flanke der Schloss-Bastion vordringen 
und sie ersteigen. Dann hatte sich die vorderste Compagnie zu theilen 
und mit der einen Hälfte das Schloss-Thor zu zerstören, während die 
andere sich nördlich um das Schloss herum gegen die Oder-Brücke 
wendete, um auf diese Weise die linke Flanke zu sichern. Vom 
Schloss aus sollten die Truppen dann weiter in die Stadt vor- 
dringen." 

,,Der Angriff der dritten Colonne sollte von Süden her er- 
folgen. Es waren hierzu das zweite Bataillon des Regiments 
Markgraf Carl und eine aus den Uebercompleten des IL Corps 
gebildete Abtheilung unter Major von Bunt seh bestimmt worden. 
Die Abtheilung war etwa 300 Mann stark und in zwei Compagnien 
zusammengestellt. Als Sammelpunct sollte die Klostermühle im 
Rauschwitzer Grunde dienen. Diese Colonne hatte gegen den 
ausspringenden AVaffenplatz des gedeckten Weges vor der Leopold- 
Bastion und von hier zwischen dem gedeckten Wege und dem Walle 
bis an die Poterne zwischen Leopold- und Spittel-Bastion vorzu- 
gehen. Nach Zerstörung der Gitter hatte sich eine Hälfte der Ab- 
theilung des Majors von Bunt seh nach der Kreuz-, die andere 
nach der Löwen-Bastion zu begeben. Das der Abtheilung folgende 
Bataillon des Regiments Markgraf Carl hatte mit je einer Com- 
pagnie die Spittel-, Leopold- und Sebastian-Bastion zu besetzen, 
während die vierte an der Poterne verbheb." 

„Auch die Cavallerie des Einschliessungs-Corps sollte während 
des Sturmes Verwendung finden. Beim Eintritte der Dunkelheit 
hatte sie ihre Posten zu verdoppeln, so dass keine Nachricht des 
beabsichtigten Ueberfalles in die Stadt gelangen könnte. Alsdann 
sollten sich zwei Escadronen im Rauschwitzer Grunde, in der Gegend 
der Petzel-Mühle sammeln, sobald die erste Colonne bei der Wolfs- 



172 

grubensclianze eingedrungen war, dieser folgen und die nach der 
Oder führenden Strassen absuchen, um etwa flüchtende Feinde ge- 
fangen zu nehmen. Die übrigen drei Schwadronen hatten sich 
hinter der evangelischen Kirche zu sammeln, sodann durch das 
Brostauer Thor in die Stadt zu folgen und diese zu durch- 
streifen." 

„Diejenige Colonne, welche zuerst in die Stadt eindrang, sollte 
sofort durch berittene Adjutanten die übrigen benachrichtigen 
lassen, damit diese, falls ihnen der Sturin an dem angewiesenen 
Puncte nicht geglückt war, dahin rücken konnten, wo schon der 
Eingang frei war." 

„Die Compagnie, welche zuerst die Stadt betrat, sollte sogleich 
den Grenadiermarsch schlagen lassen, ebenso jede folgende, damit 
sich die preussischen Truppen auf diese Weise erkennen könnten. 
Die feindlichen Posten waren überall zu entwaffnen und im Falle 
des Widerstandes niederzumachen. Allen feindlichen Soldaten und 
Bürgern sollte zugerufen werden, das Gewehr wegzuwerfen, widrigen- 
falls Alles „massacriert" und die Stadt geplündert werden würde. 
Letzteres sollte jedoch nur auf ausdrücklichen Befehl des Prinzen 
stattfinden. Ein Haus zu betreten, wurde bei Todesstrafe ver- 
boten." 

..Die Gesammtstärke der zur Unternehmung bestimmten Truppen 
betrug 4300 Mann Infanterie und G00 Reiter." x ) 

In der Festung ahnte man nichts von der drohenden Gefahr, 
die unmittelbar bevorstand. 

Am 5. März beobachtete der Festungs-Commandant mit dem 
General E e i s k y vom Stadtthurme aus, class Cavallerie über die 
SchifT-Brücke bei Beichau auf das rechte Oder-Ufer marschiere und 
Infanterie in die umliegenden Dörfer eingerückt sei, am 8. sah man 
Faschinen in die Dörfer führen und muthmasste, class die Preussen 
in einer der folgenden Nächte die Trancheen eröffnen wollten. Die 
Visitierung der Posten im gedeckten AVege und auf den Bastionen 
wurde in Folge dessen bei Tag und Nacht sowohl durch den 
Festungs-Commandanten selbst, wie durch den General Reisky 
vorgenommen und die Artilleristen beordert, ihre Geschütze schuss- 
fertig zu halten. Ein Fourier von Wallis-Infanterie, der auf dem 
Stadtthurm als Beobachtungsposten aufgestellt war. meldete am 
s. März Abends, class aus einigen Dörfern Grenadiere marschiert und 



J ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 335 u. ff. 



173 

andere dafür eingerückt seien, die, wie es schien, Schaufeln getragen 
hätten. Wallis sendete nach dieser Meldung noch am Abende seinen 
Adjutanten zu dem im gedeckten Wege commandierenden Haupt- 
mann von Harrach, Baron von R i p p e r d a, um ilim aufzutragen, 
seinen Posten anzubefehlen, besonders in der kommenden Nacht 
sehr wachsam und ,, alert zu sein" und verabredete mit General 
Reisky, dass um Mitternacht er und bei seiner Rückkunft Wallis 
selbst die Posten mehrmals visitieren würden. Ausserdem berief 
der Festungs-Commandant den Oberstwachtmeister von PI anfing 
zu sich und befahl ihm, mit der Reserve achtsam zu sein, um beim 
geringsten Alarm auf den Wall rücken zu können. 

Die Nacht vom 8. zum 9. März war sehr finster. Als die 
Glocke der Domkirche die Mitternachtstuncle schlug, hörte man in 
der Festung mehrere Salven von der oberen Seite bei der Ferdinands- 
Bastion. FML. Wallis sandte sofort den Oberstwachtmeister von 
Planting mit der Reserve und auch einen Theil der Bürgerschaft 
dorthin ab. Gleichzeitig ertönte das Alarmsignal von der Haupt- 
wache her. Der Festungs-Commandant mit General Reisky 
eilte an der Spitze von 30 Grenadieren und der 100 Mann 
starken bürgerlichen Reserve, welche sich bei dem Jesuiten-Colleg 
angeschlossen hatte (aber, aus dem Schloss-Thor kaum hinausgelangt, 
davonlief oder das Gewehr wegwarf), gegen die untere Wasserseite 
der Schloss-Bastion, als einem der schwächsten Puncte der Festung. 
Reisky hatte auf dem Alarmplatz seinen Adjutanten mit dem 
Befehl zurückgelassen, dass die sich noch sammelnde Mannschaft 
theils nachrücken, theils an den von dem General bezeichneten Ort 
nachgeführt werden sollte. Als die Generale, Reisky voran, dort 
anlangten, trafen sie bereits preussische Abtheilungen, die den 
Wall zu erklimmen suchten und mit denen sich ein Feuergefecht 
entspann. Es waren die Compagnien des Capitains von D a m n i t z, 
drei Compagnien des Grenadier-Bataillons Kleist und das zweite 
Bataillon Prinz Leopold, an der Spitze der Colonne der Erbprinz 
in Begleitung des Markgrafen Carl und des Oberstlieutenants 
von der Goltz. x ) 

Reisky gieng mit seinen wenigen Leuten zum Angriff vor, 
erhielt aber zwei Schüsse und sank im Handgemenge, von einem 



*) Das Tagebuch des Feldpredigers J. F. Seegebart erzählt pag. 17 : 
„Prinz Leopold erstieg den Wall diesseits, nebst den Markgrafen Carl und 
Friedrich (?) mit 10 Grenadiers, die auf die sich entgegenstellenden Mann- 
schaften einmal Feuer gaben, wodurch Eeisky schwer blessiert wurde." 



174 

Bajonnetstich schwer verwundet, zusammen. Die Preussen stürmten 
über den am Boden Liegenden fort gegen das Thor des Gebäudes der 
Landeshauptmannschaft, dem sogenannten „Schloss", wohin Wallis 
sich mit Hauptmann Grafen Engelshausen geworfen und das 
Thor hatte schliessen lassen. Er versuchte hier die Vertheidigung 
aufzunehmen. Prinz Leopold Hess indessen durch seine Zimmer- 
leute das Thor einschlagen und mit Petarden sprengen. AV" a 1 1 i s zog 
sich nun gegen die Hauptwache, um dort die Vertheidigung fort- 
zusetzen. Als er aber auf dem Platz anlangte, fand er denselben 
bereits gefüllt mit den auf verschiedenen Seiten eingedrungenen 
preussischen Truppen, warf sich mit einigen Leuten noch in das 
offen stehende Proviant-Magazin und wurde hier gefangen. ') 

Der verwundete General R e i s k y war inzwischen erkannt und 
in das nächste Wachthaus am "Wall, nach einer halben Stunde aber 
in das Schloss getragen worden. 2 ) 

Wallis selbst sagt in seinem Berichte über die Erstürmung 
der Festung : 

Der Sturm wurde an drei Orten unternommen „und zwar an 
beiden Wasserseiten und zwischen der Sebastian- und Löwen- 
Bastion. Die unserigen Posten in dem bedeckten Weg an der 
oberen Wasserseite sowohl, als die auf dem Wall haben mit Stücken, 
Kartätschen und kleinem Gewehr einen tapferen Widerstand gethan, 
ja einige sich gar nicht ergeben wollen; der Feind hatte sofort die 
ungemauerte, unweit der Ferdinands-Bastion gelegene sogenannte 
Wolfsgrube erstiegen und unter beständiger Chargierung mit der 
Garnison sich solcher, nebst der Courtine, welche bis zu dem Pol- 
nischen Thor geht, mit solcher Gewalt bemeistert, dass die Unserigen 
nicht zu resistieren vermögend gewesen. Auf der unteren Wasser- 
seite aber, bei der Schloss-Bastion, als der zweiten Attaque, ist der 
Feind nicht nur bis an die Pallisaclen, sondern bis in den bedeckten 
Weg gekommen, ohne dass ein Schuss auf ihn geschehen wäre, 
.sondern es haben sich die Posten lächement in Graben retiriert, 
welche auch durch ein feindlich Detachement aufgehoben und 
gefangen worden, wo sodann der Feind nach Umhauung der 



*) Wallis' Bericht. (Archiv zu Koleschowitz.) 

2 ) Eeisky's Bericht vom 12. Juli 1741 an den Hof-Kriegsrath aus 
Glogau. (K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 25). Der General starb im Sommer 
1741 (3. August) in Folge der bei der Einnahme der Festung erhaltenen Ver- 
wundungen in Glogau, wenn es ihm auch „durch den angewendeten Fleiss 
eines aus Dresden expresse berufenen königlich polnischen Chyrurgi" eine 
Zeitlang anscheinend etwas besser gegangen war. 



175 

Pallisadeii und spanischen Reiter in der Stille die ungemauerte 
Schloss-Bastion und Courtine erstiegen. Bei der dritten Attaque 
unweit der ungemauerten Kreuz-Bastion hat sich der Feind nach 
einiger Resistenz des bedeckten Weges bemächtigt und nachdem 
solcher zu zweimalen von dem Wall repoussiert worden, endlich 
der grossen übermannten Force halber vermittelst der Sturmleitern 
penetriert, das Brostauer Thor aufgehauen und in die Stadt ge- 
drungen ist." x ) 

Dreiviertel Stunden nach Mitternacht war der Kampf an allen 
Puncten beendet und die Festung im Besitz der Preussen. 

Nach Verlauf einer weiteren Stunde ritt die preussische 
Cavallerie über eine durch 100 Schanz-Bauern gemachte Wall- 
öffnung in die Stadt. 

Der gefangene Commanclant wurde zu dem vor der Front 
seiner Truppen auf dem Marktplatze stehenden Prinzen Leopold 
geführt, den er ersuchte, die Stadt mit der Plünderung zu ver- 
schonen, allein ,, durch Insolenz des gemeinen Mannes wurden 
viele, besonders katholische Häuser ausgeplündert". 2 ) 



J ) Wallis' Bericht. (Archiv zu Koleschowitz). 

2 ) Bericht Wallis' an den Grossherzog von T o s c a n a, Berlin 
27. März 1711, in „Oesterr. Militär-Zeitschr." 1811, 1812, 1813 und dessen 
Bericht im Archive zu Koleschowitz. In der „Silesia, Museum für schlesische 
Vaterlandskunde", I, wird über die Plünderung nach einem alten, vermuthlich 
von einem Geistlichen herrührenden Tagebuch erzählt : „Obschon nun diese 
Einnahme dem Feinde nicht gar zu viel Mühe gekostet, indem die Gegen- 
wehr gar nicht viel zu bedeuten hatte, so haben doch gleich einige 
Soldaten schon nach 1 Uhr zu plündern angefangen und sind vor Allem wie 
die wüthenden Hunde das Collegium der P. P. Jesuiten angefallen, allwo 
(obschon ihnen eine ziemliche Summe Geldes gereicht wurde), sie die ganze 
schöne, Avohleingerichtete Apotheke in den Grund ruiniert." In dem Collegio 
sei auch, was nicht niet- und nagelfest, mitgenommen, in der Sacristei fünf 
Kelche und einige schöne Paramente und andere Sachen fortgetragen „und 
die Geistlichen überdies noch mit Schlägen tractiert" worden. Am frühen 
Morgen schlössen sich auch lutherische Bauern diesen Plünderern im Jesuiten- 
Colleg an und führten von den Effecten einen W r agen nach dem andern fort. 
,.Folgsam ist es über die ganze Stadt hergegangen, dass wenige Häuser von 
der allgemeinen Plünderung sind befreit geblieben, unter welchen viele einen 
ungemein grossen Schaden erlitten haben." „Diesen Tag sah man auf allen 
Gassen nichts als lauter Soldaten, welche die Häuser ausräumten." „Die 
goldenen Ringe mussten von den Fingern und die Ohrgehänge von den 
Ohren herabgerissen werden, wer ihnen nicht bald so viel Geld, als sie ver- 
langten, darreichte, dem setzten sie das aufgepflanzte Bajonnet an die Brusl 
und den blossen Säbel an den Hals, wir waren dazumal lauter Hunde und 
Canaillen, man hörte nichts anderes als : „Hund, gib Geld her oder Dich 



176 

"Wallis wurde in das Conimandantenhaus geführt, Ingenieur- 
Oberst von AValrave ihm beigegeben und ihm sogleich jede 
briefliche Mittheilung und jeder Verkehr verboten. 

Der Verlust der Festungsbesatzung betrug 60 Todte und Ver- 
wundete und 865 Mann, *) von denen ein kleiner Theil ausgewechselt 
werden sollte, dagegen Diejenigen, welche nicht zum Eintritt in 
preussischen Kriegsdienst sich bewegen Hessen, in die Kriegs- 
gefangenschaft nach Stettin abgesandt wurden. 

Der preussische Verlust soll 9 Mann todt, 2 Ofticiere, 3 Unter- 
ofnciere und 37 Mann verwundet, betragen haben. 2 ) 

Der Plan zur Emportierung der Festung war ohne Zweifel 
geschickt entworfen und die Ausführung gereicht den preussischen 
Ofncieren zu hoher Ehre, wie gegentheilig die mangelhafte Ver- 
teidigung des Platzes wenig entsprechend ist und ihre Schwäche 
zum grössten Theile auch auf den schlechten Geist der Truppe 
zurückgeführt werden muss. 3 ) 

„Gewiss aber ist es," sagt General Reisky in seinem Berichte, 
,.dass sowohl durch die aus der Stadt desertierten, auf Arbeit ge- 
standenen Bauern und durch die Deserteure von der Garnison 
unsere sämmtlichen Veranstaltungen und die irreparable Schwäche 
der Oertlichkeit meineidigerweise dem Feinde verrathen worden, wie 
dann zwei von unseren Deserteuren und ein allhier verheiratheter 
wohnhafter Mann, welcher acht Tage vor der Attaque zum Feind 
übergelaufen, ihr Anführer gewesen." 4 ) 



Canaille, soll die schwere Notli regieren." „Demnach nun die Plünderung 
in die sechs Stunden gedauert, nmssten die meisten ausmarschieren." 
See gebart, der ja Prediger bei des Erbprinzen Leopold Regimente war. 
erzählt in seinem schon erwähnten Tagebuche : „Weil die Festung mit Sturm 
übergegangen, so ward den Grenadiers gestattet, zu plündern, welches in- 
sonderheit das Jesuiten-Collegium und einen (vermuthlich katholischen) Apo- 
theker betroffen." (S. 18.) 

*) 154 Mann waren während der Blokade desertiert. 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr.. I, 310. Oesterreichische Berichte geben den- 
selben höher an. 

3 ) „Gegen Ende der Blokade war die Garnison auf 925 dienstbare Mann 
heruntergekommen, worunter sehr viele von solchem Widerwillen, Mtu'ren und 
Unzufriedenheit, dergleichen ich unter unseren Truppen nicht gesehen, noch 
gehört, — die Oesterreicher hielten sich blutschlecht." Die Posten hatten die 
Preussen nicht wahrgenommen, bis sie im Graben die Pallisaden umhieben. 
Die Kanonen thaten keine Wirkung, sie überschössen. (Seegebart, 17.) 

*) A. a. O. Eeisk y's Bericht. 



4^ 



177 



Am 13. März wurde Wallis mitgeteilt, dass es ihm gegen 

Ausstellung eines Reverses gestattet sein solle, nach Wien zu gehen 
wohn* er auch am 14. bereits unter Escortierung eines preussischen 
Gapitams aufbrach, i) Als er indessen in Jauer anlangte, kam ein 
Adjutant aus Schweidnitz vom König von Preussen mit dem Befehl 
an den begleitenden Capitain, dass Wallis „wichtiger Ursachen 
halber dermalen nicht nach Wien gelassen werden könnte", sondern 
sich nach Berlin zu begeben habe, wo er denn auch am 26. März 
eintraf. 2 ) 

Als Wallis im Sommer des Jahres, allerdings noch kriegs- 
gefangen und nur gegen Revers entlassen, sich in Wien befand 
hatte er vor einer unter dem Vorsitze des FM. Grafen Kheven- 
huiler zusammengetretenen Commission von Generalen sich zu ver- 
antworten, welche ihn von einem Verschulden an der Uebergabe 
der Festung lossprach. 3 ) 

- . r Al1 BeL ! te fiden d6n Pre ^n 8 Fahnen, 69 Geschütze, 
o Mörser, über 4000 Gewehre und bedeutende Mengen von 
Munition und Kriegsgeräth in die Hände. *) 

Hocherfreut über den Erfolg zeichnete König F r i e d r i c h 

den Erbprinzen durch ein schmeichelhaftes Handschreiben aus und 

xess ihm 20.000 Gulden aus der in der Festung vorgefundenen 

Knegs-Casse jedem zu der Unternehmung ausgerückten Mann einen, 

den Unterofficiercn zwei Gulden auszahlen. 5 ) 

2 ^ ie T ? eiseroute ™ &™ über Gl atz vorgeschrieben. 

war nach K p"' T^fn ^? g Friedrich IL ^ Erlaubniss zurücknahm. 

waa nach „Kriege Fnedrich d. Gr.", 1,342, die inzwischen erfolgte Gefangennahme 

) Die darauf bezüglichen Actenstücke siehe in Anhang XXX1I1 Aller 
dmgs war die öffentliche Meinung über den Fall von Glogau nicht so leicht 

2 ÄT;^ Ti^ gU ^ e d ' 6Xemple qU ' Une P lace m ™ üe com *- «eUe-lä, 
at ete empor ee d'emblee en moins d'une heure de temps . . . . l a conduite de 

^ach .V ene t^ alliS S6rait aUJ ° Urd ' hüi ^ 0S - ä »iendes bWs » 
(Nachricht aus Breslau vom 15. März. K. A., F. A. Schlesien 1741. XIII, 10) 

57 met 1! g l, dl ' iCh * ^ *' ^ ^ GeScMtze ^znäen in 

57 metallenen 11 eisernen, 1 Haubitzen, 3 metallenen und 2 eisernen Pöllern 
(Nach einem Inventar im k. und k. Hofk.-Arch.) 

;) Kriege Friedrich d. Gr., I, 312. Mit der „Kriegs -Casse" war es nun 
aUerdings eine eigene Sache; eigentlich war es die Casse des Inhabers des 
Wallis sehen Infanterieregiments. Dieser berichtet selbst darüber: „Man hat 
gleich den andern Tag darauf, ungeachtet meines nachdrücklichsten Repräsen- 
tieren, alle Oberofficiere, ohne dass solche bevor siel! bei mir haben anmelden 
dürfen nach Stettin, die Unterofflciere und Gemeinen theüs auch dahin 
viele aber (wie ich höre) wiederum anderwärts hin, um solche ,,i, <;,.... 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. IQ 



178 

Magistrat und Bürgerschaft der Stadt Glogau mussten dem 
Könige am 11. März den Huldigungseid leisten. x ) Die Festung 
wurde durch, den Obersten von Walrave sogleich wieder in Ver- 
teidigungszustand gesetzt. 

Ereignisse vom 9. bis 18. März 1741. 

Die Einnahme Glogau's hatte die bisher vor dieser Festung 
gebundenen preussischen Kräfte zur Verwendung im Felde ver- 
fügbar gemacht. König Friedrich, der noch immer stärkere 
österreichische Kräfte im Glatz'schen vermuthete, neigte jedoch 
der Ansicht zu, dass ein näheres Heranziehen der Truppen Schwerin's 
an die nördlich der Neisse stehenden Abtheilungen nothwendig sei. 
Erst S c h w e r i n's Bedenken und die von ihm mitgetheilten Nach- 
richten, dass die österreichische Haupt-Armee sich bei Olmütz 
concentriere, bewogen den König, den vollkommenen correcten 
Plan einer Vereinigung der Kräfte vorläufig fallen zu lassen und 
nur die Abtheilung La M o 1 1 e's zurückzuziehen, die schon am 
9. März Jablunka geräumt hatte, von dort nach Teschen und am 
13. aufR-atibor zurückgegangen war. In Betreff dieser Bewegungen 
schrieb König Friedrich an P o d e w i 1 s, dass er, um etwaigen 



desto ehender überreden und bezwingen zu können, dass sie bei ihnen Dienste 
nehmen möchten, abgeschicket ; in dasjenige Haus, wo meines unterhabenden 
Regiments Rechnungsführer gelegen und aUwo das Gewölb, worinnen die 
Regiments-Cassa und sämmtliche Regiments-Schriften sich befunden, ist gleich 
eine starke Wache von dem Feind hineingelegt worden und als ich dem 
Prinzen von Anhalt-Dessau vorgestellt, dass er ja die Stadt von der 
Plünderung zu verschonen versprochen, auch den Offi eieren das Ihrige ge- 
lassen habe, also ja meine und meines Regiments Gelder auch nicht als bonne 
prise angesehen und genommen werden könnten, erwiderte er mir in Antwort, 
diese Gelder waren als Ihro Majestät der Königin zugehörige Gelder zu 
considerieren, jedoch wollte er (sobald er zu seinem König kommen würde) 
sich diesfalls befragen, nun aber ungeachtet folgsam von Berlin aus zu zwei 
unterschiedenen Malen erwähnten Prinzen von Anhalt hierum geschrieben, 
niemalen darauf eine Antwort habe erhalten können." Bericht an den Hof- 
Kriegsrath. (Archiv zu Koleschowitz.) 

*) Seegebart erzählt : „Es ist unglaublich, wie sehr die Leute hier 
für den König portiert sind, soviel evangelisch sind, weiches die meisten sind. 
Sie nennen auch den Namen „König" allezeit mit einem besonders respectueusen 
Accent. Heute wurde zum ersten Mal das in den preussischen Landen ge- 
wöhnliche Kirchengebet auf Ordre von beiderlei Religions-Verwandten nach 
der Predigt gesprochen und der ambrosianische Lobgesang wegen der glück- 
lichen Eroberung Glogau's mit Pauken und Trompeten auch sogar auf vielen 
Dörfern abgesungen." (S. 24.) 



179 

Missdeutungen vorzubeugen, darüber eine entsprechende Mittheilung 
in die Zeitungen geben solle. J ) 

Der, wie bereits erwähnt, im ungarischen Grenz-Districte 
commandierende General d'O Hone begab sich nach der Wieder- 
besetzung der Jablunkaer Befestigungen persönlich dorthin und 
ordnete bezüglich der Arbeiten und der Besatzung das Er- 
forderliche an. Die Preussen hatten bei ihrem Abzüge die von 
ihnen hergestellten Arbeiten vollständig vernichtet, die Gebäude 
angezündet und die besten Stücke mitgenommen. 2 ) Es waren zur 
Verteidigung nur 2 Geschütze disponibel, die der Commandant 
O'Reilly seinerzeit mitgenommen hatte und welche nun wieder 
zurückgebracht wurden. Die von den Preussen bei ihrem Abzug- 
vernagelten 7 Geschütze wurden dagegen nach Trencsin gebracht. 
FM. Pälffy liess übrigens drei von den in Jablunka zum Feind 
übergetretenen Vybranzen in Trencsin festsetzen und verfügte, dass 
auch gegen die übrigen mit aller Strenge verfahren werde. 3 j 

GFWM. d'O 1 1 o n e verlegte die früher dort gestandene Wallis' 
sehe Compagnie wieder in die Schanze, ausserdem 1 Compagnie 
von Max Starhemberg, deren Commandanten er mit einer schrift- 
liehen Instruction versah. Ende März wurde der Ingenieur-Lieutenant 
D a 1 1 1 nach Jablunka gesendet, um nach d'O 1 1 o n e's Anleitung die 
Wiederherstellung der zerstörten Schanze in Angriff zu nehmen. Auf 
die Nachricht, dass General La Motte seinen Marsch von Teschen 
nach Katibor fortsetze, liess d'O Hone zur Einziehung von Nach- 
richten 1 Wachtmeister mit 12 Husaren der preussischen Colonne 



*) „Da ich zu meinen Kriegsoperationen nöthig gefunden, das unter Com- 
mando des FM. Schwerin jenseits der Neisse (stehende Corps) näher zu- 
sammen und daher die in Teschen gestandenen Truppen etwas zurückzuziehen, 
so habe ich solches melden wollen und sollt Ihr in den dortigen und übrigen 
Zeituno-en setzen lassen, damit die Feinde dieser Sache keinen falschen An- 
strich, ihrer Gewohnheit nach, geben mögen, als wenn es eine retraite wäre." 
Cabinetsch reiben an P o d e w i 1 s, Schweidnitz, 10. Martii 1741. (Beiheft z. Mil. 
Wochenblatt, 1876, 322.) 

2 ) FM. P ä 1 f f y theilte sogar dem Grafen Neipperg am 20. März mit, 
dass er über den von den preussischen Truppen aus der Schanze Jablunka 
und dem Fürstentimm Teschen genommenen Abzug und nur noch dieses an- 
zumerken habe, „was massen sie in gedachter Schanz" Jablunka gegen all' 
aufrichtig und menschliches Betragen angefüllte Bomben zurückgelassen und 
solche mit Feuer unter den Mist verborgen, welche auch gesprungen und 
nicht geringen Schaden unsern dahin gekommenen Leuten zufügen können. 
wann sie nicht zum Gdück sich noch zeitlich in die Keller und Hütten retiriert 
hätten". (K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 65 . 

3 ) K. A., H. K. R., Prot. Exped. März, Fol. 7 ( J7. F. A. Schlesien 1741, III, :V.K 

12* 



180 

folgen. La Motte hatte übrigens bei seinem Abmarsch aus Teschen 
,, einige angesehene Männer als Geiseln für noch ausstehende Contri- 
butionen mit sich geführt". J ) 

Auch berichtete d'Ollone an Pälffy, dass sich der 
Teschener Landeshauptmann Baron Skrbensky bezüglich der 
von der Grenz - Miliz in Neustädtl an der Kiszycza in zwei 
Dörfern verübten Excesse beschwert habe, er daher den diese Miliz 
commandierenclen Marschofsky bis auf weiteren Befehl arre- 
tieren lasse. 2 ) 

Ausser der Heranziehung von General La Motte's Truppen 
war es die Sicherung des Passes von Zuckmantel, auf welche 
König Friedrich II. unausgesetzt hinwies. Schwerin hatte in 
Folge dessen am 10. März eine Unternehmung gegen diesen von 
300 Husaren besetzten Punct angeordnet. 

GM. von Jeetze, dem diese Aufgabe übertragen worden, brach 
am 11. März mit dem Infanterie-Regimente Kleist von Jägerndorf auf, 
stiess aber auf zahlreiche Verhaue, die von der Landbevölkerung und 
Husaren vertheidigt wurden, so dass er, um nicht abgeschnitten zu 
werden, sich nicht nach Zuckmantel, sondern nach Ziegenhals 
wandte. Er bat von hier aus um Verstärkung an Cavallerie und 
erhielt hierauf noch 250 Pferde vom Regimente Prinz Friedrich 
zugeschickt, die bisher in der Gegend von Neustadt postiert ge- 
wesen waren. 

Jeetze brach am 15. März von Ziegenhals auf. Seine Colonne 
bestand aus den Husaren der Avantgarde unter Oberst von "Wurnib, 
dem Regimente Kleist, dem in Ziegenhals stehenden 2. Bataillon 
des Regiments Schwerin, der Cavallerie vom Regimente Prinz 
Friedrich und 2 Regiments-Geschützen. Er stiess schon nahe vor 
Zuckmantel auf österreichische Posten, deren Gros aus dem Orte 
abgezogen und ein zwischen diesem und Endersdorf liegendes Gehölz 
besetzt hatte. 

Diese Vortruppen wurden durch den Ort Zuckmantel, dessen 
Thore offen waren, verfolgt ; in den Gassen wurde auf die einrückende 
preussische Avantgarde geschossen, wodurch ein Unterofncier und 



J ) Grünhagen, Erster schles. Krieg I, 173. Diese Geiseln waren: 
Der Landeshauptmann Baron Skrbensk y, der Ober-Eegent Freiherr von 
Pfütschner, Baron Gotschalkowsky von Zengilovv, Bürger- 
meister E u d o 1 p h, die Bürger J a g o s c h und Muntschk a. (K. A., F. A. 
Schlesien 1741, ad 42 a 2 .) 

2 ) K. A.. H. K. E. 1741. Prot, Exped. März, Fol. 7S4. 



181 
1 Husar getöcltefc und 3 verwundet wurden. GM. Jeetze Hess 
nun seine Geschütze auffahren und einige Schüsse abgeben, dann 
gab der General Befehl, den Ort anzuzünden. Nur die Kirche und 
einige Häuser blieben von den Flammen verschont. Am nächsten 
Tage hatte Johannesthal das gleiche Schicksal. Beiden Orten fiel 
nur desshalb ein so trauriges Los zu, weil von ihnen die Streifzüge 
der Husaren gegen die preussischen Postierungen den Ausgangs- 
punct genommen hatten. GFWM. Graf Grünne, der in Würben- 
thal commandierte, liess auf die Meldungen vom Anmärsche der 
Jeetze sehen Colonne 100 Husaren von Ghilanyi in scharfer Gangar t 
zur Unterstützung vorgehen, die aber schon zu spät kamen 
Sie folgten den wieder abziehenden Preussen eine Meile weit 
konnten aber der starken preussischen Colonne nichts anhaben' 
Grunne selbst war bis Grund vorgegangen, wohin sich die Be- 
satzung von Zuckmantel zurückgezogen hatte und dann bis zu 
letzterem Ort wieder vorgerückt, ohne noch etwas vom Feinde 
wahrzunehmen, der bereits nach Neustadt und Ziegenhals abge- 
zogen war. ö 

Das Schicksal der Einwohner von Zuckmantel, die Alles 
gethan hätten, um sich zu vertheidigen und der Gnade der Königin 
würdig seien, bezeichnet Grünne in seinem Berichte an FML 
(xraten Browne als ein tief beklagenswertes. 

G r ü n n e bestimmte dann Hermannstadt als Aufnahmsposten, 
den der Oberstwachtmeister von Dessewfly-Husaren, welcher 40 bis 50 
Mann m Grund commandieren sollte, postiert hatte und gab 
Befehl, die 140 Husaren, welche aus Neisse zur Unterstützung des 
Postens von Zuckmantel gekommen waren, in der Nacht in die 
± estung zurückzusenden. 

^■i Wei tr Te P ° Sten Standen zuEill siedel und Würbenthai, von 
Ghilanyi-Husaren in Engelsberg, Carlsthal, Dittersdorf und Markers- 
dorf, welche Patrouillen bis Olbersdorf aussenden konnten. 

Grünne selbst gieng am 17. März nach Freudenthal und 
am 18. März nach Hof. J ) 

GM. von J e e t z e erhielt nun abermals den Befehl, für die Siche- 
rung der Passagen über Zuckmantel zu sorgen und es wurden ihm hiezu 
die Infanterie-Regimenter Kleist, Schwerin, das Cavallerie-Eegiment 
™ 1Z Fnedr ich und die Husaren-Escadron des Obersten von W u r m b 
überwiesen. Gleichzeitig hatte sich Jeetze mit den nördlich der 

1711 in ttTT: G 7 fGrünueailFML -^afen Browne, Würbenthai, 16. März 
1741, 10 Uhr Abends. (K. A., F. A. Schlesien 1711, III ad 59.) 



182 

Neisse cornmandierenden Generalen, dem G. d. J. Herzog von 
Holstein und GM. von Derschau, dem in Ottmachau stehenden 
Grenadier-Bataillon Wedeil und den beiden Grenadier-Cornpagnien 
Buddenbrook in Patschkau in Verbindung zu setzen. Den grössten 
Theil der Truppen verlegte General von Jeetze nach Neustadt 
und Ziegenhals. 

Die Meldungen des FM. S c h w e r i n bestimmten König 
Friedrich H., diesen in der Gegend von Troppau und Jägern- 
dorf zu belassen, da nach denselben augenblicklich kein Einbruch 
der österreichischen Truppen in Nieder-Schlesien zu erwarten sei. 
In dieser Zeit langten auch die Infanterie-Regimenter Glasenapp, 
Kalckstein, Truchsess, Prinz Dietrich und das erste Bataillon 
Leibgarde bei Schweidnitz an und blieben zum grössten Theil 
dort. Auch Erbprinz Leopold marschierte am 12. März mit den 
Truppen, die vor Glogau gestanden waren, dorthin ab, nur das 
Grenadier-Bataillon Saldern blieb vorläufig als Besatzung in der 
Festung zurück. 

Diese Truppen rückten in den Raum Zobten-Ohlau-Grottkau : 
nur 5 Escadronen Platen-Dragoner marschierten auf dem rechten 
Oder-Ufer nach der Gegend von Oppein, wo sie den Schutz des 
dort anzulegenden Magazins übernehmen sollten ; übrigens wurde 
es Schwerin freigestellt, dieses Regiment im Bedarfsfalle näher 
an Neisse zu legen, wohin das zuerst nach Oppein bestimmte 
Regiment Prinz Leopold ebenfalls über Haina und Liegnitz ge- 
zogen wurde. 

Am 20. März standen daher die preussischen Streitkräfte in 
zwei grossen Gruppen : die eine, unter den Befehlen König 
Friedrich IL in dem Räume, dessen vordere Linie sich von 
Schweidnitz längs des Gebirges bis Neustadt hinzieht und der 
nach rückwärts durch die Oder von Krappitz bis Ohlau begrenzt 
ist ; die andere unter FM. Schwerin in dem Räume Jägerndorf - 
Tropp au-Ratib or-L e ob s chütz . *) 

Bei der von S c h w e r i n befehligten Armee-Abtheilung musste 
nun auch der letzte im Fürstenthum Teschen von den Preussen 
noch besetzte Ort aufgegeben werden, da am 18. März die in 
Oderberg stehende Abtheilung des Infanterie-Regiments La Motte 
von österreichischen Husaren und mährischer Land-Miliz angegriffen 
worden und obwohl diese und die am folgenden Tage wieder- 
holte Attaque durch aus Ratibor und Troppau herangezogene 



') Kriege Friedrich d. Gr. I, 316. 



183 

Verstärkungen abgewiesen worden, so entschloss sich GM. L a 
Motte doch, den nicht vertheidigungsfähigen Ort aufzugeben und 
dessen Besatzung nach Ratibor zu verlegen. Der österreichische 
Verlust soll bei diesen Gefechten 12, jener der Preussen 3 Mann 
betragen haben. 

Kleinere Zusammenstösse hatten in diesen Tagen noch mehrere 
stattgefunden. So war Oberstwachtmeister Hadik, der mit 80 
Pferden eine Streifparthei führte, am 9. März zwischen "Weiclenau und 
Ziegenhals auf eine preussische Abtheilung von 33 Husaren und 

1 Cornet unter Rittmeister von Bronikowski gestossen, welche die 
Bagage und die Handpferde des königlichen General- Adjutanten 
Grafen Hacke geleitete und welcher sich 40 Bäckerknechte an- 
geschlossen hatten. In der Nähe von Gross-Kunzendorf griff Hadik 
den Transport an und nahm den Rittmeister, den Cornet und 36 
Bäckerknechte gefangen. Bei dem preussischen Convoi wurden 

2 Unter officiere, 1 Trompeter und 6 Husaren vermisst. l ) 

Am 18. März brach der General- Adjutant Graf Hacke, von 
einer Sendung nach Jägerndorf zum FM. Schwerin nach 
Schweidnitz zu König Friedrich H. zurückkehrend, vonOttmachau 
auf, um die Route über Patsclikau nach Schweidnitz zu nehmen. 2 ) 
Als Escorte geleitete denselben 1 Major mit 100 preussischen 
Husaren und 1 Rittmeister mit 40 Leib-Husaren, welche ebenfalls 
Schweidnitz als Marschziel hatten. 3 ) 

"Wohl auf des Obersten Baron Roth Veranlassung und Be- 
treiben 4 ) war am 17. März Nachts vom GFWM. Lentulus ein Com- 
mando von Splenyi-Husaren, 100 Pferde stark unter einem Capitain- 
Lieutenant, gegen Reichenstein behufs Beobachtung und eventueller 



x ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 347. — Am 17. März wurden auf dem Spielberg 
bei Brunn durch ein Commando des Liechtensteinischen Dragoner -Regiments 
abgeliefert: Husaren - Eittmeister von Bronikowski, 1 Wachtmeister, 
1 Trompeter, 1 Corporal 2 Gemeine, 2 Knechte, 1 Postillon, 35 Proviant-Bäcker, 
1 Schneiderbursch, im Ganzen 45. (Nota des Spielberger Commandanten a. d. 
Landeshauptmannschaft v. 17. März 1741. Acten d. k. k. Statthalterei, Brunn.) 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 347 geben den 15. März an, die österreichi- 
schen Quellen dagegen den 18. 

s ) Die preuss. Husaren hatten im Teschen'schen, die Leib-Husaren in 
Weidenau gestanden. 

4 ) Roth schreibt an Lentulus ddto. 10. März, 5 Uhr Abends : „Von 
Zuckmantel und hier aus zugleich haben die Herren Husaren auf meine 
Veranstaltung sehr viel Beute, worunter ein Coffre mit Geld, 40 Husaren 
waren, 1 Rittmeister und von der Cavallerie ein Lieutenant gefangen, 10 



184 

Beunruhigung der Preussen, welche in Reichenstein erschienen, bald 
aber wieder abgezogen waren, ausgesendet worden. -Bei Pomsdorf 
stiess am 18. März diese Husaren- Abtheilung auf den Grafen 
Hacke und dessen Escorte und in einem scharfen Eencontre, bei 
welchem nach den österreichischen Quellen x ) der Hack e'schen 
Escorte Verstärkungen zugekommen wären, gelang es den öster- 
reichischen Husaren, sich durchzuschlagen, nachdem 4 Mann geblieben 
und 1 Lieutenant, 1 "Wachtmeister, 1 Corporal und 21 Gemeine ge- 
fangen worden. 2 ) Der preussische Verlust belief sich auf einige 
Verwundete. 



sollen todt blieben sein. Mit Weidenau wäre auch ein gutes Spiel zu machen, 
ich wollte von meiner Seite, wie auch von Zuckmantel solches mögliebst 
unterstützen, dass wir sie einmal aus diesem Loche abschnitten, so wäre 
Ziegenhals abgeschnitten, allwo sie in Ermangelung Communication mit 
Ottmachau nicht mehr subsistieren könnten". (K. A., F. A. Schlesien 1741, III. 
ad 39 a.) 

*) K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 6 und XIII, 12 e. 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I, 347 und 348 geben 27 Husaren als gefangen 
und etwa 20 als sonstigen Verlust an. 



Aufmarsch der österreichischen Armee. 
Eintreffen des FZM. (Trafen Neipperg. Beginn der Operationen. 

JJie österreichische Armee befand sich in der dritten Dekade 
des März in dem Räume Olmütz-Freudenthal-Troppau-Neutitschein 
versammelt. 

Sie bestand zu dieser Zeit aus den 8 Infanterie-Regimentern 
Franz Lotliringen, Harrach, Alt-Daun, Browne, Thüngen, Baden, 
Schmettau und Grümie ; den 8 Cavallerie - Regimentern Lanthieri-, 
Hohenzollern-, Hohenems-, Birkenfeld-, Seherr-Cürassiere, Liechten- 
stein-, Württemberg-, Römer-Dragoner und den 3 Husaren-Regi- 
mentern Czäky, Dessewffy und Gkilanyi. *) 

Auf dem Marsche zur Armee befanden sich noch die Regi- 
menter Cordova- 2 ) und Diemar- 3 ) Cürassiere, Althaiin-Dragoner, 4 ) 
während die Husaren-Regimenter Pestvärmegyei 5 ) und Kärolyi ,; ; 
Marschordre erhalten hatten. 

Zum Artillerie-Chef bei der Armee wurde Oberst von Feuer- 
stein bestimmt, welcher am 8. März die commandierte Mannschaft 
und Pferde in Prag versammelte, sie dort der Musterung unterzog 
und mit dem gesammten Commando, nebst einem Bataillon und 
4 Grenadier-Compagnien des Infanterie - Regiments O'Gilvy am 
12. März über Landskron nach Mähren aufbrach. 7 ) 



J ) Dislocation Tafel V. 

2 ) Aus Lugos. 

3 ) Aus Biliar. 

4 ) Aus dem Eisenburger Comitat. 

5 ) Traf aoi 5. März in Debreczin ein. 

6 ) Erhielt dieselbe in Szt. Mihäl. 

7 ) Marschroute Anhang XXXIV. 



is.; 

Der über den Hrozinkauer Pass instraclierte Brückentram 
war noch nicht eingetroffen, obwohl die ungarische Hofkanzlei 
vom Hof-Kriegsrathe ersucht worden war, denselben Tag und 
Nacht durch Vorspann befördern zu lassen. In Littau wurde 
ein Haupt-Feld-Spital errichtet, die Pflege der erkrankten oder 
verwundeten Soldaten übrigens den Regimentern selbst gegen 
den früher in Ungarn darauf täglich bezahlten „Krankengroschen" 
überlassen. Von der Hofkammer sollten 1000 einfache und 500 
doppelte Krankenbetten nach Olmütz geliefert und an die Regi- 
menter gegen Quittung ausgefolgt werden. Von Apotheker Eul en- 
s c h e n c k wurde eine halbe Apotheke durch eigene Bespannung 
dem Corps nachgeführt, aus der den Regimentern die Medicamente 
verabfolgt werden sollten. Bei den Regimentern befanden sich 
eigene Feld-Medicamenten-Kasten. r ) 

Die Zusammensetzung des Neipperg'schen Hauptquartiers war 
ebenfalls perfect und dessen Mitglieder nach Olmütz abzugehen 
beordert worden. 2 ) Für die Ordnung des Trains blieb die im letzten 
Türkenkrieg in Uebung gewesene Bagage-Ordnung in Geltung. 3 ) 

FZM. Graf N e i p p e r g, welcher die bei Olmütz versammelten, 
zur Einrückung in Schlesien bestimmten Truppen selbst nur als 
,,eine kleine Macht" bezeichnete, 4 ) hatte seinen ganzen Einfhiss in 
Wien aufgeboten, um die sämmtlichen Bedürfnisse für das seinen 
Befehlen untergebene Truppen-Corps, soviel dies bei den bestehenden 
Verhältnissen möglich war, sicherzustellen. Dadurch verzögerte sich 
dessen Abreise von der Residenz ausserordentlich. Kurz vor der- 
selben schilderte er seinem hohen Gönner, dem Grossherzoge Franz 
Stephan, welcher wie die Königin Maria Theresia energische 
Massregeln gegen die preussische Invasion verlangte, jene Ursachen, 
welche bisher die Vorrückung der Truppen verhindert hätten und 
dieselbe wohl auf einige Zeit noch verhindern würden. 

Es bestanden nach des Armee-Commandanten Angaben diese 
Ursachen darin, dass die Magazine zur Verpflegung der Truppen 
noch nicht im Stande, 5 ) von der für die Kriegs-Casse bestimmten 



*) K, A., H. K. E. 1741, Prot. Keg. 27. Februar, Fol. 383. 

2 ) Anhang XXXV. 

3 ) Anhang XXXVI. 

4 ) K. A., F. A. Schlesien 1711, II, 28. 

5 ) Laut Ausweisen vom 21. Februar bestand der Vorrath des Haupt- 
Magazins zu Olmütz erst in 2760 Centnern Mehl, 616 Metzen Weizen, 3090 Va 
Metzen Korn, 6189 Metzen Gerste, 13.711 Metzen Hafer, 5113 Centnern 37 Pfund 
Heu, 5150 Centnern 30 Pfund Stroh. 



L87 

Million vorläufig nur 500.000 Gulden aufgebracht, die nothwendigen 
250 Proviant-Fuhrwerke noch nicht beschafft waren. Die Anwerbung 
der Bäcker- und Fuhrknechte sei noch im Rückstände, ebenso wie 
die Lieferung der Artillerie- und Trainpferde ; die von Wien nach 
Prag zur Ausrüstung der Feld-Artillerie abgesendeten Erfordernisse 
würden erst Anfangs März in Prag einlangen, das Yorpannsweseii 
sei erst zu regeln, ausserdem hätten die in Mähren eingerückten 
Cur assier-Regimenter ihre Remonten noch nicht. Die Infanterie, 
die in Mähren versammelt sei, beliefe sich, ausser den auf Postierungen 
und in geschlossenen Orten befindlichen, nur auf 3463 Dienstbare. 

Die Infanterie im Glatz'schen (Lothringen , Max Hessen. 
Kolowrat) sei nur 1824 Mann stark. Die späte Einrückung der 
Cavallerie - Regimenter am Versammlungsorte in Mähren habe 
ausser andern Ursachen, auch den Grund, das die nöthige Fourage 
für dieselben nicht vorhanden war und die Länder selbst verlangt 
hätten, den Marsch der Regimenter zurückzuhalten, da sie sich nicht 
im Stande sahen, dieselben zu verpflegen und Zeit zu gewinnen 
suchten, die Magazine in die Höhe zu bringen. Die Infanterie 
könne auch vor halbem Mai nicht vollzählig an Ort und Stelle sein. 

Endlich seien ausser den 250 Proviant-Fuhrwesens wagen an 
1000 und mehr Vorspannswagen nothwendig, die augenblicklich, 
da die Zufuhr für die Haupt-Magazine in Olmütz und Königgrätz 
im Zuge sei, schwer zu beschaffen sein dürften. Den Regimentern 
sei zur Anschaffung der Proviantwagen und sonstigen Requisiten 
das Geld übrigens sehr spät erfolgt worden, so dass diese Erfor- 
dernisse für die Truppen auch noch nicht fertig sein dürften. Was 
übrigens die Stärke des Operations-Corps anbelange, so würden, 
wenn er ' alle zu demselben einrückenden Regimenter erwarten 
wollte, nach Abzug der zu Postierungen und in den Festungen 
bleibenden Truppen, die Infanterie und deutsche Cavallerie im 
Felde nicht stärker als mit etwa 10.000 bis 12.000 Mann erscheinen 
können, wozu noch das Wenige, was man aus dem Glatz'schen 
ziehen könnte, in Berücksichtigung, dass ein Cavallerie-Regiment 
und einige Infanterie ausser der Garnison in der Festung dort 
zurückbleiben müsse, zu rechnen sei. 

Schliesslich bemerkte Graf Neipp erg, dass der späte Beginn 
der Operationen daher rühre, ,,dass man dieses Corps in das Feld 
zu stellen so spät resolviert, die hiezu gewidmeten Regimenter 
an Cavallerie, von welchen die weiter entlegensten, weil sie, 
exclusive Khevenhüller und Althann, in besserem Stande und 
die stärksten waren, genominen worden, nur successive und zwar 



188 

zu dreimalen, mithin zu spät beordert ; zu den Magazinen so 
langsam geschritten, die Gelder so spät ausfindig gemacht und 
folgsam auch spät eingegangen, solchem nach auch eben zu spät 
ausbezahlt und ihrer Behörde zu Beischaffung ein so anderer Er- 
fordernisse angewendet werden können." 

Der Feldzeugmeister resümierte, gleichwie er es bereits der 
Königin und dem Grossherzoge erklärt, ,,dass er die Vor- 
rückung, ohne vorher sämmtliche Erfordernisse beisammen zu 
haben, nicht für rathsam halte und auf sich nicht nehmen könnte, 
wann nicht gesammte oder die mehrsten deutschen Regimenter an 
Ort und Stelle eingelangt, die Pontons, die er zwar, so es nur um 
die diesseitige Defiberierung Neisse's zu thun wäre oder um dasigen 
Ort, wann (er) dastünde, desto mehr versichern zu können, leichtlich 
entbehren könnte, nebst der Feld-Artillerie und zwar letztere ent- 
weder ganz oder zum Theil vorhanden, auch der Magazinsvorrath 
für Mann und Pferde in solcher Quantität, um von daher eine 
wenigst acht- bis zehntägige Aushilfe durch. Nachführung mittels 
der herzustellenden 250 Proviant-Fuhrwesenswagen und durch die 
beizuschaffende Landesvorspann gewärtigen zu können". *) 

Diese Motive hatten den FZM. Neipperg bewogen, bisher 
mit der Armee inactiv zu bleiben und die Vorrückung erst für 
Ende März in Aussicht zu nehmen, dann aber mit der gesammten 
ihm zur Verfügung stehenden Kraft. 

Vor seiner Abreise aus Wien wendete sich Neipperg auch 
noch an den Hof-Kriegsrath um Ankauf von 300 Husaren-Pferden 
in Ungarn zur Nachsendung an die bei der Armee befindlichen 
Husaren-Regimenter, bat um die Inventare der Zeughäuser zu Prag, 
Brunn und Olmütz bezüglich 12- und 24pfündigen Geschützen und 
16-, 20-, 30- bis 60pfüncligen Mörsern, nebst Ausrüstung und um die 
Vollmacht, davon im Bedarfsfalle an sich ziehen zu können, urgierte 
die Absendung der Artillerie von Prag, die Beschleunigung des 
Marsches der Brücken-Fuhrwerke und ersuchte um die Mittheilung 
der täglich erreichten Marsch-Stationen der noch im Anzüge be- 
griffenen Regimenter. 2 ) 



') N eipp er g a. d. Grossherzog, 2. März 1741. (K. A.,F. A. Schles. 1741, III, 9.) 
2 ) K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 10. Die Artillerie marschierte in zwei 
Staffeln am 8. und 9. März von Prag ab und sollte am 20. und 21. März in 
Landskron eintreffen, von wo sie noch vier bis fünf Märsche nach Olmütz 
zurückzulegen hatte. Der Munitions- und Eequisiten-Transport aus Wien für 
die Artillerie war vor deren Abmarsch aus Prag dort eingetroffen. 



189 

Hinsichtlich der Magazine hatte sich der Feldzeugmeister 
übrigens am 22. Februar von Wien aus auch an die General- 
Landes-Kriegs-Commissäre in Mähren gewendet und ihnen die 
Notwendigkeit nahegelegt, in Folge des Ende Januar zu Wien 
mit der Hofkammer abgeschlossenen Contractes Alles aufzubieten, 
damit das Land für die Subsistenz der Armee aufkomme. *) 

FZM. Graf Neipperg war am 5. März in Brunn angekommen 
und, obwohl er vorhatte, gleich nach Olmütz weiterzureisen, doch 
durch Besprechungen mit dem Landeshauptmann Grafen K a u n i t z 
wegen Sicherstellung der Erfordernisse für die Armee zurück- 
gehalten worden. Gleichzeitig übersandte N e i p p e r g dem Landes- 
hauptmann seine Begehren in zwölf Puncten formuliert, die sich 
auf die Instradierung der noch vorrückenden Regimenter, auf 
die Stellung freiwilliger Recruten, Beförderung der ankommenden 
Pontons 2 ) und schwerer Artillerie vom Spielberg, sowie der Munition 
von Wien, die Reparatur der Strassen von Olmütz nach Glatz, die 
Instradierung der von Landskron kommenden Feld-Artillerie und 
eines Bataillons O'Gilvy, endlich die grössere Beschleunigung der 
Errichtung des Haupt-Magazins zu Olmütz bezogen. 3 ) 

Am Abend des 10. März traf der Armee-Conimandant in 
Olmütz ein, fand aber die Beschaffenheit des dort etablierten 
Haupt-Magazins „bei weitem in keinem solchen Stande, als zu 
Brunn versichert worden". 4 ) 

Die Beschaffung der von Neipperg verlangten 2500 Vor- 
spannswagen stiess auf enorme Schwierigkeiten, die auch der 
böhmische Obrist-Hofkanzler dem Armee-Commandanten gegen- 
über betonte. 5 ) Graf K i n s k y, als er die Unmöglichkeit einsah, 
den erforderlichen Bedarf dieser Wagen in Mähren selbst aufzu- 
treiben, schloss mit Wiener Fuhrleuten Contracte, um die 
Artilleriebedürfnisse, die vom Wiener Zeughause aus nach Olmütz 
expediert wurden, von diesen bis dorthin schaffen zu lassen, es 



x ) Der Wortlaut des Schreibens in Anhang XXXVII. 

'-) Diese waren erst am 18. Februar von Peterwardein aufgebrochen. 

3 ) Die Begehrpuncte und deren Beantwortung in Anhang XXXVIII. 

4 ) Neipperg an den böhmischen Hof kanzler, Olmütz 11. März. (K. A., 
F. A. Schlesien 1741, III, 31). 

f ') Das Schreiben desselben ist äusserst charakteristisch und beleuchtet 
die ausserordentlichen Schwierigkeiten, mit welchen selbst die oberste Behörde 
zu kämpfen hatte und wie wenig auch sie in der Lage war, in die Vor- 
kehrungen für die Kriegsnothwendigkeiten ein rascheres Tempo zu bringen. 
Anhang XXXIX. 



100 

dem Armee-Commandanten überlassend, wegen der Beibehaltung 
dieser Fuhrleute bei der Armee an Ort und Stelle weiter ver- 
handeln zu lassen. 

Die Hauptsorge für den Armee-Commandanten bildete der 
Unterhalt der Armee und in sehr energischer und eindringlicher 
Weise wendete sich Neipperg am 12. März noch einmal an den 
Landeshauptmann von Mähren, den Grafen Kannitz: er finde 
die Sachen an Ort und Stelle durchaus nicht so weit vorgeschritten, 
als der Landeshauptmann ihm persönlich dies mitgetheilt habe und 
er bitte, ,,doch die Bewandtniss clermaliger Umstände etwas genauer 
zu Herzen zu nehmen und durch Deroselben Autorität zu veran- 
lassen, dass man mit grösserem Ernst und Eifer zu Beförderung 
hiesiger Magazins schritte, hierzu auch die erforderlichen Fuhren 
aufbringe und beischaffe, wie es der vorgedachte, von hier an 
Euer Excellenz abgehende Herr Baron von B 1 ü m g e n mit 
Mehrerem mündlich vorstellen wird, da ich widrigenfalls mich ge- 
nöthigt finden würde, entweder ganz und gar in Mähren stehen zu 
bleiben und an keine Vorrückung zu denken oder aber mit den 
Truppen vollkommen aus diesem Lande mich hinweg und in das 
Böhmische, wo der Subsistenz viel mehrere und gewissere Ver- 
tröstung habe, zu ziehen und meine Operation von dort aus anzu- 
fangen, mithin Mähren Mähren sein zu lassen". *) 

Der einzige Lichtblick in den nicht sehr glänzenden Zuständen, 
die Neipperg bei seiner Ankunft in Olmütz allerorts angetroffen, 
war die Nachricht von der Niederkunft der Königin mit einem 
Erzherzog, die Graf Kinsky am 13. März mittheilte. 2 ) Die 
Nachricht vom Verluste Glogau's verstimmte dagegen sehr, weil 
dadurch eine bedeutende Verstärkung der preussischen Kräfte zu 
operativen Zwecken verfügbar ward und die Stärke Verhältnisse seines 
Corps dem FZM. Neipperg nunmehr kaum zu genügen schienen. 

Keinesfalls hatte man den Fall von Glogau im österreichischen 
Hauptquartier erwartet. Umso wichtiger wurde es nun, an den 
Entsatz der beiden anderen noch blokierten Festungen Neisse 3 j 



') Neipperg an K a u n i t z, Olmütz, 12. März 17-11. (K. A., Schlesien 
1741, III, 35.) 

~) Dem Tage der Geburt des Erzherzogs J o s e p h. „Archiduceni 
habemus. Vivat !" schrieb Kinsky an Neipperg. (K. A., F. A. Schlesien 
1741, III, 40). 

3 ) Brief N e i p p e r g's vom 13. März 1741 an die Regierung zu Neisse. 
Anhang XL. 



191 

und Brieg zu denken. Ein Operationsplan stand in diesen Tagen 
noch nicht fest und auch die Nachrichten, die über die Stellung 
der preussischen Streitkräfte im Hauptquartier zu Olmütz einliefen, 
waren ausserordentlich dürftig. Für alle Fälle wendete sich 
Neipperg an die mährischen und Glatzer Behörden, um die 
Reparaturen der Strassen von Olmütz nach Glatz durchzuführen. 
L e n t u 1 u s erhielt Auftrag, im Glatz'schen das Gerücht aussprengen 
zu lassen, dass der grösste Theil der österreichischen Trappen dort 
werde versammelt werden. r ) Inzwischen solle aber GFWM. Graf 
Kolowrat zwei Bataillone des Carl Lothringen'schen und Kolowrat' 
sehen Regiments, nebst den Grenadier-Compagnien (je 800 Mann von 
jedem Regimente) zusammenziehen und sogleich damit nach Littau ab- 
rücken, wo er am 26. März eintreffen sollte. Von der zurückgebliebenen 
Infanterie Max Hessen und dem Reste der beiden Regimenter Carl 
Lothringen und Kolowrat sollte Glatz besetzt und das Haupt-Magazin 
zu Königgrätz bedeckt werden, ebenso wie die Deboucheen von 
Trautenau und Braunau. Vorläufig konnten auch Batthyänyi-Dra- 
goner und Splenyi-Husaren hiezu verwendet werden, doch sollten 
diese Regimenter sich anderer Bestimmung gewärtig halten. 2 ) 

Den Grossherzog bat Neipperg, er möge die Königin 
noch zu einiger Geduld veranlassen, da ihm Vieles abgehe und er 
,,allerst seine Stück zusammensuchen muss" und da er entschieden 
darauf gerechnet, dass Glogau sich halten würde. 3 ) 

Lentulus in Glatz wurde beauftragt, die Preussen durch 
auszusendende Partheien, besonders aber ihre Artillerie-, Munitions- 



*) Lentulus sollte aussprengen lassen, dass nächstens fünf Regi- 
menter Cavallerie und zwar Birkenfeld-, Cordova- und Diemar-Cürassiere, dann 
Karolyi und Pestvärmegyei zu den daselbst befindlichen zwei Regimentern 
Batthyänyi und Splenyi stossen würden. Um dies wahrscheinlicher zu machen, 
möge er vom Landeshauptmann und der Regierung sogleich einen Dislocations- 
plan verlangen, wie die Regimenter sowohl im Glatz'schen, als im Böhmischen 
gegen die schlesische Grenze bis Braunau hinaus am füglichsten verlegt 
werden könnten. Dem Glatzer Landeshauptmann Grafen Wald stein hatte 
Neipperg am 12. März die Möglichkeit dargestellt, dass er selbst nach 
Glatz kommen werde. Di»se Mittheilung war einerseits auf die Verbreitung 
der Nachricht von der Ansammlung starker österreichischer Streitkräfte im 
Glatz'schen berechnet, hatte aber auch anderseits den Zweck, zu bewirken. 
dass die grundlosen Wege in der Grafschaft energischer ausgebessert würden, 
was auch einigen Erfolg hatte. (K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 52 und 53). 

2 ) Neipperg an Lentulus, Olmütz, 12. März 1741. (K. A., F. A. 
Schlesien 1741, III, 33). 

3 ) N e i p p e r g an den Grossherzog, Olmütz, 15. März 1741. (K. A., F. A. 
Schlesien 1741, III, 42 und 43). 



192 

und Proviant-Transporte, welche von Schweidnitz über Münsterberg 
nach Ottmachau giengen, auf alle Weise zu beunruhigen. 

Der Hof-Kriegsrath verständigte Neipperg am 18. März, 
dass den Regimentern Cordova, Diemar, Kärolyi und Pestvarmegyei 
anbefohlen worden, über Trencsin zu marschieren, den Marsch 
soviel als möglich zu beschleunigen und nur jeden vierten Tag- 
Rasttag zu halten, ein Gleiches sei auch dem Ponton - Transport 
vorgeschrieben. 

Die Recruten für die Husaren-Regimenter würden beritten in 
Transporten zu 40 bis 50 abgeschickt werden. Die Hof-Kammer 
habe für den eventuellen Abgang bei den Husaren-Regimentern 
300 Pferde sicherzustellen, wovon 100 monatlich zu liefern seien. 

Die den Regimentern Diemar und Hohenems fehlenden Pferde 
sollten aus den von den Husaren gemachten Beutepferden an- 
gekauft werden. Bei Gefangenenauswechslung seien die zu Ott- 
machau und Namslau in Gefangenschaft gerathenen Mannschaften 
zuerst auszulösen. x ) 

Der Ingenieur-Hauptmann Hemeling wurde dem Armee- 
Hauptquartier zugewiesen und die Generale Preysing und 
Berlichingen wurden ebenfalls nach Schlesien bestimmt. 2 ) 

Feuergewehr-Munition wurde mit je 40 Schuss pro Mann auf 
15.000 Mann sichergestellt. 

Bei dem wenig genügenden Zustand der Magazine und dem 
Drängen zur Offensive von Wien aus, beschloss Neipperg beim 
Beginne der Operationen, mit einem 14tägigen Vorrath über die 
bisherige tägliche Consumtion sich zu begnügen. 

In Landskron wurde noch ein Vorrath von 20.000 Centnern 
Heu und Stroh zusammengebracht, welcher der Armee nach- 
geführt werden sollte. 

Alle Regimenter mussten sich Marketender und Fleischhauer 
beschaffen, die jedoch schwer zu erlangen waren. 

Li Ungarn begannen nun ebenfalls die Wirkungen des vom 
Palatin Grafen Johann Pälffy an die Comitate erlassenen Aufrufs zur 
Truppen -Aufstellung bemerkbar zu werden. Primas Emerich Graf 
Esterhäzy und der Bischof zu Neutra stellten für die Verstärkung der 
bereits bestehenden Husaren-Regimenter 150 vollständig ausgerüstete 



») K. A.. H. K. E. 1741, Prot. Eeg. 18. März, Fol. 483. 
2 ) Ebenda, 25. März, Fol. 529. 



193 

und berittene Leute, welche für das Dessewffy- und Ghilänyi'sche 
Regiment bestimmt wurden. Man beabsichtigte mit den von 
ungarischen Magnaten gestellten Leuten die Husaren-Regimenter 
nach und nach auf einen Stand von 1000 Mann zu bringen, was 
allerdings nicht erreicht wurde. l ) 

Durch die ungarische Hofkanzlei ergieng ein königliches 
Rescript an das Trencsiner Comitat wegen Zusammenziehung des 
armierten Landvolkes an die von Jablunkau nach Schlesien führenden 
Pässe. Die Verpflegung sollte aus der Comitats-Casse gegen Bonifi- 
cationen erfolgen.-) Diese Volksbewaffnung, die aber wenig Form 
annahm, wurde dem an Stelle des GFWM. G h i 1 ä n y i nunmehr 
in Trencsin commandierenden General d'O Hone unterstellt. 

Dazu kamen im Anfange noch zwei schwache Abtheilungen 
Raaber und Komorner National-Husaren 3 ), dann 100 Insurgenten 
zu Pferd, welche in der dritten Dekade des Februar auf Wunsch 
des Grossherzogs vom FM. Pälffy nach Holics gesendet wurden, 
um diese Herrschaft gegen feindliche Streifungen zu sichern. 

Der Oberst des Pälffy'schen Cürassier- Regiments, Johann 
Graf P r a 1 1 a, war vom Palatin nach Pesth gesendet worden, um 
mit dem königlichen Personal Baron Grassalkovics sich zu be- 
sprechen und die Angelegenheit des allgemeinen Aufgebots auf das 
Eitrigste zu fördern. Oberst Graf Pratta hatte die Vorerhebungen 
mit den Vertretern der Gespanschaften so weit gefördert, dass er 
auf Grund seiner Vollmacht zur Festsetzung der schriftlichen Ver- 
einbarungen schreiten konnte. 

Die erste Convention über die Aufstellung, Bewaffnung, Aus- 
rüstung und Verpflegung für die aufgebotenen Husaren wurde mit 
den vereinigten Comitaten Pesth-Pilis-Solt abgeschlossen, an die sich 
jene mit den Vertretern der Districte Gross- und Klein- Jazygien 
und Kumanien anschluss. 4 ) Dem Uebereinkommen mit Pratta 
wegen der vorläufig aufzustellenden zwei ungarischen freiwilligen 
Regimenter und den zwei Compagnien Jaz^^gier und Kumanier 



') Graf Esterhazy stellte 100, der Bischof von Neutra 50 Mann. 
Genauere Detaüs über die Aufstellungen in Ungarn sind in den „Mitthlg. des 
k. und k. Kriegs-Arckivs", N. F.. IV. Bd. enthalten. ( A 1 e x i c h, „Die freiwilligen 
Aufgebote aus den Ländern der ungarischen Krone im 1. schles. Krieg". 

2 , K. A., H K. B,. 1711, Brot. Beg. Febr. Fol. 508. 

3 ) 90 Mann stark. 

*) Es war ursprünglich beabsichtigt, dass die Miliz der genannten drei 
Districte mit jener des Festher Comitats vereinigt werden sollte, aber die 
Deputierten der Districte giengen darauf unter keiner Bedingung ein. (K. A. 
Invalidenamt 1711, 90.) 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 1" 



194 

ertheilte die Königin die Genehmigung. Diese Regimenter sollten 
wie die regulären Husaren-Regimenter ausgerüstet und „montiert" 
sein. 1 ) Sie sollten schwören, der Königin gegen jeden Feind zu 
dienen und gehalten sein, bis Ende October des laufenden Jahres 
im Felde zu stehen. Die Ernennung der Stabs- und Ober-Officiere 
überliess die Königin den Comitaten respective Districten. Die 
von diesen vorgeschlagenen Commandanten erhielten die königliche 
Bestätigung. 

Den Vereinbarungen mit dem Pesther folgte jene mit dem 
Komorner und Raaber Comitate, um aus diesen einschliesslich des 
Pressburger Aufgebotes ein drittes Regiment aufzustellen. 

Ende April waren jedoch erst zwei Compagnien Jazygier 
und Kumanier zum Ausmarsch in das Feld bereit. 

Mit dem Abschlüsse der Convention mit dem Pressburger 
Comitate war der Thätigkeit des Obersten Grafen Pratta insofern 
ein Ziel gesetzt, als sich keine Aussicht ergab, von den übrigen, in 
dem Aufrufe des FM. Pälffy benannten Comitaten die Aufstellung 
bewaffneter Aufgebote zu erlangen. Das gesammte ungarische 
Insurrections- Aufgebot, das im Laufe des Mai und Juni erst bei der 
Neipp erg'schen Armee eintraf, betrug nur 2100 Reiter. 

Während in den Comitaten Ungarns diese Organisation 
freiwilliger Aufgebote in der Durchführung begriffen war, erwuchs 
der österreichischen Armee in unerwarteter Weise aus den im 
Süden Ungarns gelegenen, von Raizen und Serben bewohnten 
Grenzgebieten eine nicht unerhebliche Verstärkung. Der Mitte 
Februar 1741 in persönlichen Angelegenheiten zu Wien weilende 
Herrschaftsbesitzer aus Slavonien, Freiherr Franz von der Trenck, 
hatte mit Hilfe einer Empfehlung des Prinzen Carl von Lot h- 
ringen, seine Dienste der Königin Maria Theresia an- 
geboten und sich anheischig gemacht, auf eigene Kosten aus 
den Districten und Herrschaften Slavoniens und den anstossenden 
Grenzgebieten ein vollkommen kriegsmässig ausgerüstetes Frei-Corps 
von 1000 Mann zu Fuss zu errichten, sowie dasselbe unter seiner 
Anführung binnen drei Wochen der Königin zur Verwendung 
in Schlesien marschbereit zu stellen. 

Dieses, von dem Grossherzoge befürwortete Anerbieten wurde 
von der Königin Maria Theresia, die wohl keine der vielen 
Schwierigkeiten voraussehen konnte, welche ihr aus dem wilden 



») K. A., H. K. E. 1741, Prot, Exped. März, Fol. 815. 



195 

und unbotmässigen G-ebahren Trenck's noch erwachsen sollten, 
genehmigt. Trenck erhielt das Patent als Oberstwachtmeister *) 
und Oommandant eines Frei-Corps von 1000 Mann, wozu ihm das 
Werbe JPat ent am 27. Februar ausgefertigt wurde. 2 ) Gleichzeitig 
erliess der Hof-Kriegsrath an den commandierenden General in 
Slavonien, FML. Ascanio Marchese Guaclagni ein Rescript, 
welches die Motive, den Zweck der Aufstellung, die Art der An- 
werbung, die Grundzüge der Capitulations-Bedingungen, den Ver- 
sammlungsort, die innere Gliederung, die Gebühren, Ausrüstung 
und Bewaffnung, die Dienstleistung, endlich den eventuellen Beute- 
antheil festsetzte. 3 ) Die Hof-Kammer wurde davon mit dem Bei- 
fügen verständigt, dass die Verpflegung für das Frei-Corps wenigstens 
auf zwei Monate im Vorhinein verabfolgt und die nothwendigen 
200 Zelte schleunig angeschafft werden sollten. 

Anfang März wurden übrigens auch 3000 Warasdiner für 
Dienste im Felde einberufen, deren Ausmarsch so bald als möglich 
in das Werk gesetzt werden sollte. 4 ) 

Der noch bestehende Pest-Cordon an der ungarischen Grenze 
wurde des ungehinderteren Marsches der nachrückenden Truppen 
wegen aufgehoben. 5 ) 

Am 24. März 1741 erliess Maria Theresia ein Patent, 
worin sie ihre in preussischem Kriegs- oder Staatsdienst stehenden 
Vasallen, Bürger und Unterthanen unter Androhung des Verlustes 
ihrer Ehren und Würden, Confiscation ihrer Güter, auch bei Leibes- 
und Lebensstrafe zurückrief und sie aufforderte, sich bei gegen ihre 
Staaten gerichteten feindlichen Handlungen nicht zu betheiligen, 
sondern sich denselben entgegenzusetzen. 

Dagegenhandelnde wurden für meineidig, ehr- und pfliclitlos 
und als Verräther des Vaterlandes erklärt. G ) 

Am 25. März fand im Neipp erg'schen Hauptquartiere zu 
Olmütz eine Conferenz statt, zu welcher auch GFWM. Lentulus 



>) K. A., H. K. E. 1741, Prot. Reg. Fol. 384. Sohn eines kaiserlischen 
Officiers ans preussischer Familie, in Italien geboren, war er als Major au^ 
russischen Kriegsdiensten verabschiedet worden. 

2 ) Anhang XL/2. 

3 ) Anhang XL/1. 

4 ) K. A., H. K. R. 1741, Prot. Reg. Fol. 445, 9. März, Fol. 485, IS. März. 

5 ) Ebenda, Fol. 489, 18. März. 

6 ) Helden- und Kriegsgeschichte etc. Erfurt 1743, 109 u. h'. auch im 
Auszuge bei K u n d m a n n. 567. 

13* 



196 

aus Glatz gekommen war. Es nahmen daran unter Vorsitz des 
PM. Grafen Neipperg 1 ) Tlieil der G. d. C. Römer, 2 ) die 
FIEL. Browne, 3 ) Göldy und Grünne 1 ) und die GFWM. 
Lentulus und P li i 1 i b e r t. 

Aufzeichnungen sind über diese Conferenz nicht vorhanden, 
doch ist aus den Massregeln, die kurz darauf in das Werk gesetzt 
wurden, zu schliessen, dass die endgiltige Vorrückung beschlossen 
und hauptsächlich der Entsatz von Neisse, sowie die Operations- 
Richtung an die Oder in die Linie Ohlau-Brieg in das Auge gefasst 
wurde. Nach den Nachrichten, die man im österreichischen Haupt- 
quartiere besass, schien hiedurch eine Trennung der beiden preussi- 
schen Armee-Gruppen, die noch nicht concentriert waren und deren 
eine in Ratibor und Troppau unter Schwerin, die andere unter 
König Friedrich H. sich nördlich der Neisse befand, durchführbar. 

Uebrigens scheint diese Operations-Richtung schon in Wien 
feststehend gewesen, das Geheimniss derselben aber so schlecht 
gewahrt worden zu sein, dass König Friedrich II. durch seinen 
Agenten beim Reichs-Hofrath, von Graeve, schon am 21. März 
die Nachricht erhalten hatte, Neipperg habe die Absicht, mit 
den Hauptkräften über Jägerndorf nach Schlesien vorzudringen, 
während Leiitul u s von Glatz aus eine Diversion nach Breslau 
machen würde. Der Verräther dieses Planes an Graeve war wohl 
Niemand anderer als der in österreichischen Diensten, trotz hoher 
Gunst des Grossherzogs, unmöglich gewordene FZM. Samuel 
Seh mettau. 5 ) 

Lentulus hatte den Auftrag, aus dem G 1 a t z'schen von Zeit 
zu Zeit Husaren - Commanden auszusenden, den Preussen allen 
erdenklichen Abbruch zu thun und, um die Einwohner von Neisse 
,,einigermasseii zu encouragieren", sowohl diesseits, als jenseits der 
Neisse derartige Commanden abgehen zu lassen. Nachrichten, welche 
beim Armee-Commando einliefen, bestätigten die Concentrierung 



J ) Zuni Feidinarschall befördert in der Promotion v. 19. März 1741. 

2 ) Zum General der Cavallerie befördert. 

3 ) „Die Neipper g'sche und Bro w n e'sche in Puncto Subalternation 
durch eine Zeit gedauerten Zwistigkeiten haben, nachdem der Herr FM. 
Neipperg genaue Freundschaft dem Herrn General Bro w n e zugesagt, 
wahrscheinlich sich gebessert." (Aus einem Briefe von Prag 29. März 1741 an 
FM. Sechen clor ff. H. H. u. St. A. Gr. Correspondenz. Fase. 199 c.) 

4 ) Zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. 

5 ) Vergl. „Kriege Friedrich d. Gr." I, 353 u. Anmerkung ebenda. 



197 

feindlicher Kräfte um Neisse und liesseil eine Wiederaufnahme der 
Belagerung dieser Festung wahrscheinlich erscheinen. Wenn nun 
auch deren Commaiidant, Oberst Baron Roth, alles Mögliche 
angewendet, um den Platz widerstandsfähiger zu machen und 
durch tnmidationeii die Annäherung wesentlich erschwert hatte. 
so begannen doch die sonst sehr patriotisch gesinnten Ein- 
wohner bereits einigermassen kleinmüthig zu werden, so dass 
Neipperg, um sie zum Ausharren aufzumuntern, verschiedene 
Schreiben an sie richtete, um sie des baldigen Entsatzes zu ver- 
sichern. a ) 

GFWM. Lentulus reiste am 26. März von Olmütz wieder 
nach Glatz zurück, wo er am 27. eintraf und am 28. den zwei 
Regimentern Batthyanyi und Splenyi Befehl ertheilte, auf zwei 
Tage Fourage in Habelschwerdt zu fassen und nach Landeck führen 
zu lassen, sowie dort für ihr am 30. bestimmtes Eintreffen Quartier 
zu machen. 

Die Bewaffnung des mährischen Landvolkes und dessen Heran- 
ziehung zur Grenzbesetzung und Landesverteidigung hatte kein 
günstiges Resultat ergeben. Es war dem Gutbefinden des Interims- 
Armee-Commandanten FML. Grafen Browne bereits am 25. Februar 
die Beibehaltung oder Entlassung desselben anheimgestellt worden, 
allerdings mit dem Bemerken, dass FM. Neipperg gerne zu 
sehen scheine, wenn er etwas davon beibehalte. 2 ) In Folge dessen 
hatte auch Browne das Landvolk entlassen und nur 50 gut 
bewaffnete, freiwillige Jäger unter 1 Officier zu Hof gelassen und 
dem dort cominandierenden Oberstlieutenant des Dessewffy'schen 
Regiments zugewiesen, ausserdem 4 Jäger nebst 1 Officier zu 
seiner unmittelbaren Begleitung bei sich behalten. Im oberen Theile 
des Olmützer Kreises, in der Gegend von Rabenstein, Ullersdorf 
und Goldenstein, wo keine regulären Truppen dislociert waren, 
blieben noch 275 Mann Landvolk stehen; nach Freudenthal 
wurden dem dort commandierenden Oberstwachtmeister .S chmidt 
200 Walachen zugeschickt, von denen die meisten aber nach Hause 
entliefen. Die in Hof stehenden 50 Jäger giengen am 15. März bis 
auf fünf durch, welch' letztere nebst den vier im Hauptquartier befind- 
lichen entlassen winden, so dass an der Grenze oberhalb Karlsberg 
und Hof kein Mann von dem vorher aufgebotenen Landvolk mehr 



1 ) Anhang XLII/1. 2. 

2 ) K. A., H. K. E. 1741, Prot. Reg. Fol. 379. 



198 

vorhanden war. Dagegen befand sicli die auf der Goldensteiner-, 
Ullersdorfer- und Ilabenstein er- Grenze aufgestellte Landbevölkerung 
noch dort, hatte aber keine Ofnciere und das Gesuch des 01- 
mützer Kreishauptmanns um Zuweisung einiger Ofnciere von der 
regulären Armee war vom Grafen N e i p p e r g abgewiesen worden. ] > 
An der nordöstlichen Grenze Mährens befanden sich am 26. März 
nach einer von Christoph Freiherrn zu M i n q u i t z b u r g vor- 
gelegten Specification unter dessen Commando (Patschkau) an Land- 
Miliz effectiv : 

zu Patschkau 10 Corporale 336 Gemeine 

,, Hochwald 1 ,, 31 ,, 

,, Fulnek 2 ,, 80 ,, 

„ Odrau .2 .. 80 

Summa . . 15 Corporale 527 Gemeine 
dann zu Hochwald an Invaliden 33 Mann. 2 ) 

"Wie schwer übrigens dem Armee-Commandanten der Beginn 
der Offensive gemacht wurde und welche Frictionen zu überwinden 
waren, zeigt unter Anderem auch die angedrohte Massregel, mit 
Militär-Execution die Rückstände an Fourage für die Magazine 
eintreiben zu wollen. Und am 22. März, also kurz vor Beginn der 
Operationen, musste der Feldmarschall noch den Hof-Kriegsrath 
ersuchen, ,, allen denjenigen, so zu diesem Corps gehören und noch 
zu AVien sich befinden, sie bestehen in Generalen, Officieren, Stabs- 
parteien oder anderen, gemessen anbefehlen zu wollen, class sie 
sich ungesäumt von dannen per posta hieher verfügen und je eher, 
je besser allhier einzutreffen trachten sollen." 3 ) 

Am 28. März endlich konnte FM. Graf N e i p p e r g sein 
Hauptquartier nach Sternberg verlegen. 

In Olmütz, wo GFAVM. Nicola Franz Baron F a 1 a i z e com- 
mandierte, blieb ein Bataillon des Infanterie-Regiments Franz Loth- 
ringen als Besatzung zurück. Die Bataillone von Carl Lothringen 
und Kolowrat aus dem Glatz'schen trafen erst nach dem Abmarsch 
der Armee in der Gegend von Olmütz ein und folgten derselben 
unmittelbar nach. 



*) Berichte des Olmützer Kreishauptnianns au den Landeshauptmann vom 
22. Februar und 15. März 1711. (Acten der k. k. Statthalterei Brunn.) 

2 ) Beilage zum Berichte des Prerauer Kreishauptmanns an den Landes- 
hauptmann ddto. Olmütz 5. April. (Acten der k. k. Statthalterei.) 

3 ) K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 70. 



199 

Nach der am 25. März zu Olmütz erfolgten Besprechung der 
Generale und nachdem die Feld-Artillerie und die Pontons ein- 
getroffen, waren auch die Befehle zur Concentrierung der Regi- 
menter' und zum Abmarsch theils mündlich, theils schriftlich 
erlassen worden. Die Avantgarde commandierte FML. Graf Grünne, 
die gesammte Cavallerie der G. d. C. Ernestus Freiherr von Römer. 

Am 27. März begann die Vorrückung. Das Husaren-Regiment 
Dessewffy hatte an diesem Tage von Hof aufzubrechen und nach 
Eichhorn südwestlich von Braunseifen zu marschieren. *) 

Der Feldmarschall warnte vor allen Unordnungen und 
Ausschreitungen. Was von Troppau, Jägerndorf und Zuckmantel 
die Vorpostenlinie herein passieren wolle, könne durchgelassen 
werden, über die Vorposten hinaus dürfe Niemand, der nicht 
einen vom Armee - Commandanten selbst unterschriebenen Pass 
vorweise. 

Bei seiner Ankunft in Sternberg fand der Feldmarschall, dass 
sich die Bagagen der Cavallerie-Regimenter dergestalt gestaut 
hatten, dass sie fast nicht fortzukommen vermochten. Neipperg 
sandte einen Ofncier ab, um Ordnung beim Train zu machen und 
empfahl dem General R ö m e r, die Vorsorgen dahin zu treffen, dass 
die Strassen für die Truppenmärsche frei und benutzbar blieben. 2 j 

Aus diesem Grunde musste auch, nachdem die Cavallerie und 
einige Infanterie schon voraus war, der für den 29. März bestimmte 
Abmarsch des Gros der Infanterie, der Feld- Artillerie und Pontons 
um einen Tag verschoben werden. 

Der Aufbruch von Sternberg geschah mit neun deutschen 
Cavallerie-, zwei Husaren-Regimentern, 3 ) zwölf Infanterie-Bataillonen, 
16 Feld-Geschützen und der Ponton-Colonne. 

Eine viertägige Verpflegung für Mann und Pferd nahmen die 
Truppen mit, für sechs weitere Tage, ausschliesslich des Heus, das 
nur auf fünf Tage mitgenommen werden konnte, wurde die Ver- 
pflegung durch die Proviantwagen der Regimenter und 100 Fuhr- 
wesenswagen, wie durch Vorspann nachgelülirt. 



1 ) Marschbefehl Anhang XL1II. 

2 ) K. A., F. A. Schlesien 1741, in, 78. 

3 ) Das ganze Regiment Corclova-Cürassiere, dessen dritte Marschcolonne 
erst am 31. März zu Sternberg einrückte, brach von dort am 1. April auf und 
hatte Befehl, an diesem Tage Braunseifen, am 2. Lichtewerden oder Engels- 
berg und am 3. Zuckmantel zum Anschluss an die Armee zu erreichen. 
Diemar-Cürassiere, Kärolyi- und Pestvärmegyei-Husaren waren noch nicht bei 
der Armee eingetroffen. 



200 

Zur Deckung seiner rechten Flanke und zum Schutze Mährens 
gegen feindliche Streifungen von Troppau und Jägerndorf aus liess 
FM. Graf Neipperg den GFWM. Baron Baränyay mit 500 Pferden 
des eingerückten Dragoner-Regiments Althann, 1000 Commandierten 1 ) 
von der Infanterie und dem Csäky'schen Husaren-Regimente zurück. 

An Stab sofft eieren befanden sich bei diesem Commando der 
bisherige Oberst von Althann, nun zum GFWM. beförderte Baron 
Dickweiler, Baron Terzy von Thüngen-Infanterie und zwei 
Oberstwachtmeister. 

Im Glatz'schen blieben nach Leu tu Ins' Abmarsch mit den 
beiden Cavallerie-Regimentern das ganze Infanterie-Regiment Max 
Hessen und je sieben Compagnien von Carl Lothringen und Kolo- 
wrat zurück. 2 ) 

Zum Schutze des Fürstenthums Teschen hatte FM. Pälffy 
den GFWM. Conte d'O Hone beauftragt, von dem Podstatzky'schen 
Cürassier-Regiment und dem Max Starhemberg' sehen Bataillon ein 
500 Mann starkes Detachement zusammenzustellen, diesem die etwa 
130 Mann zählenden National-Husaren und Hayducken von Raab 
und Komom beizuordnen und dieses Commando unter einem ge- 
schickten Stabsofficier nach Teschen rücken zu lassen, wo der Com- 
mandant mit dem dortigen Landeshauptmann Baron Skrbensky 
wegen des Unterhalts der Truppen sich in das Einvernehmen setzen 
sollte. 3 ) 

Am 29. März traf auch im Hauptquartier der Armee die be- 
fremdende Nachricht ein, dass der Cardinal - Fürstbischof von 
Breslau, Graf Sinzendorff, auf seinem Schlosse zu Freiwaldau 
am 27. März um vier Uhr Nachmittags durch ein preussisches 
Detachement von 900 Mann, das einige Geschütze mitgeführt, auf- 
gehoben und nach Ottmach.au abgeführt worden sei. 4 ) Die Ver- 
haftung geschah angeblich wegen seines Briefwechsels mit dein 
Festungs-Commandanten von Neisse oder als Repressalie wegen 
Gefangennahme preussisch gesinnter Schlesier. 5 ) 



J ) Einschliesslich der Garnison von Olmütz. 
2 j K. A., F. A. Schlesien 1741, in, 79. 
s ) Ebenda, III, 82. 

4 ) Auch dem Prälaten von Grüssau soll ein gleiches Los zugedacht 
gewesen sein. Derselbe, davon benachrichtigt, habe sich durch Entfernung 
der Gefangennahme entziehen können. 

5 ) S t e n z e 1, Geschichte des preussischen Staates, IV, 119. Später, 
am 9. April, wurde der Cardinal von Ottmachau von den abmarschierenden 



•201 

Zu dieser Zeit erschienen am Hofe zu Wien zwei Deputierte 
aus Breslau und versicherten die Königin der Treue und Stand- 
haftigkeit der Bewohner der Stadt. Sie versprachen, dem preussischen 
Andringen der Verlegung einer Garnison in die Hauptstadt Wider- 
stand zu leisten, nachdem sie schon einige Emissäre und preussische 
Anhänger aus der Stadt gejagt hätten. x ) Aber sie suchten tum 
Unterstützung nach und stellten die Bitte, die Armee der 
Königin möge sie schützen, sprachen sich jedoch nicht darüber 
aus, ob sie deren Truppen in die Stadt als Besatzung einnehmen 
wollten, obwohl sie, allerdings bei Vorwand ihrer Privilegien, be- 
reuten, diese, als die Preussen in Schlesien einmarschierten, ver- 
weigert zu haben. 

Zwei ebenfalls in Wien Hilfe heischende Deputierte aus 
Neisse wurden in das N e i p p e r g'sche Hauptquartier gesandt, 
um den Armee - Commanclanten zu veranlassen, den Platz zu 
entsetzen. l ) 

Es war also aus verschiedenen Umständen Eile bei der Vor- 
rückung geboten, allein Frictionen traten schon in den ersten Marsch- 
tagen ein und hemmten die rasche Vorwärtsbewegung der Armee. 
Am 29. März schon konnte die aus der Infanterie und Artillerie 
bestehende Oolonne nicht von Sternberg aufbrechen, da die Strasse 
nicht frei war, auf welcher die Bagage der Cavallerie und die Proviant- 
Colonne nicht weiter kamen. Es musste in Folge dessen das Gros der 
Cavallerie unter Gr. d. C. Baron Römer, das ohnehin am 29. zu 



Preussen mitgeführt. Der Magistrat von Ottmachau, indem er diesen 
Abmarsch dem FM. Grafen Neipperg am 9. April meldet, bemerkt 
darüber: „Anbei berichten wir unterthänigst, dass ersagte preussische Be- 
satzung Seine Eminenz den Herrn Cardinal, unsern gnädigsten Fürsten und 
Bischof, so vor zwölf Tagen von Freiwaldau anhero gebracht worden, unter 
starker Escortierung, welche des Herrn Herzogs von Holstein Durchlaucht 
commandiert, mit sich hinweggenommen habe; und da nun höchstgedachte 
Ihro Eminenz zu Dero Hochwohlgeboren das gnädigste Vertrauen und An- 
h offnung getragen, dass Selbige Allmögliches, was zu Dero Befreiung gereichen 
kann, beitragen würden und anwenden würden, also auch ausdrücklich an- 
befohlen hat, diese ihre gewaltsame Hinwegführung ungesäumt einzuberichten." 
(K. A, F. A. Schlesien 1741, IV, 28.) 

x ) Im März war die preussische, in den Vorstädten Breslau's befindliche 
Besatzung ziemlich schwach, da dieselbe grösstentheils zu den im Felde 
stehenden Truppen abrückte und nur auf dem Dom noch gegen 300 bis 450 
Mann zurückgeblieben waren. (K. A., F. A. Schlesien 1741, III, 22 b.) 

2 ) H. H. u. St. A. Dispacci di Germania, Vienna, 1. April 174-1. 



202 

Freudenthal Rasttag halten sollte, noch einen zweiten Tag, am 30., 
dort still liegen, um die Intervalle der Armeegruppen nicht zu 
sehr zu vergrössern. Römer brach desshalb erst am 1. April 
von Freudenthal wieder auf und entnahm dem dortigen Magazin 
für einen Tag Brod und Hartfutter, so dass er beim Abmarsch 
über drei Portionen Hartfutter und ebensoviel Portionen Brod, 
die auf den Dienstpferden und Proviantwagen mitgeführt werden 
mussten, verfügte. Von Freudenthal aus blieben die Vorspanns- 
wagen zur Nachführung des späteren Unterhalts reserviert. x ) 

Die Artillerie, die am 30. März bis Eichhorn gelangt und 
dort um 1 Uhr Mittags aufgebrochen war, konnte am 31. die 
nur etwa vier Kilometer betragende Strecke bis Braunseifen wegen 
eingetretenen Thauwetters, sumpfigen Terrains und einer Menge 
umgeworfener "Wagen erst um 7 Uhr Abends erreichen und 
musste noch sechs Requisitenwagen vor Braunseifen stecken 
lassen. Die Pontons und die Bagage des Hauptquartiers, die 
erst um 9 Uhr Abends einrückten, mussten in Braunseifen 
zurückbleiben, Oberst von Feuerstein gieng jedoch, nachdem 
er Heu und Hafer gefasst, mit der Artillerie noch über Braun- 
seifen hinaus. 

Am 1. April war das Armee-Hauptquartier in Lichtewerden 
auf der Strasse von Freudenthal nach Engelsberg, auf welcher auch 
das Gros der Infanterie und Cavallerie echelonniert stand. Doch kam 
die Feld-Artillerie nicht fort, da die Strassen bei der frühen Jahres- 
zeit so verdorben und die Beschwerlichkeit derselben im Gebirge 
derartig war, dass die grösste Mühe aufgewendet werden musste, 
um die Geschütze und Fuhrwerke mit vorgelegtem Vorspann fortzu- 
bringen und sie trotzdem unterwegs stecken blieben. 2 ) Neipperg 
ward dadurch in seiner ursprünglichen Berechnung über die 



*) Neipperg an Römer, Sternberg, 29. März 1741. (K. A.. F. A. 
Schlesien 1741, III, 85.) 

2 ) Die Qualität der Artilleriebespannungen rauss ebenfalls eine ausser- 
ordentlich schlechte gewesen sein, da Neipperg darüber dem Hof-Kriegs- 
rath meldet: „Ich weiss mich nicht zu erinnern, dass die Feld- Artillerie jemals 
mit so schlechten Pferden, als wie bei dieser Lieferung, wo man selbige aus 
der schlechten Bauernfütterung ohne Ansehung der Qualität hergenommen, 
\ ersehen worden wäre und daher, gleichwie auch, dass selbe so spät angeschafft 
worden und gleich darauf die harten Märsche antreten müssen und nunmehr 
in die Strapazen kommen, rührt es auch, dass selbige überall stecken bleiben 
und gar nicht fortkommen könnten, wann selbige nicht mit doppelten Vor- 
spannen versehen liesse." (K. A.. F. A. Schlesien 1741, IV, 1.) 



203 

Vorrückung schon um zwei Tage zurückgebracht und nicht sicher, 
ob er nicht noch weiterhin aufgehalten werden würde. 

Diese verlorenen Tage kamen, wie sich zeigen wird, später 
sehr zu Ungunsten der österreichischen Armee in Rechnung. Zu 
dieser Zeit war der Feldmarschall noch nicht ganz entschieden, 
welche Richtung er weiter einschlagen wolle. Er meldete darüber 
an den Hof-Kriegsrath : v ) 

,,Da ich unterdessen das Object wegen Neisse nicht aus den 
Augen lasse und erst sehen muss, ob ich nach Bewandtniss der 
feindlichen Mouvements bei Zuckmantel oder aber gegen Jägern- 
dorf, welches um etwas weiter wäre, aus dem Gebirg werde ge- 
langen und durch die nachzufolgen angetragenen Landwagen mit 
der weiteren Subsistenz für Mann und Pferde secundiert werden 
könne." 2 ) 

Die Nachrichten, welche im Hauptquartier einliefen, meldeten, 
dass die Preussen sich gegen Neustadt stark zusammenzögen, so dass 
N e i p p e r g muthmasste, sie hätten dermalen die Unternehmung 
auf Neisse aufgegeben und dass, da sie von seiner Vorrückung 
Nachricht haben müssten, sie ihm das Debouchieren aus dem Ge- 
birge erschweren wollten. 

Die Artillerie-Colonne traf erst während der Nacht successive 
in Gross-Stohl ein und marschierte, trotz der überaus ermüdeten 
Pferde, um 6 Uhr Früh von dort wieder nach Lichtewerden 
weiter. 

Am 2. April blieb das Hauptquartier in Lichtewerden und 
scheint für alle Truppen Rasttag gewesen zu sein, am 3. wurde 
der Vormarsch fortgesetzt und am 4. befand sich das Armee- 
Hauptquartier schon in Dürr-Kunzendorf an der Gabelung der 
Strasse nach Neustadt. In dem Räume zwischen Zuckmantel und 
Ziegenhals stand am 4. April auch die Armee bis auf die zu 
den Brigaden nicht eingetheilte Feld-Artillerie und einige noch 



*) Bericht vom 1. April. (K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 1.) 
2 J „Nachdem das System von dein connnandierenden General gefasst 
worden, mit Landwagen das Hartfutter der Armee nachzuführen, so werden 
zur ersten Provision per zehn Tage zur Nachführung 1926 Wagen nöthig." 
Der Prerauer Kreishauptmann an den Landeshauptmann, ddo. Hauptquartier 
Sternberg, 29. März 1711. (Acten der k. k. Statthalterei Brunn.) Die Landes- 
Militär-Cornmission in Olmütz stellte zum Nachschub des Proviants überhaupt 
93 schwere, theils Wiener, theils Olmützer Landkutscherwagen bei, welche 
mit 72.000 Brod-Portionen und 1000 Centnern Mehl beladen am 2. April zur 
Armee abgiengen. (K. A., A. A. Neipperg, 1741, 18—38.) 



204 

in der Nachrückung begriffene Munitions- und Requisiten-Wagen, 
versammelt. Der grosse Train befand sich noch im Anrücken. Vi 
FM. Graf Neipp erg beabsichtigte nun, sobald die zuletzt ange- 
langten Truppen sich einigermassen erholt haben würden, gegen 
Neisse vorzurücken und am 5. die Festung zu erreichen. Die preussi- 
sche Garnison von Ziegenhals hatte durch österreichische Deserteure 
am 3. April schon Nachricht von dem Anrücken der österreichi- 
schen Armee erhalten und in Folge dessen den Ort geräumt. 2 ) 
Das Ober-Kriegs-Commissariats-Amt befand sich am 5. April noch 
in Hermannstadt, während das Hauptquartier der Armee am 
Nachmittag dieses Tages in Neisse eintraf. Dasselbe führte noch 
einen eintägigen Bedarf an Hartfutter für die bei der Cavallerie 
auf 6, bei der Infanterie auf 7 Tage richtiggestellte, theils durch 
die Mannschaft getragene, theils auf den Regiments-Proviantwagen 
befindliche Verpflegung an Brod und Hartfutter auf Landwagen 
mit. Ein weiterer Nachschub auf vier Tage war von Olmütz im 
Anrücken, der dann auch noch 1000 Centner Mehl mitbrachte. 

In Neisse angelangt, wo starke Vorräthe aufgehäuft waren, 
konnte Neipperg die Armee aus diesen versorgen, was umso 
wichtiger war, als die Nachschübe aus den mährischen Magazinen 
in's Stocken geriethen, da auf der Strasse von Wildgrub an über 
Lichtewerden, Engelsberg, Würbenthai und Einsiedel etwa 800 mit 
Hartfutter beladene Wagen in Folge des Entweichens der Vor- 
spannsbauern ohne Bespannung standen. Diese Wagen wurden dann 
durch, von den Herrschaften des deutschen Ritterordens beigestellten 
Vorspann wieder in Bewegung und nach Würbenthai, \~on dort 
durch andern Vorspann nach Hermannstadt gebracht; allerdings 
mit namhaftem Verlust. 3 ) 

GrFWM. Baron Lentulus war, wie bereits erwähnt, mit 
Batthyäiryi-Dragonern und Splenyi-Husaren am 30. März in Landeck 



J ) Die Wege waren nach Mittheiluug des Olmützer Kreishauptmanns 
Baron Schubirz derart schlecht, dass die Pferde der gemietheten „Fliegen- 
schützen"-'Wagen und die Pferde des Proviant-Fuhrwerks, die doch bedeutend 
stärker als die Vorspannspferde waren, kaum fortkamen. 

-') K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 12. 

3 ) Das von Sternberg abgegangene Hartfutter-Quantum betrug 235.64») 
Portionen. In Hermannstadt waren davon nur 126.345 eingetroffen ; es fehlten 
also auf das abgesendete Quantum noch 109.301 Portionen, „welche wegen 
Entfliehung der Bauern fast zur Hälfte gestohlen worden sind". (K. A., F. A. 
Scldesien 1741, IV, ad 21 b.) 



205 

eingetroffen, hatte von dort am folgenden Tage als Avantgarde 
1 Rittmeister mit 100 Husaren nach Johannesberg (Jauernig) ge- 
sandt, r ) dem er mit dem Gros seiner Cavallerie um 8 Uhr nach- 
gefolgt war. Sofort nach dem Eintreffen und dem Ausstellen der 
Sicherungsposten , ritten kleine , von Unterofficieren geführte 
Patrouillen zu 6 Mann auf der Strasse gegen Patschkau bis Weis- 
bach, auf jener von Ottmachau bis Schwammelwitz und gegen 
Weidenau bis Barzdorf vor. Am 1. April behielt Lentulus seine 
Stellung bei Jauernig und Hess wie am Vortage patrouillieren. Als 
am folgenden Morgen dann die Nachricht einlief, class die in 
Patschkau liegende preussische Besatzung abmarschieren werde, 
rückte der Oberstlieutenant des Splenyi'schen Husaren-Regiments 
mit 150 Mann gegen Fuchswinkel ab, um den Marsch der Preussen 
zu beobachten. Lentulus sandte noch 100 Pferde nach. Die 
Besatzung von Patschkau, 2 Compagnien des Alt-Borcke'schen 
Regiments marschierte um 12 Uhr Mittags von dort und zwar 
auf der Strasse am rechten Neisse-Ufer nach Ottmachau ab, die 
Splenyi'schen Husaren fielen in deren Arrieregarde, verwundeten 
1 Ofncier und einige Soldaten, nahmen 1 Sergeanten, 2 Gefreite, 
1 Tambour und 1 Soldaten, nebst 1 Ofhciersdiener gefangen und 
erbeuteten einen Wagen und eine Trommel. Auf die Meldung von 
diesem Rencontre rückte GFWM. Lentulus selbst mit dem Rest 
des Husaren-Regiments und 200 Dragonern vor, fand aber das 
Halb-Bataillon, das der Oberstlieutenant von Massow comman- 
dierte, beim Dorfe Stübendorf sehr günstig postiert, wo es, von 
sumpfigen Niederungen gedeckt, mit Cavallerie kaum angreifbar war. 
Trotzdem giengen die Husaren an und das Halb-Bataillon gab 
Gliederfeuer ab, wobei jedoch nur 1 Pferd verwundet wurde. Die 
preussische Infanterie nahm darauf ihre Fuhrwerke in die Mitte 
der Colonne und setzte den Marsch auf einem Damme zwischen 
dem Sumpfterrain ungehindert fort. 2 ) Lentulus gieng mit seinen 
Truppen nach Johannesberg zurück. Am 3. April rückten sämmtlicbe 
Escadronen, ausser einem Beobachtungsposten, der auf dem eine 
weite Umsicht gewährenden Schloss zu Johannesberg zurückblieb, 
aus und nahmen Stellung bei Heinersdorf, wo bis Abend ge- 
blieben, dann aber in Hermsdorf eingerückt wurde. In Hermsdorf 
blieb Lentulus am 4. und sandte nur ein Commando von 



') Das Schloss. dem Bischof von Neisse gehörig, licisst Johannesberg, 
der Markt Jauerniü,-. 

2 J K. A., Tagebuch Lutsch und F. A. Schlesien 1741, IV. 6. 



•206 

100 Husaren aus, um die Verbindung mit der Armee Neipperg's 
herzustellen, besetzte auch den zwischen Krackwitz und Brünschwitz 
gelegenen, einen weiten Ausblick gewährenden Hasen-Berg mit 
einem Beobachtungsposten. In der Nacht kam aus dem Haupt- 
quartier der Armee der Befehl, dass Lentulus ungesäumt nach 
Neisse abmarschieren solle. 

In Folge dessen rückten die beiden Cavallerie-Eegimenter um 
5 Uhr Morgens ab und gelangten über Peterwitz, Würben, Klein- 
Briesen nach Passierung des Biele-Armes um 10 Uhr nach Neisse, 
wo sie in der am linken Neisse-Ufer liegenden Vorstadt „Mähren- 
gasse" einquartiert wurden. 



Operationen der beiderseitigen Armeen zu Anfang April. 

Die österreichische Armee war, wie gesagt, am 5. April in 
Neisse und Umgebung eingetroffen, allerdings um drei Tage später, 
als in den am 25. März zu Olmütz stattgefundenen Besprechungen 
festgesetzt worden war. J ) 

FM. Graf Palffy hatte inzwischen den GFWM. Conte 
d'O Hone mit dem grössten Theil des Podstatzky'schen Cürassier- 
ßegiments, dem Max Starhemberg'schen Bataillon, das von Jablunkau 
wieder nach Sillein zurückgekehrt war, während die frühere Be- 
satzungs-Compagnie von Wallis theils in Jablunkau, theils in Csäcza 
stand, ausserdem Raaber Husaren und etlichen Leuten von der 
Komorner National - Miliz, nebst Hayducken in das Herzogthum 
Teschen vorzurücken bestimmt, um den preussischen General La 
Motte, der ausßatibor bedeutende Mengen Getreide wegführen Hess, 
an diesen Transporten nach Möglichkeit zu hindern. P alf fy erklärte 
übrigens in einer Mittheilung vom 3. April aus Pressburg, dass er 
mit N e i p p e r g vollständig einverstanden sei, dass durch eine 
Diversion aus dem Jablunka- Gebirge die Kriegslage bedeutend zu 
Ungunsten der Preussen verschoben werden könne. „Mein gegen 
Ihro Majestät, unsere Allergnädigste Königin tragender Dienst- 
eifer und Devotion ist auch so gross, dass ich gar kein Bedenken 
würde genommen haben, mit einigen wenigen .Regimentern hiezu 
selbst das Unternehmen auszuführen, wie ich denn auch dess wegen 
den Vortrag während meiner Anwesenheit in Wien selbst gemachl 
habe. Nachdem man aber meinen Vorschlag nicht für gut befunden. 



l ) L e n t u 1 u s an S e c k e n d o r ff, 29. März 1741. (K. A., F. A. Schlesien 
1711, XIII. 12 f.) 



208 

so war mir auch nicht möglich, dermalen zu Behuf des Allerhöchsten 
Dienstes ein Mehreres zu thun", als eben die Entsendung des er- 
wähnten Detachements. 2 ) 

König Friedrich IL hatte sich am 12. März von Schweid- 
nitz nach dem eine halbe Meile nordöstlich Reichenbach gelegenen 
Bertholsdorf, von dort nach Nimptsch begeben und war am 25. 
in Strehlen angekommen. Hier erhielt er Meldungen Schwerin's, 
worin dieser seine Stellung als gefährdet schilderte. Daraufhin 
ertheilte ihm Friedrich LI. Befehl, was noch an Vorräthen aus 
Ratibor und Troppau herausgebracht werden könne, nach Oppeln 
zu schicken, alles Andere aber aufzuzehren oder zu verbrennen, 
dann beide Orte zu räumen und sich in und bei Jägerndorf zu con- 
centrieren. „Ich gehe über die Neisse und werde Euch dann weiter 
Ordre schicken, wie Ihr weiter nach Neustadt marschieren sollt, 
auf dass wir mit der Armee zusammenkommen, denn es nicht mehr 
Zeit ist, von einander zu bleiben." 2 ) König Friedrich erkannte 
vollkommen die Gefahren, die mit einer längeren Trennung der Armee 
verbunden waren und hatte in Folge dessen auch den grössten 
Theil der nördlich der Neisse stehenden Truppen zur Concentrierung 
in die Gegend der Festung gleichen Namens in Marsch gesetzt. 

In den Anschauungen Schwerin's hatte sich inzwischen eine 
"Wandlung vollzogen. Als er Nachricht erhalten, dass Friedrich IL 
entschlossen war, alle Kräfte an der Neisse zu vereinigen, bat er 
am 24. März nur um einige Bataillone und Escadronen als Ver- 
stärkung, womit er den Oesterreichern, die nur bei Jägerndorf 
debouchieren könnten, das Eindringen in Schlesien verwehren 
werde.. König Friedrich LI., der am 28. März in Ottmachau ange- 
kommen war, begab sich nun selbst mit 5 Infanterie- und 4 Grenadier- 
Bataillonen zu Schwerin, um diesen an sich zu ziehen und 
rückte in Folge dessen am 29. über Polnisch- Wette nach Neu- 
stadt. Die Truppen, welche ihn begleiteten, das Regiment Prinz 
Leopold, das 2. Bataillon Glasenapp und die 4 Grenadier-Bataillone 
waren bis in diese Gegend gefolgt ; das Regiment Truchsess gieng 
geradenwegs nach Steinau. Während König Friedrich IL Ab- 
wesenheit sollte GM. von Kalckstein mit 7 Bataillonen und 
5 Escadronen Neisse auf dem nördlichen Ufer einschliessen. 3 ) 



>) K. A., F. A. Schlesien 1741. IV, 11. 

' J Kriege Friedrich d. Gr. I, 356. 

3 ) Es wurden ihm hald darauf noch 3 Bataillone und 5 Escadronen 



zugewiesen. 



20 <J 

In Neustadt traf Friedrich II. mit FM. Schwerin zu- 
sammen und erkundigte sich, welche Nachrichten Letzterer über die 
Bewegungen der Oesterreicher habe, worauf Schwerin antwortete, 
,,dass die österreichischen Truppen an den Grenzen Schlesiens von 
Ungarn bis zur Stadt Braunau in Böhmen vertheilt stünden und dass er 
jeden Augenblick Nachrichten über dieselben aus Sternberg erwarte". 1 ) 

Am 30. März rückten die Truppen, welche den König be- 
gleitet hatten, bis in die Höhe von Neustadt und rasteten am 
folgenden Tage. Am 1. April brach Friedrich IT. in Begleitung- 
Schwer i n's nach Jägerndorf auf, wohin auch das Infanterie- 
Regiment Schwerin, das 2. Bataillon Glasenapp und die Grenadier- 
Bataillone AVinterfeldt und Reibnitz marschierten. In Neustadt blieb 
nur das Regiment Prinz Leopold und 2 Grenadier-Bataillone. 

Auch in Jägerndorf erhielt man keine Nachrichten von der 
österreichischen Armee und schon beabsichtigte König Friedrich, 
am 2. April die Stadt zu verlassen, als plötzlich drei Deserteure 
des Liechtenstein'schen Dragoner - Regiments eintrafen, 2 ) welche 
aus den Cantonnierungen von Freudenthal entwichen waren und 
die höchlich überraschende Mittheilung machten, dass die gesammte 
österreichische Cavallerie dort versammelt gewesen sei und nur die 
Ankunft der Infanterie und der Geschütze abgewartet habe, um auf 
Jägerndorf zu marschieren oder Neisse zu entsetzen. 3 ) 

Im selben x\ugenblicke fallen Schüsse und man glaubt die 
Avantgarde der österreichischen Armee schon vor Jägerndorf. Die 
Situation klärte sich indessen bald insofern auf, als nur kleinere 
Abtheilungen des Generals Baränyai, welche die preussische 
Aufstellung recognoscierten und mit den preussischen Vedetten 
Schüsse wechselten, vor der Stadt erschienen waren. 

Zur Vertheidigung standen hier nur 8 Bataillone, 1 Escadron 
Husaren und 5 Regiments-Geschütze. 

Immerhin war die Lage kritisch, die österreichische Armee, an 
den preussischen Aufstellungen schon vorübergegangen, befand 
sich in vollem Marsche gegen Neisse. 4 ) 



x ) Histoire de mon temps (Red. v. 1746), 224. 

2 ) Nach der Meldung des Regiments - Commandanten Oberst Baron 
Locatelli (K. A., H. K. R. 1741. Prot. Exp. Fei. 1143) und dem Bericht 
des Prinzen Leopold von Anhalt-D essau an seinen Vater, drei, während 
„Histoire de mon temps" deren Zahl mit 7 angiebt. 

3 ) Histoire de mon temps (Red. v. 1746. ) ; 224. 
*) Tafel VI. 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 



210 

Als Friedrich II. die überraschende Nachricht von dem 
Anrücken Neipperg's empfieng, waren seine Truppen auf einem 
Räume vertheilt, der durch die 20 Meilen lange Linie Troppau- 
Schweidnitz in der Front, rückwärts durch die Oder von Ratibor 
bis Ohlau begrenzt war. 

Die einzelnen Armee-Gruppen waren folgendermassen vertheilt : 
Bei Jägerndorf 8 Bataillone und 1 Escadron ; bei Troppau und 
Putsch 4 Bataillone, 3 Escadronen ; bei Ratibor, Leobschütz, Kra- 
witz und Katscher 2 Bataillone, 5 Escadronen; bei Neustadt 
4 Bataillone ; bei Steinau das Regiment Truchsess ; bei Ziegenhals, 
Weidenau und Patschkau 3 Bataillone und 1 Escadron; 5 Esca- 
dronen des Regiments Prinz Friedrich in dem Räume Krappitz- 
Ober-Glogau-Steinau-Falkenberg. GM. von Kalckstein hatte sich 
der Festung Neisse auf dem linken Fluss-Ufer mit 8 Bataillonen 
und 10 Escadronen bis in die Gegend von Grottkau genähert, 
während der G. d. J. von Holstein mit 7 Bataillonen und 
6 Escadronen die Einschliessung der Festung in der Gegend 
von Frankenstein decken sollte. Brieg hielt GM. von Kleist mit 
4 Bataillonen und G Escadronen eingeschlossen ; in Breslau und 
Glogau stand je 1 Bataillon, 5 Escadronen befanden sich noch 
auf dem Marsche von Schweidnitz zur mittleren Neisse. 

Die Situation dieser Tage konnte für König Friedrich 
leicht verhängnissvoll werden, da die politischen Verhältnisse für 
Preussen durchaus noch nicht günstig standen. 

Die Verhandlungen mit Frankreich hatten damals noch zu 
keinem Bündnisse geführt und am Petersburger Hofe hatte in der 
letzten Zeit eine für Oesterreich günstige Strömung die Oberhand 
gewonnen. Der einzige Bundesgenosse, auf welchen jetzt schon 
König Friedrich H. rechnen durfte, war Churfürst Carl Albert 
von Bayern, der aber nur über beschränkte Machtmittel verfügte 
und also kein grosses Gewicht in die AVagschale werfen konnte. 
Drei feste Plätze befanden sich ausserdem noch im österreichischen 
Besitze und nur durch die ausserordentlich glückliche Emportierung 
Glogau's, dieser im Rücken gelassenen Festung, war die Vorrückung 
in Schlesien erst einigermassen gesichert worden. 

König Friedrich H. erkannte sofort die ihm drohende 
Gefahr und säumte nicht, seine Truppen in der Gegend der mittleren 
Neisse, unterhalb der Festung, zu versammeln. 

An die Truppen unter Holstein und Kalckstein auf dem 
linken Ufer ergieng Befehl, den Fluss bei Sorge zu überschreiten. 



211 

GM. La Motte hatte mit seinem Regimente und einer Escadron 
preussischer Husaren längs der Oder gegen Oppeln zu rücken, 
um dadurch das Zurückbringen der noch in Ober-Schlesien liegen- 
den Vorräthe zu decken, während die übrigen in Ober-Schlesien 
befindlichen Truppen eilends nach Jägerndorf marschieren sollten. 
Das in AVeidenau und Ziegenhals befindliche Regiment Kleist, nebsl 
einer Escadron der Berliner Husaren, sowie das in der Gegend 
zwischen Oppeln und Löwen stehende Regiment Prinz Friedrich 
giengen unmittelbar nach Neustadt. Die Truppen aus Ober-Schlesien 
trafen am 3. April bei Jägerndorf ein, wo an diesem Tage 12 
Bataillone und 8 Escadronen vereinigt waren. Von GM. K a 1 c k- 
s t e i n's Truppen überschritt ein Theil die Neisse auf einer bereits 
am 29. März eine halbe Meile östlich der Festung geschlagenen 
Brücke und rückte in die Orte südöstlich von Neisse. *) 

An den Herzog von Holstein (in der Stellung von Franken- 
stein) ergieng Befehl, beim Könige einzurücken ; er erhielt aber 
diesen Befehl nicht zur rechten Zeit, cla die österreichischen Husaren 
die Verbindung unterbrochen hatten und blieb abgeschnitten vom 
Heere des Königs durch die dazwischen stehende österreichische 
Armee. 2 ) 

Am 4. April marschierte Friedrich von Jägerndorf nach 
Neustadt ab. 

Am nämlichen Tage trafen auch die Regimenter Kleist und 
Prinz Friedrich, sowie eine Escadron der Berliner Husaren dort 
ein, so dass hier 18 Bataillone und 14 Escadronen vereinigt waren. 3 ) 

Kalckstein's Truppen erreichten mit einem Bataillon Greisau. 
dreiBataillone überschritten die Neisse beiNeu-Sorge und marschierten 
nach Steinau, wo bereits zwei Bataillone des Regiments Truchsess 
sich befanden. Am 5. April begab sich König Friedrich IL von 
Neustadt nach Steinau, wo er wieder durch Deserteure die Nachricht 
erhielt, dass L e n t u 1 u s und N e i p p e r g am nämlichen Tage sich in 
Neisse voraussichtlich vereinigen würden. Diese Kunde bewog zur 
Vereinigung aller in der Nähe befindlichen Truppen bei Steinau, 
wo eine Verteidigungsstellung bezogen wurde. Im Laufe des 



x ) Tafel VI. 

2 ) „Da man wegen der umherstreifenden feindlichen Husaren keine 
.schriftlichen Befehle zu schicken wagte, so war General-Adjutant Oberst von 
B o r c k e mit ihrer mündlichen Ueberbringung beauftragt worden, doch ver- 
mochte dieser, auf einem Umwege von 30 Meilen zum Herzoge reitend, nicht 
mehr rechtzeitig bei demselben einzutreffen." (Kriege Friedrich d. Gr. I, 371. 

3 ) Tafel VI. 

14* 



212 

Tages und zum Tlieil erst in der Nacht trafen sämmtliche Truppen 
aus Neustadt und Umgegend ein, so dass hier am 6. April Morgens 
29 Bataillone und 36 Escadronen versammelt waren. 

Auch GM. von Kleist vor Brieg ward beordert, die Blokade 
aufzuheben und zum Heere des Königs einzurücken. 

Eine 60 Mann starke, von einem Rittmeister befehligte Ab- 
theilung des Husaren-Regiments Dessewffy, das zur Aufklärung 
an das rechte Neisse-Ufer entsendet war, traf am Abend des 
5. April in Oppersdorf ein, gieng von dort nach Ritterswalde und 
überraschte hier preussische Truppen bei den Bivouacfeuern. r ) 

Die preussischen Truppen in Steinau, die wegen eines dort 
ausgebrochenen Brandes aus dem Orte gezogen werden mussten. 
bivouakierten und litten bei dem eingetretenen Schneefall und 
starker Kälte ganz ausserordentlich. 

Am Morgen des 6. April standen beide Heere, das öster- 
reichische bei Neisse, König Friedrich H. mit seinen Truppen 
bei Steinau, auf eine Entfernung von zwei Meilen von einander. 
Das österreichische Heer war vollständig versammelt, von des 
Königs Heer stand der Herzog von Holstein, wie erwähnt, 
noch in der Gegend zwischen Frankenstein und Ottmachau. 
Friedrich n., in dem bestimmten Glauben, dass Letzterer 
den ihm gesandten Befehl, an die mittlere Neisse zu rücken, 
erhalten habe, beabsichtigte, eben an diesem Tage die Neisse zu 
überschreiten, um sich mit Holstein's Truppen zu vereinigen. 
Um die bei Neu-Sorge-Lassoth am 4. abgebrochene Ponton-Brücke 
wiederherzustellen, wurde Oberst von Fink mit einem Detachement 
dahin gesandt. Die bei Steinau versammelten Truppen unter König 
Friedric h II. Befehl traten sodann den Marsch gegen die Neisse an. 
Tiefer Schnee machte das Fortkommen beschwerlich. Das Gros der 
Truppen gelangte bis Friedland, wo auch das Hauptquartier blieb. 

Hier trafen im Laufe des Tages noch eine Escadron Gensdarmen, 
zwei Escadronen Bayreuth-Dragoner und zwei Escadronen Husaren 
ein. Die Avantgarde der preussischen Armee, die Regimenter Prinz 
Leopold, Truchsess, ein Bataillon von Borcke und zwei Escadronen 
Husaren, überschritt noch am 6. April bei Neu-Sorge die Neisse 
und besetzte das am linken Ufer derselben liegende Dorf Lassoth. 



1 Meldung des Oberstlieutenants Dessewffy, ddto. Neunz, 6. April 
17-11. K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 20. 



213 

Im österreichischen Hauptquartier war am Nachmittage dieses 
Tages die Nachricht eingelaufen, dass die preussische Armee an der 
Neisse abwärts marschiere und bei Neu-Sorge-Lassoth den Fluss zu 
passieren Willens sei. Die Cavallerie des rechten Flügels unter 
G. d. C. Freiherrn von Börne r, x ) die Cürassier-Eegimenter Birken- 
feld, Hohenems, Lanthieri, Seherr, die Dragoner-Kegimenter Althanii, 
Römer und die Husaren-Regimenter 2 ) erhielten in Folge dessen 
Befehl, gegen den am linken Neisse-Ufer liegenden Ort Lassoth 
abzurücken. 3 ) 

Oberstlieutenant von St. Andre des Infanterie-Regiments 
Botta, welcher mit 20 Husaren zur Recognoscierung vorausgesandt 
war, traf bereits preussische Abtheilungen der Avantgarde im Dorfe 
Lassoth an, den Rest derselben bemerkte man im Uebergange 
begriffen und am jenseitigen Ufer. Um einen Stützpunct zu haben, 
suchte St. A n d r e sich eines Meierhofes, eines massiven Gebäudes, 
des sogenannten Oberhofes, das oberhalb des Dorfes, nahe zur 
Uebergangsstelle lag, zu bemächtigen, um sich dort bis zur Ankunft 
des Gros der Truppen zu halten. Von hier aus hätte man leicht 
die preussische Infanterie, welche bereits das ganze Dorf zu be- 
setzen anfieng, delogieren und die Brücke unter Feuer halten 
können; nachdem St. Andre aber nur Husaren bei sich hatte, 
war es ihm unmöglich, anders als durch Ueberraschung zu wirken 
und gerade als seine Husaren in den Hof der erwähnten Meierei 
sprengten, wurden sie von dem Feuer einiger hundert Infanteristen, 



x ) Freiherr Ernestus von Eöme r war, wie schon erwähnt, in der Pro- 
motion vom 19. März 1741, in welcher FZM. Graf Neipperg zum Feld- 
marschall vorrückte, zum General der Cavallerie befördert worden. Da die betref- 
fenden Bestallungen erst einige Wochen später ausgestellt wurden (Neipperg's 
Bestallung datiert vom 12. April), Römer aber inzwischen bei Mollwitz gefallen 
war, findet sich für ihn keine Bestallung vor. Er wird desshalb auch in den 
amtlichen Schriftstücken, da die Promotion wohl bekannt, aber eine amtliche 
Verständigung nicht herabgelangt war, stets als Feldmarschall-Lieutenant noch 
bezeichnet. 

2 ) Splenyi und Ghilänyi, da Dessewffy sich am rechten Ufer der Neisse 
und Csäky beim Detachement des GFWM. Baron Baränyai befand. 

3 ) Der Flügel des G. d. C. Freiherrn von Eömer bestand allerdings aus 
den 6 obangeführten Regimentern ; doch gibt der später (in den Achtziger 
Jahren auf Befehl des Hof-Kriegsrathes) eingesendete Bericht des Oberst - 
lieutenants von Lincken, der den Feldzug in Schlesien als Hauptmann im 
Römer'schen Dragorier-Regimente mitgemacht hatte, an, dass bei dieser Ge- 
legenheit nur 5 Regimenter unter G. d. C. Röme r's Commando gestanden 
seien. (K. A., F. A. Schlesien 1741, XIII, 1.) 



214 

welche sich dort eingenistet hatten, derart empfangen, dass sie mit 
Verlust einiger Leute sich zurückziehen mussten. ') 

Es hatten bereits zwei Bataillone der preussischen Avantgarde 
den Fluss passiert, als General Eöme r Nachmittags eintraf. Der 
coinmandierende G-eneral begab sich mit GFWM. Lentulus selbst 
nach Lassoth. Die Preussen gaben einige Kanonenschüsse auf die 
im Vortrabe befindlichen Husaren-Abtheilungen ab, wobei ein Husar 
an der Seite Eöme r's erschossen wurde. Nichts wäre leichter 
gewesen, als dies Detachement wieder zu delogieren ; da man jedoch 
glaubte, dass der König von Preussen beabsichtige, die Neisse in 
der Gegend zu passieren und der österreichische Feldherr durchaus 
Gelegenheit suchte, ihn in eine Schlacht zu verwickeln, so begnügte 
man sich, die Cavallerie des Generals Römer dort aufzustellen 
und am anderen Tage den Rest der Armee dahin folgen zu lassen.-! 

FM. Graf Neipperg sandte nämlich am 7. April die In- 
fanterie und Artillerie, den FML. Baron B er Hellingen mit dem 
linken Flügel der Cavallerie, den Cürassier-Regimentern Cordova. 
Hohenzollern und den Dragoner-Regimentern Liechtenstein, AVürttem- 
berg, Batthyanyi nach und Hess dieser Cavallerie die Pontons 
folgen. :i ) 

Es befand sich also die gesammte österreichische Armee am 
linken Neisse-Ufer bei Lassoth versammelt. 

Der die preussische Avantgarde befehligende Oberst von 
Stech ow hatte Lassoth bis zum Einbruch der Nacht des G.April 
besetzt gehalten, erachtete es jedoch bei der starken Ueberlegenheit 
der herangezogenen österreichischen Kräfte für gerathen, während 
der Nacht wieder auf das rechte Neisse-Ufer zurückzugehen. Die 
Brücke blieb vorläufig noch erhalten. 

König Friedrich IL erfuhr dies erst am Morgen des 
7. April, worauf er den Markgrafen Carl mit vier Bataillonen an den 
Uebergaugspunct entsandte und später auf die Meldung, dass die 



: ) K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, ad 32 e. Relation der Schlacht bei 
Mollwitz von einem kaiserl. Officier. Abgedr. in Mitthlgn. des k. und k. K. A., 
N. F. I. 

2 ; Nach einem nicht mehr vorhandenen Bericht N e i p p e r g's aus Neisse 
vom 6. April hatte dieser die Absicht gehabt, noch am nämlichen Tage mit der 
gesammten Cavallerie von dort auszurücken und zu trachten, „von feindlichen 
Truppen, die dazumal dies- und jenseits der Neisse ziemlich zerstreut gelegen 
und im Marsche begriffen waren, einige entweder corps- oder theilweise anzu- 
treffen und ihnen Abbruch zu thun". 

3 ) K. A., Lutsch' Tagebuch. 



215 

Bretter von der Brücke aufgenommen seien, den Erbprinzen Leopold 
von Anhalt-Dessau beauftragte, das Commando dort zu über- 
nehmen und die Brücke wieder gangbar zu machen. 

Noch immer hielt Friedrich daher an der Absicht fest, 
hier den Ueb ergang zu bewirken. 

Als der Erbprinz bei der Brücke ankam, fand er, dass Markgraf 
Carl den bereits erwähnten, am linken Ufer liegenden Meierhof 
hatte anzünden lassen, weil die esterreicher, welche denselben 
nach dem Rückzuge des Obersten von Stechow besetzt hatten, 
von hier aus die am rechten Neisse-Ufer aufgestellten preussischen 
Bataillone heftig beschossen. Nachdem die Brückendecke wieder 
aufgelegt worden, ritt Leopold von Dessau mit den Husaren 
über die Brücke, liess einige Infanterie-Bataillone dieselbe ebenfalls 
überschreiten und das Dorf Lassoth besetzen, aus welchem die dort 
befindlichen schwachen österreichischen Abtheilungen vertrieben 
wurden. Jenseits des Dorfes sah er sich aber starken österreichischen 
Kräften gegenüber. 

Da er es nicht rathsam fand, Angesichts dieser mit der ganzen 
Armee über die Neisse zu defilieren, traf er Anstalt, sich wieder 
über die Brücke zurückzuziehen. Das Gros seiner Truppen und das 
Geschütz wurde am rechten Ufer zur Aufnahme der am linken 
befindlichen Truppen aufgestellt und dem Könige Meldung erstattet. 
Der Erbprinz erhielt in Folge dessen Befehl, den Uebergang auf- 
zugeben, die Brücke abzubrechen, da die gesammte Armee in Folge 
der geänderten Umstände die Neisse nun bei Michelau überschreiten 
sollte. Unter lebhaftem Geplänkel am linken Fluss-Ufer gelang dem 
Erbprinzen der Rückzug, das Abbrechen, sowie die Bergung der 
Brücke. Das Dorf Lassoth gieng in Flammen auf. J ) 

Erbprinz Leopold, zu dessen Colonne noch von den am 
rechten Neisse-Ufer gestandenen Truppen 10 Bataillone und 6 Esca- 
dronen gestossen waren, marschierte um 4 Uhr Nachmittags an der 
Neisse abwärts über Bielitz, Gross-Mahlendorf, Grüben und langte 
spät Abends im Dorfe Kirchberg an. 

Die Cavallerie hatte mit vier Grenadier-Bataillonen die Arriere- 
garde. 

Dieser Marsch wurde von österreichischen Husaren beunruhigt. 
Der mit seinem Reginiente am rechten Neisse-Ufer befindliche und 
dem Commandanten von Neisse, Oberst Baron Roth, zu Streifungen 



*) König Friedrich ernannte den Erbprinzen für die im Gefechte 
bei Lassoth bewiesene Umsicht zum General der Infanterie. 



216 

zugewiesene Oberstlieutenant Graf D esse wffy war der preussischen 
Colonne gefolgt und hatte den Oberstwachtnieister von Hadik 1 ) 
mit 130 Pferden vorausgesandt. Dieser stiess zwischen Mahlendorf 
und Grüben auf eine preussische Abtheilung von 80 Mann, welche 
Fuhrwerke escortierte und „nach ziemlich tapferer Gegenwehr" 
niedergemacht wurde, bis auf 2 Lieutenants, 1 Fähnrich, 2 Corporale, 
2 Tambours und 17 Verwundete, die in Gefangenschaft fielen. 
Oesterreichischerseits fiel bei dieser Gelegenheit 1 Lieutenant und 
1 Cornet, 2 Husaren wurden verwundet und 6 Pferde erschossen. 2 ) 



Für die österreichische Armee wurde, nachdem der Uebergang 
über die Neisse bei Lassoth preussischerseits aufgegeben worden, 
die Disposition getroifen, am linken Fluss-Ufer abwärts zu mar- 
schieren, um den Feind zu beobachten. Die Cavallerie des rechten 
Flügels wurde nach Walddorf, Bösdorf und Struwitz, die Infanterie 
nach Kuschdorf, Eeinschdorf und Mogwitz, der linke Flügel der 
Cavallerie nach Friedewalde verlegt. Als Marschziel für den 8. April 
wurde Grottkau bestimmt. 3 ) 

Die übrigen preussischen Truppen, 10 Bataillone, 20 Esca- 
dronen waren während des Gefechtes bei Lassoth aus der Gegend 
von Friedland abgerückt. Die Infanterie marschierte über Falken- 
berg auf Michelau ; einzelne Abtheilungen erreichten auch diesen 
Ort. Die Cavallerie nahm die Route auf Löwen, ein Theil derselben 
überschritt dort noch die Neisse und cantonnierte bei genanntem 
Orte und Pogarell. 

Am selben Tage fand auch bei Michelau die Vereinigung mit 
dem Blokade-Corps von Brieg statt, das GM. von Kleist zuführte. 



x ) Andreas von Hadik, der spätereFeldmarschall, Reichsgraf, geheime 
Rath und Hof-Kriegsraths-Präsident (1774 — 1790) entstammte einem alten 
ungarischen Adelsgeschlechte und war am 6. Octoher 1710 auf der Insel 
Schutt als Sohn des kaiserlichen Husaren-Rittmeisters Michael Hadik gehören. 
In jungen Jahren mit seltenem Eifer den Wissenschaften ergeben, wollte er 
durchaus sich dem geistlichen Stande widmen und nur der Einwirkung des 
Vaters gelang es, ihn zum Eintritt in die Armee zu bestimmen. Hadik trat 
1732 als Cornet in das Dessewify'sche Husaren-Regiment und fand 1735 bei 
der Armee des Prinzen E vi g e n am Rhein Gelegenheit, viel Geschicklichkeit 
in der Führung von Streifpartheien zu zeigen. Im Feldzuge gegen die Türken 
zeichnete er sich in der Schlacht bei Grocka (22. Juli 1739) durch Tapferkeit 
und Umsicht aus. Im Feldzuge 1741 stand er als Oberstwachtmeister bei dem 
Dessewffy'schen Husaren-Regimente. 

2 ) Meldung des Oberstlieutenants von D esse wffy aus Hermesdorf 
(Hermsdorf) v. 8. April 1741. (K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 24 und ad 24.) 

3 ) K. A., Lutsch' Tagebuch. 



217 

nämlich dem Infanterie-Regimente Graevenitz, 4 Escaclroiien Bay- 
reuth, 2 Escadronen Schulenburg, während die beiden Grenadier- 
Bataillone, welche ebenfalls vor der Festung gestanden waren, nach 
Ohlau zum Schutz des dort befindlichen Artillerie-Materials abgesandt 
wurden. 1 ) 

FML. Baron Berlichingen befand sich am 8. April mit 
den Fourieren der Regimenter bei der Avantgarde, welche der 
linke Flügel der Armee beigestellt hatte. 

Als der General vor der mit einer einfachen Mauer umgebenen 
Stadt Grottkau erschien, worin sich ein preussisches Commando 
von 60 Mann unter einem Lieutenant und 900 Recruten befand 2 ), 
forderte er die Besatzung zur Uebergabe auf und als keine Antwort 
erfolgte, wollte er das Thor einschiessen lassen. Von der Umfassungs- 
mauer wurde gefeuert, wodurch einige Fouriere verwundet wurden, 
worauf je ein Lieutenant der Regimenter Hohenzollern, Römer und 
Liechtenstein im Trabe mit ihren Abtheilungen vorgiengen. In 
Halbenclorf (ein Kilometer südwestlich von Grottkau), wo inzwischen 
das Gros der Avantgarde Stellung genommen hatte, prellte noch 
ein preussisches Husaren-Commando an, ,,so aber durch unsere 
Husaren in ihrer Retraite ziemlich mitgenommen wurde." 3 ) Die 
Garnison von Grottkau in der bereits geschilderten Stärke, ergab 
sich, nachdem sie die Vorbereitungen zur Beschiessung gesehen, 
eine Stunde später und man fand an Geld etwa 1000 Gulden, dann 
20 Scheffel Korn, 16.39G Portionen Hafer und Gerste, 1200 Portionen 
Brod, 600 Rationen Heu, 300 Schock Stroh vor. 

Die österreichischen Husaren brachten ausserdem bei 40 preussi- 
sche Gefangene ein, worunter 2 Husaren-Offi eiere, 1 Lieutenant 
der Cavallerie und 1 Ingenieur-Lieutenant. 

Diese Gefangenen rührten von einem Zusammenstoss bei 
Leippe her, den die österreichischen hier mit aufklärenden preussischen 
Husaren- Abtheilungen hatten und das an und für sich unbedeutende 
Rencontre ist clesshalb erwähnenswerth, weil es in die Hände beider 
Gegner eine Anzahl Gefangene brachte, deren Aussagen wichtig, 
ja für die Entschlüsse der preussischen Heerführung entscheidend 
wurden. 



l ) Tafel VI. 

-) Vermuthlich neu Angeworbene, da sich nach dem Tagebuche des 
Fähnrichs Lutsch 19 Officiere dabei befanden. 

3 ) Relation des Oberstlieutenants von Lincken. (Iv. A., F. A. Schlesien 
1741, XIII, 1.) 



-218 

König Friedrich II. hatte nämlich am Morgen des 8. April 
die Infanterie bei Michelau, die Cavallerie bei Löwen die Neisse 
überschreiten lassen, in der Absicht an diesem Tage Grottkan, wo 
sich ein Recruten-Depöt und ein Magazin befanden, zu erreichen 
und sich so auf Ohlau zu basieren. J ) 

Des Erbprinzen von Dessau Truppen vereinigten sich bei 
Michelau mit dem Haupt-Corps und überschritten hier die Neisse. 
Von einigen in dem ßencontre bei Leippe Gefangenen hatte König- 
Fr iedr ich IL erfahren, dass die österreichische Armee auf Ohlau 
marschieren wolle, um sich des dort befindlichen Artillerie-Materials 
zu bemächtigen. 2 ) Bei dem erwähnten Rencontre in Leippe waren 
auch, Avie erzählt, von den österreichischen Husaren Gefangene 
eingebracht worden. Es war also mit der preussischen Armee die 
Fühlung gewonnen, die merkwürdigerweise am folgenden Tage 
ganz verloren gegangen zu sein scheint. 

König F r i e d r i c h IL gab auf die erhaltene Nachricht Irin 
Befehl zur Concentrierung der Armee und rückte in vier Colonnen 
in die Gegend von Pogarell, wohin er sein Hauptquartier verlegte. 
Ofnciere wurden nach Ohlau entsendet, um die nachgerückten und dort 
eingetroffenen zwei Cürassier-ßegirnenter (Gessler und Buddenbrook) 
zur Armee einrücken zu lassen. Diese Befehle kamen jedoch wegen 
der in der Gegend schwärmenden Husaren nicht mehr an ihre 
Bestimmung. 

Bei der österreichischen Armee liefen Meldungen ein, dass die 
Preussen in und bei Michelau und Löwen stünden. 

FM. N e i p p e r g berichtete an diesem Tage von Grottkan 
aus an den Grossherzog von Toseana: 

„Ich. hätte zwar noch heute mit dem Corpo von hier weiter 
rücken und dem Feind, welcher allerorten in der grössten Con- 
fusion ist, Abbruch thun können, wann nicht in Erwägung gezogen, 
dass sowohl Cavallerie, als Infanterie in Betracht der einige Zeit 
her ausgestandenen Fatiguen, hauptsächlich aber des üblen Wetters 
willen, welches dem mitten im Winter an Frost, Schnee und sonsten 
nicht viel ungleich, zu fernerer deren Conservation einer etwelchen 
Ruhe nöthig hätte ; habe es dahero dahin eingeleitet, dass die In- 
fanterie in der Stadt einquartiert, der Cavallerie hingegen zur 
Unterkunft die erforderlichen Häuser vor der Stadt angewiesen 



*) Kriege Friedrich d. Gr. I. 379. 
2 j Histoire de mon temps. 225. 



219 

worden und morgen gedenke in aller Frühe von liier wieder auf- 
zubrechen, wiewohlen noch zur Zeit, die Wahrheit zu bekennen, 
keine Partie genommen, wohin mich mit dem Corpo eigentlich 
wenden, werde, es mag aber rechts oder links gehen, so köm 
E. k. H. Gnädigst sich persuadieren, class darunter nichts Anderes 
suchen werde, als was J. k. M. meiner Allergnädigsten Frau und 
E. k. H. Dienst und Interesse befördern kann und wovon Höchst- 
denselben binnen zwei oder drei Tagen das Weitere unter thän igst 
zu hinterbringen die höchste Gnade haben werde; nur kann unter- 
dessen bei dieser Gelegenheit zu berühren nicht umgehen, weicher- 
gestalten der FML. Baron von B e r 1 i c h i n g e n, der anheut mit 
dem linken Flügel der Cavallerie die Avantgarde gehabt, seine 
Sache, mit Umzingiung und Einschluss des Orts dermassen wohl 
angeschickt, dass, wo er es nicht so gut und behutsam, auch mit 
solcher Behendigkeit, als geschehen, ausgeführt hätte, die Garnison, 
wie sie bei seiner Ankunft schon wirklich in Begriff gestanden, 
mittelst der Moräste, so auf einer Seite herum sind und durch 
Aushilf eines nahe angelegenen Waldes uns unfehlbar entgangen 
sein würde. Und zumal es nun hauptsächlich zu Beförderung 
J. k. M. und E. k. H. Allerhöchst- und höchsten Dienstes darauf 
ankommt, dass der Feind in seiner gegenwärtigen Beschaffenheit 
noch weiter, so es noch an der Zeit, gebracht, einfolglich dem- 
selben von allen Seiten, wo es möglich, auf den Leib gegangen 
und zugesetzt werde, also wäre, ohne unterthänigster Massgabe 
jedoch, wohl gut und fürträglich, wenn die Ungarn, anstatt dass 
sie das Ziel ihres Aufbruchs auf Anfang und Hälfte künftigen 
Monats Mai gestellt, nunmehr ohne geringsten Zeitverlust sich 
aufmachten und bei der Jablunka in Schlesien einrückten, von 
dorten aber so weit möglich abwärts in Schlesien zwischen der 
Oder und der polnischen Grenze penetrierten ; ja wenn auch 
andere in der Nähe von der Jablunka gelegene deutsche Regimenter 
hiezu employiert würden, dürfte es nicht undienlich sein, sondern 
einen unfehlbaren grossen Nutzen und Beförderung der gerechten 
Sache nach sich ziehen." ] ) 

In ähnlicher, ja noch bestimmterer Weise spricht sich 
Neipperg in einem am selben Tage an den FM. Grafen 
Johann Pälffy gerichteten Schreiben aus, worin er noch be- 
sonders betont, dass das herrschende Wetter „zu einer Operation" 
allerdings sehr unbequem sei und hinzufügt, ,,bei der dermaligen 



J ) K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 23. 



220 

Notwendigkeit unserer Vorrückung aber ist nichts anderes 
zu thun, als Geduld zu tragen." 1 ) 

Am 9. April wurde der Marsch auf der Strasse nach Ohlau fort- 
gesetzt. Der Felclmarschall blieb mit den sechs Regimentern des 
Gr. d. C. Römer in Mollwitz. Die Infanterie, Artillerie und die 
Pontons nahmen die Quartiere in Laugwitz (zweieinhalb Kilometer 
von Mollwitz) und FML. Berlichingen blieb mit fünf Cavallerie- 
Regimentern in Bärzdorf (vier Kilometer von Mollwitz). Die Husaren- 
Regimenter kamen nach Grüningen (drei Kilometer von Mollwitz). 

Das Hauptquartier verlegte der Feldmarschall nach Mollwitz 
und meldete von hier aus dem Gemahl der Königin, dass er in 
der Mitte der feindlichen Truppen stehe, deren grösster Theil 
zwischen Löwen und Michelau an der Neisse, ein kleinerer zu 
Ohlau sich befinde. 

Dieser Irrthum N e i p p e r g's, der theilweise auch verhängniss- 
voll für ihn wurde, ist unbegreiflich bei dem sonstigen guten 
Sicherheitsdienst, den die Husaren verrichteten. 

Die preussische Armee stand bereits seit dem 8. April eng 
concentriert um Pogarell-Alzenau auf der Strasse Löwen-Ohlau, 
neun Kilometer von den Quartieren der esterreicher, sieben Kilo- 
meter von Brieg entfernt. Auch waren am 8. April bereits, als 
König Friedrich IL, nachdem er über die Neisse gegangen und 
von Michelau nach Grottkau sich hatte wenden wollen, wie erwähnt, 
österreichische Husaren mit preussischen bei Leippe zusammen- 
gestossen und beiderseits Gefangene gemacht worden. 

Auch auf dem Vormarsche am 9. April gegen Ohlau war die 
österreichische Vorhut auf Abtheilungen preussischer Reiter ge- 
stossen, die sich bei Annäherung der Armee zurückzogen. 2 ) Hinter 
diesen Recognoscierungs-Patrouillen vermuthete FM. Graf Neipperg 
wohl eine grössere Macht, als wirklich sich in Ohlau befand und 
Jiielt die preussische Armee noch nicht in der Weise versammelt, 
wie sie dies in der That war. Auf den Mangel an richtigen Nach- 
richten deutet auch ein von Ranke ohne weitere Quellenangabe 
mitgetheilter Auszug aus einem Schreiben Neipperg's aus 
Grottkau, 8. April, das sich jedoch in den Acten nicht vorfindet. 



!) K. A., F. A. Schlesien 1741 . IV, 22. 

2 ) Es waren Cürassiere der in Ohlau eben einrückenden Kegimenter 
Gessler und Buddenbrock. (G r ü n h a g e n. Erster schlesischer Krieg, I, 77 
und „Kriege Friedrich d. Gr.", I. 



22 1 

Derselbe lautet : „Der Feldmarschall fügt hinzu, dass er bis zum 
Augenblick seiner Depesche keinerlei Nachricht habe, wohin der 
König gegangen, noch wo sich sein FM. Schwerin befinde, 
noch was aus dem General Schulenburg mit den Regimentern, 
welche sich aus Troppau, Ratibor etc. zurückgezogen hatten, ge- 
worden sei." 1 ) 

Es wurde verhängnissvoll, dass gerade an dem kritischen 
9. April die Nachrichten über die feindliche Armee im öster- 
reichischen Hauptquartier spärlich oder unrichtig einliefen, jeden- 
falls trug das sehr starke Schneetreiben und die dadurch erschwerte 
Umsicht wohl mit dazu bei, dass das österreichische Hauptquartier 
schlecht mit Nachrichten versehen ward, was umso unerklärlicher 
erscheint, als in dem Berichte des Prinzen Leopold von 
Dessau über die Schlacht bei Mollwitz 2 ) an seinen Vater aus- 
drücklich hervorgehoben wird, dass der auch im. preussischen 
Hauptquartier empfundene Mangel an Nachrichten über die öster- 
reichische Armee durch die grosse Menge der feindlichen Husaren, 
die immer um die Preussen herumschwärmten, veranlasst wurde. 
Fast unbegreiflich aber ist eine in den Acten erliegende Meldung 
des am 9. April in Schaderwitz am rechten Neisse-Ufer befindlichen 
Oberstlieutenants Grafen Dessewffy, dessen Avantgarde ja doch 
der preussischen Armee bei ihrem Marsch Neisse-abwärts gefolgt 
war und welcher dem Feldmarschall berichtet : „Er werde fleissig 
den Feind observieren, falls derselbe bei Levin (Löwen) die Neisse 
nicht passieren könnte und diesfalls sich etwa retirieren wollte, um 
hievon baldige Nachricht abzustatten. 3 ) 

Ausserdem wurden am 9. selbst durch Husaren noch Gefangene 
eingebracht. 4 ) 

Neipperg selbst sagt in der vorerwähnten Meldung, dass 
er in der Ueberlegung begriffen sei, „wie meine weitere Vorrückung 
nach dem feindlichen Mouvement und nach Bewandtniss des Terrains 
bewerkstelligen könne oder was der Feind nach seiner jetzmaligen 
Situation für eine Partie nehmen werde". 5 ) 



J ) Ranke, Zwölf Bücher preussischer Geschichte, VIII, 402. 

2 ) Annalen des Krieges, III., 73. 

3 ) K. A., F. A. Schlesien 1741, 17., 27. 

*) 1 Feldwebel von dem Regiinente Sydow, 5 Musketiere, 3 Husaren 
und 1 Officiersbedienter ; ausserdem wurde ein Feldprediger (!?) in d 
Dorie Mollwitz gefunden und gefangen genommen. (K. A., Lutsch' 
Tagebuch.) 

5 ) K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 25. 



222 

Da die Verbindung mit Brieg frei war, so wurden dessen 
Commandant GFAVM. Graf Pi c c ol oniini, Oberst Baron de Ein 
und Kriegs-Zahfmeister Graf Pü ekler am O.April in das Haupt- 
quartier des Feldmarschalls nach Mollwitz berufen ; nach gepflogenen 
Verabredungen kehrten dieselben unter Bedeckung von GO Husaren 
wieder nach Brieg zurück. 

Hiebei war bestimmt worden, dass die Festung für einige 
Tage die Armee versorgen solle, . da die Nachschübe bei den fast 
unpassierbaren Strassen im Gebirge und der rauhen Jahreszeit 
nicht zeitgerecht hatten nachfolgen können. 

Vor dem Abmarsch aus Grottkau hatte N e i p p e r g dem 
Ober-Kriegs-Commissär von Bosch, der am selben Tage (9.) in 
Neisse mit den Kanzleien, dem Proviantamt, den sämmtlichen 
Bagagen, Brod, Hartfütter und Mehl eintreffen sollte, dringend 
anbefohlen, dass er sich für seine Person wenigstens sofort in 
das Hauptquartier begebe, nachdem er wegen der Instradierung 
der Nachschübe aus Mähren und Böhmen alles Erforderliche ein- 
geleitet haben Averde, da die mitgenommenen Vorräthe vollständig 
consumiert worden und Neipperg nicht mehr im Stande sei, „zu 
fernerer Betreibung der Mund- und Pferdprovisionen, wie auch mit 
der benöthigten Verbackung allein auszukommen". r ) 

Nach den am 9. April im N eipp er g' sehen Hauptquartier 
ausgegebenen Befehlen sollte die Aufbruchsstun.de noch angeordnet 
werden; die Truppen sollten jedoch bereit sein, bei Alarm oder 
gegebenem Marschbefehl sogleich ausrücken zu können. Derjenige 
Flügel der Armee, welcher alarmiert werde, solle sogleich den 
andern avisieren. Die Husaren-Regimenter hatten eine Patrouille 
gegen Michelau, eine gegen Ohlau auszusenden. 2 1 

FM. N e i p p e r g hatte die Gegend von Mollwitz ausersehen, 
als besonders geeignet, die Preussen an der Vereinigung und 
an der Erreichung des Depotplatzes Ohlau oder der Passierung 
des Ohlau-Flusses, um sich gegen Schweiclnitz oder Breslau zu 
wenden, zu verhindern. Er fasste daher den Entschluss, hier eine 
Beobachtungsstellung einzunehmen und diese Zeit zur Erholung 
der Truppen, welche durch die starken Märsche und „häufige, bei 
dieser, fast dem härtesten Winter zu vergleichenden Jahreszeit 
ausgestandene Fatiguen nicht wenig erlitten und einer Erholung 
unumgänglich von Nöthen hatten, ausrasten zu lassen, ingleichen 



») K. A., F. A. Schlesien 1741, IV, 2(5. 
2 ) K. A., Lutsch' Tagebuch. 



223 

auch die Subsistenz für Mann und Pferde, die auf ein oder zwei 
Tage von liier durch Landwagen nachgebracht, worden, an sich 
zu ziehen und unterdessen zu weiterer Vornehmung sich zu 
präparieren". l ) 

Die Oesterreicher hatten durch ihre sehr geschickten und 
verhältnissmässig nicht langsamen Märsche und ihre Stellung bei 
Mollwitz dem Könige Friedrich LT. den Rückzug und also 
auch die Verbindung mit Ohlau abgeschnitten. Selbst wenn 
er weiter oberhalb die Oder überschritten hätte, um auf deren 
rechtem Ufer den Rückzug auf Breslau zu nehmen, würde 
doch die österreichische Armee viel rascher vor der Hauptstadt er- 
schienen sein, um die Preussen am Uebergange auf das linke Oder- 
Ufer zu hindern. 

Am 9. April jedoch hatte sich der Feldmarschall, indem er 
den Entschluss des Abwartens fasste, der Initiative, welche er bis 
dahin gehabt, begeben. Seine Beweggründe mögen in den unvoll- 
kommenen und mangelhaften Nachrichten bestanden haben, die 
er über die Stärke und Stellung der Preussen hatte. In Ohlau ver- 
muthete er beträchtliche preussische Kräfte und hielt in Folge 
dessen die Armee des Königs nicht für vereinigt. 

Unbegreiflich bleibt immerhin, denn Neipperg und seine 
Generale hatten doch den grossen Krieg gesehen, die Unterlassung 
jedweder grösseren Recognoscierung der preussischen Aufstellungen. 
Eine solche, unter dem Commando eines erfahrenen Generals durch- 
geführt, wäre wohl geeignet gewesen, der Unsicherheit im öster- 
reichischen Hauptquartier ein Ende zu machen. 

König Friedrich IL hatte beabsichtigt, am 9. April den 
Marsch in der Richtung auf Ohlau fortzusetzen, er hegte die feste 
Ueberzeugung, dass es hiebei zum Zusammenstoss kommen werde - 
und sah sich auch zur Schlacht genöthigt, nicht weil er wollte, 
sondern weil seine Lage ihn dazu drängte. Viel stand dabei auf dem 
Spiel; im Falle einer Niederlage konnte sein Heer, gegen die Oder 
oder untere Neisse geworfen, leicht einer Katastrophe entgegen- 
gehen. 



') Neipperg's Relation über die Schlacht bei Mollwitz im gräflich 
N e ip p e r g'schen Arclüve zu Schwaigern. Abgedruckt in „Mittheilungen dc- 
Kriegs-Archivs", N. F., II, 1888, 182. 

2 ) Brief an Jordan vom 8. April: „Wir werden uns morgen schlagen'* 
etc. (Oeuvres, T. 17, 98) und Brief an den Prinzen von Preussen (T. 26, 85 - 
angeführt in „Kriege Friedrich d. Gr.", I, 380. 



224 



Jedoch brachte der 9. April noch nicht die Entscheidung. 
Der schon einige Tage andauernde Schneefall hielt auch an diesem 
Tage noch an und König Friedrich IL entschloss sich, den 
Truppen an diesem Tage Ruhe zu gewähren, obwohl die Befehle für 
den Vormarsch schon gegeben waren. 

Der mit acht Bataillonen und sechs Escadronen am linken 
Neisse-Ufer stehende G. d. X Herzog von Holstein hatte am 
9. April Morgens Ottmachau verlassen und war gegen Strehlen ab- 
marschiert. v ) 



») K. A., Schlesien 1741, IV, 28. 



Die Schlacht bei Molhvitz. 1 ) 

IN ach den für den Vormarsch gegebenen Befehlen sollte sich 
die prenssische Armee (31 Bataillone, 30 Escadronen Cavallerie, 
3 Escadronen Husaren, 37 Regiments- und 16 schwere Geschütze 2 ) 
am 10. April, Früh 7 Uhr bei Pogarell-Alzenau versammeln und, 
nachdem hier die Schlachtordnung hergestellt war 3 ), aus dieser flügel- 
weise in 5 Colonnen rechts abmarschieren, um an Kreisewitz 
vorüber in der Richtung gegen Ohlau vorzurücken. 



J ) Für die Darstellung dieser Schlacht stand neben den österreichischen 
Relationen als beste Quelle nur die treffliche Schilderung in ,, Kriege Friedrich 
d. Gr." I. zur Verfügimg, der daher die auf die preussische Armee bezug- 
nehmenden Daten in möglichster Anlehnung entnommen wurden. 

2 ) 16.800 Mann Infanterie, 4000 Mann Cavallerie, 500 Husaren, 300 Ar- 
tilleristen, zusammen 21.600 Mann. (Kriege Friedrich d. Gr. I, 391.) Die Be- 
stimmungen über die Eintheilung der Colonnen in „Kriege Friedrich d. Gr." 
I.. 388 und ebenda die Disposition vom 9. April, Anlage Nr. 21. 

3 ) Ordre de Bataille der preussischen Armee : 

Erstes Treffen. 
FM. von Schwerin Der König 

Oberst GL. von Kalckstein GL. v. d. Marwitz GL. v. d. Schulenbuiv 

von Posadowsky GM.v. Jeetze GM. Mai kgr. Carl GM. Prinz Dietrich GM. von Kleist 





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•226 

Das Gelände, auf dem sich der denkwürdige erste Waffengang 
zwischen der Armee der Königin Maria Theresia und der 
ihres jugendlichen Gegners abspielen sollte, durch die Ortschaften 
Mollwitz, Grüningen, Hermsdorf und Pampitz begrenzt, liegt westlich 
von Brieg, in der Nähe des Kreuzungspunctes der nordsüdlichen 
Strasse Ohlau-Grottkau mit der ostwestlichen Briee'-Strehlen und 
zeigt den Typus der mittelschlesischen Ebene, welche sich zu 
beiden Seiten der Oder von Kosel bis zum Einflüsse der Katzbach 
erstreckt. Junge horizontal gelagerte Schichten setzen den Boden 
des Schlachtfeldes zusammen, dessen schwach undulierte Oberfläche 
beinahe völlig eben erscheint. Breite flache Rücken mit aufgesetzten 
kleinen Kuppen, niedrige Hügel und Hügelgruppen und sanfte 
Mulden weisen nur geringe Höhenunterschiede, auf ; die mittlere 
Höhe des Ganzen kann mit 155 Metern angenommen werden. Der 
von Süden nach Norden fliessende Conradswaldauer Bach und der 
in denselben von rechts einmündende Kleine Bach, welche den 
hier in Betracht kommenden Baum im Westen, beziehungsweise im 
Südwesten begrenzen, sind die einzigen Bewässerungsadern von 
einiger Bedeutung. Beide sind grösstenteils versumpft. 

Das offene und beinahe ebene Terrain bot beiden Gegnern 
günstige Bedingungen für die Entwickelung und Verwendung aller 
Waffengattungen. 

Die an beiden Ufern des Kleinen Baches liegenden Dörfer 
Pampitz und Neudorf erscheinen wie ein zusammenhängender Ort, 
sind aber durch Wieseiigründe getrennt, über die ein dammartig 
erhöhter Weg die Verbindung herstellt. 

Die preussische Armee sammelte sich aber erst um 9 Uhr bei 
Alzenau und brach um 10 Uhr Vormittags von ihrem Sammelplatz 









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(Berliner) Leibcorps-Husaren (3 Escadronen). 
16 schwere Geschütze. 
Nach „Kriege Friedrich d. Gr." I. zu Anlage 21. 



227 

gegen Olilau auf. Von Mollwitzer Bauern und einigen gefangen»'!, 
Husaren erfuhr der König bald nach. Beginn des Marsches von der 
Anwesenheit der Oesterreicher in den Dörfern Mollwitz, Grüningen 
und Hünern. 

Es kam dem König sehr zu statten, dass die österreichische 
Armee, seit sie in vorwiegend lutherische Gegend, gelangt war, 
durch die Landbevölkerung über die Bewegungen und Stellungen 
der Preussen keine Nachricht mehr erhielt. J ) 

Die an jenem Tage von der österreichischen Armeeleitung 
gegen Michelau ausgeschickte Husaren- Abtheilung stiess bei Neudorf 
auf die Vortruppen der preussischen Armee und verlor dabei einige 
Gefangene, deren Aussagen dem König, wie erwähnt, über die 
Stellungen der österreichischen Armee weiteren Aufschluss gaben. - 

AVesshalb nun von hier keine Meldung zurückkam, ist voll- 
ständig unbegreiflich. Die übrigen gegen Ohlau, Michelau und Löwen 
ausgesandten Patrouillen meldeten von feindlichen Bewegungen 
gar nichts. 3 ) AVenn auch, wie ein zeitgenössischer Bericht erwähnt, 
die preussische Sammel-Stellung bei Pampitz durch ein Gehölz 
gedeckt wurde 4 ), so entlastet diese Thatsache die Führer der Pa- 
trouillen nicht im Geringsten. 

In letzter Stunde endlich, um 10 Uhr Vormittags etwa, sandte 
GFAVM. Graf P i c c o 1 o m i n i, dem der Beginn des preussischen 
Vormarsches vorn Kirchthurm der Festung Brieg signalisiert worden, 
einen Officier mit dieser Meldung an den commandierenden General ab. 

Der Feldmarschall Hess zum Aufsitzen blasen mid gab sofort 
Befehl an die Infanterie und an den FML. Baron Berlichingen 
sich mit ihm zu vereinigen. 

Die österreichischen Truppen, welche bei Mollwitz verfügbar 
waren, bestanden aus den folgenden Regimentern : 



v ) „Das gute Verständniss und die Gewogenheit der lutherischen schle- 
sischen Landesinwohner mit der feindlichen Armee hat unsererseits leicht 
abgenommen werden können, da wir seit der Einrückung in die lutherischen 
Oerter mit der Armee von den Bauern von des Feindes Bewegungen keine 
einzige Nachricht haben können, da doch in den katholischen Oertern die Bauern 
täglich und stündlich dem Commandierenden zugelaufen sind." (Coutinuatio 
diarii aus dem Hauptquartier Neisse, 13. April 1741. H.H.'u. St.A., Manuscr. 1091.) 

2 ) Vergl. Hoye r, „Neues milit. Magazin", III, 6. Stck., 27 und „Histoire 
de mon temps" (Red. v. 1746), 226. 

3 ) Neipper g's Relation. 

4 ) Relation eines kaiserlichen Officiers a. a. 0. 



228 



11), Althann 
Römer (mit 



Cürassiere: Die Regimenter Seherr (heute Dragoner Nr. 4), 
Hohenzollern, Lantliieri, Cordova (Dragoner Nr. 9), Hohenems 
(Dragoner Nr. 8), Birkenfeld (mit den Carabiniers-Compagnien) ; 

Dragoner: "Württemberg (heute Dragoner Nr, 
(Uhlanen Nr. 6), Batthyänyi (Nr. 10), Liechtenstein, 
den Grenadier- Compagnien) ; 

Husaren: Splenyi und Ghilänyi. 

Infanterie: Franz Lothringen (heute Nr. 1) 2 Bataillone, 
Alt-Daun (Nr. 56) 1 Bataillon, O'Gilvy 1 Bataillon, Carl Lothringen 
(Nr. 3) 1 Bataillon, Kolowrat (Nr. 17) 1 Bataillon, Grünne (Nr. 26) 

1 Bataillon, Harrach (Nr. 47) 2 Bataillone, Botta (Nr. 12) 1 Bataillon, 
Browne (Nr. 36) 1 Bataillon, Schmettau 1 Bataillon, Thüngen (Nr. 57) 

2 Bataillone, Baden 2 Bataillone. Zusammen 16 Bataillone und 14 
Grenadier-Compagnien. 

Die Feld -Artillerie bestand in 19 Geschützen : acht 3pfün- 
digen Regiments-Stücken, vier 3pfündigen Feld-Schlangen, vier 6pfün- 
digen Falkaunen, zwei 12pfündigen Haubitzen, einer kleinen Petarde. 

Die tactische Eintheilung dieser 16 Bataillone, 11 Cavallerie-, 
2 Husaren-Regimenter und 19 Geschütze war in zwei Treffen, die 
deutsche Cavallerie auf beiden Flügeln, die Infanterie im Centrum. 1 ) 



x ) Ordre deBataille der österreichischen Armee in der Schlacht beiMollwitz: 

FM. Graf Neipperg FML. Freiherr 



G.d.C.Freih.v.Römer FML. 


Baron 


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von Berlichingen 


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Graf Grünne 




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Artillerie: Oberst von Feuerstein, 19 Geschütze. 



229 

Der Gesauirnt-Staiid ist nur annähernd festzustellen und zwar : 
nach Standes- Ausweisen des Feldmarschalls vom 16. und 23. April 
und den hierin von ihm selbst angegebenen Ziffern der Dienstbaren. 
Würden v hiezu die ebenfalls von ihm angegebenen Verlustziffern 
gerechnet, so ergiebt dies : 
Infanterie ....... 8.603 Mann (inclusive der Officiere) 

( '.ivallerie 6.354 ,, ,, ,, „ 

Husaren (die Regimenter Splenyi 

und Grhiläiryi) 436 ,, ., ,, ,, 

Artillerie (Officiere, Zeug-Amt, 

Minier-Oompagnie,B.oss-Partei) 395 ,, ,, ,, ,, 

In Summa . . . 15.788 

G. d. C. Freiherr von R ö m e r, welcher mit dem rechten 
Armee-Flügel in Mollwitz selbst lag, war selbstverständlich zuerst 
bei der Hand und Neipperg liess dessen Regimenter aus dem 
Dorfe Mollwitz debouchieren und vor demselben Stellung nehmen, 
um den Aufmarsch der Armee zu decken. Geschütze hatte Römer 
nicht, da die Artillerie, wie erwähnt, mit der Infanterie in Laugwitz. 
2 ' ■ '.> Kilometer von Mollwitz, cantonnierte. Neipperg ritt selbst 
nach erstgenanntem Dorfe, um die Infanterie heranzuführen. Die 
Yerhaltungsmassregeln bei einem Zusammenstoss mit dem Feinde 
waren seit längerer Zeit an die Truppen ausgegeben. l ) 

Das Gros der preussischen Armee näherte sich gegen 12 Uhr 
der von Neudorf nach Brieg führenden Strasse, der Marsch von 



l ) Sie sind nicht erhalten. Neipperg gedenkt der Thatsache aber 
in seiner Relation. Die „Relation eines kaiserlichen Officiers" erwähnt folgende 
Anordnungen : „Die Armee hatte den Befehl, wenn Alles formiert sein würde, 
gradaus und mit der ganzen Front gegen den Feind zu marschieren, die In- 
fanterie mit geschultertem Gewehr, die Cavallerie mit gezogenem Säbel, letz- 
tere sollte nicht früher vorbrechen, bis die Infanterie ebenfalls zur Stelle wäre, 
um anzugreifen (ä portee d'attaquer). Die Infanterie sollte erst auf 80 Schritte 
vom Feinde feuern, dann aber das 3. und 4. Glied des gesammteu ersten 
Treffens eine allgemeine Decharge geben und sofort mit dem gepflanzten 
Bajonnet in den Feind einbrechen. Die vorgeschobenen Pelotons dagegen, 
welche sich vor jedem Bataillon befanden, hatten Erlaubniss, zu thun, was sie 
wollten und nach Massgabe der Vorrückung zu tiraillieren. Da jeder Escadron 
gleichfalls eine Abtheilung von 24, von einem Ofticier commandierter Frei- 
willigen vorausgieng, hatten diese die gleiche Selbstständigkeit zu handeln, um 
den Escadronen, welche zu üirer Unterstützung folgten, den Weg frei zu 
machen." 



230 

Alzenau bis daliin hatte des hohen Schnees wegen längere Zeit in 
Anspruch genommen. 

Die von dem Znsammenstosse bei Neudorf zurückgehenden 
österreichischen Cavallerie-Patrouillen und neuerdings vor die Front 
gesendete Husaren-Abtheilungen hinderten den Ueberblick und 
Hessen nicht erkennen, ob die Oesterreicher schon aus Mollwitz 
debouchiert seien und den Aufmarsch begonnen hätten. 

Beide Armeen befanden sich jetzt auf eine Entfernung von 
4 bis 5 Kilometern von einander. König Friedrich II., dessen Avant- 
garde vor Neudorf Stellung genommen hatte, befahl nun den Auf- 
marsch mit dem linken Flügel bis Neudorf, dem rechten bis an 
ein Gehölz, etwa 500 Schritte von dem von Hermsdorf nach Moll- 
witz führenden Weg ausgedehnt. Diese Frontlinie erwies sich als zu 
kurz für den Aufmarsch, so dass 7 Bataillone und die Cavallerie aus 
dem ersten Treffen des linken Flügels keinen Raum mehr zur Ent- 
wicklung fanden. Nur die erste Colonne konnte vollständig auf- 
marschieren ; von der zweiten blieben das Grenadier - Bataillon 
Kleist, von der vierten die Regimenter Prinz Dietrich und Leopold, 
sowie ein Bataillon Schwerin zurück, von der fünften Colonne konnte 
kein einziger Truppenkörper in seine Eintheilung gelangen. König 
Friedrich theilte in Folge dessen das Bataillon Kleist und das 
Regiment Prinz Dietrich dem G. d. J. Erbprinzen L e o p o 1 cl, 
Commandanten des zweiten Treffens, behufs Deckung der rechten, 
Flanke zu. 

Prinz Leopold Hess das Bataillon Kleist und das erste 
Bataillon Prinz Dietrich nach der Flanke aufmarschieren und stellte 
is zweite Bataillon auf den rechten Flügel des zweiten Treffens; 
Regiment Leopold und ein Bataillon Schwerin blieben hinter 
do zweiten Treffen. Das Grenadier-Bataillon Puttkammer stand 
in Colonne hinter dem linken Flügel des ersten Treffens, die 
Cavallerie des linken Flügels in Zügen hinter dem zweiten Treffen. 
Die in der Avantgarde gestandenen Escadronen von Schulenburg- 
Grenadieren zu Pferd marschierten am rechten Flügel des ersten 
Treffens auf, die Husaren waren vor der Front. 

Das zweite Treffen marschierte 300 Schritte hinter dem ersten 
auf, die Bagage 1000 Schritte hinter demselben, in der Nähe des 
von Neudorf nach Kreisewitz führenden Weges. 

Das während des Aufmarsches aus Oppeln zur Armee ein- 
rückende Infanterie-Regiment La Motte und eine Escadron Leib- 
husaren blieben mit einem combinierten Bataillon, das unter Oberst- 
lieutenantvon Görne's Befehl stand, zur Bedeckung der Bagage zurück. 



231 

Die Regiments - Geschütze wurden vor den Flügeln ihrer 
Bataillone postiert, die schwere Artillerie fuhr vor dem ersten 
Treffen auf. 

Nach beendetem Aufmarsch ertheilte König Friedrich II. 
Befehl zur Vorrückung. Die schwere Artillerie sollte einige hundert 
Schritte vor dem ersten Treffen vorgehen und sobald sie Zielobjecte 
fände, das Feuer eröffnen. Es mochte 1 Uhr vorüber sein, als die 
Armee F r i e d r i c h's mit klingendem Spiel gegen Mollwitz vor - 
gieng. 

Etwa 1000 Schritte vorwärts protzten die Geschütze ab und 
gaben einige Lagen auf die vor der Front der österreichischen 
Armee befindlichen Husaren 1 ), die sich zurückzogen, nachdem sie 
einige Leute und 45 Pferde verloren hatten. Während dieser Zeit 
breiteten sich die Preussen auch nach rechts aus, um den linken 
Flügel der Oesterreicher zu debordieren, die sich damit begnügten 
eine Flankendeckung, aus einigen Escadronen bestehend, bereit zu 
halten. 

FM. Graf N ei p p e r g hatte, als das preussische Geschützfeuer 
begann, dem G. d. C. Baron Römer selbst die Ordre mündlich 
ertheilt, dass er an die Infanterie sich anschliessen und auch in 
dieser Eintheilung bleiben solle. 

Beim Herannahen des ersten preussischen Infanterie-Treffens 
protzte die schwere Artillerie auf und gieng mit den Regiments- 
Geschützen des rechten Flügels weiter vor, um nun auf die durch 
das Verschwinden der Husaren sichtbar gewordene Cavallerie-Masse 
des G. d. C. Baron Römer ihr Feuer zu richten. Dasselbe hatte 
zunächst wenig Wirkung. Wieder vorfahrend, als die Infanterie sich 
näherte, gieng die Artillerie nun bis auf 1600 Schritte an die 
Römer'schen Cavallerie-Regimenter heran. 2 ) 

An diesen linken Flügel der österreichischen Armee schloss 
sich eben der linke Flügel des Centrums unter FML. Baron 
Göldy; auch der rechte Flügel des Centrums unter FML. Grafen 
Browne war im Begriffe, in die Aufmarschlinie zu rücken; der 
rechte Armee-Flügel unter FML. Baron Berlic hingen war im 
Aufmarsche und brauchte zur vollständigen Formierung etwa noch 
eine kleine halbe Stunde. 

Das neuerliche Geschütz-Feuer der Preussen begann, als der 
Feldmarschall sich vom linken zum rechten Flügel begab, um dem 



: ) Nach „Kriege Friedrich d. Gr.", I. 396. 
2 ) Nach „Kriege Friedrich d. Gr.", I. 398. 



232 

FML. Baron Berlichingeii Befelile zu geben. Er ritt zur 
Recognosciermig des Sumpf-Terrains, welches rechter Hand lag 
und gab dem genannten General Auftrag, vorzurücken, sobald 
Alles formiert sein werde. 

Die Truppen waren guter Stimmung. Die Preussen schienen 
mit dem Angriffe nicht mehr zuvorkommen zu können, denn im 
Verhältniss, als der rechte österreichische Flügel und das zweite 
Treffen in Linie rückten, marschierte auch der preussische linke 
Flügel erst auf und beide Armeen wären gleichzeitig fertig gewesen. 

Der preussische linke Flügel hatte sich nämlich, sobald er 
über Neudorf hinausgekommen war, um Kaum zu gewinnen, links 
bis an den Kleinen Bach gezogen. In den dadurch gewonnenen Raum 
rückten von den zurückgebliebenen Truppenkörpern das Bataillon 
Schwerin, sowie das zweite Bataillon Prinz Leopold. FM. Graf 
Schwerin, der zu dieser Zeit auf dem linken Flügel eintraf, liess hier 
noch das Grenadier-Bataillon Puttkammer, das sich hinter dem Ba- 
taillon Buddenbrook befand, in der linken Flanke aufmarschieren. Die 
liinter dem linken Flügel des zweiten Treffens befindliche Cavallerie 
sandte er zurück, um den Kleinen Bach bei Neudorf-Pampitz zu 
überschreiten und ä cheval des Weges Pampitz-Laugwitz in gleiche 
Höhe mit dem zweiten Treffen zu rücken. 

Hiedurch ward das Vorrücken des linken Flügels verzögert, 
so dass der rechte preussische Flügel Vorsprung gewann und die 
Front der Armee unbeabsichtigt schräg wurde. x ) 

Aus diesem Grunde schon und um dem linken Flügel Zeit zu 
gewähren, in gleiche Höhe zu gelangen, winde das Artilleriefeuer 
verstärkt. Der linke österreichische Flügel der Cavallerie (Römer), 
ward davon sehr beunruhigt, „die Reiter fingen an zu murren und 
zu fluchen, dass man sie so lange Zeit dem Geschützfeuer aussetze." 2 ) 

Da geschah etwas Unerwartetes. G. d. C. Baron R ö m e r, in Folge 
der durch das preussische Artillerie-Feuer in den dichten Cavallerie- 
massen hervorgebrachten Verluste, von seinen Leuten bestürmt, vor- 
wärts zu gehen, verlor die Geduld und sah sich, nach dem Berichte 
eines Theilnehmers an der Schlacht, zur Attaque fast gezwungen. 3 ) 

Ob dies die Ursache des vorzeitigen Losbrechens, ob eigene 
Ungeduld und heisser Kampfeseifer, ob das Drängen seiner Um- 
gebung, ob der Gedanke, einen besonders günstigen Augenblick 



!) Kriege Friedrich d. Gr. I, 399. 

-) Kelation eines kaiserlichen Officiers a. a. 0. 

3 ) Ebenda. 



233 

zu erfassen, ob die Sorge, dass die Infanterie nicht mehr aufzu- 
marschieren vermöge, den hochbegabten und tapferen Reiter- 
führer in dies unheilvolle Wagniss gerissen, das ist ungelöst geblieben 
und mit; dem bald darauf zum Tode getroffenen Generale begraben. 

„Es war halb 2 Uhr, als unser linker Flügel losbrach; Alles 
gieng im vollen Galopp an, oder besser gesagt, mit verhängtem 
Zügel vor und anstatt, dass das zweite Treffen bei der Infanterie 
geblieben wäre, oder das erste unterstützt hätte, indem es nach 
und nach in guter Ordnung vorgerückt wäre, flog dasselbe mit 
derselben Schnelligkeit dahin." ] ) 

Mit dem Säbel in der Faust, im Halbbogen links, vorerst 
Direction auf Grüningen, wurde die Attaque auf die Flanke des 
preussischen rechten Flügels gemacht. 2 ) GL. Graf von der Schule n- 
burg, der die Vorwärtsbewegung dieser mehr als 4000 Eeiter 
betragenden Masse gegen seinen Flügel bemerkt hatte, gab den 
am rechten Flügel befindlichen 4 Escadronen seines Regiments 
Befehl, eine Schwenkung nach rechts zu machen, um der Flanke 
des rechten Flügels Schutz gegen die attaquierende Cavallerie zu 
bieten. Die vor der Front befindlichen Regiments-Geschütze winden 
in die Intervalle der Bataillone gezogen. Der Commandant des 
linken neben dem Schulenbürg' sehen Regimente im ersten Treffen 
stehenden Grenadier-Bataillons Major von Bolstern Hess den 
ersten Zug (Peloton) und die beiden Bataillons-Geschütze am rechten 
Flügel des Bataillons nach der Flanke wenden. 

FM. Neipperg kehrte eben 'vom rechten Flügel zurück 
mit der Absicht, dem General B er li c hinge n einige Grenadier- 
Compagnien zu schicken, die in dem Gesträuch, welches das Sumpf- 
Terrain längs des Kleinen Baches umsäumte, Stellung nehmen 
sollten, als er die R ö m e r'sche Cavallerie in voller Attaque erblickte. 
Er glaubte seinen Augen nicht, als er diese Cavallerie losreiten 
und in den preussischen rechten Flügel einbrechen sah. 

Schulenburg's Anordnungen zur Sicherung seines Flügels 
waren noch nicht durchgeführt, als der dröhnende Anprall der 
36 Escadronen auf Schulenburg's Cavallerie traf, die sofort um- 
geritten und über den Haufen geworfen ward. 

Fest stand diesem Ansturm gegenüber das Bataillon Bolstern. 
Der eingeschwenkte Flügel-Zug gab ruhig und gleichmässig sein 



J ) Relation eines kaiserlichen Officiers a. a. O. 
2 ) Schlachtplan Tafel VI. 



•234 

Salventeuer und die Bataillons-Geschütze sandten in die heran- 
stürmende Reiterei Kartätschenlagen, welche weite Oeffnmigen in 
die Linien rissen und schon im tactischen Verbände gelockert, jagten 
die Reiter weiter an der Front und im Rücken dieses Bataillons 
vorbei. König Friedrich IL hielt beim Bataillon Winterfeldt. 
Um die in der Flucht befindlichen Reiter des Schulenburg'schen 
Regiments aufzuhalten, brach er an der Spitze der zunächst haltenden 
Escadron Carabiniers vor, die übrigen Escadronen folgten, jedoch 
zerplitterten auch sie an dem gewaltigen Anprall der Reitermasse. 
In wirrem Durcheinander wälzte sich das Getümmel, König 
Friedrich IL mit fortreissend , an der preussischen Front 
entlang, bis der Kleine Bach Stillstand gebot. Dem König war 
es gelungen, beim Grenadier-Bataillon Buddenbrook durch die 
vordere Linie zu kommen. Ein Theil der preussischen Reiterei, von 
der österreichischen verfolgt, kam in das sumpfige Terrain, das 
den Bach begleitet und schloss sich der auf der anderen Seite 
haltenden Cavallerie an, ein anderer Theil zog sich am Kleinen 
Bach hinunter hinter das zweite Treffen und sammelte sich dort. l ) 
Ein Theil der attaquierenden Regimenter hatte sich auf die vor 
der Front der preussischen Infanterie stehenden schweren Geschütze 
und auf die stehen gebliebenen Regiments-Geschütze geworfen. 

Die Regimenter Althann, Römer und Seherr verrichteten 
nach Angabe eines Augenzeugen Wunder der Tapferkeit. 2 ) Althann 
und Römer drangen in die preussische Geschützlinie ein, die 
Artilleristen flüchteten und Messen die Geschütze, in denen die 
Patronen halb in der Mündung steckten, im Stich. Die zum Theil 
mit Kartätschen geladenen Kanonen wurden umgedreht, auf das 
preussische Fussvolk abgefeuert und dann vernagelt. Dragoner von 
Althann brachten von den eroberten Geschützen, deren Bespannungen 
zum grössten Theil davon gejagt waren, vier in das Dorf Mollwitz 
zurück. 

,,Der rechte (preussische) Flügel war vollständig en deroute. 
die Lifanterie feuerte auf die eigene Cavallerie und einige Bataillone 
wurden, wie man versichert hat, von den Hufen der Pferde nieder- 
getreten, mit einem Worte, der Sieg würde vollständig gewesen sein. 
wenn der General G ö 1 d y mit dem linken Flügel der Infanterie 
ganz gerade vorgerückt wäre, aber da er zuvor den Befehl erhalten 
hatte, sich stets vereinigt mit der Cavallerie R ö m e r's zu halten, 



') Kriege Friedrich d. Gr. I, 401. 

-) u. 3 ) Relation eines kaiserlichen Oi'iiciers. 



235 

befolgte er diesen Befehl in verkehrter Weise, denn, anstatt vor- 
zurücken, machte er eine Viertelschwenkung links und Liess seinen 
Flügel mit solcher Eile marschieren, dass die Soldaten fast den 
Athem verloren. Dadurch entstand die erste Unordnung bei den 
Bataillonen und General Browne, welcher am rechten Flügel 
stand, fand sich in der Luft. Die preussische Infanterie gewann 
hiedurch Zeit, sich wieder zu ordnen." 3 ) 

In dieser grenzenlosen Verwirrung zeigte sich die hervorragende 
tactische Schulung und Gefechtsdisciplin einiger preussischer 
Infanterie-Truppenkörper. Die beiden Grenadier-Bataillone Bolstern 
und Winterfeldt hatten dem Anfall der Cavallerie unerschütter- 
lich Stand gehalten. Das Feuer des ersten Zuges und beider 
Geschütze vom Bataillon Bolstern hatten die heranstürmenden 
Cavallerie-Massen gespalten. Major von Bolstern liess die dritten 
Glieder der übrigen Züge, Winterfeldt den zweiten und vierten 
Zug seines Bataillons Kehrt machen und beide Bataillone feuerten 
nun nach vorwärts und rückwärts rücksichtslos auf Feind und 
Freund. Die Infanterie des ersten Treffens begann vom rechten 
Flügel das Feuer, als die Cavallerie an dessen Front entlang ritt 
und verhinderte dadurch das Eindringen derselben in ihre Linie. 

Die im Rücken der beiden Grenadier - Bataillone vorbei- 
sprengenden österreichischen Abtheilungen stiessen auf die am 
rechten Flügel des zweiten Treffens stehenden vier Escadronen 
von Schulenburg, die sofort umgeritten wurden; jedoch ver- 
hinderten die in der Flanke stehenden Bataillone Kleist und das 
erste Bataillon Prinz Dietrich ein Einbrechen der Cavallerie. 
Erbprinz Leopold, welcher das zweite Treffen commandierte, 
liess auch den ersten Zug des auf dem rechten Flügel stehenden 
zweiten Bataillons Prinz Dietrich rechts schwenken und sich an 
dem Feuer der in der Flanke stehenden Bataillone betheiligen. 
Theile der österreichischen Cavallerie, die nun nirgends mehr 
durchkamen, sahen sich durch dieses Feuer genöthigt , gegen 
Hermsdorf auszuweichen, wo sie sich nordwestlich des Ortes wieder 
sammelten. 

Die vom rechten Flügel des zweiten Treffens geworfenen vier 
Escadronen (Schulenburg) sammelten sich hinter ihrem Flügel. 
Dem wuchtigen Stosse der österreichischen Cavallerie war eine Pause 
der Erschöpfung gefolgt, welche der preussischen Infanterie er- 
möglichte, ihre Ordnung wieder herzustellen. Sobald aber die 
preussischen Escadronen wieder geordnet waren, führte sie der 
bereits verwundete GL. Graf Schul en b urg gegen die aus der 



236 

Richtung von Hermsdorf aufs neue attaquierende österreichische 
Cavallerie. Aber nur eine Escadron brachte S c h u 1 e n b u r g in das 
Gefecht, die übrigen wendeten. Schulenburg fiel bei dieser 
Gelegenheit. Aber auch Römer fand, als seine Reiter zum zweiten- 
mal gegen die preussische Flanke anritten, den Heldentod. *) Ein 
verhängnissvoller Umstand für die nun führerlose und vielfach zer- 
theilte und getrennte Cavallerie. 

Das sich an der und innerhalb der preussischen Front hin- 
ziehende Getümmel, wobei auch der Commandant des ersten öster- 
reichischen Treffens des R ö m e r'schen Flügels, GFWM. Baron 
L e n t u 1 u s, verwundet wurde, nahm auf dem linken Flügel endlich 
in dem Sumpfterrain am Kleinen Bach sein Ende. 

Die aufgelösten österreichischen Regimenter waren hier zum 
Theil über die Wiesen und den Kleinen Bach an dessen anderes 
Ufer gelangt. Von hier musste der am rechten Flügel comman- 
dierende FML. Baron Berlichingen sie über den Bach zurück- 
beordern. Alle Regimenter waren vermischt, so dass die Cavallerie 
des Röme r'schen Flügels geraume Zeit nicht wieder rangiert und 
gefechtsfähig gemacht werden konnte. Einige hundert Pferde ver- 
schiedener Regimenter hatten sich wieder gegen den linken Flügel 
zurückgezogen. 

Die gesammte unter General Röme r's Commando gestandene 
Cavallerie war nun, trotz der von ihr errungenen Erfolge, voll- 
kommen auseinandergekommen und kein geschlossener Körper mehr 
davon vorhanden, den der Feldherr mit Sicherheit in seinen Calcul 
setzen konnte. 

Bei dem letztgeschilderten CavallerieangrifTe war mit den 
Sclmlenburg'schen Reitern österreichische Cavallerie durch die Inter- 
valle der Bataillone zwischen die zwei preussischen Treffen gelangt. 
Sobald nun die Infanterie des zweiten Treffens hier österreichische 
Reiter erblickte, begann sie, ohne ein Commando abzuwarten, zu 
feuern, wodurch die zur nämlichen Zeit im ersten Treffen ein- 
gerissene Unordnung noch vergrössert wurde. 

Auf FM. Graf Neipperg's Befehl hatte FML. Baron Ber- 
lichingen vom rechten Flügel ihm diejenigen „dekorierten*' 
Cavallerie-Regimenter, die er in der Eile hatte zusammenbringen 



! ) „Histoire de nion temps" (Redaction von 1775). — „Römer wurde 
von einem flüchtenden preussischen Dragoner, welcher nach hinterwärts seine 
Pistole gelöst, todt geschossen." (H. H. u. St. A. ; geschriebene Zeitungen, 
Fase. 17.) 



237 

können, gesendet und dem Obersten des Cürassier - Regiments 
Hohenems, Grafen Bentheim Befehl gegeben, die preussische 
Cavallerie, welche mit einem Infanterie-Bataillon gegen die Flanke 
des österreichischen linken Flügels, wo das Infanterie-Regiment 
Franz Lothringen, zwei Feld-Geschütze und zwei Haubitzen standen, 
in Bewegung war, anzugreifen. 

Oberst Graf Bentheim „vollführte den Befehl mit der 
äussersten Tapferkeit und obwohl die Preussen mindestens 600 Pferde 
stark waren und in so schöner Ordnung anrückten, class man hätte 
glauben können, dass sie an einer Schnur aufgezogen wären, warf 
er sie doch in einem Augenblick zurück, trotzdem sie sich so lange 
gut hielten, bis die Pferde von der einen und andern Seite mit den 
Köpfen aufeinander stiessen". x ) 

Einzelne Escadronen scheinen auch nach dieser Attaque durch 
die entstandenen Lücken in das erste preussische Treffen gedrungen 
zu sein, von dem hinter dem ersten Treffen befindlichen ersten Bataillon 
Prinz Leopold wurden sie jedoch mit vehementem Feuer empfangen 
und abgewiesen. -) 

Es mochte 3V2 Uhr sein, der Kampf der österreichischen 
Cavallerie hatte daher beinahe zwei Stunden gedauert. 

Die Cavallerie des rechten preussischen Flügels war nicht 
weiter gefechtsfähig, ebenso die schwere Artillerie, von der leichten 
war nur jene des linken Flügels noch im Stande, das Feuer fort- 
zusetzen. 3 ) 

Zu dieser Zeit stand das preussische Heer nicht mehr unter 
dem Commando seines jungen Königs. Der Feldmarschall Graf 
Schwerin, welcher sofort nach dem Beginn des grossen Reiter- 
Angriffs nach dem rechten Flügel geeilt war, hatte den dort sich 
abspielenden Vorgängen beigewohnt und in dem ohne Commando 
begonnenen Feuer beider preussischer Treffen, welches sich auf das 
vorüberbrausende Getümmel verfolgter und verfolgender Cavallerie 
richtete, ein Zeichen völliger Auflösung, den König im Gedränge 
österreichischer Reiter und grösster Gefahr gesehen. Als König 
Friedrich H. sich zwischen das Lifanterietreffen zu retten 
vermocht hatte, mag der Augenblick gewesen sein, in welchem 
Schwerin dem königlichen Feldherrn den Rath gab, das Schlacht- 
feld zu verlassen, weil er den Ausgang der Schlacht für sehr 



*) Relation eines kaiserlichen Officiers. 
2 ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 404, 
Kriege Friedrich d. Gr., I, 40-i. 



238 

gefährdet hielt. Er hat sich hiermit wohl die spätere langdauernde 
Ungnade seines Monarchen zugezogen. 1 ) Auch König Friedrich II. 
selbst scheint indessen in jenem Moment die Schlacht für ver- 
loren angesehen zu haben, da er vom Schlachtfelde aus einen 
Officier mit mündlichen Mittheilungen an den Fürsten Leopold 
von A 11 h alt in das Lager von Göttin bei Brandenburg abschickte, 
um dem Fürsten zu sagen, dass Alles verloren sei und er seine 
Massregeln, so gut er könne, treffen möge. 2 ) Schwerin dürfte 
bei dieser Gelegenheit gerathen haben, der König möge ihm 
das Commando überlassen, sich vom Schlachtfelde entfernen und 
nach OpjDeln begeben, wohin der Rückzug der Armee hätte 



*) Der Feldmarschall Graf Schwerin hat sich später gegen seine Freunde 
über diese Angelegenheit u. A. "wie folgt geäussert : „Als ich die preussische 
Cavallerie von dem Feinde verfolgt sah, welches in dem Augenblick geschah, 
wo ich die Anordnung am linken Flügel gemacht hatte und im Galopp nach 
dem rechten ritt; so hatte ich noch nichts von meiner kaltblütigen Hoffnung 
verloren, dass die Infanterie Alles redressieren könnte. Als ich aber den 
König mit in dem Gedränge der flüchtigen Cavallerie sah, so war es natürlich, 
dass mich dieser Anblick in eine Art von Bestürzung setzte und dieses vor- 
züglich, weil ich mir keine andere Vorstellung von dieser Erscheinung in dem 
Augenblick machen konnte, als dass der König durch übereilten Muth sich 
diese Gefahr selbst zugezogen. Dies gab Gelegenheit zu dem ersten Gedanken 
des Wunsches, dass er sich nicht gegenwärtig befinden möchte, denn ich hatte 
dazumal schon den Entschluss gefasst, die Bataille zu gewinnen oder den 
Verlust nicht zu überleben. Meine Bestürzung wurde aber durch die Salve 
des zweiten Treffens um ein Grosses vermehrt, theils weil es mich von einer 
Armee, die so wie die preussische in Ordnung war, wo kein Schuss ohne 
Commando vom Officier des Pelotons geschehen musste, sehr befremdete und 
dann, weil auch durch dieses Feuer das erste Treffen sehr muthlos gemacht 
werden musste und von diesem Augenblick an überzeugte mich mein Verstand 
und mein Herz von der Nothwendigkeit, meinen jungen König voller Muth 
und Ambition, der die Gefahr nicht kannte und nun desto weniger scheuen 
würde, von meiner Seite zu entfernen. Das war der Grund meines Vorschlags : 
das Schlachtfeld zu verlassen. Wäre dieser BewesrungssTiind nicht 
blos und allein die persönliche Erhaltung des Königs gewesen, so war es 
sehr natürlich, dass der König keine grössere Sicherheit, als bei der Armee 
finden konnte, denn wenn auch die Scblacht verloren gegangen, so konnte 
keine andere Ketirade, als über Oppeln genommen werden, wo dann eine ob- 
gleich geschlagene Armee noch immer Ressourcen gefunden haben würde." 
(Aeusserung des FM. Grafen Seh w erin an seine Freunde „über den Groll 
des Königs Friedrich IL, so er auf ihn hatte", in Hove r, Neues mili- 
tärisches Magazin, III, Leipzig 1804.) 

-) Orlich. I, 103 und Urkunden, 329. Am 16. April erst schrieb Frie- 
drich IL an Voltaire aus Ohlau: „Man sagt die OesteiTeicher geschlagen, 
ich glaube, es ist wahr". Oeuvres XXII, 66. 



239 

gerichtet werden müssen. König Friedrich IL gab erst nach 
wiederholten Vorstellungen Schweri n's, dem sich auch die General- 
adjutanten Hacke, Borcke und ~VV a r t e n s 1 e b e n anschlössen, 
diesem Andrängen Folge, ritt zur Bagage, wo er einige wichtige 
Papiere an sich nahm, dann verliess er mit wenigen Begleitern das 
Kampffeld und nahm die Richtung auf Löwen. *) 

Sicher war die Route nicht , welche König Friedric h 
einschlug, denn im Rücken des preussischen Heeres wimmelte es 
von österreichischen Reitern. Versprengte Abtheilungen der 
Römer'schen Cavallerie, vor Allem aber Husaren, welche sich bei 
der Bagage zu schaffen machten, bewirkten wohl, dass das Anfangs 
grössere Gefolge, das den König begleitete, bis auf wenige Begleiter 
zusammenschmolz. 

Bei der österreichischen Armee war inzwischen der Aufmarsch 
beendet worden. Die Artillerie war jetzt zur Stelle und eröffnete 
ihr Feuer. Eine der ersten Kugeln zerschmetterte dem Comman- 
danten des Regiments Markgraf Carl, dem Obersten Prinzen 
Friedrich von Brandenburg-Schwedt, den Kopf. 

Die Situation war nach 4 Uhr Nachmittags entschieden für 
die österreichische Armee nicht ungünstig. 

Es handelte sich jetzt hauptsächlich darum, dass der linke Flügel 
der Infanterie, obgleich von Cavallerie entblösst, die Offensive 
ergriff. Hier hatte aber General Göldy, wie bereits erwähnt, durch 
eine zu starke Linksziehung bereits den Zusammenhang mit dem 
Browne'schen Flügel verloren und die Regimenter unter Gold v*s 
Commando waren, wie es scheint, von besonderem Kampfeseifer 
nicht beseelt. 

Die Regimenter Franz Lothringen, Schmettau und Browne 
verloren ganz die Fassung |und vom gesammten linken Flüge] 
hielt nur Botta fest. Man Hess die Bataillone des zweiten Treffens : 
Alt-Daun, Thüngen und Harrach, vorrücken, denn Grünne begann 
bereits zu weichen. 2 ) 

In der preussischen Schlachtlinie bereitete sich jedoch jetzt 
eine bedeutsame Wandlung vor. Schwerin hatte den Oberbefehl 
ergriffen und erklärte den Generalen auf die besorgte Anfrage, wohin 
der Rückzug zu richten sei, schlankwog: „Auf den Leib des Feindes". 



! ) Kriege Friedrich d. Gr., I, 406. 

2 ) Relation eines kaiserlichen Officiers. 



240 

Erbprinz Leopold, als Coinmandant des zweiten Treffens, erlrielt 
Befehl, das Feuer dieses Treffens einzustellen. Die abgetrennt 
stehenden Grenadier-Bataillone Bolstern und Winterfeldt liess er 
hinter den rechten Flügel des ersten Treffens rücken. Darauf begab 
er sich vor das erste Bataillon Garde und richtete an dasselbe 
einige zündende Worte. Hierauf erfolgte der Befehl zum Vorrücken. 1 ) 
Der rechte preussische Flügel trat an und begann, den Oester- 
reichern näher kommend, pelotonweise Salvenfeuer. 2 j 

Auf dem rechten österreichischen Flügel war während dieser 
Zeit nun auch FML. Baron Berlic hingen gegen die preussische 
Cavallerie vorgegangen, welch' letztere sich den Hölter-Dämmen 
genähert hatte. Berlic hin gen führte die Cürassier-Reginienter 
Cordova und Hohenzollern, die Dragoner-Regimenter Liechtenstein 
und Württemberg vor, während das Batthyani'sche Dragoner- 
Regiment vom FM. Grafen Neipperg auf den linken Flügel 
gesandt wurde. Bei dieser Vorrückung wurde die österreichische 
Cavallerie von den Bataillons-Geschützen und in der Vorwärts- 
bewegung auch von den Grenadier-Bataillonen des linken preussi- 
schen Flügels wirksam beschossen. Da das versumpfte Wiesenterrain 
am Kleinen Bach eine Bewegung in die Flanke der preussischen 
Reiterei nicht gestattete, ordnete FML. Berlichingen jedoch 
den Rückmarsch seiner Regimenter an. 

Oberst von P o s a d o w s k y, welcher die preussische Reiterei 
dieses Flügels befehligte, liess nun seine Escadronen den Kleinen 



») Kriege Friedrich cl. Gr. I. 406. 

2 ) Die am 9. April 1741 zu Pogarell für die preussische Armee ausgegebene 
Disposition regelte das Verhalten während des Gefechtes und setzte u. A. fest : 

„Es wird bei Todesstrafe verboten, weder zu schiessen, bis es befohlen 
wird, noch unter dem Gewehr zu plaudern oder das Geringste zu sprechen." 

„In währendem Avancieren soll die Cavallerie nicht stärker marschieren, 
als die Grenadier-Bataillone, um mit solchen Linie zu halten." 

„Es wird nicht anders, als pelotonweise chargiert und die Officiere 
müssen ihre Leute so cornmandieren, wie auf dem Exercierplatze, der sämmt- 
lichen Infanterie soll wohl anbefohlen werden, die Pelotons im Anschlage liegen 
zu lassen, die Mündung, wie gewöhnlich, gesenkt und solche wohl auf den 
Feind zu halten, die Commandeure der Bataillons seien zu Fusse vor die 
Bataillons, die Majors und Adjutanten sind hinter die Bataillons zu Pferde, 
auch sind die Officiers, so die Züge schliessen, hinter dem Bataillon, um alle 
Desordres zu verhüten. Die Feldwebel bleiben bei den Fahnen und im Falle 
ein Gefreiter-Corporal todtgeschossen würde, so muss dessen Fahne ein Feld- 
webel nehmen ; bei den Fahnen sollen auf jeder Seite drei Rotten nicht 
schiessen." (Kriege Friedrich d. Gr. I, Anlage 21.) 



241 

Bach auf der westlich der Dämme gelegenen Fürth überschreiten, 
um in den Rücken der abmarschierenden österreichischen Cavallerie 
einzufallen. Die Preussen waren jedoch jenseits des Kleinen Baches 
noch nicht aufmarschiert, als Berlichingen die Front wieder 
herstellte, zur Attaque blasen Hess und die preussischen Reiter 
wieder über den Bach trieb. Eine weitere Verfolgung wurde durch 
das intensive Feuer der preussischen Infanterie und Artillerie ge- 
hindert. Die Regimenter Berlichinge n's giengen nach diesem 
Vorstoss wieder auf ihren Flügel zurück. 

Von dort erneuert vorzurücken, scheiterte an der Haltung der 
Infanterie, da diese nicht zum Vorwärtsbringen war. x ) 

Als FM. Graf Neipperg die Vorrückungsbewegung des 
rechten preussischen Flügels bemerkte, Hess er die Infanterie nach 
dem linken Flügel anschliessen und Bataillone des zweiten Treffens 
zur Ausfüllung der Lücken in das erste einrücken. Die Lage ge- 
staltete sich jedoch ungünstig für die österreichische Armee ; deren 
Infanterie rückte, obschon sie ein fortgesetztes Feuer unterhielt, 
nicht einen Schritt vor, die Bataillone kamen in Unordnung, „und 
es war ein Jammer, diese armen Recruten zu sehen, wie sich der 
Eine lunter dem Anderen versteckte, so zwar, dass die Bataillone 
zu 30 bis 40 Mann tief standen und die Intervallen so gross wurden, 
dass man mit ganzen Cavallerie-Regimentern hätte eindringen 
können, obwohl das gesammte zweite Treffen in das erste eingefügt 
war. Es ist gewiss, dass unsere Infanterie vernichtet worden wäre, 
wenn wir mit einem lebhafteren und entschlosseneren Feinde zu 
thun gehabt hätten. Aber die Preussen haben es nicht für noth- 
wendig gehalten, rascher vorzurücken, als sie es stets gewolmt sind, 
noch uns Mann gegen Mann anzugreifen, wie sie es hätten thun 
können, als sie gewahr wurden, dass unsere Cavallerie nicht mehr 
angehen wollte und sie von dieser Seite nichts mehr zu fürchten 
hatten." 

„Man muss der preussischen Infanterie die Gerechtigkeit 
widerfahren lassen, ihre Haltung war bewunderungswerth trotz dem 



3 ) „Aber da unsere Infanterie nicht vorrücken wollte, ward unsere 
Cavallerie so entmuthigt, dass sie nicht mehr zum Angriff vorgehen mochte, 
obwohl General Berlichingen sie durch sein eigenes Beispiel aufmunterte : 
sein Pferd bis auf 20 Schritt vom Feinde spornend, redete er zu, drohte, aber 
ohne irgend welchen Erfolg, was ihn dergestalten erzürnte, dass er zwei 
Reitern, die davon ritten, den Kopf spaltete und mehrere ändere mit dem 
Degen vom Pferde hieb." (Relation eines kaiserlichen Offieiers.) 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 1<> 



•242 

unausgesetzten Feuer, das sie unsererseits auszuhaken Latte ; sie 
formierte sich trotzdem mit der schönsten Ordnung und obschon 
sie Mann an Mann gedrängt standen und Bataillon an Bataillon, so 
überragten sie uns doch auf jedem Flügel mit 3 oder 4 Bataillonen, 
uns, die wir gegen Ende der Schlacht entsetzliche Intervalle und 
sämmtliche Begimenter in einer Linie hatten.'" 

„Diese ganze grosse Front schien wie von einer einzigen Trieb- 
kraft bewegt; sie rückte Schritt für Schritt mit überraschender 
Gleichförmigkeit vor. Ihre Artillerie arbeitete gleichzeitig und 
ohne Unterbrechung mit Vollkugeln und Kartätschen und sobald 
sie in richtiger Schussweite waren, verstummte ihr Gewehrfeuer 
keinen Augenblick und glich dem unaufhörlichen Rollen des 
Donners. Sobald sie in unserem Gesichtskreise Bewegungen machten, 
führten sie diese mit solcher Schnelligkeit und Genauigkeit aus. 
dass es eine Freude zu sehen war ; sobald ein Mann fiel, trat ein 
anderer an dessen Stelle, kurz, sie haben ihre Sache gut gemacht, 
aber sie haben nicht Alles gethan, was sie hätten thun sollen und 
man kann wohl sagen, dass unser Feind nicht zuviel Tapferkeit, 
aber viel Schulung und die beste Haltung von der Welt hat." *)' 

Dem FM. Schwerin, der obschon verwundet, die AVahlstatt 
nicht verliess. war es nicht entgangen, dass es wohl nur noch eines 
umfassenden Vorgehens des preussischen linken Flügels gegen den 
österreichischen rechten bedürfe, um den Bückzug der österreichi- 
schen Armee zu erzwingen. 2 ) Er sandte daher an den am linken 
Flügel befehligenden GL. von Kalckstein Ordre, das Vorrücken 
der Infanterie dieses Flügels, Direction auf Mollwitz, zu be- 
schleunigen. 

. Diese Bewegung wirkte entscheidend auf den Ausgang der 
Schlacht. Die österreichische Infanterie drängte sich zu Knäueln 
um ihre Bataillonsfahnen und die Lücken der Fronten Hessen sieh 
nicht mehr ausfüllen. 



1 ) Relation eines kaiserlichen Ofriciers. (Mittheilungen des k. und k. 
Kriegs- Archivs, I. 205.) Der König selbst war voll stolzer Freude über seine 
brave Infanterie: „Mein Glück, die Conservation meiner ungemein braven 
Armee und die Wohlfahrt des Landes habe allein unserer unschätzbaren In- 
fanterie zu danken . . . unsere Infanterie sind lauter Caesar's und die Officiere 
davon lauter Helden, aber die Cavallerie ist nicht werth, dass sie der Teufel 
holt." König Friedrich II. an Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau (Kriege 
Friedrich d. Gr. I. -119). 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. I. 410. 



2 !:•> 

FM. Neipperg beschloss, als er sah, dass es kein Mittel 
mehr gebe und die Truppen durchaus nicht mehr Stand halten 
wollten, auch die Mehrzahl der Regimenter ihre tapfersten Offi- 
ciere verloren und die gesammte Infanterie ihre Munition ver- 
schossen hatte, das Schlachtfeld zu verlassen. Es war 7 Vi Uhr. 
als der Rückzug angetreten wurde. Des Felclmarschalls Absicht 
war, sich hinter dem Dorfe Mollwitz aufzustellen, wo er coupiertes 
und vorteilhaftes Terrain zu finden glaubte. Es ist wahrscheinlich, 
dass, wenn er dort die Nacht auszuhalten vermocht hätte, die 
Preussen eine Verfolgung nicht unternommen hätten, denn sie 
hatten ebenfalls bedeutende Verluste erlitten. 

Als Neipperg aber die Auflösung der tactischen Ordnung, 
besonders bei der Infanterie gewahrte, fasste er den Entschluss, in 
der Nacht noch bis Grottkau zurückzugehen. 

Die Grenadier-Compagnien und die noch verfügbare Reiterei 
deckten den Rückzug der Infanterie. Vor dem gegen Mollwitz 
vorrückenden linken Flügel der preussischen Front gieng auch die 
österreichische Cavallerie bald zurück und die unter Major von 
Z i e t e n das Dorf Mollwitz westlich umgehenden Berliner Husaren 
trugen mit dazu bei, dass beim Rückzuge noch viele Munitions 
Wagen verloren giengen, die in dem tiefen Schlamme der Strasse 
stecken geblieben waren. Neipperg, der selbst hier zugegen war, 
musste ebenfalls eilen, aus dem Bereiche der preussischen Reiter zu 
kommen. 6 Feld-Geschütze und 1 Haubitze, deren Pferde entweder 
erschossen oder entlaufen waren, blieben stehen. 

Der Mangel an Bespannungen zwang dazu, auch die eroberten 
preussischen Geschütze in Mollwitz zurückzulassen. 

Ein dreipfündiges Geschütz wurde bis "Wansen mitgeführt 
musste aber dort zurückbleiben, weil der Büchsenmeister keinen 
Vorspann mehr erhielt, so dass von den durch die Cavallerie eroberten 
preussischen Geschützen nur ein Sechspfünder in österreichischen 
Händen blieb. Nachdem der Conradswaldauer Bach auf den bei 
Hünern und südlich davon gelegenen Brücken überschritten worden, 
erreichte die österreichische Armee noch in der Nacht das 16 Kilo- 
meter vom Schlachtfelde entfernte Grottkau. 

FM. Graf Schwerin entsandte den Adjutanten des Erb- 
prinzen L e o p o 1 d, Major von B ü 1 o w, um König Friedrich H. 
aufzusuchen und demselben den Erfolg des Tages zu melden. GL. von 
G essler traf zu Ende der Action mit 10 Escadronen von (Milan 
ein, nachdem er von österreichischen Husaren Längere Zeit an dem 
Vormarsche gehindert worden war. Diese Cavallerie wurde ebenfalls 

L6* 



244 

zur Verfolgung der abziehenden Oesterreicher verwendet, blieb aber 
schon am Conrads waldauer Bache stehen. 

Schwerin, zweimal im Laufe der Schlacht verwundet, 
übergab den Befehl an den Erbprinzen von Anhal t-D essaa. 
der die preussischen Truppen auf der "Wahlstatt lagern Hess. 

"Wahrend dieser Vorgänge war König Friedrich LT. vom 
Schlachtfelde, Anfangs mit grösserem Gefolge, nach Löwen geritten, 
hatte hier die Neisse passiert und wandte sich nun, wie es scheint, 
mit nur wenigen Begleitern nach Oppeln (23 Kilometer von Löwen), 
das er in Sicherheit glaubte. Die Stadt Oppeln war jedoch an eben 
diesem Tage von Csäky'schen Husaren, den Vortruppen des aus 
Mähren in Ober - Schlesien eingedrungenen kleinen Corps des 
Baron GFWM. Baränyay besetzt worden. 

Als er nun in der Nacht dort bei dem geschlossenen Thore 
mit seinen Begleitern anlangte und sie sich als „Preussen" meldeten, 
wurde mit Schüssen geantwortet. 

Der König wandte um und schlug den Weg nach Löwen 
wieder ein, wurde aber von einer Abtheilung Csäky-Husaren unter 
Lieutenant "Werner verfolgt, jedoch nicht eingeholt und gelangte 
glücklich nach Löwen, wo er bei Tagesanbruch des 11. April ankam 
und den Major von Bülow mit der Kunde von dem Rückzuge 
der österreichischen Armee antraf. 

König Friedrich II. hatte an diesem Tage vom Schlachtfelde 
nach Oppeln und zurück nach Löwen, eine Wegstrecke von 10 Meilen 
zurückgelegt. Er selbst soll über diese Episode niemals gesprochen 
haben, welcher Umstand selbstverständlich die historische Richtig- 
stellung des Ereignisses nicht gefördert hat. *) 

Thatsächlich hatte er sich in imminenter Gefahr befunden, 
wie die Gefangennahme eines Theils seines Gefolges, darunter 
Oberstlieutenant von Buggenliagen, Kriegs - Commissär von 
Reinhardt und der gelehrte Mathematiker de Maupertuis. 
durch die Husaren beweist. 2 ) 



*) Eine Schilderung dieser Episode mit Benützung aller zugänglich. 
gewesenen Quellen findet sich in „Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs." 
N. F. 1887, Bd. I, 209 und ff, Anmerkung 1. 

2 ) Lieutenant Paul Werner, welcher König Friedrich in jener 
Nacht verfolgte, trat später (1750) in preussische Kriegsdienste und brachte 
es dort zu hohen Stellungen. Er starb 1785 als General-Lieutenant auf seinem 
Gute Pitschin in Ober-Schlesien. 



2 1 5 

Nach kurzem Aufenthalte brach König Friedrich II. aus 
Löwen wieder auf und traf am Vormittage des 11. April bei seiner 
Armee in Mollwitz ein. 

Die Verluste, wie sie FM. Graf Neipperg in einer Eingabe 
aus Neisse vom 23. April selbst beziffert, bestanden in : 

Inf ant er i e. 

Todt: Officiere und Gemeine 351 Mann 

Während der Action verloren, also Vermisste, Blessierte 

und in Gefangenschaft Gerathene (incl. Officiere) . 1427 ,, 
Blessierte, nach Mährisch-Neustadt transportiert (incl. 

Officiere) 1393 „ 

Un transportable Verwundete in Neisse 138 



j; 



3309 Mann 
Cavallerie (Cürassiere und Dragoner). 

Todte : (worunter auch Gefangene sein können) 

Officiere und Gemeine 468 M. 913 Pfde. 

Während der Action verloren (wie oben) . . 70 ,, 85 

In feindliche Gefangenschaft gerathen ... 14 ,, 
Blessierte in Mährisch-Neustadt u. in loco (incl. 

Officiere) 625 „ 610 

1177 M. 1608 Pfde. 

Husaren (Officiere und Gemeine). 

Todt geblieben, vermisst und gefangen . 38 M. 53 Pfde. 

Artillerie. Todt 13 „ 58 „ 

Blessiert (incl. Officiere) 14 ,, ,, 

27 M. 58 Pfde. 
Zusammen 4551 Mann (incl. Officiere) und 1719 Pferde. 

Von der Generalität waren todt geblieben : General der 
Cavallerie Baron Römer und FML. Baron Gold y. Verwundet 
waren: FML. Graf Browne und Graf Grünne, GFWM. Baron 
K h e u 1, Graf Kolowra t, Prinz B i r k e n f e 1 d, Graf Franke n- 
berg, Baron Lentul us. Graf Lannoy, Oberst von Hohen- 
zollern blieb todt, Oberst Derenthal von Franz Lothringen 
starb in Folge seiner Wunde ; die Oberste B e c h i n i e von 
Batthyänyi, Hagenbach von Harrach und Bretlach von 
Württemberg wurden verwundet. Der Oberst von Kolowrat. 
Graf Wels, erhielt eine Contusion am Munde. Baron Krassow. 



246 

Oberstlieutenant vom Regimente Grünne, wurde gefährlich ver- 
wundet, gefangen und erlag sehr bald seinen Wunden. An 
Officieren vom Oberst abwärts waren geblieben : bei der In- 
fanterie : todt 21. verwundet 99, vermisst 14; bei der Cavallerie : 
todt 25, verwundet 45, vermisst 2 ; bei der Artillerie: verwundet 2. 
Der Verlust an Officieren vom Oberst abwärts betrug daher 214. 

Die transportablen Verwundeten der österreichischen Armee 
wurden meistentheils nach Mährisch-Neustadt gesandt. 

An Geschützen giengen verloren : 3 dreipfündige Regiments- 
Stücke, 3 dreipfündige Feldschlangen, 1 zwölfpfündige Haubitze. 
1 kleine Petarde ; dann zwei Protzen, 1 Munitions-Karren, 22 Muni- 
tions-, Schanzzeug- und Requisiten- Wagen, 1 Feuerwerkskasten. 
Ausserdem sollen drei Estandarten der Regimenter Hohenzollern, 
Lanthieri und Hohenems verloren gegangen sein. 

Sämmtlichen Generalen waren die Pferde unter dem Leibe 
getödtet oder verwundet worden. FM. Graf Neipperg selbst hat fci 
zwei Schüsse durch den Hut, fünf bis sechs durch die Uniform, 
ein Pferd durch eine Kanonenkugel zerrissen und zwei Pferde ver- 
wundet. Die Armee war schon vollständig zurück, als er bei den 
Munitions-Karren, die stecken geblieben waren, anhielt, so dass er 
beinahe in die Hände des Feindes gefallen wäre, dessen Husaren 
schon auf ihn Feuer gaben, so dass sein erster Adjutant, Baron 
von L e w e n, ihn aufmerksam machen musste, sich zurück zu 
begeben. 

Von der ganzen Suite war kaum Jemand ohne Wunde oder 
ohne verwundetes Pferd davongekommen. Dem ersten Adjutanten 
zertrümmerte eine Kugel die Pistole in der Holfter, er selbst erhielt 
eine Contusion am rechten Fuss, das Pferd des zweiten ward ver- 
wundet, der dritte erhielt einen Schuss in den Schenkel. Dem Volontair 
Grafen Vasquez wurde ein Pferd verwundet und ein anderes durch 
eine Kanonenkugel getödtet, der Ingenieur-Lieutenant Ignaz von 
S c h u b a r t aus dem Stabe N e i p p e r g's wurde schwer verwundet. 

Aber auch die Preussen hatten enorme Verluste erlitten, 190 
Ofnciere, 4659 Mann, 523 Pferde bedeckten todt oder verwundet 
die Wahlstatt. Die grössten Verluste hatte die Infanterie ; GL. Graf 
Schulen bürg, die Oberste Prinz Friedrich von Branden- 
b u r g-S ohwedt und von Borcke waren gefallen, verwundet waren 
FM. Graf S c h w e r i n, GM. von Kleist und von der M a r w i t z, 
die Oberste Prinz Wilhelm von B r a n d e n b u r g - S c h w e d t. 
von M o s e 1 1, Graf Wartensiebe n, von ßocho w. 



247 



Die Zahlen der Verluste auf beiden Seiten sind bei der 
geringen numerischen Stärke beider Heere ganz unverhältnissmässig 



grosse. 



Bej der preussischen Armee beschäftigte man sich vom 12. 
bis 16. April mit Vertheilung und Fortschaffung der Verwundeten, 
welche zumeist nach Ohlau gebracht wurden. Es fand eine Son- 
derling der Schwer- und Leichtblessierten statt und eine Art von 
Krankenzerstreuungs-Sy stem kam in Anwendung, wobei der Wasser- 
transport auf der Oder abwärts sehr zu Statten kam. 

Die österreichischen Gefangenen wurden sämmtlich nach 
Breslau dirigiert, zu weiterem Transporte von dort aus. Eine Anzahl 
von 556 österreichischen Verwundeten wurde von den Preussen 
nach der Schiacht ohne alle ärztliche Vorsorge in die Dörfer um 
Brieg gelegt und der Commandant von Brieg aufgefordert, sie zu 
übernehmen. So schwer diese Belastung für den kleinen Platz auch 
war, so fügte sich der wackere Commandant doch aus Menschlich- 
keit dieser Forderung. 2 ) 

Die Mehrzahl aller bei Mollwitz Verwundeten und eine Menge 
von Kranken kamen nach Breslau in die Klöster, die evangelische 
Schule und das Maria Magdalena-Gymnasium. 

FM. Graf Neip per g sagt in seinem Schlachtberichte: „die 
Cavallerie sei recht a la hussarde und in voller Furie auf den Feind 
losgegangen, habe zwar anfänglich das Ilirige wohl gethan, das Ende 
aber habe, um dieser Unordnung willen, mit dem Anfang nicht über- 
eingestimmt. Die Infanterie habe schon auf 1000 Schritt, — wovon sie 
über alles Zureden nicht abgehalten werden können, in Sonderheit als 
selbige stundenweis auf dem einen Flügel von der Cavallerie sich ent- 
blösst gesehen, welches einen grossen Anlass zu dem Plänkeln und dass 
man sie aus Consternation nicht fortbringen können, mag gegeben 
haben — auf den Feind zu feuern angefangen und sich vor der Zeit 
ohne Noth verschossen, dergestalt, dass sie auf die Letzt' keine 
Munition mehr gehabt habe." 2 ) 

Er fügte in seinem Berichte an den Grossherzog hinzu: „Aus 
diesem Allen können und wollen Euer Königliche Hoheit von selbst 
Gnädigst urtheilen, was Ihre Majestät die Königin für Armeen 
haben und wie wenig auf selbige zu rechnen, einem Feind, der, 

') FM. Graf Neipperg nennt in einem Berichte an den Hof-Kriegsrath 
vom 28. Aprü die angegebene Zahl und bezeichnet sie als von dem Feinde 
ausgelieferte „blessierte Gefangene". (K. A., F. A. Schlesien 1741; XIII. 11 

2 ) Neipper g's Bericht. 



248 

wie die preussische Infanterie, eine so gute Contenance haltet, sich 
zu präsentieren, insonderheit, da fast die ganze Infanterie in Recruten 
und schlechter Mannschaft von Bauern und sonst dergleichen 
besteht, die noch zu allem Uebernuss meistentheils einige Tage, 
bevor die Regimenter in's Feld gerückt, dazu gestossen worden, 
deren Ungeschicklichkeit auch verursacht, dass öfters die Generale 
sowohl, als Stabs-, Ober- und Unterofficiere, auch alte Gemeine 
selbst in Gefahr stehen, verloren zu werden und daher anstatt 
dass dergleichen Leute zum Nutzen gereichen sollten, solche, um 
der verursachenden Unordnung willen, zum Nachtheil und Schaden 
sind. Meinen Worten aber dürfen Höchstdieselben hierinfalls kein 
Gehör geben, oder an mein Sentiment sich binden, sondern geruhen 
von den hier in loco befindlichen Generalen, auch Stabs-Ofncieren 
und anderen unter der Hand zu vernehmen, ob es getroffen oder 
nicht. In diesem muss unterdessen bekennen, dass ich mich sehr 
geirrt, indem unsere Leute von Infanterie sowohl, als Cavallerie 
niemals Anfangs von einem so grossen Muth und Freude gesehen, 
als diesmal und bis zur Stund des unvermutheten und übereilten 
unglücklichen Angriffs des Generals Römer." 1 ) 

Römer hatte von Neipperg unzweifelhaft den Befehl, 
denn das geht aus der letzteren Relation hervor, mit seinen sechs 
Cavallerie-Regimentern vor Mollwitz so lange stehen zu bleiben, 
bis das Centrum und der rechte Flügel in die Schlachtlinie ein- 
gerückt seien. Er wurde durch diesen Befehl an den Ort seiner 
Aufstellung gebannt und seine Cavallerie-Masse diente den preussi- 
schen Artilleristen als leichtes und willkommenes Zielobject. 

Wie lange R ö m e r's Regimenter beschossen wurden, ist nicht 
festzustellen, immerhin dürfte der General geglaubt haben, der 
Armee zum Aufmarsch Zeit genug gelassen zu haben, als er zur 
Attaque, zu der die Umstände ihn drängten, vorgieng. Den Verlust 
der Schlacht hat der tapfere General gewiss nicht verschuldet. 
Wenn ihn ein Tadel treffen kann, so ist es der. mit sechs Regi- 
mentern attaquiert, sich ganz ausgegeben und keine Reserve aus- 
geschieden zu haben. Vier Cavallerie-Regimenter hätten auf den 
preussischen Flügel wohl die nämliche Wirkung ausgeübt, als die 
ganze Cavallerie-Masse. 

Es darf dabei freilich nicht vergessen werden, dass ein be- 
sonderer Grad von Manövrierfähigkeit der Armee zu Anfang 



*) K e i p p e r g's Relation. 



249 

dieses Kriegs nicht innewohnte, dass die höheren tactischen Ver- 
bände eben erst gewissermassen improvisiert worden waren, dass 
die Generale ihre Truppen und diese ihre Generale noch viel zu 
wenig kannten. 

Aehnlich spricht sich der bewährte Kriegspraktiker und Militär- 
Schriftsteller FM. Ludwig Andreas Graf K h e v e n h ü 1 1 e r in einem 
Briefe an den Armee-Commandanten aus: „die Cavallerie, die ihre 
volle Schuldigkeit gethan hat, musste von der Infanterie unterstützt 
und aufgemuntert werden." 

,,Ich hätte gewünscht, dass unsere Infanterie wie dereinst ge- 
wesen wäre, diese Eöme r'sche Cavallerie hätte Gelegenheit ge- 
geben zur gänzlichen Vernichtung der preussischen Armee." x ) 

In den höheren Wiener Kreisen war man der Ansicht und 
machte auch dem Armee-Commandanten daraus einen Vorwurf, 
dass Neipperg zu viel Vertrauen in die erhaltenen Nach- 
richten gesetzt und ,, nicht ausgesendet habe, um den Feind zu 
recognoscieren". Alles Andere hätte man früher von diesem 
General erwartet, als sich überraschen zu lassen, so gross war 
die Meinung von seinen Vorsichtsmassregeln und seiner Umsicht. 
Er hatte die umfassendsten Dispositionen getroffen, um die Preussen 
am folgenden Tage anzugreifen, aber unterlassen, für die Ver- 
teidigung der eigenen Truppen vorzudenken oder sie wenigstens 
so zu vertheilen, dass, wenn er angegriffen wurde, er sie vereinigen 
konnte. 2 ) Darin lag der Kernpunct des Verlustes der Schlacht 
nicht. Die Massnahmen des Feldmarschalls waren den Verhält- 
nissen nach richtig und entsprechend, er hatte seine Lage so 
günstig gestaltet, als er sie nach seinen Nachrichten vom Feinde 
zu gestalten vermochte und er erntet auch vom Gegner alles Lob : 
,,Le plan de l'expedition de N e ip p e r g etait judicieux et profond." 3 ) 
Aber die Vereinigung der über ganz Schlesien zerstreuten preussischen 
Corps musste er zu verhindern und schneller Ohlau, den grossen 
Depötplatz des preussischen Heeres, zu erreichen trachten. 
Sicherlich hielt der Marschall die preussische Armee am 9. April 
noch nicht für ganz vereinigt; er vermuthete bei Michelau und 
Löwen allerdings den stärkeren, bei Ohlau nur den kleineren Theil 



*) Der Wortlaut des Briefes in Anhang XLIY. 

2 ) Capello's Bericht vom 19. April. (H. H. u. St. A., Dispacci di Ger- 
mania, 241.) 

3 ) Histoire de mon temps (Keil. v. 1746), 228. 



•250 

derselben. Die tactische Ueberlegenlieit war jedoch auf Seiten der 
preussischen Infanterie und diese allein hat die Schlacht zu ihren 
Gunsten entschieden. 

Es machten sich auch Stimmen geltend, welche den be- 
schleunigten Beginn der Operationen tadelten und meinten, dass 
es besser gewesen wäre, zu warten, bis man kräftiger gerüstet 
gewesen und möglicherweise von einer anderen Macht secundiert 
worden wäre. Jedoch liegen die politischen Motive ja deutlich zu 
Tage, welche den Hof bestimmt hatten, den Feldherrn zur Acüon 
in Schlesien zu drängen. Gelang es, die Kriegslage dort günstig 
zu gestalten, so war die Stellung der Königin augenblicklich 
verändert, es waren Alliierte zu haben und die offenen und ver- 
steckten Feinde wurden von einer Coalition gegen Oesterreich ab- 
gehalten. Vom politischen Standpuncte wäre auch das Preisgeben 
einer ererbten Provinz und mit ihr so vieler treu ergebener Unter - 
thanen, endlich zweier wichtiger Festungen, ein Eingeständniss 
von Schwäche gewesen, das dem hohen und starken Geiste der 
Königin nicht entsprach. Da vorläufig nur Preussen in Waffen 
stand, galt es wohl, den Versuch zu wagen, sich mit gesammter 
Kraft auf diesen ersten Angreifer zu werfen. 

Wie dem auch sein mag, FM. Graf N e i p p e r g blieb auch 
nach dem Ausgange der Mollwitzer Action im Besitze des un- 
geschmälerten Vertrauens der Königin und ihres erlauchten 
Gemahls. *) 



l ) Vergl. die Briete des Herrscherpaares an FM. Grafen Neipperg in 
„Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs". N. F. 1888, II, 194 ff. 



Rückzug der österreichischen Armee an die Neisse. 



Der Rückzug der Armee in der Nacht nach Grottkau war 
Schritt für Schritt geschehen und hätte der Feldmarschall, „nach 
dem er eine halbe Stunde ungefähr von Mollwitz entfernt war 
und einen morastigen Graben passiert hatte x ), des Feindes 
willen, der nicht, wie er wohl thun konnte, verfolgt, sondern 
nur etliche wenige seiner Husaren nachprellen lassen, ganz und 
gar keine Ursache gehabt, noch selbige Nacht bis nach Grottkau 
zurückzugehen, wann er nicht bei den Truppen überhaupt, an In- 
fanterie und Cavallerie, eine gewisse Furcht und Gonsternation 
verspürt und daher sothane Retraite bis nach Grottkau für gut- 
angesehen worden. Daselbst nun, ohne von der feindlichen 
Verfolgung etwas gewahr zuwerde n, ist man nicht allem 
den Ueberrest der Nacht, sondern auch folgenden Tag (11. April) 
bis gegen Mittag stehen verblieben und den Truppen sowohl Brod, 
als Hafer ausgetheilt worden, unter welcher Zeit auch noch eine 
Menge von Blessierten und denjenigen, so sich tagszuvor verlaufen 
gehabt, nachgekommen". 2 ) 

FM. Graf N e i p p e r g hatte zuerst die Absicht, in Grottkau 
zu bleiben, doch scheinen Rücksichten auf die Verpflegung ihn zu 
dem Marsch an die Neisse bewogen zu haben. Ein Theil der In- 
fanterie cantonnierte dann anfänglich in den Ortschaften um Gross- 
Neunclorf am linken Neisse-Ufer, der andere Theil in Neunz und 
Umgebung. Doch wurde einige Tage später die gesammte In- 
fanterie auf das rechte Neisse-Ufer verlegt und cantonnierte nun 



J ) Den Conradswaldauer Bach. („Kriege Friedrich d. Gr.", 1/2, 1). 
2 ) K. A., Neipperg an die Königin, Neisse, 23. April 17-41. Abgedruckt 
m „Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs", N. F., II, 204. 



252 

hinter diesem Flusse von Ottmachaii bis Mannsdorf. Sodann rückte 
die Cavallerie nach Haunsdorf, am 12. nach "Weitzendorf und Um- 
gebung, am 14. nach Steinsdorf bei Steinau, wo sie bis 1. Mai in 
Cantonnierung blieb, die Infanterie marschierte gegen die Festung 
Neisse zurück, wo sich auch das Hauptquartier befand. 

In "Wien war die Nachricht von der am Montag, den 10. April, 
vorgefallenen Schlacht am 15., in Berlin und in Dresden am 13. April 
eingetroffen. 

Der venetianische Botschafter Pietro Andrea Capello be- 
richtet am 19. April an die Signoria, dass Prinz Carl von 
Lothringen den Verlust der Schlacht auf Ueberraschmig, 
Mattigkeit und Ermüdung der Infanterie, sowie auf den vorzeitigen 
Cavallerie-Angriff des linken Flügels zurückführe. Er fügte noch 
hinzu, die Husaren seien nicht zur Hand gewesen und hätten 
während der Zeit die feindliche Bagage geplündert ; durch den 
Tod des Generals Eöme r habe die Cavallerie keinen Comman- 
danten gehabt, endlich seien die Unthätigkeit und die unnützen Be- 
wegungen der Infanterie, die erst aus den Dörfern zusammengebracht 
werden konnte, nachdem der Kampf schon seit lVa Stunden begonnen 
hatte, verderblich gewesen. Die Infanterie habe übrigens mehr die 
eigene Cavallerie, die zurückgieng, als die feindliche beschossen, 
wesshalb die Salven aufgegeben und die Bajonnete gepflanzt werden 
mussten. 3 ) 

Die Königin theilte dem commandierenden General, der in 
seiner Relation den Mangel an Generalen betont hatte, in ihrem 
Erlasse vom 16. April mit 2 ), dass sie die Feldmarschall-Lieutenants 
Franz Graf St. Ignon, Königsegg und den GFWM. von P a 1 1 a n t 
in das Feldlager absenden lasse, dass das Leopold Daun'sche Infanterie- 
Regiment (Nr. 59) aus Siebenbürgen zur Armee bestimmt worden 
und completiert werden würde, endlich, dass die über den Jablunka- 
Pass rückenden ungarischen Freiwilligen-Regimenter nicht früher, 
als den 1., beziehungsweise den 15. Mai aufbrechen könnten. 

Am Schlüsse fügte die gütige Monarchin noch bei : 

„Schliesslich hast Du denjenigen Generalen und Officieren, 
die bei dem vorgefallenen Treffen ihr Devoir besonders gethan, 
Unsere Gnädigste Danknehmigkeit, dessgleichen auch dem Obersten 



*) H. H. u. St. A., Dispacci di Germania, 241. 

2 ) Siehe die Schreiben der Königin und des Grossherzogs an Grafen 
Neipperg in „Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs", N. F., II, 194 ff. 



253 

Freiherrn von Roth Unser "Wohlgefallen über die während der 
Zeit, als er zn Neisse das Interims-Commando geführt, bezeigte 
rühmliche Stanclhaftigkeit zn erkennen zn geben, demselben auch 
zu versichern, class Wir auf seine Consolation gelegentlich zu 
reflectieren nicht vergessen werden, gleichwie "Wir auch des Leopold 
Eisenkolb 1 ) in Gnaden eingedenk sein werden." 

Das preussische Heer ruhte die Nacht über bei den Lager- 
feuern auf dem Schlachtfelde. Am 11. April legte König- 
Fr i e d r i c h II. seine Truppen in Cantonnierungen in dem 
Räume Jankau-Stannowitz-Löwen-Michelau. Die unter des Herzogs 
von Holstein Befehlen stehenden sieben Bataillone 2 ) und sechs 
Escadronen, die am 10. April bei Strehlen gewesen, waren am 11. April 
beim Heere des Königs eingetroffen. Am nämlichen Tage kamen noch 
nachgerückte Verstärkungen an und zwar ehie Escadron Grardes du 
Corps und vier Escadronen Gensdarmen, so dass die preussische 
Armee nun mit den zwei in Ohl au als Garnison befindlichen 
Bataillonen 42 Bataillone und 56 Escadronen stark war. 

Die unterbrochen gewesene Verbindung mit Ohlau und Breslau 
war durch die Schlacht und N e i p p e r g's Rückzug an die Neisse 
wieder offen, Ober-Schlesien aber durch die Stellung der öster- 
reichischen Armee ausreichend gesichert. Die preussische Armee 
bedurfte selbst dringend der Erholung und König Friedrich H. 
sah vorläufig von weiteren Operationen ab, richtete dagegen sein 
Hauptaugenmerk auf die Eroberung Briegs, das er schon am 
11. April auf beiden Seiten der Oder enge einschliessen Hess. 
Das königliche Hauptquartier blieb bis zum 20. April in Ohlau. 

Im Allgemeinen erscheint der Erfolg der am 10. April 1741 
ausgekämpften Schlacht für König Friedrich H. von Preussen 
militärisch wenig belangreich. 

Den durch den Einmarsch des FM. Grafen Neipperg der 
preussischen Armee wieder entrissenen grossen Theil von Schlesien 
brachte der Tag von Mollwitz nicht zurück und erst nach Monaten 
konnte es diplomatischer Thätigkeit gelingen, jene Landgebiete, 
welche Anfangs April der glücklich combinierte Marsch N e i p p e r g s 
der Königin Maria Theresia wiedergewonnen hatte, aberma ! 3 
in die Hände König Friedrich H. zu bringen. 



') Bürgermeister von Neisse. 

") Das zweite Bataillon Alt-Borcke war zu diesem Commando gestossen r 
dagegen aber das zweite Bataillon Kalckstein in Schweidnitz geblieben. 



-254 

Dagegen waren die politischen Consequenzeii der Schlacht 
von eminenter Bedeutung, die Stellungnahme der einzelnen Cabinete 
wurde durch sie wesentlich beeinflusst. 

Die Gegner Maria Tlieresia's erhoben zuversichtlicher das 
Haupt, während die Alliierten, aufweiche sie gerechnet, kleinmüthig 
wurden. 

Breslau und das Lager König Friedrich IL gestaltete sich 
zu einem förmlichen Congress, auf welchem fortan die Diplomaten 
und Gesandten sämmtlicher europäischen Mächte, dem Erfolge zu 
huldigen, nicht säumten. 



Die Gruppierung der Mächte. 

Als zu Beginn des Jahres 1741 die Unterhandlungen zwischen 
Oesterreich und Preussen abgebrochen wurden, lag der Schlüssel 
zu dem Verhalten und der Gruppierung der übrigen Mächte in den 
Verhältnissen der allgemeinen "Weltlage, in der Stellung Frankreichs 
zu England. x ) 

Im Jahre 1739 war zwischen England und Spanien ein Krieg 
ausgebrochen, dessen Motiv von weltumfassender Bedeutung war. 

Es handelte sich für England darum, das Uebergewicht im 
Welthandel und im Colonialbesitz an sich zu reissen. Die umfang- 
reichen maritimen Rüstungen Englands, welche auf Unternehmungen 
gegen das Festland von Süd-Amerika abzielten, riefen Frankreichs 
Eifersucht wach. Im September 1740 waren zwei französische 
Geschwader nach den westindischen Gewässern gesegelt. Für den 
Fall des Ausbruchs eines englisch-französischen Krieges suchte 
England Verbündete auf dem Continente und hätte am liebsten 
die „grosse Allianz" wieder aufleben lassen. Durch die vitalsten 
eigenen Interessen wurde daher das Inselreich auf die Seite 
Oesterreichs gedrängt. Angesichts eines bevorstehenden Krieges 
mit Frankreich erhob man sich in London sofort zur Ueberzeugune;. 
dass man eines verbündeten Oesterreich nicht entrathen könne. 

König Georg LT. von England, Churfürst von Hannover 
hatte sich beeilt, Maria Theresia als die einzig berechtigte 



1 ) ,, England und Frankreich sind entzweit; wenn sich Frankreich in die 
Angelegenheiten des Reiches mischt, kann England dies nicht dulden und auf 
diese Art hieten mir die beiden gegnerischen Parteien immerhin eine gute 
Allianz." (Polit. Corresp." I, Nr. 140. Idees sur les projets politiques ;'i former 
au sujet de la mort de l'Empereur. 6. November 1740. 



256 

Nachfolgerin Kaiser Carl VI. anzuerkennen. In der Rede, mit welcher 
der König am 29. November des abgelaufenen Jahres das Parla- 
ment eröffnet hatte, war der feste Vorsatz ausgesprochen, die Ver- 
pflichtungen gewissenhaft zu erfüllen, welche er auf sich genommen 
habe. Die Antworten der beiden Häuser gestatteten keinen Zweifel 
über die Stimmung des englischen Volkes. Klar erkannte es, dass 
«las eigenste Interesse es erheische, jeder Schmälerung der Macht 
Oesterreichs entgegenzutreten. Diese Kundgebungen des Parlaments 
Hessen König Georg den Wiener Hof zur Standhaftigkeit Preussen 
gegenüber mahnen und jede Nachgiebigkeit widerrathen. x ) 

Wiederholt erklärte König Georg dem Gesandten Mari a 
T h e r e s i a's, dass er mit seiner eigenen Macht, sowie mit den in 
Englands Solde befindlichen hessischen und dänischen Hilfs-Truppen 
gegen Preussen in das Feld rücken werde. 2 ) 

Im Gegensatze zu den Aeusserimgen des Souverains erschien 
das Benehmen seines Gesandten am Wiener Hofe, Lord Robin- 
son, um so befremdender. Dieser Diplomat war nicht ohne 
Verschulden, dass gegen den preussischen Einbruch in Schlesien 
keine Kriegsmittel verfügbar waren, da er bis zur vollendeten That- 
sache jener Invasion stets behauptet hatte, König Friedrich H. 
sei von einem Einfalle auf österreichisches Gebiet weit entfernt 
und jede Vorkehrung dagegen werde nur überflüssige Kosten ver- 
ursachen und dazu dienen, sich den König von Preussen, dessen 
Beistandes man dringend bedürfe, zum Feinde zu machen. 

Dass dieser Diplomat zur Nachgiebigkeit gegen, zur Ver- 
einbarung mit Preussen rieth, wirkte umso überraschender, als 
dessen Vorgehen den Anschauungen seines Königs gerade ent- 
gegengesetzt war. 3 ) 



') „E. k. M. sollen nur sich nicht mit Preussen vergleichen; man werde 
schon Mittel finden, den König in solche Enge zu treiben, dass Allerhöchst- 
derselben der Schaden werde ersetzt werden, auch Andere dabei des Ihrigen 
sich erholen können ; ihm, König von Preussen, müsste der Muth zu weiterem 
dergleichen Muthwillen benommen werden. Er, König von England, mache 
liiezu seinerseits alle möglichsten Veranstaltungen". Graf O s t e i n an Maria 
Theresia, London 13. Februar 1741. (H. H. u. St. A. Arneth, Maria 
Theresia I, 391). 

2 ) Arneth a. a. 0. 199. „Wir haben von England nichts zu hoffen 
und ich bin im Begriff, mit dem Cardinal (Pleury) abzuschliessen." (Polit. 
Corresp. I, Nr, 244. Friedrich IL an Podewils, Breslau, 5. Januar 17+1.) 

3 ) „Robinson hat gleich allen Anfangs den eifrigsten Vorsprecher des 
Königs von Preussen abgegeben. Er hat Alles angewendet, um was sowohl 
von innen, als von aussen zum hiesigen Behuf geschehen konnte und geschehen 



257 



Bald jedoch wurde man in Wien darüber klar, dass Robinson, 
wenn auch nicht im Auftrage des Königs, doch in jenem des 
englischen Ministeriums handelte. "Wahrend König Georg sich 
vorwieo-end durch die Sympathien für sein Stammland Hannover 
leiten Hess, stellte das englische Ministerium die Interessen des 
Inselreichs in erste Linie. 

Um, wie Anfangs bereits erwähnt, Oesterreich in einem Kriege 
gegen Frankreich als Bundesgenossen zu haben, lag den britischen 
Staatsmännern sehr viel daran, jede sonstige Verwicklung, durch 
welche Oesterreich verhindert werden konnte, seine Kraft wider 
Frankreich zu entfalten, im Keime zu ersticken. 

Als Leitmotiv zieht sich durch die gegenwärtigen und die 
folgenden Verhandlungen des Jahres 1741 mit England das Be- 
streben, den schlesi sehen Zwischenfall aus der Welt 
zu schaffen; wenn dies durch eine Pression auf Oesterreich 
nicht gelang, mochte man wohl daran denken, eine solche auf 
Preussen zu üben. Durch Aufopferung einiger schlesischer Gebiets- 
theile glaubte man das Einvernehmen mit Preussen ermöglichen 
zu können, die Streitkräfte der Königin blieben zur Verwendung 
gegen Frankreich intact und Preussens Beitritt zum Bündnisse 
gegen Frankreich wäre durch zu seinen Gunsten gemachte Cessionen 
zu erwirken gewesen. 

So die Rathgeber der englischen Krone. Anders fasste jedoch, 
wenigstens noch zu Anfang des Jahres 17-41, König Georg die 
politische Situation auf. Er sah vollkommen ein, class es im Inter- 
esse der Unabhängigkeit seiner hannoverschen Lande lag, Preussen 
nicht noch mächtiger werden zu lassen. 

Persönliche Eifersucht gegen Friedrich II. mag auch dazu 
beigetragen haben, den König in dieser Anschauungsweise zu 
bestärken und durch sie erklärt sich am leichtesten der Eifer, mit 
welchem er bestrebt war, zunächst eine Aussöhnung zwischen den 
Höfen von Wien und Berlin zu hintertreiben und sodann eine 



wollen, zu hintertreiben ; sogar dass auch nach wirklich erfolgtem Einfall in 
Schlesien, er diese seine Bemühung auf eine Art an Tag gelegt, worüber sich 
alle anderen fremden Minis tri . . . geärgert haben. Des Gotter's und Borcke's 
längeren Aufenthalt hat er zu erzwingen vermeint, die preussische Anforderung 
auf Jägerndorf vertheidigt und auch zur Zeit, da Uns der König, sein Prin- 
cipal, einen schädlichen Vergleich mit Preussen missrathen und die Noth- 
wendigkeit, den preussischen Uebermuth und Macht zu mindern, erkannt hat. 
ganz anders gesprochen." Maria Theresia an den Grafen Ost ein. 
2. April 1741. (H. H. u. St. A. Bei Arneth a. a. 0. 391.) 

Oesterreichischer Erbfolsrekrieg. II. Bd. 1< 



258 

möglichst ansehnliche Trnppenmaclit wider Preussen zusammen- 
zubringen. Durch Preussens Demüthigung sollte jede zukünftige 
Gefahr von Hannover abgewendet und diesem Lande durch, auf 
Kosten Preussens zu machende Eroberungen noch eine höchst 
willkommene Vergrösserung zu Theil werden. ] ) 

Indem die Minister dann ihr ursprüngliches Programm, das 
der in der Nation herrschenden Stimmung nicht zu entsprechen 
schien und auch der Ansicht ihres Souverains diametral entgegen- 
stand, aufgaben, Hessen sie sich gleichzeitig zu einer politischen 
Action verleiten, welche die Interessen Englands zu Gunsten 
Hannovers preisgab. Vermochte man den Kriegsfall in Schlesien 
nicht im Beginne aus der Welt zu scharfen, so mussten die 
Schwierigkeiten wachsen und das englische 'Ministerium konnte 
sicher voraussehen, dass, sobald Frankreich aus seiner passiven 
Rolle heraustrat und sich auf die Seite der Gegner der prag- 
matischen Sanction stellte, die englische Nation energisch Ver- 
wendung aller Kräfte gegen diesen Feind verlangen würde. 

Die englischen Staatsmänner fanden jedoch die übrigen Mächte, 
welche die pragmatische Sanction garantiert hatten, nicht nur voll- 
kommen unvorbereitet zu einer sofortigen militärischen Action 
gegen Preussen, sondern auch einer solchen im Allgemeinen wenig- 
geneigt und es lässt sich wohl behaupten, dass ohne die grossen 
diplomatischen Anstrengungen, welche von England ausgiengen, nicht 
einmal jener schwächliche Anlauf zur Bildung einer Vereinigung 
der für die pragmatische Sanction eintretenden Mächte zu Stande ge- 
kommen wäre. Die Verantwortung für die durch diese diplomatische 
Action bei Oesterreich erweckte Hoffnung und das später für das- 
selbe in Folge seines festen Vertrauens auf ein actives Eingreifen 
der Garantie-Mächte entstandene Unheil fallen unzweifelhaft dem 
Vorgehen der englischen Politik zur Last. 

Der ganz enorme Vortheil, der König Friedrich H. in 
allen diplomatischen Schachzügen so sehr zu Statten kam und den 
kleinen Staat Preussen eine führende und dominierende Stellung 
den Grossmächten Europas gegenüber einnehmen liess, liegt in 
seiner Schlagfertigkeit und seinen gefüllten Gassen. 

Die englische Politik versuchte nun zuerst Holland und 
Bussland zu einem gemeinschaftlichen Vorgehen zu veranlassen. 



J ) A ruet h a. a. 0. ,,Die Absicht, so Er, König, für sich darunter führet, 
geht auf die Behaltung der Conqueten, welche er mittels Seiner Operationen 
über Preussen zu machen gedenkt." Graf Ostein an die K ö n i g i n, London, 
13. Februar 1741. (K. und k. H. H. u. St. A.) 



259 

Bei den General-Staaten wurde es nicht leicht, den Ansichten 
Englands Eingang zu verschaffen, die Stimmung in den Pro- 
vinzen war getheilt und eher eine furchtsame, als thatkräftige. 

Die einilussreichsten unter den Regenten waren der Meinung, 
so lange die Dinge in Amerika nicht entschieden seien, dürfe man 
sich in nichts einlassen ; das englische Ministerium, das übrigens 
auf schwachen Füssen stehe, könne den Krieg gegen Frankreich 
nicht vermeiden und müsse darum Preussen schonen. Der britische 
Premierminister Robert Walpole wage nicht, den Krieg an 
Frankreich zu erklären, wie die Nation wünsche, weil Holland zur 
Hilfe nicht verpflichtet sei, wenn von England der Angriff aus- 
gehe ; aus demselben Grunde werde sich Frankreich hüten, mit 
der Kriegserklärung voranzugehen und so könne die Republik 
vorläufig Zuschauer bleiben. 

Günstiger wurde erst die Stimmung der Hochmögenden im 
April, als die am 1. jenes Monats fälligen Zinsen der schlesischen 
Anleihe nicht eingelöst werden konnten und in Folge davon die 
Actien um 15 Percent fielen. 1 ) 

Als der stärkste Hort der sich zum Schutze der Interessen 
Maria Tlieresia's bildenden Staaten- Gruppierung wurde Russ- 
land betrachtet. 

Aber auch hier fanden sich starke Gegenströmungen. Nach 
dem Tode der Kaiserin Anna hatte der Herzog Biron von 
Kurland die russische Politik geleitet, unter dem FM. M ünnich 
und General Osterman n schon von grossem Einfluss waren. 

Doch war B i r o n's Herrschaft nur von kurzer Dauer gewesen. 
Nach seinem Sturze (20. November 1740) trat FM. Münnich an 
die Spitze des Ministeriums, während General Oster mann vor- 
nehmlich das auswärtige Amt leitete. Die Hinneigung zu Preussen, 
wie sie noch nach dem Tode Kaiser C arl's VI. bestanden hatte und 
welche Ausdruck in einer engiisch-russisch-preussischen Allianz 
finden sollte, war durch Preussens Absichten auf Schlesien wesentlich 
abgeschwächt worden. Ein Schreiben der Regentin vom 16.Decembcv 
trat lebhaft für die Aufrechthaltung der pragmatischen Sanction ein 
und sprach den dringenden Wunsch aus, der König möge nichts 
unternehmen, ,, wodurch in dem grössten Theile Europas ein nicht 
wieder zu dämpfendes Kriegsfeuer entstehen werde." 2 ) 



J ) Grünhagen, „Geschichte des ersten schlesischen Krieges". I, 282 
nach Ranke, „Zwölf Bücher preuss. Geschichte", III und IV, 413. 
2 ) Dro y s e n, „Geschichte der preuss. Politik". V/1, 202. 

17* 



260 

Diese ungünstigen Strömungen hatten die Relationen des 
preussischen Geheimen Etatsrathes und ausserordentlichen Gesandten 
in Petersburg, Freiherrn von Mardefeld an König Friedrich II. 
vollauf bestätigt. x ) Die Weisungen, welche derselbe am 6. Januar 
in Folge dessen erhielt, ermächtigten ihn, Alles daran zu setzen, 
dem Könige „die Gunst des Hofes in der gegenwärtigen Krise zu 
verschaffen". 2 ) 

Das erwähnte Abmahnimgsschreiben der Regentin an König 
Friedrich erweckte bei den Gegnern Preussens erneuertes Ver- 
trauen auf die Gewinnung der nordischen Macht. 

Sehr vorsichtig waren die Instructionen gehalten, welche der 
englische Gesandte in St. Petersburg, Mr. F i n c h, erhielt. Ende 
des Jahres 1740 empfieng er die Weisung, zu berichten, wie Russ- 
land über die pragmatische Sanction und Preussens Absichten auf 
Schlesien denke, dann am 9. Januar die Frage, ob Russland geneigt 
sei, der Verschwägerung König F r i e d r i c h's mit dem Gemahle 
der Regentin wegen 3 ) Preussen freies Spiel zu lassen oder sich 
dagegen stellen wolle. Gleichzeitig erhielt er die Mittheilung von 
bevorstehenden gemeinsamen Schritten Englands und Hollands, 
jedoch mit dem Vorbehalt, nur wenn man Russlands ganz sicher 
sei, um die deutschen Erblande König Georg's gegen einen 
plötzlichen Angriff zu sichern. 4 ) 

Zu Anfang des Jahres 1741 kam als ausserordentlicher Ge- 
sandter der Königin Maria Theresia FML. Marchese Botta 
d'A domo nach Petersburg. Er hatte sich von Berlin, wo er am 
29. November 1740 eingetroffen war und vergebliche Verhandlungen 
geführt hatte, auf den Befehl seiner Monarchin nach Petersburg 
begeben 5 ), wo er am 17. Januar 1741 anlangte. 



J ) Politische Correspoudenz, I, Nr. 242. 

2 ) „Ich hoffe, Sie werden nicht vergeblich arbeiten, vorausgesetzt, dass 
Sie es richtig anfassen, indem Sie immer mehr anbieten, als der Marchese 
Botta zu versprechen vermag." An Mardefeld, 6. Januar 1711. Politische 
Correspoudenz, I, Nr. 24ß, 

3 ) Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel war der 
Bruder der Gemahlin König Friedrich II. 

4 ) Londoner Eecord-office. Bei Grünhagen, Erster schlesischer Krieg, 
I, 286. 

5 j H. H. u. St. A. Rescript vom 9. December 1710. „Sollte Preussen 
vom Einfall in Schlesien nicht abwendig zu machen sein, so hättest Du Dich 
unter dem Vorwand eines bei dem neuen Czaren und dortiger Regentin ab- 
zulegenden Compliments ungesäumt nach Petersburg zu begeben." 






261 

Die Sendung dieses Generals hatte bei der Grossfürstin einen 
sehr guten Eindruck gemacht und in Folge dessen war B o 1 1 a's 
Aufnahme sowohl bei Hofe, als bei den höchsten Würdenträgern 
eine ungemein auszeichnende. x ) 

Dennoch hatte der Sendbote MariaTlieresia's gewiss keinen 
leichten Stand. Den Premierminister Grafen Münnich leiteten 
schon verwandtschaftliche Bande König Friedrich zu, da sein 
Schwiegersohn Major von Winterfei clt in der preussischen Armee 
diente, mehr vielleicht noch die Geschenke und Versprechungen; 
er suchte hinzuhalten, um Friedrich H. Zeit gewinnen zu 
lassen. Graf Ost ermann, der jedoch bei Weitem nicht den 
ausschlaggebenden Einfluss hatte, neigte seinerseits zu einer Politik 
der That und sprach sich für die Untrennbarkeit der österreichischen 
Erblande aus. Allerdings war Eifersucht gegen den Premierminister 
die Haupttriebfeder seiner Handlungen. 2 ) 

Jedenfalls wollte man in St. Petersburg erst genau wissen, 
was die andern Geranten der pragmatischen Sanction zu thun 
willens seien und da die Couriere nach Dresden und Wien wochen- 
lang brauchten, so dehnten sich die Verhandlungen naturgemäss 
unabsehbar in die Länge. 3 ) 

Sachsen hatte bereits seine Geneigtheit ausgesprochen, mit 
dem Hofe von St. Petersburg gleichförmig vorzugehen und in 
diesem Sinne seinen Gesandten, den am Hofe sehr einilussreichen 
Grafen L y n a r, angewiesen. 

Schon am 9. December des Vorjahres hatte Maria Theresia 
ihren Residenten beauftragt, die „allianzmässige Hilfe ungesäumt 
zu reclamieren" und am 30. December demselben befohlen, dass 
er bei Uebergabe der ihm übersandten Schreiben an die Gross- 
fürstin-Regentin auf die russische Hilfeleistung dringen solle, „es 
sei gleich, dass man sich zu einer Diversion einverstehen oder Uns 



*) Bei der ersten Audienz B o 1 1 a's sagte ihm die Grossfürstin nach den 
üblichen Begrüssungsworten : ,,Der König von Preussen fangt schöne Sachen 
an !" B o 1 1 a erwiderte, dass die Grossfürstin leicht werde entscheiden können, 
„auf welcher Seite die Gerechtigkeit sei". Sie replicierte, „man wolle sehen, 
wie man Friede machen könne und in Entstehung dessen Euer königlichen 
Majestät mit der Hilfe dennoch nicht ermangeln". Bericht B o 1 1 a's vom 
21. Januar 1741. (H. H. u. St. A.) 

2 ) Bericht des österreichischen Residenten Nicolaus Sebastian Edlen von 
Hohenholtz, ddo. St. Petersburg, 10. Januar 17-11. (H. H. u. St. A.) 

3 ) Von Wien nach Petersburg brauchten die Cabinets-Couriere ge- 
wöhnlich 26 bis 27 Tage ; in sehr seltenen günstigen Fällen mindestens drei 
Wochen. 



262 

das ausbedungene Hilfs-Corpo, zum Fall es gleich in blosser Infanterie 
bestände, zusenden wollte. Wir lassen diesfalls nach Massgabe des 
Allianz-Traetats *) dortigem Hof die Wahl, wiewohl die vorhin 
schon in Vorschlag gebrachte Diversion das leichteste und zugleich 
ausgiebigste Hilfsmittel wäre. Am Ende aber kommt Alles darauf 
an, dass Uns wenigstens auf die eine oder andere Weise die reale 
Hilfe ehebalcligst zu Statten komme". 

Ausser dem casus foederis begehrte man von Russland dessen 
Vorschub bei anderen Höfen, vornehmlich bei dem königlich pol- 
nischen und chursächsischen, bei England, Holland und Dänemark. 
„Du sollst ansuchen, dass die russischen dortigen Ministri mit den 
unserigen de concert vorgehen. Zu Dresden ist das hauptsächlich 
nötliig." 2 ) 

Dorthin war zur Unterstützung des durch Alter und körper- 
liche Gebrechlichkeit für die Verhandlungen wenig mein geeigneten 
Grafen Wratislaw der Graf Joseph Kheven hüller entsendet 
worden. Auf Grund des Vertrages von 1733 3 ) hatte man hier 
seitens der Königin Maria Theresia schon am 10. December 
1740 Waffenhilfe zur Erhaltung der pragmatischen Sanction begehrt. 
Den Casus foederis betrachtete man als gegeben, sobald Preussen 
in Schlesien einrücke. Die dagegen erforderlichen Vorkehrungen 
wären durch gemeinsames Einverständniss ohne Zeitverlust fort- 
zusetzen. Auf drei Sachen komme es dabei an: was von Wien aus. 
was vom König von Polen, sowohl als König, wie als Churfürst zu 
geschehen hätte, endlich was bei anderen Mächten, um sie in das 
Einverständniss zu ziehen, zu betreiben wäre. Dass man eine Ent- 
scheidung in Dresden rasch erwartet hatte, darauf deutet der Wort- 
laut des Erlasses an Grafen W r a t i s 1 a w. 4 ) 



J ) Vom Jahre 1732. 

2 j Weisungen an H o h e n h o 1 1 z vom 30. December 1740. (H. H. u. St. A . 

3 ) Autriche-Saxe, Alliance. Yienne, 16. Juillet. T e t o t. Repertoire des 
traites de paix etc. 

4 ) ,,Quoad Secundum gibt der Tractat vom Jahre 1733 klar Ziel und 
Mass, was auch independenter von obhabender Yicariats-Obliegenheit des 
Königs Liebden zu thun verbunden. Das Wenigste also, was Wir von Dero- 
selben erwarten, ist, dass bei selbsterkanntermassen so nahe anscheinender 
Gefahr das in sothanem Tractat ausbedungene Hilfs-Corpo von nun an zu dem 
Ende in Bereitschaft gesetzet werde, um eveniente casu sogleich mit Unserem 
allda zusammenziehenden Corpo sich vereinbaren zu können. Und dieses 
zwar umso mehr, weil hiervon auch diesseitige Dispositionen abhangen, mit- 
hin man die chursächsische Erklärung ehemöglichst zu wissen nöthig hat. 
Worüber Du mit dortigem Landesguberno und dem dahin (nach Schlesien) 



268 

Die schwankende Haltung des verwandten Dresdener Hofes 
gegen die Tochter und Erbin Kaiser Carl VI. konnte in Wien 
jedoch nicht lange unbemerkt bleiben. 

August HL, Churfürst von Sachsen und König in Polen, 
hatte wenig politische Entschiedenheit. 

Die Eegierung ruhte seit 1738 in den Händen des Grafen 
Brühl, der allen Einflüssen zugänglich war, die seinen Reichthurn 
vergTÖssern oder seine Eitelkeit befriedigen konnten. 

Er schwankte in politischen Plänen hin und her. Im November 
1740 noch hatte Sachsen erklärt, es wolle seine Verpflichtungen 
gegen die Königin von Ungarn erfüllen. Auch König August, 
Anfangs überströmend von Versicherungen unverbrüchlicher Freund- 
schaft und Bundestreue, wurde doch bald darauf den Versuchungen 
persönlichen Ehrgeizes nicht mein- unzugänglich und hatte sich 
entschlossen, dort, wo es am wenigsten hätte der Fall sein sollen, 
in Pari s, sich um die deutsche Kaiserkrone zu bewerben. Eine ge- 
wisse Gereiztheit gegen die Königin von Ungarn gab sich auch 
in der Heftigkeit des Widerspruches kund, welchen er gegen die 
Erhebung des Grossherzogs von Toscana zum Mitregenten und 
gegen che Uebertragung der böhmischen Churstinrme an denselben 
laut werden Hess. In persönlicher Unterredung suchte der König, 
einen Abdruck der goldenen Bulle in der Hand, dem österreichischen 
Botschafter Grafen Wratislaw die Ungesetzmässigkeit jenes 
Schrittes und die Unbill darzuthun, welche hiedurch dem chur- 
fürstlich sächsischen Hause widerfahre. J ) 

Graf Heinrich Brühl antwortete am 14. December 1741 
auf das vom Grafen Wratislaw gestellte Begehren der vertrags- 
mässig zugesicherten Hilfeleistung: „Was gegenwärtigen Casum be- 
treffe, könne dem Grafen selbst nicht unbekannt sein, welchergestalt 



abgeschickten General Browne durch sichere Wege zu correspondieren und 
von dem Letzteren zu vernehmen hast, wo nach den seinerseits gemachten 
Dispositionen das chursächsische Hilfs-Corpo sich zu versammeln und wohin 
es sich allenfalls zu wenden hätte. Ueber das glauben Wir Ursach zu haben, 
Uns zu verstehen, dass, da Seine Liebden erkennen, sowohl quo Keichs- 
Vicarius zur Handhabung der allgemeinen Kühe noch insbesondere verbunden, 
als auch um der eigenen Anständigkeit willen interessiert zu sein, dem be- 
sagten Unwesen zu steuern, Seine Liebden es bei der Absendung oberwähnten 
Hilfs-Corpo nicht werden bewenden, sondern mit aller Macht und nach 
äussersten Kräften den allenfalls von Preussen ausgeübt werden dürfenden 
feindlichen Unternehmungen sich widersetzen wollen." Erlass an Wratislaw. 
(H. H. u. St, A., Staatskanzlei, Sachsen, Fase. III.) 
l ) A rnet h, Maria Theresia, I, 196. 



264 

in dem ob allegierten Tractat de anno 1733, Artikel 4° vorbehalten 
worden sei, dass, wenn derjenige Tlieil, welcher die Hilfsvölker zu 
stellen hätte, zu seiner eigenen Beschirmung seiner Kriegsmacht 
benöthiget wäre, selbiger solchenfalls von Gestellung des stipulierten 
Contingents dispensiert sein solle, mithin Seine Königliche Majestät 
in Polen wohl Ursach haben, bei jetzigen Conjuncturen auf die 
Sicherheit Dero eigener Lande zuvörderst bedacht zu sein. Man 
wünsche noch nähere Details, was in Bezug auf Preussen geschehen 
sei, um sich mit diesem Staate auseinanderzusetzen, respective um 
des Königs Freundschaft sich zu bewerben, so viel ohne Schmälerung 
der Erblande und ohne Kränkung der Gerechtsame eines Dritten 
sein kann." *) 

Das österreichische Cabinet konnte derartigen Anschauungen 
nur entgegenstellen, ,,dass die vereinigte Macht derjenigen, welchen 
an Aufrechterhaltung der pragmatischen Sanetion gelegen ist und 
welche dazu verbunden sind, das sicherste, ausgiebigste, eigentlich 
das einzige Mittel sei", „um der zu deren Unterbruch andringenden 
gewaltthätigen Obermacht den gehörigen "Widerstand zu tlmn, anstatt 
dass, wo sich durch unbegründete arglistige preussische Vorgeben 
sollte irre gemacht oder lediglich jedenorts auf die eigene Sicher- 
heit, ohne Rücksicht auf die gemeinsame, gedacht werden, am 
Ende unumgänglich auf die bedauerlichsten Folgen jeden dabei 
interessierten Theil, die Reichs Wohlfahrt, das Gleichgewicht und 
die Freiheit von Europa betreffen müssen". 2 ) 

Nach dem Eintreffen K h e v e n li ü 1 1 e r's in Dresden war in 
die Unterhandlungen ein etwas beschleunigteres Tempo gekommen. 
Neben den Bevollmächtigten Maria Theresia's, Kheven- 
h ü 1 1 e r und W r a t i s 1 a w, wohnten denselben von Seiten Sachsens 
der Günstling König August HL von Polen, Graf Brühl und 
P. Guarini S. J., der Beichtvater und Vertraute des Königs- 
Churfürsten, bei. Diese Berathungen fanden im Hause des russischen 
Gesandten Freiherrn von Keyserlingk statt. In einer Be- 
sprechung am 21. Januar winde für Sachsen als Erwerbung ge- 
fordert: Magdeburg, Halle, das Fürstentimm Crossen und Alles, 
was Preussen in der Nieder - Lausitz besitze, ausserdem der 
dritte Theil aller sonstigen, Preussen abzuringenden Conqueten ; 
daneben figurieren noch als Ersatz für die Kriegskosten der 



1 ) H. H. u. St. A. 

2 ) Erlass an Wratislaw, 29. December 1740. (H. H. u. St. A.) 



265 

Leitmeritzer, Schlaner und Saazer Kreis, eine Forderung, welche die 
österreichischen Diplomaten indessen ganz entschieden verweigerten. 

Diese Aussicht auf Landerwerb schien in Dresden so ver- 
lockend, dass das Geheininiss darüber nicht bewahrt wurde ; einige 
Tage nach jener Conferenz schon klagt der englische Legations- 
Secretär du Vigneau, class ihm. der preussische bevollmächtigte 
Minister Oberst Graf Finckenstein und der preussische Resident 
von A m m o n mit Fragen wegen eines angeblichen Offensiv- 
bündnisses gegen Preussen arg zugesetzt hätten. *) 

Die Punctationen fanden jedoch nicht die Genehmigung des 
Wiener Hofes. 2 ) Unmittelbar nachdem sie zu dessen Kenntnis s 
gelangt waren, gieng die Weisung an Hohenholtz nach Peters- 
burg ab, wie man sehr erstaune, dass der russische Vertreter in 
Dresden die masslosen Forderungen Sachsens unterstütze und man 
verlange, dahin zu wirken, dass der sächsische Hof durch den 
russischen „rectificiert und das ganze Werk so gefasst werde, dass 
man durch Russlands Verwendung sich Chur-Sachsens versichere", 
nicht aber umgekehrt. 

Zu Dresden könnten die Verhandlungen nicht einseitig geführt 
werden und müsse nach Marchese B o 1 1 a's Ankunft, der militär- 
und landeskundig sei, zu Petersburg gleichzeitig unterhandelt 
werden. Auch möge B o 1 1 a seine Gedanken über einen Operations- 
plan ehemöglichst einsenden. 3 ) 

König Georg von England hatte dem österreichischen Ge- 
sandten in London, dem Grafen stein, in mündlicher Beant- 
wortung der von demselben überreichten Note 4 ) in wiederholten 
Audienzen am 24. und 25. Januar eröffnet : 

„Ich erkläre hiemit, dass Ich mit aller meiner eigenen Macht 
und mit den anverlangenden dänisch- und hessischen Truppen 
auxiliar gegen Preussen agieren werde. Der Ts eher b at o w 5 ) hat 
mir auch angezeigt, dass Russland solches in dem polnischen Preussen 
zu thun entschlossen. Allein, wird man demnach keinen Frieden 
ohne mich machen, auch mich schadlos zu halten bedacht sein". 6 ) 



*) Bei Grün ha gen, Erster schlesischer Krieg, I, 306, nach dem 
Record-office. 

a ) Der Wortlaut der Punctationen in Anhang XLV. 

3 J Erlass an Hohenholtz vom 27. Januar 1741. (H. H. u. St. A). 

4 ) Anhang XLVI. 

5 ) Russischer Gesandter in London. 

6 ) s t e i n's Bericht v. 27. Januar 1741. (H. H. u. St. A.) 



266 

Am 25. Januar in einer weiteren Unterredung mit dem König, 
versprach derselbe, an den englischen Vertreter in Petersburg den 
Befehl zu erlassen, zur schleunigen Action der russischen Armee 
dort „das nur Mögliche anzuwenden". 

Er habe bereits befohlen, die Dänen und Hessen in den Sold 
Englands zu übernehmen und auch sobald als möglich in Marsch 
zusetzen, Lord Harrington habe schon das förmliche Ansuchen 
um diese Truppen an die zu London residierenden Vertreter beider 
Höfe gerichtet. Bei Sachsen sei bisher in gleicher Weise unter- 
handelt worden und würden diese Unterhandlungen eifrig fort- 
gesetzt. Mit äusserster Mühe habe er bei den General-Staaten das 
Erreichbare erlangt. 

Seinerseits geschehe, was nur irgend möglich sei, allein es 
sei undenkbar, class die Auxiliar-Truppen so rasch versammelt 
und zur Action bereit gestellt werden könnten. Uebrigens werde 
er zur Betreibung der Angelegenheiten, welche das Römische Reich 
beträfen, einen Bevollmächtigten von Hannover nach Dresden 
absenden lassen, dem er den Befehl eigens ertheileii werde, besonders 
mit dem Grafen K h e v e n h ü 1 1 e r einverständlich zu Werke zu 
gehen, hauptsächlich um das so sehr nützliche gute Vernehmen 
zwischen der Königin Maria Theresia und dein dortigen König- 
Churfürsten herzustellen. *) 

Li Folge dessen hatte nun auch Lord Harrington am 
3. Februar den Gesandten in Petersburg angewiesen, den russischen 
Hof dahin zu bewegen, ohne Zeitverlust ein ansehnliches Corps 
nach Preussen zu senden. 2 ) 

Jedoch ebenso wie England die Initiative von Russland er- 
wartete, verlangte dieses, bevor es die Action beginne, class die 
Seemächte in das gemeinsame Concert einträten. Vorläufig begnügte 
man sich in St. Petersburg damit, Befehl zur Aufstellung von 
40.000 Mann zu geben und versprach die See- und Landmacht bis 
zum Monat April in completen Stand zu setzen. 3 ) 

Auf Wunsch des Cabinets von St. James wurde dem Grafen 
Ostein am 5. Februar der gemeinsame Plan, wie er in Wien in 
grossen Zügen entworfen worden war, zur Mittheilung an den 
befreundeten Hof übersendet. 4 ) 



') O s t e i n's Bericht v. 27, Januar 1741. (H. H. u. St. A.) 
2 ) Bei G-rünhagen I, 291, nach Acten des Record-office. 
s ) Botta's u. Hohenholtz' Bericht v. 4. Februar 1741. (H. H. u. St. A.) 
4 ) „Ganz natürlich ist in Ansehung der zu wissen verlangten eigenen 
hiesigen Vorkehrungen, dass da eine solche Begebenheit, wie die preussische. 



267 

Danach sollten Seitens Maria Theresia's wenigstens 
14 Cavallerie- und 15 Infanterie-Regimenter gegen Preussen in 
das Feld gestellt, dann bei Würzburg und Sachsen-Gotha um 
weitere 1 Infanterie und bei Hessen-Cassel um die im Unions-Tractat 
vom Jahre 1732 ausbedungenen 3200 Mann sollicitiert, endlich 
vom König von England als solchem die zu Englands Diensten von 
Dänemark und Hessen-Cassel bereit stehenden Truppen an die 
Königin Maria Theresia überlassen werden ; auch vom König 
als Churfürst wenigstens 6000 hannoverische Truppen zu Hilfe 
gesendet, oder mit diesen gesammten Truppen eine Diversion 
unternommen und letztlich von der Republik Holland an Chur- 
Sachsen die Vergütung der über das ausbedungene Quantum ge- 
leisteten Hilfe zugesagt werden. Gleichwie man nun Busslands 
sicher sei, so hoffe man auch Chur-Sachsen mit seiner ganzen 
Macht gegen Preussen zu gewinnen. Dadurch sei die Hoffnung nicht 
ungegründet, class auch die Polen nicht lang ruhig bleiben würden. *■) 

Trotz aller Bemühungen der österreichischen Diplomaten, trotz 
ihrer wiederholten Erklärung, class der Tractat zwischen Oesterreich 
und Russland durchaus nichts davon enthalte, dass der zur Hilfe- 
leistung angerufene Theil erst andere Höfe zu fragen habe, ob sie in 
das Concert eintreten wollten, nahmen die Verhandlungen am Peters- 
burger Hofe noch immer einen schleppenden Verlauf. Doch traten 
Symptome zu Tage, wonach Münnich's Einfluss und seine sich 
zugeeignete fast despotische Gewalt sowohl in Staatsgeschäften, als 
in Militär-Sachen ziemlich beschnitten und ihr Schranken gesetzt 
werden dürften. 2 ) 

Auf das vom FML. Marchese Botta, bald nach seiner 
Ankunft übergebene Promemoria, welches che Begehren Maria 
Theresia's enthielt, wurden am 17. Februar endlich beide 
Gesandte zu einer Besprechung mit M ü nnic h und Ostermann 
eingeladen. Der Letztere wollte mündliche Auskünfte ertheilen, Botta 



ganz unglaublich geschienen und da insonderheit von dem .Robinson sie 
mit, der beigefügten ausdrücklichen "Warnung dafür ausgegeben worden, dass 
man ja durch keinen voreiligen Passuni dem König von Preussen ein Miss- 
trauen bezeigen und besorglich ihn andurch zu etwas, woran er nicht 
gedächte, reizen möchte ; ihm, König von Preussen, Anfangs alles nach 
Wunsch und über die Erwartung glücken musste". Rescript an Ost ein vom 
5. Februar 1741. (H. H. u. St. A.) 

J ) Rescript an O s t e i n, 5. Februar 1741. 

~) Bericht der Gesandten in St. Petersburg v. 7. und 14. Februar. (H. H. 
und St, A.) 



268 

und Hohenholtz wiesen jedoch darauf hin, dass die Grossfürstin- 
Regentin auch schriftliche Antwort versprochen habe. Aus dieser 
gieng dann hervor, dass das russische Cabinet die unmittelbare 
Beistellung und Hilfeleistung von Truppen für nicht opportun erachte, 
da der König von Preussen andere Allianzen eingehen werde. 
Ausserdem habe Russland Rücksichten zu nehmen auf Schweden, 
die Türken und auf den Schah von Persien. Man recrutiere inzwischen 
die gesammte Armee und werde schon demnächst einige Regi- 
menter westwärts verlegen. 

„Man habe hiesiger (russischer) Seite die schlechte Verfassung 
in Schlesien mit vieler Betrübniss angesehen, daher würden Eure 
königliche Majestät durch unverzügliche gute Veranstaltungen 
sowohl den hiesigen, als andere Höfe zur Hilfeleistung bestermassen 
encouragieren". 

Münnich erklärte endlich decidiert und offen, „dass, wenn die 
Seemächte gegen Preussen nicht Theil nehmen und in das Concert 
mit hiesigem Hofe nicht treten sollten, Eure königliche Majestät 
sich keine Rechnung auf die hiesige russische Hilfeleistung alsdann 
zu machen hätten." J ) 

Die Grossfürstin-Regentin wünschte jedoch, dass etwas für 
die Königin Maria Theresia geschehe, welche durch den 
Kämmerer Grafen "W" i 1 c z e k ihre am 13. März erfolgte Entbindung 
hatte notificieren lassen 2 ) und Graf Ostermann erkannte hier 
den Punct, wo es möglich war, den Einnuss des Grafen Münnich 
auf die Staatsgeschäfte zu vermindern. Letzterer hielt an seiner 
Gesinnung zu Gunsten Preussens unentwegt fest, suchte aber bei 
der Stimmung des Hofes, welche sich nach und nach sehr zu Gunsten 
der Königin von Ungarn und Böhmen zu äussern begann, 
Aufschub in einer zuwartenden Politik, stets daran festhaltend, 
dass, bevor Russland sich endgiltig entscheide, die Seemächte sich 
erklärt und Oesterreich und Sachsen sich geeint haben müssten. 



') Bericht der Gesandten in St. Petersburg v. 20. Februar 1711 n. S. 
iH. H. u. St. A.) 

2 ) „Unsere den 13. d. in der Früh zwischen 2 und 3 Uhr erfolgte glück- 
liche Entbindung mit einem. Erzherzogen (Joseph) wird auch überall im 
Reich den Sachen eine weit günstigere Gestalt geben und um selbe zu 
notificieren, Unseren Kämmerer Grafen von Wilczek eigens nach Petersburg 
abgeschickt. Wir sind also der russischen Armee- Vorrückimg in das Preussische 
ehestens zu vernehmen gewärtig. Und verbleiben Euch mit königl. und 
landesfürstl. Gnaden wohlgewogen." Rescript vom 16. März 1741 an die 
Gesandten in St. Petersburg. (H. H. u. St. A.) 



26b 

Das einzige, allerdings wichtige Resultat, was Münnich 
mit Aufbietung aller Mittel durchsetzte, war die schon längere 
Zeit von ihm geplante Abberufung des russischen Gesandten in 
Dresden, des Freiherrn von Keyserlingk, welcher dort für eine 
prononcierte Actions-Politik, wie bereits geschildert, wirkte. An 
dessen Stelle wurde der russische Oberst Friedrich Ludwig Graf 
S o 1 m s -W ildenfels, ein naher Verwandter M ü nnic h's, Anfangs 
Mai nach Dresden gesandt. r ) 

Heftige Schwankungen folgten nun am Hofe zu Petersburg, 
das Ringen zwischen Ostermann und M ü nnic h, dessen Stern 
zu sinken begann, wurde heftiger, der österreichische Einfluss war im 
Wachsen. Nicht ohne Besorgniss theilte jedoch noch Anfangs März 
Herzog Anton Ulrich dem englischen Gesandten Finch mit. 
dass der König von Preussen Alles in Bewegung setze, der Regentin, 
welche eine Tochter des Herzogs Carl Leopold von Mecklen- 
burg-Schwerin war, die Succession in Mecklenburg nach Vater und 
Oheim angeboten habe 2 ), sowie ihm selbst das Herzogthum Kurland, 
dem Grafen Ostermann 100.000 Kronen. Der Premierminister 
(Münnic h) sei dagegen vollständig gewonnen und auch bezüglich 
der Favoritin der Regentin, dem Fräulein von Mengden, sei zu 
befürchten, dass das ihr übersendete, in Brillanten gefasste Portrait 
der Königin von Preussen Eindruck machen werde. 3 ) Trotzdem 
scheiterte die Auswechslung der Ratificationen des im December 
1740 mit Preussen abgeschlossenen Vertrages 4 ), da der preussische 
ausserordentliche Gesandte in Petersburg, Freiherr von Mard e- 
feld, sich, weil angeblich die russische Ratification mehrere 



') Grünhagen, I. Schlesischer Krieg I, 293 u. ff. 

2 ) „Der russische Hof gestattet, dass jener von Berlin Schlesien nimmt 
und wird der Königin von Ungarn keine Hilfe senden, wenn Preussen nicht 
w eitergreift ; zum Tausch dafür wird jenes den Herzog Carl Leopold 
wieder in die Kegentschaft einsetzen, welcher zur Belohnung durch die Vasallen 
und Unterthanen die eventuelle Huldigung darbringen lassen wird. Und man 
wird es auf andere Weise anstellen, dieselbe vom Gebiete von Strelitz zu er- 
langen." Beilage zu einem Rescript, Nomine Eeginae unterzeichnet vom 
Grossherzog vom 16. März 1741 an den Gesandten in St. Petersburg. (H. H. 
u. St, A.) Vergl. auch „Politische Correspondenz", I, Nr. 257 und 260 
Kurland wird in ersterem dem Prinzen Ludwig von Braunschweig zu- 
gedacht. 

3 ) Grünhagen, Erster schlesischer Krieg. I, 292. Nach einem Be- 
richte des englischen Gesandten vom 21. Februar a. St. von Record-office. 

4 ) Siehe I. Bd., 2. Theil, des vorliegenden Werkes ,.Die praktische Vor- 
bereitung zum Kriege", 1015, 1080 u. a. O. 



270 

zweideutige Wendungen enthalte, weigerte, dieselbe anzunehmen. 1 ) 
Endlich Mitte März ward M ü nnic h in seinem Einflüsse wesentlich 
beschränkt, der Herzog von Braun schweig übernahm als 
Generalissimus die Leitung der Militär-, s t erm ann jene der 
Staatsgeschäfte. M ünnich blieb allerdings dem Titel nach noch 
Premierminister, doch hatte er keinen Einfluss mehr. ' J ) 

Die Regentin, ihr Gemahl und Graf Osterman n waren nun 
die massgebenden und den Gang der russischen Politik bestimmenden 
Personen. Triumphierend äusserte Herzog Anton Ulrich beim 
Sturze Münnich's gegen den englischen Gesandten, „der grösste 
Stein des Anstosses sei nun aus dem Wege geräumt." 3 ) 

M ünnich, der doch noch die Hoffnung liegen mochte, eine 
günstigere Wendung der Dinge für Preussen herbeizuführen und 
dieses Beginnen scheitern sehen musste, fasste nun im Einverständniss 
mit der Grossfürstin Elisabeth den Plan, durch eine Palastrevolution 
die Regentin zu stürzen, wurde jedoch, da diese Absicht nicht 
geheim blieb, interniert und ofnciell ,,ä cause de son äge et de ses 
infirmites" aller seiner Aemter enthoben. 4 ) 

In Dresden war inzwischen der hannoversche Geheimrath von 
dem Busche angekommen und hatte, sowie der dort angelangte 
englische Gesandte Villiers mit den sächsischen Ministern im 
Auftrage König Georg H. von England, Churfürsten von Braun- 
schweig-Hannover, über Aufstellung zweier Observations-Armeen 
verhandelt, was umso dringender schien, als König Friedrich H., 
um Sachsen vorläufig wenigstens im Schach zu halten, ein preussisch.es, 
auf etwa 26.000 Mann berechnetes Observations-Corps unter dem 
Fürsten Leopold von A nh a 1 t-D e s s au in das Lager von Göttin, 
südlich von Brandenburg bestimmt hatte. 5 ) 



*) D r o y s e n, Geschichte der preussischen Politik, V, 224. 

2 ) Die Gesandten in Petersburg erwähnen in dem Berichte, in welchem 
sie die vollzogene Thatsache melden, es sei ein Glück, „dass der der Königin 
so übelgesinnte und feindselige Mann seiner Würden enthoben ist". Bericht 
vom 14. März. (H. H. u. St. A.) 

3 ) Grünhagen, Erster schlesischer Krieg, I, 295. 

4 ) Bericht der Gesandten vom 21. März 1741. (H. H. u. St. A.) 

5 ) Am 28. Februar hatte Fürst Leopold von An h a 1 1 berichtet, 
dass er drei Viertelstunden von Brandenburg einen zur Aufstellung des Be- 
obachtungs-Corps geeigneten Lagerplatz gefunden habe; auf den Flügeln be- 
fanden sich die Dörfer Göttin und Krabne, vor der Mitte die Ortschaft 
Beckahn. Die Cavallerie könnte aus dem vor der Front befindlichen Bache, 
der Plane, tränken; die Felder lägen brach. In drei kleinen oder zwei grossen 
Märschen könnte man von dort nach Berlin : in dreien nach Magdeburg 



271 

Der bevollmächtigte englische Minister Sir Thomas Villiers 
hatte in Dresden die der Königin Maria Theresia günstige Ge- 
sinnung seines Hofes mitgetheilt und war von den Gesandten der 
Monarchin angegangen worden, das sächsische Ministerium endlich 
zu einem definitiven Entschlüsse zu bestimmen. Es geschah dies 
zur gleichen Zeit, in der auch König Friedrich II. mit starken 
Mitteln in Dresden arbeitete. Der preussische Gesandte Graf 
Finkenstein sollte als Preis für eine Allianz mit Preussen den 
sächsischen Churfürsten „mit den stärksten Versicherungen meiner 
Freundschaft und der unerschütterlichen Anhänglichkeit, welche 
ich für ihn und seine Interessen hege, überhäufen, indem er ilim 
anbietet, dass ich ihn nicht nur das Königreich Böhmen gewinnen 
lassen, sondern ihm auch den Besitz von Sagan, ja selbst 
dessen, was ihm von Ober-Schlesien als zusagend dünkt, 
verschaffen werde. Sollte aber dieser Fürst Miene machen, die 
Allianz mit Oesterreich und dessen Interessen jener mit mir vor- 
ziehen zu wollen oder sich einfallen lassen, mit Complimenten und 
Doppelsinnigkeiten zu antworten, soll besagter Minister am Tage 
nach seinen Vorschlägen eine Abschieds-Audienz verlangen." ! ) 

Die Schwierigkeiten für die österreichischen Diplomaten, bei 
dem Dresdner Cabinet durchzudringen, häuften sich aber gerade zu 
jener Zeit, da Sachsen die dem Grossherzog übertragene Vertretung 
der böhmischen Churstimme durchaus nicht anerkennen wollte, ja 
so weit gieng, dem Reichs- Quartiermeister anzubefehlen, dass für 
die Wahlgesandten der Krone Böhmen in Frankfurt kein Quartier 
angewiesen werde. 2 ) Jedoch ward diese Schwierigkeit behoben. 3 ) 

In Dresden wurden nun aber neben den Verhandlungen 
auch die Rüstungen eifrig gefördert. 

Der sächsische Hofkriegs-Vicepräsident von Unruh konnte 
dem Grafen Wratislaw Anfangs März versichern, dass „man 



gelangen. Die sächsische Grenze sei nur eine starke Meile entfernt. (Kriege 
Friedrich d. Gr., I, 307.) 

: ) Der König an Podewils. Rauschwitz, 23. Februar 1741. Polit. 
Corresp. I. 287. 

2 ) „Unmöglich könnte unfreundlicher und reichssatzungswidriger, als von 
Chur-Sachsen geschieht, gegen Uns zu Werk gegangen werden. Ihr habt Euch 
also darüber mit allem anständigen Nachdruck zu beklagen und von Unsert- 
wegen auf jenem zu bestehen, wohin mittelst obangezogener hiesiger Antwort 
vom 20. d. angetragen worden; massen man, ohne seine Gerechtsame zu prä- 
judicieren, davon nicht abstehen kann." MariaTheresia an den Gesandten 
in Dresden, 26. Februar 1741. (H. H. u. St. A.) 

*) Sinzendorff an Botta, 11. März 1711. (11. H. u. St. A.) 



272 

hierorts unter der Hand die Truppen immer mehr und mehr und 
zwar auf solche Art verstärke, dass dieselben mit dem ersten Wink 
zu marschieren und dem Feind zu Leib zu gehen im Stand wären". 
Mitte März werde sogar die Artillerie sammt ihren Bespannungen 
zum Ausmarsch bereit sein. 

Sachsen, das jetzt viel umworbene, hätte durch eine ent- 
scheidende Erklärung in diesem Augenblicke der Sache Maria 
Tlieresia's bedeutende Vortheile zuwenden können. 

Selbstverständlich arbeiteten die französischen und bayerischen 
Diplomaten am Hofe König A u g u s t's im entgegengesetzten Sinne. 
In Wien klagte man, dass das vor dem Einfall in Schlesien 
zwischen Russland und Preussen geschlossene Defensivbündniss von 
Bayern gebraucht werde, um das gute Verhältniss Preussens zu Russ- 
land zu beweisen. Russland erwarte die definitive Entschliessung zum 
Handeln noch immer von den Seemächten, die dänischen und hessen- 
cassel'schen Auxiliar-Truppen seien zur Hand, wenn man sie nur mar- 
schieren lassen wolle ,, und wenn nur Jemand auf Preussen zufallen 
anfängt, so werden mehrere dem Vorgang auch unersucht zu folgen 
nicht säumen". Nothwendig sei vor Allem eine öffentliche solidarische 
Erklärung, um Chur-Bayern am Losschlagen zu verhindern. x ) 

Am 13. März erhielt der Gesandte in London, Graf stein, 
die Vollmacht zum Abschluss einer Convention, gleichzeitig mit dem 
Entwurf derselben. 2 ) 

Doch machte die Entente noch immer keine greifbaren Fort- 
schritte. Die Seemächte erklärten endlich schwerfällig „die gute 
Disposition und Bereitwilligkeit, mit Russland in ein concerto ein- 
zutreten" und Graf Ostermann theilte am 25. März den Ge- 
sandten Maria Tlieresia's mit, Russland habe sich entweder zu 
einer Diversion erboten, zu welcher es 30.000 Mann nothwendig 
habe, oder zu einer gemeinsamen Action mit den Seemächten. 
Diese letzteren sollten daher gedrängt werden, an ihnen liege das 
Versäumniss. 3 ) Rechnet man zu den Schwerfälligkeiten des da- 
maligen diplomatischen Verkehrs nun noch die enorme Zeit, welche 
die über Grodno und Warschau nach Wien gehenden Couriere be- 
nöthigten, eine Route, die unter 20 Tagen im günstigsten Falle gar nicht 
zu bewältigen war, so wird die ausserordentliche Langsamkeit der Ver- 
handlungen, zu denen meistens auch der gute Wille fehlte, erklärlich. 



) Erlass an Grafen Ostein, 14. März 1741. (H. H. u. St. A.) 
: ) Erlass an Grafen Ostein, 13. März 1741. (H. H. u. St. A.) 
') Bericht desGesandten iu St. Petersburg vom 28. März 1741. ( H. H. u. St. A.) 



273 

Endlich schien jedoch Klarheit in die hin- und herschwankenden 
Verhandlungen zu kommen. 

Der sächsische Gesandte Graf Lyn ar erhielt nämlich am 
22. März durch einen Courier Nachricht und theilte dieselbe den 
österreichischen Diplomaten mit, ,,dass Chur-Sachsen mit dem 
König von England, qua Churfürsten von Hannover, in puncto der 
Zusammensetzung gegen Preussen richtig sei und man dabei nur 
zu wissen verlange, wann, wo und mit welcher Anzahl Truppen 
Russland gegen Preussen agieren wolle und werde". 

Graf Ost ermann rieth dem sächsischen Gesandten, als letz- 
terer ihm diese Mittheilung machte, ,,über diese drei Puncte ein Pro- 
memoria einzureichen", was dieser befolgte, worauf der Act der 
Grossfürstin-Regentin vorgelegt wurde. 

Die österreichischen Diplomaten waren über diese Wendung 
der Dinge erfreut, da der russische Hof, „nachdem er nunmehr 
weiss, was er zur Nehmung einer Entschliessung immer hat wissen 
wollen, endlich auf dieses so deutliche Promemoria kathegorice zu 
antworten sich nicht leicht und umso weniger wird entschütten 
können, als Graf L y n a r in die Sache seines Hofes mit der 
grössten Specialität und Präcision eingegangen, nämlich, dass 
Chur-Sachsen 17.000 Mann zur österreichischen Armee stossen, 
8000 Mann auf den am meisten exponierten Grenzen halten 
und den Rest indessen nach Erheischung der Umstände ver- 
theilen werde, beinebst man auch nur die Antwort des russischen 
Hofes in Dresden zurückerwarte, um mit der Königin Maria 
Theresia das entamierte Werk vollkommen auszumachen und zu 
schliessen". v ) 

Botta und Höh enh oltz bemerkten übrigens schliesslich 
noch, „dass der preussische ausserordentliche Gesandte Freiherr 
von Mardefeld bei dem Prinzen von Braunscliweig gewesen 
sei und angefragt habe, ,,ob das wahr sei, was man ihm von 
sicheren Orten in seinem Haus zur Nachricht habe wissen lassen, 
wie nämlich er sich in 24 Stunden würde von hier Irinweg begeben 
müssen". 

Der Prinz habe hierauf geantwortet, „dass ihm von allem 
diesem nicht das Geringste bekannt sei". Mardefeld habe ganz 
entschieden von dem Prinzen durch diese Frage andere Sachen zu 
erfahren die Absicht gehabt. Prinz Anton Ulrich fahre übrigens 



J ) Bericht des Gesandten in St. Petersburg vom 25. März 1741. (H. H. 
u. St. A.) 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. 18 



274 

„mit den vergnüglichsten Versicherungen in puncto der realen 
Hilfeleistung fort". 1 ) 

Der englische Gesandte in Petersburg klagt jedoch, dass 
Osterrnann keinen besonderen Eifer zur Förderinig der Ver- 
handlungen zeige und dass sich ,, immer mehr und mehr heraus- 
stelle, wie er nur, um Münnich zu stürzen, die Entente vor- 
geschlagen habe und, nun jenes Ziel erreicht, Schwierigkeiten zu 
machen verstehe, ganz wie Münnich. Finch musste die 
Klagen des sächsischen Gesandten anhören, dass, wenn er auf 
ernstliche Garantien wegen der von Sachsen zu erwartenden Land- 
entschädigung dränge, der russische Minister nur Ausflüchte suche 
und fand doch selbst, dass es Osterma n n nicht Ernst, von 
Kriegsrüstungen nicht viel zu bemerken und allerlei Gründe, an- 
gegriffene Gesundheit, Besorgniss vor Schweden und dergleichen 
zu Vorwänden fernerer Unthätigkeit herhalten müssten." 2 ) 

„Die beste Brücke zum Rückzüge baute übrigens England 
selbst dem russischen Minister, indem es jetzt, gegen Ende März, 
nachdem über ein Eintreten Frankreichs zu Gunsten Bayerns kein 
Zweifel mehr obwalten konnte, zu der Erkenntniss kam, das Beste 
sei doch, wenn Maria Theresia durch eine Abtretung in 
Schlesien den Beistand Preussens erkaufe, worauf man nun von 
London aus hinarbeiten wolle und davon in St. Petersburg Mit- 
theilung mache. Lord Har rington fügte hinzu, König Georg 
meine damit seinen früher geäusserten Principien nicht untreu 
geworden zu sein und gedenke, falls die Vermittlung misslinge, 
seine Coalitionspläne wieder aufzunehmen, Russland möge nur 
inzwischen auf alle Fälle seine Truppen an der preussischen Grenze 
zusammenziehen und Osterrnann den Operationsplan entwerfen." 3 ) 

„Dieser Auftrag musste dem englischen Gesandten in hohem 
Masse unerwünscht sein. Die Nachricht, dass Preussen bereits die 
Vermittlung Englands angenommen habe, unterdrückte er geradezu 
als zu bedenklich ; aber auch sonst sah er voraus, dass diese Er- 
öffnung nicht nur Russland den letzten Rest von Geneigtheit, bei 
dem Concerte mitzuwirken, benehmen, sondern auch ausserdem 
dem Grafen Ostermann willkommene Gelegenheit geben werde, 



J ) Ebenda. 

2 ) Bei Grünhagen, I. Schlesischer Krieg I. 295 nach Relationen des 
engl. Gesandten im Record-office. 

3 ) Bei Grünhagen, Har rington an Finch, 17. März 1741. 
Record-office. 



27.-) 

die Schuld der Vereitelung auf England zu wälzen, welche Er- 
wartungen dann auch in vollstem Masse eintrafen." x ) 

So nur konnte der merkwürdige Widersprach entstehen, dass 
gleichzeitig, während in Dresden die Verhandlungen über ein all- 
gemeines und gleichzeitiges Vorgehen energischer als bisher geführt 
wurden, die Hauptbetheiligten im Grunde schon einig waren, 
überhaupt nicht mitzuwirken. 

Bei der beispiellos zerfahrenen politischen Situation ist es 
nothwendig, den Blick wieder nach Dresden zu lenken, wo 
nach langwierigen Verhandlungen ein wenigstens im Princip be- 
stehendes Einverständniss zu Stande kam. Die politische Lage war 
eine so überaus eigenthümliche, dass, während der englische bevoll- 
mächtigte Minister in Dresden, Sir Thomas Villiers, sich anfänglich 
abmühte, eine Entente zwischen den Seemächten, Russland und Sachsen 
behufs Unterstützung Maria There sia's zu Stande zu bringen, 
der englische Gesandte in Wien, Sir Thomas Robinson, äusserte, 
dass von seinem Hofe die russische Gesinnung noch für zweifelhaft 
angesehen werde. 2 ) 

Das Wiener Cabinet verlangte in Folge dieser Eröffnungen, 
dass sämmtliche „rassische Minister an den auswärtigen Höfen mit ge- 
messenen Befehlen versehen würden, damit nirgends der geringste 
Zweifel bleiben, zumal en an preussischen Dichtungen, um jeden 
Hof an seiner Gedenkensart zu bethören, es gewiss nicht ermangeln 
wird." 3 ) 

Villiers erklärte den Gesandten der Königin Mitte März, 
dass die Einnahme Glogau's den Preussen neue Zuversicht gegeben, 
Sachsen aber bereits einer grösseren Gefahr ausgesetzt habe; je 
länger man also zögere und Preussen weiter um sich greifen lasse, 
auf je härteren Bedingungen werde Sachsen bestehen. 

Am 20. März Abends langte auch der frühere bayerische Gesandte 
in Wien, Graf Perusa, in Dresden an. Vor dessen Ankunft war schon 
ausgesprengt worden, dass Bayern in Böhmen oder Ober-Oesterreich 
einfallen wolle, man verbreitete, die Türken würden in Action 
treten und der türkische Botschafter in Wien „habe wirklich Befehl 
bekommen, die Ueberlassung des Temesvärer Banats zu ver- 
langen". 



x ) Ebenda. 

2 ) Maria Theresia au Botta. 29. März 1711. (H. H. u. St. A.) 



3 ) Ebenda. 



IS* 



276 

Wenn nun auch das Königspaar und der leitende Minister 
den bayerischen Vorschlägen nicht so leicht offenes Ohr leihen 
würden, so glaubte der vielumworbene sächsische Hof mit Rücksicht 
auf die Kaiserwahl seinen Beistand jedenfalls so hoch als möglich 
veranschlagen zu müssen. Das Ueberwiegen des österreichischen 
Einflusses hinderte vor Allem das Fehlen eines gewiegten russischen 
Vertreters, der sich ganz auf Seite Maria T h e r e s i a's gestellt 
hätte, denn Keyserlingk vertrat besonders seit seinem Ab- 
berufungsbefehle vor Allem das Interesse Sachsens. *) 

Die Generalität sowohl, als auch Baron Keyserlingk äusserten 
gesprächsweise den Gesandten Maria Theresia's gegenüber, 
,,es sei höchst anzurathen, dass man noch zur Zeit, so viel als 
möglich, evitiere, dem Feinde eine Schlacht zu liefern, bis nicht 
die Truppen völlig beisammen und sich mit den Hilfsvölkern ver- 
einbart hätten ; inzwischen aber könnte man des Feindes bereits 
schon abgemattete Cavallerie durch beständige Beunruhigung so 
zu Schanden richten, dass selbige sodann auf erheischenden Noth- 
fall, den erforderlichen Gebrauch davon zu machen, nicht im Stande 
sein würde." 2 ) 

Am 25. März fand endlich, nachdem schon in den vorher- 
gehenden Tagen die österreichischen Diplomaten mit den beiden 
russischen und mit Villiers conferiert hatten, bei P. G u a r i n i 
eine Zusammentretung statt, der auch der erste Cabinetsminister 
Graf Brühl beiwohnte. 

Die Gesandten berichteten über den Verlauf dieser Conferenz 
an Maria Theresia folgendermassen : 

..Mithin nahm die Unterredung, nachdem wir uns nach 
Ordnung der gezogenen Zettel gesetzt hatten, den Anfang. 3 ) Es 



x ) ..Uui sich allenfalls en cas de disgräce einen Schutz und Retraite 
dahier zu nienagieren", meinte Graf Khevenhüller. Khevenhüller 
an Sinzendorff, Dresden 21. März 1741. (H. H. u. St. A.). 

2 ) Graf Wratislaw an den Grafen Sinzendorff, Dresden 22. März 
1741. (H. H. u. St. A.) 

3 ) Welche Kleinlichkeiten den Gang der Verhandlungen verzögerten, 
beweist folgende Stelle des Berichtes : „Bei unserer Ankunft wurde auf 
Veranlassung des von Villiers, wegen der russischen Minister, zumal 
das bisher so geschehen, er Villiers aus Politesse, nicht aber aus Schuldig- 
keit der Sache Bewendtniss gethau hätte, wie man sitzen solle, sogleich 
die Zettel gezogen, wogegen jedoch ich, Graf von Wratislaw, mich unge- 
säumt ausdrücklich damit verwahrte, wie ich nicht hoffen wolle, dass Jemand 
allhier mir meinen Rang strittig zu machen gedenken würde ; worauf der von 



277 

wurde aber dieselbe zwischen dem Grafen von Brühl, P. G u a r i n i 
und uns nach und nach ziemlich heftig, massen jene ihre bisherigen 
Grundsätze nicht nur aufs Neue aufzuwärmen, sondern auch mit 
dem weitern Zusatz, wie man hiesigen Hof immer so geringschätzig 
achte, dadurch ihren nach der einmal so festgewurzelten Idee fast 
unentbehrlich gewordenen Beitritt auf das stärkste geltend zu 
machen, wir unsererseits aber, solches theils rechtsbeständig zu 
widerlegen, theils die anderweitigen Zudringungen mit aller Behut- 
samkeit und nöthig erachtetem Glimpf abzulenken, uns pflicht- 
schuldigst beeiferten ; welches allhier zu wiederholen umso weit- 
läufiger fallen würde, als wir uns nur bei dem Hauptanstoss des 
ganzen Werks, nämlich der Determinierung des Quanti hauptsächlich 
aufzuhalten haben , dieses wurde endlich nach langem Hin- und 
Herdisputieren, durch Vermittlung des von V i 1 1 i e r s von 40 Millio- 
nen Thalern, als worauf sie unabänderlich beharren wollten, auf 
12 Millionen heruntergesetzt, welche jedoch Euer Majestät in 
pessimum dabilem casum, nicht eilender, als bei einem wider alles 
menschenmögliche Vermuthen übel ablaufenden Ende des Kriegs 
und zwar so, dass dem hiesigen Hof nicht ehender, als in 30 Jahren, 
namentlich pro indemni satione seiner aufgewandten Unkosten, 
erlitten haben mögenden Schadens der selbsteigenen Länder, völlige 
Austilgung alter hervorgesuchter Schuldforderungen und damit 
aller Anlass zur ferneren Uneinigkeit und Missverständniss zwischen 
beiden Höfen auf einmal abgethan sein möge, jährlich zu 400.000 
Thaler davon bezahlend, zur Last gelegt werden sollte ; wir repli- 
cierten dagegen, dass wir auch dieses nicht änderst, als ad referendum 
und sub spe rati annehmen könnten, ja wir wollten ihnen zur 
kräftigeren Ueberweisung unseres ungefärbten Betragens und auf- 
richtig hierunter zu AVerk gehenden Umgangs das von Euer 
Majestät uns erst vor wenig Stunden eingelaufene und in einem 
lateinischen Projectsaufsatz abgefasste Ultimatum vorzeigen; bei 
Erseh- und Ueberlassung dieses uns Graf von Brühl befragte, 
ob wir ihnen solches nicht communicieren könnten? welches zu 
thun wir auch kein Bedenken trugen ; worauf er sich in soweit 
endlich herausliess: Er wolle zur Beschleunigung des Werks und 
klaren Antagelegung des Königs seines Herrn für das gemeine Beste 
hegender Gesinnung bei den von dem von Villiers ausgesprochenen 



V i 1 1 i e r s replicierte, wie dieses keineswegs dahin zu deuten, sondern lediglich 
nur wegen seiner zu considerieren wäre". K h e v enhüll e r's Bericht an die 
Königi n. 27. März 1711. 



278 

12 Millionen Thaler unter Garantie derer mit in das gemein- 
same Concert eintretenden Mächte von England und Russland 
endlich acquiescieren, jedoch aber auch gegen das vorgezeigte 
Project, in welchem ihnen einige Stellen etwas dunkel vorkamen, 
ein anderes Gegenproject eiligst verfertigen uud solches sofort uns 
und den übrigen respectiven Ministris zustellen lassen. "Womit sich 
also diese Conferenz, ohne noch zum rechten Schluss zu 
gelangen, für dieses Mal "wiederum endigte." 1 ) 

Der Eintritt der Charwoche und der Ostertage verzögerte 
weitere Unterhandlungen, so dass man erst am 4. April bei 
P. Guarini zu weiterer Berathung zusammenkam und hier trat 
nun Brühl seinerseits wieder den österreichischen Diplomaten 
mit anderen Vorschlägen gegenüber, die durchaus mit den in der 
letzten Conferenz vereinbarten nicht in Einklang zu bringen 
waren. 2 ) Die österreichischen Diplomaten traten in Folge dessen 
am nächsten Tage bei dem Grafen AVratislaw mit den eng- 
lischen und russischen zusammen, um die beiderseitigen Vor- 
schläge in Uebereinstimmung zu bringen. Trotz einer sieben- 
stündigen Conferenz wollte dies nicht gelingen und der russische 
Vertreter Keyserlingk nahm schliesslich beide Projecte mit, 
um eines daraus zu machen und endlich zu einem Abschluss zu 
gelangen. 3 ) 

Am 10. April endlich, an dem Tage, an welchem hi den Ge- 
filden Schlesiens bei Mollwitz gekämpft winde, konnte Graf 
Wratislaw dem Obersten Hofkanzler melden, das Hauptwerk 



J ) Khevenliüller an die K ö n i g i n. Dresden, 27. März 1741. 
(H. H. u. St. A.) 

2 ) „Nachdem aber dasselbe (das Gegenproject) mit dem unsrigen nichts 
weniger, als in substantialibus gleichstimmend, folglich von demselben noch 
allzu sehr entfernt, ja in Vielem abgeändert, für uns restringiert, für sie aber 
erweitert und allerhand neue Vortheile, wovon wir bisher nie nichts gehört, 
dergestalten zugesetzet waren, dass wir uns unmöglich nach dessen Inhalt bei 
dieser Conferenz miteinander vereinigen, sondern vielmehr, wann solches auf 
diese Art von uns wäre eingeschickt und dabei unserseits nicht in Allem die 
bisherige Aufmerksamkeit und sorgfältige Behutsamkeit wäre beobachtet 
worden, sich gar leicht alle weitere Handlung hätte zerschlagen können." 
Graf Wratislaw an Sinzendor ff, Dresden. 6. April 1741. iH. H. u. St. A.) 

3 ) „Wie schwer mir aber dieses recht kaufmännische Negocieren oder 
vielmehr Marchandieren falle, werden Euer Excellenz von selbst nach Dero 
erleuchteter Einsicht umso eher, als mir schon zu zweien Malen vorgeworfen 
worden, dass nur ich gegen den Vortheil des hiesigen Hofs mich am meisten 
hart finden lasse, ermessen können." Ebenda. 



•279 

sei unter Vermittlung und beständigem Einrathen der englischen 
und russischen Minister .mach vielem recht bitter und sauer ge- 
wordenem Hin- und Hertreiben endlich dahin gediehen, dass wir 
vermuthlich noch heute oder morgen, in Ansehung ein Mehreres 
doch nicht zu erstreiten möglich ist, vorbehaltlich Allerhöchster 
Genehmigung zu signieren vermeinen". 

Gegen Schluss dieser Conferenz hatte sich nun allerdings das 
Unerwartetste ereignet. Der englische Gesandte Villiers erklärte 
nämlich, gewichtige Gründe hätten den König, seinen Herrn, be- 
wogen, den dringenden Bitten des Königs von Preussen um Ver- 
mittlung in Wien stattzugeben 1 ), um die Königin von Ungarn 
und Böhmen zu einem entsprechenden Vergleich mit Preussen zu 
bewegen. 

Nachdem Frankreich durch Unterstützung Bayerns und indem 
es den König von Preussen an sich ziehe, einen Krieg im Reiche 
entzünden wolle, erscheine es doch wichtig, den König von Preussen 
nicht mit Gewalt in dessen Arme zu treiben, sondern lieber diesen 
Fürsten dem allgemeinen Bunde beizuziehen. Bereits habe Robinson 
zu vermitteln gesucht, allerdings mit wenig Erfolg. Man werde 
im Geheimen einen doppelten Operationsplan machen müssen, einen 
für den Fall, dass Preussen mit in das Concert einträte und einen, 
wenn dies nicht geschehe und man durchaus mit verbündeten Waffen 
gegen den König von Preussen handeln müsse. Für den letzteren 
Fall stellte König Georg die im britischen Solde befindlichen 
6000 Dänen und ebensoviele Hessen zur Verfügung, wegen der 
hannoverischen Truppen werde mit dem Herrn von dem Busche 2 ) 
zu verhandeln sein. 3 ) 



') Gleichzeitig waren Anerbietuugeu bezüglich der Pfandärnter iu Mecklen- 
burg, Osnabrück und Ost-Friesland abgegangen. Vergl. „Polit. Corresp.", I, 
Nr. 236, 330. 

2 ) Hannoverischer Gesandter. 

3 ) Das Protocoll dieser Conferenz lautet: „Ä Dresde, ce 10. d'avril 
1741. Hör. pomerid. chez le Rev. Pere Guarini. 1. Das neue Project 
eines Tractates, nebst fünf Separat-Artikeln zwischen dem König von Polen 
auf einer und der Königin von Ungarn gemeinschaftlich mit dem Herzog 
von Lothringen, ihrem Gemahl, auf der andern Seite, vereinbart zwischen 
den Ministern der beiden contrahierenden Höfe und jenen der beiden ver- 
mittelnden Höfe, wurde gelesen und glücklicherweise von Allen zurecht 
gemacht und paraphiert. 2. Nachdem man sich von der einen und der 
anderen Seite Beglückwünschungs - Comphmente wegen der Beendigung 
dieser wichtigen Arbeit gemacht und den unterhandelnden Ministem 
die gebührenden Danksagungen für ihre Mühen und guten Dienste, welche 



280 

Am 11. April Nachmittags wurde der Vertrag vorbehaltlich 
der Allerhöchsten Ratification unterschrieben und Graf "Wratislaw 
reiste mit demselben am 12. nach Wien ab. 



sie diesen Unterhandlungen gewidmet hatten, abgestattet hatte, kam man 
überein, unverzüglich zwei Exemplare des Tractats und der Separat-Artikel 
in das Reine schreiben zu lassen, damit dieselben am folgenden Tage 
von den Ministern der beiden contrahierenden Höfe nach Vorzeigung ihrer 
Vollmachten unterschrieben werden könnten. Was die Wiener anbelangt, so 
haben diese hinzugefügt und ad protocollum erklärt, dass der zweite, vierte 
und fünfte der Separat-Artikel über ihre Instructionen hinausgehe, sie würden 
dieselben erst nach der Ueberzeugun°; der vermittelnden Minister unterzeichnen. 
3. Dieses festgestellt, ergriff der Herr Abgesandte von England (Villiers) 
das Wort, um der Versammlung vertraulich die starken Gründe mitzutheilen, 
welche vor Kurzem den König, seinen Gebieter, veranlasst hatten, sich den 
dringenden Bitten des Königs von Preussen zuzuneigen, sich mit seinen guten 
Diensten in Form der Intercession in Wien in das Mittel zu legen, um die 
Königin von Ungarn und Böhmen zu einem zusagenden Vergleich mit dem 
König von Preussen zu bringen zu trachten, in der Absicht, diesen Fürsten 
in das grosse Concert zu Gunsten des allgemeinen Wohles zu ziehen und 
dadurch den verderblichen Absichten Frankreichs zuvorzukommen, mivermerkt 
einen innern Krieg im Reiche zu entzünden, indem es den Churfürsten von 
Bayern unterstützt und sich mit dem König von Preussen verbündet, welcher 
sich, keinen andern Ausweg sehend, zu ihrer Partei schlagen würde: dass der 
an Herrn von Robinson gesandte Courier gegenwärtig wieder hier durchreise, 
dass er noch nicht Zeit gehabt habe, alle Depeschen zu lesen, aber dass er 
schon gesehen habe, der Wiener Hof sei nicht sehr geneigt zu einem Vergleich 
mit dem König von Preussen und dass die Absicht Sr. britischen Majestät sei, 
dass man in Ermangelung dessen unausgesetzt die kräftigsten Massregeln 
fortsetzen, zu Gunsten der Königin von Ungarn und Böhmen verabreden und 
ausführen müsse, sein Rath sei, hier ohne Verzug aber im Geheimen, 
den Entwurf eines doppelten Operationsplanes zu berathen, den einen, wenn 
der Vergleich mit dem König von Preixssen und dessen Beitritt zum grossen 
Concert doch noch zu Stande kommen könnte und den andern, wenn man 
unbedingt dahin kommen niüsste, übereinstimmend durch die vereinigten 
Armeen gegen diesen Fürsten zu operieren, dass er, Abgesandter, für diesen 
Fall in der Lage sei, den Operationsplan und die im britischen Solde stehenden 
6000 Dänen und ebensovielen hessischen Truppen anzubieten, während 
Herr von Busch (von dem Busche, hannoverscher Gesandter) Auftrag 
habe, sich über die hannöver'schen Truppen zu erklären. 4. Nachdem die 
übrigen anwesenden Minister sich empfänglich für diese vertraulichen Mit- 
theilungen gezeigt haben, hat Se. Excellenz der Graf Brühl (nachdem er dar - 
gethan, dass es im Falle des Vergleiches und des Beitrittes des Königs von 
Preussen zum grossen Concert nöthig wäre, sich aus Vorsicht untereinander, 
ohne irgendeine Macht zu nennen, zu versprechen, dass wenn Einer von der 
Allianz jemals den Andern angriffe, alle andern von der Liga unitis viribus 
gegen den Angreifer Partei nehmen würden) vorgeschlagen und man ist über- 
eingekommen, dass man am andern Tage nach der Tafel die Berathungen 



281 

In dem Vertrage machte König August von Polen als Chur- 
fürst von Sachsen sich anheischig, gegen die Mitregentschaft des 
Grossherzogs von T o s c a n a keinen weiteren Einwand zu erheben. 
Er erklärte, sich nach den Bestimmungen eines mit den übrigen 
Verbündeten zu Stande zu bringenden Uebereinkommens an dem 
Kriege gegen Preussen betheiligen und sich der Führung der böh- 
mischen Churstimme durch die Königin Maria Theresia, als der 
rechtmässigen Beherrscherin Böhmens, nicht länger widersetzen zu 
wollen, auch dem Grossherzog seine Stimme bei der künftigen Kaiser- 
wahl zu geben. Ausserdem verbürgte er sich im Namen seiner Ge- 
mahlin, der Erzherzogin Maria J o s e p h a, dass, wenn im Falle des 
Todes der Königin Maria Theresia und ihrer Schwester, der Erz- 
herzogin Maria Anna, sowie des Aussterbens des Stammes Kaiser 
Carl VI., die Königin von Polen als älteste Tochter Kaiser 
Joseph I. oder deren Kinder rechtmässig zur Nachfolge in 
Oesterreich gelangen würden, ihnen nur die Länder der böhmischen 
Krone sogleich zufallen sollten, in den übrigen Erblanden aber 
der Grossherzog von T o s c a n a als deutscher Kaiser bis zu seinem 
Tode die Regentschaft zu führen und die Staatseinkünfte zu be- 
ziehen habe. 

Die Königin Maria Theresia verpflichtete sich da- 
gegen, dem Könige von Polen die Summe von zwölf Millionen 
Pueichsthalern in Raten zu bezahlen. Ausserdem wurden dem- 
selben ein äquiparierender i^ntheil an den zu machenden Er- 
oberungen und einige bisher von Preussen in der Nieder-Lausitz 
und im Fürstenthum Crossen innegehabte böhmische Lehen über- 
lassen, jedoch unter Aufrechthaltung der böhmischen Landes- 
herrliclikeit und mit der Bedingung, dass der Werth dieses Besitzes 
von den zu zahlenden zwölf Millionen in Abschlag gebracht werde. 

Die Abtretung eines Landstriches in der Breite einer halben 
Meile von der Lausitz nach Polen, um die ununterbrochene Ver- 
bindung dieses Königreiches mit Sachsen herzustellen, die Garantie 
des Besitzes der dem Churhause gehörenden Länder, verschiedene 
Vortheile im Handels- und Grenzverkehre vervollständigten die 
Zugeständnisse Maria Theresi a's. 

In den Separat-Artikeln versprach der Grossherzog, im Falle 
des Aussterbens des carolinischen Stammes der Habsburger die im 



über einen doppelten Operationsplan beginnen und für das Militärische den 
General-Lieutenant Baron Renard zulassen wolle." (H. H. u. St. A.. Sachsen. 
Z. II, 6.) 



282 

Haupttractat stipulierten Bedingungen einzuhalten und ausserdem 
einem chursächsischen Prinzen zur Würde eines Römischen Königs 
zu verhelfen. 

Die Verproviantierung der die sächsische Grenze über- 
schreitenden chursächsischen Armee sollte in einem von den con- 
fÖderierten Staaten abzuschliessenden allgemeinen Vertrage mittelst 
einer Convention geregelt worden. 

Ausserdem versprach Maria Theresia, für die Zukunft 
nie zu verlangen, dass um die Investitur gewisser, an Chur- 
Sachsen verliehener Lehensgüter (in der Lausitz, Meissen) von 
Seite Chur-Sachsens durch eine fürstliche Person ersucht werde ; 
sie versprach ferner, die diesbezüglichen strengen Ceremonien 
in einer mit der Würde Chur-Sachsens vereinbarlichen Weise zn 
mildern. 

Auch für den Fall, dass es zu keinem Kriege komme, sollte 
der Vertrag in allen Puncten aufrecht bleiben und nur eine Herab- 
setzung des von der Königin Maria Theresia an Sachsen zu 
zahlenden Entschädigungsbetrages von zwölf auf acht Millionen 
Thaler stattfinden. 2 ) 

Dieser Vertrag, obwohl er der Königin von Ungarn schwere 
Opfer auferlegte, wurde von derselben am 24. April in einem 
Exemplare, in einem zweiten von dem Grossherzoge, von dem 
sächsischen Hof jedoch niemals ratifiziert. 2 ) 

Die Gründe des späteren Zurücktretens Sachsens sind in der 
geänderten militärischen Lage, in den Ueberredungskünsten der 
französischen Diplomaten und wohl vor Allem in der merkwürdigen 
und doppelzüngigen Haltung Englands zu suchen. 

Graf Kheven hüller glaubte zwar, dass durch die Verein- 
barung, wenn sie auch erst nach der Ratification der Königin in 
Kraft trete, so viel erreicht werde, „dass man den Betreibungen 
des in wenigen Tagen in Dresden eintreffenden Marschalls 
Belleisle hier weniger Gehör geben werde". 

Auch seien die Kriegsrüstungen in vollem Gange und würden 
dergestalt fortgesetzt, dass am 16. April sämmtliche sächsischen 
Truppen, etwa 24.000 Mann, mobil seien und bis zum 1. Mai in 



J ) H. H. u. St. A. und Arneth, Maria Theresia. I. 20(3 ff. 
2 ) Auf dem im k. und k. Haus-. Hof- und Staats-Archive befindlichen 
Exemplare ist bemerkt: „Elle n'a pas ete acceptee et la Cour de Saxe l'a 



renvovee." 



283 

die beiden Observationslager bei Eilenburg und an der Elbe bei 
Torgau würden einrücken können. ') 

Allerdings musste der Gesandte gleichzeitig an den Obersten 
Hofkanzler melden : „Es ist gestern Früh eine Staffette von Breslau 
an hiesiges Ministerium gekommen, mit der Nachricht, dass zwischen 
Brieg und Ohlau eine sein- scharfe und zwar für uns gar übel aus- 
gefallene Action vorgegangen sei." 2 ) 

Nach der Schlacht von Mollwitz traten die schlesischen An- 
gelegenheiten aus dem begrenzten Rahmen, in dem sie sich bisher 
bewegt hatten und erlangten durch die Gruppierung der Mächte 
einen allgemeinen Charakter. 

Die Gegner Maria Theresia's erhoben zuversichtlicher 
das Haupt, während die Alliierten, auf welche sie gerechnet, zag- 
haft wurden. 

Nicht leicht hat der Ausgang einer, mit so schwachen Kräften 
geschlagenen Schlacht so grosse, einschneidende Folgen gehabt. 

In Frankreich war es inzwischen dem gewandten und ver- 
schlagenen Grafen B e 1 1 e i s 1 e gelungen, der alten, auf den Sturz 
des Hauses Habsburg gerichteten Politik am Hofe wieder das Ueber- 
gewicht zu verschaffen und den Cardinal F 1 e u r y, obwohl derselbe 
lieber den Frieden erhalten hätte, zum Eingehen auf einen Plan zu 
nöthigen, nach welchem die pragmatische Sanction ihre Giltigkeit 
verlieren und die durch das Erlöschen der männlichen Linie des 
Hauses Habsburg entstandenen Erbansprüche anderer Mächte 
auf die Hinterlassenschaft Carl VI. zur Zerstückelung der 
letzteren benützt werden sollten. B e 1 1 e i s 1 e selbst, zum Marschall 
von Frankreich und zum Botschafter dieser Krone am bevor- 
stehenden Wahlconvent ernannt, besuchte zuerst die Höfe der 
geistlichen Churfürsten und gieng dann nach Dresden, wo er 
am 15. April anlangte. 

Am folgenden Tage fand sogleich eine zwei Stunden dauernde 
Conferenz mit dem Grafen Brühl statt, wobei im Allgemeinen 
die politische Lage erörtert winde. 

In der Audienz beim Könige benützte Belleisle die Zeit 
des Alleinseins, um einen Brief Ludwig XV. zu übergeben. Er 



x ) Khevenhüller an die Königin. Dresden, 14. April 1711. (H. H 
u. St. A.) 

2 ) Derselbe an Grafen Sin z e n darf f. Dresden, 11. April 1711. (H. H. 

u. St. A.) 



284 

erklärte, class seine Sendung einzig und allein darin bestehe, den 
König der Freundschaft seines erhabenen Herrn zu versichern und 
der zu Versailles befindliche Graf Poniatowski 1 ) werde 
Ludwig XV. sehr geneigt finden, mit allen Kräften zu einer 
ernsten und soliden Vereinigung der Höfe von Sachsen und Bayern 
beizutragen. 2 ) 

König August antwortete dem französischen Botschafter: 

„Ich kann keinen Entschluss fassen, bevor ich nicht Antwort 
vom russischen Hofe habe, mit welchem ich in Engagements bin. 
Was den Wiener Hof betrifft, so habe ich mich über denselben sehr 
zu beklagen, ich werde stets und so lange gegen die Mitregent- 
schaft und gegen die Ausübung der böhmischen Stimme durch den 
Grossherzog sein, so lange man mir dafür keine besseren Gründe 
für die Behauptung aiiführt, dass die Königin von Böhmen 
die böhmische Stimme ausüben könne. . . . Mit Bayern bin ich 
bereit, ein Bündniss einzugehen, allein Bayern muss sich zuerst 
erklären." 

Die Bedenken des Königs vonPolen bezogen sich auf die Haltung 
des Königs von Preussen, der zwei Meilen von der sächsischen 
Grenze eine starke Armee aufgestellt habe. Er finde es daher nicht 
klug, ein Vertragsverhältniss mit dem Churfürsten von Bayern 
einzugehen, weil der König von Preussen immer noch eine Ver- 
ständigung mit der Königin von Ungarn treffen, sich mit ihr 
vereinigen und ihn, sowie Bayern niederwerfen könne. 3 ) 

König August war überhaupt mit der Haltung König 
Friedrich's von Preussen durchaus unzufrieden. Er sprach über 
sein wenig verlässliches Vorgehen, wie dieser Fürst auf das Leb- 
hafteste zu einer Verbindung gedrängt habe, um gemeinsam ge- 
rechte Ansprüche zu vertreten 4 ), wie er ihm habe sagen lassen, 
dass im Falle des Bedarfs seine Streitkräfte und seine Geldmittel 
zu seiner Verfügung ständen, dass während er in Schlesien ein- 
brechen winde, dasselbe in Böhmen geschehen solle. 



*) Von König August an den französischen Hof gesandt. 



2 ) Töpfer'sche Materialien-Sammlung. 



s ) Beilei sie an Amelot, Dresden. 20. April 1741. (Pariser Archiv.) 
4 ) Vergl. Polit. Correspondenz, Nr. I, 202. Instruction für Oberst Grafen 
Finkenstein, welcher als bevollmächtigter Minister nach Dresden geht, 
v. 13. December 1740. — Ebenda 207. „Man muss Bülow (sächsischer be- 
vollmächtigter Minister) drängen, mit uns abzuschliessen, haben sie Lust, sich 
zu schlagen und Böhmen zu gewinnen: desto besser". (Friedrich II. an 
Podewils, Crossen, 16. December 1740.) Ebenda Nr. 118. 



285 

Er sei überzeugt, dass Bayern in Tyrol und Ober-Oesterreich 
einmarschieren werde. Frankreich werde Alles unterstützen. König 
August verlangte acht Tage Frist, um sich zu entscheiden, erfuhr 
aber in 'dieser Zeit, dass G o 1 1 e r in diesen Tagen der Königin 
von Ungarn dringende Anträge gemacht habe, denen der König 
von Preussen beifügte, „dass diese Fürstin umso leichter bei- 
stimmen und sich beeilen sollte, mit ihm sich zu verbinden, da er 
sie benachrichtigen könne, dass Bayern und ich (König August), 
im Einvernehmen mit Frankreich, in Böhmen und Oesterreich ein- 
marschieren würden." x ) 

Zum Schlüsse sagte König August: „Wie kann man nach 
diesen Vorgängen noch Vertrauen zum König von Preussen haben? 
Inzwischen habe ich meine Oavallerie remontiert und errichte zwei 
Lager von 18.000 bis 20.000 Mann." 2 ) Er werde dem Grafen Brühl 
Befehle geben, mit Beilei sie weiter zu verhandeln. 3 ) 

In einer Conferenz Belleisle's mit P. G u a r i n i erklärte der 
letztere, dass trotz der geleisteten Garantie der König von Polen 
sich kein Gewissen zu machen brauche, gegen die pragmatische 
Sanction zu handeln, denn der Wiener Hof habe die Dispositionen 
der Kaiser Leopold und Joseph unterschlagen und Sinzen- 
d o r f f habe der Gemahlin des Königs vor ihrer Heirath geradezu er- 
klärt, sie werde nicht verheirathet werden, wenn sie nicht vorher ihren 
Verzicht unterzeichne. Der Cardinal A 1 b a n i, welchem P. G u a r i n i 
den Fall vorgelegt, habe dem König erklärt, er könne ohne Ge- 
wissensbisse gegen die pragmatische Sanction handeln. 

Belleisle hatte mehrere Conferenzen mit Brühl und 
P. Gruari n i, welche aber zu viel Unterthänigkeit und Furcht vor 
Russland und viel zu viel Misstrauen gegen Preussen hatten, als dass 
sie zu einem Entschluss kommen konnten. Das Resultat ihrer Er- 
klärungen war: 1. Sachsen hat keinen Vertrag oder Engagement 
mit dem Wiener Hofe. Obgleich Oesterreich stets an das Bündniss 
mahnt, so wird Sachsen ihm doch mit keinem einzigen Mann zu 
Hilfe kommen, weil es sonst von Preussen erdrückt würde. 2. Sachsen 
beharrt darauf, die Mitregentschaft und die böhmische Stimme nicht 
zuzulassen. 3. Es kann sich gegenwärtig in kein formelles Bündniss 
mit Bayern einlassen, weil sonst a) Preussen mit Oesterreich Frieden 



J ) Memoiren des Marschalls Belleisle. Töpfe r'sche Materialien- 
Sammlung. 

2 ) „Sachsen hatte damals 34 Bataillone und 54 Escadronen auf den Beinen, 
lauter schöne und gut exercierte Truppen." (Bemerkung Belleisle's.) 

s ) Memoiren Belleisl e's. 



286 

schliesst, b) für Polen zu besorgen ist, da dann sicher die Russen 
Truppen marschieren lassen, um die pragmatische Sanction aufrecht 
zu erhalten, c) weil Bayern auf die ganze österreichische Erbschaft 
Ansprüche macht, wesshalb Bayern sich auch zuerst erklären muss, 
was es haben will. 4. Da Belleisle auf ein Bündniss mit Bayern 
dringt und verlangt, man solle dem Poniatowski bestimmte 
Instructionen schicken, damit er mit dem . Cardinal im Geheimen 
verhandeln könne und Belleisle bei seiner Ankunft in München 
über das Resultat dieser Verhandlung die Befehle seines Königs 
vorfinden könne, so versprach man, diese Befehle zu ertheilen. 
5. Der Churfürst von Sachsen sucht die Kaiserkrone nicht, weil er 
zu wenig mächtig ist, nimmt sie aber an, wenn er von den Chur- 
fürsten gewählt wird. Da auch Bayern für die Kaiserkrone zu 
wenig stark ist, ist ein Uebereinkommen wegen der Theilung der 
österreichischen Erbschaft nothwendig. 6. Auf die Frage, ob Sachsen 
in erster Linie für Bayern stimmen werde, wenn es selbst keine 
Aussicht auf die Kaiserkrone habe, habe Brühl geantwortet, dass 
er darüber jetzt noch nichts sagen könne; P. Guarini dagegen 
ein bestimmtes „Ja" ausgesprochen. 

Belleisle's Schlusseindruck von den Verhandlungen in 
Dresden war, dass, wenn Preussen mit Frankreich abgeschlossen und 
Sachsen mit Sicherheit auf die Beständigkeit König Friedrich IL 
rechnen könne, es in die Allianz eintreten werde, wie schwierig es 
auch dann sei, die Interessen Bayerns und Sachsens in Form eines 
Theilungs-Vertrages in Einklang zu bringen. Auf alle Fälle wäre 
Sachsens Neutralität zu erreichen. x ) 

Während seines Aufenthaltes in Dresden erhielt Belleisle 
die Besuche der dortigen preussischen und bayerischen Gesandten, 
dessgleichen des österreichischen Gesandten, Grafen K h e v e n- 
hüller, welcher ihn bat, doch auch nach Wien zu gehen. 
Belleisle vermied es, mit Letzterem näher zu verhandeln. 2 ) 



x ) Memoiren Belleisle's und Bericht desselben auAmelot, Dresden 
20. April 1741. (Pariser Archiv.) 

2 ) Gründlich getäuscht wurde Khevenhüller durch den schlauen 
Franzosen, wie der Bericht an die Königin Maria Theresia über diese 
Unterredung zeigt. Nach Ansicht des Gesandten wären die Verhandlungen in 
Dresden und die Besprechungen mit den Ministern nur als wenig bedeutendere 
Pourparlers aufzufassen geAvesen, während gerade Belleisle's Anwesenheit in 
Dresden die Abschwenkung Sachsens von Maria Theresia's Sache bestimmt. 
Nach Unterhaltungen über die Kaiserwahl kam man auf die schlesischen An- 
gelegenheiten zu sprechen, worüber Be lleisle dem österreichischen Gesandten 



287 

Im Augenblick, da Belleisle am 20. April von Dresden 
abreisen wollte, traf ein Courier vom französischen Gesandten am 
preussischen Hofe, Marquis de Valory, mit Depeschen ein, worin 
dieser mittheilte, dass der preussische Minister P o d e w i 1 s ihm 
mitgetheilt habe, sein Herr wünsche zwar, sich mit Frankreich zu 
verbinden, allein nur unter folgenden drei neuen Bedingungen : 
1. dass Frankreich Schweden und Dänemark vermöge, gegen 
Russland aufzutreten. 2. Dass, im Falle der Churfürst von 
der Pfalz vor Ende des Krieges sterbe und der König von 
Preussen noch nicht im ruhigen Besitz von Meder-Schlesien sei, 
Letzterer das Recht haben solle, sich in den Besitz desjenigen 
Theils des Herzogthums Berg zu setzen, der ihm durch den Haager 
Vertrag abgetreten war, jedoch nur so lange, bis er in den ruhigen 
Besitz von Nieder-Schlesien gelange. 3. Dass im Allianzvertrag 
die reelle Unterstützung so stipuliert werde, wie sie mit dem ver- 
storbenen König, seinem Vater, geplant war. *) 

Podewils und Valory hatten am 11. und 12. April Berlin 
verlassen und sich nach Breslau begeben, von wo Podewils sogleich 
in das Lager zum König gieng. Am 18. kam Podewils von 
dort zurück und überbrachte an Valory die ebenerwähnten drei 
neuen Propositionen. 2 ) 



auf die dem Gesandten in Paris von Wasner ertheilte Antwort hinwies, „mit 
weiterem Vermelden, dass gleichwie man an seinem Hof das Wahlgeschäft von 
jenem, was die pragmatische Sanction betreffe, separiert halte und als zwei 
ganz besondere Objecte betrachte, seine obhabenden Commissionen auch 
lediglich das erstere beträfen, also könne er mir hierüber keine nähere Auskunft 
geben, als dass er wirklich im Begriffe stehe, sich von hier zu dem König 
von Preussen zu verfügen, bei welcher Gelegenheit er von den Ansprüchen 
desselben, als wovon sein Hof noch keine vollständige Information habe (! 
sich genauer erkundigen würde, welches Alles er immer mit vielen, jedoch gar 
nichts Positives sagen wollenden Contestationen begleitet, auch der letztliin 
vorgefallenen Action halber sehr gelassen und ohne einige vorgängliche Neigung 
zu bezeugen sich geäussert hat". Khevenhüller an die Königin. Dresden. 
18. Aprü 1741. (H. H. u. St. A.) 

') Vergl. Droysen, Geschichte der preuss. Politik V/i, 255. „Des König.- 
Weisungen lauteten auf weiteres Zögern: Sachsen muss uns bestimmen: 
wenn es mit uns bricht, so ist klar, dass es nicht allein steht; wenn es sich 
ruhig hält, so haben wir mit Frankreich nicht zu eilen." 

-) Vergl. Pol. Corr. I, Nr. 354, Der König an Podewils, Ohlau, 19. April: 
„Ich habe Ihr Schreiben v. 18. d.M., sowie den Bericht vom nämlichen Datum 
erhalten, das Drängen des Marquis Valory betreffend und das. was Sie ihm. 
um seine Ungeduld zu beruhigen, darauf gesagt haben. Ich bin damit sehr 
einverstanden und wir werden in der nämlichen Weise fortfahren, bis man 
die letzte Entscheidung wird treffen müssen". 



288 

Valory war über diese neuen Forderungen umso mehr 
erstaunt, da der König von Preussen ihm am 15. März zu Schweidnitz 
gesagt hatte, er solle nach Berlin zurückgehen, um die letzte Hand 
an den Vertrags-Entwurf zu legen, der König habe ihm am 
5. April sein Wort gegeben, die Sache sei abgemacht. Der Entwurf 
sei an Podewils geschickt worden, der die Sache mit Valory 
abschliessen werde. x ) 

Beilei sie verliess am 20. April Dresden und kam am 
22. Nachmittags nach Breslau, wo er Valory sehr niedergeschlagen 
traf, da er sehe, dass seine Verhandlung plötzlich nicht weiter 
komme und selbst befürchtete, dass sie scheitern könnte. 

Belleisle bat den Minister Podewils, König Fri e dr ich DT. 
seine Ankunft zu melden. Am 24. theilte der Minister dem fran- 
zösischen Marschall mit, der König werde sich freuen, Belleisle 
zu sehen, habe aber vorher noch einige Anordnungen zu treffen 
und einige Befehle wegen der Sicherheit seiner Reise zu geben, 
er werde ihm am 25. oder 26. weitere Nachricht zukommen lassen. 2 ) 

Erst am 26. April Hess der König den Marschall Belleisle 
in das Lager kommen ; 3 ) auf dem ganzen "Wege standen Sicherheits- 
wachen und eine Escorte begleitete den Marschall. Im Dorfe 
Hünern zwischen Ohlau und dem Lager waren für Belleisle 
und dessen Gefolge, sowie für Valory Quartiere hergerichtet. 
GM. Graf Rothenburg wurde dem französischen Marschall als 
Ehrencavalier zugetheilt. Der Empfang war glänzend, die ganze 
Armee war aufgestellt „und man erwiess mir alle militärischen Ehren, 
wie einem Armee-Commandanten." 4 ) 

*) Am 6. April giengen an Grafen Truchsess Weisungen behnfs 
seiner Haltung gegenüber den Mediations-Anerbietungen König Georg's von 
England ab. (Polit. Corresp. I, Nr. 330.) An Podewils schrieb König Friedrich 
ebenfalls am 6. April: „Es wird nothwendig, diese Verhandlung (mit England) 
mit undurchdringlichen!. Geheiinniss zu umgeben und es ist erforderlich, jene 
mit Frankreich und Bayern in die Länge zu ziehen, ohne dass Valory Verdacht 
schöpft." (Ebenda Nr. 331). 

J ) Vergl. Polit. Corresp. Nr. 1, Nr. 356. 

3 ) „Er (Belleisle) wird mit aller Gewalt abschliessen wollen und ich, ich 
möchte die Ankunft des englischen Charlatans (Hyndford) abwarten, um mich 
zu entscheiden; aber auf jeden Fall muss man sehen, ob man, indem man 
Herrn von Belleisle im höchsten Maass schmeichelt und die grösste Neigung, 
abzuschliessen, durchblicken lässt, diesen Schritt noch bis zu dem Augen- 
blick hinausziehen kann „qu'on ait arrange ses flütes avec les Anglais". (Polit. 
Corresp. I., Nr. 358, Mollwitz, 21. April 1711 an Podewils.) 

4 ) Belleisle's Memoiren. Töpfer'sche Materialien- Sammlung. 



289 

Nach dem Diner erhielt Belleisle die erste Audienz in 
einem Zelte, das sich im Centrum des Lagers befand. Dort waren 
alle Prinzen versammelt ; der Gesprächsstoff handelte von den 
Operationen, von der stattgefundenen Schlacht, von der Bela- 
gerung Briegs. Am folgenden Tage (27. April) fand um 11 Uhr 
Vormittags Diner beim Könige in dessen Zelte statt. An diesem 
Tage war Belleisle zwei Stunden lang allein mit König 
Friedrich. Derselbe besprach zunächst seine militärische Situation 
seit dem Einmärsche in Schlesien bis zum Tage der Schlacht, 
daran knüpfte er Erwägungen über die Lage der N e i p p e r g'schen 
Armee und sprach über seine weiteren Pläne, sowie über die 
begonnene Belagerung von Brieg. Darauf übergab Belleisle 
einen Brief des Königs von Frankreich und sprach sein Erstaunen 
darüber aus, dass er statt des unterzeichneten Vertrags in Dresden 
die Postsendung mit den neuen Bedingungen erhalten habe. Dieses 
Schreiben habe er nicht nach Paris geschickt, weil es einen schlechten 
Eindruck gemacht haben würde. Er komme, um dem König die 
letzten Instructionen seines Hofes mitzutheilen ; man habe geglaubt, 
der Vertrag sei geschlossen und er habe daher den Auftrag erhalten, 
hauptsächlich jene Kriegsoperationen mit dem König zu berathen, 
welche ihm den Besitz von Schlesien sichern sollten. Von hier 
habe er Auftrag, nach München zu gehen, um darüber dem Chur- 
fürsten von Bayern Mittheilung zu machen, welcher ausser seiner 
Armee von 20.000 Mann noch eine französische Hilfs -Armee 
erhalte, die so gross sein werde, als der König selbst bestimmen 
wolle. Auch mit Schweden seien die Unterhandlungen schon an- 
geknüpft. 

König Friedrich LT. gab Belleisle zu „dass ich zu 
Schweidnitz dem V a 1 o r y gesägt habe, ich sei gesonnen, mit 
Frankreich einen Vertrag abzuschliessen. Damals war noch Herr 
von Mün n ich Minister in Russland, von dem ich versichert war. 
dass er das Haus Oesterreich nicht unterstützen werde. Die Ungnade 
M ü n n i c h's hat die Lage geändert, denn der Marquis de B o 1 1 a 
drängt die Kaiserin von Russland zur Hilfeleistung für Oester- 
reich. 24 Regimenter sind im vollen Marsch nach Livland und 
Kurland und binnen einem Monat sind 30.000 Russen bereit, in 
Preussen einzudringen, wo ich fast gar keine Truppen habe. 
Andererseits wiegelt der König von England ganz Deutschland 
gegen mich auf, Dänemark hat 6000 Mann in englischen Sold 
gegeben und will noch 6000 Mann für die Garantie der prag- 
matischen Sanction stellen, Sachsen versammelt seine Truppen, um 

Oesterreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. !•' 



290 

sich mit meinen Feinden zu verbinden. Es ist mir unmöglich, 
nach allen Seiten zugleich Front zu machen, wenn ich nicht eine 
rasche und in nächster Zukunft erfolgende Unterstützung bekomme. 
Der Churfürst von Bayern hat nur wenige Truppen und es ist 
schade, dass man ihn nicht in den Stand gesetzt hat, zu gleicher 
Zeit mit mir Oesterreich anzugreifen und in Böhmen oder Oesterreich 
einzufallen. Ich wundere mich, dass Frankreich das unterlassen 
hat, denn wäre Bayern zugleich eingefallen, so hätte Frankreich 
nichts weiter gebraucht, als die Rolle eines Vermittlers zu über- 
nehmen ; jetzt dagegen bleibt ihm nichts übrig, als der Krieg, 
wenn es verhindern will, dass der Grossherzog Kaiser wird. Ich 
hatte immer darauf gerechnet, als ich im Januar eine Defensiv- 
Allianz vorschlug, dass der König, Ihr Herr, sich in die Lage setzen 
werde, im Frühling eine Diversion machen zu können. Der Monat 
Mai ist da und Sie haben keinerlei Vorbereitungen getroffen, während 
alle Fürsten Europas gerüstet sind. Sie sind thatsächlich ausser 
Stande, dem mich betreffenden Defensiv-Tractat nachzukommen, 
denn ich würde in einem Monat oder in sechs "Wochen ein- 
geklemmt sein, wenn man davon Kenntniss hätte, dass ich einen 
Vertrag mit ümen geschlossen habe. Es ist unmöglich, dass sie in 
drei Monaten eine Armee beisammen haben, nachdem Ihre Standes- 
ergänzung noch nicht einmal angeordnet ist." 

Belleisle versicherte, dass Schweden durch die Voraussicht 
Frankreichs fast vollständig gerüstet sei, dass es mit 15.000 Mann in 
Finnland sich defensiv halten, mit 30.000 Mann nach Livland gehen 
und so eine undurchdringliche Barriere für Preussen bilden könne. 
„Es wird handeln, sobald es erfährt, dass Preussen mit Frankreich 
eine Allianz geschlossen hat." 1 ) 

Am 28. April fand ein einstündiger Besuch Belleisle's bei 
P o d e w i 1 s statt. Später liess König Friedrich II. auch dem 
französischen Marschall Truppen - Abtheilungen vorführen und 
beauftragte seine Generale, demselben das Schlachtfeld zu zeigen. 
Im Laufe des Tages hatte Belleisle abermals eine längere Zu- 
sammenkunft mit dem König. 2 ) 






1 ) „Die Conversation wurde hier unterbrochen, indem der König persönlich 
alle Detailverfügungen an seine Untergebenen trifft. Selbst Spione und Deser- 
teure vernimmt er persönlich." Belleisle an Amelot v. 27. April. (Pariser 
Archiv. L'Allemagne 3741. 398.) 

2 ) Ebenda. 



291 

Auch am folgenden Tage war B e 1 1 e i s 1 e Abends von 6 bis 
9 Uhr beim König. 

Der Marschall berichtet nach Paris, dass der König 
ihm offen gesagt habe: 1 ) „Als ich den Entschluss fasste, in 
Schlesien einzufallen, war ich fest überzeugt, dass dies das 
einzige Mittel sei, meine Eechte auf die vier Herzogtümer 
geltend zu machen. Ich rechnete dabei auf die Unterstützung 
Frankreichs, welches ein wesentliches Literesse hat, das Haus 
Oesterreich zu schwächen und den Herzog von Lothringen 
von der Kaiserwahl auszuschliessen, um zugleich dankbar gegen 
Bayern zu sein. Ich glaube, Frankreich könne nichts so sehr 
wünschen, als einen Fürsten in Deutschland zu finden, kühn genug, 
um der Erste der Katze die Schelle anzuhängen. Ich habe wohl cr e - 
wusst, dass der Cardinal, den ich durch Camas sondieren Hess, zu 
friedfertig war, um in ein solches Project einzugehen, wenn ich es ihm 
vor der Unternehmung vorgeschlagen hätte; aber ich habe auch nie 
gezweifelt, dass er es unterstützen werde, apres coup, da ich ihn 
doch dadurch in den Stand gesetzt habe, alle seine Absichten 
durchzuführen. In diesem Vertrauen habe ich die ersten Vorschläge 
zur Defensiv-Alliauz im Januar gemacht, welche notwendiger- 
weise die G-arantie Meder-Schlesiens mit Breslau in sich schliesst 
und um dem Cardinal alle Scrupel zu nehmen, habe ich selbst 
demselben die Abtretung meiner Ansprüche auf die beiden Herzog- 
thümer Berg und Jülich angeboten." 

„In Kenntniss der Schwäche des Churfürsten von Bayern 
und seiner wenigen financiellen Hilfsquellen, habe ich nicht 
gezweifelt, dass Frankreich für alle notwendige Unterstützung 
sorgen werde, damit Bayern im Frühjahre die Offensive ergreifen 
könne. "Weiters dachte ich, dass die spanischen und sardinischen 
Truppen zur selben Zeit in Italien würden thätig werden und class 
Schweden sich rühren werde. Dadurch liesse Frankreich den Krieg 
durch seine Freunde und Alliierten führen und der Cardinal sähe 
scheinbar mit verschränkten Armen zu, um schliesslich der Ver- 
mittler zu sein. Ich dachte ferner, dass, um dies mit Erfolg thun 
zu können, die Vermehrung der Truppen und die andern Vor- 
bereitungen in die Hand genommen worden seien." 

„Die Seemächte und die anderen europäischen Staaten sind 
bereits gerüstet." 

*) Memoiren Belleisle's in der Topf ersehen Sammlung und Bericht 
an Amelot. (Pariser Archiv.) 

19* 



292 

„Dagegen habt Ihr stets meinen Forderungen widersprochen und 
zuletzt sogar mich aufgefordert, die Feindseligkeiten einzustellen ; 
Ihr habt Bayern nicht bewaffnet , Spanien beklagt sich über 
Euch, Ihr habt die Grenzstreitigkeiten zwischen Oesterreich und der 
Türkei ausgeglichen und namentlich habt Ihr keine Vermehrung 
Eurer Truppen vorgenommen, obgleich dieselbe nach dem Tode 
des Kaisers angeordnet und verlangt war. Der Cardinal hat sogar 
gesagt, das Elend sei dieses Jahr in Frankreich zu gross, als dass 
man an einen Krieg denken könne. Dennoch war ich noch immer 
gut gesinnt für Frankreich, ich glaubte mich halten zu können 
durch den Freundschaftsvertrag mit Russland und gab daher zu 
Schweidnitz dem V a 1 o r y mein Wort, den Allianzvertrag ab- 
zuschliessen, unter dem Versprechen, denselben geheim zu halten ; 
denn England und Russland haben mir öfter erklären lassen, dass, 
so lange ich nicht in Allianz mit Frankreich sei, sie mich schonen 
und nur den AVeg der Vermittlung und der guten Dienste ein- 
schlagen würden. Aber ich fürchtete sie nicht, so lange der Graf 
Münnich im höchsten Ansehen und Einnuss zu Petersburg stand, 
ich konnte mich halten und Euch Zeit lassen, mir zu Hilfe zu 
kommen. Seit der Abreise V a 1 o r y's von Schweidnitz ist gegen 
alles Erwarten Münnich in Ungnade gefallen. Hier, lesen Sie 
einen Brief meines Gesandten zu Petersburg vom 10. April, aus 
welchem Sie sehen, dass man den Entschluss gefasst hatte, gegen 
mich zu handeln. Aus aufgefangenen Briefen Osterman n's erfuhr 
ich sogar das ganze Project 1 ), welches darin bestand: zu warten, 
bis das Gras hervorspriesst, um ihre Armee, 30.000 Russen, 
12.000 Hannoveraner, 6000 Dänen und 6000 Hessen bei Eichsfeld, 
20.000 Sachsen bei Torgau und Königsstein lagern zu lassen. 
Sobald diese Truppen beisammen sind, will man mich auffordern, 
Schlesien zu räumen und mich mit den beiden Herzogthümern 
Glogau und Liegnitz zu begnügen." 

Am Schlüsse der Audienz erbat sich Belleisle die Erlaub- 
niss, das Gehörte zu Papier bringen und dem König vorlesen zu 
dürfen, damit er selbst sicher sei, dass er sich nicht täusche. Der 
König gestattete es und Belleisle legte am anderen Tag dem 
König seinen Aufsatz vor, der ihn guthiess und ihn an den Cardinal 
zu schicken erlaubte. Noch wurde vereinbart, dass Valory die 
Negociation weiterführen solle, wesshalb derselbe hereingerufen 



*) Münnich selbst hatte dem König den Plan mitgetheilt, welchen 
England, Oesterreich und Sachsen den Russen vorgeschlagen hatten. 



293 

wurde und eine Copie von Belleisle's Aufsatz erhielt. 1 ) Dieser 
Aufsatz enthielt als Ergebniss der bisherigen Verhandlung : 1. Der 
König von Preussen kann sich für den Augenblick zu einem 
Allianz vertrag mit Frankreich nicht verpflichten, weil die Küssen, 
Sachsen, Hannoveraner und Dänen bereit sind, wenn das Gras 
da ist, Lager zu errichten und alsdann ihn aufzufordern, Schlesien 
zu räumen. Gegen alle diese Feinde hat er nur 15.000 Mann 
unter dem Fürsten von Anhalt. 2. Als er Valory sein Wort 
gegeben, war Münnich noch an der Spitze des russischen 
Gouvernements. 3. Trotz dieser „Situation violente" will er alle 
Mittel versuchen, ,,pour y remedier". Er will Unterhandlungen 
anwenden, um seine Feinde hinzuhalten und zu täuschen ; dann 
hofft er nach der Eroberung von Brieg N e i p p e r g zu schlagen 
und zu vernichten. Gelingt das, so will er Garnisonen in Schlesien 
lassen und sich in das Centrum seiner Staaten zurückziehen, wo 
er im Stande sein wird, seinen Feinden die Spitze zu bieten. Die 
Armee des Fürsten von Anhalt soll dann nach Preussen gehen 
und dann will er sogar zuerst den König von Frankreich um 
Unterzeichnung des Allianzvertrages bitten. 4. Kann er N e i p p e r g 
nicht vernichten, so will er unter allen möglichen Vorwänden die 
Unterhandlungen mit esterreich und England in die Länge ziehen, 
um Frankreich Zeit zu verschaffen, dass es Schweden zur Thätigkeit 
bringt, Bayern so verstärkt, dass es auch seinerseits handeln kann 
und seine eigene (Frankreichs) Armee in den Stand setzt, dass sie in 
Deutschland einzudringen vermag. Ist das alles geschehen, dann will 
der König von Preussen sich offen erklären und den Allianzvertrag 
unterzeichnen, weil er es dann mit Sicherheit thun kann. Hätten 
die Alliierten davon Kenntniss, dass er in der That mit Frankreich 
verbündet sei, so würden sie ihn in keiner Weise schonen und 
sich seiner Staaten bemächtigen. Wäre Frankreich thatsächlich 
im Stande, zu operieren, um im Monate Mai wirkliche Diver- 
sionen zu machen, so würde er mit dem grössten Vergnügen 
den Vertrag unterzeichnen. 5. Würde er jedoch gezwungen, einen 
Vergleich einzugehen, so werde er dennoch nie sich gegen Frank- 
reich wenden, sich nie seinen Absichten widersetzen und in keinem 
Falle und zu keiner Zeit Truppen gegen Frankreich liefern. Dasselbe 
werde er bezüglich des Churf ürsten von Baj^ern beobachten, dem er, 
soviel an ihm liege, zur Kaiserkrone verhelfen will, weil er ihn 



J ) Memoiren Belleisle's und Bericht an Arnelot. (Pariser Archiv. 
L'Allemagne.) 



294 

persönlich liebe und schätze. 6. Wenn man Sachsen von den 
anderen Verbündeten trennen und bewegen kann, einen Allianzs- 
vertrag mit Bayern unter der Garantie Frankreichs zu schliessen, 
so darf Belleisle den Churf ürsten von Sachsen der Freund- 
schaft und Allianz des Königs von Preussen versichern und ihm 
erklären, dass der König von Preussen in diesem Falle beitragen 
wolle, ihm jenen Theil von Böhmen bis an die Elbe und den Theil 
von Ober-Schlesien, der ihm zur Communication mit Polen nöthig 
ist, zu verschaffen ; ja, der König von Preussen offeriert ihm sogar, 
das Fürstenthum Sagan zu cedieren, welches an die Lausitz stösst 
und dem Churfürsten sehr conveniert. 7. Der König muss sich die Frei- 
heit, ein Accomodement abzuschliessen, umso mehr bewahren, da einer- 
seits die französische Armee nicht im Stande ist, jetzt zu handeln, 
andererseits, weil der Cardinal niemals die Absicht gehabt hat, dieses 
Jahr Krieg zu führen. "Wozu nützt also dem Könige von Frankreich 
die Allianz mit Preussen? Der Cardinal ist zu vernünftig, um zu 
wollen, dass der König von Preussen sich und sein Land ohne 
Vortheil opfere, dass es viel besser sei, einen Freund, wie ihn, zu 
erhalten, um im Bedarfsfall wieder zu ihm zurückzukehren, er sei 
jedoch überzeugt, dass es dem König niemals gelingen werde, das 
Haus Oesterreich zu erniedrigen, den Grossherzog vom Kaiserthrone 
auszuschliessen und dem Churfürsten von Bayern zu nützen, wenn 
er nicht eine mächtige Armee in das Reich einrücken lasse; alle 
übrigen Fürsten seien gerüstet und wenn Frankreich als bewaffneter 
Vermittler auftrete, werde es nach seinen Absichten entscheiden. 
8. Der König von Preussen wird nie dem Grossherzog seine 
Stimme geben, er steht mit Niemandem in Unterhandlungen ; die 
Propositionen, die ihm gemacht sind, kennt er nur auf geheimen 
Wegen und aus aufgefangenen Briefen. Am Schlüsse erklärte der 
König noch : Ich fürchte nichts so sehr, als zu einem ebenso 
traurigen, wie demüthigenden, wenig vortheilliafteii und wenig 
sichern Vergleich gezwungen zu sein und wünsche im Gegentheil, 
nichts so lebhaft als die Allianz mit Frankreich. Ich bin bereit, ab- 
zuschliessen, sobald Frankreich seine Armee operationsbereit hat, 
ebenso wie seine Alliierten. Mylord Hyndford wird eintreffen, 
um die Unterhandlungen zu beginnen; ich werde dieselben in die 
Länge ziehen." 1 ) 

Hierauf wurde auch das Thema betreffs der Bemühungen des 
AViener Hofes besprochen. Belleisle bemerkte, dass die Königin 



1 ) Memoiren Beileisle's und Berichte an Amelot. Paris. 



295 

von Ungarn auch, beim König von Frankreich um Schutz gegen 
die Unternehmungen Preussens in Nieder-Schlesien angesucht habe, 
wobei er seinen Zweifel einfliessen Hess, ob die Königin auch 
nur ein Dorf abtreten wolle, eher sei sie zur Abtretung einer 
Provinz an den Churfürsten von Bayern bereit. B e 1 1 e i s 1 e gab 
übrigens der Ansicht Ausdruck, dass Sachsen sofort sich mit 
Frankreich alliieren werde. ] ) 

B e 1 1 e i s 1 e berichtet über die eigenthümlichen Eindrücke, die 
er in diesen Unterredungen mit König Friedrich II. gewonnen, 
an A m e 1 o t : 

„Nach der Art und Weise, wie König Friedrich gesprochen, 
nach seinem offenen Gesichtsausdruck, allen seinen Bewegungen, 
dem Tonfall seiner Stimme, sollte man fast nicht daran zweifeln, 
dass er das, was er gesagt, nicht ebenso gedacht habe ; doch macht 
das zweideutige Benehmen, (la conduite equivoque), welches dieser 
Fürst seit dem Beginne der Unterhandlungen eingehalten hat und 
das Uebrige, was wir wissen, gerade in seiner Person verdächtig, was 
es bei jedem Andern nicht wäre. Er ist so überzeugt, dass er 
niemals Sicherheit in einem Ausgleich mit dem Wiener Cabinet 
finde, dass er nur „la tete tournee de peur" zu einem solchen 
die Hände bieten könne und desshalb drängt er so, dass Bayern 
vorwärtsgehe, dass man Schweden sich zu erklären zwinge, dass man 
versuche, Sachsen zu gewinnen und vor Allem, dass Frankreich 
sich in den Stand setze, die nöthigen Diversionen zu unternehmen." 

Bell eis le hatte von seinem Hofe Befehl, durchaus zu ver- 
meiden, bei einer kriegerischen Action an der Seite des Königs 
von Preussen zu sein, um nicht in die Lage gesetzt zu werden, 
militärische Rathschläge zu ertheilen. 

Der König von Preussen billigte dies und desshalb begleitete 
ihn Bell eis le auch nicht in die Trancheen vor Brieg. Da es 
regnete und schneite, konnte Bell ei sie nicht die ganze Armee 
besichtigen. König Friedrich H. Hess aber ein Bataillon vor 
ihm exercieren. Der französische Marschall fand die Truppen aus- 
gezeichnet und lobte besonders das Schnellfeuer der Infanterie. 

Als Belleisle am 1. Mai Abschied nehmen wollte, äusserte 
Friedrich H. den Wunsch, um Abends G Uhr nochmals zu 
sehen, bei welcher Gelegenheit eine einstündige Conversation 

*) Belleisle's Memoiren und sein Bericht an Amelot. Paris. 



296 

stattfand und Friedrich den französischen Marschall zum Abschied 
umarmte. Dem König Ludwig möge Belleisle mittheilen, 
dass er dessen Brief ,, heute" nicht beantworten könne, da ihni 
seine Kanzlei noch nicht zur Verfügung stehe. *) 

Am 2. Mai verliess Belleisle das Lager, nachdem er dem 
Marquis de Valory noch Instructionen hinterlassen hatte, besuchte 
am 6. Mai die Porzellanfabrik in Meissen und kam am 7. Mai auf 
dem Jagdschlosse Hubertsburg an, wo der König von Polen sich 
damals aufhielt. König August erkundigte sich sogleich nach 
dem Könige von Preussen. Belleisle theilte mit, dass König 
Friedrich Sachsens Freundschaft wünsche und nur Nieder- 
Schlesien behalten wolle ; wenn Sachsen sich mit Bayern einige, 
um jedes auch seinen Vortheil zu suchen, so stehe er stets zu 
Beider Diensten, zumal wenn er fest auf sie zählen könne. König 
August meinte freilich: „Man kann sich auf Preussen nicht ver- 
lassen", aber Belleisle beruhigte ihn mit der Versicherung, dass 
er ja das Resultat seiner letzten Conferenz in Dresden an den 
Versailler Hof geschickt habe, man sei damit sehr zufrieden und 
werde Herrn Desalle urs als Gesandten an den sächsischen Hof 
schicken. 

In der Conferenz mit Brühl drückte Belleisle seine Ver- 
wunderung aus, dass Poniatowski noch nicht gesprochen habe, 
auch der Cardinal wundere sich darüber; Belleisle habe ihm doch 
geschrieben, dass Poniatowski Befehl erhalten habe, die Unter- 
handlungen anzuknüpfen. Brühl versicherte eifrig: ,,Ich habe noch an 
demselben Tage, wo ich Ihnen in Dresden mein Versprechen gab, 
meine Briefsendung an Poniatowski nach Strassburg abgeschickt; 
wahrscheinlich hat P o n i a t o w s k i sie erst später erhalten. Uebrigens 
versichere ich Sie, dass Sachsen mit dem "Wiener Hof in keiner 
Unterhandlung steht, Alles was man in dieser Beziehung und 
bezüglich eines Vergleichs mit dem Wiener Hof aussprengt, sind 
blos Lügen und Kunstgriffe der "Wiener Minister". 

„Wir wollen uns nur sicherstellen gegen Preussen, von dem 
ich fürchte und glaube, dass es heute oder morgen sich mit 
Oesterreich vergleicht und da Sachsen der Einzige war, welcher 
sich offen der Mitregentschaft und der böhmischen Stimme 
widersetzt hat, so darf man nicht zweifeln, dass der Wiener 
Hof gegen uns aufgebracht ist. Vor allen Dingen ist es nötliig, 
dass der Churfürst von Bayern sich deutlicher erklärt, als bisher ; 



J ) Belleisle an A m e 1 o t. Breslau. 23. April 1741. (Pariser Archiv.) 



297 

sein Gesandter liier sagt uns nichts und der Churfürst sagt ebenso- 
wenig dem Herrn von Loos, der ein Mann von Verdienst ist, 
welchen der König für diesen Hof gewählt hat und wenn Sie den 
Churfürsten zu einem Vorschlag vermögen, braucht er ihm dies 
nur zu erklären Wenn Loos darüber berichtet, so werden wir ihm 
darüber Vollmachten schicken. Wenn der König von Preussen 
sich mit dem Wiener Hof nicht vergleicht und sich mit uns ver- 
bündet, so soll er Nieder-Sohlesien erhalten ; Sachsen dagegen Ober- 
Schlesien und Böhmen bis an die Elbe und Moldau mit Prag; 
Bayern endlich den anderen Theil von Böhmen, Ober-Oesterreich, 
Tyrol und Vorcler-0 esterreich. Der Rest bleibt Maria T h e r e s i a." 
Dem Einwurf Bell eis le's, dass Bayern schwerlich Theile von 
Böhmen cedieren werde, auf welche es Rechte zu haben behaupte, 
begegnete Brühl mit der Erklärung: „Wenn Bayern immer von 
seinen Rechten spricht und dieselben geltend machen will, so kann 
Sachsen nicht mit ihm einig werden." 

Am Schlüsse der Conferenz wurde ausgemacht, dass vor allen 
Dmgen nothwendig sei, die Frage wegen der böhmischen Stimme 
zu entscheiden und dass Brühl daher sogleich Instructionen an 
den sächsischen G-esandten zu Frankfurt schicken solle. An dem- 
selben Tage, 9. Mai, hatte Belleisle seine Abschiedsaudienz 
beim Könige. 

Am 10. Mai reiste Belleisle von Hubertsburg ab und 
nahm seinen Weg durch Franken. Am 15. Mai passierte er Er- 
langen, wo der Markgraf von Bayreuth residierte. Belleisle 
schlug eine Einladung zur Mittagstafel aus, reiste weiter und kam 
am 18. Mai in Nymphenburg an. 

B e 1 1 e i s 1 e's Rundreise hatte ihre Früchte getragen. Der Tag 
von Mollwitz und des französischen Unterhändlers Geschick hatte 
Sachsen von dem zu Gunsten der Erbtochter Carl VI. in Dresden 
geschlossenen Concert getrennt und nun in das Lager ihrer Gegner 
geführt. 



Die österreichische Armee im Lager bei Neisse. 



,,\\ ir wollen denken, dass wir anfangen und dass noch nichts 
vorgefallen sei. Setzen sie nur wieder den Regimentern Herz in 
den Leib, um sie aufzumuntern, ihre Wiedervergeltung zu nehmen 
und ich rechne auf Ihre Kenntnisse und auf den guten Willen 
derselben," schrieb Grossherzog Franz Stephan dem ausser- 
ordentlich niedergedrückten Armee-Commandanten am 15. April. 

In diesem Sinne wurde nun im Lager des österreichi- 
schen Heeres vorgegangen. An Eifer fehlte es nicht und man 
gab sich Mühe, durch bessere Ausbildung die numerische Schwäche 
des Heeres auszugleichen. Der Feldmarschall konnte in seinen 
Berichten aber nicht verhehlen, dass nur durch Diversionen der 
befreundeten Höfe oder durch Beistellung eines Hilfs-Corps von 
10.000 bis 12.000 Mann es ihm möglich werde, der Kriegführung 
in Schlesien eine andere Wendung zu geben. 

Das Infanterie-Regiment Leopold Daun, ursprünglich zur 
Krönung der Königin nach Pressburg bestimmt, hatte allerdings 
Befehl erhalten, in beschleunigten Märschen nach Schlesien ab- 
zurücken. Dasselbe sollte, nachdem es bei Pressburg die Donau 
passiert, durch Mähren in drei Colonnen und zwar durch den 
Brünner, Hradischer, Olmützer und Prerauer Kreis marschieren, 
konnte jedoch vor Mitte Mai kaum in Neisse eintreffen. Die zwei 
ungarischen Freiwilligen-Regimenter befanden sich allerdings im 
Anmärsche, doch mache dies, wie Graf N eipp e r g meint, „die 
Sache nicht aus und werde er sich dadurch niemals in Stand 
gesetzt sehen, dem Feind, stark wie er sei, sich wieder präsentieren 
und offensive gegen ihn agieren zu können. Sobald aber ein 
Succurs von 10.000 bis 12.000 Mann guter und fremder Infanterie 



299 

vorhanden, da er nicht bergen könne, dass auch auf die gesammte 
in Ungarn befindliche Infanterie, welche meistens in Recruten und 
in vielen unerfahrenen Officieren bestehe, nicht viel zu rechnen, 
so hebe v sich dieser Anstand von selbst und würde alsdann mit der 
Hilfe Gottes ein guter Succes unfehlbar zu hoffen sein." 1 ) 

Der Armee-Commandant erörterte in dem nämlichen Berichte 
auch die Verhältnisse bei der Generalität und bemerkt: 

„Von Generalen habe dermalen nicht mehrere allhier, als 
von der Cavallerie beide FML. Berlichingen und Preysing, 
GF"VVM. Philibert, H o 1 1 y und Dick w eiler; von der In- 
fanterie hingegen den einzigen FML. Browne, welcher immerdar 
kränklich und von keiner dauerhaften Gesundheit ist, solchemnach 
denselben dermalen, um in einer vorfallenden Occasion auf ihn 
rechnen zu können, menagieren muss und nebst seiner den einzigen 
CIFWM. Kolowrat, woran, zumal auf die übrigen, die blessiert 
und bis auf den General Lentulus, den allhier behalten, um 
ihn in das Glatzische wieder absenden zu können, bereits hinweg 
sind, auch können möglich zu den Blessuren andere Krankheiten 
sich schlagen, nicht zu rechnen ist, bei weitem nicht genug habe. 
Da aber auch, obschon den beihabenden und noch kommenden 
General-Feldmarschall-Lieutenants nicht das Mindeste auszusetzen 
weiss, eine bekannte Sache, dass, wo Kameraden miteinander 
concurrieren, die vorfallenden Dienste und übrigen Ergebenheiten 
nicht mit solcher Exactitude und Punctualität respiciert zu werden 
pflegen, als wenn ein Capo vorhanden, so wäre auch mein aller- 
unterthänigstes, doch unniassvorschreibliches Erachten, wann Eure 
Kaiserliche Majestät von der Allerhöchsten Gnade wären, einen 
guten und ausgesuchten General-Feldzeugmeister sowohl, als einen 
derlei Generalen der Cavallerie zu diesem Corpo beordern zu 
lassen, womit alsdann Infanterie und Cavallerie jedwedes ihr 
absonderliches Capo hätten und sofort der Allerhöchste Dienst 
auch zu Supplierung meiner eigenen Unerfahrenheit und da ein 
Mensch nicht Alles allein zu zwingen vermag, desto besser befördert 
werden könnte." 

Der Feldmarschall fügte hinzu, er habe allen Generalen und 
Officieren, ,,so bei dem vorgefallenen Treffen vor anderen sich 
distinguiert und liier sich befinden, Eine kaiserliche Majestät ihrent- 
halben tragendes allermildestes Sentiment zu erkennen gegeben, 



v ) FM. Graf Neipperg an die Königin. Neisse, 23. April 1741. 
(Aus dem gräfl. N e i p p e r g'schen Archive in „Mitthlg. d. K. A.", N. F. II, 209.) 



300 

die es mit allerunterthänigstem Dank erwiedern und Allerhöchst- 
dieselbe ihrer ferneren unverbrüchlichen Treue und Eifers durch 
mich versichern lassen ; unter Anderen aber remittiert sich der bis- 
herige hiesige Commandant, Oberst Roth, der gewiss ein recht- 
schaffener Soldat und reflexionswürdig zu Allerhöchstderselben 
Gnad, wie ingleichen auch der liier angestellte Bürgermeister 
Leopold Eisenkol b." x ) 

Dass die preussischen Absichten auf Brieg abzielten, gieng 
aus allen Meldungen und Nachrichten hervor, die bei dem Armee- 
Commando einliefen. Graf Neipperg bemerkte übrigens in dem 
erwähnten Berichte an die Monarchin, class er, falls die Belagerung 
mit vereinigter feindlicher Macht vor sich gehen sollte, ,,obschon 
der Commandant Graf Piccolomini ein experimentierter und 
guter Soldat, den Ort für verloren schätze, denn in dem Stand, 
wie er dermalen sich befinde und wenn auch das Leopold Damr- 
sche Regiment und Uebriges noch unterdessen zu ihm stossen 
sollte, getraue er sich, den Ort, in Ansehung des grossen Hazarcls 
und üblen Folgerungen, nicht zu deliberieren, ausser die Königin 
befehle es absolut, in welchem Falle er sich ganz und gar nicht 
mehr weigern werde". 2 ) 

Neipperg fügte aber bei, dass, wenn auch inzwischen Brieg 
verloren gehen sollte, er, wenn er die Verstärkung durch Infanterie 
der alliierten Mächte erhalte, Mittel und Wege ausfindig machen 
werde, ,, wieder an den Feind zu kommen, wozu sich ungeachtet 
dieses Verlustes noch Mittel finden lassen würden". Er werde 
unterdessen suchen, dem Feind durch ausgesendete Partheien von 
Husaren oder auf andere Weise allen möglichsten Abbruch zu thun, 
auch denselben in seinem Unternehmen auf Brieg beständig beun- 
ruhigen lassen. Der Armee-Commanclant Hess das Bataillon Max 
Starhemberg (Nr. 24), das sich im Fürstenthum Teschen befand, 
nach Troppau und Jägerndorf rücken und trug darauf an, dass das 
Podstatzky'sche Cürassier-Regiment, das im Waag - Thale stand, 
gegen Ratibor und Oppeln disponiert werde, um die Bewohner 
dies- und jenseits der Oder gegen die feindlichen Drangsale und 
Belästigungen zu schützen, auch dem Feinde selbst Abbruch 
zu thun. 



*) Ebenda. 
2 ) Ebenda. 



301 

Die bei Aufgeboten bewaffneter Bauern fast unvermeidlichen 
Ausschreitungen gegen die eigene Bevölkerung veranlassten den 
FM. Grafen Neipperg, am 21. April ein scharfes Patent zum 
Schutze 'der treugebliebenen Ortschaften und Unterthanen zu er- 
lassen. l ) Da Klagen und Beschwerden über Freibeuter-Banden 
einliefen, die in den Fürstenthümern Oppeln und Eatibor gegen die 
Einwohner evangelischen Glaubens, unter dem Vorwande, als seien 
sie beauftragt, dieselben auszurotten, Excesse und Gewaltthaten 
gegen Bekenner beider Religionen ausübten, verordnete ein zweites 
Patent vom 26. April dieselben zu verfolgen und einzuliefern, 
„um an ihnen ein gemessenes Exempel statuieren lassen zu können 
und dadurch der ganzen Welt zu zeigen, wie weit die Königin 
entfernt, jemand von ihren treuen Unterthanen, möge er der katho- 
lischen oder evangelischen Religion angehören, ,,das geringste 
Leid oder Unbill zufügen zu lassen." 2 ) 

Neipperg muss übrigens sehr gute Disciplin bei der Armee 
gehalten haben, da der böhmische Obristkanzl er GrafKinsky 
am 26. April sich veranlasst fand, in dieser Richtung dem Armee- 
Commanclanten seinen Dank auszusprechen. 3 ) 

Von Wien aus empfahl der Grossherzog, Brieg nicht ganz 
ausser Acht zu lassen und durch ausgesendete Streifpartheien 

*) Der Wortlaut des Patentes Anhang XLVI1/1, Beüage 17/1. 

„Den sogenannten Wallachen oder Goralen kann übrigens nicht ver- 
wehren, dem Feind und andern, die es mit ihm halten, Schaden und Abbruch 
zu thun, inmassen es zum Dienst und Vortheil Ihrer königl. Majestät unserer 
Allergnädigsten Frau gereicht; damit aber hierunter nicht auch die getreuen 
Unterthanen mitgenommen und durch obgedachte Wallachen oder Goralen 
ihnen Schaden und Leids zugefügt werde, so schliesse Meinem hochverehr- 
testen Herrn ein offenes Patent hiebei, wodurch dieselbe irztwiederholte 
Wallachen oder Goralen in den Schranken der Geziementheit verbleiben 
machen können. Bei welcher Gelegenheit auch denselben von den, durch 
unsere Allergnädigste K ö n i g i n erlassenen Advocatoris ein Original und 
sechs Copien anlege, um selbige sowohl zu Oppeln, als sonstigen Orten 
dasigen Fürstenthums gehörig püblicieren und an den gewöhnlichen Orten 
affichieren lassen zu wollen". Neipperg a. d. Eegierung zu Oppeln, Neisse, 
21. April 1711. (K. A., Schlesien 1741 ; IV, 47). 

2 ) Der Wortlaut des Patentes, Beilage 47/2. 

3 ) „Uebrigens aber müssen wir E. E. sämmtlich für die gute Mannszucht 
allen Dank erstatten und den armen ohnedem bedrängten Bauern durch 
Gewalt nicht drücken zu lassen, ist bei Gott ein grosses gutes Werk und 
angenehmer als alles Beten und Almosen." K i n s k y an Neipperg. Wien. 
26. April 1741. (K. A., Schlesien 1741 ; IV, 57.) 



302 

die Nachschübe an Verpflegung für das preussische Heer zu ver- 
hindern. Da den Cavallerie-Regim entern Pferde fehlten, liess der 
Grossherzog 2000 Stück aufkaufen und zur Armee senden. r ) 
Neipperg sollte trachten, durch kleinere Unternehmungen der 
Infanterie wieder Muth und Selbstvertrauen einzuflössen. 2 ) 

Der Grossherzog theilte dem Armee - Commandanten weiter 
mit, dass aus Ober-Oesterreich, „da es dort noch ruhig zu bleiben 
scheint", zwei Bataillone und zwei Grenadier-Compagnien von 
Max Starhemberg aus Linz, ebensoviel von AVurmbrand-Infanterie 3 ) 
aus Inner-Oesterreich, weiter 3000 Warasdiner Grenzer, welche 
am 28. April in Eisenstadt in Ungarn eingetroffen waren, zur 
Armee stossen würden. 4 ) Allerdings trafen bei den im Felde 
stehenden Regimentern die Ergänzungs-Mannschaften, meistens un- 
ausgebildete Recruten, häufig ohne Feuergewehr ein, was den 
Feldmarschall zur Bitte veranlasste, der Hof- Kriegsrath möge 
wenigstens die Recruten fortan ausgerüstet zur Armee senden : 
für alle Fälle aber in Brunn einen Yorrath von calibermässigen 
Gewehren anlegen. Auch wurden die Schlesien am nächsten be- 
findlichen und annähernd completen zwei Cavallerie-Regimenter 
in das Feld beordert. ' 5 ) Der Grossherzog hoffte, dadurch die 
Armee bald in Stand gesetzt zu sehen, eine kräftige Revanche 
zu nehmen. 

Patriotische Männer im vom Feinde invadierten Lande beeilten 
sich, ihre Kräfte der Sache der Königin zur Verfügung zu stellen, 
so erbot sich Graf Ludwig Lambert Celari. eine Frei-Compagnie 



J ) Aus Kärnthen giengen Anfangs Mai 300 Dragoner - Pferde nach 
Schlesien ab. 

2 ) Der Grossherzog an Neipperg, 25. April 1742. Gräfl. Neipperg'- 
sches Archiv. 

3 ) Im Jahre 1809 als Nr. 50 reduciert. 

4 ) Der Beschluss wegen der Bestimmung dieser Grenz-Truppen nach 
Schlesien wurde erst in der Staats-Conferenz am 28. April gefasst. Die 3000 
Mann Warasdiner Grenzer waren ursprünglich für Ober-Oesterreich bestimmt. 
wurden aber nach einem am 2. Mai 1741 an die Landschaft des Erzherzogthums 
Oesterreich ob der Enns erlassenen Befelde der Königin zum schlesischen 
Corps bestimmt. Starhemberg marschierte von Linz nach Budweis ; Wurm- 
brand über Eisenerz-Linz auf Budweis, von dort durch Mähren nach Schlesien. 
Die Truppen zahlten die Etapen. Das Eegiment Wurmbrand wurde, um complet 
nach Schlesien abzurücken, durch Mannschaft des in Warasdin verbleibenden 
3. Bataillons verstärkt. Diese Mannschaft rückte in einer eigenen Colonne 
nach. (H. H. u. St. A., Kriegs-Acten, Successions-Krieg. Fase. 137.) 

5 ) Podstatzky-Cürassiere und Kärolyi-Husaren (Nr. 6). 



303 

von 1000 bis 1200 Mann für die Dauer des Krieges zu errichten 
und damit am rechten Oder-Ufer dem Feinde Abbruch zu thun. 
Er erhielt auch die Bewilligung hiezu. ') 

Graf Franz Albrecht Tentzi n theilte dem FM. N e i p p e r g 
mit, class er und einige Stände der Fürstenthümer Oppeln und 
Ratibor ,,als unterthänig treugehorsamste Vasallen Ihro Majestät 
der Königin von Ungarn und Böhmen, unserer Allergn ädigsten 
Frau, etliche und vierzig Mann Eecruten zu Allerhöchsten Diensten 
zu stellen entschlossen seien." Für diese Mannschaft wurde auch 
das Geld für die Montur von den Spendern beigestellt. Graf 
Tentzin gieng sogar noch weiter, er theilte dem Feldmarschall 
mit, class er ungeachtet der vielen preussischen Bedrohungen den 
wenigen Vorrath an Getreide conserviert habe und jetzt mit vielen 
Freuden, was in seinen Kräften stehe, zu Allerhöchsten Diensten 
anwende und könnten sechshundert Scheffel Hafer, ein Gleiches 
auch von Herrn Grafen S o b e k von Eatibor überlassen werden." 
FM. Graf Neip per g bewunderte und belobte bei Annahme des 
Anerbietens, die patriotische EntSchliessung Tentzi n's und seiner 
Mitstände. 2 ) 

Bezüglich der Magazins-Vorräthe wurde angeordnet, dass 
jener zu Oppeln und Krappitz nach Neisse, der in Ratibor be- 
findliche nach Troppau und Jägerndorf überführt werde. 3 ) 

Von Generalen war Freiherr von T h ü n g e n 4 ) zum Feldzeug- 
meister ernannt und für die Armee bestimmt worden, ebenso 
G. d. C. Graf Franz Bndolph von Hohen e m s, dann FML. 
Leopold Graf Dann 5 ), welcher ursprünglich in Ober-Oesterreich 
commandieren sollte und GFWM. Johann "Wenzel Freiherr von 
Przichowsky. Für den Ersatz des in der Schlacht von Moll witz 
verlorenen Artillerie-Materials und für die Verstärkung der Armee 
überhaupt wurden die entsprechenden Befehle gegeben. Der Gross- 
herzog konnte übrigens nicht unterlassen, da es nach N e i p p e r g's 
Bericht vom 23. April den Anschein hatte, als functioniere 
der Dienstbetrieb in der Armee nicht so glatt, wie er es 
wünsche, denselben aufzufordern, bei Officieren und Soldaten die 



: ) Das Patent Anhang XLVIII. Es scheint jedoch zur Aufstellung 
der Conipagnie nicht gekommen zu sein, wenigstens wird dieselbe nirgends 
erwähnt. 

2 ) K. A., Schlesien 1741 ; IV, 48Vs. 

3 ) Ebenda IV, 47. 

4 ) Adam Sigmund Freiherr von Thüngen. 

5 ) Leopold Joseph Maria Graf Dan n, Fürst von Thiano. 



304 

Dienstfreudigkeit zu erhalten und Alles anzuwenden, um sich die 
Zuneigung des Ofiiciers-Corps zu erwerben, indem er ihnen Zutrauen 
zeige und ohne Aergerniss sie belehre 1 ). 

N e i p p e rg wandte sich auch an den commandierenden 
General in Ungarn FM. Grafen Pälffy und theilte ihm mit, dass 
es wünschenswerth, die freiwilligen ungarischen Regimenter sobald 
als möglich zur Verfügung zu haben, um sie am rechten Oder- 
Ufer besonders bis gegen Brieg verwenden zu können. 2 ) 

Um die Verbindungen der preussischen Armee zu beunruhigen, 
entsendete FM. Graf Neipperg am 20. April den GFAVM. Baron 
Baranyay mit 750 deutschen Pferden und 500 Husaren gegen 
Strehlen. Baranyay hatte, wie erzählt worden, ein detachiertes 
Corps geführt, welches die rechte Flanke der Armee beim Vor- 
marsche gegen Schlesien zu decken bestimmt war. Dessen Vorhut 
war am 3. April in Troppau eingerückt, das die preussischen 
Truppen am Abend des 2. April schon verlassen hatten. 3 ) Bara- 
nyay gieng nun über Ratibor auf Oppeln vor, das seine Vorhut 
am Schlachttage von Mollwitz besetzte. Bei seinem Abzüge aus 
Ober-Schlesien nach dieser Schlacht blieben am rechten Ufer des 
unteren Laufes der Neisse, bis zu deren Einmündung in die Oder 
kleine Beobachtungsposten, so der Rittmeister Graf St. Germain 4 ) 



1 ) „Verzeihen Sie mir dieses Memento, welches mir Ihre häufigen Ver- 
anlassungen zum Aerger nöthig erscheinen lassen und ich bitte Sie, hätscheln 
Sie die Officiere, soviel Sie können." Der Grossherzog an FM. Neipperg. 
Wien, 29. April 1741. (Gräfl. N e i p p e r g'sches Archiv.) 

a ) „Weil der Feind nach den bereits vielfältig von den Husaren er- 
fahrenen Probstücken eine grosse Apprehension vor den Herren Hungarn zu 
haben scheint und in der Supposition ist, dass eine viel grössere Anzahl, 
als wirklich geschieht, in der Ausrückung begriffen sein werde." Neipperg 
an Pälffy, Neisse 23. April 1741. (K. A., Schlesien 1741; IV, 49.) Die zwei 
Jazygier-Compagnien waren am 25. April in Jaszbereny gemustert worden 
und am 27. April von dort aufgebrochen. 

3 ) K. A., F. A. Schlesien 1741; IV. 7. 

4 ) Vom Hohenems'schen Cürassier - Eegimente. Claudius Ludwig Grat 
S ain t-G er m ain, geb. im Schlosse Vertamboz bei Lons-le-Saulnier (Jura) 
am 15. April 1707, quittierte den österreichischen Kriegsdienst als Eittmeister 
mit Ende Mai 1712, trat dann in bayrische, später in französische Kriegs- 
dienste ; 1762 gieng er nach Dänemark, wo er Kriegsminister, Feldmarschall 
und Eitter des Elephanten-Ordens wurde. 1773 kam er nach Frankreich zurück 
und ward nach der Thronbesteigung L udwi g XVI. an die Spitze des 
Militär-Departements gestellt (1775). Im September 1777 resignierte er und 
starb zu Paris am 15. Januar 1778. 



30£ 

in Kirchberg. Ausserdem standen Husaren-D efcachements in Falken- 
berg und in Graue. Die Preussen hielten mit kleinen Abtheilungen 
das linke Fluss-Ufer in Löwen und Michelau besetzt. 

St. Germain liess am 28. April alle Fahrzeuge, welche von 
der Brücke von Michelau bis Sonnenberg auf beiden Ufern der Neisse 
waren, nach Kirchberg bringen. In Löwen war die Brücke am 
linken Ufer abgebrochen. 

Die Thätigkeit der B a r any ay'schen leichten Truppen er- 
streckte sich nun bis vor die Thore Breslau'«, das er nach der 
Mollwitzer Schlacht von Oppeln aus vorgehend, bereits lebhaft 
beunruhigte. *) 

_ ») Ein auf handschriftliche Quellen gestützter Aufsatz in der „Zeitschrift 
des Vereines für Geschichte und Alterthum Schlesiens", III. Bd., schildert in 
anschaulichster Weise die kritische Lage in der Landeshauptstadt selbst 
wie folgt : 

» Die Verlegenheiten des Kriegs-Commissariates erreichten den höchsten 
Grad als sich in der zweiten Hälfte des April der Kriegs-Schauplatz bis in die 
unmittelbare Nähe von Breslau ausdehnte. Trotz der Schlacht von Mollwitz 
war ein Commando österreichischer Husaren unter dem General Baränyay 
auf einem Streifzuge zwischen dem 15. und 17. April bis in die Vorstädte von 
Breslau gedrungen und hatte die dortigen Magazine der grössten Gefahr aus- 
gesetzt Der Ivönig sandte daher den Obersten von Münchow dorthin, um 
ihre Sicherheit zu prüfen, während er selbst mit dem Heere noch in der 
Gegend von Mollwitz stand. Der Oberst erstattete am 20. April einen Bericht 
dessen Concept bei den Acten (im Breslauer Staats-Archive) ist. Er fand die 
Magazine - das Getreide-Magazin befand sich auf dem Dome und da« 
Fourage-Magazin vor dem Ohlauer Thore _ in der That sehr exponiert und 
machte Vorschläge zu ihrer Sicherstellung. Aber ehe diese auch nur in Er- 
wägung gezogen werden konnten, wurde die Stadt am 22. April von Neuem 
durch feindliche Husaren alarmiert, welche das Fourage-Magazin in der 
Ohlauer Vorstadt angriffen ; ein umso bedrohlicheres Ereigniss, als der Köni Ä 
der sich zur Belagerung von Brieg anschickte, gerade in diesen Tagen von 
Breslau her Zufuhr an Brod, Ochsen und Fourage erwartete. In einem Bericht, 
welcher die Unmöglichkeit auseinandersetzt, ohne eine von der Armee ent- 
sendete Escorte dieser Erwartung zu genügen und der wohl von dem Geheim- 
rath M u n c h o w (Geheimer Finanzrath, stand mit dem Geheimrath von E e i n- 

* ' : r d T &P , ltZe deS kÖDi - 1 P reuss - Feld-Kriegs-Commissariates in Breslau) 
selbst herrührt heisst es : „Die Schiffer sind von den Schiffen gelaufen und 
die Bauern haben die Wagen mit den Pferden stehen gelassen. . . Der Alarm 
und die Consternation in der Stadt ist unaussprechlich. Mein Flehen, Bitten 
und Versprechen kann keinen einzigen Vivandier bewegen, sich aus der Stadt 
zur Armee zu machen.» Und noch an demselben 22. April folgt von derselben 
Hand em zweiter, noch bedenklicher lautender Bericht : „Alleweile schieket 
der Magistrat zu mir und lässt mir in Gegenwart der beiden Obersten 
D u m o ulm und von M ü n c h o w sagen, wie er bei der täglich zunehmenden 
Unsicherheit, fernerhin des Abends die Thore aufmachen zu lassen, sich nicht 
©österreichischer Erbfolgekrieg. II. Bd. <>, ) 



306 

Bei einem Zusammenstosse, vermuthlich vor Breslau, nahmen 
Baränyay'sche Reiter 112 Pferde und andere Equipage den 
Preussen ab. x ) 

Am 25. wurden von denselben 1 Capitain, welcher sich für 
einen schwedischen Volontair ausgab, nebst 20 preussischen Ge- 
fangenen und zwei Wagen mit Bagagen eingebracht. 2 ) 

Das Cürassier-Regiment Diemar war am 21. April im Lager 
bei Neisse angekommen. 

Der Feldmarschall zog Ende April die Truppen aus den 
Cantonnements und liess die Armee ein Lager beziehen. Der linke 
Flügel lehnte an die in Ruinen gelegten Vorstädte von Neisse, der 
rechte reichte bis gegen Bielau, mit dem Bielau-Flusse im Rücken. 
Ein sächsischer,, Volontair", eigentlich wohl Militär-Bevollmächtigter, 
Oberstlieutenant Mazani von Slavodin langte im Lager bei 
Neisse am 28. April an, am folgenden Tage kamen auch die GFWM. 
Pallant und Festetics dort an. 

Mittlerweile war auch GFWM. Graf d' 1 1 o n e aus Ungarn 
über Sillein und Jablunkau in das Fürstenthum Teschen gerückt. 
Er traf am 17. April ein und blieb dort bis gegen Ende des Monats. 
Das ihm unterstellte Detachement bestand nur in 1 Bataillon 
von Max Starhemberg, 7 Podstatzky'schen Cürassier-Compagnien 
und 90 Raaber und Komorner Husaren, da der commandierende 
General in Ungarn, FM. Graf Pal ff y, erklärt hatte, dass „die 
seit einer Zeit her in Ober-Ungarn und dem Bergstädtischen District 
glimmende Machinieruug der Akatholicorum auch immer sorg- 
samere Gedanken verursachen, dass es für eine pure Unthunlichkeit, 
ja eine allzu gefährliche Sache angesehen, die daselbstigen Regi- 
menter aus ihren Ubicationen herauszuziehen." Das Infanterie- 
Bataillon (424 Mann) wurde als Besatzungs-Truppe für Troppau 
bestimmt. 



entschliessen könne und dass er hoffe, dass ihm solches bei diesen Umständen 
nicht würde zugemuthet werden. Es ist unmöglich, sich die Bestürzung und 
den Zusammenlauf der Leute vorzustellen. Der Magistrat hat mir ferner 
insinuiert, wie er sich der ihm zugestandenen Neutralität mehr als bishero 
geschehen, würde conformieren müssen und nicht wohl verstatten könne, 
dass zur Versorgung E. M. Armee allhier so grosse Anstalten gemacht würden, 
sonderlich, dass man so vieles, Brod backen lasse, dass die hiesige Stadt selbst 
seit zwei Tagen Noth gelitten." (C a u e r, Zur Geschichte von Breslau im 
Jahre 1741.) 

*) K. A., Lutsch' Tagebuch. 

2 J Ebenda. 



307 

Ende April, beziehungsweise Anfangs Mai standen diese 
Truppen: In Eatibor: 241 Cürassiere und 12 Komorner Husaren- 
m Krappitz zur Bedeckung der Brücke : 30 Cürassiere; zu (Win ■ 
Oberstheutenant von Lichnowsky mit 150 Cürassieren, 50 Baaber" 
28 Komorner und 50 Csäky'schen Husaren, die von früher her in 
der Gegend standen. Von Oppeln aus sollten die preußischen 
lruppen beunruhigt und mit Brieg, besonders am rechten Oder-Ufer 
Verbindung gehalten werden. Gleichzeitig Hess der Feldmarschall am 
linken Oder-Ufer gegen Ohlau und Breslau streifen. Das KArolyi'- 
sche Husaren-Begiment (Nr. 6) war inzwischen Anfangs Mai zu 
Troppau angelangt und hatte den Befehl, ungesäumt den Marsch 
nach Oppeln fortzusetzen. 

WÄhrend König Friedrich II. zur Belagerung der Festung 
Brieg schritt, geschah von Seiten der österreichischen Heeresleitung 
das Möglichste, um dieses Unternehmen zu erschweren 



21 >* 



Die Belagerung- und Einnahme von Brieg. 



* V ie bereits erwähnt, bestimmte König F r i e d r i c h II. schon 
am Abende des 11. April jene Truppen, welche die Einschliessnng 
und Belagerung der Festung Brieg übernehmen sollten. Dieser 
Platz hatte sich zur Zeit des preussischen Einmarsches in Schlesien, 
wie alle übrigen in arg vernachlässigtem Zustande befunden. Doch 
hatte der Commandant der dortigen Frei-Compagnie, Oberst 
Baron de F i n durch den Ingenieur-Hauptmann S u 1 1 y schon im 
December des Vorjahres die Verstärkung der Werke beginnen 
lassen und Vorsorge für die Verproviantierung des Platzes getroffen. x ) 

Die fortificatorischen Arbeiten würden auch bereits bis zu Ende 
des Jahres bedeutend gefördert gewesen sein, wenn sich die von 
der politischen Behörde dazu bestimmten 6000 Bauern eingefunden 
hätten, von denen aber nur 1300 zur Arbeit erschienen und nach 
und nach bis auf 700 wieder entliefen. 

Die Frei-Compagnie hatte einen Stand von 300 Mann ; am 
14. December rückten dann 11 Compagnien von Wallis-Infanterie 
in die Festung, nämlich 10 Füsilier- und 1 Grenadier-Compagnie 2 ), 



J ) Auf des am 25. December eingetroffenen Hauptmanns S u 1 1 y Ver- 
anlassung wurden drei neue Ravelins und zwar eines zwischen dem Bres- 
lauer und Mollwitzer Thor, eines zwischen letzterem und dem Briegischdorfer 
Thor und eines an der Oder angelegt, die nächst dem Glacis stehenden 
Häuser demoliert und die Bäume in den Gärten gefällt. 

2 ) Der Stand der 2 Bataillone Wallis betrug mit 31. December 1740 : 
10 Füsilier- Compagnien 827 Mann, hievon dienstbar 599, undienstbar 109, 
commandiert und krank 119. Die Grenadier - Compagnie zählte 91 Mann, 
hievon 81 Mann dienstbar, 7 undienstbar und commandiert. Der Abgang 
vom completen Stande betrug bei den Füsilier- Compagnien 573, bei der 
Grenadier-Compagnie 9 Mann. 






309 

successive kamen 2 Grenadier-Compagnien von Botta, denen noch 
5 Füsilier-Compagnien r ) folgten, endlich von Browne 1 Grenadier- 
und 5 Füsilier-Compagnien (23. December). Anfang Januar 1741 
bestand die Besatzimg aus 2113 Mann. 2 ) 

Nachdem Oberst Baron Roth von Neisse aus die Festung 
schon am 11. und 16. December inspiciert hatte, kam am 19. der' 
Interims-Commandierende in Schlesien, FML. Graf Browne, der 
Breslau nach den vergeblichen Verhandlungen wegen Aufnahme 
einer Besatzung am 18. December verlassen hatte, begleitet von Oberst 
Baron Roth, Oberst Baron Locatelli von Liechtenstein-Dragonern 
und dem Grafen Pü ekler dort an, besichtigte am 20. die Forti- 
ncationen und gieng am 21. nach Ohlau ab. 

Am "Weihnachtstage wurde der Garnison das Seitens der 
Landesregierung publicierte Manifest verlautbart. 

Das Zeughaus der Festung enthielt 25 broncene Geschütze, 
dann 41 eiserne ,, Stück", 7 metallene und 3 eiserne ,, Polier". 
Munition war genügend vorhanden. 3 ) Dazu trafen von Namslau 
16, meistens kleine Geschütze und gleichzeitig 72 Wagen mit 
Munition und Requisiten ein. 

Die Thore der Festung passierten fast täglich bei 300 mit 
Proviant beladene AVagen. 4 ) 

Das Commando in Brieg übergab FML. Graf Browne, der am 
30. December 1740 mit GFWM. Grafen Octavian Piccolomini 
und Oberst Freiherrn von Roth neuerdings in der Festung eintraf, 
dem genannten General. 5 ) 



r ) Zusammen mit einem Stande von 182 Dienstbaren. Oberst de Fi n's 
Bericht. H. K. R 1711. Prot. Exped. Jan. Fol. 191 u. 195. 

2 ) Darunter 412 Kranke und Undienstbare ; dazu kamen noch 2 Cor- 
porale und 15 Dragoner vorn Eegimente Liechtenstein und 10 Artilleristen. 

3 ) Status des in den, dem königl. Obristen Land- und Haus-Zeug-Amt 
unterstehenden königl. Zeughäusern befindlichen Artillerie- Vorrathes. (K. und k. 
Reichs-Finanz-fHofkammer-] Archiv.) 

4 ) Mülle r, Die Belagerung Briegs 1741. Aus dem Tagebuche eines 
Augenzeugen. 

6 ) Octavian Aeneas Joseph Graf (später Fürst) Piccolomini war 
1693 geboren. Er erscheint 1737 als aggregierter Oberstlieutenant beim In- 
fanterie-Regimente Deutschmeister und wird daselbst am 28. Mai d. J. zum 
Obersten ernannt. Im Türkenkriege 1738 zeichnete er sich als Oberst im Eegi- 
mente Grünne bei der Vertheidigung von Mehadia aus. Als Commandant des 
Platzes führte er den Widerstand so energisch, dass die Türken nach schweren 
Verlusten am 27. Mai 1738 der Besatzung eine ehrenvolle Capitulation ge- 
währten. Piccolomini erhielt vom türkischen Commandanten als Ausdruck 
der Bewunderung seiner Standhaftigkeit ein prächtig geschmücktes Pferd. 



310 

Gleichzeitig erfolgte auch die Besichtigung der wehrhaften 
Bürgerschaft, die, in 4 Compagnien eingetheilt, 430 Mann stark war. 

Der commandierende General verliess arn folgenden Tage mit 
Piccolomini die Festung, welch' Letzterer am 2. Januar 1741 
zurückkehrte und nun das Festungs-Commando wirklich übernahm. 

In dem Befehle, welcher Piccolomini die Ernennung zum 
Festungs-Commandanten notificierte , war von einer besonderen 
Instruction abgesehen und sich nur auf die ihm im Jahre 1738 
anlässlich der Vertheidigung von Mehadia gegebenen Verhaltungs- 
massregeln bezogen. l ) 

FML. Graf Browne dürfte mündlich dem neuen Festungs- 
Commandanten wohl seine Ansichten über die Vertheidigung des 
Platzes entwickelt haben. Er unterstellte ihm in gewisser Beziehung 
auch die Puncte Ohlau und Namslau ; ebenso das an dem Neisse- 
Uebergange bei Löwen aufgestellte Commando. 

Am 2. Januar 1741 wurde auf dem Bingplatze der Stadt vor 
dem neuen Festungs-Commandanten von den Bürgern der Eid der 
Treue und Devotion für die Königin Maria Theresia ab- 
gelegt. Gleich nach der Eidesleistung mussten die jüngeren Bürger 
mit Hacken und Schaufeln zum Rathnause kommen und wurden 
dort durch einen Rath zur Schanzarbeit geführt. Die Ablösung 
derselben erfolgte dann am 3., am 4. wurde aber die ganze Bürger- 



Die trotzdem, eingeleitete kriegsgerichtliche Untersuchung ergab, das Piccolo- 
mini mit der Capitiüation nur dem Befehle des FZM. Graf Neipperg 
gehorcht hatte, „im Nothfalle zu capitulieren, um die Besatzung zu retten". 
Der Hof-Kriegsrath schlug ihn noch im selben Jahre, in Würdigung seiner 
Thätigkeit, „obwohl er noch ein junger Oberst", zum General-Feldwackt- 
meister vor, in welche Charge er auch am 16. December vorrückte. 

1711 erhielt Piccolomini das vacant gewordene Infanterie-ßegiment 
Wachtendonk, 1711 mit 11. Januar erfolgte seine Ernennung zum Feldmarschall- 
Lieutenant und am 2B. November 1718 zum Feldzeugmeister. Er starb am 
1. Januar 1757 als commandierender General in Mähren. 

1 ) Die zu jener Zeit von GFWM. Freiherrn von Engelshofe n an den 
Obersten Grafen Piccolomini, ddto. Orsova, 21. Januar 1738 ertheilte In- 
struction lautet auszugsweise : „Damit derselbe pro primo diesen Platz auf 
das Aeusserste gegen einen feindlichen Anfall beschütze und selben dem Feind 
nicht anders als durch überlegen anwendende Gewalt oder durch Capi- 
tiüation, jedoch nach vorhero, nach Anleitung deren Kriegs-Artikel bewiesenen 
Schuldigkeit dem Feind überlasse und diese habende Ordre zu seiner Zeit 
den unterhabenden Truppen, Ober-, Unterofficieren und Gemeinen kund mache 
und zu dessen VoUziehung anhalte." 

Die Schanze solle in einen vertheidigungsfähigen Zustand gesetzt, gute 
Kriegsdisciplin und Mannszucht gehalten werden. (K. A., F. A. 1738 ; XIII, 12 c.) 



311 

schaft aufgeboten. In den folgenden Tagen mussten die Vorstädte 
in Brand gesteckt werden. J ) 

Aus der Ende Decernber von Breslau in Brieg angelangten 
Steuerämts-Casse wurden dem Festungs-Commanclanten 15.676 fl. 
29 kr. von FML. Graf Browne zur Disposition gestellt, um die 
Auslagen für die fortificatorischen Arbeiten zu bestreiten. -) 

GFWM. Piccolomini gab sofort am 2. Januar 1741 eine 
Instruction, wonach zur Besetzung der "Werke im Falle der Be- 
lagerung angeordnet wurde : ,, Wenzel Wallis-Infanterie die Mühl- 
pforte und die Oder-Bastion, ferner die Schloss-Bastion nebst der 
Breslauer Pforte; Browne-Infanterie die Mollwitzer und Briegisch- 
dorfer Bastion; Botta-Infanterie die Bastion bei der Oppeln'schen 
Pforte und das Briegischdorfer Thor; die Frei-Compagnie in der 
Stadt als Reserve hat den Alarmplatz bei der Hauptwache, wo 
3 Grenadier-Compagnien ebenfalls Aufstellung nehmen." 

„Die Bürgerschaft rückt ebendorthin ; die Hälfte derselben 
besetzt den Zwinger und die zwischen der Stadtmauer befindlichen 
Thürme, die andere bleibt in Eeserve auf dem Platze bei der Haupt- 
wache. 3 ) 40 Mann der Bürger-Compagnien ziehen täglich auf Wache. 
49 Geschütze wurden auf den Bastionen aufgeführt. 

Die Regimenter mussten die ihnen zur Besatzung angewiesenen 
Ra3^ons selbst reparieren. Die Unterofficiere und Tambours wurden 
mit Feuergewehren bewaffnet. 

Der sehr thätige Commandant hatte eine Art Vertheidigungs- 
Comite gebildet, welches allabendlich in seiner Wohnung zu einer 
Sitzung zusammentrat. Demselben gehörten an : Oberst Baron de 
Fin, Ingenieur-Hauptmann Sully, dann die Landesbeamten Graf 
P ü c k 1 e r und Baron F r a n k e n b u r g, seitens der königlichen 
Kammer Administrator von Spindler und seitens der Stadt 
Rathmann W e i r a u c h. 

Am 8. Januar zeigten sich die ersten preussischen Reiter vor 
der Festung und zwar Husaren an der Ohlauer Strasse vor dem 
Breslauer Thor. Zwei Tage später trieben preussische Reiter (wohl 



x ) Die Belagerung von Brieg i. J. 1741, Tagebuch eines Zeitgenossen. 
Grünhagen in ,,Ztschft. d. V. für Gesch. u. Alterth. Schlesiens''. 1. Bd. 

2 ) Bis Anfang Mai waren überhaupt 46.312 fl. 34 kr. verwendet worden. 
(Fürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv zu Nachod.) 

s ) Siehe Tafel VI. 



312 

vom. Schulenburg'schen Grenadier-Regiment) die Feldwachen bis 
an die Werke zurück, worauf Rittmeister Baron d e F i n, ein 
Sohn des Obersten gleichen Namens mit 12 Dragonern und 4 Jägern 
hinausritt und sich in einen Hinterhalt legte. 

Als die preussischen Grenadiere die wieder auf ihren früheren 
Posten vorgegangene Feldwache zurückjagen wollten, brach de F i n 
vor und trieb dieselben bis gegen Paulau, wobei einige derselben 
blessiert wurden. Die österreichischen Dragoner brachten einige 
Grenadiermützen zurück, welche die preussischen Reiter auf der 
Flucht verloren hatten. 

Am 10. Januar, als die Nachricht von der Capitulation Ohlau's 
eintraf, Hess der Festiuigs-Commandant die Thore sperren. 

"Wie bereits erwähnt, waren nach der Capitulation von Ohlau 
4 preussische Bataillone und ebensoviel Escadronen vor der Festung 
eingetroffen und hatten diese vorerst auf dem linken Oder-Ufer 
blokiert. Auf dem rechten Fluss-Ufer wurde die Einschliessung erst 
am 25. Januar durch aus Namslau angekommene 2 Escadronen 
Bayreuth -Dragoner und 100 Mann Infanterie vollzogen, welche die 
jenseits der Oder liegenden Dörfer Neudorf, Schreibendorf, Neu- 
hollowitz, Garbendorf besetzten, wesshalb der Brückenkopf an der 
Oder mit 15 Mann verstärkt wurde. 

Kleinere Scharmützel und Rencontres der beiderseitigen Aussen- 
posten waren nunmehr an der Tagesordnung. 

Inzwischen begannen aber Krankheiten in der Festung sowohl 
bei der Garnison x ), als der Bürgerschaft besorgnisserregend auf- 
zutreten, auch kamen Desertionen vor. 

Am 2. März fiengen die Preussen an, von der Oder gegen 
Paulau auf etwa 1400 Schritte Distanz von der Festung, einen 
Laufgraben von 800 Metern Länge in Angriff zu nehmen, an 
welchem bei 600 Landleute arbeiten mussten. 

Um 3 Uhr Früh des 10. März machte der Festungs-Comman- 
dant mit 100 Mann Infanterie und 34 Reitern einen Ausfall gegen 
die preussischen Cernierungs-Truppen, welcher ziemlich resultatlos 
verlief, da die Preussen sich mit etwa G00 Mann in Vertheidigungs- 
stand setzten ; ein preussischer Dragoner wurde dabei erschossen. 



: J Der Abgang war bedeutend : Im Januar starben von der Garnison 
19, es desertierten 19, justificiert wurden 2 und 1 wurde als infam vom Regi- 
mente weggejagt. Im Monat März starben von der Garnison 52 Manu ; es 
desertierten 7 Mann. 



313 

GFWM. Graf Piccolomini Hess am 14. März auf der 
Mülilen-Insel ein 3-pfündiges Geschütz placieren, es mussten von 
nun an auch 3 Mann der bürgerlichen Schützen mit gezogenen 
„Röhren" auf der Insel bleiben, wo 1 Officiersposten mit 30 Mann 
stand. Eine Kette, die am 28. März eingehängt wurde, sperrte 
von der Spitze der Mühlen-Insel aus die Oder gegen Bastion 1 zu. 
Am 1. April war die Verpfählung an den Aussenwerken voll- 
endet. 

Die Annäherung der österreichischen Haupt -Armee machte 
sich am 7. April im Umkreise der Festung bereits bemerkbar, da 
die preussischen Feldwachen zurückgezogen und die nächst der 
Festung liegenden Dörfer geräumt wurden, worauf das Be- 
obachtungs-Corps unter General von Kleist nach Michelau ab- 
marschierte. Der Festungs-Commandant sendete nun ein berittenes 
Commando aus, um aus den Dörfern Schlachtvieh für die Festung 
zu requirieren und die von den Preussen zurückgelassenen Magazins- 
vorräthe an Getreide, Heu, Stroh und Victualien auf "Wagen in 
die Festung zu bringen. Die in den preussischen Linien vor- 
gefundenen Faschinen und Schanzkörbe wurden verbrannt. 

Die bei Briesen, zum Schutze der dort bestandenen Schiffbrücke, 
erbaute Bedoute wurde so viel als möglich zerstört, die Lager- 
hütten verbrannt. 

Eine Patrouille von 30 Mann, unter Commando eines Officiers, 
welche Oder-aufwärts gegangen war, traf dort am 8. April eilf von den 
Preussen zurückgelassene, mit Mehl beladene Schiffe an und liess 
dieselben durch die mitgenommenen Schiffsleute besetzen. Als dies 
Commando am rechten Oder-Ufer an's Land gestiegen war, um eine 
dort aufgeworfene Beioute einzuwerfen, wurde dasselbe von etwa 
100 preussischen Husaren angegriffen; der Officier konnte sich in- 
dessen, nachdem er 7 Mann eingebüsst, in die Schiffe zurückziehen 
und Ocler-abwärts fahren. Die preussischen Husaren sollen 2 Mann 
auf dem Platz gelassen haben. l ) 

An diesem Tage traf ein Schreiben des commandierenden 
Generals FM. Grafen Neipperg an den Festungs-Commandant en 
ein, worin Ersterer mittheilt, class er am 9. April in der Nahe 
Briegs eintreffen werde, Piccolomini solle 30.000 Portionen 
Brocl in der Nacht backen lassen und 18.000 Portionen Hafer und 
Heu bereit stellen. Die Anstalten hiezu wurden sogleich getroffen. 



*) Journal der Festung Brieg. (Fürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv 
zu Nachod.) 



314 

GFWM. Graf Piccolomini meldete um 8 Uhr Abends dem 
Armee-Commandanten, dass die Preussen am vorhergehenden Tage 
von Brieg abgezogen und grösstenteils gegen Löwen marschiert 
seien, ein Theil dagegen habe den Marsch, nach Abbrechung der 
Scliiff-Brücke gegen Ohlau genommen. Piccolomini fügte hinzu, 
dass sämmtliche eingelaufenen Nachrichten besagten, die preussi- 
sche Armee sei am 7. bei Löwen, Michelau und Lossen gestanden, 
er habe noch keine Kenntniss, ob sie von dort aufgebrochen sei. 
Auch bei Ohlau stünden einige feindliche Posten 1 ) und befinde 
sich dort ein grosses Magazin und alle Artillerie. 

Am 9. April um 9 Uhr Vormittag erblickte man von der 
Festung aus wieder Uniformen der eigenen Armee, österreichische 
Husaren, die über Hermsdorf kamen und der dieselben comman- 
dierende Rittmeister meldete dem Festungs-Commandanten, dass 
die österreichische Armee in Grüningen, Mollwitz, Laugwitz und 
Bärzdorf cantonniere und das Hauptquartier sich in Mollwitz befinde. 

Piccolomini sandte sogleich den Rittmeister Baron d e 
Fin zu Neipperg behufs Einholung seiner Befehle, dieser 
schickte ihn mit GO Husaren zurück und Hess durch diesen 
Convoi den Festungs-Commandanten, Oberst de Fin und Graf 
Püekler zu sich nach Moilwitz holen, 2 ) von wo sie um 1 Uhr 
Abends zurückkehrten. 

Bei der Unterredung mit dem Feldmarschall hatte P i c c o 1 o- 
m i n i demselben die Versicherung gegeben, die Festung sei auf 
drei bis vier Monate mit Lebensmitteln versehen. 

Gegen 10 Uhr Morgens des 10. April bemerkte man vom 
Stadtthurm, dass starke Truppen- Abtheilungen über Kreisewitz gegen 
Pampitz marschierten und ,, nachdem man ersehen, dass diese die 
feindliche Armee und selbe in Ordre de bataille und zwar in drei 
Colonnen gegen Pampitz anmarschieren", sandte Piccolomini 
den Fähnrich von der Frei-Compagnie zu N e i p p e r g nach Moll- 
witz, um ihm den Anmarsch der preussischen Armee zu melden. 



J ) Piccolomini an Neipperg, Brieg, 8. April 1711. (Fürstl. Schaumburg- 
Lippe'sches Archiv in Nachod.) 

2 ) „Durch Gegenwärtiges habe meinem hochgeehrtesten Herrn General- 
Feldwachtmeister zu wissen machen wollen, dass ich allhier heute Nacht mein 
Quartier haben werde, mithin wär's mir lieb, mit Denselben, mit dem Herrn 
Obersten Baron de Fin und mit dem Herrn Grafen von Püekler sprechen 
zu können." Sign. Mollwitz, den 9. April 1711. Neipperg. (Fürstl. Schaum- 
burg-Lippe'sches Archiv.) 



315 

Während der Schlacht kamen viele verwundete Officiere im 1 
Soldaten an die Aussenwerke und wurden selbstverständlich in die 
Festung eingelassen, wo man über den Ausgang des Kampfes in 
vollständiger Unkenntniss war. Feindliche Deserteure, die tagsüber 
ankamen, berichteten, „dass unsere Armee victorisiert und den Feind 
geschlagen habe". 

Der Festungs-Commandant Hess aber die Piquets verstärken 
und die Garnison auf ihre Alarmplätze rücken, wo sie während der 
Nacht blieb. 

Andern Tags erblickte man von den Festungswällen die 
preussische Armee zwischen Grüningen und Mollwitz gelagert ; 
gegen Mittag bezogen preussische Truppen die um Brieg liegenden 
Dorfschaften, sowohl dies-, als jenseits der Oder und schlössen die 
Festung durch aufgestellte Feldwachen neuerlich ganz ein. 

Die Truppen, welche nach der Mollwitzer Schlacht zur 
Unternehmung auf Brieg von der preussischen Heeresleitung be- 
stimmt waren, bestanden aus den zwei Infanterie-Regimentern Jeetze 
und Graevenitz, dem 2. Bataillon Alt-Borcke, dem 1. Bataillon 
Kalckstein, den drei Grenadier-Bataillonen Buddenbrook, Eeibnitz 
und Saldern und 6 Escadronen. J ) 

Der grösste Theil dieser, das Belagerungs-Corps bildenden 
Truppen erschien noch am 11. April vor der Festung. 

Nach der an ihn ergangenen Aufforderung zur Uebergabe 
des Platzes erklärte GFWM. Graf Piccolomini, er habe alle 
nur mögliche Hochachtung für einen so grossen König und ein 
so sieghaftes Kriegsheer und „weil aber Hiro Majestät nur die- 
jenigen liebten, welche ihre Schuldigkeit beobachteten, daher bäte 
er um Verzeihung, dass er die Festung nicht übergeben könne, 
da man noch keinen Kanonenschuss auf sie gethan habe. Er 
versichere Ihro Majestät, dass er sich wider alle Unternehmungen 
so verhalten würde, dass Dieselben vergnügt und zufrieden sein 
würden." 2 ) 

Am 13. April erschien ein preussischer Major, von FM. 
Schwerin gesendet, vor der Festung. Er hatte den Auftrag, den 
Festungs-Commandanten zu ersuchen, die in der Schlacht ver- 
wundeten Oesterreicher, die sich in preussischen Händen befänden, 
in die Festung einzunehmen, ,,massen sie mit ihren Blessierten 

*) Von denen später zwei in das Lager bei Mollwitz abrückten. 
2 ) Schmidt, Briegische Chronik, 169. 



316 

genugsam zu thun hätten"; Piccolomini bewilligte dieses An- 
suchen unter der Bedingung eines gegenseitigen Austausches von 
Gefangenen. 

Der Festnngs-Comniandant begann in Folge dessen am fol- 
genden Tage mit der Uebernahme der österreichischen Verwundeten 
im Dorfe Grüningen. x ) 

König Friedrich IL erliess nun die Anordnungen für die 
Belagerung. Auf dem linken Oder-Ufer nahmen 7 Bataillone und 
4 Escadronen Stellung, 2 Bataillone und 2 Escaclronen wurden 
auf dem rechten Oder-Ufer postiert. Zur Verbindung der Be- 
lagerungs-Abtheilungen auf beiden Ufern wurden oberhalb der 
Festung bei Paulau und unterhalb Brieg bei Briesen Schiff-Brücken 
geschlagen. Beide Objecte wurden durch Detachements gesichert. 

Mit der Leitung der Belagerungs-Arbeiten winde Oberst 
"VValrave beauftragt. 

Die Recognoscierungen, welche König Friedrich vor- 
genommen hatte, bestimmten ihn, den Angriff von der Nordwest- 
seite in das Auge zu fassen. In Folge dessen wurde der auf der 
Oder von Ohlau herangebrachte Artillerie-Park bei Briesen, der 
Genie-Park bei Grüningen eingerichtet und am 17. April mit der 
Anfertigung von Schanzkörben und Faschinen begonnen. 2 ) 

Am 20. April wurden die zur Belagerung bestimmten Ab- 
theilungen bei Grüningen am linken Flügel des am gleichen Tage 
bei Mollwitz errichteten Hauptlagers, in welchem 34 Bataillone, 
57 Escadronen und die Artillerie lagerten, vereinigt. Da die 
Festung durch diese Stellung der preussischen Armee und durch 
die Besetzung der Neisse-Uebergänge bei Michelau, Löwen und 
Schurgast von jeder Verbindung abgeschnitten war, Ausfälle aber 
wohl in Anbetracht der numerischen Schwäche der Besatzung kaum 
zu erwarten waren, fand eine eigentliche Einschliessung des Platzes 
nicht statt. 

Am 25. April waren alle Vorbereitungen beendet, aber der 
Eintritt sehr schlechter Witterung verzögerte den Beginn der 
eigentlichen Arbeiten bis zum 27. Abends. Zwei Musketier-Batail- 
lone und drei Grenadier- Compagnien unter GM. von Jeetze 
deckten den Bau der ersten Parallele und der Verbindungsgräben, 



l ) Die Uebernahme besorgte ein Hauptmann von Wallis-Infanterie. Es 
langten dann succesive 556 Verwundete an. Sie wurden theils auf dem Schloss. 
im Rathhaus und in den Schulen untergebracht. 

2 j Kriege Friedrich d. Gr. 1/2. 26. 



317 

der von 2000 Infanteristen, sowie jenen der Batterien, der von 
1200 Mann ausgeführt werden sollte. Auf dem rechten Oder-Ufer 
wurden 200 Mann zu den Arbeiten bestimmt. 

Bei Eintritt der Dunkelheit rückten die Deckungs-Truppen vor. 
Sobald dieselben Aufstellung genommen hatten, wurde mit dem 
Eingraben begonnen. 

Die Arbeit wurde von der Festung aus erst um 12Va Uhr 
bemerkt und die Meldung erstattet, dass man Nachts vor dem Bres- 
lauer Thore arbeiten höre, worauf die Besatzung alarmiert und 
einige Schüsse abgegeben wurden. ') Einige verlässliche Unter officiere 
wurden zum ßecognoscieren ausgesendet, welche die Meldung 
erstatteten, dass sie gegen Ravelin 8 und 9 stark arbeiten und 
sprechen gehört hätten, sonst aber wegen der finsteren Nacht nichts 
weiter wahrnehmen konnten. 2 ) 

Die ausgehobenen Linien lehnten sich links an die Oder, rechts 
an eine flache verschanzte Kuppe in einer Ausdehnung von un- 
gefähr 800 Metern. 

Da die Approchen bereits so nahe an der Festung waren, 
dass mit Geschützfeuer nicht mehr viel ausgerichtet werden konnte, 
wurden die bürgerlichen Scharfschützen im Verein mit den Besatzungs- 
Truppen zur Beschiessung der Arbeits-Truppen verwendet. Das 
Gewehrfeuer währte den ganzen Tag über. Gleichzeitig wurden 
auch von der Festung aus Bomben geworfen. 

Der Batteriebau auf Seiten der Preussen gieng dagegen 
langsam von Statten; am 28. April Mittag erst gelang es, die 
Batterie Nr. 5 auf dem rechten Oder-Ufer mit sechs Mörsern 
zu armieren, worauf das Feuer begann. Die Beschiessung währte 
bis 8 Uhr Abends, von der Festung erwidert. Die feindlichen 
Bomben, deren 143 geworfen wurden, fielen meistens zu kurz in 
den Graben. Ein Gefreiter von "Wallis wurde an diesem Tage 
durch das feindliche Feuer getödtet und 6 Mann verwundet. Auf 
Bastion Nr. 2 sprang bei dem ersten Schuss ein vierpfündiges 
Stück und verwundete den Stuck-Hauptmann Schulz und 9 Mann. 



x ) Dass die Belagerten die Eröffirung der Laufgräben so ruhig geschehen 
Hessen, erschien den Preussen höchst wunderbar ; man suchte es sich 
dahin zu erklären, ein evangelischer Soldat sei gerade damals auf dem 
Walle Posten gestanden und obwohl er das Arbeiten der Preussen gehört, 
habe er doch ex amore religionis keine Anzeige gemacht. Tagebuch des Feld- 
predigers Seegebart, angeführt in Grünhagen, ,,Die Belagerung von 
Brieg". (Ztschft. f. Gesch. u. Alterth. Schles. IV, 35.) 

2 ) Journal der Festung. (Fürstl. Schaumburg-Lippe'sches Archiv.) 



318 

Das Feuer der Festung verursachte auf Seite der preussischen 
Truppen keine Verluste. 1 ) 

Das in der Nacht zum 29. April herrschende schlechte Wetter 
hinderte den Ausbau der Parallele erheblich. Auf dem rechten 
Oder-Ufer waren bis zum Anbruch des Tages zwei weitere Batterien 
I 1 i und 7) schussbereit. Die hier in Stellung gebrachten zwölf 
12-Pfünder unterhielten während des Tages, ebenso wie die Mörser- 
Batterie Nr. 5 ein langsames Feuer, das von der Festung leb- 
hafter als am vorigen Tage erwidert wurde. 

Die Oesterreicher begannen nun auch die Oder-Brücke ab- 
zutragen und die Ablösung in den Brückenkopf auf Schiffen über- 
zusetzen, das Oder- und Breslauer Thor ward mit den bereits fertig 
gehaltenen Steinkasten versetzt und nur die kleine Pforte zur 
Communication offen gelassen. Oberstwachtmeister Graf Grorani 
besetzte den Posten beim Oder-Thor. In der Nacht wurden die 
durch die Beschiessung an den Batterien verursachten Schäden 
wieder ausgebessert, die zertrümmerten Pallisaden und Sturm- 
pfahle ersetzt, auch 6000 Fuss-Angeln in dem bedeckten Weg und 
Graben ausgestreut. 

Am 29. April fielen 210 Bomben in die Stadt; eine in den 
Thurm der Jesuiten-Kirche fallende Bombe warf deren Glocke 
herab, eine andere fiel in das Commandantenhaus bis in des GFWM. 
Piccolomini Zimmer, welcher in die ßathskanzlei übersiedelte. 
Oberst Baron de F i n wurde auf dem Wall durch den Luftdruck 
einer Kugel zu Boden geschleudert. 2 j Ausserdem wurden zwei 
Mann der Besatzung getödtet und drei verwundet. Die im Schlosse 
und in den Schulen untergebrachten Verwundeten mussten in das 
Eathhäus und dem Bombardement weniger ausgesetzte Häuser 
gebracht werden. 



1 ) In welchem Zustande sich die Aitillerie-Ausrüstung der Festung be- 
funden haben muss, kann nach der folgenden Mittbeilung aus dem Tagebuche 
eines Zeitgenossen gemuthmasst werden : 

„Es währte aber nicht lange, denn als sie angefangen hatten, auch zu 
bombardieren, fiel eine auf unsern Kessel und machte ihn untüchtig, ferner 
die Bombe hinauszuspielen, denn es waren nur 2 Bomben-Kessel da und die 
übrigen Bomben waren in den andern Kessel alle zu gross. Es zersprang das 
lederne Stück bald zu Anfang, indem selbiges vor 99 Jahren der Schwede 
allhier stehen lassen, soll es so lange geladen sein gewest. Der Stück-Haupt- 
mann wollte solches nicht loszüuden, allein ein kaiserl. Constabler zündete 
ps ohne sein Wissen an und beschädigte durch die zersprungenen Stücke bis 
12 Personen." (Die Belagerung von Brieg, ed. G-rünhagen, 36.) 

2 ) G r ünliage n „Die Belagerung von Brieg". 



319 

In der Nacht vom 20. zum 30. April wurde die Mörser- 
Batterie Nr. 3 auf dem linken Oder-Ufer zum Theil vollendet und 
die Anzahl der Geschütze in den vorhandenen Batterien vermehrt, 
so dass am Morgen des 30. das Bombardement sehr heftig 
auf die Aussen werke zwischen dem Breslauer und Mollwitzer 
Thor beginnen konnte, das von der Festung kräftig erwidert 
wurde. 

An diesem Sonntage fand des heftigen Geschützkampfes 
wegen kein Gottesdienst statt ; sechs Häuser wurden um die 
Mittagszeit beschädigt, am Abend fiel eine Bombe in die Schloss- 
kirche. Der dadurch entstandene Brand konnte jedoch bald gelöscht 
werden. Nach Eintritt der Dämmerung stellte der Festungs-Com- 
mandant, ebenso wie der Belagerer das Feuer ein. Auf Bastion 2 
waren an diesem Tage zwei der schwersten Geschütze demontiert 
worden; im Schloss entstand Feuer, das erst um 9 Uhr Nachts 
durch die Anstrengungen des Feuer-Piquets gelöscht werden konnte. 
Während der letzten 24 Stunden waren 435 Bomben in die Festung 
geworfen worden ; der Verlust der Besatzung betrug 1 Todten und 
2 Verwundete. Während der letzten Nacht wurde von den Preussen 
die Mörser-Batterie Nr. 3 fertiggestellt, auch die Batterie Nr. 2 
beendet und mit sechzehn 24-Pfündern besetzt, in der Frühe des 
1. Mai aber der Geschützkampf mit 52 Geschützen begonnen, 
welcher den Tag über andauerte. 

Eine Bombe, die während dieses heissen Kampftages um 
9 Uhr Vormittags in die an das Schlossgebäude stossende, mit 
Stroh gefüllte Reitbahn fiel, steckte diese letztere in Brand und 
das Feuer theilte sich dem herrlichen, im Renaissance-Style ge- 
bauten Schlosse mit, das in 24 Stunden vollständig in Asche lag. 

Am 2. Mai geriethen die Gebäude der Schulherren, nebst den 
Stallungen in Brand und das Geschützfeuer schwieg auch in der 
Nacht nicht. In Batterie 2 führte der Belagerer weitere acht 
24-Pfünder ein. 

Gegen Mittag konnte von den Bastionen Nr. 2 und 3, dann 
dem Ravelin Nr. 8 kein Schuss mehr fallen, da durch das preussische 
schwere Geschütz die Kanonen grösstentheils demontiert und die 
Parapets derart niedergelegt waren, dass die Besatzung dieser Werl-.' 
auf das Aeusserste gefährdet war. Der im Couvreface Nr. L6 
commandierende Hauptmann des Botta'schen Regiments lie^s in 
Folge dessen dem General melden, dass er sich auf seinem Posten 
nicht länger halten könne, trotzdem wurde ihm bedeutet, auf dem 
innehabenden Posten auszuharren. 



320 

Der Festimgs-Commandant Hess den Bürgermeister und einen 
Rathsherrn zu sich rufen und verpflichtete sie, die Bürgerschaft 
zu besonderer Obedienz und Treue zu ermahnen. Dies geschah 
auch; anstatt sich jedoch zu vertheidigen, erklärten die Bürger, 
„sie wollten die Stadt und ihre Häuser nicht ruiniert wissen, bitten 
daher, man wolle accordieren und die Stadt übergeben", welche 
Antwort durch einen Rathmann dem Festungs-Commandanten mit- 
getheilt wurde. r ) Das Feuer wüthete im Schloss trotz aller An- 
strengungen fort und zerstörte den herrlichen Bau, ebenso wie die 
anstossende Schlosskirche. 473 Bomben fielen an diesem Tage in 
die Festung, deren Besatzung 5 Todte und 3 Verwundete hatte. 2 ) 
Die beschädigten "Werke wurden auch jetzt wieder während der 
Nacht so viel als möglich in Stand gesetzt, obwohl die Preussen 
10G Bomben, meistentheils auf die "Werke, in dieser Nacht warfen. 

Sämmtliche Geschütze des Belagerers setzten dann am 3. Mai 
den Kampf mit Heftigkeit fort, während das Feuer der Festung 
erlahmte. 

Auf Bastion 3 waren schon um 8 Uhr Früh die Parapets und 
Schiessscharten völlig ruiniert, auch die Geschütze demontiert und 
musste die Mannschaft zurückgezogen werden. Der Verlust betrug 
6 Todte und 6 Verwundete. 503 Bomben wurden am Tage ge- 
worfen, in der Nacht noch 50, dessenungeachtet wurden die Werke 
so viel als möglich repariert, mit Ausnahme der Bastion 3, an 
welcher die Bresche schon fast gelegt und die zu sinken begann, 
ebenso die Couvreface und Ravelin Nr. 8. 

Am Abend des 3. Mai begann man preussischerseits mit dem 
Ausheben der zweiten Parallele. GM. von J e e t z e deckte mit der 



*) Festungs-Journal. (Archiv. zu Nachod.) 

2 ) Der dienstbare Stand der Besatzung in der Zeit vorn 28. April bis 
2. Mai 1741 betrug: 

Wallis 10 Compagnien 607 Mann 

Botta 5 Compagnien 220 „ 

Zugetheüte 21 „ 

Browne 5 Compagnien 217 „ 

Zugetheüte 64 ,, 

Frei-Compagnie ■ . . . . 268 ,, 

Wallis- . 



Botta- . 
Browne- 



Grenadiere 247 



Summa . . . 1644 Mann 
Der Verpflegsstand dagegen betrug in dieser Zeit 1863 Mann. Rapports- 
Tabelle. (Archiv zu Nachod.) 



321 

Laufgrabenbesatzung die Arbeit, welche um 9 Uhr begonnen und 
von zwei Arbeitergrappen in der Stärke von je 7 Officieren, 

2 1 Unterofncieren und 300 Mann ausgeführt wurde. Vom rechten 
und linken Flügel der ersten Parallele aus vorgeschoben und durch 
Laufgräben mit ihr verbunden, bestand die zweite Parallele aus 
zwei getrennten Theilen, die sich den weitest herausliegend ei. 
Stellen der Contreescarpe bis auf GO Meter näherten. Auch an 
Batterie Nr. 4 wurde weitergearbeitet, doch deren Bau nicht 
beendet. l ) 

Am 4. Mai, 5 Uhr Morgens begann das Feuer aus den preus- 
sischen Batterien von Neuem. Die Geschütze des Verteidigers 
wurden demontiert, so dass von den Wällen das starke Feuer des 
Belagerers nur noch sehr schwach erwidert werden konnte. 

Die Geschützbedienung erklärte, auf den Werken nicht mehr 
aushalten zu können, da die Geschütze unbrauchbar geworden, die 
Werke beschädigt, deren Flanken in Trümmer, die Escarpen ge- 
sunken, die Bresche an Bastion 3, ebenso in der Flanke von 4 
bereits gelegt sei. 

Nachdem es also mit der Belagerung der Festung so weit 
gekommen und der Feind einen Sturm zu beabsichtigen schien, 
liessGFWM. Graf Pic c olomini die Stabsofficiere : die Obersten 
Baron de Fin, Pettinger, Oberstlieutenants Baron Oosa, 
B o o c h ar d, Oberstwachtmeister Grafen G o r a n i, 2 ) den Ingenieur- 
Hauptmann von Sully und die Artilleristen zu sich berufen, um 
denselben den Stand der Festung vorzutragen und „der versam- 
melten Herren Meinung" darüber zu vernehmen. 3 ) 

Das Resultat der Verhandlung war der Beschluss, den Grafen 
Gorani mit einem Tambour zum König von Preussen zu schicken 
und einen Waffenstillstand auf einige Tage zu begehren, um dem 
FM. Grafen Neipperg über die Lage der Festung berichten zu 
können. Oberstwachtmeister Gorani traf den König von Preussen 
in Hermsdorf, trug seinen Auftrag vor, wurde aber von König 
F r i e d r i c h IL bezüglich des Begehrens um Einstellung der Feind- 
seligkeiten abgewiesen. Der König wollte nur vier Stunden Zeit 

1 ) Kriege Friedrich cl. Gr. I, 31. 

2 ) Die Verhandlung dieses Festungsrathes gibt Anhang XLIX. 

3 ) Oberstwachtmeister Graf Gorani des Regiments Marulli, welcher vom 
Hof-Kviegsrathe die Erlaubniss erhalten hatte, der Campagne in Schlesien als 
Volontair beizuwohnen, war in der Schlacbt bei Mollwitz von den Preussen 
gefangen genommen worden, denselben aber in .Im,, Getümmel von dem 
Schlachtfelde entkommen und in diu Festung Brie«; gelang. 

Oesterreiohischer Erbfolgekrieg. II. Bd. _'l 



322 



gewähren, innerhalb welcher die Festung zu übergeben sei, deren 
Garnison werde als Kriegsgefangene behandelt werden. 

Als Oberstwachtmeister Graf Gorani mit dieser Antwort 
zurückkam, wurde in einer über die Proposition des Königs von 
Preussen gehaltenen Conferenz beschlossen, Gorani nochmals an 
den König mit dem bestimmten Antrage zu senden, dass Graf 
Pico olo mini nicht anders die Festung übergeben werde, als gegen 
freien Abzug der sämmtlichen Garnison mit klingendem Spiel und 
fliegenden Fahnen — oder den weiteren Angriff gewärtigen wolle. 
Trotzdem bei der zweimaligen Absendung des Parlamentairs 
durch den Tambour „Ruf geschlagen" und durch solchen ein Still- 
stand wegen zu verhandelnder Capitulation verlangt wurde, fuhr 
der Belagerer dennoch fort, aus allem Geschütz zu feuern und warf 
von Früh bis gegen Mittag 484 Bomben in die Festung, wodurch 
3 Mann der Besatzung getödtet und vier verwundet wurden. König 
Friedrich IL, dem daran lag, die Belagerungs-Truppen wieder für 
die Operation verfügbar zu haben und in der Besorgniss, die öster- 
reichische Armee könne Entsatzversuche unternehmen, gieng auf 
die Bedingungen des Festungs-Commandanten ein und liess um 
1 Uhr Mittags die Feindseligkeiten einstellen. Graf Gorani kam 
mit dempreussischen Obersten und General- Adjutanten von Borcke 
in der Festung an, wo die einzelnen Puncte der Capitulation for- 
muliert wurden. 

Dieselbe setzte freien Abzug der Garnison mit militärischen 
Ehren fest, dagegen übernahmen Officiere und Soldaten die Ver- 
pflichtung, vom Tage der abgeschlossenen Capitulation im Laufe 
zweier Jahre gegen den König von Preussen nicht im Felde zu 
dienen und die diese Verpflichtung verschärfende Clausel : ,, niemals 
wider den König von Preussen in Schlesien zu agieren." r ) 

Vermöge der geschlossenen Capitulation besetzte eine preussi- 
sche Grenadier-Compagnie noch um 8 Uhr Abends das Breslauer 
Ravelin, wogegen die daselbst gestandene Grenadier-Compagnie 
des Wenzel Wallis'schen Regiments sich bis in das innere Thor 
zurückzog, worauf am 5. Mai in der Frühe das Zeughaus, Munition 
und der noch vorräthige Proviant übergeben wurde. 

Um 8 Uhr Morgens des 5. Mai rückten zwei preussische 
Bataillone in die Festung, die bisherige Garnison sammelte sich 
auf dem Platze zum Abmarsch. Inzwischen brachte die Bürger- 
schaft an einem Eckhaus das preussische AVappen au. 



] ) Der Wortlaut der Capitulation Anhang I-. 



323 



Gegen Mittag erfolgte dann der Abzug der Garnison. 
welche noch aus 1610 Gesunden, dann 242 Kranken and 
Blessierten, im Ganzen aus 1852 Mann bestand. Die Kranken 
und, Verwundeten wurden auf Schiffen bis Oppeln, sodann aber 
weiter zu Land mit Vorspann bis Neisse gebracht, wobei ein 
Lieutenant von Wenzel Wallis mit 30 Commandierten als Es- 
corte diente. } ) 

Die Truppen selbst rückten gegen 1 1 Uhr aus der Festung 
Der König von Preussen hielt zu Pferd vor dem Breslauer Thor 
und hess sie vorüberziehen, „gleich wie aber die von dem Feind 
gemachte Spalier dergestalten enge geschlossen gewesen, dass 
durch dieselbe nur ein Wagen, die Mannschaft aber drei Mann 
hoch hat durchmarschieren können, als sind vor den feindlichen 
Truppen unter währendem Durchmarsch uns viele und zwar die 
schönsten Leute abgenommen worden und hat sich nach Einrückung 
m die erste Nachtstation nach eingegebenem Rapport gezeigt 
dass unter währendem Ausmarsch 414 Köpfe von der Garnison bei 
dem Feind theils freiwillig, theils mit Gewalt zurück ver- 
blieben sind." 2 ) 

_ GFWM. Graf Picolomini zeigte am folgenden Tage die 
Kapitulation der Festung dem Armee - Commandanten an. Die 
Truppen marschierten am 6. Mai bis Grottkau, 3 ) von dort auf 
Neipperg's Befehl weiter nach Neisse. 4 ) 

Das Bataillon und beide Grenadier-Compagnien von Botta 
wurden dann nach Eger, die beiden Bataillone von Wenzel Wallis 
nebst dem Bataillon Browne, sowie die Grenadier-Compagnie nach 
Prag verlegt. 

Dem GFWM. Grafen P i c c o 1 o m i n i selbst wurde im Laufe 
des Jahres das Werbewesen im Reich zugewiesen ; Oberst Baron de 
F i n gieng vorläufig nach Wien, um über die Blokierung und Be- 
lagerung Briegs mündlich Bericht zu erstatten. 

p Lieutenant Richter von Wallis, welcher diesen Convoi commandierte 
meldete am 8. Mai aus Oppeln, er sei mit der Bagage und den Krankon von 
Brieg dort angelangt, doch seien „bei dieser Occasion oder mehr Confusion 
viele Leute „och unter die Preussen gelaufen, auch sechs Schiffe von hier 
nach ßatibor echappiert." (Fürst! Schaumburg-Lippe'sches Archiv ) 

2 ) Festungs-Journal. 

? i Militärische und politische Actenstücke. Nr. 18. 

«) Die Standes-Tabelle der in Brieg gestandenen Garnison vom 9. Mai 
1/41, Anhang LI. 

21* 



324 

Am 7. Mai wurde in den katholischen und protestantischen 
Kirchen der eroberten Festung das Te Deuni laudamus ge- 
sungen ; auch das erstemal der König von Preussen in das 
Kirchengebet eingeschlossen, vor dem Herzog von Holstein 
aber der Eid der Treue abgelegt. J ) Trotzdem wurden am 10. der 
Stadt wegen der Glocken 2 ) 6000 Gulden abverlangt, die auch 
gezahlt wurden. 8 ) 



1 ) Dies geschah nach S e e g e b a r t's Tagebuch, 42 schon den 6. Mai. 

2 ) Dafür, dass die Glocken nicht weggenommen wurden, eine seit dem 
30jährigen Kriege üblich gewordene Motivierung der Contributionen. 

3 ) Die Belagerung von Brieg. Ztschffc, f. Gesch. u. Alterth. Schlesiens 
1862, IV, 38. 



Der kleine Krieg in Schlesien. 



Die Unternehmungen, welche FM. Graf Neip p erg zur Be- 
unruhigung der Cernierungs-Truppen von Brieg auf dem rechten 
Oder-Ufer beabsichtigt und mit deren Ausführung er, bis zur 
Ankunft des GFWM. Conte d'0 1 1 c n e in Oppeln, den Oberst 
Baron Trips von Splenyi-Husaren beauftragt hatte, wurden durch 
die Uebergabe der Festung gegenstandslos. 

Oberst Baron Trips war mit einem Husaren-Commando 
von Neisse nach Oppeln aufgebrochen ; er sollte die dort befind- 
lichen Commandierten von Csaky-Husaren, den Raaber Husaren und 
von dem über Troppau inzwischen wenigstens theilweise dort ein- 
getroffenen Kärolyi'schen Husaren-Regimente ein Commando von 
000 bis 800 Mann zusammensetzen, die preussischen Cernierungs- 
Truppen am rechten Oder-Ufer beunruhigen und die Brücken bei 
Paulau und Bliesen verbrennen. D'0 Hone selbst hatte den Rest 
des Podstatzky'schen Cürassier-Regiments heranzuführen und mit 
den vom gedachten Regimente schon zu Oppeln befindlichen 150 
Pferden das Unternehmen des Husaren-Detachements zu unter- 
stützen. Im Falle übrigens d'0 Hone bei des Obersten Trips An- 
langen in Oppeln dort noch nicht eingetroffen, hatte der Letztere 
den Befehl, allein vorzugehen. v ) 

Leider gieng Brieg inzwischen verloren und die geplante Di- 
version wurde nur insoweit ausgeführt, dass der am 5. Mai zu 
< >ppeln eingetroffene GrFWM. Graf d'Ollone am <;. Mai vor 
Tagesanbruch den ebenfalls am Vortage dort angekommenen Oberst 
Baron Trips mit 340 Husaren nach Poppelau entsendete und mit 



') FM. N e i p p e r g an GFWM. d'0 Hone. (K. A.. Schlesien 1741 : V. 4.) 



32 G 

den Oürassieren nachzurücken im Begriff war, als eine Patrouille 
die Meldung brachte, dass Brieg bereits capituliert habe. Oberst 
Baron Trips zog sich auf diese Nachricht hin zurück und Hess 
nur als Beobachtungsposten vorläufig einen Rittmeister mit 100 
Pferden in Poppelau zurück. 

Aus dem Lager von Neisse war am 20. April GFAVM. Baron 
Baränyai mit 700 deutschen Pferden und 500 Husaren gegen 
Strehlen entsendet worden, um die Verbindungen und Etapenlinien 
des preussischen Heeres zu beunruhigen. r ) 

Am 22. April waren Husaren-Abtheilungen dieses Commandos 
vor Mollwitz erschienen, jedoch mit geringem Verluste abgewiesen 
worden. Nichtsdestoweniger dehnten sie die Streifungen bis vor 
die Thore von Breslau aus, hoben auf der Strasse Ohlau — Breslau 
eine kleine preussische Abtheilung auf und nahmen einen AVagen 
und acht Geschütze. König Friedrich liess in Folge dessen die 
aus 2 Bataillonen bestehende Besatzung von Breslau mit 600 Mann 
verstärken und detachierte den Oberst von Selchow mit 1000 
Mann Infanterie und 400 Reitern, um die Strasse Ohlau — Breslau 
durch Posten zu sichern. Am 30. April wurde der gegen Baränyai's 
Streifung mit 1500 Pferden entsendete General von Bredow 
unweit AVansen von einem 400 Mann starken Commando des un- 
garischen Generals angegriffen und mit Verlust von etwa GO Mann 
und einigen Gefangenen zum Rückzuge genöthigt. 2 ) 

Baränyai hatte am 15. Mai in Erfahrung gebracht, dass 
ein preussischer, aus etwa 600 AVagen bestehender Transport bei 
Schweidnitz zusammengebracht worden, um unter Bedeckung von 
400 Mann nach dem Mollwitzer Lager abzugehen. Er brach desshalb 
am IG. nach Rothschloss, etwa 5 Kilometer von Heidersdorf, dem 
Kreuzungspuncte der Strasse Reichenbach — Strehlen und Breslau — 
Frankenstein auf, in der Absicht, den Convoi aufzuheben. Preussischer- 
seits hatte man. um die Strassen in der Gegend von Strehlen zu 
sichern, am IG. ein Detachement von G00 Husaren und 300 Dra- 
gonern unter Commando des Obersten von AVurmb der Berliner 
Leibcorps-Husaren aus dem Lager von Mollwitz abgesendet. Dieses 
Commando erhielt bei seinem Anmärsche noch am selben Tage 



J ) Die Zusammensetzung dieses Streif-Corps war eine ganz eigenartige. 
Es bestand aus Mannschaften von 7 Cürassier-, 5 Dragoner- und 5 Husaren- 
Regimentern. 

-) Kriege Friedrich d. Gr. Tl. 52 u. Lutsch' Tagebuch. 



327 

Nachricht von der Anwesenheit einer stärkeren österreichischen 
Streifpartei bei Rothschloss. Der preussische Öbersl ordnete in 
Folge dessen für die frühesten Morgenstunden des 17. Mai den 
Vormarsch von Streuen gegen Rothschloss an. Die Dragoner 
wurden nördlich um den Ort gegen den Uebergang der Strasse 
Rothschloss — Heidersdorf über die Grosse Lohe vorgesendei : 
die Husaren unter Oberstlieutenant von Zieten wandten sich 
gegen das Dorf Rothschloss. Um 4 Uhr Früh griff Zieten 
das wohl nicht genügend gesicherte österreichische Husaren- 
Commando an und sprengte dasselbe nach dreimaliger Abwehr 
auseinander. Die Strasse nach Heidersdorf war durch die preussi- 
schen Dragoner gesperrt, es blieb also in dem Sumpf-Terrain nur 
der etwa 1000 Meter lange Damm zum Rückzug übrig, der nach 
Senitz führt, wobei durch das Feuer der preussischen Dragoner und 
vermuthlich einiger mitgeführter Geschütze starke Verluste ver- 
ursacht wurden. Baranyai gieng nach Frankenstein zurück ; er 
hatte 2 Stabsofficiere, 1 Rittmeister und etwa 80 Mann an Todten, 
Verwundeten und Gefangenen verloren. Der preussische Verlust 
soll nur 1 Unterofficier, (3 Mann und 8 Pferde betragen haben. J ) 

Mit den über Jablunkau herangerückten Verstärkungen liess 



&" 



FM. Graf N e i p p e r g die Posten auf dem rechten Neisse-Ufer 
von Bielitz bis Schurgast abwärts verstärken. Der zu Kirchberg 
an der Neisse mit 100 Pferden stehende Rittmeister Graf St. 
Germain von Hohenems-Cürassieren erhielt nach der Uebergabe 
der Festung Brieg den Befehl, die drei Neisse-Brücken zu Mickelau. 
Löwen und Schurgast zu zerstören und nach Neisse zur Armee 
einzurücken. Der Husaren-Posten sollte in Kirchberg bleiben. 

GFWM. Conte d'O Hone wurde beauftragt, mit den vorläufig 
eingetroffenen 7 Podstatzky'schen Cürassier-Compagnien und den 



a ) Kriege Friedrich d. Gr. II, 53. In den Acten findet sich keine Rela- 
tion über dies Scharmützel vor. L utsch' Tagebuch verzeichnet am 17.: „man 
vernahm, dass heute Früh um 4 Uhr General Baräny ay, nachdem er nach 
Rothschloss sich gezogen und von dem dortigen feindlichen Magazin etliche 
90 Wagen voll anhergeschickt hatte, von dem Feind überfallen worden und 
seien unsererseits etliche 60 Mann theils getödtet, blessiert und gefangen worden 
unter letzterem befinden sich der Dessewffy'sche Oberstlieutenant D e ss e w H'v 
der Pestvärmegyei'sche Oberstwachtmeister Kälnoky und Rittmeister Ganser 
von Seherr. Von den feindlichen Gefangenen wurden 10 Husaren hier ein- 
gebracht." Neipperg beziffert in einer Relation an den Grossherzog den 
Verlust, ausser den angegebenen Offieieren, auf etliche 30 Mann und Pferde 
von der Cavallerie und 40 bis 50 Husaren. (K. A.. Schlesien 1741: V. 67) 



£28 

Komorner und Raaber Husaren-Frei-Compagnien (4000 bis 5000 
Mann stark) in Falkenberg Stellung zu nehmen. Das Karolyi'sche 
Husaren-Regiment, dessen eine Colonne am 7., der Rest am 9. Mai 
in Oppeln eintraf, sollte unter d'O Hon e's Commando treten. 

In einem Rencontre mit einer stärkeren preussisclien Abtheilung 
bei Kehlen (Alt-Köln), 11. Mai, wurde der auf Streifung mit 60 
Pferden ausgesendete Rittmeister von Kärolyi, Rebitzky ge- 
fangen und 14 Husaren verloren. 

Oppeln blieb mit 60 .Cürassieren und Husaren besetzt, die 
Neisse-Linie wurde durch Husaren-Detachements gesichert und 
sämmtliche Schiffe auf das rechte Ufer des Flusses gebracht. Oberst 
Baron Trip s rückte mit den Splenyi'schen Husaren, die er zur 
geplanten Unternehmung vor Brieg aus Neisse mitgenommen hatte, 
von Oppeln wieder im Hauptlager der Armee ein. Am 19. Mai 
traf dann der letzte Staffel des Podstatzky'schen Cürassier-Regi- 
ments, in 6 Compagnien bestehend, in Falkenberg ein. D'O Hone 
Hess jenseits der Neisse nur kleine Beobachtungs - Patrouillen, 
höchstens 5 Mann stark, ausgehen, da starke preussische Cavallerie- 
Abtheilungen in Pogarell und überhaupt in den Ortschaften an der 
Löwen — -Ohlauer Strasse cantonnierten. 

Die Zuvorkommenheit des Commandanten der österreichi- 
schen Armee gieng so weit, dass er auf Ansuchen des FM. 
Grafen Schwerin *) nach eingeholter Bewilligung der Königin, 
eine nicht unwichtige Persönlichkeit, den königlich preussischen 
Geheimen Rath von Reinhard, welcher im Vereine mit 
dem Geheimen Rath von Münchow an der Spitze des preussi- 
schen Kriegs - Commissariats in Breslau stand und sich unter 
den Personen befunden hatte, welche am 10. April unter König 
Friedrich's Suite gefangen wurden 2 ), durch eine vom GF WM. 
d'O Hone beigestellte Escorte des Kärolyi'schen Husaren-Regi- 
ments in das preussische Lager zurücksendete. 3 ) Der ebenfalls bei 



J ) Mitthlgn. des k. und k. K. A., N. F. 1888, II, 227, 228. 

2 ) Ebenda, N. F. 1887, I, 210. 

3 ) Mit Schreiben vom 24. Mai zeigte FM. Seh w e r i n an, dass der Geh. 
Rath von Reinhar d, Oberstlieutenant von Buggenhagen und der Feld- 
prediger des Schwerin'schen Regiments, nebst einem königl. Reitknecht im 
preussischen Lager angekommen seien und bedankte sich im Namen des 
Königs, sowie im eigenen für diese Zurücksendung. (K. A , Schlesien XIII, 
6./16.) Ein Breslauer Brief vom 12. Juni bemerkt : „Dem Land ist ein grosser 
Schaden zugewachsen durch die Freilassung des Reinhard, welcher an- 
jetzo seine kriegscommissariatischen Operationen weit härter als vormals 

fortstellt." VI. ad 2(5 b.) 



329 

Molhvitz gefangene französische Gelehrte Mr. de Maupertuis 
war, anf Befehl des Hofes, von Neipperg nach Wien gesandt, 
dort mit Auszeichnung behandelt und über Prag nach Berlin 
zurückgeschickt worden. 

Ausser dem Leopold Daun'schen Regiment, dessen beide erste 
Marsch-Colonnen Göding schon am 1. Mai passiert hatten, während 
die dritte unmittelbar folgte, wurden, wie bereits erzählt, zur Ver- 
stärkung für die schlesische Armee noch zwei in Ober-Oesterreich 
stehende Max Starhemberg'sche Bataillone und aus Steyermark zwei 
AVurmbrand'sche Bataillone, nebst ihren Grenadier-Compagnien be- 
ordert, ebenso 3009 Warasdiner, unter Commando des Obersten 
Grafen Strassoldo, die ursprünglich für Ober-Oesterreich bestimmt 
waren. Letztere trafen am 2. Mai mit ihrer ersten Colonne bereits 
in Wien ein und nahmen ihren Marsch durch Mähren, dann über 
Jägerndorf nach Neisse. Die beiden ungarischen Freiwilligen-Caval- 
lerie-Regim enter, jedes 800 Mann stark, wurden über Jablunkau 
instradiert, v ) deren erstes am 4. Mai von Waitzen, das zweite am 
15. Mai aufbrach. Die Jazygier und Kumanier, zwei Compagnien, 
(Oberstlieutenant Podratzkjr) waren im Anmarsch und trafen am 
19. Mai in Jablunkau, am 20. in Teschen ein. 

Ein drittes ungarisches Freiwilligen-Regiment, das die Comitate 
Pressburg, Komorn und Raab stellten, war in der Formierung be- 
griffen, sollte mit Ende Mai zum Ausmarsch bereit sein und vom 
Grafen Stephan Esterhazy als Oberst befehligt werden. Diese 
freiwilligen ungarischen Truppen sollte GFWM. Graf Kärolyi 
commandieren. 2 ) Das in der Oedenburger und Eisenburger Ge- 
spanschaft eingerückte d'Olloue'sche Dragoner - Regiment erhielt 
Marschbefehl, brach am 14. Mai auf und rückte über Skalitz durch 
Mähren nach Schlesien. 

Dieses Regiment brachte auch 50 Pferde mit, welche der Erz- 
bischof von Kalocsa für die regulären Cavallerie-Regimenter ge- 
widmet hatte. Das Fürstenthum Troppau stellte freiwillig 50 mon- 
tierte Recruten. 

Es bezifferten sich die Verstärkungen für die schlesische 
Armee auf zwei Cürassier-, zwei ungarische Reiter-Regimenter, an 



') Das eine Regiment commandierte Oberst Belesznay, das andere 
Oberst Peter H a 1 ä z. 

-j FM. Pälffy an GFWM. Karolyi, Pressburg, 2. Mai 1741. (Gräfl. 
Kärolyi'sches Archiv, Budapest.) 



330 

Infanterie, mit Inbegriff des nach Troppau kommenden Starhem- 
berg'schen Bataillons, auf 8 Bataillone und 3000 Warasdiner. r ) 

Diese Verstärkungen ergaben eine Summe von etwa 9000 bis 
10.000 Mann. 

Durch Einrücken von Reconvalescierten, sowie durch Aus- 
wechslung und neue Werbung hoffte man auch den Stand der 
Oombattanten bei den schon im Felde stehenden Regimentern wieder 
zu erhöhen. 

Die Ergänzung an Geschütz, Munition, Munitionskarren, 
Protzen, Schanzzeug und Requisiten erfolgte theils aus dem Zeug- 
hause zu Wien, theils wurde sie dem GFWM. Fischer in Prag, 
aus den Vorrätheil des Feld-Artillerie-Hauptcorps zu bewirken, auf- 
getragen. 

Von Wien aus giengen ferner zum Ersatz für die Armee 
2000 Gewehre nach dem Spielberg, 400 Centner Musketenpulver. 
50 Centner gegossenes Kugelblei und 3000 Flintensteine ebendahin 
und nach Olmütz ab. 

Von Generalen wurden für die Armee weiter bestimmt : 
G. d. C. Hohenems, FZM. Thüngen, die FML. St. Ignon 
und Königsegg, Leopold Dan n, GFWM. P a 1 1 a n t, Marschall 
und P r z i c h o w s k y . 2 ) 

Oberstwachtmeister Baron von der Trenck hatte das in 
Slavonien und Syrinien zusammengebrachte, ebenfalls für die 
schlesische Armee bestimmte Frei-Corps, in 945 Mann bestehend, 
bereits von Esseg in den ersten Tagen des Mai gegen Wien in 
Marsch gesetzt. 

FM. Graf N e i p p e r g erwähnte in seinen Berichten vom 
5. und 6. Mai an die Königin, dass seine ganze dermalige Stärke 
in ungefähr 10 bis 1 1.000 dienstbaren Mann an Infanterie und deutscher 
Cavallerie bestehe, mit welchen er sich der feindlichen vereinigten 
Macht, ohne einen ausdrücklichen Befehl von der Königin zu 
haben, nicht präsentieren könne. Zeige sich aber eine anständige 
Gelegenheit, über selbige einigen Vortheil zu erhalten, so werde 
er solche gewiss nicht aus der Hand lassen. AVoile hingegen die 
Königin expresse haben, dass er sich ohne den in Aussicht 
gestellten Succurs, welcher ohnehin vor 3 oder 4 Wochen nicht 



1 ) 3 Bataillone Leopold Daun, je 2 von Max Starhemberg und "Wurm- 
brand und das bereits in Troppau befindliche Max Starhemberg'sche Bataillon. 

2 ) Erlass des Grossherzogs Franz an den Grafen Neipperg, Wien, 
1. Mai 1711. (Gräfl. Neipperg'sches Archiv.) 



331 

einlangen könne, abzuwarten und ohne sich an die feindliche Ueber- 
macht zu binden, in etwas einlassen soll, ,,so würde er es gewiss 
auch, ohne eines unglücklichen Ausschlags willen viele Reflexionen 
zu mächen, vor die Hand nehmen," inzwischen werde er noch bei 
Ncisse stehen bleiben und solange und so viel als möglich diesen 
Ort und die ganze Gegend zu bedecken und zu versichern suchen. ' | 

Hierauf antwortete der Grossherzog am 10. Mai: „Von hier 
ist es nicht möglich, Ihnen, wie Sie es wünschen, zu sagen, was 
Sie thun sollen, Sie sind dort viel mehr im Stande, nach den Con- 
juneturen sich zu richten, indem ich mich ganz auf Sie verlasse, 
was Sie als das Beste für den Dienst der Königin erachten, 
verabsäumen Sie keine Gelegenheit, seien Sie denn ruhig und 
operieren Sie, wie Sie es für zweckmässig halten" und am 16. des- 
selben Monats : „Seien Sie beruhigt über Ihr Thun und glauben Sic 
dass, wenn ich Vertrauen in Jemand, wie Sie setze, ich mich auf 
den verlasse und sicher bin, dass er keine Thorheiten begehen wird, 
machen Sie also, was Sie den Interessen der Königin für 
dienlich halten." 2 ) 

Am 19. Mai langte FML. Graf Leopold Dann im Haupt- 
quartier der Armee an; am 22. rückten zwei Bataillone seines 
Regiments ein, denen zwei Tage darauf das 3. Bataillon folgte, 
während am 23. die erste Colonne der Warasdiner, 1000 Mann 
stark, eintraf. Kundschafts-Nachrichten stellten das Vorrücken der 
preussischen Armee über die Neisse in den Bereich der Möglichkeit. 

In Folge dessen wurde GFWM. F e s t e t i c s, der seit 29. April 
zur Dienstleistung eingerückt war, am 23. Mai mit (300 Husaren 
und einiger deutscher Cavallerie, zu welchem Detachement noch 
200 Pferde von dem zu Bielitz stehenden Dessewffy'schen Husaren- 
Regiment stossen sollten, auf Recognoscierung in die Gegend von 
Wamsen gesendet. 

Im Hauptquartier fanden Berathungen über die vor- 
zunehmenden Operationen statt, von denen nur ein Operations- 
Entwurf des FML. Dann erhalten ist, welcher folgendermassen 
lautet : 

„Meine Meinung geht dahin, dass wir ohne weiteren Zeil- 
verlust uns in eine solche Verfassung setzen, dass wir bei erstem 
Vernehmen, dass der Feind die Neisse passiert, solchem in guter Ordre 



M Mittheilungen des k. und k. K. A., N. F. 1888, II, 232 und >2:>,\. 
2 ) Gräfl. Neippnrg'sches Archiv. 



;;h2 

entgegen vorrücken und das Tempo nehmen, da er mit der Hälfte 
seiner Armee die Neisse passiert, selben wacker anzugreifen, wo 
mit Gottes Hilfe an der guten Reussierung umso mehr zu hoffen, 
da nicht das erstemal, dass unter guter Anführung eine viel 
kleinere die grössere Macht geschlagen. Hiezu ist auch uöthig zur 
Verhütung aller Confusion, dass man die Bagage wohin ziehe, 
damit selbe bei, wider Verhoffen, erfolgendem Unglücksstreich, die 
Retirade nicht hindere und gar verloren gehe. Bei diesem Fall 
sind auch, dass wir doch allezeit noch im Stand sein können, die 
böhmischen Gebirge zu erreichen, mithin Böhmen zu bedecken. 
Sollten wir uns aber jetzt retirieren, so ist nicht allein Neisse 
mit ganz Schlesien verloren, sondern auch der Feind ebenfalls 
Mähren ravagieren und in Contribution setzen kann, oder wir 
müssten uns theilen gegen Böhmen und Mähren, wo dem Feind 
umso leichter sein würde, uns dergestalten über den Haufen zu 
werfen, dann gleichfalls in diese zwei Länder eindringen, sollten 
wir auch den Feind die Belagerung von Neisse vornehmen lassen 
in der Hoffnung, dass sich's so lang halten könnte, bis der noch 
erwartende Renfort anlangt, um alsdann es wieder zu entsetzen, 
halte dafür, dass der Feind sich dergestalten verarbeiten würde, 
dass mit seiner starken Artillerie noch weniger als dermalen der 
erwünschte Erfolg anzuhoffen wäre, wohingegen, da wir das Glück 
haben, dem Feind jetzt eines zu versetzen, nicht allein die Reoccupe- 
rierung ganz Schlesiens anhoffen können, sondern auch anclurch 
unsere Alliierten mehr auffrischen, mit selben dann uns umso 
leichter an dem Feind zu regressieren. Sollte der Feind aber über 
der Neisse stehen bleiben, so wäre sich in ein gutes Lager zu setzen 
und wohl auf der Hut zu bleiben, dass wir nicht überfallen werden 
können, wo inzwischen der noch anzukommende Succurs eintreffen 
kann, wo alsdann nach den bis dahin entstehenden Umständen wir 
vielleicht im Stand sein werden, den Feind selbst aufzusuchen, 
hingegen selber durch Desertion und Krankheiten sich mehr 
schwächen würde ; wir aber ein solches zu besorgen hätten, mit 
noch mehreren Benehmung des Muths unserer Leute, da wir uns 
jetzt retirierten, auch vielleicht andurch mehr Leute verlören als 
durch eine Action, nicht minder der noch bleibende gute Willen 
der Leute uns gänzlich fehlen würde, ebenfalls den Alliierten die 
Lust benehmen, uns beizustehen, wo wir uns selbst zu erkennen 
geben, dass wir gar nicht im Stand, uns selbst zu helfen. Schliess- 
lich, was helfen Ihro Majestät der Königin, unserer Alier- 
gnädigsten Frau, diese Truppen, wann sie selbe zu ihren Diensten 



333 

nicht brauchen kann und sollten sie sogar zu ihrer Schuldigkeit 
nicht zu bringen sein, ist auch kein Verlust an selben ; anbei ist 
aber die gute Kundschaft, Verfassungen und Dispositionen das Aller- 
vornehmste und ohne Zeitverlust ein solches in's "Werk zusetzen." 1 ) 

Als am 4. Mai die Festung Brieg capituliert hatte, wurde das 
preussische Belagerungs-Corps wieder in die Armee eingereiht. 
Nur drei Bataillone kamen als Besatzung in die Festung. Am 5. Mai 
waren im Lager von Mollwitz 40 Bataillone, 61 Escadronen Caval- 
lerie und ü Husaren-Escadronen vereinigt. -) 

König Friedrich II. beschäftigte sich nun mit dem Gedanken 
eines Vorgehens gegen Neisse und correspondierte hierüber auch 
mit dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, dem Com- 
mandanten der im Lager von Göttin zusammengezogenen Armee. 
Der Plan, bei "Neisse „unter der Faveur der Höhe, so auf dieser 
Seite der Neisse ist, fünf Brücken zu schlagen und den Feind 
unter den Canons von Neisse zu attaquieren und wegzujagen,"' 
bestand, wurde aber zunächst nicht zur Ausführung gebracht, 
sondern der Entschluss gefasst, vorläufig nur bis Grottkau zu 
rücken. Zu diesem Zwecke gieng Oberst Dumoulin am 23. Mai 
mit 200 Husaren und den Quartiermachern sämmtlicher Regimenter 
voraus, um den Lagerplatz auszuwählen. Am 26. Mai folgte die 
Armee, 22.000 Mann Infanterie, 8000 Mann Cavallerie und 900 
Husaren. 3 ) 

Die Armee rückte in sieben Colonnen vor, deren mittelste 
von. der Artillerie gebildet wurde, während die Cavallerie die 
Flügel-Colonnen formierte; die Infanterie marschierte in Divisionen, 
die Cavallerie in halben Escadronen. Zwei Avantgarden giengen 
auf je 500 Schritte den Flügel-Colonnen voraus. Cavallerie-Patrouilleii 
suchten das Gelände ab. Die Bagagen folgten den einzelnen Co- 
lonnen und kleinere Arrieregarden schlössen hinter denselben. 4 ) 

Der rechte Flügel stand auf den Höhen nördlich von Grott- 
kau, der linke erstreckte sich bis an die Neisse. Infanterie- 



1 ) „Meinung, wie sich zu verhalten, wenn der Feind die Neisse passieren 
und Sonstiges die schlesische Campagne betreffend" von FML. Graf D a u n. 
Neisse, Mai 1741. (K. A., Memoiren, XIII, 2.) 

2 ) Kriege Friedrich d. Gr. II, 38. 

3 ) Zu den im Lager von Mollwitz versammelt gewesenen 10 Bataillonen 
war aus Schweidnitz noch das 2. Bataillon Kalckstein eingerückt, so dass die 
Infanterie 11 Bataillone stark war. 

4 ) Kriege Friedrich d. Gr. II, ö7. 



334 

Feldwachen waren bis an den Grottkau-Baeh vorgeschoben, der 
die Front sicherte und über den einige Brücken hergestellt wurden. 
Die Stadt Grottkau wurde mit 50 Mann Infanterie besetzt und eine 
Husaren- Abtheilung nach Alt-Grottkau vorgeschoben. Am 27. Mai 
rückte ein preussisch.es Commando von etwa 15 — 1(300 Mann, aus 
Dragonern und Husaren bestehend, gegen die in und um Mogwitz , 
südlich von Friedewalde stehenden Sicherungsposten der öster- 
reichischen Armee vor, das auch einen Rittmeister mit acht Mann 
gefangen nahm, von denen vier sich aber wieder sal vieren 
konnten. Nachdem die Unterstützungstrupps der Husaren vor- 
brachen, wurde jedoch ein Lieutenant und 16 Mann von dem 
preussischen Detachement gefangen und nach Neisse eingebracht. 
Ein Lieutenant und 15 preussische Reiter blieben auf dem 
Platze. l ) 

Zwei Tage später rückte GM. von B r e d o w mit einer Reiter- 
abtheilung von 3000 Mann in südlicher Richtung vor, 2 ) wurde aber 
von den österreichischen Husaren, welche 1200 Mann stark waren, 
z urückgetrieb en . 

Ein für den 30. Mai mit 0000 Reitern bestimmter grösserer 
Streifzug unterblieb und das eintretende Regenwetter bewog König 
Friedrich H., seine Reiterei, die am T.Juni durch 3 Escadronen 
des neu errichteten Uhlanen-Regiments Natzmer verstärkt wurde, 
in ausgedehnte Cantonnierungen zu verlegen. 3 ) 

Am 24. Mai Nachmittags waren preussische Infanterie -Ab- 
theilungen in Löwen eingerückt und wurde von ihnen auf die Po- 
stierungen am rechten Neisse-Ufer Feuer gegeben, wodurch jedoch 
nur ein Pferd verwundet wurde. 3 Husaren, die am jenseitigen 
Ufer auf einem Thurm als Beobachtungsposten standen, konnten 
nicht mehr zu ihren Pferden gelangen und wurden gefangen. 

GFWM. Conte d'O Hone zog sich auf die Meldung dieser 
Vorgänge, dem Befehle des Feldmarschalls entsprechend, mit dem 
Podstazky'schen Cürassier-Regimente von Falkenberg in der Nacht 
zum 25. nach Bielitz, von wo er folgenden Tages in das Haupt- 
lager bei Neisse abrückte. Die Husaren-Posten an der Neisse 



') Diese Verlustangaben nach Lutsch' Tagebuch, der das ßencontre 
unter dem 26. Mai verzeichnet. „Kriege Friedrich d. Gr. I, 10" geben den 27., 
welche Datierung sich auch mit einem Berichte vom 30. Mai des österreichi- 
schen Armee-Commandanten an die Königin deckt, der dasselbe als „vor 
drei Tagen" stattgefunden meldet 

2 ) Lutsch' Tagebuch verzeichnet 15 Escadronen. 

3 ) Kriege Friedrich d. Gr. II, 60. 



335 

wurden beordert, dass, im Falle ein feindlicher Brückenschlag 

zwischen Löwen und Bielitz unternommen werden sollte, sie ihre 
Aufstellungen verlassen und zum Gros nach Bielitz einrücken 
sollten. Der Armee-Commandant beauftragte am 27. Mai noch 
speciell den in Bielitz am rechten Neisse-Ufer stehenden Ritt- 
meister Grafen St. Germain, dass er auf die Bewegungen 
der preussischen Armee wohl achten und im Vereine mit dem 
mit 150 Pferden abgehenden und in dem Gelände am rechten 
Neisse-Ufer gut orientierten Oberstwachtmeister des Kärolyi'schen 
Husaren-Regiments von Györi, „den Neisse-Strom diesseits bis 
zu dessen Einfluss in die Oder wohl beobachten" und verlässliche 
Meldungen über die preussisehen Bewegungen einsenden solle. 1 ) 

St. Germain berichtete in Folge dieses Befehls am 29. Mai 
um IOV2 Uhr Nachts aus Bielitz dem FM. Grafen Neipperg, 
„dass er seine Posten, welche zu Rothhaus, Lassoth, Bielitz, 
Mahlendorf, Ellguth und Sonnenberg längs derNeisse stehen, visitiert 
und dem Husaren-Rittmeister in Kirchberg den Posten an der 
Brücke von Koppitz zugewiesen habe. Alles sei gut bewacht und 
ohne ein aussergewöhnliches Unglück würde ihn kein widriger 
Zufall treffen und der Feind werde keinen Uebergangsversuch 
machen, von dem er nicht zeitgerecht unterrichtet sei. Die Brücke 
bei Mahlendorf, von der nur ein Drittel unbrauchbar gemacht 
worden war, habe er vollständig verbrennen lassen. Da Sonnen- 
berg nur eine halbe Meile von Kirchberg entfernt ist, habe er sich 
auf die, jenen Ort umgebenden Höhen begeben, von wo man das 
preussische Lager vollständig überblicke. 2 ) 

Oberstwachtmeister von Györi meldete ebenfalls am selben 
Tage aus Gross-Mangersdorf, dass er am Vortage dort ange- 
kommen und sämmtliche Posten verstärkt, auch, wo er es noth- 
wendig erachtete, neue aufgestellt habe. In Löwen ständen nur 
mehr 150 Mann Preussen, etwa 200 Mann Cavallerie seien dort 
gesehen worden, welche aber am selben Nachmittage wieder 
abmarschiert seien; zu Michelau stehe ein stärkeres Detachement, 
bei der Osseger Mühle, oberhalb Michelau, befinde sich ein preus- 
sischer Posten. 3 ) 

Das Commando des Oberstwachtmeisters von Györi wurde 
übrigens am 30. Mai aus dem Hauptlager der Armee noch mit 



l ) K. A., Schlesien 1741; V, 94. 
'-) K. A., Schlesien 1741 ; V, 99. 
s ) K. A.. Schlesien 1711; V, 1m> 



...... 

1 Lieutenant und 40 Husaren verstärkt. Rittmeister St. derma in 
blieb in Bielitz stehen. 

Am 30. Mai konnte FM. Graf Neipperg nach Wien 
melden, dass das ihm anvertraute Corps an dienstbarer Infanterie 
8627 Mann, die deutsche Cavallerie 7072 Pferde, die Husaren 2825 
Pferde betragen habe 1 ); dass inzwischen auch die beiden ersten 
Colonnen der Warasdiner Grenzer und die beiden Compagnien der 
Jazygier und Kumanier eingerückt seien ; ebenso der G. d. C. 
Graf Holienems und FML. Graf Königs egg. 

Ebenso traf am nämlichen Tage die erste Colonne des frei- 
willigen ungarischen Husaren-Regiments unter Oberst Belesznay 
ein, dem die zweite Colonne am 2. Juni folgte. 

Ausser der im Lager bei Neisse versammelten Armee stand ein 
Bataillon Max Starhemberg in Troppau und Jägerndorf, 500 Com- 
mandierte vertheilt von Olmütz bis Ottmachau, wo Oberstwacht- 
meister Schmidt befehligte. In Glatz stand das Regiment Max 
Hessen, 10 Compagnien von Carl Lothringen und Kolowrat, 
endlich 4 Compagnien des Dragoner-Regiments Batthyänyi. 2 1 

Die grosse Bagage der Armee wurde gegen Ende Mai nach 
Jägerndorf abgesendet. 3 ) 



J ) Infanterie: Franz Lothringen, Carl Lothringen, Alt-D aun, Harrach. 
Schrnettan, O'Gilvy, Thüngen, Botta, Baden-Baden, Leopold Dann, Browne 
Granne, Kolowrat. 

An Dienstbaren 8627 Mann 

.. Undienstbaren 781 ,, 

.. Commandierten , Absenten, Kriegsgefangenen. 

Kranken und Blessierten 6408 „ 

Cavallerie: Dragoner : Althann, Liechtenstein, Batthyänyi, Körner, 
Württemberg; Cürassiere: Seherr, Cordova, Lanthieri, Hohenzollern, Podstatzkv. 
Hohenoms, Diemar, Birkenfeld. 

An Dienstbaren 7072 Mann und 7082 Pferde. 

., Undienstbaren 660 „ ,, 655 „ 

,, Commandierten etc. 2346 ,, ,, 134<S ,, 
(K. A., Schlesien 1741 ; V, ad 101 a und ad 101 b.) 

Der dienstbare Stand der Husaren-Regimenter betrug am 25. Mai: 
Csäky 557, Dessewfiy 401, Ghylänyi 442, Pestvarmegyei 493, Splenyi 387, Kärolyi 
545, zusammen 2825 Mann. (Gräfi. Neipperg'sches Archiv.) Siehe die Ordre de 
bataille, Beilage 52. Anhang LH. 

2 ) K. A., Schlesien 1741; VI, 10. 
s ) Wiener Diarium 1741, Kr. 44. 



", 



Der Mediati uns- Versuch Englands. 



Auf keines der europäischen Cabinete hatte der Tag von 
Mollwitz eine solche Wirkung geübt, wie auf das englische und 
dessen Haltung war es, welche der Sache Maria Theresia's 
den empfindlichsten Nachtheil brachte. 

Durch die in der englischen Nation tief eingewurzelte 
Ueberzeugung, dass in dem Kampfe Maria Theresia's gegen 
Friedrich II. das Recht einzig und allein auf Seite der 
Königin sich befinde und durch das immer lauter werdende 
Begehren, die Sache des Hauses Oesterreich, wie es die vertrags- 
mässige Pflicht und das Interesse Englands erforderte, mit be- 
waffneter Hand zu unterstützen, war endlich doch die englische 
Regierung, trotz der bisher durch Villi er s in Dresden einge- 
haltenen doppelzüngigen Politik, genöthigt worden, durch eine 
unzweideutige Kundgebung für M a r i a T h e r s i a offen Partei zu 
nehmen. 

Am 19. April 1741 fcheilte König Georg IL dem versammelten 
Parlamente in feierlicher Thronrede die von verschiedenen Seiten 
auf das Erbe des Hauses Oesterreich erhobenen Ansprüche und 
das an England gerichtete Begehren Maria Theresia's um 
Si eilung der vertragsmässig festgesetzten 12.000 Mann Hilfs- 
Truppen mit. Er habe, fügte Georg II. hinzu, die Könige von 
Dänemark und von Schweden, letzteren als Landgrafen von Hessen- 
< 'a^sel angegangen, ihre in englischem Solde stehenden Streitkräfte 
und zwar Jeder 6000 Mann, bereit zuhalten, um sie der Königin 
von Ungarn zu Hilfe zu senden. Er sei damit beschäftigt, noch 
andere Massregeln vorzubereiten, um die gefährlichen Anschläge 
scheitern zu machen, welche auf Grund irgend eines ungerechtem 

Oesterreichisclicr Erbfolgekrieg. II. IM. 22 



338 

Vorgehens zum Nachtheile des Hauses Oesterreich in das Werk 
gesetzt werden könnten. 

Er nehme daher, da die bisherigen Geldbewilligungen un- 
zulänglich befunden werden dürften, neuerdings die Hilfe des 
Parlaments in Anspruch, um in den Stand gesetzt zu werden, die 
Königin von Ungarn in ausgiebigster Weise zu unterstützen 
und durch alle möglichen Mittel die Aufrechthaltung des Hauses 
Oesterreich, der Freiheit und des Gleichgewichtes Europa's zu 
bewirken. 

Beide Häuser des Parlaments billigten diese Entschlüsse des 
Königs zu Gunsten des Hauses Oesterreich, des alten und viel aus- 
genützten Verbündeten der britischen Krone. Sie versicherten in ihrer 
Bereitwilligkeit, auch die beträchtlichsten Opfer bringen zu wollen, 
um Maria Theresia in dem Besitze ihrer Länder zu schützen. 
Das Haus der Gemeinen votierte ausser den zum Unterhalte der 
hessischen und dänischen Hilfs-Truppen nöthigen Summen noch 
oOO.OOO Pfund Sterling zur Unterstützung der Königin in dem 
Kampfe gegen ihre Feinde. König Georg selbst schickte sich au. 
sich in seine hannoverschen Erblande zu begeben, um dem 
Kriegs- Schauplatze näher zu sein und seinen persönlichen Einfluss 
zur Förderung der militärischen Massregeln geltend machen zu 
können. r ) 

Indessen hatte das englische Ministerium unmittelbar nach 
jenem Parlamentsbeschlusse, als Gegenzug, um die etwa in Wien er- 
regten Hoffnungen wieder herabzustimmen, durch eine vom 28. April 
an Robinson gesandte Denkschrift die Notwendigkeit einer 
Verständigung mit Preussen noch stärker betont, als in jener vom 
1(5. März. 

In derselben wurde ausgeführt, dass sich die politische Con- 
stellation verschärft habe und dass nur die Rücksicht auf die eng- 
lische Vermittlung den König von Preussen bisher abgehalten habe, 
auf die vortheilhaften Anerbietungen, die ihm auf Kosten Oester- 
reichs von Seiten Frankreichs gemacht worden seien, einzugehen. 

Die Furcht vor einer Allianz Frankreichs und Preussens 
überwog alle Rücksichten, Belleisle's Reise in das preussische 
Lager Hess dem Ministerium Walpole jede Zögerung als ver- 
derblich erscheinen. Um der Sendung des französichen Unterhändlers 
entgegenzuwirken, König Friedrich H. von dem Abschlüsse 
einer Allianz mit Frankreich abzuhalten und ein Abkommen mit 



J ) Arneth, Maria Theresia. 1. 211 u. ff. 



339 

der Königin von Ungarn und Böhmen zu Stande zu bringen, 
Hess König Georg einen Bevollmächtigten nach dem preussischen 
Feldlager abgehen, der als lebhafter Gegner Frankreichs und als 
eitriger Anhänger der grossen Allianz galt. 

Es war dies John Carmichel Earl of Hyndford, welcher 
am 2. Mai in Breslau eintraf. 1 ) Minister Podewils beeilte sich, 
dem Verlangen des englischen Abgesandten um eine Audienz bei 
König Friedrich zu entsprechen und die eingeholte Zustimmung 
dieses Monarchen beschied den Lord in Gemeinschaft mit dem 
hannoverschen Bevollmächtigten am preussischen Hof, dem Ge- 
heimen Kriegsrath August Wilhelm von Schwicheldt, in das 
Lager von .Mollwitz, wo am 7. Mai in des Königs Zelt beide, der 
englische Gesandte zuerst, empfangen wurden. 

Der König war sehr lebhaft und erregt über Englands Be- 
nehmen und die Erklärungen König Georg's im Parlamente. Auf 
Hyndford's Frage: was er fordere? antwortete der anwesende 
Minister von Podewils: Nieder-Schlesien und Breslau ; und der 
König fugte hinzu: „die Königin von Ungarn kann sich 
glücklich schätzen, so gut davonzukommen". „Sie 
sehen, es steht in meiner Macht, mich zum Meister von ganz 
Schlesien und nächstdem von Mähren zu machen. Denn die kleine 
unbedeutende Stadt Olmütz kann mich nicht aufhalten und dann 
sind alle Verbindungen mit Böhmen abgeschnitten. Ungeachtet 
meiner Siege, will ich indessen noch immer gemässigt (reasonable) 
sein." Auf die Frage : ob er dann den übrigen Theil der prag- 
matischen Sanction aufrecht erhalten und seine Stimme zur Kaiser- 
wahl geben wolle? antwortete er mit: ,,Ja!" 2 ) 



') Ueber die Persönlichkeit Lord Hyndford's spricht sich eine Relation 
des Gesandten der Königin, des Freiherrn von Jaxheirn, der Hyndford in 
Hannover, wo er am 21. April angekommen war, kennen gelernt hatte, fol- 
gendermassen aus: „Es ist dieser Mylord im Uebrigen ein sehr feiner und be- 
scheidener Mann, an welchem man auch hiesigen Orts diejenigen Eigenschaften 
erkennt, welche zu der Art des gegenwärtigen Geschäftes und in Ansehung 
der persönlichen Beschaffenheit des Königs in Preussen erfordert werden, so 
dass man sich von seiner Negociation und Aufführung in ein und anderem 
Fall viel Gutes verspricht." (H. H. u. St. A., Expeditionen nach Polen 1711. 
Copia relationis d. Ereih. v. Jaxheirn.) 

2 ) Räumer, Beiträge zur neueren Geschichte II, 131. Carlyle, „Ge- 
schichte Friedrich IL", III, 351. Am ausführlichsten bei Grünhagen, Schles. 
Krieg I, 382 nach „Hyndford's papers" im British Museum. „Politische Corre- 
spondenz", I, Nr. 367. „Precis de l'audience que Mylord Hyndford a eu du roi. ei 
de son entretien avec SaMajeste" berichtet: .,Lager bei Mollwitz, 7. Mai 1741." 

22* 



341 » 



Der englische Abgesandte sondierte auch König Frie- 
drich II. bezüglich eines Waffenstillstandes, auf welchen der 



'.-,■ 



„Mylord Hyndford meldete dem Koni- bei der Ueberreiehung 

seines Beglaubigungs-Schreibens die üblicben Complimente und die stärksten 
Freundschafts-Betheuerungen seitens des Königs von England.'' 

„Der König erwiederte ihm, er sei sebr empfänglich für die Beweise von 
Freundschaft und für die Versicherungen, welche ihm Se. britische Majestät 
hinsichtlicli seiner ehrlichen Absichten, einen dem König vortheilhaften Ver- 
gleich in der schlesischen Angelegenheit zu verschaffen, gegeben habe, aber 
er könne diese schönen Versprechungen und Betheuerungen nicht in Einklang 
bringen mit der aneifernden Rede, welche der König von England seinem 
Parlamente gehalten habe, mit dem abmahnenden Brief, welchen er an Se. 
Majestät schreiben wolle und mit dem Verhalten, welches die englischen Mi- 
nister im Haag, in Dresden und Petersburg beobachtet haben, wo sie 
nicht aufhörten, jene Mächte zum Eintritt in das Concert gegen Se. Majestät 
und zur offenen Erklärung für die Königin von Ungarn aufzumuntern." 
..Se. Majestät fügte hinzu, er wolle in den wahren Absichten des Königs 
von England klar sehen ; man befinde sich in einer Krisis, in welcher man 
seine Partei nehmen müsse : der König lasse sich durch Keinen, wer es auch 
sei, einschüchtern, noch sich von der berechtigten Verfolgung seiner Rechte 
abwendig machen, er würde anderwärts Freunde und Beistand finden; er 
seinerseits werde vernünftig sein, wenn man es in Wien sein wolle, der 
Herzog von Lothringen und das Haus Oesterreich könnten sich glücklich 
schätzen, in dem Geiste des Königs soviel Mässigung zu finden und dass er 
die Vortheile, welche er in Händen habe, nicht ausnütze, um seine Eroberungen 
weiterzutreiben. Wolle man etwas für einen guten Vergleich und für die 
Erhaltung des europäischen Gleichgewichtes thun, so sei es an der Zeit ; 
sonst dürfe man dem König keinen Vorwurf wegen des Umsturzes machen.'' 
„Mylord Hyndford antwortete auf alles dieses, der König sein Ge- 
bieter, sei aufrichtig gewillt und geneigt, ernstlich an einem Vergleich in der 
schlesischen Angelegenheit zu arbeiten ; er wisse durchaus nicht, dass der 
König, sein Herr, einen abmahnenden Brief an den König, oder an die anderen 
Höfe schreiben wolle, noch dass die Herren Trevor im Haag, Vi 1 Hers in 
Dresden und F i n c li in Petersburg eine andere Sprache führten oder dass 
sie di,- besagten Höfe gegen den König in der schlesischen Angelegenheit 
aufmunterten, sei es. in das Concert gegen den König einzutreten, sei es. 
anderweitig zu handeln ; die aneifernde Rede des Königs, seines Gebieters, 
sei seit seiner Abreise gehalten worden, aber er werde über alles dieses an 
uen Hof schreiben und er sei von der Ehrlichkeit überzeugt, mit welcher 
der König, sein Herr, an einem Vergleich arbeiten würde; er werde sogar 
einen Courier an Herrn Robinson in Wien senden, damit derselbe diesen 
Hof dränge, sich zu erklären und so schnell als möglich melde, wie weit 
man damit sei ; aber er hoffe, Se. Majestät werde sich über sein Ultimatum 
aiissprechen. Her König erwiederte, er habe sich schon so viele Male hierüber 
erklärt und bleibe darin fest, erbrauche Xieder-Sehlesien mit der Stadt Breslau." 
„Worauf Mylord entgegnete, er hoffe, Graf Gott er werde zu Beginn 
der schlesisch« p Angelegenheit 1 >ea i i I't ra tri gewesen sein, die Bedingungen dem 



3 t i 

letztere jedoch nur in der Dauer von sechs Monaten eingehen zu 
können erklärte. 

Dem Empfange des englischen Gesandten folgte jener des 
hannoverschen. König F r i e d r i c h II. sagte S c h w i c heidi 
gegenüber zu, dass, wenn „der König von England ihm Nieder- 
Schlesien, nebst der Stadt Breslau durch seine guten Officia ver- 
schaffen würde, Se. Königl. Majestät in alle die von dem hannover- 
schen Gesandten verlangten Desideria entrieren wolle"". : 



Wiener Hofe anzubieten, indem er fragte, welche Summe Geldes der König 
daran wenden wolle. Se. Majestät antwortete, er habe bis zu drei Millionen 
Gulden bieten lassen, etwas mehr oder weniger würde auf keine Schwierig- 
keiten stossen, man werde sich darüber leicht verständigen und er schliesse 
sich den in seinem Auftrag ehemals vom Grafen Gott er dem Wiener Hofe ge- 
botenen Bedingungen an." 

„Mylord Hyndford forschte den König über einen Waffenstillstand 
aus und Se. Majestät antwortete, er könne keinen andern bewilligen als einen 
sechsmonatlichen." 

„Hierauf versprach Mylord Hyndford. ebne Zeitverlust einen bei 
sich habenden Boten an Herrn Robinson nach Wien zu senden, um 
diesen Hof zu veranlassen, sich über das Ultimatum des KöniffS klar aus- 
zusprechen und ob er Nieder - Schlesien zu den Bedingungen abzutreten 
gesonnen sei, welche Se. Majestät ehemals durch den Grafen Gotter 
habe stellen lassen. Er versprach auch, wie von ihm ausgehend, ohne den 
König blosszustellen, den Wiener Hof hinsichtlich eines "Waffenstillstandes zu 
- radieren und zu verstehen zu geben, erhoffe, den König dazu zu vermögen." 

„Der König erwähnte auch auf Schlesien hypothekisierter Summen und 
Se. Majestät sagte, er erinnere sich, dass er versprochen habe, für Capital und 
Interessen zu sorgen, aber es sei billig, wenn man einen Vergleich treffe, den 
Theü, welcher nach gerechter Vertheüung auf das Haus Oesterreich falle, abzu- 
handeln, was Mylord Hyndford gerechtfertigt fand."' (Polit. Corresp. 
I. Nr. 367.) 

1 ) Am 3. Mai hatte Minister von Podewils aus Breslau au König 
Friedrich JI. berichtet, dass der hannoversche Gesandte Schwicheldt den 
Entwurf zu einem geheimen Vertrage zwischen Preussen und Hannover vor- 
gelegt habe. Man verspreche in demselben Nieder-Schlesien mit Breslau für 
Preussen durch englische Vermittlung, fordere dagegen Hildesheim, die ver- 
pfändeten Aemter in Mecklenburg und zwei Aemter in der Grafschaft Höllen- 
stein für Hannover. Podewils bemerkt in seinem Berichte noch, wie 
Schwicheldt wiederholt verlangt habe, dass dem enQ-li.sehen Gesandten Mylord 
Hyndford von den Forderungen und Uebereinkommen des Königs von 
England als Churfürst von Hannover kein Wort gesagt werde, da man sieb 
ausserordentlich fürchte, dass die Nation dem Fürsien vorwerfe, seine Privat- 
interessen mehr am Herzen zu haben, als die öffentlichen. Selbst König 
Friedrich IE. fiel dieses Doppelspiel auf, wie die Marginalbemerkungen auf 
dem erwähnten Berichte beweisen. Er findet die Angelegenheit delical und 
. srlangt, vor der Audienz dei beiden Gesandten mit Podewils darüber zu 



342 

Nach Breslau zurückgekehrt, fand H y n d f o r d eine Weisung 
Harri ngto n's, den König von Preussen zu einer Herabminderung 
seiner Forderungen zu bewegen, da man in Wien auf die Ab- 
tretung Nieder-Schlesiens mit Breslau nicht eingehen wolle. Es sei 
von Werth, den Wiener Hof überhaupt zu Verhandlungen zu be- 
wegen. Podewils widerrieth, dies in einer Audienz persönlich 
vorzubringen und rieth dem Gesandten, dies schriftlich zu thun. 
Der König antwortete auf das Ansuchen Hyndford's vom 
9. Mai schon am folgenden Tage, dass es nicht seine Sache sei, 
weiteres Entgegenkommen zu zeigen, er gedenke jetzt ruhig abzu- 
warten, was der Wiener Hof antworten werde. l ) Aber bevor noch 
der Courier nach Wien expediert war, wurde Hyndford durch 
die Nachricht überrascht, dass die General-Staaten eine im Februar 
beantragte gemeinsame Aufforderung an den König von Preussen, 
Schlesien zu räumen und die Befriedigung seiner Ansprüche den 
Seemächten zu überlassen, am 24. April angenommen hätten und 
er jetzt mit dem holländischen Gesandten die Erklärung dem 
Könige mitzutheilen und denselben zu ersuchen habe, durch Zurück- 
ziehung seiner Truppen den Weg durch ein gütUches Uebereinkommen 
zu ebnen. 2 ) Wenn nun auch die officielle Mittheilung von jenem 
Beschlüsse bis zur Rückkehr des englischen Couriers, welcher die 
am 7. Mai vereinbarten Puncte nach Wien brachte, verschoben 
wurde, so musste diese verspätete Simultanerklärung nach dem 
Tage von Mollwitz in der That auf König Friedrich II. einen be- 
denklichen Eindruck machen und in ihm die Ueberzeugung wecken, 
dass das englische Cabinet in seiner widerspruchsvollen Art ihn 
zu täuschen beabsichtige. Selbst Lord Hyndford musste zu- 
gestehen, dass das Verfahren Englands voller Widersprüche sei 
und nicht angethan, des Königs Vertrauen zu erhöhen s i und nur 



sprechen, „weil Mich diese doppelte Negociation, da der Hyndford nicht 
vom Secret sein soll, etwas befremden muss". (Polit. Corresp., I, Nr. 363.) 

1 ) Polit. Corresp. I, Nr. 369. 

2 ) Lord Trevor, der englische Gesandte im Haag, hatte Mitte Februar 
den General-Staaten den Entwurf zu einem Dehortationsschreiben an den König 
von Preussen vorgelegt, durch das ihn beide Seemächte gemeinsam zur 
Räumung von Schlesien auffordern sollten. Nach längeren Verhandlungen 
kamen die General-Staaten endlich am 24. April zu dem Beschluss, dass ihr 
Gesandter mit dem englischen Bevollmächtigten bei dem König von Preussen 
eine mündliche Vorstellung machen solle. Vergl. auch Grünhagen, Schles. 
Krieg I, 384. 

3 ) „Mr. Hyndford ist genöthigt, die in diesem ganzen Benehmen 
liegenden Widersprüche zuzugeben . . . und er war sein' vorlegen, als er mir 



343 

Podewils' Bemühungen gelang es, den König von Preussen bis 
zur Rückkehr jenes Couriers noch von dem definitiven Abschlüsse 
eines Vertrages mit Frankreich abzuhalten. l ) 

Ifyndford's Courier war erst am 13. Mai von Breslau ab- 
gegangen. 2 ) Am 17. Mai brachte Sir Thomas Robinson das 
Resultat der von Hyndford im Mollwitzer Lager geführten 
Unterhandlung dem Obersten Hofkanzler in Wien zur Kenntniss. 

Die in einer an Robinson gerichteten Note vom 24. Mai 
niedergelegte Antwort des Wiener Gabinets stellt die correcte, 
vollkommen auf dem Boden der Verträge fassende Anschauung 
der Königin M ar i a Theresia und ihrer Regierung in das 
hellste Licht. 

Die einleitenden Zeilen der Staats -Schrift beziehen sich auf die 
von Robinson am 17. Mai überreichte Note, auf den schon in 
früheren Schriftstücken dem Gesandten präcisierten Standpunct 
des Wiener Cabinets ; sie setzte dann sogleich mit der Klarlegung 
der Anschauungen über einen Vergleich überhaupt und die Art 
desselben ein und lautet : 

,,Die durch die Verträge festgesetzte Zeit zur Anwendung der 
guten Dienste (pour enrployer les bons offices) ist öfter als einmal 
verstrichen." 

,,Bei der gegenwärtigen Lage der Angelegenheiten verschlim- 
mert sich das Uebel nur durch die Verzögerung. Man kann sich 
auch kaum schmeicheln, einen gerechten und vernünftigen 
Vergleich zu Stande zu bringen, insolange man der Königin 
nicht in Entsprechung der in den Jahren 1731 und 1732 über- 
nommenen Verpflichtungen beistehen wird.'" :1 i 

„Der Weg, den man heute vorschlägt, ist weder v e r ei n- 
bar mit der Aufrechthaltung der pragmatischen 
Sanction, noch conform der Entschliessung, welche die General - 
Staaten in Uebereinstimmung mit Grossbritannien gefasst haben 
(ont prises de concert), da nach dieser Entschliessung, die weit 
entfernt, dem König von Preussen mit der Hoffnung auf die Er- 
werbung eines Theiles von Schlesien zu schmeicheln, sie den 

zu verstehen gab, dass er selbst diese Art vorzugehen nicht billigen könne.'" 

(Podewils an den König, Breslau 12. Mai; bei Droysen, Vi. 263, 

Anmerk. 2.) 

') Polit, Corresp. 1, Nr. 376, 377, 380. 

8 ) Am 14. Mai passierte er Neisse. (Lutsch' Tagebuch.) 

3 ) 16/19 Mars 1731. Autriche, Grande-Bretagne, Hollande. Paix et :.lli- 

ance. Vienne. (Tetot, pag. 43.) 



344 

betreffenden Gesandten befiehlt, ihm gewichtige Vorstellungen zu 
machen, damit er unverzüglich seine Truppen (aus Schlesien) zurück- 
ziehe und sie sagt ferner der Königin die Erfüllung der 
Verpflichtungen zu, im Falle die erwähnten Vorstellungen ihre 
Wirkung nicht äussern. Da man durch die an Mylord Hyndford 
gegebene Antwort bereits in Kenntniss ist, dass die Vorstellungen 
keinen Erfolg haben werden, so kann nach einer so reiflichen 
und langen Verhandlung nur noch davon die Rede sein, dem, für 
diesen Fall der K ö n i g i n gegebenen Versprechen Genüge zu 
leisten". 

, .Alles, was soeben hier erwähnt, ist unwiderleglich und 
die Königin kann weder, noch will sie jemals ihr unbestrittenes 
Recht aufgeben : den Beistand ihrer Verbündeten kraft der Ver- 
träge anzurufen, die nicht erst abzuschliessen sind, sondern die 
schon bestehen." 

„Sie ist nichtsdestoweniger einem Vergleich mit dem König 
von Preussen nicht abgeneigt, welcher jedoch, angesichts der 
Nichtigkeit seiner Ansprüche, als wirklich gerecht und 
vernünftig bezeichnet werden könnte. Sie weiss, dass man 
früher oder später zu einem solchen wird gelangen müssen. Sie 
hat dazu stets den sehr ernsten Wunsch gehegt und wird denselben 
auch immer bewahren ; der kürzeste AVeg, dahin zu gelangen, wird 
ihr der angenehmste sein. Aber sie glaubt gleichzeitig, dass, damit 
ein Vergleich als gerecht und vem ü n f t i g bezeichnet werden 
könne, er der Gerechtigkeit der Sache entsprechen müsse, sowie 
dem Geiste der Verträge und den Vereinbarungen mit dem Hofe 
von Sachsen, zu welchen die Königin durch die lebhaften Auf- 
forderungen und die in gleicher Weise dringenden und freund- 
schaftlichen Mahnungen Seiner grossbritannischen Majestät engagiert 
worden ist. Jeder andere Vergleich würde durch seine Folgen und 
traurigen Consequenzen den Ruin des Hauses Oesterreich, jenen 
des Reiches und die vollständige Zertrümmerung des Gleichge- 
wichtes und der Freiheiten Europä's nach sich ziehen." 

„Es wird der Königin Vergnügen bereiten, wenn Seine 
grossbritannische Majestät Ihr einen AVeg zeigen wollte, auf 
welchem man zu dem Ziele gelangen könne, das man sich vor- 
gesetzt, ohne die pragmatische Sanction zu verletzen und ohne 
sich alle die üblen Folgen zuzuziehen, welche man soeben erwähnt 
hat. Die Königin kennt keinen, ausser der schnellen und wirk- 
samen Hilfeleistung, welche sie nicht aufhört und niemals auf- 
hören wird, anzurufen und welche sie für unfehlbar hält, voraus- 



345 

gesetzt, dass man nicht mehr zögern will, sie zu leisten. Ihrer 
Ansicht nach ist dies nicht allein der sicherste, sondern der einzige 
Weg, um am schnellsten die Ruhe im Reiche herzustellen und 
bevorstehenden, wie entfernten Gefahren zuvorzukommen oder sich 
dagegen zu schützen. Je mehr man sich beeilen wird, der König] n 
zu helfen, um desto mehr wird man den Vergleich mit dem König 
von Preussen befördern, dem gegenüber man die friedfertigen 
Dispositionen der Königin geltend machen kann und deren auf- 
richtigen Wunsch, in Uebereinstimmung mit den oben angeführten 
Grundsätzen sich auszusöhnen und mit ihm zu verbinden. Mylord 
Hyndford kann dreist eine solche Sprache führen, vorausgesetzt, 
dass diese Dispositionen und der AVunsch der Königin nicht 
einen Augenblick die Hilfeleistung verzögern, welche sie seit so 
langer Zeit anruft, denn sie ist vollständig überzeugt, dass ohne dies 
Mittel man weder ihr Haus, noch das Reich, noch Europa vor den 
Uebeln bewahren wird, die man von ihnen abwenden will." r ) 

Diese Ablehnung der Hy n df or d'schen Vorschläge brachte 
der Courier aus Wien am 28. Mai nach Breslau. König F r i e d r i c h H. 
aber schloss nun mit Frankreich definitiv ab und die seinerseits 
fortgeführten Verhandlungen mit dem englischen Abgesandten 
dienten nur noch zur Verleugnung und Verheimlichung des Ein- 
verständnisses mit dieser Macht, also nur ,.pour amuser", wie der 
beliebte Ausdruck lautete. 



') H. H. u. St.. A., England 1741, Z. 83. Noten an Robinson, (französisch). 
Concept von Bartenstein. Vergl. auch : Arn etil, „Maria Theresia'', I, '225 ; 
„Polit Corresp.", I, Nr. 381. 



Die Allianzen der Gegner Maria Theresia's. 



Im Monate Juni treten die militärischen Ereignisse immer 
mehr zurück vor der lebhafter werdenden diplomatischen Action. 

In beiden Feldlagern beginnt man zu temporisieren, auf der 
einen Seite, um die Alliierten zur Theilnahme am Kampfe zu be- 
wegen, auf der anderen, um den verbündeten Staaten Zeit zu 
geben, die Rüstungen zu beenden. 

In Frankreich begegneten Regierung und Volk sich ohnehin 
in der Ueberzeugung, dass die so überaus günstige Lage, wie sie 
durch den Tod Kaiser Carl VI. und durch den Einbruch König 
Friedric h II. in Schlesien geschaffen worden, im vollen Masse 
ausgebeutet werden müsse und dass der Augenblick zu neuer 
Vergrösserung auf Kosten des Römischen Reiches gekommen sei. J ) 

Am 13. April meldete der österreichische Gesandte in Paris, 
Ignaz von Was n er, der Königin: ,,Da man den König 
(von Preussen) zur Ausführung der hiesigen Absichten in dem 
Reich und zumal bei der Kaiser-Wahl nöthig zu haben glauben 
dürfte, so könnte gar wohl sein, dass zwischen dem hiesigen und 
dem preussischen Hofe etwas in Geheim verabredet und gehandelt 
werde, wovon aber noch zur Zeit etwas Verlässliches oder Eigent- 
liches nicht zu entdecken gewesen." 

Der hochbetagte Cardinal F 1 e u r y hatte zwar nach Kaiser 
Carl VI. Tode nicht allein gegen Wasner, sondern auch gegen 
andere Gesandte geäussert: „dass, obschon der Tractat (mit Kaiser 
Carl VI.) von dem Reich noch nicht ratinciert worden, solches 



') Bericht des Gesandten in Paris an die Königin Maria Theresia 
vom 6. Februar 1741. ' H. H. u. Str. A.. Frankreich. Corresp. 93.) 



347 

nichts an der Sache ändere und Frankreich seine Verbindlich- 
keiten dessenungeachtet erfüllen werde." *) 

Thatsächlich jedoch stand Frankreich, wie bekannt, längst an 
der Seite Preussens. Die vorbereitende diplomatische Action und 
die Vermittlung der Annäherung zwischen Frankreich und Preussen 
durch Camas, Valory, Chambrier, Beauvau, Belleisle, 
in seiner Weise auch Voltaire, sind bereits geschildert worden. 
Die Minister und Hofleute äusserten unverhohlen ihre Freude über 
den preussischen Erfolg bei Mollwitz: „Als worüber verwichen en 
Dinstag zu Versailles in dem Vorzimmer des Cardinais Fleury 
dem preussischen Ministro Chambrier (ungeachtet er von diesem 
vorgegebenen Sieg mit ziemlicher Massigkeit gesprochen) fast von 
allen allda Anwesenden die Glückwünschung abgestattet worden.'' 2 ) 
Die in officieller AVeise geschehene erfolgreiche Mission 
B e 1 1 e i s 1 e's hinderte nicht, dass Cardinal Fleury dem öster- 
reichischen Gesandten gegenüber diesen ganzen diplomatischen 
Feldzug einfach ableugnete. AVasner meldet darüber am 31. Mai 
1741 an die Königin, dass er aus russischer Quelle erfahren, es 
habe „Mr. Belleisle die Unternehmung des Königs ganz be- 
sonders gutgeheissen, indem er durchblicken Hess, dass der wahre 
Heroismus darin bestehe, den Namen eines Eroberers zu ver- 
dienen, indem er ihn anfeuerte, dein schönen Anfang zu folgen 
und dadurch seinen Ruf und seinen Ruhm zu verewigen. Man 
sagt selbst, dass er Seitens seines Hofes die Garantie aller seiner 
Eroberungen angeboten habe, sowie eine enge Allianz mit Frank- 
reich und dessen Alliierten ; als Gegenleistung habe er die Stimme 
des Königs zu Gunsten des bayerischen Churfürsten verlangt und 
eine gegenseitige Garantie dessen, was Frankreich in Flandern und 
den österreichischen Niederlanden werde gewinnen können." 

Auf'Wasner's Vorstellungen hierüber habe der Cardinal 
betheuert: „dass der Inhalt dieser Nachrichten gänzlich unbegründet, 
Belleisle mit keinen solchen Befehlen versehen und zudem 
sehr unvernünftig wäre, auch im Fall einiger hiesiger ungleichen 
Gesinnung sich solchergestalteil gegen einen Fürsten, wie der 

*) Nach dem Separat- Artikel der Präliminarien zwischen Oesterreich und 
Frankreich vom 3. October 1735 hatte der Kaiser die Zustimmung des Reiches 
über all' das, wobei es interessiert war, einzuholen. Das Reich hatte nicht nur 
diese Präliminarien längst ratificiert, sondern dem Kaiser die vollständige 
Freiheit eingeräumt, den Vertrag selbst im Namen des Reiches abzuschliessen. 
H. H. u. St. A., Bavarica, Fase. 7 d.) 

'•') M. IL u. St. A.. Wasner's Berichl vom I. Mai .1741. 



348 

König von Preussen sei, blosszulegen. Mithin er etwas dergleichen 
von ihm, Bell ei sie, niemals glauben könne, umso mehr, als man 
denselben auch anderer in dem Reich gehalten haben sollender un- 
gemessener Gespräche in einer Zeit beschuldige, wo doch nament- 
lich die zwei E. k. M. ergebenen Churfürsten von Maynz und Trier 
ihm ein ganz anderes Zeugniss gegeben und dessen Bescheidenheit 
belobt hätten." M 

Nicht minder hatte man seit Anfang März 1741 die militäri- 
schen Vorbereitungen weitergeführt. Im Mai wurde dann die Ver- 
mehrung der Infanterie, um 30.000 bis 35.000 Mann, angeordnet, 
eine Massregel, welche übrigens erst bis Ende August durchgeführt 
sein konnte. -) 

Die Königin sollte durch die Rüstungen Frankreichs ,,en ech.ec", 
Spanien, Neapel, Schweden, Chur-Bayern und Preussen „en haieine" 
erhalten werden, bis Frankreich zum Eintritt in die Action bereit sei. 3 ) 

Noch war indessen Friedrich II. trotz des freundlichen 
Verhältnisses, das er mit dem Cabinete von Versailles unterhielt 4 j 



5 j H. H. u. St. A., AVasner's Bericht vorn 31. Mai 1741. 

2 ) H. H. u. St. A . Wasner an Grafen Sinzendorff, 22. Mai 1711. 

s ) H. H. u. St. A., Wasner's Bericht vom 31. Mai 1741. 

4 ) Er äussert sich in seiner „Histoire de mon temps" über den Eindruck 
des Einmarsches in Schlesien und über das Verhältniss zu Frankreich im Beginn 
des Jahres 1741, wie folgt: „Europa, war noch in der Erstarrung (dans l'engourdis- 
sement), welche die Ueberraschung verursacht, Das Manifest, welches wirpubli- 
ciert hatten, war lakonisch, die Mission Gotter's und die Baschheit unserer 
Operationen vermehrte die Ungewissheit und hemmte dieBeurtheilung der Mächte, 

welche noch nicht entwirren konnten, oh Preussen der Alliierte oder der Feind 
der Königin von Ungarn war. Von allen diesen Mächten schien Frankreich am 
meisten geneigt, unsere Interessen zu begünstigen. Der Cardinal Fleury 
sprach sich offen genug mir gegenüber in einem aus Issy vom 25. Januar 
datierten Briefe aus, indem er mir insinuierte, dass die Garantie, welche 
Ludwig XV. der pragmatischen Sanction gegeben, durchaus nicht rechts - 
giltig sei, weil man ihr das Correctiv beigefügt habe, mit „Vorbehalt der Rechte 
eines Dritten" und weil der Kaiser den Hauptartikel des Wiener Vertrages 
nicht erfüllt habe, welcher in der Garantie des Reiches bestanden. Der 
Rest seines Schreibens bezog sich auf zwei Hauptpuncte, von denen einer 
eine Ausführung über den übermässigen Ehrgeiz Englands war und der andere 
nur die Vortheile darstellte, welche ich im Bündniss mit Frankreich und in 
der Erhebung des Churfürsten von Bayer., zur kaiserlichen Würde find« n 
werde. Ich beantwortete dies Schreiben in den höflichsten Ausdrücken, dem 
Cardinal den Wunsch aussprechend, mich mit Ludwig XV. zu vereinen, 
indem ich ihn versicherte, dass ich meinerseits dieser Negociation jede Er- 
leichterung gewähren würde.'" (Histoire de mon temps [Red. 1746] 221). vergl. 
auch Polit. Corresp., 1. Nr. 280.) 



.ii'.l 

und trotz der Anerbietungen, die ihm von dieser Seite theils durch 
den Gesandten Marquis de Valory, theils durch den Marschall 
B e 1 1 e i s 1 e bei dessen Anwesenheit im Mollwitzer Lager 1 ) gemacht 
worden waren, mit Frankreich in kein eigentliches Bündniss ge- 
treten. Er rechnete damals noch damit, durch die englische Me- 
diation, ohne Frankreich, die Abtretung Nieder-Sohlesiens erlangen 
zu können. 

Die "Weigerung der Königin Maria Theresia, das Erbtheil 
ihrer Väter preiszugeben und ihr energisch bethätigter AVille, dabei 
den Boden des Rechts nicht zu verlassen, dasselbe aber auch trotz 
Allem und wenn es sein müsste, gegen Alle zu vertheidigen, gab 
nun Friedrich II. auch den äussern Anlass zum engen Bund'' 
mit Frankreich. 

Das Frankreich L u d w i g XV. war zwar allerdings noch reich 
an Hilfsquellen, aber doch längst nicht mehr der starke, von der 
Glorie und Machtfülle des ,,Roi soleil" umstrahlte Staat. 

Das Bild, welches "Wasner der Königin von den finan- 
ciellen und militärischen Verhältnissen desselben entwerfen konnte, 
war kein allzu glänzendes. 

Kräftiger als durch seine materiellen Hilfsmittel wirkte jedoch 
die französische Diplomatie im Verlaufe der Ereignisse durch die 
Vereinigung und Aufbietung aller ,, antipragmatischen" Mächte und 
stellte auf diese Weise wirklich eine bedrohliche und übermächtige 
Coalition der Königin Maria Theresia gegenüber. 2 ) 

Am 30. Mai ertheilte Friedrich II. aus dem Lager bei 

Grrottkau, nachdem die ablehnende Antwort des Wiener Hofes zu 

seiner Kenntniss gelangt war, an den Etatsminister von P o d e w i 1 s 

in Breslau den Befehl, mit dem Marquis Valory abzuschliessen. 

„Es muss aber dieses mit dem grössten Secret von der Welt 

•liehen, zu dem Ende gedachter V a 1 o r y nicht herkommen, Ihr 

auch solchen auf das Geheimste an einem dritten Ort sprechen 

sollet, damit kein Mensch das Geringste davon erfahre, noch soup- 

miere . . . allermassen Ihr Mir mit Eurem Kopf davor repon- 

dieren müsset, dass kein Mensch, es sei auch wer es wolle, das 

Geringste davon merke, noch erfahre . . . kurz es muss in allen 

üüil jeden Umständen das Secret auf das Höchste menagieret werden. 



'i Broglie, Frederic II. et Marie Therese, 1. 324. 
'-') Die Verbindung mit Frankreich „a donne lo prineipa] uiouvemenl ä 
la machine prete ä s'ebranler", Valory, Meinpires I. 109, 



350 

als wovor mir Euer Leben, Ehr© und Reputation responsabel 
bleiben sollen. Den Mylorci Hy n d f'o r d und die übrigen Gesandten , 
so sich von der Sache interessieren, sollet Ihr inzwischen amüsieren 
und Ihnen die Hoffnung machen, dass Ich mit einigen Herzog- 
thümern, als Schweidnitz, Liegnitz, Jauer zufrieden sein würde, 
wie Ich Euch dann die Art und Weise überlasse, auf was Art Ihr 
mit ihnen am besten biaisieren könnet. Ihr sollet auch den Mylord 
Hyndford sowohl, als den p. Ginckel (holländischer Gesandter) 
auf das Obligeanteste tractieren und ihnen sagen, wie sie beider- 
seits herkommen könnten. . . ." J ) 

Am folgenden Tag schrieb Friedrich IL eigenhändig dann 
nochmals an den Minister Podewils: 



*) Friedrich II. an Podewils, 30. Mai 1741. (Polit. Corresp., I, Nr. 381.) 
An den Cardin al F 1 e u r y schrieb Friedrich II. am gleichen Tag; 
„Soeben habe ich die Allianz mit dem König, Ihrem Gebieter, unterschrieben ; 
meine Treue in diesem Vertrag wird Sie meine Verzögerungen vergessen 
machen und ich gebe Ihnen die Versicherung, dass Sie sich nie über mich 
zu beklagen, noch diese Allianz zu bereuen haben werden ; ich bestreite Ihnen 
jetzt, Herr Cardinal, dass Sie ein besserer Franzose sind, als ich es bin. Ich 
bitte Sie, dem König, Ihrem Gebieter, zu versichern, dass ihn niemals Jemand 
mehr geschätzt hat, als ich dies thue und dass ich ihm Beweise davon bei 
jeder Gelegenheit geben werde." (Polit. Coresp. I, Nr. 382.) 

Und ebenso am 30. Mai an den Marschall Bell ei sie in München: 
„Im Vertrauen auf Ihre Versprechungen, auf die Dinge, welche Sie Auftrag 
hatten, mir im Namen des Königs, Ihres Gebieters, zu sagen und auf die un- 
begrenzte Hochachtung, welche ich für Ihre Geschicklichkeit im Kriegshand- 
werk hege, habe ich soeben die Allianz unterschrieben, zu welcher Sie mich 
eingeladen haben, ich bin von nun an ein besserer Franzose als der Marschall 
Belleisle und so treu gegen Frankreich, als nur jemals ein Alliierter gewesenist." 

,.Ich hoffe, von heute in zwei Monaten Ihre Fahnen auf den diesseitigen 
Ufern des Eheins entfaltet zu sehen ; ich freue mich im Voraus, die Manöver 
zu bewundern, welche Sie machen werden und Operationen, welche zu Be- 
lehrungen für jeden Kriegsmann werden, werden mir zur Hilfe und zur 
Stütze dienen ; Ihr Namen vernichtet mich ebenso, wie die Kräfte des 
Königs, Ihres Gebieters, mich mit einem Prinzen zu alliieren, welcher 
durch Ihre Dienste so vorzüglich unterstützt wird." 

..Bayern erhält meine Stimme; rechnen Sie dafür so gut auf Preussen, 
wie auf Frankreich; man unterscheide sie nicht mehr und der König von 
Frankreich möge überzeugt sein, dass, wenngleich ich Zeit verlangt habe, 
um mich zu entscheiden, dieser Aufschul) nur dazu dient, meine Treue noch 
unerschütterlicher zu machen." 

„Adieu, lieber Freund, den siegreich vor den Thoren Wiens zu sehen und 
an der Spitze seiner Truppen zu umarmen, wie ich ihn an der Spitze der 
meinigen umarmt habe, ich vor Ungeduld brenne." (Polit. Corresp. I, Nr. 'As:]. 



35] 

..Also, mein lieber Podewils, Sic scheu nun. wer von uns 
Beiden sich geirrt hat und ob ich nicht recht gehabt habe, Ihnen 
zu sagen, dass die Engländer Betrüger sind? Jetzt handelt es 
sich nicht darum, dies durchblicken zu lassen, sondern es zu ver- 
bergen; sagen Sie Valory, dass ich ihm das Geheinmiss mehr als 
irgend etwas- Anderes anempfehle." 

,, Machen Sie Ihrem Mylord j . . . - f glauben, dass 

ich durchaus nicht von der Antwort aus Wien gekränkt bin, 
schläfern Sie ihn bezüglich der Observations-Armee (des Fürsten 
von Anhalt) ein und sagen Sie ihm, dass ich sie cantonnieren 
lassen werde, um die Eifersucht zu vermeiden, welche sie gegen 
mich zu erregen schien; mit einem Wort, setzen Sie Himmel und 
Erde in Bewegung, um den Engländer zu täuschen und zu be- 
trügen; ich werde ihm einen sehr guten Empfang bereiten und 
hoffe ihn zu düpieren." 

, .Lassen Sie uns Zeit gewinnen, denn von drei Wochen Geheim- 
haltung hängt unser Heil ab. Ich will nicht, dass Schumacher 
(Cabinets-Secretär) von irgend etwas informiert werde und ich ver- 
biete Ihnen bei Lebensstrafe, davon mit Jemand Anderem, aussei 
Valory, zu sprechen. " 

,, Adieu, ich erwarte mit Ungeduld die Unterzeichnung des 
Vertrages." x ) 

In der Nachschrift : 

„Valory soll den Unzufriedenen spielen und sich entrüstet 
stellen über den Frieden, welchen er zwischen dem Lothringer und 
mir geschlossen glaubt und soll überhaupt anders erscheinen, als 
er ist. Sprechen Sie ihm zu, die letzte Hand an die Allianz mit 
Schweden zu legen." r ) 

Der in Folge dieser Befehle abgeschlossene Vertrag trägt das 
Datum des 5. Juni. Der Austausch der Katificationen geschah am 
5. Juli. 2 ) 



') Polit. Corresp. I, Nr. 384. 

2 ) Der Vertrag istabgedruckt inMasson, „Memoire« etlettres deFrancois 
Joachim de Pierre, Cardinal deBemis", Paris 1878 1. 462. Weiter rindet sich 
der Vertrag in Broglie, „Frederic II. et Marie Therese", I, 407 (Appen- 
dice D.), jedoch mit einigen, sogar wesentlichen Varianten und dem Druck- 
fehler (pag. 110) „Berlin" statt „Breslau" als Abschlussort des Vertrages. Der 
„Recueil des instractions donnees aux ambassadeurs et ministres de France," 
Paris 1SS4, T. 280 verweist auf Masson. Nach dem französischen Text.' von 
Mässon in Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs, N. F. 1889, III, '27<;. 



352 



Der Marquis de Valory erzählt in seinen Memoiren über die 
dem. Abschluss vornergehenden Verhandlungen : ,.Er (der König von 



Vertrag vom 5. Juni 17-1-1 zwischen Seiner Aller ehr ist- 
lichsten Majestät ud cl d e m König von P r e u s s e n. 
Vereinbarung einer defensiven Allianz zwischen dem König von Frankreich 
und dem König von Preussen, abgeschlossen in Breslau am 5. Juni 1711. 
vom Könige von Frankreich ratifiziert am 14. (Juni) und vom Könige von 
Preussen am 1. Juli. Der Austausch der Ratificationen geschah am 5. Juli. 

,,Der Allerchristlichste König und der König von Preussen, in der beider- 
• itigen Erkenntniss, wie wichtig es bei den gegenwärtigen Umständen für 
sie sei, im vollsten Einverständnisse zu handeln, sowohl für ihre gemein- 
samen Interessen, wie auch für die Erhaltung und Befestigung der allge- 
meinen Ruhe, haben etc., nachdem sie sich gegenseitig ihre Gedanken über 
die Mittel, die Verbindung und die Freundschaft, welche sie für einander 
hegen, zu festigen, beschlossen, dass sie nichts Zuträglicheres thun könnten, 
als diese Bande durch den Abschluss einer Defensiv- Allianz unter sich enger 
zu knüpfen und haben Seine Allerchristlichste Majestät zu diesem Zweck be- 
vollmächtigt: den Herrn Marquis de Valory, Brigadier Seiner Armee und 
Seinen Bevollmächtigten bei S. M. von Preussen : in gleicher "Weise hat 
der König von Preussen bevollmächtigt den Herrn von P o d e w i 1 s, seinen 
Staats- und Kriegsminister, welch' Genannte, nachdem sie den Austausch 
ihrer betreffenden Vollmachten bewirkt haben, über die folgenden Artikel 
übereingekommen sind : 

A. r t i k e 1 I. Von diesem Tage an und für immer wird zwischen Sr. 
Allerchristlichsten Majestät und S. M. dem Könige von Preussen, ihren 
Eiben und Nachfolgern, Königreichen, Ländern und Unterthanen, Freund- 
schaft und aufrichtige Uebereinstimmung herrschen, welche derart werden 
beobachtet werden, dass die abschliessenden Theile aufrichtig und im guten 
Glauben Alles thun werden, was von ihnen abhängen wird, um das Wohl 
und den Vortheil des Einen, wie des Andern zu verschaffen und zu 
befördern und um jeden Schaden und Nachtheil abzuwenden, welche für sie 
und ihre Unterthanen entstehen könnten. 

Artikel II. Die genannten Majestäten versprechen und verpflichten 
sieb gegenseitig, in keine Convention oder Verbindlichkeit einzugehen, welche 
in irgend einer Art und Weise entweder direct oder indirect dem entgegen 
sein könnten, was für die Erhaltung des Friedens durch die Verträge von 
Utrecht und Baden festgesetzt worden, wie nicht weniger dem. was durch 
den zu Stockholm am 1. Februar 1720 geschlossenen Friedenstractat Seitens 
der Krone Schweden mit dem König von Preussen statuiert worden, sondern 
im Gegentheil alle ihre Bestrebungen, zu deren Aufrechterhaltung und Aus- 
führung anzuwenden. 

Artikel III. Seine Allerchristlichste Majestät und der König von 
Preussen garantieren sich gegenseitig alle ihre König- 
r eiche, Staat e n u nd L e h n s herrschaften in Europa und . 
wenn die eine oder die andere der genannten Majestäten durch irgend eine 
Macht angegriffen oder beunruhigt würde, unter welchem Vorwande dies 
immer wäre, verspricht und verpflichtet sich die andere, schleunigst seinen 



353 



Preussen) verlangte, dass der Churfürst von Bayern sich in 
Bewegung setze, um eine Diversion zu seinen Gunsten zu 



Alliierten zu unterstützen, um ihm eine gerechte, rasche und gebührende 
Genugthuung durch Dienstleistungen (par offices), durch Anwendung seiner 
Machtmittel und seihst im Nothfalle durch den Krieg gegen den Angreifer zu 
verschaffen. Ihre Majestäten versprechen, in solchem Falle die Waffen nicht 
niederzulegen und nur in gemeinsamem Einverständnisse, bei 
gegenseitiger Genugthuung des einen und des andern Theiles, 
in Vergleichs-Unterhandlungen einzutreten. 

Artikel IV. Die genannten Majestäten, von gleichen Gefühlen in 
Bezug auf Alles, was das Wohl und die Euhe des Deutschen Reiches, sowohl 
im Innern, als ausserhalb desselben betreffen kann, beseelt, versprechen und 
verpflichten sich, ihre Rathschläge zu vereinen und in der innigsten Eintracht 
zu handeln, um auf den Kaiserthron jenen Fürsten zu bringen, welcher als 
der Geeignetste erkannt werden wird, um die Freiheiten und Vorrechte der 
Fürsten des Reiches zu erhalten — und zu Allem beizutragen, was das 
Zuträglichste zur Befestigung der allgemeinen Ruhe in Europa, sowie auch 
für den gemeinschaftlichen Nutzen der interessierten Theile sein könnte. 

Artikel V. In dem Fall, als Seine Allerchristlichste Majestät und 
Seine Majestät von Preussen dazu gelangen werden, in vollkommener Ueber- 
einstimmung zu erkennen, dass es wichtig sein würde, um sicherer die Er- 
füllung der Ziele des gegenwärtigen Vertrages durchzusetzen, auch andere 
Mächte einzuladen, demselben beizutreten, so werden sie im Einverständnisse 
(de poncert) hiezu auffordern und in das Bündniss, ebenfalls im Einverständ- 
nisse, alle Fürsten und Staaten aufnehmen können, welche demselben bei- 
treten wollen, mit Rücksicht auf die Erhaltung der Ruhe des Reiches und 
/die allgemeine Beruhigung Europas, wie auch mit Rücksicht auf den gemein- 
schaftlichen Nutzen der interessierten Theile. 

Ar tikel VI. Endlich versprechen die genannten Majestäten, gegen- 
seitig in vollkommener Uebereinstimmung in Bezug auf ihre gemeinschaft- 
lichen Interessen zu handeln (d'agir d'un parfait concert pour leurs interets 
communs) und von nun an bezüglich der Angelegenheiten Deutschlands und 
des Nordens keine Verpflichtung einzugehen, ohne sich vorher treulich die 
Vorschläge mitgetheilt zu haben, welche gemacht werden könnten und nur 
nach Prüfmag dessen, was zum grösseren Vortheil des Einen oder des Andern 
gereichen könnte. 

Artikel VII. Man wird aus gewissen Gründen über diesen Vertrag 
noch das Geheinmiss wahren und man wird denselben durchaus Niemandem, 
als im gemeinschaftlichen Einverständnisse und Zustimmung, mittheilen. 

Artikel VIII. Der gegenwärtige Vertrag defensiver Allianz gilt für 
den Zeitraum von 15 Jahren und dessen Ratificationen werden in der Zeit 
eines Monats ausgewechselt, von der Unterzeichnung an gerechnet. Zu Urkund 
dessen wir Unterzeichnete, Minister S. A. Majestät und S. Majestät von 
Preussen, auf Grund unserer bezüglichen Vollmachten den gegenwärtigen 
Vertrag unterschrieben und darauf das Siegel mit unsern Wappen beigedrückt 
haben. Geschehen zu Breslau, am fünften Tage des Juni, Tausend sieben- 
hundert einundvierzig. 

(L. S.) Marquis de Valory. (L. S.) von P o d e wi 1 s. 

Oesterreichischer Erbi'olgekrieg. II. Bd. 



354 

bewerkstelligen, eine Diversion, welche ihm seine Eroberungen er- 
leichtern würde. Er verlangte ausserdem, dass Schweden mit 



Separat- und geheimer Artikel. Seine Allerchristlichste 
Majestät verpflichtet sich für sich und seine Nachfolger und Erben auf immer- 
währende Zeit in der festesten und feierlichsten Weise, mit allen seinen 
Streitkräften (de toutes ses forces) gegen wen es immer sein würde, Seiner 
Majestät dem König von Preussen. seinen Nachfolgern und Erben auf immer- 
währende Zeiten, den ungestörten Besitz von ganz Nieder-Schlesien, die Stadt 
Breslau mit inbegriffen, zu garantieren, dabei wohl verstanden, dass seiner- 
seits keine Aenderung zum Nachtheile der katholischen, apostolisch-römischen 
Religion vorgenommen werde und aus Erkenntlichkeit für die eben erwähnte 
Garantie, wie sowohl für eine gänzliche Beilegung der Angelegenheit der 
Jülich - Berg'schen Erbfolge und zur Befestigung der allgemeinen Ruhe, falls 
sie aus Anlass dieser Angelegenheit würde gestört werden, verpflichtet sich 
Seine Majestät der König von Preussen, sowohl für sich, als seine Nachfolger 
und Erben, auf die gewichtigste und feierlichste Weise, an das pfalzgräf- 
liclie Haus Sulzbach und dessen Erben, auf immerwährende Zeit die gänz- 
liche Cession seiner Successionsrechte auf die Herzogthümer Jülich und Berg 
zu übertragen; w r ohl verstanden, dass diese Cession nur stattfinden würde, 
sobald der ruhige Besitz von ganz Nieder-Schlesien, die Stadt Breslau mit 
inbegriffen, S. M. dem König von Preussen und seinen Erben und Nach- 
folgern auf immerwährende Zeiten durch eine förmliche Cession seitens 
des Hauses Oesterreich gesichert sein wird, welche im zukünftigen 
Friedensvertrag, unter der Garantie Seiner Allerchristlichsten Majestät, 
zu stipulieren sein wird, ebenso seitens des pfalzgräf Heben Hauses und 
solcher anderer Mächte, welche zur Theilnahme dieser Garantie einzuladen 
für zweckmässig erachtet würde, als Spanien, Schweden und Baj^ern, gegen 
alle ausgesprochenen oder noch auszusprechenden Ansprüche, von welcher 
Seite dies immer sein könnte, auf Nieder-Schlesien, die Stadt Breslau mit 
inbegriffen; mit dem Bedinge, dass auch S. M. von Preussen seinerseits im 
Vereine mit Seiner Allerchristlichsten Majestät und den Mächten, welche 
diesem Vertrage beitreten werden, dem pfälzischen Hause Sulzbach und dessen 
Nachfolgern, ebenfalls auf immerwährende Zeit, den Besitz der genannten 
Staaten Jülich und Berg, gegen jeden, von welcher Seite immer ausgesprochenen 
oder auszusprechenden Anspruch auf die Succession der genannten Staaten 
Jülich und Berg garantiere. 

Dieser Separat-Artikel wird dieselbe Kraft haben, als wäre er Wort für 
Wort in dem am heutigen Tage geschlossenen und gezeichneten Vertrag auf- 
genommen und wird derselbe auf die nämliche Weise ratificiert und dessen 
Ratificationen in der nämlichen Zeit, als jene des Vertrages ausgewechselt 
werden. Urkund dessen, wir etc. 

Separat- und geheimer Artikel. Nachdem Russland mit mehreren 
anderen Mächten in Verhandlungen und Vereinbarungen zu Gunsten des 
Wiener Hofes und gegen S. M. den König von Preussen eingetreten ist, sei 
es, um eine Diversion gegen seine Staaten zu machen, sei es, um ein 
Truppen-Corps der Königin von Ungarn zu Hilfe zu senden, so verpflichtet 
sich Seine Allerchristlichste Majestät, um S. M. dem Könige von Preussen 



355 

Rüssland breche ; für ihn ein wichtiger Puiict, weil, wenn er den 
Rücken von jener Seite nicht frei habe und in Kenntniss der 
Verbindungen jenes Hofes mit dem "Wiener, er in beständiger 
Unruhe gewesen wäre." 

„"Wenn Alles so gegangen, wie dieser Fürst es gewünscht, so 
hätte der Churfürst von Bayern die Königin von Ungarn ange- 
griffen ; der König (von Frankreich) hätte ihm -mächtige Hilfe ge- 
leistet, hätte ausserdem eine beträchtliche Armee im Elsass, bereit 



neue Proben seiner Freundschaft und seiner Zuneigung zu geben. Schweden 
mit Russland zu entzweien, sogleich und ohne Verzug, vorausgesetzt, dass 
S. M. der König von Preussen seinerseits sich verpflichtet, sogleich eine 
Allianz mit Schweden abzuschliessen, welche die Sicherheit gewährt, dass sie 
den Absichten, welche Schweden auf die Wiedererlangung der ihm einst von 
Russland entrissenen und gegenwärtig noch im Besitze dieser Macht befind- 
lichen Provinzen haben könnte, nicht controvers sei, auch Schweden in keinem 
Falle zu beunruhigen, welche Ansinnen Pussland auch immer bezüglich der 
Erneuerung seiner Allianz vom 27. December 1740 stellen möge. Man ver- 
pflichtet sich, das unverbrüchlichste Geheinmiss über diesen Separat-Artikel 
zu bewahren und er wird dieselbe Kraft haben, als wenn etc. 

Separat- und geheimer Artikel. Ihre Majestäten werden ihre Be- 
mühungen und ihre Dienste zur Vereinigung der Stimmen des churfürstlichen 
Collegiums zu Gunsten des Churfürsten von Bayern anwenden und verspricht 
der König von Preussen in diesem Sinne, dass, sobald es sich um die Wahl 
des Römischen Königs handelt, bei der nächsten Wahlversammlung, er in 
seiner Eigenschaft als Churfürst von Brandenburg, seine Stimme dem ge- 
nannten Churfürsten von Bayern geben wird und verpflichtet er sich auf 
jeden Fall, sie keinem Anderen zu geben, als im Einverständnisse mit Seiner 
Allerchristlichsten Majestät. Dieser Artikel wird dieselbe Kraft haben, als 
wenn etc. 

Separat- und geheimer Artikel. Seine Allerchristlichs-te Majestät, 
genügend in Kenntniss, dass der Churfürst von Bayern von allen Seiten von 
den Wirkungen des Uebelwollens des Wiener Hofes bedroht ist, aus Hass. 
weil er seine Rechte und Ansprüche auf einige Staaten, welche zur öster- 
reichischen Erbfolge gehören, geltend gemacht hat und sich bewusst, dass 
er allein nicht die genügende Macht besitze, um seine Staaten gegen die 
Streitkräfte zu vertheidigen, welche jener Hof gegen ihn aufbieten kann, so 
wollen Seine AUerchristlichste Majestät nichts unterlassen, was nothwendig 
sein könnte, um den genannten Churfürsten in einer so drängenden Gefahr 
zu unterstützen und um ihn ohne Verzug in Stand zu setzen, nachdrücklich 
zu handeln, verspricht Seine Majestät, ihm alle hiezu nothwendigen Mittel zu 
fern und ungesäumt zu seiner Unterstützung soviel Hilfs-Truppen zu senden, 
als nöthig sind, um sein Land gegen jeden Angriff zu sichei'n und ihn für 
alle Fälle durch eine mächtige Diversions-Armee in Stand zu setzen, nichts 
von seinen Feinden befürchten zu müssen und die Gerechtigkeit seiner 
Anspruch«' zu behaupten. Dieser Artikel wird dieselbe Kraft haben, als 
wenn" etc. 

28* 



356 

zum Einmarsch in Deutschland, versammelt, hätte eine andere 
nach "Westphalen gesandt, um den Churfürsten von Hannover 
einzuschüchtern, während er (Friedrich IL), frei von jeder Art Ver- 
pflichtung, Herr geblieben wäre, sich derjenigen Partei zuzuwenden, 
welche ihm am besten conveniert hätte. Er machte sich zum 
Schiedsrichter und Herrn dieser grossen Angelegenheit .'..." 

Und nach dem Abschlüsse des Vertrages sagt Valory: 
„Kaum war mein Courier, welcher die Nachricht davon überbrachte, 
am (französischen) Hoflager angekommen, als der König von 
Preussen mich bezüglich der Ausführung der Artikel Seitens des 
Königs (von Frankreich), welcher allein den Churfürsten von Bayern 
und selbst Schweden zur Action bestimmen könne, peinigte. 
Dieser gebieterische Fürst liess mich, was man nur kann, Ver- 
driessliches durch seine Ungeduld und seine Drohungen leiden, 
indem er mir unaufhörlich sagte, dass, wenn man glaube, ihn 
herangezogen zu haben, ohne die Bedingungen zu erfüllen und 
wenn von all' dem, was ihm der Marschall Beilei sie versprochen 
habe, man nichts halte, er umzukehren und sich aus der Sache zu 
ziehen wissen werde ; in Aeusserungen und in Schriftstücken 
gleich hart und unvernünftig, da er niemals von dem Zeitpuncte 
der Unterzeichnung der Ratificationen ausgehen wollte, welcher 
doch erst den König und seinen Conseil zu den entscheidenden 
Entschlüssen , sowie zu den dienlichsten Massregeln , um den 
Churfürsten von Bayern wirksam zu unterstützen, bestimmen 
konnte." *) 



J ) Polit. Corresp. I. Nr. 409, 410, 412. Den Freundschaftsversicherungen 
Friedrich II. vom 30. Mai folgten jetzt am 18. Juni schon an Valory 
in Breslau und am 24. Juni an F 1 e u r y in ganz anderem Tone ge- 
haltene scharfe Mahnschreiben. An Valory schrieb er : „Ich war sehr 
überrascht, aus dem Memoire des Herrn von Eudenskiöld die Ent- 
schlüsse der schwedischen Staaten so verschieden von dem zu sehen, 
was ich erwarten durfte. Herr von Belleisle wird nicht in Abrede 
stellen können, dass er mir versprochen habe, Schweden werde in Finn- 
land vorgehen, sobald ich den Tractat unterschrieben haben würde ; jetzt, wo 
ich im Begriff" bin, es zu thun, lässt mich Schweden im Stich. Ich erkläre 
Ihnen somit im Voraus, dass Ihr ganzer Tractat null und nichtig ist. wenn 
nicht Schweden durch Frankreich zum Handeln veranlasst wird und wenn 
der Churfürst von Bayern nichts thut und wenn Belleisle nicht in Deutsch- 
land einrückt, um noch diesen Herbst in Böhmen und Oesterreich zu operieren. 
Glauben Sie nicht, ich sei unter anderen Bedingungen der Alliierte des Königs, 
Ihres Gebieters, und rechnen Sie nicht mehr auf mich, wenn Sie nicht Ihre 
Zusagen einhalten, sowie ich entschlossen bin, die meinigen gewissenhaft ein- 
zuhalten. 



357 

„Der König vonPreussen verweigerte beständig, Vereinbarungen 
mit dem Churfürsten zu schliessen, bis er ihn nicht in Bewegung 

Melden Sie dies dem Cardinal und Herrn von Belleisle, denn 
wenn man in Frankreich glaubt, mich missbrauchen zu können, irrt man 
sich." (Polit. Corresp. I, Nr. 409.) 

Und an den Cardinal Pleury in Issj^, 24. Juni 1741 : „Ich glaube mich 
verpflichtet, Ihnen in Erinnerung zu bringen, dass die Hauptpuncte, auf welche 
sich der Allianz-Vertrag, den ich mit dem König, Ihrem Gebieter, abgeschlossen 
habe, gründet, die Versicherungen sind, welche Sie mir durch den Marschall 
von Belleisle machen Hessen, Schweden zu kräftigem Vorgehen gegen 
Russland zu veranlassen, den Churfürsten von Bayern ein Truppen-Corps 
von 20.000 Mann aufstellen zu lassen und dass Sie mit einem noch bedeuten- 
deren Heere in Deutschland operieren. Ich hoffe, mein Herr. Sie werden 
keinen dieser Puncte vergessen, welche wichtig sind für den Tractat, welchen 
wir geschlossen und Sie werden die Notwendigkeit, in welcher sich der 
König von Frankreich befindet, eine seiner Grösse und seinen Verpflich- 
tungen entsprechende Rolle in der Welt zu spielen, besser begreifen, als ich 
es Ihnen sagen kann. Denken Sie nicht, es habe Zeit, durch seine Alliierten 
zu operieren und man könne ruhig das Aeusserste abwarten : es gibt in der 
Politik Augenblicke, die sich niemals wiederfinden, wenn man sie sich ent- 
gehen lässt. Benützen Sie doch diesen hier, welcher einer der glücklichsten 
ist, um Ihre Regierungszeit unsterblich und um den Ruhm und die Macht 
Frankreichs für alle Zeiten gefürchtet zu machen, legen Sie die letzte 
Hand an dieErniedrigung desHauses Oesterreich und unter- 
stützen Sie nachdrücklich und aus allen Ihren Kräften zwei Ihrer treuesten 
und besten Alliierten. Sie werden begreifen, mein Herr, dass Verzögerungen 
und Langsamkeit in solchen Gelegenheiten nicht am Platze sind und dass 
eine rasche Art, seinen Verpflichtungen nachzukommen, deren Werth unendlich 
erhöht. Ich werde in meinen Zusagen in dem Mass unerschütterlich sein, als Sie 
die Ihrigen erfüllen und ich werde Ihnen umso anhänglicher sein, als meine 
Vorliebe mich besonders an den König, Ihren Gebieter, und an die franzö- 
sische Nation fesselt. Meine Hochachtung und meine Freundschaft für Sie 
werden erst mit meinem Leben erlöschen." 

Ueber die Audienz, die der Marquis V a 1 o r y am 24. Juni bei dem 
Könige hatte, hegt sein Bericht, Breslau, 1. Juli, vor : „Der König von Preussen 
rief mich und ich folgte ihm in sein Schlafzelt. Er begann damit, dass er mir 
mit ziemlicher Heftigkeit sagte, er habe gezögert, Verpflichtungen für den König 
einzugehen, um denselben desto gewissenhafter nachzukommen; aber er mache 
mich aufmerksam, dass, wenn Schweden nicht sofort gegen Russland operiere . 
wenn der Churfürst von Bayern nicht sehr rasch eine Diversion mache und 
nicht durch den König in Stand gesetzt werde, mit Uebermacht zu opei'ieren 
und wenn die französischen Truppen nicht in der Lage seien, nächsten Monat 
in Deutschland und im folgenden im Herzen des Landes einzurücken, man 
nicht auf ihn mehr rechnen solle, als auf Blätter im November; er wolle sich 
nicht aufreiben und einen Krieg verlängern, welcher in der Folge nur zu 
seinem und Deutschlands Verderben führen könne : es handle sich nicht mehr 
darum, blinde Streiche zu führen. Das wahre Interesse des Königs sei es. 
dieses Haus (Oesterreich) auf einen Schlag zu vernichten und ihm binnen sechs 



358 

wisse. Er erklärte diesem Fürsten, dass der Tag, an dem er gegen 
die Königin von Ungarn in Thätigkeit trete, die Gewissheit eines 
Vertrages mit ihm bringen werde, indem er zugleich zu verstehen 
gab, dass ohne dies davon nicht die Rede sein könne." *) 

Die von König Friedrich II. so dringend gewünschte 
Geheimhaltung seiner Abmachungen mit Frankreich gelang in 
ausreichender Weise. 

Erst am 30. Juni erhielt der "Wiener Hof davon Kenntniss. 

In einer Minister-Conferenz an diesem Tage wurden Nach- 
richten des Grafen Colloredo, der an die geistlichen Höfe von 
Maynz, Cöln und Trier gesandt worden war, mitgetheilt, laut 
welchen Preussen und Frankreich sich geeinigt hätten, dass mehrere 
französische Corps in Marsch gesetzt würden und auch nach Cöln 
französische Truppen kommen sollten. Der Oberste Hofkanzler 
Graf Sin z en d orff eröffnete, es habe auch der englische Ge- 
sandte Sir Thomas Robinson bekanntgegeben, dass am 5. Juni 
der förmliche Bündnisstractat zwischen Preussen und Frankreich 
abgeschlossen worden sei. Er fügte hinzu, das Betragen Frankreichs 
sei äusserst gefährlich. Man habe zwar von der Pforte gegenwärtig 
nichts zu befürchten, nichtsdestoweniger mache die französische 
Politik Anstrengungen, auch die Türken gegen die Königin in 
den Krieg zu hetzen. Frankreich habe vor, das Erzhaus völlig 
umzustürzen und ihm die Kaiserkrone zu entziehen. 2 ) 

Ein Tractat zwischen Bayern und Spanien und Abmachungen 
zwischen Frankreich und Bayern über die vorzunehmenden Ope- 
rationen waren im Monate Mai im Schlosse zu Nymphenburg 
geschlossen worden. 3 ) 



Monaten Stösse zu versetzen, welche es nicht parieren und von denen es sich 
nie erholen könne ; wenn Sie den Liguen Zeit lassen, sich zu bilden, so wird 
dies ein Krieg, welcher uns durch seine Länge unverhältnissmässig mehr 
Leute und Geld kostet, als Sie jetzt ausgeben würden. Uni diesen Preis kann 
der König, Ihr Gebieter, auf einen unerschütterlichen Alliierten rechnen. Ein 
langer Krieg passt mir nicht." (Polit. Corresp. I, Nr. 412, Anmerkung.) 
J ) Memoires des negociations du Marquis de Valory, I, 117—119. 

2 ) H. H. u. St. A., Vorträge, Staatskanzlei 1741. Conferenz-Notaten. 

3 ) Das Ausführliche hierüber siehe im IV. Bande dieses Werkes. 
König Friedrich II. schrieb nun am 30. Juni auch an F 1 e u r y 

seine Ideen über die Lage : „Ich war sehr entzückt über den Brief, welchen 
Sie mir soeben geschrieben und auf das Höchste geschmeichelt von der 
Freundschaft des Königs, Ihres Gebieters, von welcher Sie mir ebenso starke, 
als bestimmte Versicherungen geben. Von dem Geheimniss, das Sie von mir 



35<J 

Am 3. Juli berichtete der Gesandte in Paris an die Königin 
Maria Theresia: „In dem am 25. Juni zu Versailles gehaltenen 



verlangen, wird man hier nicht Wind bekommen, wenigstens nicht durch 
meine Schuld. Herr V a 1 o r y, welcher ein sehr würdiger Unterthan ist und 
seinem Gebieter als höchst ehrenwerther Mann dient, spielt seine Rolle wie 
man es in der ganzen Welt nicht besser könnte und führt sehr gewissenhaft 
die Missionen aus, mit denen er betraut ist. Ich benütze diese Gelegenheit, 
mein Herr, um Ihnen meine Betrachtungen, welche ich über den gegenwärtigen 
Zustand Europas gemacht habe, zu schicken ; sie sind ein wahrhaftes Bild 
der Operationen, welche mir für die Interessen Frankreichs und seiner 
Alliierten die geeignetsten scheinen. Sie können von nun an auf mich als den 
treuesten Freund, den der König, Ihr Gebieter, jemals haben kann, für mein 
ganzes Leben rechnen." (Polit. Corresp. I. Nr. 415.) 

Ausführlicher Bericht der Ursachen, welche den König von Frank- 
reich nöthigen, unverzüglich mit einem Theil seiner Armeen in 

Deutschland zu wirken. 

„1"- Die Absicht des Königs von Frankreich ist, das Haus 
Oesterreich zu erniedrigen und zu diesem Zwecke den König von 
Preussen und den Churfürsten von Bayern zu unterstützen, welche sich als 
Feinde der Königin von Ungarn erklärt haben." 

„Hier folgt das Bild der Zeit. Der König von Preussen wird lebhaft von 
England gedrängt, sich mit der Königin zu vergleichen und man fügt 
Drohungen zu den Bitten. Die erst kürzlich geschlossene Allianz, welche der 
König von Preussen als geheiligt betrachtet, verhindert denselben, auf irgend 
einen, seinen Alliierten nachtheiligen Vergleich einzugehen ; aber um die 
Folgen der üblen Absichten seiner Nachbarn zu vermeiden, hält er sie hin und 
erweckt ihnen Hoffnungen, um dem Churfürsten von Bayern zum Einrücken 
in Oesterreich und der französischen Armee zum Einrücken in Deutschland 
Zeit zu lassen. Wenn der Churfürst von Bayern seine Operationen noch länger 
als einen Monat hinausschiebt, setzt er den König von Preussen in die Lage, 
sich von den Sachsen und Hannoveranern angegriffen zu sehen." 

,,2°- Wenn also Frankreich jetzt nicht in Deutschland einrückt, muss es 
sich darauf gefas st machen, entweder den König von Preussen, seinen Alliierten 
oder den Churfürsten von Bayern beeinträchtigt zu sehen, was seine Pläne 
auf die Häuser Oesterreich und England scheitern lässt." 

„3°- Wenn Frankreich im Monat August mit 40.000 Mann in Schwaben 
einrückt, verhindert es in erster Linie, dass die deutschen Fürsten und die 
fünf verbündeten Kreise ihm kommendes Jahr Truppen entgegenstellen kömien, 
zweitens nimmt es seine Winter- Quartiere in Feindesland ; drittens kann es 
noch in diesem Jahr die Angelegenheit mit dem Hause Oesterreich beendigen, 
hernach handelt es sich nur noch um den Gewinn einer Schlacht durch den 
Churfürsten von Bayern, damit dieses Haus Oesterreich in den letzten 
Zügen liege, besonders wenn die Bayern direct auf Wien marschieren. 
Noch mehr, wenn 40.000 Franzosen entweder in Oesterreich oder in Böhmen 
einrücken und eine andere französische Armee Philippsburg nimmt, ist es 
sonnenklar, dass die Häuser Sachsen und Hannover sich mit ihren Hessen 
und Dänen niemals einer so starken Macht entgegenzustellen vermöchten." 



360 

Rath ist nicht allein der Krieg wirklich, sondern auch beschlossen 
worden, dem Churfürsten von Bayern sobald als nur immer 



„Ich bin sonach der Ansicht, man solle jetzt eine mächtige Anstrengung 
machen und mit einem Schlag das vollbringen, was bequem zu vollenden 
wäre, statt durch nur nach und nach geschehende Anstrengungen dem 
Zufall die Ereignisse zu überlassen, welche nun von Frankreich abhängen, 
ob es ohne Autschub einen guten und herzhaften Entschluss fasst." 

„Man erinnere sich an das Gleichniss vom Pferdeschwanz, welchen man 
nicht auf einmal ausreisst, mit dem man aber fertig wird, indem man Haar 
um Haar auszieht; darum muss man mit seiner ganzen Kraft handeln und 
müssen die Alliierten dasselbe thun. dann hat Frankreich alle Ursache, ein 
glückliches Gelingen seiner Absichten zu erwarten und dies ist das einzige 
Mittel, um Oesterreich zu erniedrigen und den Hochmuth und che An- 
massung Englands niederzuschlagen." (Polit. Corresp. I, Nr. 415. Nach dem 
eigenhändigen Concept.) 

Belleisle, der zur Zeit in Versailles war, erhielt von König F r i e d- 
r i c h H. am 4. Juli aus Strehlen Mittheilnng : „Die Oesterreicher sammt 
allen Verstärkungen bestehen in 10.000 Mann Infanterie. 11.000 Mann Caval- 
lerie, 5000 Husaren und 30.000 Mann ungarischer Milizen, das ist ihre ganze 
Stärke. Meine Armee, nun seit Ihrer Abreise verstärkt und um emige Regi- 
menter vermehrt, besteht in 28.000 Mann Infanterie, welche 35 Bataillone 
bilden, 12.000 Mann Cavallerie und 3000 Husaren, ausserdem aus 4 Batail- 
lonen, welche zur Bewachung der Magazine dienen ; das macht zusammen 
46.252 Mann ; ausserdem aus 600 Kanonieren, einer Fx*ei - Compagnie 
von 200 Mann und einer Jäger- Compagme von 100 Mann. Die Oester- 
reicher lagern unter den Kanonen von Neisse und ich, ich bin in Strehlen. 
in einem Lager, wo meine Cavallerie wieder ganz hergestellt und com- 
pletiert ist und wo ich meine Subsistenz mit Leichtigkeit herausziehe. 

Sobald Bayern, welches nur zwei Regimenter, nämlich Savoyen und 
Khevenhüller vor sich hat, seine Operationen begonnen haben wird, wird von 
drei Dingen eines geschehen. Entweder werden die Oesterreicher einen Theil 
ihrer Truppen nach Oesterreich detachieren, oder sie werden Schlesien preis- 
geben, um zu ihren Penaten zu eilen oder die Verzweiflung wird ihnen den 
Plan einer Schlacht eingeben. 

Im ersteren Falle warte ich vierzehn Tage, bis sie detachiert haben und 
werde die Neisse bei Ottmachau überschreiten, um mich zwischen ihnen und 
ihren Magazinen zu lagern, welche sich in Mähren und Böhmen befinden, 
und die Noth wird sie alsdann zwingen, entweder auf mich loszugehen 
oder ihr Lager zu verlassen und ich werde sie schlagen. Sollten sie Schlesien 
gänzlich verlassen, werde ich Neisse belagern, was eine Affaire von 14 Tagen ist, 
ebenso werde ich Glatz belagern, welches uns den Verkehr durch Böhmen ver- 
schaffen und vermittelst einer leichten Kette die Freiheit des Anschlusses 
sichern könnte. Wenn sie auf mich losgehen, werde ich daraus Nutzen ziehen 
und in diesem Fall kann der Churfürst von Bayern, ohne auf irgendwelchen 
Widerstand zu stossen, auf Wien marschieren und Sie würden alsdann gut 
thun, sich nach Böhmen zu wenden, um sich den Truppen entgegen zu stellen, 
welche die hannoversche Liga nicht ermangeln wird, entweder gegen Bayern 



361 

thunlich, 30.000 Mann zu schicken, mit welchen sich die bayerischen 
Truppen zu vereinigen, gesanmiter Hand in Böhmen einzubrechen 
und besagter Churfürst sich bereits im nächsten Monat November 
zu Prag krönen zu lassen hätte" 

„Man sei nur noch um einen scheinbaren Vorwand auszufinden 
verlegen ; wobei denn auch Viele sehr befürchten, dass Frankreich 
und Bayern sich schon des Königs von Preussen versichert haben 
und dieser sich nur allein in der Absicht still halte, um den hiesigen 
Bruch abzuwarten und sodann desto nachdrücklicher zu Werke zu 
gehen." 

Der Gesandte machte am 11. Juli dem Cardinal Fleuryzu 
Versailles über die militärischen Anstalten Frankreichs Vorstellungen, 
worauf dieser erwiderte, dass, da alle anderen Mächte in Europa 
bereits gerüstet, oder sich zu rüsten eifrig bemüht seien, es Frank- 
reich nicht verdacht werden könne, auch seinerseits deren Beispiel 
zu folgen und sich gegen die von verschiedenen Mächten „wider 
hiesige Krone hegende gefährliche Vorhaben vorzusehen", worauf 
der Gesandte entgegnete : „Wie ich seinem und der ganzen ver- 
nünftigen AVeit Urtheil anheim stelle, ob auch nur der mindeste 
Anschein einer Gefahr obwalte, dass Frankreich von Jemand an- 
gegriffen werde." 

Wasner erinnerte den Cardinal in gemessener Weise an 
die Verpflichtungen, die Frankreich der Königin gegenüber 
habe; Fleury antwortete mit seiner gewöhnlichen Gelassenheit: 
„Wie er meinen für E. k. Majestät und des Grossherzogs Aller- 
höchsten Dienst äussernden Eifer nicht missbilligen könne und 
ich hiervor vielmehr zu beloben sei. Es müsse aber jede Macht 
für sich und ihre Sicherheit Sorge tragen ; wider die Gerechtigkeit 
jedoch würde hiesigen Orts nichts unternommen werden und da er. 
Cardinal, hierauf mit halbgebrochenen Worten meldete: dass gewisse 
Verbindungen gegen Frankreich vorhanden wären, so widersetzte 



durch das Reich oder in meine Staaten marschieren lassen zu wollen. Durch 
Ihren Einmarsch in Böhmen würden Sie dann den Churfürsten von Bayern 
decken, welcher, auf keine Feinde stossend, auch keiner Hilfe bedürfte. Sie 
könnten vielleicht Sachsen bestimmen, sich mit uns zu verbünden und Sie 
würden sich so stark den hannoverschen Staaten nähern, dass von einer 
Seite Ihre Truppen, von der zweiten jene des Fürsten von Anhalt und von 
der dritten die pfalzgräflichen Truppen Sie auf den ersten Pfiff erdrücken 
können. Ich bin jedoch der Ansicht, Sie sollten sich an den Churfürsten von 
Bayern anschliessen, sobald die Oesterreicher von dieser Seite hier nach 
Oesterreich detachieren " (Polit. Corresp. I, Nr. 417). 



362 

ich: wie ich ihm und der ganzen AVeit den Trutz böte, mit 
dem geringsten Wahrheits-Schein darzuthun, dass bis dato die 
mindeste Verbindung von Seiten E. k. Majestät oder des Gross- 
herzogs k. H. zürn Nachtheil Frankreichs genommen worden sei und 
sich gegen was solches auch für das Künftige vollkommentlich zu 
versichern blos in hiesiger Willkür stünde. Worauf aber der Cardinal 
nichts erwidert." l ) 

Belleisle, sobald er die Nachricht von dem Abschlüsse 
des von ihm bei König Friedrich IT. so warm befürworteten 
Allianz-Tractates erhielt, begrüsste diese als die wichtigste und 
entscheidendste Kunde. Dem preussischen Könige theilte er mit, 
dass im August die französischen Fahnen jenseits des Rheins 
wehen und bereits Ende Juni bayerische Truppen in der Stärke 
von 12.000 Mann an den Grenzen Ober-Oesterreichs stehen würden. 

Und als von dem französischen Minister Amelot die Antwort 
eintraf, dass man mit Rücksicht auf die schon vorgerückte Jahres- 
zeit für dieses Jahr sich mit einer Geldunterstützung von zwei 
Millionen Livres und einem französischen Hilfs-Corps von 20.000 
Mann begnügen könne, eilte Belleisle nach Versailles und setzte 
in einer Sitzung des Staatsrathes am 11. Juli die schleunigste 
Ausrüstung zweier französischer Heere durch, die Mitte August 
den Rhein überschreiten sollten. Am IG. August wurde dann eine 
Convention zwischen Frankreich und Bayern geschlossen, welche 
die Ausdehnung und Art der Hilfe stipulierte, die König Lud- 
wig NV. dem Churfürsten von Bayern leisten sollte, auf Grund 
älterer Verträge und speciell des zu Fontainebleau am 12. No- 
vember. 1727 abgeschlossenen Tractates. 2 ) 

Am 24. Juli verliess Belleisle Versailles und am 25. Paris, 
um über Metz nach Frankfurt zurückzukehren. 

Seit dem 5. Juli, an welchem Tage Chevalier Roland Des- 
a 1 1 e u r s als französischer Gesandter in Dresden angekommen 
war, hatte er in den verschiedenen Conferenzen mit Brühl und 
P. G u a r i n i nur Vorwände und Ausflüchte gefunden. Die Rathgeber 
König A u g u s t's wollten zuerst vor Preussen gesichert sein und 
mit Bayern sich nur dann verbünden, wenn Frankreichs Truppen 
im Marsch wären, um die bayerischen zu unterstützen. 

x ) H. H. u. St. A., Berichte W a s n e r's. Frankreich, Correspondenz. 
2 ) Articles signes entre le roi (de France) et l'electeur de Baviere. Paris 
le 16 aoüt 1741. (Pariser Archiv.) 



363 

Desalleurs drängte, da der König, sein Herr, zu wissen 
wünsche, woran man sich zu halten habe und es endlich an der 
Zeit wäre sich zu erklären, ob Sachsen die Absicht habe, sich 
mit Bayern zu verbünden. Darauf kamen wieder Vorwände, man 
müsse noch Erklärungen des Churfürsten von Bayern abwarten. 
Dieselbe Antwort erhielt der am 8. Juli in Dresden eingetroffene 
spanische "Wahlbotschafter Montij o. Jedoch wechselte die Situation 
bald. König August entschloss sich in Folge wichtiger Nach- 
richten des Grafen von Sachsen, den Gesandtschaftsrath Saul 
direct an Belieisle abzusenden. 

In der Conferenz, welche Belieisle mit Saul hatte, gestand 
Letzterer selbst, dass sein Hof bis jetzt gesucht habe, die Unter- 
handlungen in die Länge zu ziehen, dass es aber jetzt Zeit sei, 
einen Entschluss zu fassen. 

Er begehrte, dass dem König von Preussen die Niederlande, das 
Herzogthum Glogau und der Schwiebuser Kreis ; dem Churfürsten 
von Sachsen der Rest von Schlesien, Mähren und zwei Drittel von 
Böhmen mit Prag, endlich dem Churfürsten von Bayern der Rest 
von Böhmen, Ober-Oesterreich, Tyrol und Vorder-Oesterreich ge- 
geben werde. 

Belieisle meinte, dass gegenwärtig „der Zeitpunct zum 
Feilschen schlecht gewählt sei". Er wollte Sachsen nur Mähren 
und Ober-Schlesien und höchstens noch einen schmalen Streifen 
von Böhmen zur Communication zugestehen. Saul reiste hierauf 
zu weiteren Unterhandlungen nach Versailles. 



Veränderungen des preussischen Lagers. 
Thätigkeit der Streif- Corps der österreichischen Armee. 

Jb M. Graf Neipperg hatte seine Truppen in dem Lager, 
das er bald nach der Schlacht von Mollwitz bezog, retabliert. 

Der linke Flügel leimte sich an den Biela-Fluss, der rechte 
war etwas zurückgenommen, die Front durch die Festung Neisse 
und die Wehrteiche gedeckt. 

Am 4. Juni liess der Armee-Commandant nebst 400 freiwilligen 
Kumaniern und Jazygiern noch 100 Husaren von Kärolyi zur Ver- 
stärkung des an der Neisse-Grottkauer Strasse um Friedewalde 
postierten GFWM. Festetics abgehen. 

Oberst Wilhelm Moritz Freiherr von Roth, der tapfere und 
überaus thätige Commandant von Neisse, der im Hauptquartier un- 
ausgesetzt für den kleinen Krieg und die stete Beunruhigung der 
Preussen eintrat, ein genauer Kenner der Verhältnisse Schlesiens 
und seiner Bewohner, inzwischen zum General-Feld- Wachtmeister 
ernannt, x ) hatte dem zu Schedlau an der Strasse Falkenberg- 
Löwen stehenden Kärolyi'schen Oberstwachtmeister von G y ü r i 
eine Anzahl Frei-Hayducken zugesendet. Diese wurden in die vom 
Hauptmann Kniebisch aufgestellte Frei-Compagnie eingereiht, 
die zur Bewachung der untern Neisse mit verwendet ward und 
auch am linken Ufer des Flusses die Gegend durchstreifte. An die 
Neisse nach Ottinachau wurde der am 5. Juni mit 7 Compagnien 
des Dragoner-Regiments d'Ollone im Hauptlager eingetroffene Oberst 
Graf Olivieri entsendet. Auch Detachements der Husaren - 
Regimenter Csäky und Splenyi befanden sich in Ottmachau. 



») K. A., Schlesien 1711 ; VI, 21. 



365 

GFWM. Festetics brach in der Nacht vom 6. zum 7. Juni 
aus seiner Postierung bei Friedewalde mit einem Detachement 
von 1000 Pferden, bestehend aus Abtheilungen der Husaren- 
Regimenter: Csäky, Dessewffy, Ghylanyi, Pestvarmegyei, Splenyi, 
Kärolyi, den ungarischen National-Husaren von Belesznay und den 
Kumaniern und Jazygiern gegen die Strasse Grottkau-Strehlen auf 
und stiess bei Olbendorf um 4 Uhr Morgens auf ein Com- 
mando von 100 preussischen Husaren. Trotzdem diese sich tapfer 
vertheidigten und in dem dortigen Schloss sich festsetzten, liess 
Festetics nicht ab , bis er den Gegner fast aufgerieben 
hatte. Die Ortsbewohner betheiligten sich am Kampfe gegen die 
esterreicher. Nachdem das Gefecht längere Zeit gedauert, langten 
800 preussische Husaren, nebst Uhlanen zur Unterstützung an. 

Festetics berichtet: „Die unter mir Stehenden haben mit 
solcher Valor "Widerstand gethan und mit dem Säbel in der Faust 
begegnet, dass sie über hundert auf dem Platze geblieben sind 
und die übrigen in Flucht gebracht, wobei drei Officiers von ihnen 
geblieben, unter anderen ein gewisser Rittmeister Ledivari 
genannt, welcher einer von ihren besten und bravsten Ofncieren 
gewesen. Ich habe die Ehre gehabt, des Herrn Obersten Belesznay 
Regiment und die Jazygier und Kumanier einzusetzen und ist mir 
lieb, dass bei erster Gelegenheit ihnen von dem Feind kein Affront 
widerfahren." König Friedrich H., welcher persönlich mit Cavallerie, 
Infanterie und Geschützen zur Unterstützung herbeigeeilt, kam zu 
spät ; das Gefecht war bereits zu Ende, da Festetics mit seinen 
Husaren sich bereits wieder gegen Friedewalde zurückgezogen 
hatte. Der Verlust betrug auf Seiten der esterreicher : an Todten : 
1 Oberofficier, 17 Mann und 20 Pferde; an Verwundeten: 2 Ober- 
officiere, 37 Gemeine, 25 Pferde ; an Vermissten : 4 Manu. Zu- 
sammen 3 Officiere, 59 Mann, 45 Pferde. 

Den Preussen wurden 19 Gefangene abgenommen, der übrige Ver- 
lust soll nach österreichischem Bericht bei 100 Mann betragen haben. 1 ) 

Festetics, der seinen Bericht aus Eckwertsheide am 7. Juni 
erstattete, meldete zugleich, dass er jetzt allabendlich sein Lager 
ändern werde, da er vermuthe, dass die Preussen mit stärkeren 
Kräften ihm zu Leibe zu gehen versuchen würden. 

Nach dem Abschlüsse mit Frankreich lag es nicht mehr in 
König Friedrich H. Interesse, grössere Entscheidungen herbei - 



') K. A., Schlesien 1741; VI, ad 24 a. V 4) V». 



366 

zufuhren, die ihm auch durch die Stellung der österreichischen 
Armee hinter der Festung Neisse wesentlich erschwert worden 
wären. l ) Für einen voraussichtlich längeren Aufenthalt eignete 
sich aber die Lagerstellung bei Grottkau nicht. 

Vorgeschobene leichte österreichische Truppen und Partheien 
umschwärmten fortwährend das preussische Lager ; auch die Haupt- 
stadt Breslau, wie das Magazin in Schweiclnitz wurden durch diese 
Stellung an der Strasse Brieg-Neisse nur ungenügend gedeckt. 

Da man im preussischen Hauptquartier der Ansicht gewesen 
zu sein scheint, dass ein beträchtlicher Theil der österreichi- 
schen Armee in und um Friedewalde versammelt sei, so konnte 
durch eine Vorwärtsbewegung gegen diesen Theil ein kräftiger 
Schlag geführt werden, der besonders den immer lästiger werden- 
den Unternehmungen der österreichischen leichten Truppen gelten 
sollte. Eine umfassende Disposition war für den Vormarsch auf 
Friedewalde ausgegeben worden. 2 ) Am 9. Juni um 3 Uhr Früh 
trat die Armee nach den Bestimmungen derselben den Marsch an ; 
bei der Annäherung der preussischen Colonne räumten die unter 
Oberst Baron Trips stehenden österreichischen Vortruppen nach 
wenigen Kanonenschüssen Friedewalde und giengen in der Sichtung 
gegen Mogwitz zurück, wo sie wieder Stellung nahmen. 

Die preussische Armee bezog nördlich von Friede walde das 
Lager ; in der Front durch einen Bach gedeckt, sicherten Caval- 
lerie-Feldwachen dasselbe gegen Süden. Das Dorf Friedewalde 
wurde mit 4 Bataillonen, Petersheide mit 1 Bataillon besetzt. 

König Friedrich H., immer noch in dem Glauben, dass 
die nach Mogwitz zurückgegangenen Truppen einen stärkeren Be- 
standtheil der österreichischen Armee bildeten, gab am Abend 
des 10. Juni den Befehl zu einem erneuerten Angriffe „wie wir 
den Feind attaquieren und unser Lager vor Mogwitz noch voraus 
nehmen wollen. 3 ) 

Dieser Befehl kam jedoch nicht zur Ausführung. 

In der Nacht vom 10. zum 11. beunruhigten die österreichi- 
schen Husaren das preussische Lager, aus welchem Geschützfeuer 
auf dieselben abgegeben wurde. Am Morgen fand dann eine 
Verschiebung des Lagers an Ort und Stelle statt. Die dadurch 



*) „Es galt nur, soweit im Felde und in Kriegstbätigkeit zu bleibeu, 
als England und Oesterreich vorläufig über dies (preussiscb - französiscbe) 
Eündniss getäuscbt wurden." (Kriege Friedricb d. Gr. II. 65.) 

'-) Kriege Friedricb d. Gr. II, Anlage 5, S. 28, 35. 

3 ) Kriege Friedricb d. Gr. II, 68. 



367 

hervorgerufenen Bewegungen erweckten in den österreichischen 
Vorposten die Meinung, dass die preussische Armee vorrücken 
werde. Die Meldungen, die in das Hauptlager kamen, veranlassten, 
dass die Truppen unter die Waffen traten und eine Veränderung 
der Lagerstellung vorgenommen wurde, so dass die Stadt Neisse 
vor der Front, Bielau im Rücken lag. *) 

König Friedrich II. entschloss sich jedoch, in der Richtung 
auf Strehlen abzumarschieren. Eine Lagerstellung in dortiger 
Gegend war von Brieg und Schweidnitz gleich weit entfernt, 
sicherte Breslau, wo man bei der katholischen Bevölkerung Ein- 
verständnisse mit den Oesterreichern wohl mit Recht voraussetzte, 
hauptsächlich entzog es aber die preussische Armee der allzu engen 
Fühlung mit den österreichischen leichten Truppen. 

Am 12. Juni wurden in den nächstgelegenen Ortschaften, 
welche, als getreue Unterthanen, offenkundige Hinneigung zu den 
Truppen ihrer Königin gezeigt hatten, durch GM. Prinz Dietrich 
von Anhalt Straf- Contributionen eingetrieben. 

Die gesammte Bagage wurde nach Grottkau vorausgeschickt. 
Die Armee selbst brach am 13. Juni „in aller Früh" aus dem 
Friedewalder Lager auf. 

FM. Graf Neipperg Hess ,,den grössten Theil seiner Husaren 
nachrücken, um sowohl den feindlichen Marsch, wohin er eigentlich 
gehen möchte, zu observieren, als auch dem Feinde allen mög- 
lichsten Abbruch zu thun". 2 ) 

Der Abmarsch der Preussen erfolgte in fünf Colonnen, drei 
Colonnen Infanterie auf dem rechten Flügel, z-\vei links, aus 
Cavallerie bestehend. Die bisherige Vorposten-Cavallerie formierte 
zwei Arrieregarden, je zwei Grenadier-Bataillone unter GM. von 
Riede sei folgten der ersten und dritten Colonne. 3 ) 

Husaren und Uhlanen bildeten allgemeine Nachhut. Der 
Marsch gieng über Grottkau nach Hermsdorf; die Besatzung von 
Alt-Grottkau reihte sich in die Marsch-Colonne ein. Bei Grottkau 
wurde die nothwendige Bagage den Colonnen zugetheilt. Der Rvsi 
der Bagage nahm die Route auf Ohlau. 



x ) K. A., Lutsch' Tagebuch. 

s ) K. A., Schlesien 1741 ; VI, 96. 

s ) General Freiherr Johann von ßiedesel war im Jahre 1741 aus dem 
österreichischen in den preussischen Dienst übergetreten. (H. K. Raths-E. P. 
L741, März, Fol. 640 und kgl. Eesolution ebenda, Fol. 835.) Er war schon bei 
der Belagerung Briegs im preussischen Dienste thätig. („Lettres.") 



368 

Als die Queue der preussischen Armee das Lager verlassen, 
erschienen österreichische Husaren. Bei Grottkau entstand durch 
die Eintheilung der Bagage in die Colonnen längerer Aufenthalt 
und GM. Riedesel postierte daher südlich des Ortes zwei 
Grenadier-Bataillone, die im Vereine mit den Husaren und Uhlanen 
den Abmarsch deckten. Die österreichischen Husaren umschwärmten 
indessen trotzdem auf dem Weitermarsche unausgesetzt die preussi- 
sche Nachhut. *) 

Der Marsch der preussischen Armee bis hinter Grottkau er- 
folgte in ziemlicher Ordnung, dann trat bei der Arrieregarde einige 
Verwirrung ein, wozu die unausgesetzt nachdrängenden Husaren 
Anlass gaben. Preussische Deserteure hatten sich in den letzten 
Tagen in beträchtlicher Anzahl bei den österreichischen Vorposten 
gemeldet und auch an diesem Tage verloren die Colonnen durch 
Desertion Mannschaften, die sich theils nach Neisse, theils ander- 
wärts hinwendeten. In Grottkau, das bis auf etwa 20 Verwundete 
und Kranke vollständig geräumt war, fand man noch einige 20 
Pontons, Munitions-Wagen, Gewehre und etwas Bagage, wovon das 
Brauchbare nach Neisse gebracht, das andere vernichtet wurde. 

Der Verlust der österreichischen Husaren betrug einen Ofncier 
von den Jazygiern, der gefangen wurde und etwa 20 bis 30 Mann. 
Die ungarische Freiwilligen-Cavallerie, die sich sonst wacker hielt, 
hatte sich arg zerstreut und ihre Pferde, die überhaupt nicht in be- 
sonders guter Verfassung waren, dermassen fatiguiert, dass sie in 
das Hauptlager gezogen werden musste und dafür von dem Peter 
Haläsz'schen National-Regiment, das am 13. in Neisse eingerückt 
war, 300 Pferde vorgeschickt wurden. 2 ) 

Die Preussen setzten an diesem Tag ihren Marsch bis nach 
Hermsdorf fort, wo Lager bezogen wurden, in welchen sie bis zum 
Iß. Juni blieben. 

Gleichzeitig wurden die in Michelau und Löwen befindlichen 
Detachements nach Brieg gezogen. Die grosse Bagage traf am 
15. Juni wieder im Lager ein. 

Nachdem am 16. GM. Prinz ^Dietrich von Anhalt mit 
4 Grenadier - Bataillonen und 3 Uhlanen - Escadronen wieder in 
den ihrer Königin Maria Theresia ergebenen umliegenden 



*) Kriege Friedrich cl. Gr. II, 70. 

2 ) FM. Neipperg's Bericht an den Grossherzog vom 16. Juni. (K. A., 
Schlesien 1741, VI, 38.) 



369 

Ortschaften Straf-Contributionen an Geld und Lebensmitteln vor- 
genommen, wurde am 17. Früh die Artillerie und die Bagage, 
convoyiert von 5 Bataillonen und einer Cavallerie-Abtheilung nach 
Wansen in Marsch gesetzt. Die Armee folgte am selben Tage, über- 
schritt die Ohlau und lagerte nordwestlich von Wansen. Am 18. Juni 
war Rasttag und am 19. wurde nach Strehlen marschiert. Wansen 
blieb mit 2 Grenadier-Bataillonen besetzt. 

Das Lager von Strehlen, wo nunmehr 32 Musketier-, 8 Gre- 
nadier-Bataillone und 70 Escadronen einrückten, lehnte sich mit 
dem rechten Flügel an die Stadt und das Dorf Woiselwitz und 
hatte die Ohlau vor der Front. Im Rücken des Lagers wurden 
zum Schutze gegen Streifpartheien Verschanzungen angelegt. Die 
Stadt Strehlen besetzte ein Grenadier-Bataillon. Die bedeuten- 
deren Ortschaften der Umgebung erhielten ständige Posten. Als 
äusserste Flügelpuncte wurden Sitzmannsdorf, nordöstlich von 
Wansen und Zobten durch je ein Grenadier-Bataillon gesichert, nach 
Nimptsch kamen 3 Bataillone, nach Heidersdorf ein Detachement, 
das bald auf Rothschloss gezogen wurde, wo es sich verschanzte. 
Alle diese Posten erhielten Husaren-Abtheilungen für den Recog- 
noscierungsdienst zugewiesen. J ) 

Wenn auch, wie erwähnt, nach dem Abschlüsse mit Frankreich, 
das Bayern und Spanien in Bewegung zu setzen und Schweden 
gegen Russland auszuspielen auf sich genommen, es für König 
Friedrich LT. nicht opportun schien, grössere Entscheidungen im 
Felde zu versuchen, so kann doch nicht in Abrede gestellt werden, dass 
die Situation selbst in Schlesien für ihn keine besonders günstige ge- 
nannt werden konnte. Die Bewohner der katholischen Ortschaften 
wurden schwierig, die Hauptstadt des Landes war, was die besitzenden 
Classen betrifft, eigentlich doch gut österreichisch, wozu die preussi- 
schen Anforderungen auch das Ihrige beitrugen; Desertionen und 
Krankheiten schwächten die Effect! vbestände der Truppen und — 
die leichte Cavallerie der österreichischen Armee beherrschte das 
Land. 2 ) In Breslau musste die Besatzung in steter Bereitschaft 



>) Kriege Friedrich d. Gr. II, 71 u. ff. 

2 ) In diesem Sinne ist auch ein Brief, den GFWM. Baron L e n t u 1 u s 
am 13. Juli aus Neisse an FM. Graf Seckendorff richtete, charakteristisch. 
Der General schreibt : „Was E. E. in Dero gnädigem Schreiben vom 28. über die 
neuliche Zurückziehung der Preussen von Friedewalde zu gedenken geruhen, 
darüber will zum Beweis dessen, dass solche aus Furcht (weil wir eben zu 
selbiger Zeit unser Lager ein wenig geändert, welches der preussische Espion vor 

Oesterreichischer Erbf'olgekrieg. II. Bd. «4 



370 

sein, da man unangenehme Ueberraschungen Seitens der öster- 
reichischen Streif-Corps befürchtete. *) 

Das Lager der österreichischen Armee war ausserordentlich 
günstig. Es konnte als eine der stärksten Lagerstellungen gelten, 
da die "Wasserläufe der Neisse und Biela es im Vereine mit der 
Festung Neisse fast unangreifbar machten. 

Diesem Gefühl der Erstarkung und dem Drange zu erneuerter 
Initiative gab auch der sonst so überaus vorsichtige Armee-Com- 
mandant Ausdruck, als er am 23. Juni dem Grossherzoge berichtete : 

,, Zumal ich nunmehr fast alle Truppen, die zur Verstärkung 
dieses Kriegscorps gewidmet waren, bis auf was Weniges noch, an 
mich gezogen habe und an regulierter deutscher Infanterie und 
Cavallerie, 17.000 Combattanten ungefähr, etliche Hundert mehr 
oder weniger, stark sein dürfte, so kommt es nun auf das Aller- 
höchst und Höchste Belieben J. k. M., meiner Allergnäcligsten Frau 
und E. k. H. an, mir zu befehlen, ob ich hier noch temporisieren. 
oder die Neisse passieren und weiters in Schlesien, entweder grad' 
gegen den Feind, oder aber seitwärts, wie sich's hernach wird thun 
lassen, oder ich befinden möchte, vorrücken und offensive agieren 
solle ; in unterthänigster Versicherung, dass, wann es dahin ausfallt, 
dass ich wieder vorrücken solle, um mit Nachdruck zu agieren 
und es neuerdings auf eine Aifaire ankommen zu lassen, welche 
der König von Preussen nach seinem Genie, meines unterthänigsten 
Dafürhaltens, nicht zu vermeiden suchen dürfte, ich es nach dem 
Buchstaben befolgen und allenfalls die feindliche Armee aus ihrem 
V ortheil, worin sie sich etwa unterdessen gesetzt haben möchte, 
zu bringen nach aller meiner Möglichkeit trachten werde und 
vielleicht der König von Preussen selbst die Gelegenheit hiezu. 
wofern ihm vorbeigienge, suchen und an Händen geben dürfte." 

„Schlüge es zu unserem Vortheil aus, wohl und gut und 
könnte sich alsdann schon die nöthige Vorkehrung machen lassen, 
beide verlorenen Plätze, Brieg und Gross-Glogau wieder zurück 
zu bekommen ; äusserte sich aber das Gegentheil und wir zögen 



einen Abmarsch gehalten und solchergestalt dem Könige referiert) geschehen, 
noch dieses anfügen, wasmassen selbige in solcher Confusion vor sich ge- 
gangen, dass auch die Besatzung zu Grottkau vergessen, folglich von unsern 
Husaren eingesperrt worden und wirklich zu Gefangenen gemacht worden 
wäre, wann nicht endlich die Preussen darauf reflectiert und ein Bataillon, 
nebst Stücken zurück zu Deck- und Abholung derselben remittiert hätten." 
: ) K. A., Schlesien 1741, VI, ad 46 a, b, c. 



371 

mehrmalen den Kürzeren, wie man nicht vorsehen kann, weil der 
Krieg, wie ein Spiel, wo man bald gewinnt, bald verliert, so könnte 
hernachmals nicht versichern, ob mich im Stande befinden würde, 
die Stadt Neisse und anliegenden Fürstenthümer und Gregenden 
fernersinn, wie seit der Mollwitzer Affaire und bisher geschehen, 
zu bedecken und zu bewahren und die etwa dem Königreich 
Böhmen und Markgrafthum Mähren daraus allenfalls erwachsende 
Gefahr abzuwenden." 

„Ich bitte also unterthänigst, die hierunter waltenden häk- 
lichen Umstände wohl zu erwägen und mich hierauf mit einer 
deutlichen und standhaften Antwort zu versehen, woran mich 
genauest halten und dasjenige nach dem Buchstaben vollziehen 
werde, wozu J. k. M., meine Allergnädigste Frau und E. k. H. 
mich anzuweisen geruhen werden." 

„Ich weiss zwar gar wohl, dass mich nicht viel mit Anfragen 
aufhalten solle, allein die "Wichtigkeit der Sache, die da Land und 
Leute betrifft, macht mich diese Behutsamkeit nehmen und aller- 
dings hoffen, es werde mir die hierunter genommene unterthänigste 
Freiheit nicht zur Ungnade ausgedeutet werden." 

„Die Uebermacht des Feindes, sein Feuer von Stücken 
und kleinem Gewehr, sind keineswegs die Anstände, die mir 
einige Aufmerksamkeit verursachen, allermassen man mit der 
Anzahl von 17.000 Combattanten, auf welchen Numeruni die 
beihabende deutsche Infanterie und Cavallerie, wie obberührt, 
der Zeit ungefähr sich beläuft, dahingegen auf die übrige, als 
Husaren, Croaten und Slavonier in einer ordentlichen Action nicht 
eher, als wann das Spiel fast gewonnen, zum Nachhauen und 
sonsten zu rechnen ist, sich nicht aufhalten muss, den Feind, er 
mag hernach zwanzig, etlich und zwanzig oder gar dreissig Tausend 
Mann stark sein, vorerst zu zählen. l ) Zudem ist mir auch gar wohl 
bewusst, dass die Preussen weder die Determiniertesten, noch die- 
jenigen sind, so von den erreichenden Vortheilen, so wie siclrs 
gebührt, zu profitieren wissen, oder verlangen ; allein ihre gute 
Ordnung und Contenance, so viel die Infanterie betrifft, ist es, so 

l ) Die Vormerkungen des FM. Grafen Neipperg beziffern das Totale 
der ganzen königlichen preussisclien Armee am 18. Juni 1741 folgendermassen : 

In Schlesien 43.945 

Im Lager bei Göttin 26.924 

Stehen noch im Lande verfügbar 25.474 

Summa . . . 96.343 Mann. 

(Gran. Neipperg'sches Archiv.) 

24* 



372 

rriir einiges Bedenken macht und mich anzufragen veranlasst, 
sintemals sowohl Officiers, als Gemeine sich in allem Vorfall auf 
der Stelle zu helfen wissen und von allem dem, so sie nach 
den unterschiedenen Umständen zu thun und zu lassen haben, 
vollkommen unterrichtet sind ; dahingegen bei uns das gerade 
AViderspiel hierin fürwaltet und weder die meisten Officiers, noch 
andere dasjenige, so ihnen in ein- und anderem Fall obliegt, ver- 
stehen. Ich lasse zwar seit der Zeit, als allhier stehe, unaussetzlich 
im Feuer und sonsten exercieren und halte die Feldmarschall- 
Lieutenants an, dass sie ihre Flügel im Auf- und Abmarschieren, 
Defilieren und sonst in allen Vorfallenheiten zur Uebung und in 
Gang bringen sollen, sie thun es auch unermüdet und ist nun zu 
gewärtigen, wie weit sie es hierin bringen dürften." 

„Wann unsere Infanterie der Ordnung und anderer nützlichen 
Gebräuche willen, so gut als die preussische beschaffen wäre, oder diese 
wenigstens so herabgekommen, wie die unselige, so hätte nicht den 
geringsten Anstand, mich mit derselben einzulassen, allein der allzu- 
grosse hierunter versierende Unterschied hält mich ab, etwas der- 
gleichen vor die Hand zu nehmen, ohne anzufragen und wann nicht 
von J. k. M. oder E. k. H. ausdrücklich Befehl und Fingerzeig 
hiezu habe." 

„Ich fahre unterdessen fort, dem Feind durch Streifen und Be- 
unruhigung seiner Transporte und Communicationen Schaden und 
Abbruch zu thun, welches bisweilen gelingt, bisweilen auch, nach 
Bewandtniss der Umstände, zumal die Preussen sich meistens zu- 
sammenhalten und selten ohne Artillerie, Cavallerie und Infanterie 
sich finden lassen, fehlschlägt, so aber zur Hauptsache nichts macht. 
Ich wäre auch alle Stunde in Bereitschaft und im Stande, vorzu- 
rücken, dafern es J. k. M. und E. k. H. für rathsam finden und 
mir expresse, worauf nur warte, befehlen, allermassen die deutschen 
Truppen bis auf das O'Gilvy'sche Bataillon, so von Prag kommt 
und ungefähr in 12 bis 14 Tagen hier eintreffen kann und bis 
auf ein Max Hessen'sches, das aus dem Glatz'schen, nachdem es 
die Umstände leiden möchten, an mich ziehe, beisammen habe 
und mich hiedurch im Geringsten nicht gehemmt sehe ; dahingegen 
den FZM. Baron von Thüngen sehnlich erwarte, weil doch die 
Sachen durch die verschiedenen Feldmarschall-Lieutenants sich 
nicht mit solcher Ordnung und Accuratesse richten lassen, als wann 
einer, der das ganze Detail über sich hat, zugegen ist." a ) 



») K. A.. Schlesien 1741, VI, 46. 



373 

Die Stärkeverhältnisse der einzelnen Truppen-Gattungen, wie 
sie Graf Neipperg in seinem Berichte angiebt, waren folgende : 
10.000 Mann Infanterie. 7000 Mann deutsche Cavallerie, 6 reguläre 
Husaren^Regimenter 2600 Mann, die freiwillige ungarische Caval- 
lerie 1700 Mann, Croaten 3000 und Slavonier 1000 Mann; in Allem 
25.300 Streitbare. l ) 

An dem Tage, als der Armee-Commandant den vorstehenden 
Bericht an den Grossherzog verfasste, fand bei Grottkau um 4 Uhr 
Morgens zwischen den dort in der Anzahl von 2000 Pferden ste- 
henden leichten Truppen des GFWM. von Festetics und einem 
preussischen Streif-Corps in der Stärke von 2 Bataillonen, 6 Esca- 
dronen, 1000 Husaren und Uhlanen, nebst 7 Geschützen, welche den 
Versuch machten, der österreichischen Stellung in den Rücken zu 
kommen, ein Rencontre statt. Die Preussen attaquierten, wurden 
aber zurückgeworfen, wobei 1 Rittmeister, 1 Lieutenant, nebst 74 
Mann, theils Husaren, theils Uhlanen sämmtlich verwundet, in die 



*) Eine Ordre de bataille vom 19. Juni verzeichnet die Armee als folgender- 
massen zusammengesetzt : 

G. d. C. : Graf Holieuems. FML. : Baron B e r li c hi ng e n, Graf 
Daun, Graf Browne, Baron Preysing, Graf Königsegg, Graf Franz 
St. Ignon. GFWM.: Baron B ar any ai, Graf K ol o wr at, Baron Lentulus, 
Baron Philibert, von H o 1 1 y, Conte D'O Hone. Prinz Birken feld, von 
Festetics, Baron Przichowsky, Baron Pallant, Baron Marschall, 
Baron Dickweiler. 

Infanterie: Franz Lothringen 1 Bat., Carl Lothringen 1 Bat., Leopold 
Daun 2 Bat., Thüngen 1 Bat., Baden 2 Bat., Wurmbrand 2 Bat., Grünne 1 Bat.. 
Max Starhemberg 2 Bat., Alt-Daun 1 Bat., O'Gilvy 1 Bat., Schmettau 1 Bat.. 
Browne 1 Bat., Kolowrat 1 Bat., Botta 1 Bat., Harrach 1 Bat. Zusammen IM 
Bataillone. 

Cürassiere: Diemar, Cordova, Hohenems, Seherr, Lanthieri, Pod- 
statzky, Hohenzollern, Birkenfeld. Zusammen 8 Regimenter. 

Dragoner: Liechtenstein, Althann, D'Ollone, Württemberg, Römer, 
Batthyanyi. Zusammen 6 Regimenter. 

Husaren: Splenyi, Ghilänyi, Csaky, Dessewffy, Pestvarmegyei, Karolyi. 
Zusammen 6 Regimenter. 

N ational -Truppen: Jazygier und Kumanier 4 Compagnien (300 Mann). 
Belesznay 1 Regiment (500 Mann), Petei Halasz 1 Regiment (500 Mann), Ester- 
hazy 5 Compagnien (400 Mann, die am 20. Juni eintrafen). Infanterie: 
Croaten und Slavonier 4000 Mann. (K. A., Ordres de bataille : Oesterr. Success.- 
Krieg, Nr. 4.) 

Artillerie: Die Zahl der Geschütze ist nicht angegeben. Der Stand 
betrug am 21. Juni 351 Mann und 379 Pferde. (Gräfl. Neipperg'sches Archiv. 



374 

Hände der österreichischen Truppen fielen. Diese verloren 1 Cor- 
poral und 10 bis 12 Mann. *) 

Nach dem Abzug der preussischen Truppen aus Michelau und 
Löwen begannen die am rechten Neisse-Ufer postierten österreichi- 
schen Truppen auch Streifungen auf dem linken Ufer zu unter- 
nehmen. Hauptmann Kniebisch rückte mit seiner Frei-Com- 
pagnie am 14. Juni bis gegen Brieg vor. Ein starkes Commando 
aus der Festung versuchte die Streifparthei aufzuheben, dieselbe 
entzog sich aber dem beabsichtigten Anschlag. 

Der Armee-Commandant entsendete aus Neisse 300 Croaten 
nach Oppeln und beauftragte den zu Schedlau stehenden Oberst- 
wachtmeister von Gryöri, 100 Husaren unter einem Rittmeister 
ebendahin abrücken zu lassen, damit dieses Commando jenseits 
der Oder die Zufuhren für die preussische Armee aus Polen ver- 
hindere. Am 23. Juni trat das Detachement von Oppeln den Marsch 
nach Kreutzburg an. Dort hörte dessen Commandant, Rittmeister 
Schreger vom Dessewffy'schen Regiment, dass der preussische 
Commandant von Brieg den Ortschaften des Kreutzburger Districtes 
auferlegt habe, Bauern zur Schanzarbeit für den genannten Platz 
zu stellen. 2 ) 

Rittmeister Schreger verbot den Landesältesten unter 
schwerer Verantwortung, diesem Ansinnen zu entsprechen. 

Die an der Neisse unter G y ö r i's Commando stehenden 50 
Husaren von der Raaber und 40 von der Komorner National-Miliz 
mussten, da sie auf FM. Palffy's Antrag mit Genehmigimg des 
Hof-Kriegsrathes vom 7. Juni 3 ) in ihre Heimath wieder zurück- 
gesendet werden sollten, durch ein aus 1 Rittmeister, 1 Lieutenant, 
1 Cornet und 90 Mann bestehendes Commando von Belesznay, Peter 
Haläsz, Esterhäzy, Jazygiern und Kumaniern abgelöst und nach 
Neisse in Marsch gesetzt werden. Da dieselben aber durch einen 
Officier bei dem Armee-Commando bitten liessen, ihnen vor ihrem 
Abmarsch Gelegenheit zu geben, an den Feind zu kommen, so 



J ) K. A., Lutsch' Tagebuch und Schlesien 1741 ; VI, 46. 

-) Am 29. Juni verordnete ausserdem das preussische Kriegs-Conmris- 
sariat in Breslau, dass vom 2. Juli angefangen stets je 1000 Mann auf 6 Tage 
zum Festungsbau nach Brieg beizustellen seien und zwar von den Fürsten- 
thümern Breslau, Schweidnitz, Brieg, Liegnitz, Oels, dem Bisthum Breslau, 
den Herrschaften Trachenberg und Militsch. (K. A., Schlesien 1711 ; VII. 
ad 16 b.) 

3 ) K. A., Schlesien 1731 ; VI, 34 und ad 31. 



375 

erklärte FM. N e i p p e r g diesem Begehren, das ihnen zur Ehre 
gereiche, entsprechen zu wollen und zog sie daher zur Haupt- Armee, 
wo sich dazu wohl ehestens Gelegenheit bieten werde. r ) 

Zu einem Streifzug gegen das preussische Lager musste am 
27. Juni der in Ottmachau befehligende Oberst Graf Olivieri 
von dem Csäky'schen und Splenyi'schen Husaren - Reginiente 
Detachements zu Oberst Baron Trips nach Alt- Grottkau absenden. 
Ausserdem sollte Olivieri, da beim Armee-Commando Mel- 
dungen eingelaufen waren, dass die Preussen mit grösseren Kräften 
aus Strehlen nach Rothschloss gerückt seien, ein anderes feindliches 
Detachement zu Heidersdorf stehe, einen findigen Rittmeister mit 
60 Husaren in jene Gegend zur Erkundung abschicken, der ge- 
gebenen Falls als Beobachtungsposten längere Zeit exponiert 
werden könnte. Graf Neipperg liegte die Befürchtung, dass die 
ihm avisierten preussischen Streitkräfte zur Aufhebung des Trenck'- 
schen Corps, das er bald nach dessen am 18. Juni erfolgter 
Ankunft im Lager in die Gegend von Schweidnitz abgesendet 
hatte, bestimmt sein könnten. Er unterliess auch nicht, Trenck 
zur Vorsicht zu mahnen, indem er ihm die vom Feinde ein- 
gelaufenen Nachrichten mittheilte. Nachdem später eingelaufene 
Mittheilungen ergaben, dass die Preussen sich von Heidersdorf 
vollkommen zurückgezogen hätten und Rothschloss zur Zeit nur 
von 400 bis 500 Mann besetzt, jedoch wohl verschanzt sei, 
erhielt Trenck die Erlaubniss, falls er es für erspriesslich halte, 
dorthin eine Unternehmung, jedoch unter Beobachtung der nöthigen 
Vorsicht, zu machen. 2 ) 



y ) FM. Graf N eippp er g schrieb darüber dem FM. Grafen Palffy 
am 30. Juni 1711, er hätte diese Milizen schon nach Hause gesandt, wenn sie 
nicht die erwähnte Bitte gestellt hätten, er warte desshalb nur eine Gelegen- 
heit ab, ,,dass sie sich vor dem Feind zeigen und sodann rühmen können, 
wider solchen wirklich gefochten und gestritten zu haben, welch' eifrige 
Begierde meines Dafürhaltens denselben und der ungarischen Nation ins- 
gesammt zum besonderen Lob und Ehre gereicht". (K. A., Schlesien 1711 
VI, 65.) 

2 ) Der aus Ottmachau am 27. Juni gegen Rothschloss und Strehlen von 
Oberst Grafen Olivieri abgesendete Rittmeister hatte u. A. auch gemeldet, 
dass „von den Preussen sehr scharf und zwar bei Henken den umliegenden 
Dörfern befohlen worden, sobald sie nur von unseren Husaren-Patrouillen 
oder Commanden sehen, allsogleich in ihr Lager die Kundschaft hinein- 
zubringen, wie sie auch wirklich thun und öffentlich bekennen, dass sie es 
thun müssen." (K. A., Schlesien 1711 ; Fase. VJ, 67.) 



376 

Die ganz veränderte Kriegslage Hess nun auch die bisher 
noch bestandene Besetzung der mährisch-schlesischen Grenze über- 
flüssig erscheinen, der kleine Posten regulärer Truppen (1 Lieu- 
tenant und 20 Mann), welcher bisher in Freudenthal gestanden, 
wurde in Folge dessen eingezogen, der Statthalter dieser Deutsch- 
Ordensherrschaft, Graf Sazenhofen, aber ersucht, den Ort in 
dem Stand, wie er fortificiert sei, vollkommen intact zu lassen 
und zu erhalten. *) 

Ebenso rückte der Posten des Baden-Baden'schen Regiments, 
welcher im Schlosse zu Hochwald gestanden, vorläufig nach Troppau 
ab. Hochwald sollte jedoch, da es artilleristisch ausgerüstet war. 
durch 33 Mann der Land-Miliz (Invaliden) besetzt bleiben. 

Auch das zur Besetzung der schlesischen Grenzen in den 
Kreisen Prerau, Olmütz und Hradisch verwendete Landvolk wurde 
entlassen, jedoch dabei Vorsorge genommen, dasselbe im Bedarfs- 
falle wieder einberufen zu können. 2 ) 

Da die Generale Festetics und Baranyai wegen Kränk- 
lichkeit nicht allen Strapazen des beschwerlichen Dienstes ge- 
wachsen waren, GFWM. Graf K a r o 1 y i, ursprünglich als Befehls- 
haber der ungarischen Freiwilligen - Regimenter nominiert, in 
Folge Erkrankung nicht mit ausmarschieren konnte, Oberst Peter 
Halasz, der Commandant des einen Freiwilligen-Regiments, beim 
Hereinmarsche am 7. Juni zu Teschen gestorben war, so dass 
Oberstlieutenant Baron B o 1 1 a n y inzwischen dessen Regiment 
commandieren musste, stellte der Armee-Commandant die Bitte um 
Zuweisung eines Generals für die ungarische freiwillige Cavallerie. 
Er schlug hiezu den GFWM. Baron G h y 1 ä n y i oder den in Italien 
befindlichen Obersten des Baränyai'schen Husaren-Regiments, Grafen 
N ä d a s d y, bei Beförderung zum General-Feld- Wachtmeister, vor. 

Der Erstere wurde in Folge dessen Anfangs Juli zum Corps 
nach Schlesien beordert. 3 ) 



J ) K. A., Schlesien 1741 : YI, 56. 

2 ) Statthalter ei- Archiv Brunn. Abschrift in K. A., Schlesien 1711 ; VI, 69. 

3 ) Erlass ddo. Pressburg, 8. Juli 1711 ; Gräflich Neipperg'sches Archiv, 
enthält die Benachrichtigung, dass, nachdem die GFWM. Baron Baranyai 
und Festetics öfter unpässhch seien, dem GFWM. Baron Ghylänyi 
Ordre ertheilt werde, sich auf das Schleunigste nach Schlesien zu begeben, um 
mit den beiden vorerwähnten, bei den Husaren angestellten Generalen nach 
Neipper g's Ermessen verwendet zu werden. 



Vereinbarungen zwischen den pragmatischen Mächten. 

lVlit dem Abschlüsse des preussisch-französischen Bündnisses 
treten die europäischen Angelegenheiten in ein neues Stadium. Neben 
dem Kampfe zwischen Oesterreich und Preussen, dem Kriege um 
den Besitz von Schlesien, beginnt nun auch der Kampf um das 
übrige Erbe Kaiser Carl VI., den Bayern im Bunde mit Frank- 
reich gegen Oesterreich führt. Vorerst aber wurde im Haupt- 
quartier König Friedrich II. mit dem englischen Gesandten 
Hyndford das begonnene Spiel mit Erfolg fortgesetzt. 

Diesem war der Befehl zur Uebergabe der Simultanerklärung 
der Seemächte, weichen er gerade im ersten Stadium seiner Unter- 
handlung, wie erzählt, erhalten hatte, ungemein peinlich gewesen. 
Sein Versuch, sich von dieser Eröffnung entheben zu lassen, hatte 
keinen Erfolg. Im Gegentheil, der Staats -Secretär Har ring- 
ton wies ihn am 2. Juni an, die Erklärung, da deren verzögerte 
Uebergabe in Wien unangenehm empfunden worden, in Gemein- 
schaft mit dem holländischen Gesandten, General Gin ekel, dem 
Könige von Preussen vorzulegen, dabei aber möglichst vorzu- 
beugen, dass der Letztere daran Anstoss nehme und daraus auf 
eine Aenderung der englischen Politik schliesse. Die Verabredung 
mit den General-Staaten sei aus dem Anfange des Jahres und nur 
die Langsamkeit des holländischen Gouvernements trage Schuld, 
wenn dieselbe erst jetzt zur Uebergabe gelange. Hyndford möge 
überhaupt mittheilen, dass es schwer sein werde, in Wien eine 
Abtretung schlesischen Gebietes durchzusetzen. Schliesslich erhielt 
der Gesandte noch den Auftrag, mit Schwicheldt, dem hannover- 
schen Bevollmächtigten gemeinsam zu wirken. ') 

') Grünhagen, „Der erste schlesisehe Krieg" I, 403. 



378 

Am 7. Juni erschienen der englische und der holländische 
Gesandte in Grottkau zur Audienz. König Friedrich II., dem es 
nunmehr nur noch darum zu thun war, seine Abmachung mit Frank- 
reich zu verschleiern, war den Gesandten gegenüber sehr gnädig, 
betonte aber, dass er hoffe, beide Mächte würden nicht von der 
Unparteilichkeit, welche das von ihnen unternommene Werk fordere, 
abgehen, noch weniger ihm Bedingungen zumuthen, die seiner Ehre 
und den Gerechtsamen seines Hauses zu nahe träten. 1 ) 

Es waren bei dieser Audienz wieder Andeutungen von Seiten 
des englischen Gesandten über vielleicht beim Wiener Hofe 
durchzusetzende Gebietsabtretungen gefallen, auf welche der König 
von Preussen theilweise einzugehen schien, nur das Angebotene 
für zu geringfügig erklärend. 

Ein Plan, der zuerst in Holland aufgetaucht und darauf 
berechnet war, die Erfüllung der preussischen Wünsche mit einer 
wenigstens scheinbaren Aufrechthaltung der pragmatischen Sanc- 
tion zu vereinigen, diente hiebei den Vorschlägen Hyndford's 
als Grundlage. Ein Theil von Schlesien sollte für eine von König 
Friedrich H. zu bezahlende Summe demselben als Hypothek 
überlassen werden und Maria Theresia durch einen Vertrag 
sich anheischig machen, die empfangene Summe niemals zu re- 
stituieren und die Hypothek nie wieder zu fordern. 

Ohne Zweifel hätte es als Beweis für die Bereitwilligkeit der 
Königin von Ungarn und Böhmen gelten sollen, sich mit Preussen 
auseinanderzusetzen, wenn dem englischen Gesandten Robinson 
in Wien einen Tag, nachdem er die ablehnende Erklärung des 
Wiener Cabinets erhalten hatte, vom böhmischen Obristen Kanzler 
Grafen Kinsky insinuiert wurde, die Königin werde vielleicht 
doch zu bewegen sein, Glogau mit Grüneberg und Schwiebus auf 
einige Zeit als Pfand an Preussen zu überlassen. Die Zeit der 



J ) Droysen V/i, 268. Am Tage nach der Audienz, am 8. Juni, über- 
gaben beide Diplomaten dann den Inhalt ihrer Vorstellung iu Form zweier 
identischen Memoires. Der Bescheid, den der König den Gesandten ertheilte 
und nach acht Tagen schriftlich zustellen Hess, erwähnt den Kern der Vor- 
stellung, nämlich die Zurückziehung der preussischen Truppen aus Schlesien, 
mit keinem Worte und führt zum Schlüsse nur an, wie der König überzeugt 
sei, falls die beiden Mächte ihre guten Dienste zu dem Friedens werke an- 
wenden, sie sich von der Unparteilichkeit, die zu einem solchen gehöre, 
sicher nicht entfernen, noch weniger aber Bedingungen aufstellen würden, 
welche mit seiner Ehre und den unbestreitbaren Rechten seines königlichen 
Hauses im "Widerspruch stünden. (Preussische Staats-Schriften I, 305.) 



379 

Abtretung müsse jedoch genau bestimmt werden; von einer Cession 
für immerwährende Zeiten dürfe keine Rede sein. 

Hyndford verhandelte nach seiner Rückkehr aus dem 
. »reussischen Lager nun mit Podewils weiter, welch' Letzterer 
seinem König am 12. Juni melden konnte, dass der Engländer 
von dem Empfange und dem Meinungsaustausch bei der gehabten 
Audienz sich sdrr befriedigt gezeigt, aber bitte, der König möge 
sein Ultimatum geben, was er ausser dem Angebotenen noch in 
Schlesien verlange, damit er diese Forcierung seinem Hofe und 
Robinson mittheilen könne. Podewils fragte gleichzeitig an, 
ob, um ihn hinzuhalten, die über Glogau, Schwiebus und Grüneberg 
hinausgehende Forderung, nämlich Wohlau, Liegnitz, Schweidnitz 
und Jauer, Breslau freie Reichsstadt, dem englischen Gesandten 
mittgetheilt werden solle. König Friedrich IL resolvierte auf 
diesen Bericht am 14. Juni aus dem Lager von Hermsdorf: 
„Gut, Sie werden sie hinhalten, so lange es möglich ist, ohne 
jedoch, was immer, ohne meinen bestimmten Befehl abzuschliessen." J ) 

Die englische Regierung, noch in Unkenntniss über den schon 
abgeschlossenen französisch-preussischen Vertrag, nahm jedoch die 
Erklärungen König; Friedrich II. für baare Münze. Sie hielt es 
noch für möglich, ihn für das gegen Frankreich zu bildende 
Bündniss, auch unter massigeren, als den von ihm selbst auf- 
gestellten Bedingungen zu gewinnen. Um dies zu erreichen, könne 
es aber Maria Theresia nicht erspart werden, Opfer zu bringen. 

Neue Weisungen ergiengen nun in diesem Sinne an Robinson. 
Er sollte die von allen Seiten drohenden Gefahren nochmals und 
in nachdrücklicher Weise vorstellen. Es komme darauf an, ob die 
Königin sich jetzt mit Friedrich IL allein, oder binnen 
kurzer Zeit auch noch mit Frankreich, Bayern und Spanien 
auseinandersetzen wolle. Jetzt handle es sich um einige Fürsten- 
thümer, bald werde es sich um Provinzen, Königreiche, um ihr 
Erbrecht, um die Theilung ihrer Länder handeln. Robinson 
sollte hievon die Königin zu überzeugen trachten. Wenn ihm 
dies gelungen und er darüber unterrichtet sei, was sie zur Ab- 
wendung schlimmeren Unheils zu opfern willens sei, solle er selbst 
zu König Friedrich IL nach Schlesien reisen, um einen Frieden 
und die Allianz mit ihm abzuschliessen. 2 ) 

J ) Polit. Corresp. I, Nr. 401. 

2 J Arn eth, Maria Theresia, I, 223 



380 

„Eine schmerzlichere Zumuthuiig konnte nian der Königin 
von Ungarn kaum machen, als das Verlangen, mit dem Könige 
von Preussen in Unterhandinngen zn treten. Aber das Drängen 
des englischen Bundesgenossen und die Kunde von dem zwischen 
Frankreich und Preussen abgeschlossenen Vertrage, bewogen endlich 
die königliche Frau, sich zu einiger Nachgiebigkeit zu verstehen. 
Die Hoffnungen, welche man in Wien zuerst auf die Hilfe Frank- 
reichs, dann auf dessen Neutralität gesetzt, waren durch diese 
Wendung der französischen Politik vernichtet." 

„Als die Nachricht vom Abschlüsse jenes Vertrages den Ministem 
bekannt wurde und an ihrer Authenticität kein Zweifel blieb, Hessen 
die Rathgeber der jungen Königin vollständig den Muth sinken. 
Nur Maria Theresia blieb standhaft angesichts der Gefahren, 
die sie von allen Seiten umgaben." 

„Schweigend nahm die Königin die Mittheilungen des eng- 
lischen Gesandten entgegen. Aber als Robinson geendet, brach 
die Leidenschaftlichkeit ihres Temperaments in lebhaften Worten aus, 
die den Schmerz verrietheil, von welchem sie durchdrungen war." 

„Doch auch jetzt blieb sie von einer Gebietsabtretung in 
Schlesien so weit entfernt wie je. Sie tadelte, dass Hyndford 
dem Könige von Preussen Glogau angeboten habe und behauptete, 
dies könne nur geschehen sein, weil man in England das reiche 
Erträgniss dieses Ftü'stenthums und dessen Wichtigkeit für die 
Sicherheit ganz Schlesiens nicht kenne." *) 

Die K ö n i g i n vertrat ihre Ansicht mit solcher Entschieden- 
heit, dass keiner der Minister mehr wagte, einer etwaigen Ge- 
bietsabtretung in Schlesien das Wort zu reden. Selbst der Gross- 
herzog, von dem man nicht mit Unrecht annahm, dass er einen 
Vergleich mit Preussen wünsche und einen Theil Schlesiens 
als keinen zu hohen Preis für denselben ansah, erklärte sich 
jetzt im entgegengesetzten Sinne. Es tauchte nun ein anderes 
Project auf, dem Maria Theresia allerdings auch nur wider- 
willig ihre Zustimmung gab, nämlich den König von Preussen 
durch Abtretung des österreichischen Geldern zu befriedigen. 
Diesen Entschluss Hess sie der englischen Regierimg zur Mittheilung 
an König Friedrich II. ankündigen und hinzufügen, sie ver- 
zichte auf jede Zahlung, zu der Preussen sich früher angeboten und 
auf jeden Ersatz für die unermesslichen Verluste, welche die Be- 
setzung Schlesiens durch die preussische Armee ihr verursacht 



*) Arneth, Maria Theresia, I. 229. 



381 

habe. Sollte Geldern nicht genügen, so werde sie, Hess Maria 
Theresia durchblicken, demselben in den Niederlanden einen 
noch grösseren Gebietszuwachs zuzugestehen bereit sein. *) 

Da traf in den ersten Tagen des Juli die Nachricht ein, dass 
nun endlich mit England-Hannover die Conventionen zur wirklichen 
Hilfeleistung abgeschlossen worden und hiedurch schienen die An- 
gelegenheiten der Königin Maria Theresia eine wesentlich 
andere Gestalt zu gewinnen. Es war gegründete Aussicht vor- 
handen, dass diese Wendung die militärischen Verhältnisse in 
Schlesien günstig beeinflussen, den König von Preussen zur 
Schwächung seiner dortigen Streitkräfte zwingen und so der 
Königin die Möglichkeit bieten würde , ihr hauptsächliches 
Augenmerk gegen die von Westen her, von Bayern und Frank- 
reich drohenden Gefahren zu richten. 

Die in Rede stehenden Verträge waren : 

I. Subsi dien -Vertrag zwischen dem König von England und 
der Königin von Ungarn und Böhmen. 

Es ist die einzige von den am 24. Juni zu Hannover ge- 
schlossenen Vereinbarungen, welche von König Georg H. zu 
Herrenhausen (am 28. Juni) ratifiziert wurde. Der Tractat bezieht 
sich auf die in dem IL Artikel des am 20. Februar 1732 im Haag 
zwischen Kaiser Carl VI., England und den General-Staaten mit 
Bezug auf die im Wiener Tractat vom Jahre 1731 2 ) gegen- 
seitig zugesicherte Hilfeleistung mit 12.000 Mann, die jetzt in 
der Form von Auxiliar-Truppen (je G000 hessischer und dänischer 
Truppen) sobald als möglich (aussitöt qu'il sera possible) beigestellt 
werden sollten. Da übrigens der im Tractat vom Jahre 1732 
vorgedachte Fall eingetreten, dass auch über eine grössere Hilfe- 
leistung die Vereinbarung getroffen werden könne, so hatte der 
Bevollmächtigte der Königin, Graf s t e i n, auf Subsidien behufs 
Vermehrimg der Armee angetragen und war mit dem englischen 
Minister und Staats-Secretär Lord Harrington über die folgenden 
Artikel übereingekommen : 

1. Erneuerung der beiderseitigen Verbindlichkeiten aus dem 
Vertrage vom 16. März 1731 und der Accessions-Acte vom 20. Fe- 
bruar 1732, ,, ausgenommen was diejenigen Länder betrifft, welche 
in dem letzten mit Frankreich geschlossenen Frieden, welchen zu 
brechen sie nichtgesonnen sind, anderen Mächten abgetreten worden'". 



x ) Arneth, Maria Theresia, I, 230. 
•) Teto t, pag. 43. 



382 

2. Der König von England verspricht, in der Zeit von einem 
Jahre, vom 30. April 1741 an zu rechnen, quartalweise 300.000 Pf d. 
Sterling (zu 10 n. 10 Stüver holländischen Geldes) zur Anwerbung 
neuer Truppen, Vermehrung der Armee oder zur Bezahlung fremder 
Truppen, an die Königin zu zahlen. 

3. Verpflichtimg, das Geld nur zu vorge dacht ein Zweck zu 
verwenden etc. *) 

II. Eine mit dem König von England als Churfürsten von 
Hannover abgeschlossene Convention, die Ueberlassung eines Corps 
von 10.000 Mann deutscher Truppen, nämlich 6000 Mann Infanterie 
und 4000 Mann Cavallerie betreffend und zwar sollte dieses Corps 
vier Wochen nach Abschluss der Convention zur Disposition der 
Königin stehen. 2 ) Für die Erhaltung dieses Corps sollten Seitens 
der Königin bis letzten April 1742 „ein für alles" 200.000 
Pfund Sterling gezahlt, was an Mannschaft und Pferden vor dem 
Feinde bleiben würde, vergütet werden. Hiezu versprach der König 
von England als Chmiurst von Hannover, noch ein Auxiliar-Corps 
von 3000 Mann Infanterie auf seine eigenen Kosten beizustellen, 
welches zur genannten Zeit gleichfalls zur Verwendung bereit 
stehen sollte. 

IH. Eine die militärischen Angelegenheiten des Hilfs-Corps 
regelnde Neben-Convention mit zwei geheimen Separat-Artikeln. 
deren erster die Empfangnahme der Subsidien, der zweite die Be- 
stimmung trifft, dass die sämmtlichen Auxiliar-Corps für die Zeit 
der gegenwärtig geschlossenen Vereinbarungen nirgends anders als 
in Deutschland verwendet werden dürfen. 

Leider erfüllten sich die auf die Verbindung mit England 
gesetzten Hoffnungen nicht und dem Wiener Cabinet sollten 
in der Folge die herbsten Enttäuschungen von Seite seiner Alliierten 
nicht erspart bleiben. 

Königin Maria Theresia war von Wien am 19. Juni in 
Begleitung ihres Gemahls und des Prinzen Carl von Lothringen 
nach Pressburg, der alten Krönungsstadt, abgereist, wo der Einzug 
am 20. Juni erfolgte. Am 21. Juni empfieng die Königin die 
Mitglieder des Landtags, am folgenden Tage wurde Johann Graf 

x ) Der Vertrag, dessen Original in französischer Sprache im k. und k. 
Haus-, Hof- und Staats-Archive sich befindet, ist bei Martens: ..Supplement 
au recueil des principaux traites etc." (Göttingen 1802), I, 262, in deutscher 
Uebersetzung abgedruckt. 

2 J Also bis zum 22. Juli. 



383 

Päl'ffy zum Palatin gewählt, am 25. Juni erfolgte die feierliche 
Krönung Maria Theresia's als Königin von Ungarn. 

Die Königin Maria Theresia setzte den commandierenden 
General in Schlesien am 3. Juli aus Pressburg von dem Abschluss der 
mit England abgeschlossenen Verträge in Kenntniss und fügte hinzu, 
obwohl dieselben klarer und besser gefasst hätten werden können, 
habe sie dieselben bei den dermaligen misslichen Verhältnissen ge- 
nehmigt, allerdings mit der deutlichen Erklärung, ,,dass solches in 
der Zuversicht und unter der ausdrücklichen Verwahrung und Be- 
dingniss geschehe, dass kein Tag länger als bis auf den in der 
Convention angesetzten Termin, nämlich den 22. d. M., mit der 
Hilfeleistung gesäumt werde. 

Selbst dieser Termin wäre weiter, als er eigentlich solle, 
hinausgeschoben worden, ,, sonder Zweifel in der Absicht, noch bis 
dahin den Vergleichsversuch zu betreiben. Wie zumal aber zwar 
von einem thunlichen Vergleich mit Preussen keineswegs entfernt. 
doch zugleich von Schlesien nichts hintanzulassen entschlossen 
bin, anbei des Königs von Preussen Entfernung von einem solchen 
Vergleich, mithin, dass vor vorläufiger Hilfeleistung derselbe nicht, 
sondern erst nachher anzuhoffen sei, ganz klar vor Augen liegt : 
also ist bereits an Meine Minister zu Hannover der Befehl abge- 
gangen, dass sie auf die ungesäumte Zusammenziehung der Truppen 
und deren Operationen dringen sollen : absonderlich da die dies- 
seitige Erklärung in puncto des Vergleichs so gefasst worden, 
dass die, so darauf versessen, mit gutem Grund überzeugt werden 
können, dass man englischerseits nur zu viel und zu lang damit 
sich aufgehalten, der Sachen Stand andurch sich verschlimmert 
habe und die Schuld des Nichterfolgs dem König von Preussen 
lediglich beizumessen sei.'' 

„Nun lässt sich entweder der Termin annoch verkürzen oder 
nicht. In einem Fall, wie in anderem ist, da sothaner Termin so 
nahe vor der Thür ist, kein Augenblick zu verabsäumen, um hiesiger- 
seits die versprochene Hilfeleistung ehemöglichst suchen zu Nutzen 
zu machen. Zu welchem Ende Ich auch noch weiters Gnädigst 
nicht verhalte : erstlich, dass vorlängst Chur-Sachsen insgeheim 
sich anheischig gemacht hat, seinerseits zu gleicher Zeit mit ge- 
sammter Macht wider Preussen operieren zu wollen, l ) als es von 



l ) Diese Stelle bezieht sich wohl jedenfalls auf den am 11. April 1711 
von den beiderseitigen Bevollmächtigten in Dresden unterschriebenen Vertrag. 



384 

dem König- von England, es sei qua König oder qua Churfürsten, 
geschehen würde." 

„Zweitens, dass sich auf gleiche Weise auch Russland erklärt 
habe und hierzu Alles dergestalten bereit halte, dass nach letzter 
aus Petersburg eingelaufener Relation nicht wohl im mindesten 
gezweifelt werden mag, dass dortige Diversion den nämlichen Tag, 
als von Seiten Englands, ungehindert der schwedischen nicht zu- 
sondern abnehmende Bewegung erfolgen werde." 

„Drittens, dass aus dieser Ursache hier kein Augenblick ver- 
absäumt worden, nach Dresden und Petersburg zu berichten, dass 
sich des Königs von England Majestät sowohl als König, als 
Chmiürst verbunden, zum spätesten den 22. hujus mit den Ope- 
rationen den Anfang zu machen und endlich 

Viertens, dass noch über die längst schon bereit stehenden 
dänischen und hessen-casselschen Hilfsvölker gegen 14.000 Mann 
englische National -Truppen überschifft werden sollen und zwar, 
wie sich mündlich geäussert worden, um die Republik Holland 
zur ungesäumten Abgabe ihrer 5000 Mann gleichfalls aufzu- 
muntern." 

„Nach des Grafen von stein Bericht vom 25. v. M. scheint 
die Intention des Königs von England dahin zu gehen, durch 
Diversion zu agieren und zu solchem Ende alle bis nun erwähnten 
Truppen mit Einbegriff der zu Meiner Disposition seienden 13.000 
Mann zusammenzuziehen und die Armee selbst zu commandieren ; 
wie denn auch verlauten will, dass ein General von ihm nach 
Dresden zur Pflegung der gemeinsamen Abrede insgeheim bereits 
abgeschickt worden. Und ist des chursächsischen Hofs Gedanken 
ohnedies jederzeit dahin gegangen, gesammter Hand mit Chur- 
Hannover den Angriff zu thun." 

„Mein Dienst ist, Alles zu erleichtern, um nur den so lang 
verzögerten Haupt- und Endzweck zu befördern : nämlich, dass 
Mir die ausbedungene Hilfe wirklich, es sei durch Diversion oder 
Conjunction, angedeihe. Ich setze das Wort wirklich mit Wohl- 
bedacht hinzu, indem so wenig der gemeinsamen Sache, als Mir 
damit gedient sein würde, wofern durch eine NB. nicht zureichende, 
noch ausgiebige Diversion die Zusage allein dem Schein nach erfüllt 
werden wollte ; wie doch weder vermuthen kann, noch will. Viel- 
mehr erheischt das offenbarste eigene Interesse des Königs von 
England, sowohl qua Königs, als qua Churfürsten und noch mehr 
die eigene, von der anderwärts anscheinenden Gefahr hergeleitet 
werdende Betrachtung, dass das Werk auf einmal mit solcher 



385 

Obermacht von allen Seiten angegriffen werde, urn mit Grund an- 
hoffen zu können, dem preussischen Unwesen ein geschwindes Ende 
zu machen ; so untereinstem das sicherste Mittel sein wird, um 
andere ^Mächte von widrigen Unternehmungen zurück zu halten. 
Wann nun ohne Zeitverlust die englischen Hilfsvölker, nebst sämmt- 
lichen churhannoverischen und chursächsischen Truppen hierzu 
angewendet, mit einem russischen Corpo in Preussen eingedrungen, 
die zu einem anderwärtigen Einfall so geneigten Polen dazu an- 
gefrischt und auch diesorts die Passus danach ausgemessen würden, 
so sollte der Endzweck zu erreichen, mithin zu einem nicht 
schädlichen, sondern anständigen Vergleich mit Preussen 
ehestens zu gelangen, eben nicht so gar schwer fallen." 

Schliesslich wurde der commandierende General bevollmächtigt, 
zum Zwecke gemeinsamer Verabredungen mit den verbündeten 
Höfen, nach seinem Gutbefinden Officiere nach Dresden und Hannover 
zu senden. v ) 

FM. Graf Neipperg beantwortete dieses Schreiben der 
Königin am T.Juli. Er berichtet, dass er sich bereits an die bei 
den alliierten Mächten accreditierten Gesandten nach Dresden, 
Hannover und Petersburg gewendet habe, um zu erfahren, was 
man in Bezug auf directe Hilfeleistung von dort eigentlich zu 
hoffen oder zu erwarten habe, damit auch er seine Dispositionen 
danach einrichten könne. „Sonsten ist wohl zu wünschen, dass die 
Alliierten je eher, je besser zu Werke schritten und sich E. K. M. 
gerechteste Sache mit allem Nachdruck angelegen sein lassen, ich 
zweifle aber dabei, ob der König von England bis 22. d. alle ge- 
widmeten Truppen beisammen haben und somit im Stande sein 
dürfte, zu den Operationen um solche Zeit den Anfang zu machen." 

,,Die Sachsen haben vermöge letzter Nachrichten noch can- 
tonniert und von den Russen hat man zwar seit einiger Zeit her 
immer versichern wollen, dass sie im Anzug seien, man weiss 
aber von der Gegend, wo selbe sich befinden sollen, so wenig 
Ausführliches, dass ebenfalls zu besorgen sein dürfte, dass sie noch 
so nahe an den preussischen Grenzen nicht seien, um auf den 
übereingekommenen 22. d. auch ihresorts mit den Operationen 
den Anfang zu machen." 

,,Von den Polaken sollen wohl ein und andere Regimenter, 
womit der König ohneweiters zu disponieren hat, auf dessen Befehl 



J ) Rescript vom 3. Juli 1741. (H. H. u. St. A. Friedens-Acten, Fase. 23.) 

Oesterreichischer Erbf'olgekrieg. II. Bd. 25 



386 

gegen die Grenzen angerückt sein, von der Kron-Armee hingegen 
oder anderen Polaken weiss man nichts und sehe auch nicht, ob 
man sich von Seiten Polens viel Gutes zu versprechen habe, aller- 
niassen von daraus dem König von Preussen nicht allein gegen 
Bezahlung die meiste Zufuhr der Lebensmittel, ohne die er sonst 
in Schlesien würde hart bestehen können, geschieht, sondern auch 
ihm aus Polen bereits viele Deserteurs verdeckt zurückgesendet 
worden, welches der Desertion bei ihm nicht einen geringen Ein- 
halt macht, da sonst selbige viel häufiger sein würde, weil die 
Gegenden gegen Polen hiezu über die Massen bequemer und ge- 
legensamer als alle übrigen sind. Der König von Preussen dürfte 
fraglich ehe und bevor zu einem anständigen Vergleich nicht 
gebracht werden können, bis er nicht die Obermacht erkennt und 
empfindet und daher umso nöthiger sein will, dass E. K. M. 
Alliierte um so fördersamer Hand an das Werk legen und ihn zu 
demjenigen vermögen, so bisher die engländischen und holländischen 
Gesandten, die noch zu Breslau und ersterer, laut sicheren Nach- 
richten, vor wenigen Tagen wieder zum König in das Lager abge- 
gangen, nicht loszuwirken gewusst haben." x ) 

Dem Grossherzog sandte der Felclmarschall gleichzeitig aus 
Breslau eingelaufene Nachrichten, 2 ) welche die "Wegnahme eines 
ansehnlichen Vieh-Transportes durch österreichische Husaren fast 
unmittelbar vor den Thoren dieser Stadt meldeten und die Con- 
sternation schilderten, welche in der Landeshauptstadt über die 
ihr vom König von Preussen vorgeschriebene, binnen vier Wochen 
zu erlegende Contribution von 500.000 Thalern herrschte. Bei 
Nichteinhaltung des angegebenen Termins waren der Stadt die 
strengsten Massregeln angedroht. Die Bürgerschaft, wurde gemeldet, 
wolle sich trotzdem dazu nicht verstehen, sondern berufe sich auf 
das Neutralitäts- Abkommen vom 3. Januar 1741. 3 ) 

Man hielt offenbar preussischerseits die Zeit schon für gekom- 
men, in die noch immerhin beschränkende Neutralitäts-Convention 



J ) FM. Graf Neipperg an die K ö n i g i n, Neisse, 7. Juli 1741. (H. H 
u. St. A., Friedens-Acten. Fase. 23.) 

2 ) FM. Graf Neipperg an den Grossherzog. Neisse, 7. Juli 1741. 
(K. A., Schlesien 1741 ; VII 8, ad 8 a und ad 8 b.) 

3 ) Vergl. Zur Capitulation Breslau's, Mittheilungen des Kriegs-Archivs 
1885, 193. Nach, diesem Abkommen war der Stadt Breslau eine vollkommene 
und genaue Neutralität zugesichert worden, „also dass von derselben weder 
einige Huldigung, noch Abgabe einer Contribution, wie solche Namen haben 
mag, solle und werde gefordert werden." 



387 

Bresche zu legen, um sie endlich ganz beseitigen und als unum- 
schränkter Herr in der Landeshauptstadt gebieten zu können. 

Der Grossherzog schrieb dem Grafen Neipperg am 8. Juli 
aus Pressburg, da er den Stand der Verhandlungen mit den 
Alliierten ohnedies bereits kenne, beziehe er sich darauf und 
füge nur bei, dass die Königin fest entschlossen sei, nichts 
von Schlesien an den König von Preussen abzutreten und in Folge 
dessen zu versuchen, denselben mit Gewalt durch ihre Armeen und 
jene ihrer Alliierten aus Schlesien zu vertreiben. x ) Er empfahl 
Neipperg, die Operationen mit Vorsicht wieder aufzunehmen, 
dies sei auch der "Wunsch der Königin und werde bei den 
Alliierten guten Eindruck machen. 2 ) 

Neipperg bat am 11. Juli, noch die Wiederaufnahme der 
Operationen etwas verschieben zu dürfen, „dies geschehe jedoch 
nicht, um sie zu vermeiden, noch weniger um ewig nur hier stehen 
zu bleiben, sondern um die Gelegenheit zu erspähen und dann sie 
mit Gottes Beistand, soviel als es möglich sein wird, zu benützen." 3 ) 

Auch der russische Minister Graf Ostermann hatte dem 
englischen Gesandten Finch zu Petersburg mitgetheilt und 
gleichzeitig auch der österreichischen Vertretung daselbst von 
dieser Note Kenntniss gegeben, dass es, nach den engiischer- 
seits vertraulich gemachten Eröffnungen über die schlesischen An- 
gelegenheiten, sowie über die verderblichen Pläne Schwedens 
gegen Bussland, der Wunsch des russischen Hofes sei, mit Gross- 
britannien in innige Verbindung zu treten, um jene Massregein zu 
ergreifen, welche die Interessen der meisten europäischen Mächte 
zu schützen und die Aufrechthaltung der pragmatischen Sanction 
zu gewährleisten im Stande wären. „Die vollständige Er- 
haltung d e r E r b 1 an cl e r desHauses Oesterreich, ohne 



J ) „Ich empfehle Ihnen vor Allem, dass Sie etwas zu thun trachten, 
denn mein Entschluss ist gefasst, niemals mit dem König von Preussen eine 
Vereinbarung zu suchen, wenn ich auch nur einen Zoll breit von Schlesien 
verliere. Ich werde Alles dafür auf das Spiel setzen. Also, wenn Sie die Ge- 
legenheit günstig finden zu können glauben, unternehmen Sie Alles, ich ver- 
lasse mich auf Sie." Die Königin an FM. Grafen Neipperg, (14. Juli 
1741). In Arneth: „Briefe der Kaiserin Maria Theresia an ihre Kinder und 
Freunde." IV, 139. 

2 ) Gräfl. Neipperg'sches Archiv. 

3 ) FM. Graf Neipperg an den Grossherzog, Neisse, 11. Juli 1741. 
(K. A, Schlesien 1741 ; VII, 15.) 

OK* 



388 

etwas davon zu zerstückeln, wäre das Hauptobject, 
das man niemals aus dem Gesichte verloren habe." 
Sollten nun gegenwärtig ein Theil dieser Länder dem König von 
Preussen geopfert werden, so wäre es besser gewesen, wenn man 
von Anbeginn an die Königin von Ungarn überredet hätte, darein 
zu willigen, bevor die Dinge auf einen Punct gelangt sind, wo 
Preussen vielleicht nicht mehr so nachgiebig sein würde. 

Als Hauptgesichtspuncte bezeichnete Ostermann: Gegen- 
seitige Hilfeleistung der Alliierten bei allen Ereignissen und 
Gleichzeitigkeit des Eingreifens sämmtlicher Alliierten; 

vom Kriege mit Schweden, das, wie man wisse, gegen Russ- 
land von Frankreich aufgestachelt worden, würden die Streitkräfte 
abhängig sein, mit denen Russland seinerzeit auftreten könne ; 

es sei äusserst vortheilhaft, wenn die englische Escadre 
ohne Verzug im Baltischen Meere erschiene, wie dies ja bereits 
abgemacht worden und wenn die sämmtlichen übrigen Mächte 
gleichzeitig Massregeln ergriffen, um Schweden von Feindseligkeiten 
gegen Russland abzuhalten, oder diesen Krieg, falls er unvermeidlich 
wäre, rasch zu beenden. x ) 

Li Hannover, wo damals König Georg weilte, traf der 
aus Schlesien erwartete Courier mit König Friedrich II. ab- 
lehnender Antwort auf die im Namen Grossbritanniens und der 
General-Staaten durch Hyndford und G i n c k e 1 überreichte 
Simultan erklärang, am 26. Juni ein. 2 ) Sofort wurden Befehle an 
sämmtliche Regimenter gesendet, sich auf die erste Ordre marsch- 
fertig zu halten. Am 27. wurde der hannoversche Generalmajor 
von Uten nach Dresden gesendet, „um mit dem dortigen Hof 
das Notlüge wegen der Operationen, der Conjunction der hessischen 
mit den sächsischen Truppen und was sonst noch dabei zu obser- 
vieren sein möchte, zu verabreden und an eben demselben Tage 
wurde auch wegen der dänischen Auxiliar-Truppen, als welche für 
das erste zu dem hiesigen zur Operation destillierten in 18.000 Mann 
bestehenden Corps stossen sollen, das Nöthige vorgekehrt. Daher 
denn aus diesem Allem leicht abzunehmen ist, dass des Königs von 
England Majestät einestheils nichts anderes, als die preussische 



') H. H. u. St. A. Abschrift. Eingeschickt mit Bericht der Gesandtschaft 
aus Petersburg vom 10. Juni 1741. 

2 ) Die ablehnende Antwort König Friedrich II. von Podewils 
in Breslau am 15. Juni 1711 unterzeichnet, in „Preussische Staats-Schriften" I, 305. 



389 



Erschliessung auf eine authentische Art abwarten wollen, andern- 
theils aber bei derselben so kaltsinnig und widrigen Abfassung um 
so geschwinder zu den Veranstaltungen geschritten sei.' ; i) 

Auch aus Sachsen lief der Bericht ein, dass die Truppen 
bereit stünden und es nunmehr lediglich auf Hannover ankomme ■ 
die Absendung eines Generals behufs Vereinbarung der Operationen 
wurde von dort dringend verlangt. 2 ) 

') H. H. u. St. A., Staatskanzlei ; Bericht aus Hannover 1741 Fase 1 
2 J Ebenda. Sachsen, Fase. 3. 



Die Sendung des FML. Grafen Browne nach Dresden. 



Jb ML. Maximilian Ulysses Graf Browne, Baron de Camus 
und Mountany war, in Folge der Befehle der Königin, aus 
dem Hauptquartier Neisse am 18. Juli 1741 nach Dresden insgeheim 
abgesendet worden. \) um mit dem dort anwesenden hannover- 
schen General von Uten und den sächsischen Militärs über den 
von den verbündeten Mächten einzuhaltenden Operationsplan zu 
verhandeln. FM. Graf Neipperg hatte dem Grafen Browne 
die für die Mission nothwendigen Weisungen in einer ausführlichen 
Instruction ertheilt. 2 ) 

Am Abend des 22. Juli, dem Tage, auf welchen, nach den 
mit England-Hannover am 24. Juni geschlossenen Conventionen, 
der Beginn der Operationen der gegen Preussen in Bündniss-Ver- 
handlungen stehenden Mächte festgesetzt war — traf Graf Browne 
in der sächsischen Hauptstadt ein. Am darauffolgenden Tage hatte 
der General Audienz bei den beiden Majestäten. König August 



2 ) Trotzdem wusste König Friedrich II. schon am 1. August davon, 
dass der General in Dresden sei, „um daselbst einen Eenfort von 10.000 Mann 
zu sollicitieren". (Polit. Corresp. I, Nr. 415.) 

2 ) In dieser ist die Stärke der österreichischen Armee wie folgt an- 
gegeben : An deutschen Truppen : Infanterie 10.000 Mann, Cavallerie 7000 
und einige hundert, also 18.000 Conibattanten, dann 6 Husaren-ßegimenter 
mit 3000 Mann, 3 ungarische National-Eegimenter mit 1500 Mann, 3000 
Croaten und 1000 Slavonier, im Ganzen : 29.500 Mann. Die preussische 
Armee wird darin beziffert auf 22 Infanterie- und 12 Cavallerie-ßeghnenter, 
von letzterer Waffe seien ausserdem noch 3 Regimenter im Anmärsche. Bericht 
des FM. Grafen Neipperg an die Königin vom 18. Juli 1711. (H. H. u. 
St. A., Friedens-Acten : Fase. 23.) 



391 

erklärte, dass es an ihm nicht fehle, seine Truppen stünden seit 
dem Monate Mai für die Königin Maria Theresia bereit und 
es hänge nur von dem hannoverschen Hofe ab, die Zeit des Auf- 
bruches, der Truppen, sowie des Beginnes der Operationen zu be- 
stimmen und ihm mitzutheilen. In Dresden werde man in zwei 
Mal vierundzwanzig Stunden bereit sein. 1 ) 

Während FML. Graf Browne in unthätigem Abwarten auf 
die Rücksendung des hannoverisch-sächsischen, zur Approbation 
nach Hannover an den König von England gesendeten Operations- 
Planes zu Dresden zurückgehalten wurde, waren in Hannover, wo 
König Georg weilte, die für die Sache der Königin ver- 
hängnissvollsten Entschliessungen gefasst worden. Auf die schwan- 
kende und zaudernde Politik des Trägers der englischen Krone 
hatten die Unglücksfälle in Süd -Amerika, Admiral Vernon's 
Missgeschick bei Cartagena bedenklichsten Einfluss geübt. Die 
üblen Nachrichten aus Frankreich, welche die Aufstellung einer 
französischen Armee von 40.000 Mann an der Mosel gegen Han- 
nover constatierten, die Bewegungen der churbayerischen Truppen, 
die schlagfertig bereitstehende Observations-Armee des Fürsten 
von Anhalt bei Göttin Hessen den König - Ohurfürsten das 
Schlimmste für seine deutschen Besitzungen besorgen. 2 ) 



J ) Graf Browne an Grafen Neipperg, Dresden, 24. Juli 1741. Gräfi. 
Neipperg'sohes Archiv. „Ich, meines wenigen Erachtens, sorge, soviel abnehmen 
kann, unsere Alliierten werden uns amüsieren, um Zeit zu gewinnen, dass der 
Sommer passiere und haben keine rechte Lust, vom Leder zu ziehen. Der 
russische Minister hier, Baron Keyserlingk, sagt, sein Hof warte nur, 
dass Sachsen und Hannover ihre Truppen marschieren lassen, so werden die 
ihrigen gleichfalls marschieren, allein wann keine Parthei den Anfang machen 
will, was wird endlich aus der Sache werden'? Diesemnach solches nicht 22. hujus. 
wie geschehen sollen, sondern vielleicht auch noch nicht den 22. August. Ich 
habe S. M. dem König hier in der Audienz vorgestellt, er sollte die Freund- 
schaft für tvnsere AllergnädigsLe Frau haben, den Anfang mit seinen zu 
machen und solche marschieren lassen, so dürften die anderen desto mehr 
Muth fassen, dem Beispiel zu folgen ; worauf er mir geantwortet : marschiert 
ist bald, allein wer kann mich versichern, dass die anderen hernach folgen 
werden ?" 

2 ) Der Fürst von Anhalt machte sich in dem Lager von Göttin marsch- 
bereit und legte dem König Friedrich auf dessen Befehl (Polit. Corresp. I, 
Nr. 431), am 19. Juli einen Operationsplau für verschiedene Fälle gegen Hannover, 
bezw. auch gegen Chur-Sachsen vor. Hätte man es nur mit ersterem zu thun, 
so wollte er ein Beobachtungslager bei Magdeburg, gegenüber beiden Gegnern 
ein solches bei Bernburg beziehen; im letzteren Falle auch einen gewaltsamen 



392 

König Georg hatte die „pragmatische Armee''' in Person 
cornmaiidieren wollen, zog es nun aber vor, auf Feldhemiruhm zu 
verzichten und von jeder activen Betheiligung am Kriege, wenn 
möglich abzusehen. Diese "Wendung in Hannover ist der Anfang 
jener hartnäckig fortgesetzten britisch-hannoverschen Vermittlungs- 
Politik, welche sich zum Ziele setzte, um jeden Preis einen Ver- 
gleich zwischen der Königin Maria Theresia und König 
Friedrich II. förmlich zu erzwingen. r ) 

Die Actionsfähigkeit Englands war übrigens durch die Ver- 
luste seiner See-Streitkräfte gegen Spanien vollständig gelähmt, 2 ) 



Versuch gegen die Festung Wittenberg unternehmen. Der König billigte 
diesen Plan (Polit. Corresp. I, Nr. 435), der aber bei der fortdauernden Unent- 
schlossenheit seiner beiden Gegner nicht zur Ausführung kam. 

x ) „Man müsse in Betracht des, das Erzhaus und durch dieses das ganze 
Deutsche Reich von weit mächtigeren Feinden bedrohenden Umsturzes etwas 
auch in sich Unbilliges der gegenwärtig so bedauerlichen Situation zu cedieren 
sich nicht entziehen, um mittelst eines Vergleichs mit dem König von Preussen 
den Ueberrest der Länder und Staaten an die Königin und das ganze 
deutsche "Wesen gegen dessen Feinde zu erhalten, indem ohne ihn, König 
(von Preussen), also mit zum Freunde zu haben, dass er auch zu vorbemeldter 
Erhaltung mit all' seiner Macht zugleich mitzuwirken, einmal kein Systema 
zu fassen, viel weniger das Gehörige zu erhalten sein wolle." Graf s t e i n 
an Graf Neipp erg. Hannover, 25. Juli 1741. (K. A., Schlesien 1741; VII, 42.) 

2 ) Die Engländer hatten eine Flotte von einigen dreissig Linien- 
schiffen mit einem ansehnlichen Landungs-Corps unter Admiral V e r n o n 
bei Jamaica versammelt und im März 1741 den Angriff auf Cartagena be- 
gonnen, dessen Besitz für ihren Handel ausserordentlich wichtig war. In- 
zwischen hatten aber auch die Spanier die natürliche Festigkeit des Platzes 
durch gute Vertheidigungsanstalten vermehrt ; einer ihrer besten Officiere, der 
Vicekönig E s 1 a v a leitete die Vertheidigung mit grosser Umsicht. Nach 
einigen Erfolgen, welche in London Alles hoffen, in Madrid Alles fürchten 
Hessen, ward der Hauptangriff der Engländer am 26. April mit grossem Ver- 
luste zurückgewiesen. Die heisse Jahreszeit, die mühseligen Kämpfe in der 
meilenlangen Bucht, an deren Ende die Stadt hegt, endlich die Verluste der 
gelandeten Truppen in dem blutigen Gefecht, an dem Indianer und Neger 
theilnahmen, hatten den Admiral zum Rückzuge gezwungen. Von seinen 
10.000 Mann Landungs-Truppen waren nur noch 2000, von seinen Matrosen 
kaum der zehnte Mann übrig. Die Kraft Englands war vorerst auf allen 
Meeren gelähmt, es hatte den Kern seiner Seeleute verloren. „Die Nation ist 
so empört, dass an einen Frieden mit Spanien nicht zu denken ist ; man wird 
ungeheuere Anstrengungen machen müssen, wenn man sich in Westindien 
halten will; die spanische und die französische Flotte ist unversehrt und 
wenn Spanien sichtlich einen Streich gegen Italien rüstet, so hat England 
keine Schiffe, ihre Ueberfahrt zu hindern ; wenn Frankreich eine Escadre in 
die Ostsee sendet, wird Russland die versprochenen englischen Schiffe ver- 
gebens erwarten." (Droysen, Vi, 295.) 



393 

Die Nachricht von dem misslungenen Angriff auf Cartagena, die 
am 4. Juli nach London gelangte, verursachte dort die grösste Be- 
stürzung. In Verlegenheit für den eigenen Dienst, für die Flotte in 
Amerika , Ersatzmannschaften aufzubringen, war Grossbritannien 
ausser Stande, den Russen die versprochene Hilfe zu senden. Ohne 
diese aber konnte Russland den beabsichtigten Angriff auf Preussen 
nicht wagen, am wenigsten nach der Ende Juli erfolgten Kriegs- 
erklärung Schwedens. Unter diesen Umständen zog es Sachsen 
vor, die Verwirklichung seiner Vergrösserungspläne im Anschlüsse 
an die französische Parthei zu suchen. 

Schon am 25. Juli konnte der österreichische Gesandte Graf 
s t e i n dem Grafen Neipperg ganz bestimmt aus Hannover 
mittheilen : 

,,Die auf den 22. festgesetzten Operationen werden von 
hiesiger Seiten nicht, auch weitershin nicht mehr er- 
folgen, mithin kein Staat darauf zu machen, um nicht Dero 
Rechnung zu verfehlen. r ) 

FML. Graf Browne reiste nun, da seine Anwesenheit in 
Dresden, nach den aus Hannover einlangenden Nachrichten, voll- 
kommen überflüssig war und auch der hannoversche General von 
Uten, mit dem er übrigens gar nicht in Beziehung getreten zu 
sein scheint, bereits am 1. August die sächsische Hauptstadt wieder 
verlassen hatte, am 6. August nach Schlesien zurück und traf am 
11. August im Hauptquartiere der Armee ein. 

FM. Graf Neipperg sagt in dem Berichte, in welchem er 
dessen Ankunft meldet und die über die erfolglose Reise erstattete 
Relation der Königin übersendet: ,,Er, General Graf von 
Browne, vermeint zwar, dass der Anstand hierinfalls mehr bei 
Hannover, ich aber glaube, solcher sei bei beiden Höfen und 
schiebe es pro forma nur einer auf den andern", 2 ) und hatte damit 
wohl das Richtige getroffen. 

Preussischerseits kam diese farblose Vermittlungs-Politik nur 
gelegen, da sie Frankreich und Bayern Zeit verschaffte, kriegs- 
bereit zu werden. 



J ) Graf Ostein an Grafen Neipperg. 24. Juli 1741. (K. A., Schlesien 
1741; VII, 42.) 

) Neipperg's Bericht vom 11. August 1741. (H. H. u. St. A., Friedens- 
Acten ; Fase. 23.) 



Ereignisse im Monate Juli. 



Jb M. Graf Neipperg liatte wegen Auswechslung der beider- 
seitigen Kriegsgefangenen und Errichtung eines Cartels mit dem 
preussischen FM. Grafen S c h w e r i n die Vereinbarung getroffen, 
am 30. Juni in Grottkau durch Bevollmächtigte beider Armeen 
Conferenzen beginnen zu lassen. Von Seiten der österreichischen 
Armee wurden als Delegierte dorthin bestimmt : GFWM. Baron 
L e n t u 1 u s , Stabs-Auditor Jencko und Feldkriegs-Commissär 
Schütz 1 ). Preussischerseits führte FM. Prinz Dietrich von 
Anhalt, Ober-Auditeur von Kriegern und Kriegsrath L ü d e k e 
die Verhandlungen, die am 0. Juli zum Abschluss eines Cartels über 
Auswechslung und Eanzionierung der Kriegsgefangenen führten. 
Die erste Auswechslung fand sodann am 20. Juli statt, der eine 
zweite am 1. August folgte. 

Da die Conferenzen in Grottkau mehrere Tage in Anspruch 
genommen hatten, waren sich die beiderseitigen Commissäre 
näher getreten. GFWM. Baron Lentulus brachte den wesent- 
lichen Inhalt der bei dieser Gelegenheit geführten Gespräche zu 
Papier und übergab ihn dem commandierenden General. L e n- 
tulus erzählt, er habe aus der Conversation entnommen, ,,dass 
man jnreussischerseits senr den Frieden wünsche, indem der 
Prinz Dietrich sich verlauten lassen, es würden ja leicht Mittel 
zu finden sein, die zwei Puissancen zu vereinigen und wäre zu 
wünschen, dass wir und sie zusammen am Rhein oder in die Nieder- 
lande marschierten; sie mit ihrer Infanterie und wir mit unserer 
Cavallerie sollten uns den Feinden des deutschen Vaterlandes 



!j K. A., Schlesien 1711 : VI, G(3. 



39 5 

fürchterlich machen. Es sei nur zu beklagen, dass wir einander 
die Haare ausraufeten und der Dritte davon profitieren würde. 
Auch hat sich erwähnter Prinz nachdrücklich informiert, ob unsere 
Allergnädigste Königin und Grossherzog durch Favoriten sich 
leiten lassen ? ob derlei vorhanden und wer sie wären ? auch dass 
sie ihresorts wünschten, dass das Römische Reich baldigst ein 
Oberhaupt bekommen möchte. Sie wünschten unter Anderem, dass 
entweder der König in Polen oder aber der Grossherzog* hiezu 
erwählt' würde." *) 

Diese von einem preussischen General dem österreichischen 
Commissär gegenüber geschehenen Aeusserungen zu einer Zeit, da 
König Friedrich II. bereits von den Bewegungen der hannover- 
schen Truppen, sowie von der Sendung eines hannoverschen 
Generals nach Dresden behufs militärischer Besprechungen Kennt- 
niss hatte, 2 ) sieht einem ball on d'essai zur Erkundung der etwaigen 
Geneigtheit der Königin, mit Preussen in Unterhandlungen zu 
treten, sehr ähnlich. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass diese 
Apercus nur „um hinzuhalten und Hoffnungen zu nähren" gegeben 
wurden, „um dem Churfürsten von Bayern Zeit zu geben, in Oester- 
reich und einer französischen Armee, in Deutschland einzudringen", 3 ) 
wobei nicht zu übersehen ist, dass am 5. Juli die Ratificationen des 
preussisch-französischen Vertrages ausgewechselt worden waren. 4 ) 
Die Andeutungen, die wohl schwerlich hier in Grottkau ohne Vor- 
wissen König Friedrich IL gemacht wurden, können ander- 
seits aber auch vielleicht als erste Etape jener Verhandlungen 
betrachtet werden, die im Herbste desselben Jahres stattfanden, 
besonders wenn man im Auge behält, dass Prinz Dietrich von 
A n halt es w T ar, der den späteren Unterhändler Oberst Freiherrn 
von Goltz am 18. September 1741 zuerst dem GFAVM. Baron 
Lentulus vorstellte. 

FZM. Freiherr von Thünge n, der im Hauptquartier der 
Armee angelangt war, gab schon am 10. Juli erschöpfende Ver- 
haltungsmassregeln für die tactische Ausbildung der Infanterie, 
nach denen fleissig geübt werden musste. 5 ) 



!) K. A., Schlesien 1741 ; VII, 16 und ad 16 c. 

2 ) Vergl. Poüt. Corresp. I, Nr. 1-18, 419. 

3 ) Ebenda Nr. 415. 

4 ) Ebenda Nr. 416. 

5 ) Observations-Puncte bei der Infanterie. (K. A., Schlesien 1741: VII, 
14.) Siehe Anhang LIII. 



396 

Die Bewegungen gegen die preussische Armee, welche man 
von Wien aus gewünscht hatte, nahmen ihren Anfang Mitte Juli 
durch Aussendung stärkerer oder schwächerer Streif-Corps, die 
nach allen Richtungen von Neisse und Ottmachau gegen den Feind 
öiene:en. So rückte am 14. Juli Oberstwachtmeister von Hadik 
des D esse wffy' sehen Husaren-Regiments mit 500 Husaren nach 
Braunau, um über Schweidnitz gegen die Strasse nach Breslau zu 
streifen. *) Er hatte Befehl, auf der Strasse Braunau-Schweidnitz 
bei Tannhausen Stellung zu nehmen und seine Partheien über 
Schweidnitz bis in die Gegend Neumarkt oder Parchwitz auszu- 
senden, feindliche Couriere aufzuheben und die von Schweidnitz 
nach Breslau und Neumarkt, wie die von Jauer, Hirschberg, 
Schmiedeberg, Liegnitz nach Schweidnitz gehenden preussischen 
Convois wegzunehmen. Mit dem zu Trautenau befindlichen, aus 
Infanterie bestehenden Commando sollte er sich in das Einvernehmen 
setzen. -) 

Ein Oberstlieutenant mit ebenfalls 500 Husaren rückte nach 
Nimptsch, Frankenstein und in die dortige Gegend, um die Zu- 
fuhren in das preussische Lager zu verhindern. 

Nach Alt-Grottkau kamen unter einem Oberstwachtmeister des 
Regiments Splenyi 400 Husaren, mit dem Auftrage, gegen das 
preussische Lager zu streifen 3 ); die Slavonier wurden in zwei Gruppen 



l ) Das H a d i k'sclie Commando war zusammen 


gesetzt aus Abtheilungen 


verschiedener Husaren-Regimenter und 


zwar von 








5 Unterofficiere, 70 Gemeine 


Dessewffy . . 1 „ 1 Lieutenant. 1 


>i 


5 


' 70 


)' 


Ghilanyi ... — 1 „ 


— 


4 


60 


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Pestvärmegyeil ,,1 ?? 1 


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60 


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Splenyi .... 1 „ 1 ,, 


— 


3 


60 


"j> 


Karolvi .... — — 





3 


40 


?! 



4 Rittin., 4 Lieutenants, 3 Cornets, 23 Unterofficiere, 360 Gemeine, 
dann der National-Regiinenter: 

Belesznay. . .— Rittin., 1 Lieutenant, 1 Comet, 3 Unterofficiere, 50 Gemeine 
Peter Haläsz 1 „ — — 3 „ 55 „ 

Jazygier und 

Kumanier 1 „ — 3 „ 35 ,, 

5 Rittm., 6 Lieutenants. 4 Cornets, 32 Unterofficiere, 500 Gemeine 
(Graft. Neipperg'sches Archiv und Fähnrich Lutsch' Tagebuch.) 

2 ) K. A., Schlesien 1741 ; VII. 23. 

3 ) Dieses Commando bestand aus 2 Rittmeistern, 3 Lieutenants, 1 Cornet, 
10 Unterofficieren, 200 Gemeinen von den Husaren-, 2 Rittmeistern, 2 Lieu- 
tenants, 2 Cornets, 10 Unterofficieren und 200 Gemeinen von den National- 
Regimentern. (Gräfl. Neipperg'sches Archiv und L utsc lv Tagebuch.) 



397 

gegen Wansen und Strehlen in die Wälder verlegt. Ein Rittmeister 
mit 100 Husaren hatte die Gegend von der Festung Neisse bis 
zur Mündung des Neisse-Flusses in die Oder zu beobachten. Unter 
Commando des Obersten Baron Trips rückten 1 Oberstlieutenant, 
1 Oberstwachtmeister, 600 Husaren, nebst 1 Oberstlieutenant mit 
800 Croaten an das rechte Oder-Ufer in die Gegend von Oppeln, 
mit dem Auftrage, von dort Oder-abwärts bis gegen und unterhalb 
Breslau zu streifen und die preussischen Zufuhren auf der Oder 
zu verhindern oder mindestens zu erschweren. l ) 

Der am unteren Laufe der Neisse stehende Oberstwachtmeister 
von Györi erhielt am 16. Juli Befehl, nach Neisse einzurücken 
und zur Besetzung und Beobachtung des Flusses 1 Rittmeister, 
nebst Ober- und Unterofficieren und 60 Mann reguläre und 40 
National-Husaren zu Hilbersdorf zurückzulassen. Dieses Commando, 
dessen Befehl am 19. Juli Rittmeister Kisfaludy von Kärolyi- 
Husaren übernahm, stellte kleine Beobachtungsposten zu Michelau, 
Stroschwitz, Löwen und Schurgast auf und war dem zu Grottkau 
stehenden Oberst Grafen Esterhäzy unterstellt. Oberstwachtmeister 
Györi rückte mit dem Rest seines Commandos in das Hauptlager 
ein. -) Das in Oppeln befindliche Detachement blieb daselbst. 

Der Oberst von Max Hessen - Infanterie Baron An dl au 
erhielt Befehl, von Wartha und Glatz bis gegen Braunau Patrouillen 
auszusenden. 

Zu einem kleineren Zusammenstosse war es am 14. Juli 
bei Diersdorf, 4 Kilometer südwestlich von Nimptsch, gekommen. 
50 österreichische Husaren stiessen hier mit 40 preussischen Uhlanen 
zusammen, von denen zwei verwundet wurden und 4 in Gefangen- 
schaft geriethen. Die Husaren verloren 3 Todte und einige Ver- 
wundete. Als von Nimptsch preussische Verstärkungen anlangten, 
giengen die Husaren nach Frankenstein zurück. 

Am 16. Juli fand zu Neisse anlässlich der am 25. Juni zu 
Pressburg vollzogenen Krönung der Königin feierlicher Gottes- 
dienst statt, dem Nachmittags um 5 Uhr eine Revue folgte, zu 
der die gesammte Armee ausgerückt war. 

Auch fanden sich um die Mitte des Monats einige polnische 
Edelleute im Hauptquartier der österreichischen Armee ein, die 
ihre Dienste der Königin Maria Theresia anboten. 

Hutsch' Tagebuch. 

2 ) K. A., Schlesien 1741 ; VII, 2G und :\7. 



398 

Einem von ihnen, dem Capitain Alexander C li 1 e b o w s k y 
wurde die Bewilligung ertheilt, „mit 100 Mann seiner Nation gegen 
den König von Preussen in Schlesien zu dienen". 2 ) 

FM. Graf Neipperg hatte Anfangs Juli die Slavonier 2 ) aus 
der Gegend von Schweidnitz, wo sie die feindlichen Communi- 
cationen unterbrechen sollten, nach Ottmachau zurückgezogen, weil 
sie nichts geleistet hatten, dagegen von den Landesbewohnern 
ungemein viel Klagen eingelaufen waren und ihren Commandanten, 
den Oberstwachtmeister Trenck, für seine Person nach Neisse 
citiert. 

Mit des Panduren- Chefs Verhalten war der Armee-Comman- 
dant überhaupt im höchsten Grade unzufrieden. Er scheint diesen 
persönlich tapferen Mann von Anfang an sehr richtig beurtheilt 
zu haben, ,,der mehr auf Eigennutz, als auf obliegende Pflicht ge- 
sehen." 3 ) 

Nach Trene k's Rückkehr verflossen fünf Tage, ohne dass 
er dem commandierenden General irgend eine Meldung über eine 
Unternehmung, die gemachte Beute, die eingebrachten Gefangenen 
erstattet hätte. FM. Neipperg findet nach diesen Vorgängen, 
,,dass Herr Baron von T r e n c k die erforderliche Fälligkeit, Ex- 
perienz, vielleicht auch das disciplinierte Gemüth nicht habe, dieses 
Corps in hiesigem Lande zu einiger nützlicher Unternehmung an- 
zuführen. Um jedoch Trenck Gelegenheit zu geben, etwas zu 



!) K. A., Schlesien 1741 ; VII, 23. 

2 ) Der Stand der Slavonier betrug bei ihrem Einrücken zur Armee : 
1 Oberstwachtmeister, 2 Hauptleute, 1 Capitain-Lieutenant, 5 Fähnriche, 
1 Quartiermeister, 1 Adjutant, 1 griechischer, 1 katholischer Caplan, 2 Feld- 
scherer, 20 Harumbassa, 5 Fouriere, 80 Corporale. 12 Spielleute, 890 Gemeine. 
Zusammen 1022. 

3 ) Anlässlich der Rückberufung des Corps schrieb FM. Neipperg am 
2. Juli u. A. an Trenck: „denn es ist Ihnen ja von selbst bekannt, dass 
Sie nicht hereinberufen worden, das Land zu plündern, oder sonstige Unge- 
bührlichkeiten ausüben zu lassen, sondern allein dem Feind Schaden und 
Abbruch zuzufügen, so aber ist bis dato durch selbe dem Feind einiger Schaden 
nicht geschehen, wohl aber gegen dem Land und dessen Inwohner, wie von 
allen Seiten her häufige Klagen einlaufen, grosse Insolenzien, als mit Prügeln, 
Schlagen , Gelderpressung und Sonstigem ausgeübt worden , welche bei 
schwerster Verantwortung, wie bereits in meinem Vorigen erwähnt, vermieden 
wissen will; und wann Sie sich nicht soviel Autorität geben können, sich von 
Ihren unterhabenden Leuten respectieren und gehorsamen zu machen, so sehe 
nicht, wozu Sie mir allhier dienlich sein sollen und findete mich solch enfalls 
genöthigt, es behörigen Orts vorzustellen". (K. A., Schlesien 1711 ; VII. 3.) 



399 

leisten, beabsichtigte Neipperg, das Corps abermals gegen den 
Feind zu senden, damit aber keine solche Ungebührlichkeiten, wie 
bisher vorkamen, den im Hauptquartier angekommenen, vom Ge- 
sandten in Dresden warm empfohlenen königlich polnischen Major 
von Menzel, der früher in kaiserlichem, später in russischem 
Dienst gewesen, dem Trenck an die Seite zu geben, umso mehr, 
da Menzel der illyrischen Sprachen kundig war und bei irregu- 
lären Truppen gedient hatte. Anfangs war Trenck erbötig, sich 
an Menzel's Rath und Zustimmung zu halten, änderte jedoch 
bald seine Ansicht und erklärte, dass er in dieser AVeise keinen 
Dienst thun werde. Neipperg sah sich in Folge dessen ge- 
nöthigt, Trenck in Arrest zu setzen und die Absendung der 
Slavonier zu sistieren. Das Commando des Corps übergab der 
Feldmarschall vorläufig dem Oberstwachtmeister von Menzel. 
Die Slavonier, die Neipperg eigens ausrücken Hess, erklärten sich 
mit diesem Interims- Commandanten zufrieden, bis auf 30 auch, aus 
anderen Ursachen Renitente, die der Commandierende auf Ver- 
langen der Uebrigen festsetzen und zur Verhütung weiterer Un- 
ordnungen nach G-latz zur Verwendung beim Festungsbau ab- 
schicken liess. ' I 



*) Trenck wurde vor eine Untersuchungs-Commission gestellt: die ihn 
am meisten gravierenden Puncte waren, dass er während seines letzten Com- 
mandos zwei Mann ohne Kriegs- und Standrecht hatte köpfen lassen, dass 
er vor seiner Arretierung die Slavonier durch meuterische Reden zum Rück- 
marsch von der Armee zu überreden gesucht und während des Commandos 
verschiedene Uebertretungen gegen die Kriegs disciplin theils seihst begangen, 
theils habe begehen lassen. FM. Neipperg legte die Unter suchungs- Acten 
am 21. Juli dem Hof-Kriegsrathe zur Entscheidung vor und bemerkte, dass 
Trenck „von extravaganter Conduite" sei und nichtdie erforderlichen Kenntnisse 
und Erfahrungen besitze, um ein solches Corps zu führen. Am besten schien 
es dem Feldmarschall, Trenck von der Armee zu entfernen. Vorläufig blieb 
der Pandurenführer bis zur Entscheidung des Hof-Kriegsrathes im Arrest. 
(FM. Graf Neipperg an den Hof-Kriegsrath, Neisse, 21. Juli 1741. [K. A . 
Schlesien 1741; VII, 35. Untersuchungs-Act H. K. R. Expedit. 1749, Mai 392.]) 
Der Vice-Präsident des Hof-Kriegsrathes, FM. Graf Khevenhüller, dem die 
Untersuchungsacten zur Berichterstattung zugewiesen wurden, erklärte in dem 
diesbezüglich dem Hof-Kriegsrathe erstatteten Referate, dass es ein Fehler 
gewesen sei, die Slavonier selbstständig zu verwenden, man hätte sie unter 
allen Umständen einem regulären Commando zuweisen sollen. Ueber Trenck 
selbst äusserte er sich, dass er ihn für einen „etourdi und mit nicht genüg- 
samer annoch maturierter Prudenz begabten Menschen" ansehe, dem es aber 
an „Courage und Herzhaftigkeit" nicht mangle. Man möge den verbüssten 
Arrest ihm als Strafe anrechnen, ihn verweisen, im Allgemeinen aber be- 
gnadigen. Er erachte es für das Beste, das Corps zu theilen, den einen Theil 



400 

Am 21. Juli entsendete FM. Graf Neipperg die Slavonier 
unter Oberstwachtmeister von Menzel's Führung gegen das 
preussische Lager. Sie überraschten am 23. Juli das Städtchen 
Strehlen und versuchten dasselbe in Brand zu stecken. Von herbei- 
geeilten Uhlanen zurückgetrieben, zog sich das Corps mit geringem 
Verluste wieder in die Wälder, aus denen es aufgetaucht war. 
Dieses Gefecht, sowie das häufige Erscheinen österreichischer 
Streifpartheien auf den Anhöhen südlich von Strehlen bewog König 
Friedrich II., auf dem Mehltheuer Berge eine Sternschanze an- 
legen und armieren zu lassen. *) 

Gegen den am rechten Oder-Ufer mit G00 Husaren und 800 
Croaten von Oppeln aus gegen Breslau streifenden Oberst Baron 
Trip s, dessen Partheien das Land bis nach Kreutzburg und Namslau 
hielten und alle Zufuhren von dort unmöglich machten, entsendete 
König Friedrich IL den GM. Prinzen Moritz von Anhalt 
mit 400 Bayreuth-Dragonern und 600 Husaren, welcher am 24. Juli 
in Ohlau eintraf, das hier stehende 2. Bataillon seines Eegiments 
an sich zog und über Peisterwitz und Bernstadt nach Namslau 
marschierte, wo er am 30. Juli eintraf. Die leichten österreichischen 
Truppen waren der Colonne des Prinzen ausgewichen, welcher 
Namslau durch ein Infanterie-D etachement besetzen Hess und über 
Bernstadt zurückmarschierte. 2 ) 



von Trenck, den anderen von Menzel führen zu lassen, die Inspection über 
die Slavonier überhaupt aber einem General aufzutragen. (FM. Kheven- 
hüller an den Hof-Kriegsrath, ddto. Wien. 23. Juli 1741. Browne'sches 
Manuscript.) Auch der Grossherzog ermahnte den Armee-Commandanten, mit 
den Slavoniern Geduld zu haben, welche, obschon er gern glaube, dass sie 
Excesse begiengen, „wenig den Feind fürchten". Aller Anfang, besonders mit 
derartigen Leuten sei schwer. Die Freiwilligen-Corps seien eben ein Versuch, 
von dem man sich, wenn er Erfolg habe, in Zukunft gute Kesvdtate ver- 
sprechen könne. (Der Grossherzog an FM. Grafen Neipperg, ddto. Press- 
burg, 8. Juli 1741. Mitthlgn. des k. und k. K. A., N. F. 1891, V, 221.) 

l ) Kriege Friedrich d. Gr. II, 77. 

*) Kriege Friedrich d. Gr. II, 81. 



Die Wiederaufnahme der Operationen durch die 
österreichische Armee. 

JL/er Vormarsch der österreichischen Armee, der auf den 
1. August